31.01.2012

Predigt 5. Sonntag im Jahreskreis B -- 05.02.2012

(Fortsetzung)

Sie kennt ihn zwar bisher noch nicht persönlich, aber sie hat unfreiwillig und indirekt schon mit ihm zu tun gehabt. Schließlich war er es, der für reichlich Wirbel in ihrer Familie gesorgt hat.
Einen einträg-
lichen Familien-
betrieb als Fischer und Fischhändler haben sie. Doch da kommt dieser Jesus vor ein paar Tagen einfach an und angelt sich ihren Schwiegersohn
und seinen Bruder gleich mit dazu. Menschenfischer sollen sie werden.
Der Schwiegermutter tut das erst einmal sehr weh: Wie steht
ihr Fischerei-Betrieb denn nun da? Wer soll nun deren Arbeit machen? Sicher müssen zwei zusätzliche Helfer neu eingestellt und bezahlt werden. Und vor allem: wie fühlt sich gerade ihre Tochter, mit der Simon schließlich verheiratet ist? Wie wird sie
mit seiner Abwesenheit fertig? Haben die Eheleute sich das auch wirklich reiflich überlegt? - So wälzt die fiebernde Schiegermutter die quälenden Gedanken immer wieder hin und her.
Im heutigen Bibeltext heißt es: „Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen mit Jesus über sie, und er ging zu ihr, faßte sie an der Hand und richtete sie auf.“
Die Jünger sprachen also mit Jesus über sie. Das heißt doch: Simon und Andreas machen sich offensichtlich so ihre Ge-
danken. Selbst den manchmal als etwas unsensibel geltenden Mannsbildern ist also nicht verborgen geblieben, dass diese Frau leidet, und zwar ganz offensichtlich nicht nur an ihrem Fieber.
Oder wer weiß: Vielleicht ist das Fieber sogar eine Folge ihrer Sorgen? Wir heute kennen dafür den Begriff „psychosomatische Krankheiten“. Der Volksmund weiß das auch, wenn er z.B. formu-
liert: Was ist dir denn für eine Laus über die Leber gelaufen? --
Diese Frau ist krank. Sie ist aus der Bahn geworfen. Nun liegt sie flach und kann nicht mehr. Ihr Kopf brummt, und sie fühlt sich ganz elend. Die Sorgen lassen sie nicht mehr zur Ruhe kommen. Sie weiß weder ein noch aus. Was soll das bloß weitergehen?
Jesus weiß offensichtlich Bescheid. Die Familien sei-
ner Jünger sind ihm nicht egal. Er geht jetzt im doppel-
ten Wortsinne auf die Frau zu. Ihre Blicke treffen sich.
Ein kurzer Augenblick, und dann streckt Jesus ihr die Hand entgegen. Wie wird die Schwiegermutter des Simon reagieren? Wird sie sich bockig in ihren Kummer verkriechen? Wird sie sich beleidigt hinter ihrer Krankheit verstecken? Oder wird sie Jesus jetzt Vertrauen schenken und ihm auch die Hand reichen?
Sie muss nun eine schnelle Entscheidung treffen, denn die Hand Jesu ist jetzt in diesem Moment ausgestreckt, immer noch aus-
gestreckt auf sie zu und zu ihr hin.
Da geschieht es: Diese Frau macht einen Riesenschritt, einen Riesenschritt im Kopf. Den Schritt des Vertrauens kann man nämlich auch im Liegen machen. Alle Schritte des Vertrauens beginnen nie in den Beinen, sondern immer erst im Kopf. Vorsichtig streckt sie Jesus ihre Hände ein Stück weit entgegen.
Zu gerne hätten wir alle dabei ihren Gesichtsausdruck gesehen – sicher einerseits noch skeptisch, aber auch voller Neugier und Staunen, nicht zuletzt darüber, was sie selbst da gerade tut.
Jesus steht nun direkt vor ihr. Was da geschieht, das beschreibt uns das heutige Evangelium leider nur in größtmöglicher Knapp-
heit: „… er ging zu ihr, faßte sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr, und sie sorgte für sie.“
Jesus packt also zu. Jesus hält sie fest. Ihre Hände in seinen Händen. Gleichzeitig aber zieht er die Liegende sogar hoch,
er richtet sie im Bett auf. - Er richtet sie auf. Das ist es: das brauchen die Menschen, das Aufrichten.
Gerichtet wird genug, aber aufgerichtet wird leider in unserem Alltag und manchmal auch im Umgang in der Kirche nur sehr wenig. Jesus aber richtet sie auf. Er schaut nicht auf sie herab, sondern er sorgt zuerst einmal dafür, dass sie beide auf gleicher Augenhöhe sind. Er ist der Richter, der aufrichtet, der Mut macht, der deine Lage verändert, der deinen und meinen Blick frei macht.
Ein unbeschreibliches Gefühl durchflutet nun die Frau. Sie und Jesus, einen Moment lang Hand in Hand, wenn man so will. Einen ganz langen Moment lang, den sie ihr Lebtag garantiert
nie vergessen wird.
Merkwürdig:
Die beiden sprechen überhaupt nicht miteinander. Jesus fragt nichts und befiehlt nichts. Und bei der Kranken auch nichts. Kein Ton kommt beiden über die Lippen. Alles passiert ohne Worte. Aber ihre Blicke sagen sich sehr viel. Blicke können können nämlich Bände sprechen, Blicke können töten, aber auch lebendig machen. Blicke können sagen: „Ich liebe dich!“ oder „Vertrau mir!“ und vieles mehr.
Im wahrsten Sinne des Wortes augenblicklich fällt alle Last schlagartig von der Schwiegermutter ab. Es ist so, als wenn sie jetzt endlich wieder richtig durchatmen könnte. Doch nicht nur ihr Atem wird frei, sondern ihre Gedanken auch. Im Blick Jesu darf sie gerade den Blick ihres Heilands erkennen.
Für sie gibt es jetzt nur noch Klarheit, absolute Klarheit, die man nicht für andere in Worte fassen kann. Für sie hat sich wirklich alles geklärt: Dieser Jesus ist hunderprozentig der Messias!
Da ist kein Millimeter Platz für Zweifel. Sie weiß es einfach.
Das hat ihr der Blick Jesu vorhin geschenkt. Und wir können ihn fast noch hören, ihren Freudenjuchzer!
Atemberaubend, was dann geschieht. Jesus hat die Kranke aufge-
richtet. Genau heißt es dann im Text: „Da wich das Fieber von ihr, und sie sorgte
für sie.“
Das Fieber weicht also von ihr, lässt sie los, verlässt sie wie ein böses Wesen, das einen festhalten und kaputtmachen wollte. Jetzt ist sie frei. Sie hat in und mit einem Augenblick so unfass-
bar viel Kraft bekommen, so viel Zuversicht, dass sie sofort aufstehen und an die Arbeit gehen kann. Auch das wird nur mit einem halben Satz erwähnt: „sie sorgte für sie“.
Wir sehen sie in diesem Moment geradezu vor uns, wie sie in ihrer Küche die Ärmel hochkrempelt und sich mächtig ins Zeug legt, um Jesus und die ersten Jünger mit allem zu bewirten, was die Küche hergibt.
Wie verwandelt ist sie. Ein neuer Mensch ist sie geworden. Ein Mensch, der ganz handfest an Jesus glaubt. Klar, sie steht nicht in der Reihe der Jünger. Aber die Schwiegermutter des Simon Petrus steht jetzt hinter Jesus.
Sie steht zu ihm, und von nun an steht auch ihr Haus Jesus und den Jüngern immer wieder ganz weit offen.
Diese Frau gehört zu den Menschen, die mit ihrem rührigen und eher unauffälligen Dienst denen da ganz vorne in der ersten Reihe den Rücken freihalten und die Jesus auf diese spezielle Weise nachfolgen. Berufungsgeschichten gibt es also nicht nur vorne in der ersten Reihe, wo es jeder sofort sieht, sondern auch weiter hinten beim Verpflegungstrupp! - Mit einem guten Schuss Humor könnte man sagen: Das war ganz schön clever von Jesus, diese Hausfrau zu heilen. Für gute Küche und Service
ist von nun an schon mal gesorgt…
Doch ernsthaft: Für Jesus ist dieser ereignisreiche Tag noch nicht zu Ende. Wie uns das Evangelium erzählt, heilt er noch viele Kranke, die an allen möglichen Krankheiten litten. Das dürfte also ein langer Abend geworden sein!
Doch wir hören auch, dass er „in aller Frühe, als es noch dunkel war“, zum Gebet regelrecht
an einen einsamen Ort flieht. Das Gebet, also der beständige und intensive Kontakt mit seinem himmlischen Vater, ist die Kraftquelle, aus der Jesus lebt. Dazu geht er aber meistens raus aus dem Trubel und zieht sich zurück.
Die Begeisterung für Jesus hier in Kafarnaum ist zwar riesen-
groß, aber machen wir uns nichts vor: es ist bei den meisten wohl eher die Begeisterung für den Heiler, nicht die für den Messias.
Geholfen haben will man, egal warum und auch egal von wem. So sehen viele in Jesus nur den hochwillkommenen Superheiler, so wie viele sich in ihm auch nur den populären Anführer gegen die verhassten Römer erhoffen.
Aber ist es heute anders? - Viele beten auch nur, weil sie im Grunde eine direkte Gegenleistung erwarten, nämlich spürbare Hilfe in ihren täglichen Sorgen und Nöten. Wie Jesus auf solche Geschäftsideen reagiert, erfahren wir auch gleich.
Während Jesus jetzt in der Einsamkeit betet, stehen seine Begleiter allerdings etwas dumm da: Jesus ist ihnen am Morgen kurzfristig abhanden gekommen. Man könnte sagen: er ist ihnen entwischt.
Bald werden sie wieder zu Dutzenden vor der Türe des Simon stehen, all die Kranken und Hilfesuchenden. – Verflixt, wo steckt Jesus denn bloß?
Es klingt schon leicht nach Panik, wenn im Evangelium steht: „Simon und seine Begleiter eilten ihm nach, und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich.“ -- Im Originaltext steht übrigens noch schärfer statt „sie eilten ihm nach“ der Begriff „sie jagten ihm nach“. Sie jagen ihn also, sie wollen seiner habhaft werden. Er kann sie doch jetzt nicht im Stich lassen!
Und so klingt es auch wie ein Vorwurf, als sie ihn bei ihrer Suchaktion endlich entdecken. Während er eigentlich immer noch im Gebet versunken ist, machen sie sofort und ohne lange Vorrede ihrem Ärger deutlich Luft: „Alle suchen dich!“ -
Das soll ja wohl heißen: Lieber Jesus, so geht das aber nicht! - Du bist jetzt ein gefragter Mann, jemand, der sich den Leuten
und ihren Sorgen nicht entziehen darf! Alle suchen dich – alle brauchen dich! Du kannst jetzt keinen Rückzieher mehr machen!
Nicht nur die Leute damals, sondern auch wir heute können aus der eindeutigen Antwort Jesu lernen: „Er antwortete: Laßt uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen. Und er zog durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen und trieb die Dämonen aus.“
Es ist, als wenn Jesus ihnen zuruft: „So, und jetzt das Ganze auf Stopp!“ - Mit seiner heilenden Tätigkeit
am ersten Tag seines öffentlichen Auftretens in Kafarnaum hat Jesus die Menschen tief beeindruckt. Doch Jesus weiß um seinen eigentlichen Auftrag. Er lässt sich nicht überreden, sich total zu verzetteln und sein allerwichtigstes Ziel aus den Augen zu verlieren. - Das Heilen ist ein wichtiger Teil seines Handelns, aber heilen können in vielen Fällen auch andere in seinem Namen. Jesus heilt auch weiterhin, aber er lässt sich nicht als bloßer Medizinmann vereinnahmen.
Seine Jünger und damit auch wir sollen begreifen, dass Jesus vor allem gekommen ist, um zu predigen, wie wir eben gehört haben. Das heißt: Er ist gekommen, um die Frohe Botschaft
vom Reich Gottes zu verkünden. Das kann eben nur er mit dieser Kraft und Autorität. Möglichst viele Menschen sollen von der großen Liebe Gottes erfahren und zum Glauben finden. Daher fordert er seine Jünger auch auf, so fort mit ihm weiterzuziehen, zuerst in die benachbarten Dörfer.
Wem es nicht nur um die äußerliche Gesundheit geht, der wird ihm folgen, mit den Füßen oder mit dem Herzen. Dazu lädt er uns alle immer wieder ein, der Menschheitsarzt Jesus.
Kommen wir in seine Sprechstunde. Folgen wir ihm, folgen wir alle seinem Rat. Sprechstunde ist übrigens immer, rund um die Uhr. Und wenn Sie, liebe Mitchristen, in Ihrem Herzen spüren, dass Ihnen etwas fehlt, dann machen Sie sich auf zu ihm!
Sie kommen sofort dran, als sein Privatpatient. Versprochen!

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Predigten der Karl-Leisner-Jugend
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Predigt: „Besinnung und Stille sind nötig“ (pdf)
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Gottesdienstentwurf Predigtaushilfe Pfr. Bruno Layr
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Lesehilfe des Katholischen Bibelwerkes (pdf)
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Der alte Schmitz ist ein fleißiger und sparsamer Inhaber eines kleinen Ladens, der als Familienbetrieb geführt wird. Doch nun hat sein letztes Stündlein geschlagen, und es geht ans Ende.
Die Kraft seiner Augen hat schon so nachgelassen, dass er niemand mehr erkennt. Seine Familie steht daheim um sein Bett und wartet auf ein letztes Wort von ihm, auch was das Ersparte und den Laden betrifft. Das kommt auch: „Edith, meine geliebte Frau, bist du da?“
– „Ja, Otto!“ – Zufriedenes Kopfnicken im Bett.

„Bernhard, mein lieber Sohn, bist du da?“
– „Ja, Vater!“
Anni, meine liebe Tochter, bist du da?“
– „Natürlich, Papi!“
Und du, Sabine, meine liebes Kind, bist du auch da?“

– Man hört ein Schluchzen, und dann endlich:
„Ja, Papi, alle
sind hier!“

Eine Sekunde herrscht Stille, dann richtet sich der alte Schmitz im Bett auf uns schreit zornig: „Und wer, zum Kuckuck, ist jetzt
im Laden…?“


Hans wird im Kloster der Stille aufgenommen. Bedingung ist, dass er ein ganzes Jahr lang kein einziges Wort sprechen darf. So lebt er als Bruder Johannes und wird nach Ablauf der Frist zum Abt gerufen. Der sagt: „So, nun darfst du zwei Worte sprechen!“ Nach reiflicher Überlegung teilt Bruder Johannes
ihm mit: „Hartes Bett!“ - „Nun gut“, meint der Abt, „wir besorgen dir ein weicheres Bett. Aber du musst jetzt ein weiteres Jahr
Stille halten!“
Das Jahr ist um, und Bruder Johannes steht wieder vor dem Abt. „Zwei Worte sind dir erlaubt“, meint der nur kurz. - „Schlechtes Essen“, berichtet Bruder Johannes.
„Hmm!“ meint der Abt genervt. „Gut, ich kümmere mich darum.“

Nach einem weiteren Jahr hat sich Bruder Johannes schon auf seine zwei Worte vorbereitet. „Ich gehe“, erklärt er dem Abt.
„Das ist auch besser so!“ erwidert der mit strengem Blick.
„Seit du hier bist, hast du ständig herumgemeckert!“


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26.01.2012

Nigeria: Grausame Christenverfolgung, die weltweite Empörung und notwendige Gedanken zu den Hintergründen...

(Fortsetzung)

Da ist zum einen die aktuelle Situation, und zum anderen die ebenso unerfreuliche Geschichte des Landes. Die barbarischen Massaker, die von der radikal-islamischen Gruppierung Boko Haram generalstabsmäßig geplant wurden, sind unübersehbare Hinweise auf international organisierten Terror. Boko Haram bedeutet übersetzt in etwa „westliche Bildung verboten“ - man schätzt, dass bis zu 4.500 enttäuschte, verarmte junge Männer dazugehören.
In den Medien wird gerne ihre Forderung zitiert, im ganzen Lande die Scharia ein-
zuführen. Es geht den Rebellen jedoch um mehr: Die riesigen Einnahmen aus der Erdöl-Gewinnung (Förderung rund 2 Millionen Barrel pro Tag!) erreichen die Bevölkerung des Landes so gut wie nicht.
Der nigerianische Erzbischof Kaigama wird vergleichsweise deutlich: „Es geht um die gerechte Verteilung von Macht, Land und Öl-Reichtum. Das Streben nach dem Gottesstaat ist nur ein religiös und gewalttätig aufgeladener Ruf nach Gerechtigkeit.“
In der Tat wird der Terror wie anderswo auf der Welt auch durch schreiende Ungerechtigkeit hochgepäppelt. Während die Nah-
rungsmittelpreise durch die Spekulationen auf dem Weltmarkt steigen und steigen und Millionen von arbeitslosen Jugendlichen in den Städten herumlungern, stecken sich die oberen Zehn-
tausend in Nigeria und in den weltweiten Konzernen die satten Ölgewinne ein. Während in Nigeria jedes zehnte Kind in den ersten Lebensjahren stirbt, wird der Reichtum des 160-Millio-
nen-Einwohner-Landes einfach abgesaugt.
Weltweit tätige Erdölkonzerne sind zuhauf in Nigeria vertreten und sorgen nicht nur mit für die Ausraubung der Bevölkerung, sondern verschmutzen auch noch extrem die Umwelt: Grundwasser, Böden und Nahrungsmittel sind regel-
recht verseucht.
Rebellen-Angriffe auf die Ölförder-Anlagen gibt es seit Jahren, und das findet bei der notleidenden Bevölkerung durchaus Sympathie. Die Ausbeutung des Landes funktioniert so perfekt, weil die nigerianische Elite in ganz großem Stil die Hand aufgehalten hat. Ausplünderung ist sicher ein treffender Begriff.
Die Rebellen von Boko Haram sind jedenfalls gut vernetzt. Viele Anschläge geschehen zeitgleich an mehreren Orten und sollen den Hass im Lande schüren. Da wird bewusst Stimmung gemacht, da wird die Religion vorgeschoben, obwohl es ganz andere Ziele gibt. Der internationale Terrorismus ist vor den Augen der Weltöffentlichkeit dabei, sich ein neues, sehr lukratives Terrain zu erobern. Die Auswirkungen werden alle zu spüren bekommen, auch der ölgierige Westen.
Vergessen wir auch nicht die Geschichte des Landes: Erst im Jahre 1960 wurde Nigeria von der Kolonialmacht Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassen. Der Begriff „Sklavenküste“ für Nigeria und die Nachbarstaaten kommt ja nicht von ungefähr. Das Land und seine Bevölkerung haben eine jahrhundertelange Leidensgeschichte hinter sich. Und wie es scheint, hat ein neues, grausames Kapitel gerade begonnen, unter dem vor allem die Christen zu leiden haben…

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Info-Video (9 Min) über Nigeria

Ölmultis und Umweltverschmutzung

Gewalt und Terror



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25.01.2012

Predigt 4. Sonntag im Jahreskreis B -- 29.01.2012

(Fortsetzung)

Am vorigen Sonntag haben wir gehört, wie Jesus die ersten Jünger auswählte, die er gleich von ihrer Arbeit als Fischer weg-
holte. Heute, in der sofort anschließenden Bibelstelle, geht er mit ihnen in seinem Wohnort Kafarnaum in die Synagoge.
Es ist Sabbat. Die jüdische Gemeinde ist gerade im Gotteshaus zum Gebet und zur Schriftlesung versammelt. Jeder durfte damals nach Absprache mit dem Gemeindeleiter das Wort ergreifen, um die Heilige Schrift auszulegen. Davon macht auch Jesus Gebrauch. Offenbar lehrt er mit großer Überzeugungskraft, denn im heutigen Evangelium heißt es: „Und die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der (göttliche) Vollmacht hat, nicht wie die Schrift-
gelehrten.“

Das Wort Vollmacht kennen wir. Mit der Voll-
macht eines anderen können wir Geschäfte tätigen und verbindliche Erklärungen in dessen Namen abgeben. Mit einer Konto-Vollmacht z.B. sind wir über das Konto einer Person mit verfügungsberechtigt.
Jesus lehrt wie einer, der Vollmacht hat, göttliche Vollmacht.
Er allein lehrt mit göttlicher Autorität. Jesus hat die Zuhörer in der Synagoge von Kafarnaum so mit seinen Worten gepackt, dass sie sehr betroffen waren, heißt es. Das Wort „betroffen“ kann man dabei auch mit „erschreckt“ übersetzen. Das heißt, durch
die Schrifterklärung Jesu wurde den Menschen mit einem Schlag bewusst, wie lebendig Gottes Wort in Wirklichkeit ist und wie engstirnig sie es manchmal betrachtet hatten.
Die Schriftgelehrten hatten sich mit ihren Auslegungen sicher alle Mühe gegeben, aber sie klebten an Buchstaben und Sätzen, an Vorschriften und Geboten. Was Jesus nun genau gepredigt hat, ist leider nicht aufgeschrieben. Wahrscheinlich ging es aber um eine Liebesbeziehung, nämlich um die Liebe zwischen Gott und den Menschen.
Jesus bekommt schon einen kurzen Augenblick später die Gelegenheit, seine Schriftauslegung in der Synagoge praktisch zu veranschaulichen. Wie das Evangelium berichtet, sitzt dort nämlich ein Mann, der von einem unreinen Geist besessen ist.
Das ist schon aufschlussreich: Dieser leidgeprüfte Mann sitzt also in der Synagoge, unter den Frommen und Schriftgelehrten, wahrscheinlich irgendwo in einer Ecke. Offenbar finden das alle „normal“, und niemand nimmt ihn sonderlich zur Kenntnis.
Man geht einfach zur Tagesordnung über und verrichtet die vorgeschriebenen Gebete. Alles geht seinen geordneten Gang. Man lässt sich bei der Ausübung seiner Religion nur ungern stören.
Der Erkrankte hat eben Pech gehabt, und womöglich findet sich in seinem Leben oder in dem seiner Eltern auch eine Erklärung für diese Strafe, die jetzt auf seinem Leben lastet.
Jesus sieht das offenbar ganz anders; vor allem: er sieht diesen Mann ganz anders. Er sieht nicht nur die Spitze des Eisberges, also den Mann, der da sitzt
und bloß nicht stören darf. Jesus allein sieht viel tiefer, er sieht den gesamten Menschen. Er sieht sein heulendes Elend, sein jahrelang getragenes Leid, seine Selbstvorwürfe, doch irgendwie an seinem Schicksal schuld zu sein. Er sieht seinen stummen Schrei nach Zuwendung und Hilfe.
Es hat den Kranken sicher alle Kraft gekostet, in der Synagoge aufzutauchen. Er weiß durchaus, wie hinter seinem Rücken über ihn getuschelt wird. Dieser Mann ist ein Gefangener. Er ist mit seiner Erkrankung unberechenbar in der Gewalt anderer, hat keine Gewalt mehr über sich selbst. In unserer modernen Spra-
che würden wir vielleicht sagen, er ist wie ferngesteuert oder wie von Banditen entführt, kraftlos, willenlos, hoffnungslos. Jederzeit und im Zeitpunkt nicht kalkulierbar kann er wieder von seiner heimtückischen Krankheit drangsaliert und hin- und hergerissen werden.
Aber was ist da bloß in ihn gefahren? - Als Jesus in seine Nähe kommt, wird das offensichtlich. Allein die Nähe Jesu wirkt für die Besatzungsmächte dieses Kranken schon so bedrohlich, dass sie heftige Reaktionen zeigen. Es schreit laut aus dem Mann heraus, wie die Warnung eines in die Enge getriebenen Wesens: „Hau bloß ab, komm mir nicht zu nahe!“ -- Im Evangelium ist das so formuliert: „Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen?“
Jesus und die Menschen in der Synagoge hören also, dass da Kräfte am Werke sind, die keines-
wegs dumm sind. Im Gegenteil, sie sind bestens informiert. Jesus wird nämlich ganz korrekt mit „Jesus von Nazaret“ angesprochen. Aber die pure Angst spricht aus der Nach-
frage, wozu Jesus gekommen ist.
Was die Menschen ringsum noch nicht erkannt haben, das haben ausgerechnet diese Mächte längst kapiert: In Jesus begegnet ihnen gerade in diesem Augenblick derjenige, den sie respektvoll als den „Heiligen Gottes“ betiteln.
Die dunklen Mächte erkennen also die Heiligkeit des Gottes-
sohnes, sie wissen sehr wohl, dass er der Messias ist. Aber wie man sehen kann, führt das keineswegs zu freiwilliger Umkehr und zum Glauben, sondern trotz dieses Wissens lehnen sie Jesus als ihren Herrn und Meister ab.
Da mag vielleicht manch einer denken: Ach, so ist das eigentlich auch bei vielen modernen Menschen, die sicher genug über Jesus wissen, aber ihm noch lange nicht nachfolgen wollen.
Jedenfalls signalisieren die Kräfte, die diesen Mann besetzt und in ihrer Gewalt haben, dass sie diesen Menschen nicht kampflos aufzugeben gedenken. Sie pokern ganz schön hoch und suchen mit lautem Getöse die direkte Auseinandersetzung mit Jesus: „Was haben wir mit dir zu tun…?“ - so schreien sie ihn an.
Das soll heißen: Was du tust, das geht uns nichts an, aber für dich gilt auch: was wir tun, das geht dich nichts an! Halte dich also da raus! Das hier ist unser Einflussgebiet, nicht deines!
Doch Jesus hat nicht vor, mit ihnen in irgendwelche Verhand-
lungen einzutreten. Mit dem Bösen schließt man keine Kom-
promisse und keine Waffenstillstands-Verhandlungen. Wenn man dem auch nur einen Finger reicht, nimmt es garantiert die ganze Hand.
Sabbatruhe hin oder her, hier muss Jesus eingreifen. Die bösen Mächte haben einen hilflosen Menschen zu ihrem Spielball gemacht. Mit einem einzigen Machtwort aus dem Munde Jesu
ist dieser Spuk jetzt zu Ende. Ein letztes Mal hat sich das Böse aufgebäumt und den Mann hin- und hergeschleudert. Dann verlässt es ihn mit wütendem Gebrüll.
Wir wissen nicht genau, welche teuflischen Mächte diesen Mann so lange gepeinigt haben.
Das ist auch nicht die Hauptsache. Das Evangelium selbst formuliert, was hier wirklich wichtig ist: „Da erschraken alle, und einer fragte den andern: Was hat das zu bedeuten? Hier wird mit Vollmacht eine ganz neue Lehre verkündet. Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl.“
Das heutige Evangelium stellt es unmissverständlich und für jeden klar: Ja, ganz sicher gibt es das Böse, und das Böse kann furchtbare Macht über Menschen gewinnen.
Uns fällt es nicht schwer, dem zuzustimmen. Wir brauchen z.B. nur an die entsetzlichen Geschehnisse in den Konzentrations-
lagern des Dritten Reiches zu denken. Oder wenn wir die Nachrichten sehen, wird uns auch oft genug vorgeführt, zu welchen Grausamkeiten und schreienden Ungerechtigkeiten Menschen fähig sind, im Namen von was auch immer. Selbst ein Teil des Personals in Mutter Kirche hat sich im Laufe der Ge-
schichte nicht immer sonderlich mit Ruhm bekleckert.
Das Evangelium bestätigt aber nicht nur, dass es das Böse gibt. Es demonstriert auch, wer wirklich das Sagen hat, auch wenn das leider in unserem Alltag nicht immer so offensichtlich wird
wie hier. Die Menschen in der Synagoge haben es damals auf den Punkt gebracht: Wer solche Wundertaten allein durch sein Wort vollbringt, der ist ganz sicher mit göttlicher Vollmacht ausgerüstet.
Die bösen Geister dieses Mannes sind vertrieben. Er kann endlich aufatmen und ein ganz neues Leben beginnen. Ob er sich bei Jesus dafür bedankt hat, wird im Evangelium übrigens nicht verraten. In jeder Taufe und bei der Tauferneuerung in der Osternacht werden auch wir heutzutage daran erinnert, dass die bösen Mächte keineswegs in Winterschlaf gegangen sind. Wir sind konkret aufgerufen, stets wachsam zu sein und Widerstand gegen das Böse zu leisten: „Widersagt ihr dem Bösen?...Widersagt ihr dem Satan?“ heißt es, und von uns allen wird dann eine klare Absage erwartet: „Ja, wir widersagen!“

Doch mit dieser feierlichen Absage allein ist die Angelegenheit nicht ein für allemal erledigt. Oft genug möchte man die Frage wiederholen: „Was ist bloß in uns gefahren?“ - Das ist nämlich wie mit einer chronischen Krankheit, die immer wieder versucht, sich zum Angriff auf unser Immunsystem zurückzumelden.
Aktuell in die Schlagzeilen geraten ist die Euro- und Finanzkrise. Etliche Leute konnten in der Vergangenheit den Hals nicht voll genug kriegen. Da wurde und wird an den Börsen in Sekunden-
bruchteilen spekuliert auf Teufel komm raus. Viele Millionen werden von Großinvestoren als Gewinne eingestrichen, und gleichzeitig werden weltweit viele Existenzen vernichtet und Unglück über viele verarmte Familien gebracht.
Die eigentliche Krise sitzt aber viel tiefer. Was ist da bloß in uns gefahren? - In der modernen Gesellschaft breitet sich die Gier in jeder denkbaren Variation aus wie die Finanzkrise. Die Gier nach Macht, die Gier nach immer mehr Geld, nach immer mehr Nervenkitzel, die Gier nach Sex, die Gier nach Anerkennung
und nach vielem mehr.
Man lebt zum Teil so, als sei das Leben wie immerwährende Olympische Spiele: Es muss noch ein neuer Rekord sein,
man braucht noch eine Trophäe, noch einen Pokal.
Man sortiert die Menschen in Sieger und in Verlierer.
- Pech gehabt, mein Lieber, dass du so arm oder krank bist!
- Pech gehabt, dass du in einem armen Land lebst!
- Pech gehabt, dass du keine reichen Eltern hast!

Da ist so einiges Unheilvolle und Böse in uns, in die ganze heutige Gesellschaft hineingefahren. Achten wir als Christen also immer darauf, dass diese Quälgeister nicht auch von uns immer mehr Besitz ergreifen und uns zu Besessenen der allgemeinen Gier machen!

Predigt Pfr. Karl Sendker
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Predigt Pater Werner Schwind SJ (pdf)
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Predigt Eberhard Gottsmann
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Markus Brunner Predigt (pdf)
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Lesehilfe des Katholischen Bibelwerkes (pdf)
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Auslegung von Prof. Dr. Ludwig Volz
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Fotos und Infos: Kafarnaum
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Predigt R.Rumpel: „Macht – Ohnmacht – Vollmacht“
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„Beichte für Anfänger“ (Infos der Karl-Leisner-Jugend)
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Beispiel christlicher Psychotherapie bei Pallottinern
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Theologie-Manuskript: „Versöhnung“ (17 S./pdf)
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Der „Fall“ Anneliese Michel – Dämonisch besessen?
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Meine Gedanken zu „Darstellung des Herrn“ 2.2. (Lk 2,22-40)
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Ein wortgewaltiger Prediger ist in der kleinen Gemeinde zu Gast und gibt sein Bestes, um die Gläubigen zu einem engagierten Christentum zu bewegen. So zieht er alle Register und droht
am Schluss mit theatralischer Geste mit den ewigen Qualen der Hölle. Man sieht es den Gesichtern an: die ganze Kirche ist geschockt und zittert vor Angst. Doch da traut er seinen Augen kaum: in der letzten Reihe sitzt ein Mann und grinst ständig vor sich hin. Erbost donnert der Prediger vom Ambo: „Auch wenn Sie so tun, als ginge Sie das Ganze nichts an – Ihnen da hinten wird das Lachen schon noch vergehen!“ Einen Moment eisige Stille, dann schallt es lautstark zurück: „Irrtum, Hochwürden, ich bin nämlich gar nicht von hier!“

Ein jüdischer Rabbi geht am heiligen Sabbat einige Schritte spazieren. Wie es das Schicksal so will, sieht er ausgerechnet heute eine Geldbörse auf der Erde liegen. Natürlich weiß er,
dass er gegen die Sabbatruhe verstößt, wenn er das gute Stück aufhebt, dann das wäre verbotene Arbeit am geheiligten Tag.
Da ist intensives Nachdenken vonnöten. Nach einer Weile fällt der Rabbi mit einem glücklichen Gesichtsausdruck auf die Knie und ruft: „Ich danke dir, Herr, für dieses große Wunder. Überall ringsum ist Sabbat, nur an dieser Stelle nicht!“

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