24.11.2009

1. Adventssonntag C - 29.11.2009

(Fortsetzung)

Wachen und beten.
Wie soll ich das denn schaffen?
Das ist ja wohl eher etwas für die Fachleute, die das gelernt haben und auch die nötige Zeit dafür haben, also z.B. die Mönche und Nonnen in den Klöstern!
Solch ein entmutigender Gedanke kann manch einem schon kommen. Ich und wachen! Ich und beten! Ich habe ja schon Mühe genug , dem Gottesdienst konzentriert zu folgen! –
Wie soll ich denn dann erst solch eine gewaltige Anforderung bewältigen?

Und schon fühlt man sich unter riesigem religiösen Leistungsdruck! Gleichzeitig will man den Appell Jesu am liebsten möglichst schnell für sich beiseite schieben und verdrängen: Das kannst du vergessen, Jesus! Ich schaffe das einfach nicht. Das ist wie mit einer Diät. Bei mir ist das Umfallen und Versagen schon garantiert, da habe ich noch überhaupt nicht angefangen. Das macht wirklich keinen Spaß!

Diese Reaktion ist auf den ersten Blick nur allzu verständlich. Wer von uns ist schon so ein frommer Super-Athlet?!
Doch Vorsicht – vielleicht liegt da ein grundsätzliches Missverständnis vor, wenn man gleich von schweißtreibender Schwerstarbeit ausgeht.
„Wacht und betet allezeit…“ – Vielleicht ist damit gar nicht eine religiöse Schinderei gemeint, die uns die letzte Kraft raubt.
Niemand, kein Mensch, kann ununterbrochen wachen.
Niemand kann tage- und nächtelang rund um die Uhr und ohne jede Unterbrechung Gebete sprechen. Irgendwann, früher oder später, kippt da jeder um, und im schlimmsten Falle ist man krankenhausreif oder gar tot.

Die Angelegenheit ist also doch etwas komplizierter. Versuchen wir es mal mit einem Vergleich. Sicher kennen Sie eine Person, an der Ihr Herz hängt.
Das kann der geliebte Ehepartner sein, ein Kind oder Enkelkind – da gibt es viele Möglichkeiten. Und ganz und gar und bis über beide Ohren verliebt waren die meisten auch schon mal.
Wie schrecklich ist es dann, wenn man für längere Zeit oder gar für immer von einem so geliebten Menschen Abschied nehmen muss, wenn man sich trennen muss! Und wie schnell fließen die Tränen, wenn man einen geliebten Menschen nach langer Zeit, die einem fast unendlich vorkam, wieder in die Arme schließen darf…!

Immer denkt man an die geliebte Person, sie geht einem gar nicht aus dem Sinn! Manchmal ist das sogar so heftig, dass man sich deswegen kaum noch auf andere Dinge konzentrieren kann. Es kann sein, dass man kaum noch essen und schlafen kann, so sehr ist man in Gedanken bei diesem Menschen!

„Wacht und betet allezeit…!“ – Wie selbstverständlich und geradezu federleicht ist das, aus den Augen des unsterblich Verliebten betrachtet. So wie man sich wohl kaum zwingen muss, jetzt und gleich nur ja an den
geliebten Menschen zu denken, so wenig ist es Arbeit oder Mühe, wach zu sein und an Gott zu denken!
So wie man ganz selbstverständlich alles daran setzt,
mit einem geliebten Menschen in ständigem Kontakt zu bleiben, heute auch gerne mit Handy und vielen getippten SMS-Nachrichten, so ist das eigentlich auch mit dem Beten gemeint. Wer sich der Liebe Gottes wirklich öffnet und sich dessen Liebe tagtäglich bewusst ist, der verliebt sich gewissermaßen auch in Gott.

Es ist dann fast schon so wie mit dem Atmen. Da musst du dir nicht ständig einreden: So, jetzt einatmen! So, jetzt ausatmen! – Du machst es einfach. Mit jedem Atemzug kannst du sogar innerlich mitbeten, z.B. das kurze „Herr, erbarme dich!“ oder Ähnliches.

Jetzt ist Advent. Jetzt ist die Zeit, sich besonders auf die
Ankunft des Herrn vorzubereiten. „Wachet und betet allezeit!“, sagt Jesus zu uns. So bittet er uns um die Erwiderung seiner unfassbar großen Liebe. Seien wir in Gedanken möglichst oft bei ihm, dem wirklich lieben Gott. Und für die Sparfüchse unter Ihnen: Sie wissen ja - es kostet uns noch nicht einmal die Handy-Gebühren…



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Vorbereitung
Auf einer Halbinsel an einem italienischen See liegt ein großes Anwesen mit einer herrlichen alten Villa. Nur der Gärtner lebt dort jahrein jahraus ganz allein und pflegt alles offensichtlich ganz prächtig. Als ihn einer der ganz wenigen Spaziergänger am Zaun des Parks antrifft, kann er seine Frage nicht unterdrücken: „Sagen Sie mal, wie lange sind Sie eigentlich schon hier?“
Der Gärtner rechnet nicht lange:
„28 Jahre.“ - „Aber ich habe die Besitzer noch nie zu Gesicht bekommen. Wann waren die denn das letzte Mal hier?“
Auch diesmal braucht der Gärtner nicht lange nachzurechnen. Sofort kommt seine präzise Antwort: „Vor 12 Jahren, mein Herr!“
Das erstaunt den Frager noch mehr, und er meint anerkennend: „Wie es scheint, haben Sie aber alles so gut in Ordnung gehalten, dass die Herrschaften morgen hier einziehen könnten…“
Der Gärtner lächelt ein wenig und meint nur: „Heute, mein Herr, heute!“
So wie dieser Gärtner mit seiner Herrschaft rechnet, so möchte ich auf die Wiederkehr des Herrn warten können.
(Quelle: mir leider nicht bekannt)

Tischgebet: Die Religionslehrerin will das Thema „Gebet“ elegant beginnen: „Was tut ihr zu Hause vor dem Essen?“,
fragt sie die Kinder. „Wir waschen uns die Hände“, ist die einzige Antwort.

„Naja, das ist richtig. Aber was ist noch viel wichtiger?“
Keiner weiß darauf eine Antwort, so muss sie etwas nachhelfen:
„Was sagt denn dein Vater, wenn er sich an den Tisch setzt?“
Da meldet sich Simon und verkündet: „Was, schon wieder Eintopf?“

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16.11.2009

34. Sonntag B - Christkönig - 22.11.2009

(Fortsetzung)

Ein König, das ist für ihn doch einer, der ohne mit der Wimper zu zucken alles durchsetzt, was ihm nützlich erscheint.
Ein König, das ist ein Machthaber, also einer, der die Macht hat und sie fest umklammert hält, damit sie ihm niemand mehr entreißen kann. Und vor allem ist ein König einer, der auch über genügend folgsame Untergebene und Soldaten verfügt, um seinen Ansichten den nötigen Nachdruck zu verleihen.

Natürlich weiß Pontius Pilatus, dass der Mann, der da vor ihm steht, alles das nicht ist und nicht sein will. Aber er ist nun mal angeklagt, König sein zu wollen. Das wäre dann natürlich nicht nur Majestätsbeleidigung, sondern Aufruhr und Volksverhetzung.
Als Jesus zurückfragt, woher Pilatus das denn wisse, nennt Pilatus sofort Ross und Reiter: Deine eigenen Leute waren es, die das behaupten. Und er signalisiert sofort, dass er das Ganze ohnehin nicht versteht: „Bin ich denn ein Jude?“ - Das soll heißen: Frage mich bitte nicht, ich verstehe sowieso nicht, was denn jetzt schon wieder bei euch Juden los ist.

Jesus versucht dennoch, Pilatus auf die richtige Spur zu führen, indem er antwortet: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier.“

Jesus bestätigt es hier ausdrücklich: Ja, ich bin ein König!
Doch seine gleich doppelt angefügte Erklärung lässt keinen Zweifel aufkommen: Das ist nicht ein Königtum, wie Pontius Pilatus es sich vorstellt.

Manchmal sagt man das heute schon mal über jemand: „Der ist wohl nicht von dieser Welt!“ – Damit will man ausdrücken, dass ein solch edles und fast naives Verhalten nicht in unsere harte Wirklichkeit passt.
Nicht von dieser Welt, das heißt: Jesu Königtum ist kein Königtum, wie viele es in dieser Welt erleiden mussten: ein Königtum der Gewalt, der Intrigen, der bösen Macht-
spielchen, der Ausbeutung und Ungerechtigkeit.
„Mein Königtum ist nicht von dieser Welt“, sagt dagegen Jesus. - Ob Pilatus so etwas versteht? Ganz verdutzt fragt er noch einmal nach: „Also bist du doch ein König?“
Jesus bestätigt es ihm ausdrücklich und fügt an: „Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, daß ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“

Jetzt wird es für den Machtmenschen Pontius Pilatus endgültig zu kompliziert. Ein König, der gekommen ist, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen. Was soll man dazu sagen?
Seine Reaktion ist auch dementsprechend, steht aber leider nicht mehr im heutigen Evangelium, sondern direkt anschließend. Pilatus entgegnet Jesus nämlich: „Was ist Wahrheit?“ – Und dann verlässt Pilatus einfach den Raum. Das Gespräch ist damit beendet.

Was ist schon die Wahrheit? – So wie Pontius Pilatus denken auch heute die meisten Menschen. Das ist doch alles relativ.
Da hat doch jeder so seine Sicht der Dinge. Soll doch jeder so leben, wie er will, so lange er die anderen in Ruhe lässt. Das ist doch wie beim Essen, da hat eben jeder so seinen eigenen Geschmack… -
Also heißt die Devise: leben und leben lassen. Es muss doch jeder selber wissen, was er tut. Da mischen wir uns nicht ein. Das geht uns nichts an.

Das ist allerdings nicht die Haltung Christi und der Christen. Jesus sagt an anderer Stelle von sich: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ (Joh 14,6) Diese Wahrheit heißt eben auch, dass es nicht nur die vielen Könige, Mächtigen und Herrscher dieser Welt gibt. Diese Wahrheit heißt auch, dass eben aus christlicher Sicht nicht jeder drauflos leben kann, wie er will.
Da gibt es nämlich so etwas, dass sich Gebote Gottes nennt. Unsere menschliche Ungerechtigkeit und all das Böse haben eben nicht das letzte Wort. Gott wird eben nicht zu allem Ja und Amen sagen oder wie beim Computer flott mal die „ENTER“-Taste drücken.

Jesus ist gekommen, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen. Die Wahrheit – das ist die Wahrheit Gottes, die im ganzen Universum gilt.
In der aramäischen Sprache, die auch Jesus sprach, steht für „Wahrheit“ übrigens das Wort „emuna“, und das heißt wörtlich übersetzt nicht nur „Wahrheit“, sondern auch „Treue“.
Gott ist die Treue, er steht zu seinem Wort. Die Bibel ist voll von Beispielen, wie Gott seine Zusagen einhält. Als Stichworte sollen hier nur Abraham oder David genügen.

Die größere Wahrheit Gottes ist, dass es nicht nur die Könige und Mächtigen dieser Welt gibt. Der eigentliche König und Herr ist Gott selbst. Das ist eine wirklich frohe Botschaft, denn der wirkliche Herrscher ist kein Herrscher, der seine goldene Krone polieren lässt.
Der wahre König hat die Erniedrigung und den Schmerz der Dornenkrone für uns auf sich genommen. Der wirkliche König ist so groß, dass er sich ganz klein machen kann, so klein, dass er in einem zugigen Stall als Menschensohn geboren wird. So klein, dass er sich vor seine Jünger hinhockt und ihnen ihre staubigen Füsse wäscht. So klein, dass er uns alle an seiner Königswürde teilhaben und in der Taufe Kinder Gottes werden lassen will.


Ja, das ist wirklich ein König! – Dieser König sieht es als seine wichtigste Aufgabe an, Recht zu sprechen in seinem Reich. Den Armen, den Benachteiligten, den Unterdrückten wird er zu ihrem Recht verhelfen. Wenn das kein krönender Abschluss des Kirchen-
jahres ist! –
Doch auch den letzten Satz des heutigen Evangeliums sollte man nicht übersehen. Er heißt: „Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“

Die Wahrheit Gottes ist nicht einfach nur da. Die Wahrheit Gottes will auf Erden angewendet und verbreitet werden. Sie will nicht nur geglaubt, sondern vor allem auch getan werden. So sagt es Jesus auch dem Ratsherrn Nikodemus: „Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht.“ (Joh 3,21)
Die Wahrheit tun, also nach der Wahrheit des wahren Königs leben, dazu sind wir aufgerufen. Christus ist der eigentliche König. Ihn sollen wir hören. Ihm sollen wir ge - hören.
Ob jemand in seinem Leben auf der Seite des wahren Königs steht oder nicht, das zeigt sich. Ob jemand aus der Wahrheit lebt, das zeigt sich. Solche Menschen hören auf seine Stimme, sagt Jesus. Sie hören, was er sagt, und sie folgen ihm, ihrem König.
Prüfen wir auch uns immer wieder: Lebe ich wirklich so, dass ich meinem König treu folge?

Predigt P. Martin Löwenstein SJ >> BITTE KLICKEN !

Predigt Dr. Nikolaus Wandinger >> BITTE KLICKEN !

Predigt Pfarre Machstraße: „Von Zaungästen… zu Teilhabern“ (pdf) >> BITTE KLICKEN !

Kath. Bibelwerk: Hinführung u. Textauslegung (pdf)
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Evangelientexte für die Messe (mit Kurzkommentar im pdf-Format)
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Jesus und Ratsherr Nikodemus: Die Wahrheit tun…
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Der Prozess Jesu – die historischen Umstände (pdf)
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Dr. Jörg Sieger: Pontius Pilatus und andere Statthalter
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Meine Predigtgedanken zu Christkönig A 2008
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Linksammlung der Familie Hauenstein zum Thema Weihnachten – sehr umfangreich! >> BITTE KLICKEN !

Ein augenzwinkernder Test: Welcher Adventstyp sind Sie ? (pdf)
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Animation: Nacheinander auf die Pferdeköpfe klicken und lächeln
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Das Teekesselchen-Spiel >> BITTE KLICKEN !


Richter zum Angeklagten: „Wissen sie, was Sie hierher geführt hat?“ Angeklagter ernst: „Mein starker Glaube, Herr Richter!“ –
„Ihr Glaube??“ – „Aber ja, ich habe ganz fest geglaubt, dass die Bank keine Alarmanlage hat...!“

Vergangenes Jahr standen wir noch am Abgrund; dieses Jahr sind wir einen großen Schritt weiter.

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10.11.2009

33. Sonntag B - 15.11.2009

(Fortsetzung)

Die Augen offen halten – das ist ein zweites Stichwort: Der Christ soll ein aufgeweckter Bursche sein. Christen sind keine Tagträumer und keine, die ihr Leben lang herumdösen. Christen sind aufmerksame Leute. Sie lassen sich nicht einlullen vom Geschrei der Medien und Verkaufs-Strategen. Sie wissen, das ihr Leben kein Produkt eines blinden Zufalls ist, sondern gottgewollt.
Und die Christen wissen, dass ihr Leben auch nicht in einem sinnlosen Nichts endet. Am Ende steht nicht der Untergang, sondern Christus, der strahlende Sieger und Herr! Es geht also nicht um ein Ende wie bei einer Sackgasse, sondern es geht um ein Ankommen am Ziel, um Voll-endung, ein Ende in unfassbarer Fülle!

Die Menschheit wird also nicht einfach mal so untergehen, bloß weil da ein Irrer auf den Atomraketenknopf gedrückt hat. Alles, was geschieht und wann es geschieht, liegt fest in Gottes Hand. „Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft“, sagt Jesus. Und „Generation“ ist da gemeint im Sinne von Menschengeschlecht. Auch dies also eine klare Absage an jede Panikmache!

Wir haben diesen Appell sicher schnell verstanden: Jesus erzählt dies alles so genau, um auch uns heute ganz wach zu machen. Schaut genau hin, was sich in eurer Welt, in eurer täglichen Umgebung so alles tut. Lasst euch nur kein X für ein U vormachen.

Damit wären wir beim letzten Stichwort: Wie geht das – wachsam sein? Das beantwortet uns schon unser Alltag. Schauen wir z.B. auf die Feuerwehr. Damit es im Ernstfall nicht zum Chaos kommt, damit jeder Handgriff sitzt, wird immer wieder geübt.
Immer wieder werden Gefahrensituationen von der Mannschaft durchgespielt. Jeder kennt seinen Platz. In kürzester Zeit kann im echten Notfall eingegriffen und Leben gerettet werden. Zu unserer christlichen Wachsamkeit gehört also auch, dass wir unsere Aufgabe, unser Leben als Christ immer wieder über-
denken und einüben. Da reicht es eben nicht, Gottes Gebote auf dem Papier zu kennen. Man muss sie auch einüben, man muss sie auch trainieren.
Oder mit einem Bild aus dem Bereich der Eisenbahn: man muss rechtzeitig in seinem Leben die Weichen richtig stellen, sonst fährt der eigene Lebenszug wer weiß wohin.

Wachsamkeit ist aber nichts Hektisches. Wir müssen nicht ständig unter Strom stehen. Das Christentum ist keine Sportart und es gibt weder Sekt noch Sieger-
treppchen für einige wenige Gewinner. Unser aller Aufgabe besteht darin, konzentriert zu sein, allzeit bereit zu sein, wie die Pfadfinder es formuliert haben. Einfach immer nur Ausschau halten, denn jeder Tag, jede Nacht könnte der letzte Tag, die letzte Nacht unseres Lebens sein, bevor der Herr eintrifft!

Das heutige Evangelium kurz vor Ende des Kirchenjahres erinnert uns Christen ganz eindringlich daran: alle irdischen Sicherheiten zählen nichts mehr, wenn der Herr kommt!
Manche haben dies schon schmerzlich in ihrem Leben erfahren müssen. Ganz plötzlich und ohne jede vorherige Warnung kann das Verfallsdatum von Wohlstand, Gesundheit und allem irdischen Glück erreicht sein. Wohl dem, der nicht blind und taub für die heutigen Worte Jesu ist, wohl dem, der sich auf diesen Frühling freut.

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Der Knecht des Kalifen
Ein reicher und angesehener Kalif schickte einen seiner Knechte auf den Markt zum Einkaufen. Kurze Zeit später stand der Knecht mit leeren Händen, bleich und am ganzen Leib zitternd vor ihm. Er warf sich vor seinem Herrn auf die Knie und flehte ihn an: „Herr, ich muss fliehen! Leih mir bitte dein schnellstes Pferd!“
"Bei Allah!“, entgegnete ihm der Kalif, „was ist bloß geschehen?"
"Der Tod ist mir begegnet. Mitten auf dem Marktplatz traf ich ihn. Ganz in Schwarz stand er vor mir, mit einem breiten Hut! Groß angesehen hat er mich, und ich glaube, er wollte mich packen. Ich bin natürlich gerannt, so schnell ich konnte. Du allein kannst mir helfen. Ich will nach Ashdod fliehen! Da gibt es Millionen Menschen. Da sind enge Gassen. Da werde ich mich verstecken!"
Der Kalif empfand großes Mitleid mit seinem schockierten Diener.
Er lieh ihm sein schnellstes Pferd. Sein Diener jagte davon.
Noch vor Einbruch der Dunkelheit wollte er Ashdod erreichen, die ferne Hafenstadt. So weit weg würde er wohl vor dem Tod sicher sein.

Der Kalif aber war neugierig geworden. So entschloss er sich, zum Markt zu gehen und sich dort umzuschauen. Bald schon sah er im Gewühle des Markttreibens die vom Knecht beschriebene Gestalt. Bald standen sie sich gegenüber. Es gab für den Kalifen keinen Zweifel: das war der Tod! Der Kalif sah ihn an und fragte: „Du hast heute morgen meinen Knecht furchtbar erschreckt. Warum? Hattest du eine Verabredung mit ihm?"
Der Tod sah den Kalifen an, zuckte kurz mit den Achseln und sprach mit ruhiger Stimme: „Ich wollte deinen Knecht nicht erschrecken. Ich hatte keinen Grund dafür. Allerdings - eine Verabredung habe ich wohl mit ihm. Aber nicht heute, sondern erst morgen, und auch nicht hier, sondern weit weg von hier in der Hafenstadt Ashdod. Du verstehst, dass ich schon sehr verwundert war, deinen Knecht heute ausgerechnet hier anzutreffen! Ich dachte mir nämlich: Wie um alles in der Welt wird der Kerl denn bis morgen den weiten Weg bis Ashdod schaffen?"
(Quelle: mir leider nicht bekannt)

Ein junger Pfarrer ist dafür bekannt, dass er - vornehm formuliert – sehr zügig Auto fährt. Als er eines Sonntags auf dem Weg zur Messfeier in einer Filialgemeinde 500 m vor der Kirche eine ältere Dame sieht, will er ihr behilflich sein: „Steigen Sie ein, ich nehme Sie gerne mit zum lieben Gott!“ –
„Ach nein“, erwidert diese, „offen gestanden fühle ich mich in Ihrem Auto schon zu sehr in seiner Nähe…!“


Eine Pfarrgemeinde hat sich zu einer Missionswoche entschlossen, um den Glaubensschwung in der Pfarrei zu erneuern. Ein Pater ist als Referent auf einem Plakat an der Kirchentüre angekündigt. Sein Thema steht in großer Schrift da und soll die Leute wachrütteln: „Weißt du, was Höllenqualen sind?“
Ein aufmerksamer Kirchenbesucher hat darunter gekritzelt:
„Klar doch, ich habe unseren Kirchenchor schon gehört!“

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03.11.2009

32. Sonntag B - - 08.11.2009

(Fortsetzung)

Doch dann geschieht vor den Augen Jesu das Unerwartete, das Unfassbare. Eine arme Witwe, an ihrer schwarzen Ziegenfellkleidung sofort erkennbar, tritt jetzt heran und wirft nach der üblichen Prozedur zwei kleine Münzen in den sogenannten Gottes-
kasten, das ist ein Opferkasten für Spenden, die nur dem Schmuck des Tempels dienen sollen. Das Gesicht des diensthabenden Priesters können wir uns sicher lebhaft vorstellen, als er die Spende dieser Frau begutachtet. Zwei der allerkleinsten Münzen gibt sie.
Erst 128 dieser sogenannten Lepta ergeben einen üblichen Tageslohn von einem Denar. Die Frau spendet also noch nicht einmal den Gegenwert von einer Viertelstunde Hilfsarbeiterlohn, aber für den Kauf einer kleinen Portion Mehl für eine bescheidene Mahlzeit würde es gerade reichen.

Jesus nimmt keinen Kontakt zu der Frau auf, sondern lässt sie gewähren. So wissen wir allerdings auch nicht, wie sie heißt. Wir wissen auch nicht, ob sie vielleicht sogar noch Kinder zu versorgen hat. Was wir aber wissen, ist die schlimme Lage, in der Witwen sich zur Zeit Jesu oft befinden. Sie stehen zwar nach dem Gesetz unter besonderem Schutz, aber wir haben ja schon am Beispiel der scheinheiligen Schriftgelehrten erfahren müssen, wie in etwa mit ihnen umgesprungen wird. Sie haben nicht nur ihren Mann und den Ernährer der Familie verloren, sondern auch ihre Stellung innerhalb der Gemeinschaft. Wenn sich ihr Schwager nicht ihrer annimmt, ist die Frau schutz- und hilflos.

Diese arme Frau geht mit einer Entschlusskraft zum Opferkasten, die andere nur beschämen kann. Es macht ihr nichts aus, falls wegen der mickrigen Summe dumme Bemerkungen fallen sollten. Sie ist ganz auf diesen Moment konzentriert. Mühsam hat sie die kleine Summe zusammengekratzt, und nun bringt sie diese Gabe sofort zu Gott. Es scheint ihr das Selbstverständlichste der Welt zu sein, so zu handeln.

Jesus ist von dieser Frau so tief beein-
druckt, dass er seine Jünger sofort zusammenruft. Sie haben ihre Augen überall, aber diese Szene haben sie offenbar gar nicht so recht bemerkt. Jesus muss sie erst wachrütteln, indem er sie in feierlichem Ton belehrt: „Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluß hergegeben; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles gegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt.“

Wir merken, wie nahe dieses Erlebnis Jesus geht. Diese arme Frau hat ihn wirklich verstanden, ohne jemals mit ihm gesprochen zu haben. Diese arme Frau kalkuliert nicht und rechnet nicht, denn sonst hätte sie genauso gut auch nur eine der beiden Münzen opfern können. Selbst das wäre für sie ein riesiges, existenzielles Opfer gewesen. Für den Opferkasten macht es auch keinen großen Unterschied, ob nun eine oder zwei dieser winzigen Münzen in ihm landen.

Dann hätte sie aber wenigstens noch einen ganz klitze-
kleinen Notgroschen für ein paar Esslöffel Mehl, einfach so zur letzten Sicherheit, falls Gott sie ausnahmsweise doch mal vergessen sollte. Nein, diese Frau geht ganz selbstverständlich auf’s Ganze. Für sie gibt es, was Gott betrifft, keine halben Sachen. Gott hat ihr das Leben gegeben und hält sie nach ihrer Erfahrung auch am Leben, Tag für Tag neu. Es ist wahrlich kein üppiges Leben, aber diese Witwe fühlt sich ganz in Gottes guter Hand aufgehoben.

Diese arme Frau ist also keineswegs so allein, wie es den Anschein hat. Bis hierhin hat mich Gott geführt, mag sie denken, also wird er mich auch weiterhin führen. Auf ihn kann ich mich ganz und gar verlassen. Ihn will ich lieben mit meinem ganzen Herzen und mit ganzer Seele, mit all meinen Gedanken und mit all meiner Kraft (vgl. Mk 12,28-30). Da brauche ich mir nicht ständig den Kopf zu zerbrechen, was der morgige Tag mir bescheren wird. Alles auf dieser Erde und in meinem Leben gehört sowieso Gott; da kann ich getrost die ständigen Sorgen loslassen und mich ganz auf Gott verlassen, wie das die Vögel des Himmels auch tun.

Jesus sieht es sofort: Diese Frau hat das größte der Zehn Gebote wirklich ganz verstanden, mehr als jeder schrift-
gelehrte Experte dieser Welt. Sie gibt Gott nicht den kleinen Finger, diese arme Witwe gibt Gott die ganze Hand. Man könnte sogar sagen, dass diese Frau ihr ganzes Leben, ihr ganzes Schicksal in diesen Opferstock wirft. So wie sie sich verhält, macht sie das auch nicht zum ersten Mal, und sicher nicht zum letzten Mal.

Und nur um Gott geht es ihr, denn ihr Opfer ist ausdrücklich nicht für caritative Zwecke, sondern für den Schmuck des Hauses Gottes bestimmt. Dafür verausgabt sie sich voll und ganz.
Dieser Tempel ist ihre eigentliche Heimat, und nicht ihre private Unterkunft.
So kann man wirklich sagen, dass es eine Art optische Täuschung ist, wenn man da vor dem Opferstock eine arme Witwe sieht. In Wirklichkeit ist sie eigentlich eine ganz reiche Witwe, reich an Gottesliebe, reich an absolutem Vertrauen, reich an Gottes Gnade, einfach unfassbar reich, unfassbar frei!

Kein Wunder, dass Jesus vom Gottvertrauen dieser Frau so fasziniert ist. Kein Wunder also, dass er seine Jünger zusammentrommelt und ihnen das Beispiel dieser Frau vor Augen hält: Schaut euch das mal an, schaut euch die mal an! Diese Frau glaubt wirklich und hundertprozentig!

Jesus geht es nicht darum, die anderen Spender zu kritisieren. Keinerlei Vorwurf kommt über seine Lippen. Jesus setzt da niemand unter Druck. Er stellt einfach das überwältigende Gottvertrauen dieser Frau in den Mittelpunkt.
Da kann sich jeder seine eigenen Gedanken machen.
Da kann sich jeder selbst fragen: Wo stehe ich denn eigentlich? Welchen Anteil an meinem Leben gestehe ich Gott zu? Welchen Stellenwert hat er bei mir wirklich?
An was hängt denn mein Herz? – Prüfen wir uns immer wieder selbst.


Animations-Video „Tempel von Jerusalem“ ( ca. 3 min.)
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Kurz-Info zum Bauwerk des Jerusalemer Tempels (pdf)
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Predigt Pater Schwind SJ (pdf)
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Predigt Dr. Harald Prinz (pdf)
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Evangel. Gemeinschaft Nidderau: „Viel Geld – aber kein Opfer“ (pdf) >> BITTE KLICKEN !

Predigt Bruckmühl : „Alles geben?“ (pdf)
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FEG Heiden: „Wieviel ist viel?“ (pdf)
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FEG Kandern: „Wieviel Erde braucht der Mensch?“ (7S./pdf) >> BITTE KLICKEN !

Meine Gedanken zum Weihetag der Laterankirche
(9. Nov.) mit Informationen zum Tempel in Jerusalem
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„Materialismus“-Fastenhirtenbrief 1956 (!) der deutschen Bischöfe >> BITTE KLICKEN !

Beten für Verstorbene – Totengedenken in der Gemeinde (89 S./pdf) >> BITTE KLICKEN !
(Seiten nicht in Reihenfolge, muss auseinandergeschnitten werden)

„Die kirchliche Begräbnisfeier“ – Pastorale Einführung (pdf) >> BITTE KLICKEN !

Materialien und Links zur Reichsprogromnacht (9. Nov.)
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Beispiel Spendengala im ZDF, dort z.B. Kurzvideo anklickbar: Dietmar Hopp spendet 1 Million Euro („Ein Herz für Kinder“) >> BITTE KLICKEN !



Gott sei gepriesen Tag um Tag

Es war einmal ein guter und gerechter König, der ging oft in Verkleidung und unerkannt durch die Straßen seines Landes, um zu erfahren, wie es um sein Volk stand.
So war er einmal abends an einer armen Hütte angekommen. Er schaute durchs Fenster und erblickte einen Juden, der sprach gerade den Segen über sein kärgliches Abendbrot. Der König klopfte und bat um Einlass. Der Mann antwortete: „Gerne, setz dich nur zu mir. Was für einen reicht, reicht auch für zwei.“

Beim Essen fragte der Gast: „Wovon lebst du eigentlich?“ – „Ich bin Flickschuster“, erwiderte der Jude, „jeden Morgen gehe ich mit meinem Werkzeugkasten durch die Stadt, und die Leute bringen mir ihre kaputten Schuhe.“ – „Und was ist, wenn du morgen keine Arbeit findest?“, fragte der König. - „Morgen?“, sagte der Flickschuster. „Morgen ist morgen. Gott sei gepriesen Tag um Tag.“

Doch als der Schuster am nächsten Tag in die Stadt kam, da standen überall große Schilder: „Anordnung des Königs: In dieser Woche ist jede Art von Flickschusterei verboten!“ -
„Eigenartig“, dachte der Schuster, „was die Könige doch für merkwürdige Einfälle haben! - Aber gut, dann werde ich eben Wasser in die Häuser tragen. Frisches Wasser brauchen die Leute ganz sicher jeden Tag.“


Das tat er dann auch, und am Abend hatte er so viel verdient, dass es zu einer guten Mahlzeit reichte. Sogar zu einer Mahlzeit für zwei, denn auch diesmal kam der verkleidete König zu ihm. Der sprach sofort den Schuster an: „Ich habe mir schon Sorgen um dich gemacht, als ich die Schilder gelesen habe! Wie hast du denn heute bloß dein Brot verdienen können trotz des königlichen Verbotes?“ Der Schuster erzählte ihm, was er diesen Tag gearbeitet hatte. „Und was ist, wenn du morgen keine Arbeit findest?“ – „Morgen?“, sagte der Schuster. „Ach, morgen ist morgen. Gott sei gepriesen Tag um Tag.“

Doch am nächsten Morgen war er entsetzt. Soldaten standen auf den Plätzen und riefen: „Befehl des Königs! In dieser Woche ist es verboten, ohne königliche Sondererlaubnis Wasser zu tragen oder Schuhe zu flicken!“ - Der Schuster ließ sich dadurch nicht unterkriegen, sondern beschloss, stattdessen Brennholz zu hacken und auf dem Markt anzubieten. Rasch holte er seine Axt und ging in den Wald. Wieder reichten seine Einnahmen für ein gutes Abendessen für zwei Personen aus. Tatsächlich kam der unbekannte Gast wieder zum Essen und fragte: „Und was ist, wenn du morgen keine Arbeit findest?“ - „Morgen?“, sagte der Schuster. „Morgen ist morgen. Gott sei gepriesen Tag um Tag.“

Doch als der Schuster am nächsten Tag wieder zum Holzhacken in den Wald gehen wollte, wurde er von Soldaten angehalten: „Alle, die Holz hacken wollen, haben diese Woche die Pflicht, im Palast des Königs Dienst zu tun und Wache zu stehen.“ - Seine Axt wurde ihm abgenommen, und stattdessen bekam er ein blinkendes Schwert. Er musste sofort mitkommen und den ganzen Tag Wache stehen. Natürlich verdiente er dabei nicht einen einzigen Groschen.
Deshalb grübelte er abends auf dem Heimweg, wie er trotzdem seinen erwarteten Gast bewirten könnte. Er klagte dem Kaufmann seines Dorfes sein Leid und bat ihn eindringlich, ihm in dieser Notlage zu auszuhelfen. Das königliche Schwert musste er allerdings als Pfand zurücklassen. Sicherheitshalber ging er daheim gleich in seine Werkstatt, schnitzte sich ein Schwert aus Holz und steckte dieses in die Scheide.
Prompt kam der unbekannte Gast wieder zum Abendessen. Der wunderte sich natürlich über das Essen: „Ich habe gesehen, dass du heute im Königs-
palast ohne Bezahlung Dienst tun musstest. Woher kommt dann das reichliche Essen?“
Da erzählte der Schuster ihm alles und zeigte ihm schmunzelnd das hölzerne Schwert. Der Gast fragte: „Aber was ist, wenn sich der Hauptmann morgen dein Schwert zeigen läßt?“ - „Morgen?“, sagte der Schuster. „Morgen ist morgen. Gott sei gepriesen Tag um Tag.“


Kaum hatte der Schuster am nächsten Morgen den Palast erreicht, kam der Hauptmann auf ihn zu: „Du da, komm her! Da vorne steht vor der Gefängnismauer ein Mörder, der heute hingerichtet werden soll. Der König hat angeordnet, dass du es bist, der ihm jetzt gleich den Kopf abschlagen soll!“
Da war der Schrecken des Schusters riesengroß:
„Ich kann und darf keinen Menschen töten!“, versuchte er sich aus dieser Lage zu retten.

Doch der Hauptmann ließ nicht locker, und inzwischen hatte sich auch schon eine Menge Neugieriger vor dem Gefängnis versammelt. Der Schuster trat auf den Gefangenen zu und sah ihm ins Gesicht. Er war sich sicher, dass dies ganz bestimmt kein Mörder war.
Er betete leise zu Gott, er möge den Mörder und ihn selbst aus dieser verzweifelten Lage erretten.


Es dauerte nicht lange, da hatte er eine Eingebung. Bevor er sein Schwert aus der Scheide zog, rief er ganz laut: „Du Gott des Himmels und der Erde, Du Herr über Leben und Tod! Wenn dieser Mann wirklich ein Mörder ist, so soll ihm mein Schwert den Kopf abschlagen.
Doch wenn er unschuldig ist, dann rette ihn, dann verwandle Du den scharfen Stahl meiner Klinge in Holz!“


Schlagartig kehrte absolute Stille auf dem Platz ein.
Als der Schuster das Schwert aus der Scheide zog und zum Himmel reckte, konnten es alle sehen: Das Schwert war zu Holz geworden. Da brach ein gewaltiger Jubel aus. Die Menge lobte Gott, und im gleichen Augenblick kam der König die Treppe herab aus dem Palast in den Hof und ging auf den Schuster zu. Sofort gab er sich ihm zu erkennen, umarmte ihn herzlich und sprach: „Von heute an sollst du mein wichtigster Ratgeber sein!“


(nacherzähltes jüdisches Märchen, Quelle leider nicht bekannt)


Sparsamkeit
Drei Freunde aus dem Schwabenland gehen mal wieder gemeinsam zum Bergsteigen. Doch das Unglück geschieht: sie stürzen alle in eine tiefe Felsspalte, sind aber gottlob unverletzt. Allerdings sitzen sie hier fest und können nur auf Hilfe hoffen. Die naht auch bald, denn ihr Absturz wurde beobachtet. Als die Männer der Bergwacht sich endlich an die Unglücksstelle vorgearbeitet haben, rufen sie besorgt nach unten: „Hallo – wir sind vom Roten Kreuz!“
Von unten hallt es im Chor nach oben: „Mir gäbet nix!“



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