26.11.2008

1.Adventssonntag B - 30.11.2008

(Fortsetzung)

Wer in diesen Kategorien denkt, der hat das heutige Evange-

lium nicht zu Ende gelesen oder gehört. Es geht eben nicht um die große Panikmache. Das Thema ist eben nicht: Advent, Advent – das Weltall brennt!

Vielmehr geht es um ein Ereignis, das alle Christen weder überraschen noch schockieren soll. Da bricht eben nicht völlig überraschend der Winter herein und kein Mensch hat Winterreifen montiert. Zumindest die Christen wissen es und sind rechtzeitig gerüstet dafür.

Es geht um den endgültigen Advent, um die Erfüllung unserer Vater-unser-Bitte: „Dein Reich komme!“

In der Messfeier beten wir nach den Wandlungs-

worten: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“ –

Wir wissen es: Advent heißt „Ankunft“. Der Herr wird wiederkommen, und zwar „mit großer Macht und Herrlichkeit“, wie es im heutigen Evangelium heißt.


Schon das Wort „Herrlichkeit“ signalisiert, dass dies wohl kaum als Drohung gedacht sein kann. Oder fühlen Sie sich bedroht, wenn Sie etwas ganz Herrliches sehen? Einfach herrlich wird es sein, wenn der Herr einst wiederkommt! Unbeschreiblich herrlich!

Seine Engel wird er aussenden, heißt es. „…vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels“ werden seine Boten unterwegs sein. Das heißt: sie werden überall unterwegs sein, in jedem Winkel, an jedem Platz,

an den sie als Boten geschickt werden. Ihre Aufgabe ist klar formuliert: Sie sollen die Menschen, die der Herr ausgewählt hat, aus allen Ecken und Enden zusammenführen und zu ihm bringen. Eine himmlische Extrafahrt gewissermaßen. Keiner wird vergessen.


Das ist die frohe Botschaft des 1. Advents an die,

die auf dieses Ereignis vorbereitet sind. Und das ist das Stichwort für das heutige Evangelium: es geht um adventliche Vorbereitung!

Jesus wählt dazu einen sehr anschaulichen Vergleich. Vom Feigenbaum sollen wir Christen lernen: „Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr all das geschehen seht, dass das Ende vor der Tür steht.“

Dazu muss man wissen, dass im Lande Israel wegen des milden Klimas viele Bäume im Winter ihr Laub behalten. Der Feigenbaum gehört zu den wenigen Bäumen, die auch dort ihr Laub abwerfen und daher im Frühjahr neue Blätter treiben. Wenn es so weit ist, kann jeder, der nicht mit Blindheit geschlagen ist, eindeutig und zweifelsfrei erkennen: Aha, jetzt geht es mit dem Frühling los, der Sommer ist also nicht mehr weit!


Jesus macht uns damit klar, dass es kein Rätselraten geben wird um die Zeichen der Zeit. Nein, da wird keine Spekulation nötig sein, kein Kartenlegen und keine Wahrsagerei. All das ist Unsinn, denn das Ende wird so deutlich und unmissverständlich erkennbar sein wie das Austreiben saftiger Blätter. Allerdings nur für diejenigen, die die Augen offen halten.

Wenn Jesus ausgerechnet ein Bild des Frühlings wählt, ein Bild des Wachsens, dann will das bei uns Christen ganz besondere Frühlingsgefühle wecken:

Ja, da grünt alle Hoffnung, da wird Leben in Fülle!


Die Augen offen halten – das ist ein zweites Stichwort!

Der Christ soll ein aufge-

weckter Bursche sein. Christen sind keine Tagträumer und keine, die ihr Leben lang herumdösen. Christen sind aufmerksame Leute. Sie lassen sich nicht einlullen vom Geschrei der Medien und Verkaufs-Strategen. Sie wissen, das ihr Leben kein Produkt eines blinden Zufalls ist, sondern gottgewollt.

Und die Christen wissen, dass ihr Leben auch nicht in einem sinnlosen Nichts endet. Am Ende steht nicht der Untergang, sondern Christus, der strahlende Sieger und Herr! Es geht also nicht um ein Ende wie bei einer Sackgasse, sondern es geht um ein Ankommen am Ziel, um Voll-endung!

Die Menschheit wird also nicht einfach mal so untergehen, bloß weil da ein Irrer den Atom-

raketenknopf gedrückt hat. Alles, was geschieht und wann es geschieht, liegt fest in Gottes Hand. „Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft“, sagt Jesus. Und „Generation“ ist da gemeint im Sinne von Menschengeschlecht. Eine klare Absage also an jede Panikmache!


Aber, und das ist das dritte Stichwort, es ist auch ein dringender Appell, eine klare Anweisung in diesen Worten. Viermal kommt der Begriff „wach“ oder „wachsam“ im heutigen Text vor – mehr geht kaum noch!

Wachsam sollen sie sein, die Christen, denn nur der Vater im Himmel weiß, wann es so weit ist. Jesus spricht zur Erläuterung wieder einmal von einem Mann, der auf Reisen ging und jedem seiner Diener eine konkrete Aufgabe übertrug. Ausdrücklich heißt es: „Er übertrug alle Verantwortung seinen Dienern, jedem eine bestimmte Aufgabe; dem Türhüter befahl er, wachsam zu sein.“

In Deutschland, dem Land der Schlösser und Burgen, können wir uns das gut vorstellen: Auf den Türmen saßen die Wachmannschaften und beobachteten rund um die Uhr, was sich draußen vor den Mauern tat. Mittelalterliche Städte hatten oft hoch oben im Kirchturm die Türmer, die dort in ihrer engen Türmerstube wohnten und die Stadt z.B. bei Ausbruch eines Feuers sofort alarmieren sollten.


Zur Zeit Jesu gab es auf den großen Besitztümern Wachtürme. Schließlich gab es genügend Schurken, die vor allem im Schutze der Dunkelheit in das Grundstück oder gar ins Haus eindringen wollten, um Schaden anzurichten, vom Diebstahl bis zum Mord. Dementsprechend waren die schweren Türen gesichert. So waren Tag und Nacht Türhüter im Einsatz. Sie hiel-

ten nicht nur Ausschau, sondern kontrollierten auch, wer hereinkam und wer nicht. Sie hatten zu entscheiden, wem alle Türen des Hauses offen standen. Da muss man auf der Hut sein, damit kein Übeltäter unter einem Vorwand eindringen kann. Da muss man unterscheiden können zwischen Freund und Feind, zwischen gut und böse. Da muss man eine gute Wahrnehmungs-Fähigkeit haben, die sich nicht austricksen lässt. Wer seinen Herrn und die Seinen nicht gut kennt, der bekommt da erhebliche Probleme.


Wir haben das sicher schnell verstanden: Jesus erzählt dies alles so genau, um auch uns heute und gerade zu Beginn des Advents ganz wach zu machen. Schaut genau hin, was sich in eurer Welt, in eurer täglichen Umgebung so alles tut. Seid wie die Wächter am Tor: lasst euch nur kein X für ein U vormachen! Lasst als Christen nicht alles in euer Haus und in euer Herz hinein! Böse Eindringlinge wollen in euch, im Besitz des Herrn, großen Schaden anrichten, also rechnet lieber gleich damit und lasst die Verführer nicht hinein!


Das Wachen hat noch einen weiteren triftigen Grund: Der Herr selbst wird kommen, vielleicht um Mitternacht, oder vielleicht beim ersten Hahnenschrei am frühen Morgen. Bei den Luxushotels ist es heute Standard, dass der Service rund um die Uhr angeboten wird – wenn der Prominente es will, kann er morgens um vier Uhr sein Abendessen bekommen. Die Mannschaft steht die ganze Nacht bereit. Superpeinlich wäre es, wenn da jemand einfach verpennen würde.

Unser Prominenter, mit dem wir zu jeder Zeit rechnen sollen, ist Gott persönlich. Wenn er plötzlich kommt, soll er uns nicht schlafend antreffen, warnt uns Jesus.


Damit wären wir beim letzten Stichwort:

Wie geht das – wachsam sein?

Das beantwortet uns schon unser Alltag. Schauen wir z.B. auf die Feuerwehr. Damit es im Ernstfall nicht zum Chaos kommt, damit jeder Handgriff sitzt, wird immer wieder geübt. Immer wieder werden Gefahrensituationen von der Mannschaft durchgespielt. Jeder kennt seinen Platz.

In kürzester Zeit kann im echten Notfall eingegriffen und Leben gerettet werden.

- Zu unserer christlichen Wachsamkeit gehört also besonders im Advent auch, dass wir unsere Aufgabe, unser Leben als Christ immer wieder überdenken und einüben. Da reicht es eben nicht, Gottes Gebote auf dem Papier zu kennen. Man muss sie auch einüben, man muss sie auch trainieren. Oder mit einem Bild aus dem Bereich der Eisenbahn: man muss rechtzeitig in seinem Leben die Weichen richtig stellen, sonst fährt der Zug wer weiß wohin.

Nutzen wir also die Zeit des Advents, um nach dem Herrn Ausschau zu halten, der sein Kommen angekündigt hat!


Wachsamkeit ist aber nichts Hektisches.

Wir müssen nicht ständig unter Strom stehen. Der Advent ist keine Sportart und es gibt kein Sieger-treppchen. Unsere Aufgabe als Türhüter besteht darin, konzentriert zu sein, allzeit bereit zu sein, wie die Pfadfinder es formuliert haben.

Einfach immer nur Ausschau halten, denn jeder Tag, jede Nacht könnte der letzte Tag, die letzte Nacht unseres Lebens sein, bevor der Herr eintrifft!


Das heutige Evangelium erinnert uns Christen ganz eindringlich daran: alle irdischen Sicherheiten zählen nichts mehr, wenn der Herr kommt! Manche haben es schon schmerzlich in ihrem Leben erfahren müssen, wie plötzlich das Verfallsdatum von Wohlstand, Gesundheit und allem irdischen Glück erreicht sein kann.

Machen wir also die Türe unseres Herzens bereit und lassen den Herrn ein: „O Heiland, reiß die Himmel auf…“ (Gotteslob Nr. 105)



Predigt (ev.-ref.) aus der Schweiz (pdf-Datei)

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„Downloads für Lektoren“ Kath. Bibelwerk (pdf)

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Meine Gedanken zum 1. Advent A – 2007

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Viele Tipps für selbstgebastelte Adventskalender

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Heute noch Türmer in Nördlingen/Ries

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Pfadfinder-Motto: Allzeit bereit… (pdf-Datei)

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Predigt rettete Priester vor Mafia-Mord

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Vatikan-Alarm: Kopfgeld auf Christen in Indien!

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Drei Teufelslehrlinge

Drei Teufelslehrlinge wollten ihre Gesellenprüfung machen und suchten nach geeigneten Aufgaben für ihr Gesellenstück. Sie besprachen dies mit ihrem Teufelsmeister: Der eine wollte den Menschen erzählen, dass es keinen Gott gibt, der zweite, dass es keine Hölle gibt.

Ihr Teufelsmeister lachte laut und erklärte: „Damit werdet ihr keinen Erfolg haben; die Menschen werden immer tief in ihrem Inneren spüren, dass es noch etwas über ihnen gibt, ganz gleich, wie sie es nennen.

Sie werden zumindest ahnen, dass Gott da ist und sie werden immer das Empfinden haben, dass eine schlechte Tat eine Bestrafung nach sich zieht. Eure Pläne könnt ihr also vergessen!“

Der dritte Lehrling grinste und sagte: „Ich hingegen werde den Menschen sagen, dass es nichts gibt, was sofort getan werden muss. Man kann alles erst einmal überschlafen und getrost ein paar Tage verschieben…“

Da klopfte ihm der Lehrmeister auf die Schulter und gratulierte ihm: „Damit wirst du garantiert Erfolg haben! Du wirst viele Menschen mit der Methode der langen Bank verwirren und viel Unheil stiften. Somit kannst du Teufelsgeselle werden!“

(Quelle: unbekannt)


Der Knecht des Kalifen

Ein reicher und angesehener Kalif schickte einen seiner Knechte auf den Markt zum Einkaufen. Kurze Zeit später stand der Knecht mit leeren Händen, bleich und am ganzen Leib zitternd vor ihm. Er warf sich vor seinem Herrn auf die Knie und flehte ihn an: „Herr, ich muss fliehen! Leih mir bitte dein schnellstes Pferd!“

"Bei Allah!“, entgegnete ihm der Kalif, „was ist bloß geschehen?"
"Der Tod ist mir begegnet. Mitten auf dem Marktplatz traf ich ihn. Ganz in Schwarz stand er vor mir, mit einem breiten Hut! Groß angesehen hat er mich, und ich glaube, er wollte mich packen. Ich bin natürlich gerannt, so schnell ich konnte. Du allein kannst mir helfen. Ich will nach Ashdod fliehen! Da gibt es Millionen Menschen. Da sind enge Gassen. Da werde ich mich verstecken!"
Der Kalif empfand großes Mitleid mit seinem schockierten Diener. Er lieh ihm sein schnellstes Pferd. Sein Diener jagte davon. Noch vor Einbruch der Dunkelheit wollte er Ashdod erreichen, die ferne Hafenstadt. So weit weg würde er wohl vor dem Tod sicher sein.


Der Kalif aber war neugierig geworden. So entschloss er sich, zum Markt zu gehen und sich dort umzuschauen. Bald schon sah er im Gewühle des Markttreibens die vom Knecht beschriebene Gestalt. Bald standen sie sich gegenüber. Es gab für den Kalifen keinen Zweifel: das war der Tod!

Der Kalif sah ihn an und fragte: „Du hast heute morgen meinen Knecht furchtbar erschreckt. Warum? Hattest du eine Verabredung mit ihm?"
Der Tod sah den Kalifen an, zuckte kurz mit den Achseln und sprach mit ruhiger Stimme: „Ich wollte deinen Knecht nicht erschrecken. Ich hatte keinen Grund dafür. Allerdings - eine Verabredung habe ich wohl mit ihm. Aber nicht heute, sondern erst morgen, und auch nicht hier, sondern weit weg von hier in der Hafenstadt Ashdod. Du verstehst, dass ich schon sehr verwundert war, deinen Knecht heute ausgerechnet hier anzutreffen! Ich dachte mir nämlich: Wie um alles in der Welt wird der Kerl denn bis morgen den weiten Weg bis Ashdod schaffen?"

(Quelle: unbekannt)


Ein junger Pfarrer ist dafür bekannt, dass er - vornehm formuliert – sehr zügig Auto fährt. Als er eines Sonntags auf dem Weg zur Messfeier in einer Filialgemeinde 500 m vor der Kirche eine ältere Dame sieht, will er ihr behilflich sein: „Steigen Sie ein, ich nehme Sie gerne mit zum lieben Gott!“ – „Ach nein“, erwidert diese, „offen gestanden fühle ich mich in Ihrem Auto schon zu sehr in seiner Nähe…!“


Eine Pfarrgemeinde hat sich zu einer Missionswoche entschlossen, um den Glaubensschwung in der Pfarrei zu erneuern. Ein Pater ist als Referent auf einem Plakat an der Kirchentüre angekündigt. Sein Thema steht in großer Schrift da und soll die Leute wachrütteln: „Weißt du, was Höllenqualen sind?“

Ein aufmerksamer Kirchenbesucher hat darunter gekritzelt: „Klar doch, ich habe unseren Kirchenchor schon gehört!“


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19.11.2008

Christkönig (34.So A) - 23.11.2008

(Fortsetzung)

Jesus erklärt im Evangelium, dass sofort nach dem Trennen etwas geschehen wird.

Er als Richter wird zuerst zu denen sprechen, die vor ihm auf der guten Seite stehen dürfen: „Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Erde für euch bestimmt ist.“ -

Man überhört das leicht: Jesus stellt hier nicht nur die Einheit mit seinem Vater fest, sondern er betont auch: Vom Anfang der Erde an ist es in der Schöpfungs-

ordnung Gottes so vorgesehen, dass die Menschen als Gotteskinder das Reich in Besitz nehmen dürfen.

Es ist gewissermaßen von Anfang an für sie reserviert. So hat es Gott vorgesehen. So ist das endgültige Ziel der Menschen vom ihm gedacht. Im Vaterunser beten wir es ja auch immer wieder: „Dein Reich komme…!“ – Jetzt, da sie vor ihm stehen, ist für sie dieser glückliche Moment endlich da: sie sind am Ziel, sie sind angekommen, Gottes Reich steht ihnen in seiner ganzen Fülle offen.


Doch Jesus erklärt uns im heutigen Evangelium natürlich auch, warum jemand in sein Reich eintreten darf: Nicht, weil man den Tauf-

schein gerade dabei hat oder weil man immer in der Kirche war oder weil man doch so gut katholisch oder so gut evangelisch ist. Nein, man ist dabei, weil man Jesus aus einer existentiellen Notlage geholfen hat:

„Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.“


Die Reaktion der Betreffenden kann man sich gut vorstellen, wie Jesus sie auch schildert: Man ist schlicht und einfach verblüfft. Ich soll Jesus geholfen haben? Ich soll ihm zu essen und zu trinken gegeben haben? Ich soll ihn sogar im Krankenhaus oder Gefängnis besucht haben? –

Verwundert reiben sie sich die Augen: Da kann ich mich beim besten Willen nicht dran erinnern, wirklich nicht! Wo und wann soll das denn gewesen sein?

Das hätte ich doch bestimmt gemerkt! – So stellen sie dem Weltenrichter diese Frage, die sie brennend interessiert.


Die Antwort Jesu ist eine große Überraschung: Er ist ihnen gewissermaßen anonym begegnet, inkognito, unerkannt: „Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

Das ist schon schwere Kost! Das ist schon eine Zumutung! Nicht den richtigen oder falschen Glauben macht der Richter zum Kriterium seiner unwiderruflichen Entscheidung, sondern das richtige oder falsche Handeln! Der Maßstab ist also, was man für den Nächsten in Not getan oder unterlassen hat. Genau in diesem Nächsten, der auf Hilfe angewiesen ist, tritt Jesus uns entgegen.


Schade, lieber Jesus, wird da manch einer denken,

das ist ziemlich unbequem. Anders wäre mir schon lieber gewesen. Freier Eintritt im Himmel für alle regelmäßigen Kirchenbesucher zum Beispiel. Das mit dem Nächsten ist so kompliziert, so unplanbar, einfach schlecht zu handhaben.

Auf dem Papier ist das ja alles prima, Essen und Trinken geben, Kranke besuchen, Obdachlose aufnehmen usw. – Aber in der Praxis, da wird’s schwierig: Der Nächste ist auch nicht immer ein angenehmer Zeitgenosse, und mit einem ver-

schenkten Butterbrot ist es ja auch nicht getan. Da geht es um Zeit, die man opfern muss. Da geht es um Zuwendung, und da geht es sicher auch oft genug um Überwindung, denn das alles macht nicht immer nur Spaß.

Ein Krankenbesuch zum Beispiel bei einem Kranken, der nur meckert und verdreht ist, kann einen selber schon fast krank machen. - Jesus, das ist eine ganz schön harte Nuss!


Wenn wir Jesus dies so sagen würden, wäre er sicher erstaunt: Da hast du mich nicht richtig verstanden, mein Freund! – Denn eigentlich müsste die Freude über das heutige Evangelium bei Lichte betrachtet riesengroß sein. Es geht uns durch die heutige Erklärung Jesu so wie manchmal Schülern vor einer wichtigen Prüfung: Wir haben vom Prüfer selbst einen ganz heißen Tipp bekommen. Er meint es gut mit uns und hat heute durchblicken lassen, welches Thema in der Prüfung dran ist. Der Theologe Prof. Dr. Klaus Berger formulierte dazu einmal, Jesus habe uns mit dieser Bibelstelle „den Geheimcode des Weltgerichts verraten“.


Es soll uns eben nicht so ergehen wie denen auf der linken Seite, die in das ewige Feuer sollen, „das für den Teufel und seine Engel be-

stimmt ist!“ – Gott möchte uns also nicht aussortieren. Der Teufel und seine mit ihm gegen Gottes Pläne revoltierenden Engel haben sich selbst ins ewige Abseits manövriert. Für sie ist dieser Platz der traurigen Gottesferne bestimmt, nicht für die Menschen.

So gesehen ist das heutige Evangelium vom Welt-

gericht für den aufmerksamen Zuhörer letztlich zwar eine harte Warnung, aber eine Warnung, wie sie liebevolle Eltern ihren Kindern manchmal geben müssen: Achtung, mach das nicht – das ist nicht gut für dich! Das ist gefährlich!


Daran müssen wir uns in der Bibel immer wieder gewöhnen: Bei Gott gibt es nichts Kleingedrucktes, was irgendwo versteckt ist wie bei manch einem Vertrag. Da hat man vielleicht was unterschrieben und merkt erst zu spät, dass man in eine Falle getappt ist, die jetzt schmerzlich teuer wird.

Gott dagegen redet Klartext. Da gibt es nichts, was man übersehen könnte. Und so redet Jesus heute ganz eindringlich nicht etwa von dem Bösen, was man tut, sondern von dem Guten, was man nicht tut.


Und da gibt es viel, viel zu viel, das

nicht getan wird. Viel zu viele hungern, aber nicht nur nach Brot, sondern vielleicht nach Zeit, nach einem guten Wort. Nichts ist für einen Menschen schlimmer als das Gefühl, eigentlich unerwünscht und überflüssig zu sein. Viel zu viele Menschen leben in allerlei Gefängnissen ihres Lebens, und viel zu viele sind seelisch längst obdachlos und nackt geworden. Das Leben hat ihnen übel mitgespielt, und nun haben sie einen Klotz am Bein, der sie am Fortkommen hindert. Sie sind in großer Not, wie diese auch immer konkret aussehen mag.


Schnell mag man jetzt denken: Das ist aber nicht ganz fair, Jesus! Ich tue doch wirklich viel, und du weißt es, Herr! Auch ich habe meine engen Grenzen. Ich bin nicht Einstein oder Moses, nicht Mutter Teresa und nicht der heilige Nikolaus. Auch ich komme manchmal nicht weiter, auch ich sitze manchmal in meinem Gefängnis und käme so gerne da raus!


Dieses Gefühl dem heutigen Evangelium gegenüber kann entstehen, wenn wir es als Einzelne lesen, wenn wir es als nur für unsere Person geschrieben verstehen. Dann kann das Gefühl schon schnell aufkommen: Ach, schon wieder will Jesus was von mir…! –


Wer auf den Bibeltext schaut, wird aber schnell feststellen müssen, dass da immer von der Mehrzahl die Rede ist, immer von vielen.

Da spricht Jesus zu denen auf der rechten Seite, und die Gerechten antworten ihm. Immer sind es viele, die hier gemeint sind.

Damit wird uns klar: Jesus erwartet nicht von einem Einzelnen, dass er oder sie die Welt umkrempelt. Niemand von uns kann ganz Afrika satt machen und niemand kann 24 Stunden lang Tag und Nacht Kranke besuchen und Traurige trösten.


Wir alle sind gemeint. Alle können und sollen mit anpacken. Das ist wie bei einem Möbeltransport:

So ganz alleine kannst du den schweren Wohn-

zimmerschrank nicht in die vierte Etage bringen.

Aber wenn alle mit anpacken, wenn alle demjenigen helfen, der gerade ihre Hilfe braucht? Und wenn dir auch jemand hilft, dessen Nächster du selbst bist, wenn du in irgendwelchen Nöten bist?


Ja dann! Ja, dann kann das natürlich gelingen!

Wenn viele an ihrem Platz zupacken, auf den sie gestellt sind. Wenn viele die Augen nicht verschließen…

Ja, es sind offenbar viele, die nicht nur das Herz auf dem rechten Fleck haben, sondern die beim Gericht dereinst in der Stunde der Wahrheit auf der rechten Seite stehen werden. Und wenn Jesus Christus sein größter Wunsch erfüllt würde, dann wären es alle.


Verkünden wir also das Evangelium, ob gelegen oder ungelegen! Warnen wir unseresgleichen und alle,

die es hören wollen oder auch nicht: Achtung – Lebensgefahr! Hör auf Jesus! Setz dein ewiges Leben nicht auf’s Spiel!




Pater Löwenstein mit Predigt zu Besuch

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Kardinal Lehmann: Predigt zu Mt 25,31-46

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Gerichtsversammlung: (Evangel.) Predigt (pdf-Datei)

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Meine Gedanken zu Christkönig Lesejahr C

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Peter Hinske: Exegese zu Mt 25,31-46 (pdf-Datei)

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Das Doppelgebot der Liebe : 30.Sonntag A – 26.10.2008

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Geh jetzt, du störst…!

Eine berühmte chassidische Geschichte erzählt von einem frommen Rabbi, der sich so sehr wünschte, seinem Gott einmal leibhaftig zu begegnen. Also trug er ihm seine Bitte vor: „Jeden Tag komme ich in den Tempel, um dich zu besuchen. Jetzt wäre es mir eine große Freude, wenn du einmal in mein Haus kommen würdest und mich besuchtest.“

„Ich komme morgen“, sagte Gott, „mach alles für mich bereit“.

Der fromme Rabbi lief nach Hause und traf die notwendigen Vorbereitungen. Mitten in die Vor-

bereitungen platzte ein Kind, angelockt vom Duft der Süßspeisen, und bat um einen kleinen Kuchen. „Morgen bekommst du deinen Kuchen“, vertröstete der fromme Rabbi. „Heute kommt Gott. Geh jetzt, du störst.“

Doch Gott ließ auf sich warten. Stattdessen klopfte auch noch ein Fremder bei ihm an. „Nein, heute nicht“, sprach der Rabbi. „Morgen kann ich dir etwas geben. Geh heute zu meinem Nachbarn. Heute kommt Gott. Geh jetzt, du störst.“

Der Tag verging, aber Gott ließ sich nicht blicken. - Als die Spannung fast nicht mehr auszuhalten war, da klopfte ein dreckiger, kranker Bettler an die Tür.

„Nein!“, scheuchte ihn der Rabbi ärgerlich fort ,

„heute geht`s nicht, morgen ist soviel da, wie du willst. Heute kommt Gott. Geh jetzt, du störst."

Aber es wurde dunkel, und Gott kam nicht. -

Am nächsten Morgen ging der Rabbi voller Zorn in den Tempel und überhäufte Gott mit Anklagen und wütenden Vorwürfen: „So oft bin ich zu dir in den Tempel gekommen. Ist es da wirklich zu viel verlangt, wenn du ein einziges Mal zu mir kommen sollst?

Du hast es mir doch sogar versprochen!“

„Was willst du?“ erwiderte ihm Gott, „dreimal war ich da, aber du hast mich nicht erkannt.“ (Quelle: mir nicht bekannt)


Die Bettlerin und die Rose

Von Rainer Maria Rilke gibt es eine Geschichte aus der Zeit seines ersten Pariser Aufenthaltes:

Gemeinsam mit einer jungen Französin kam er um die Mittagszeit an einem Platz vorbei, an dem eine Bettlerin saß, die um Geld anhielt. Ohne zu irgend-

einem Geber je aufzusehen, ohne ein anderes Zeichen des Bittens oder Dankens zu äußern als nur immer die Hand auszustrecken, saß die Frau stets am gleichen Ort. Rilke gab nie etwas, seine Begleiterin gab häufig ein Geldstück.

Eines Tages fragte die Französin verwundert nach dem Grund, warum er nichts gebe, und Rilke gab ihr zur Antwort: "Wir müssen ihrem Herzen schenken, nicht ihrer Hand." - Wenige Tage später brachte Rilke eine eben aufgeblühte weiße Rose mit, legte sie in die offene, abgezehrte Hand der Bettlerin und wollte weitergehen.

Da geschah das Un-

erwartete: Die Bettlerin blickte auf, sah den Geber, erhob sich mühsam von der Erde, tastete nach der Hand des fremden Mannes, küsste sie und ging mit der Rose davon.

Eine Woche lang war die Alte verschwunden, der Platz, an dem sie vorher gebettelt hatte, blieb leer. Vergeblich suchte die Begleiterin Rilkes eine Antwort darauf, wer wohl jetzt der Alten ein Almosen gebe.

Nach acht Tagen saß plötzlich die Bettlerin wieder wie früher am gewohnten Platz. Sie war stumm wie damals, wiederum nur ihre Bedürftigkeit zeigend durch die ausgestreckte Hand.

„Aber wovon hat sie denn all die Tage, da sie nichts erhielt, nur gelebt?", fragte die Französin.

Rilke antwortete: "Von der Rose . . ."

(Quelle mir unbekannt)



„Sebastian, hast du dem Papagei diese schrecklichen Schimpfwörter beigebracht?“ – „Nein, Mami, ganz im Gegenteil: Ich habe ihm ganz genau erklärt, welche Wörter er auf keinen Fall sagen darf!“


Eines Tages besucht der Pfarrer den kranken Bauern Wilhelm. Der klagt ihm sein Leid: „Das Schlimmste ist die Langeweile, wenn man den ganzen Tag im Bett liegen muss.“

Der Pfarrer zeigt sich hilfsbereit: „Dagegen habe ich was. Meine Haushälterin bringt es dir morgen vorbei. Lies in dem Buch, dann geht es dir bald besser!“

Am nächsten Tag bringt die Haushälterin auftragsgemäß ein Buch mit Geschichten und Gedichten von Wilhelm Busch zum Patienten.

Nach einer Woche erkundigt sich der Pfarrer beim Bauern, wie ihm das Buch gefallen habe.

„Gut war’s. Manchmal hätte ich fast laut lachen müssen, wenn ich nicht gewusst hätte, dass es doch Gottes heiliges Wort ist!“


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12.11.2008

33.Sonntag im Jahreskreis A - 16.11.2008

(Fortsetzung)

In unserem konkreten Beispiel geht der Herr, wie Jesus erzählt, für eine lange Zeit auf Reisen. Wie wir bereits wissen, darf er wie ein heutiger Konzern-Chef getrost davon ausgehen, dass er sich auf seine Mannschaft verlassen kann. Er kennt seine

Leute offenbar sehr genau, denn er gibt jedem eine andere, eigene Aufgabe: Während er dem ersten die Riesensumme von fünf Talenten anvertraut, sind es beim zweiten Diener noch zwei Talente und beim dritten nur noch eines. Keiner soll also überfordert werden, jeder bekommt die für ihn persönlich passende Menge zur Verfügung. Es hat keinen Sinn, jemand eine Riesenaufgabe zuzumuten, durch die er sich so quält, dass er nachts nicht mehr schlafen kann.

Auch im heutigen Wirtschaftsleben und sogar in der Kirchenverwaltung kommt es darauf an, dass man Aufgaben gut delegieren kann. Ein schlechter Chef, der alles selber machen will!


Der Chef im Gleichnis Jesu hat seine Leute ganz richtig einge-

schätzt: die beiden ersten stürzen sich auf die Arbeit und wirtschaften tüchtig mit dem anvertrauten Vermögen. Ausdrücklich heißt es bei den beiden „Sofort begann der Diener…“ - Alle beide empfinden das Vertrauen ihres Herrn als große Ehre und Verpflichtung und legen sich mächtig ins Zeug.

Nicht so jedoch der dritte Diener. Obwohl ihm wohl kaum verborgen geblieben sein dürfte, wie die anderen schaffen, verbuddelt er den ihm überlassenen Anteil lieber in einem Erdloch. Das scheint ihm die sicherste Geldanlage zu sein, die außerdem den Riesenvorteil hat, dass sie kein bisschen Arbeit macht. Während die anderen die Gewinne immer wieder neu investieren müssen, Risiken abwägen und ihre Aufgabe stets im Auge behalten müssen, legt der dritte Diener eine jahrelange Schaffenspause ein.

Eine ganze Reihe selbstgenehmigter Sabbatjahre gewissermaßen.

Ganz gewiss ist ein Stück weit auch die Angst mit im Spiel, er könnte etwas falsch machen. Er hält das aber wohl auch für eine prima Ausrede, um sich Mühe und Risiko zu ersparen.


Das jedoch findet der Herr in diesem Gleichnis Jesu gar nicht komisch.

Wie man eigent-

lich als Diener wissen sollte, taucht er nach langer Zeit völlig überraschend auf und verlangt von seinen Dienern Rechenschaft über ihren Umgang mit dem anvertrauten Vermögen. Man spürt richtig die Freude, mit der die ersten beiden Diener ihrem Herrn das Ergebnis ihrer jahrelangen Mühe präsentieren: Beide haben sich mit Erfolg angestrengt und die ursprüngliche Summe glatt verdoppelt. Dafür lobt der Herr sie, wobei auffällt, das gleich viermal das Wort „treu“ vom Herrn verwendet wird. Er sieht es also als Zeichen von Treue, dass sie sich so für ihn eingesetzt haben.

Beiden verspricht er, dass sie nach dieser in seinen Augen offenbar noch kleinen Aufgabe noch mehr Eigenverantwortung übertragen bekommen werden. Er ruft sie beide nacheinander an seine Seite mit dem Satz: „Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!“ - Auch hier spürt man, wie das alles nicht von Angst, sondern von großer Freude getragen ist. Der Herr will seine Freude mit seinen Getreuen teilen!


Als schließlich der dritte Diener vor den Herrn tritt, holt er sofort ungefragt zu einer groß angelegten Entschuldigungs-

rede aus. Er wisse ja, was für ein strenger Mann sein Herr sei, und nur deshalb habe er das Geld vergraben. Mit der Bemerkung „Hier hast du es wieder“ - oder wörtlich: „Hier hast du das deine!“ legt er ihm das Geld vor die Füße.

- Da hat er aber die Rechnung ohne seinen Herrn gemacht! Der lässt das Argument der Angst nicht gelten, und das mit gutem Grund: die beiden anderen (immerhin eine satte Zwei-Drittel-Mehrheit) haben doch denselben Herrn, aber offensichtlich keine Angst vor ihm. Ganz im Gegenteil: sie können sich von Herzen mit ihm freuen, weil sie ihm treu ergeben sind.

Da wundert es uns wirklich nicht, dass der Herr diesen Diener mit deutlichen Worten zurechtweist: „Du bist ein schlechter und fauler Diener!“

Er wirft ihn aber nicht einfach hinaus in die Finsternis, sondern belehrt ihn ausführlich. Wenn der Diener schon nicht selbst mit dem Talent arbeiten wollte, hätte er es doch wenigstens anderen anvertrauen können, damit es Gewinn bringt. Aber offenbar kam ihm das überhaupt nicht in den Sinn, dem „nichtsnutzigen Diener“ .


Der Herr redet Fraktur. Das ist wirklich Klartext pur: Du hast es vermasselt, aber nicht, weil du nicht konntest, sondern weil du einfach zu faul warst. Deine Ausrede akzeptiere ich nicht! –

Wir können dem Herrn sicher nachfühlen, dass er von diesem undankbaren Diener enttäuscht ist. Dabei hatte er nie Äpfel mit Birnen verglichen, hatte nie alle über einen Kamm geschoren. Die Aufgabe war speziell für diesen Helfer mit Bedacht ausgewählt, nur für ihn. Er hätte sie bewältigen können, aber er hat seine Chance leichtfertig vertan. Damit hat er sich selbst ins Abseits gestellt, ins Dunkle, für immer getrennt von seinem Herrn. Was für ihn gedacht war, das wird ihm jetzt weggenommen und einem anderen noch dazu gegeben.


Jesus wollte uns hier selbstverständlich keine unterhaltsamen Histörchen erzählen. Uns ist klar, dass er mit dem Herrn, der seinen Dienern Aufträge gibt, seinen Vater im Himmel meint. Und die Diener, das sind natürlich wir alle!

Wir alle sind hier auf Erden unter-

wegs im Auftrage des Herrn. Jesus belehrt mit dem Gleichnis die Gläubigen aller Zeiten: Es ist falsch, das uns anvertraute Talent, den anvertrauten Schatz, einfach nur zu vergraben, also ungenutzt liegen zu lassen.

Unser Schatz, das sind keine Millionen von Dollars, die in Gefahr sind, als Seifenblasen am Spekulanten-

himmel zu zerplatzen, wenn wir uns verkalkulieren. Unser Schatz, das ist unser konkreter Auftrag von unserem Chef, speziell für jeden persönlich.

So wie der Herr im Gleichnis Jesu selbst entschieden hat, wem er wieviel zutraut, so ist es auch bei uns heute. Gott sagt ja nicht: Hallo, such dir doch mal eine möglichst schwierige Aufgabe aus, die du kaum schaffen kannst, wo dir kaum noch die Luft zum Atmen bleibt. Pack dir mal ordentlich was auf den Buckel!


Nein, Gott kennt jeden von uns, und zwar offensichtlich sehr viel besser, als wir uns selber kennen. Gott weiß, was er jedem zumuten kann.

Es stimmt: Gott ist wirklich ein Groß-Investor. Er investiert in Menschen. Er will weder Angst-

hasen noch wild gewordene Spekulanten, sondern er will ausdauernde Diener, die in Treue zu ihm stehen.

Gott vergibt die Talente nach seiner wirklich klugen Einschätzung - und nicht, damit wir uns unseren kleinen Kopf darüber zerbrechen, warum gerade wir diese Aufgabe vor uns haben. Warum er so und nicht anders entscheidet, das wissen wir nicht.


Der eine oder andere wird vielleicht denken: Ach, was soll ich schon können… So ein Riesentalent habe und bin ich nicht. Keine Talentshow der Welt würde sich für mich interessieren!

Nehmen wir es doch einfach gläubig und mit Freude an: Gott vertraut uns offensichtlich. Er braucht keine Talentshow. Er traut uns was zu. Dem einen dies, dem anderen jenes. Dem einen viel, dem anderen weniger.


Woher nehmen wir eigentlich als Diener das Recht,

für uns und sogar für Gott zu behaupten: Ach, ich kann doch nichts, ich lasse das irgendwo ungenutzt verschwinden, was du mir anvertraut hast!

Von Jesus sind wir heute mit dem Gleichnis jedenfalls wieder eindringlich aufgerufen, für den uns zugeteilten Auftrag bereit zu sein. Der eine hat das Talent bekommen, alten oder kranken Menschen gut zuhören zu können. Die Geschichte, die ihm vielleicht zum zwanzigsten Mal erzählt wird, bleibt ihm wichtig, weil er den Menschen schätzt, der sie ihm immer wieder erzählt. Was für ein Talent, zuhören zu können!

Ein anderer hat vielleicht das Talent bekommen, von ganzem Herzen für andere Menschen beten zu können. Wie dumm es doch ist, wenn der dann meint: Ach, ich bin ja alt und kann nichts mehr tun! Was für ein Talent, Gott für andere bitten zu können, die es selbst nicht können!


Viele Beispiele gäbe es, auffallende Talente, die wir bei Menschen sofort bemerken - und auch solche, die ganz unauffällig in der Stille wirken und doch großen Gewinn für den Himmel bringen. Talente vielleicht, von deren Segen nur Gott allein weiß.


Ja, aber, wird dann gerne gesagt – da gibt es doch immer viel Frömmere, viel Begabtere, viel Schönere, viel Klügere als mich! Ich fühle mich doch eher wie eine ewige religiöse Großbaustelle, die nie fertig wird…

Ja, das mag sein. Keiner weiß das besser als unser Herr. Die an-

dauernden Baustellen gibt es, im eigenen Leben und in der ganzen Kirche. Bei der Taufe war ein eingebauter Heiligenschein noch nie inclusive.


Das heutige Gleichnis hilft uns auch da weiter:

Es warnt uns, damit wir es nicht so machen wie der dritte Diener. Am schlimmsten ist das Nichtstun.

Das ist für Gott nichtsnutzig. Jesus ermuntert uns heute ausdrücklich: Traut euch selber was zu – Gott tut es ja auch!

Du musst kein Genie sein, du musst das Rad nicht neu erfinden und nicht Wasser in Wein verwandeln können. Sei einfach du selbst und mach was aus dem Geschenk deiner Talente, aus dem Geschenk deines Lebens! Du wirst sehen – dein Herr wird sich freuen, wenn er plötzlich vor dir steht. Und du darfst dich mit ihm freuen. Ist das nicht herrlich?




Predigt über die eigene Berufung: Rabbi Sussja… (pdf-Datei)

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Zinsverbot im Judentum

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Enzyklika gegen Zinswucher (1745)

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Predigt von Nikolaus Wandinger 33.So A

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Original-Nikolaus statt Weihnachtsmann

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Meine Predigt zum 17.So A (Schatz im Acker)

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Der Kaplan zeigt beim Erstkommunionunterricht den Kindern den Beichtstuhl. Ein kleiner Junge sieht die Stola dort hängen und fragt den verdutzten Kaplan: "Müsst ihr euch jetzt auch anschnallen?"


Kommt ein Tscheche zum Augenarzt. Der hält ihm die Buchstabentafel vor, auf der steht:

C Z W X N Q Y S T A C Z

"Können Sie das lesen?"

"Lesen?", ruft der Tscheche erstaunt aus,

"ich kenne den Kerl!"


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