Schon am Anfang sagt er klipp und klar: „Mit dem Himmelreich
ist es wie…“ – Das Reich Gottes ist sein ganz großes Thema, und das erst recht hier gegen Ende des Matthäus-Evangeliums, unmittelbar vor seinem Leiden und Sterben.
Das heutige Gleichnis steht innerhalb einer Reihe von Gleich-
nissen, die alle dringend zur Wachsamkeit aufrufen, zum Beispiel das Gleichnis von den Jungfrauen, die mit ihren Öllampen auf die Ankunft des Bräutigams warten. Auch da passiert es, dass ein Teil von ihnen sich töricht verhält. Sie haben nicht genug Öl für ihre Lampen mitgenommen und müssen deshalb nach langem Warten doch vor dem verschlossenem Hochzeitssaal stehen bleiben, weil der Bräutigam sie nicht mehr hereinlässt.
Um das Reich Gottes geht es also, und natürlich darum, wie man da hereinkommt. Oder anders ausgedrückt: Es geht darum, was von uns dafür erwartet wird. Heute erzählt Jesu dazu das Bei-
spiel eines reichen Herren.
Ausländische Investoren gab es nämlich damals zuhauf in Israel, da das Land von den Römern besetzt war. Sie alle hatten ihren Hauptwohnsitz im Ausland, z.B. in Rom und konnten ihren Reichtum in Ruhe genießen. Nur alle paar Jahre nahmen sie die Strapazen der gefährlichen Seereise auf sich und schauten auf ihren fernen Ländereien nach dem Rechten. Während ihrer Abwesenheit sorgten aber tüchtige Verwalter dafür, dass die Unternehmenwie z.B. Weinberge möglichst gute Gewinne erwirtschafteten.
Dafür waren zum Teil sogar gut ausgebildete, äußerst zuver-
lässige Sklaven eingesetzt, die in eigener Verantwortung die Güter verwalteten und ausdrücklich Verfügungsgewalt hatten wie heute etwa ein Prokurist einer Firma. Wenn also etwa solch ein Diener angegriffen wurde, galt das als persönlicher Angriff auf seinen Herrn und hatte im Schutze der römischen Armee und Justiz entsprechende Folgen. Daher kam also ihre Autorität und die Selbstverständlichkeit, mit der ein Diener die Geldgeschäfte seines Herrn nach eigenem Ermessen tätigte. Natürlich kann man sich andererseits ohne große Phantasie ausmalen, was wohl mit einem Diener geschah, der seinen Herrn betrogen hatte und bei einer unangekündigten Kontrolle aufflog…
In unserem konkreten Beispiel geht der Herr, wie Jesus erzählt, für eine lange Zeit auf Reisen. Wie wir bereits wissen, darf er wie ein heutiger Konzern-Chef getrost davon ausgehen, dass er sich auf seine Führungs-Mannschaft verlassen kann. Er kennt seine Leute offenbar sehr genau, denn er gibt jedem eine andere, eine eigene Aufgabe: Während er dem ersten die Riesensumme von fünf Talenten anvertraut, sind es beim zweiten Diener noch zwei Talente und beim dritten sogar nur noch eines. Keiner soll also überfordert werden, jeder bekommt die für ihn persönlich passende Menge zur Verfügung. Es hat schließlich keinen Sinn, jemand eine so gewaltige Aufgabe zuzumuten, durch die er sich so quält, dass er nachts nicht mehr schlafen kann. Auch im heutigen Wirtschaftsleben und sogar in der Kirchen-
verwaltung kommt es darauf an, dass man Aufgaben gut delegieren kann. Ein schlechter Chef, der alles selber machen will!
Der Chef im Gleichnis Jesu hat seine Leute offensichtlich ganz richtig eingeschätzt: die beiden ersten stürzen sich unver-züglich auf die Arbeit und wirtschaften tüchtig mit dem anvertrauten Vermögen. Ausdrücklich heißt es bei den beiden „Sofort begann der Diener…“ - Alle beide empfinden das Vertrauen ihres Herrn also als große Ehre und Verpflichtung und legen sich mächtig ins Zeug.
Nicht so jedoch der dritte Diener. Obwohl ihm wohl kaum verborgen geblieben sein dürfte, wie die anderen schaffen, verbuddelt er den ihm überlassenen Anteil lieber irgendwo in einem Erdloch. Das scheint ihm die sicherste Geldanlage zu sein, die außerdem den Riesenvorteil hat, dass sie kein bisschen Arbeit macht.
Während die anderen die Gewinne immer wieder neu investieren müssen, Risiken abwägen und ihre Aufgabe stets im Auge behalten müssen, legt der dritte Diener einfach eine jahrelange Schaffenspause ein. Eine ganze Reihe selbstgenehmigter Sabbatjahre gewissermaßen. Ganz gewiss ist bei ihm ein Stück weit auch die Angst mit im Spiel, er könnte etwas falsch machen. Er hält das aber wohl auch für eine prima Ausrede, um sich Mühe und Risiko zu ersparen.
Das jedoch findet der Herr in diesem Gleichnis Jesu gar nicht komisch. Wie man eigentlich als Diener wissen sollte, taucht er nach langer Zeit völlig überraschend auf und verlangt von seinen Dienern Rechenschaft über ihren Umgang mit dem anvertrauten Vermögen.
Man spürt richtigdie Freude, mit der die ersten beiden Diener ihrem Herrn das Ergebnis ihrer jahrelangen Mühe präsentieren:
Beide haben sich mit Erfolg angestrengt und die ursprüngliche Summe glatt verdoppelt. Dafür lobt der Herr sie, wobei auffällt, das gleich viermal das Wort „treu“ vom Herrn verwendet wird. Er sieht es also ganz klar als Zeichen von Treue, dass sie sich so für ihn eingesetzt haben.
Beiden verspricht er, dass sie nach dieser in seinen Augen offenbar noch kleinen Aufgabe noch mehr Eigenverantwortung übertragen bekommen werden. Er ruft sie beide nacheinander
an seine Seite mit dem Satz: „Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!“ - Auch hier spürt man deutlich, wie das alles nicht von Angst, sondern von großer Freude getragen ist. Der Herr will seine Freude mit seinen Getreuen teilen!
Als schließlich der dritte Diener vor den Herrn tritt, holt er sofort ungefragt zu einer groß angelegten Entschuldigungsrede aus.
Er wisse ja, was für ein strenger Mann sein Herr sei, und nur deshalb habe er das Geld vergraben. Mit der Bemerkung „Hier hast du es wieder“ - oder wörtlich: „Hier hast du das deine!“ legt er ihm das Geld vor die Füße.
Da hat er aber die Rechnung ohne seinen Herrn ge-macht! Der lässt das Argument der Angst nicht gelten, und das mit gutem Grund:
die beiden anderen (immerhin eine satte Zwei-Drittel-Mehrheit) haben doch den-
selben Herrn, haben aber offensichtlich keine Angst vor ihm. Ganz im Gegenteil: sie können sich von Herzen mit ihm freuen, weil sie ihm treu ergeben sind.
Da wundert es uns wirklich nicht, dass der Herr diesen Diener mit deutlichen Worten zurechtweist: „Du bist ein schlechter und fauler Diener!“
Er wirft ihn aber nicht einfach hinaus in die Finsternis, sondern er belehrt ihn ausführlich: Wenn der Diener schon nicht selbst mit dem Talent arbeiten wollte, hätte er es doch wenigstens anderen anvertrauen können, damit es Gewinn bringt. Aber offenbar kam ihm selbst das überhaupt nicht in den Sinn, dem „nichtsnutzigen Diener“ .
Der Herr redet Fraktur. Das ist wirklich Klartext pur: Du hast es vermasselt, aber nicht, weil du nicht konntest, sondern weil du einfach zu faul warst. Deine Ausrede akzeptiere ich nicht!
Wir können dem Herrn sicher nachfühlen, dass er von diesem undank-baren Diener enttäuscht ist. Dabei hatte er von vorneherein nie Äpfel mit Birnen verglichen, hatte nie alle über einen Kamm geschoren. Die Aufgabe war speziell für diesen Helfer mit Bedacht ausgewählt, nur für ihn. Er hätte sie bewältigen können, aber er hat seine Chance leichtfertig vertan. Damit hat er sich allerdings selbst ins Abseits gestellt, ins Dunkle, für immer getrennt von seinem Herrn. Was ursprünglich für ihn gedacht war, das wird ihm jetzt weggenommen und einem anderen noch dazu gegeben.
Jesus wollte uns hier selbstverständlich keine unterhaltsamen Histörchen erzählen. Uns ist klar, dass er mit dem Herrn, der seinen Dienern Aufträge gibt, seinen Vater im Himmel meint.
Und die Diener, das sind natürlich wir alle!
Wir alle sind hier auf Erden unterwegs im Auftrage des Herrn. Jesus belehrt mit dem Gleichnis die Gläu-bigen aller Zeiten:
Es ist falsch, das uns anvertraute Talent, den anvertrauten Schatz, einfach nur zu vergraben, also unge-
nutzt liegen zu lassen. Unser Schatz, das sind keine Millionen von Dollars, die in Gefahr sind, als Seifenblasen am Speku-
lantenhimmel zu zerplatzen, wenn wir uns verkalkulieren.
Unser Schatz, das ist unser konkreter Auftrag von unserem himmlischen Chef, ganz speziell für jeden persönlich.
So wie der Herr im Gleichnis Jesu selbst entschieden hat, wem er wieviel zutraut, so ist es auch bei uns heute. Gott sagt ja nicht: Hallo, du da, such dir doch mal eine möglichst schwierige Auf-
gabe aus, die du kaum schaffen kannst, wo dir kaum noch die Luft zum Atmen bleibt. Pack dir als Christ mal ordentlich was auf den Buckel!
Nein, Gott kennt jeden von uns, und zwar offensichtlich sehr viel besser,als wir uns selber kennen.
Gott weiß, was er jedem zumuten kann. Es stimmt: Gott ist wirklich ein Groß-
Investor. Er investiert nämlich in Menschen. Er will aber weder Angst-
hasen noch wild gewordene Speku-
lanten, sondern er will ausdauernde Diener, die in Treue zu ihm stehen. Gott vergibt die Talente nach seiner wirklich klugen Einschätzung - und nicht, damit wir uns unseren kleinen Menschenkopf darüber zerbrechen, warum gerade wir diese Aufgabe vor uns haben. Warum Gott genau so und nicht anders entscheidet, das wissen wir nicht.
Der eine oder andere wird vielleicht denken: Ach, was soll ich schon können… So ein Riesentalent habe und bin ich nicht. Keine Talentshow der Welt würde sich für mich interessieren!
Nehmen wir es doch einfach gläubig und mit Freude an:
Gott vertraut uns offensichtlich. Er braucht dafür keine Talent-
show. Er traut uns was zu. Dem einen dies, dem anderen jenes. Dem einen viel, dem anderen weniger.
Woher nehmen wir eigentlich als Diener das Recht, für uns und sogar für Gott zu behaupten: Ach, ich kann doch nichts, ich lasse das irgendwo ungenutzt verschwinden, was du mir anvertraut hast!
Von Jesus sind wir heute mit diesem Gleichnis jedenfalls wieder eindringlich aufgerufen, für den uns zugeteilten Auftrag bereit zu sein. Der eine hat das Talent bekommen, alten oder kranken Menschen gut zuhören zu können. Die Geschichte, die ihm gerade vielleicht zum zwanzigsten Mal erzählt wird, die bleibt
ihm trotzdem wichtig, weil er den Menschen schätzt, der sie ihm immer wieder erzählt. Was für ein Talent, geduldig zuhören zu können!
Ein anderer hat vielleicht das Talent bekommen, von ganzem Herzen für andere Menschen beten zu können. Wie dumm es doch ist, wenn derjenige dann z.B. meint: Ach, ich bin ja alt
und kann nichts mehr tun! Was für ein schönes Talent ist es in Wirklichkeit, Gott für andere bitten zu können, die es jetzt aus allerlei Gründen selbst nicht können!
Viele Beispiele gäbe es, auffallende Talente, die wir bei Menschen sofort bemerken - und auch solche, die ganz unauffällig in der Stille wirken und doch großen Gewinn für den Himmel bringen. Talente vielleicht, von deren Segen nur Gott allein weiß.
Ja, aber, wird dann gerne gesagt – da gibt es doch immer viel Frömmere, viel Begabtere, viel Schönere, viel Klügere als mich! Ich fühle mich da doch eher wie eine ewige religiöse Groß-
baustelle, die zu meinem Bedauern nie fertig wird…
Ja, das mag sein. Keiner weiß das aber besser als unser Herr. Die andauernden Baustellen gibt es, im eigenen Leben und in der ganzen Kirche. Bei der Taufe war ein eingebauter Heiligenschein übrigens noch nie inclusive. Das heutige Gleichnis hilft uns auch da weiter: Es warnt uns, damit wir es nicht so machen wie der dritte Diener. Am schlimmsten ist das Nichtstun. Das ist aus Gottes Blickwinkel nichtsnutzig. Jesus ermuntert uns heute ausdrücklich: Traut euch doch bitte selber was zu – Gott tut es schließlich auch!
Du musst dabei kein Genie sein, du musst das Rad nicht neu erfinden und nicht Wasser in Wein verwandeln können.
Sei einfach du selbst und mach was aus dem Geschenk deiner Talente, aus dem Geschenk deines Lebens!
Du wirst sehen – dein Herr wird sich freuen, wenn er eines Tages plötzlich vor dir steht. Und du darfst dich dann mit ihm freuen, so wie er das ausdrücklich will. Mal ganz ehrlich: Ist das nicht herrlich?
Prof. Dr. Nikolaus Wandinger: „Das vergrabene Talent“>> BITTE KLICKEN !
Predigt Pfr. Martin Adel: „Ich werfe mein Talent in die Waagschale“ >> BITTE KLICKEN !
Predigt Pfr. Dr. Sascha Flüchter (pdf)
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Predigt Pfr. Karl Sendker
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Experiment: 5 Euro für jeden Gottesdienst-Teilnehmer
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Predigt Pfr. Wolfgang Fleißner: „Mut zum Handeln“
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Predigt Heike Brandt: „Zu treuen Händen“ (pdf)
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Lesehilfe des Kath. Bibelwerkes (pdf)
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Materialien zum Diaspora-Sonntag am 20.Nov.2011
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Der Kaplan zeigt beim Erstkommunionunterricht den Kindern den Beichtstuhl. Ein kleiner Junge sieht die Stola dort hängen und fragt den verdutzten Kaplan: „Ach, müsst ihr euch jetzt auch anschnallen?"Kommt ein Tscheche zum Augenarzt. Der hält ihm die Buchstabentafel vor, auf der steht: C Z W X N Q Y S T A C Z
Der Arzt fragt: „Können Sie das lesen?"
"Lesen?", ruft der Tscheche erstaunt aus, „ich kenne den Kerl!"
Sie können diese Predigtgedanken auch selbst herunterladen (Link funktioniert bis etwa 15.12.2011, danach per E-Mail bei mir anfordern):
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