30.01.2010

Darstellung des Herrn - 2.2.2010

(Fortsetzung)

Er hält nach dem Retter Ausschau, der schon von einigen Propheten ange-
kündigt wurde. Sein ganzes Leben versteht er als Dienst für Gott. Wie ein Wächter auf dem Turm hält er Ausschau. Das leise Gespött der Leute hinter seinem Rücken lässt ihn kalt.
Er hält in Treue fest, wo andere aufgegeben haben. Sein ganzes Wesen hat sich dadurch im Laufe der Jahre verändert. Simeon wartet nicht passiv, so wie in einem Wartezimmer. Simeon wartet aktiv. Er betet ständig und inbrünstig zu Gott um den Messias. Er ist sich durch eine Eingebung des Geistes hundertprozentig sicher: Er ist deshalb noch nicht gestorben, weil er den Messias leibhaftig sehen darf.

So ist er nun wie aus dem Nichts vor Maria und Josef aufgetaucht. Als er das Kind zu Gesicht bekommt, ist er wie elektrisiert.
Er stutzt sicher einen kurzen Augenblick, doch dann umfängt ihn ein unbeschreiblicher Glanz, ein ganz tiefes, fast überirdisches Glücksgefühl. Er weiß es: Jetzt ist er da, sein wichtigster Augenblick in seinem langen Leben. Sicher hat er mit den Tränen zu kämpfen, der alte Mann. Sicher hat er das Gefühl, dass ihn gleich die Kräfte verlassen.
Es ist wahr!
Er ist am Ziel, der Heiland ist nach den vielen Jahren da, das Heil ist angebrochen. Welche Seligkeit!
Er fragt die verdutzten Eltern erst gar nicht. Simeon bekommt ohnehin erst mal gar keinen Ton heraus. Er nimmt das Kind einfach aus den Armen der Mutter.
Nun liegt es wie in einer Wiege in seinen Armen. Er drückt das Kind an sich und liebkost es. Wogen des Glücks umspülen Simeon. Erlösung ist jetzt für ihn greifbar, Erlösung hat Hand und Fuß. Das Kind strahlt Simeon an, und Simeon strahlt das Kind an, eine kleine Ewigkeit lang. Es scheint, es gäbe es nur sie beide allein auf der ganzen Welt. Innigste Zwiesprache ohne Worte, einige himmlische Sekunden lang.

Die junge Mutter steht sprachlos daneben und lässt es geschehen. Sie ahnt, dass hier etwas ganz Erschütterndes geschieht, bei dem man unmöglich stören darf, wenn man kein Eindringling sein will. Es ist, als würde alle Zeit einige Sekunden lang angehalten. Die Welt hält den Atem an.
Da geschieht es: Aus Simeon platzt es nur so heraus, als ob alle seine langen Jahre des Wartens in dieser Sekunde kostbar entschädigt würden. Im Evangelium heißt es: „Simeon…pries Gott mit den Worten: Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“

Simeon hat tatsächlich das Licht der Welt noch sehen dürfen! Das Licht, das alles heil macht, das Licht, das alle erleuchtet, das allen den Weg weist, und zwar ausdrücklich auch den Heiden, also denen, die nicht oder noch nicht an den wahren Gott glauben.
Das will jedes Jahr auch unsere Weihnachtsbeleuchtung als Botschaft in die Welt tragen: Seht alle her und jubelt, denn das wahre Licht ist zu uns gekommen!

Simeon wird sich nun bald vom Erdenleben verabschieden können. Doch vorher wendet er sich noch mit einem letzten prophetischen Wort an Maria, die Mutter Jesu: „Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem wider-
sprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selber aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.“

Wir spüren es: In den Jubel mischen sich schon die ersten Töne und Vorboten des Schicksals Jesu. Simeon weiß, was Maria noch nicht in der vollen Tragweite ahnt: Ihr Sohn Jesus wird viele Menschen aufrichten und zu Gott führen, aber er wird auch viel Widerspruch erfahren, besonders von den religiösen Führern.
Sogar das Leiden und Sterben Jesu deutet er an. Der Mutter Jesu wird ein Schwert durch die Seele dringen. Sie wird entsetzlich leiden müssen, wenn sie mitansehen muss, was man ihrem Sohn alles an Bosheit antut. Viel Leid wird Maria bevorstehen. Das fängt schon damit an, dass der zwölfjährige Jesus bei der Pilgerreise nach Jerusalem ohne einen Hinweis an Maria im Tempel bei den Schriftgelehrten bleibt und Maria nach ihrer verzweifelten Suche ganz verwundert entgegnet: „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“

Ja, Maria wird viel Leid ertragen müssen. Die Heilige Familie war kein Bilderbuch-Idyll. Sie mussten vor den Soldaten des Herodes außer Landes fliehen, und immer wieder gab es in der Verwandtschaft und rund um Nazareth viel Unverständnis über den Sohn des Zimmermanns, von dem einige gar meinten, er sei von Sinnen. Auch die Szene bei der Hochzeit zu Kana zeigt, dass Jesus nicht immer nur der liebe Jesus war. Energisch weist er seine Mutter erst einmal zurecht, als sie von ihm erwartet, dass er für die verzweifelten Brautleute den dringend erforderlichen Nachschub an Wein auf seine Weise herbeischafft.

Auch die Heilige Familie hatte ihre Sorgen und Nöte. Aber andererseits wurde in ihr offenbar auch vieles grund-
gelegt, was wir an Jesus so schätzen: seine feste Verbundenheit mit den Ge-
boten der Religion, aber auch seine so großartige Hinwendung zu Menschen in Not, seine Offenheit anderen gegenüber auch über gesellschaftliche Schranken hinweg, sein großes Vertrauen in die Umkehrmöglichkeit von Menschen und vor allem das felsenfeste Vertrauen in den liebenden Gott. In dieser Familie wurde Jesus erzogen und geprägt.

Die große Bedeutung der Familie für die Entwicklung des Glaubens ist auch heute allen Verantwortlichen bewusst.
Die Familie ist nicht nur Grundlage der Gesellschaft, sondern auch der wichtigste Weg in die Gemeinschaft der Kirche.
Gott hätte in seiner Weisheit sicher auch einen ganz anderen Weg wählen können, um als Mensch in diese Welt einzutreten. Offenbar hat er ganz bewusst diesen Weg über die Geburt und über die Familie gewählt.

Doch zurück. Wir sind ja noch Zeuge einer besonderen Begeg-
nung im Jerusalemer Tempel. Der alte Simeon hat nicht nur das Kind an sich gedrückt und hat nicht nur prophetische Worte gesprochen. Er hat noch etwas ganz Entscheidendes getan. Erinnern Sie sich?
Es heißt im Evangelium ausdrücklich: „Und Simeon segnete sie…“ - Hier wird ganz anschaulich und konkret:
Simeon ist ganz extrem familien-
freundlich. Er segnet diese Familie öffentlich im Tempel.
Das ist mehr als eine Kinder-
segnung, wie sie in vielen Pfarreien praktiziert wird. Simeon segnet die ganze Familie. Segnen, das ist nicht nur ein netter, tröstlicher Spruch und vielleicht etwas Weihwasser. Segnen – das ist entschieden mehr: Wenn man jemanden segnet, dann ist einem dieser Mensch ans Herz gewachsen. Man ist in Gedanken bei ihm, man will alles nur Erdenklich Gute für ihn oder sie. Segnen, das ist nicht nur eine rituelle Handlung. Segnen kann eine Lebens-
haltung sein, ein Lebensstil. Wer segnet, der vertraut einen Menschen damit ausdrücklich Gott und seiner Gnade an, der Liebe und Güte des barmherzigen Gottes.

Segnen – das kann nicht nur Simeon. Segnen – das kann jeder. Begleiten wir die Menschen, die uns in Familie, Kirche und Alltag begegnen, ausdrücklich mit unserem Segen! Wer segnet, der liebt und vertraut. Wer segnet, der ist überzeugt, dass der gute Gott und seine Engel über allem wachen.

Das wusste damals im Tempel auch noch eine weitere Person, die am Schluss des heutigen Evangeliums einen ganz kurzen Auftritt hat. Es ist eine gottesfürchtige Frau namens Hanna, schon 84 Jahre alt. Viele Jahrzehnte lebte sie als arme Witwe am Rande der Gesellschaft, schutzlos und ohne Rente oder andere Absicherungen. Sie war von außen gesehen wirklich arm dran.
Von innen gesehen war sie jedoch alles andere als arm. Kein Schick-
salsschlag konnte sie von Gott trennen. Armut, Einsamkeit, Trauer, Hilflosigkeit – alles nahm sie an in Liebe zu Gott. Wir haben gehört, dass sie sich Tag und Nacht im Tempel aufhielt und Gott mit Fasten und Beten diente. Sie war eine weise Frau geworden, die wie Simeon wusste, worauf es im Leben wirklich ankommt. Auf alles konnte sie verzichten, aber nicht auf die Gegenwart Gottes im Tempel. Dort hält sie gerade Fürbitte für andere Menschen, als auch sie auf Maria und Josef aufmerksam wird.
Ohne Fragen stellen zu müssen, erkennt sie sofort die Bedeutung dieses Kindes. Hanna kommt eilig hinzu, preist Gott und macht alle im Umkreis aufmerksam, wenn auch offensichtlich mit nur mäßigem Erfolg.

Maria und Josef jedenfalls kommen jetzt erst nach dieser auf-
schlussreichen Störung zum eigentlichen Zweck ihres Tempel-
besuches. Nach den üblichen Handlungen des Priesters kehren sie nach Nazareth zurück.
Zum Schluss des heutigen Evangeliums heißt es nur: „Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit, und seine Gnade ruhte auf ihm.“
Mehr erfahren wir nicht. Ganz bewusst hat das Evangelium den Schwerpunkt auf die atemberaubende Begegnung im Tempel gelegt. Das heißt, dass wir alle genau darüber nachdenken sollten. Sonst wäre die Szene wohl kaum erzählt und aufgeschrieben worden.

Hunderte waren zu jener Stunde im Tempel, doch nur ganz wenige haben das Entscheidende wahrgenommen.
Da wurde gebetet,
da wurde geopfert,
da wurde getan und gemacht. Direkt nebendran geschah das große Wunder, und kaum einer hat es bemerkt. Wie kann das nur sein?
Müssten nicht alle sofort aufmerksam werden auf den alten Mann und die alte Frau, so aufgeregt und völlig aufgelöst wie die beiden waren? Nichts dergleichen. Alle waren nur mit sich selbst beschäftigt.
Wahrscheinlich sogar in bester Absicht verrichteten sie, was die religiösen Vorschriften von ihnen verlangten. Das Heil jedoch haben sie nicht gesehen. Dazu waren sie viel zu beschäftigt.
Dazu waren sie aber auch viel zu wenig vorbereitet. Sie haben nichts von den beiden Alten gelernt.
Die frommen Tempelbesucher und Priester haben nie gelernt, wirklich aktiv und voller Sehnsucht zu warten. Sie haben nicht gelernt, ganz genau hinzuhören und hinzusehen. Sie haben nicht wirklich damit gerechnet, dass die Prophezeihungen gerade jetzt und hier wahr werden könnten. Man könnte sagen: Sie haben nur rein formal geglaubt, aber nicht mit jeder Faser ihres Herzens.

So haben sie die große Stunde schlicht und einfach verpasst.
Sie hatten gar keine Chance auf einen Sechser im Lotto, obwohl sie die richtigen Zahlen wussten. Sie haben erst gar nicht auf dieses kleine Kind getippt.
Gott aber kommt nicht mit Donnerhall, Show-Treppe, Glitzer und Licht-Effekten. Nein, er kommt als Mensch, ganz unauffällig und bescheiden. Du kannst ihn sehen. Sei bereit!

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Familienkatechese (Prof.Dr.Biesinger)
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Rettender Einfall: Drei Schotten besuchen als Touristen eine Heilige Messe im Kölner Dom und sind beeindruckt. Mit Entsetzen sehen sie jedoch, wie mitten im Gottesdienst aufmerksame Messdiener von Bank zu Bank gehen und die Kollekte einsammeln. Das bedrohliche Körbchen kommt näher und näher. In letzter Sekunde entschließt sich einer der Schotten zu einer Ohnmacht. Die beiden anderen packen ihn und tragen ihn hinaus…

Erfolgreich: Klein Peter muss zur Strafe 50 mal schreiben:
„Ich darf den Pfarrer im Religionsunterricht nicht duzen."

Er schreibt es sogar 100mal.
„Warum denn das?", fragt der Pfarrer.

Peter: „Weil ich dir eine Freude machen wollte!"

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26.01.2010

4.Sonntag im Jahreskr.C - 31.1.2010

(Fortsetzung)
Jesus jedoch zeigt ihnen bildlich gesprochen die aus dem Fußball bekannte Rote Karte. Übler Regelverstoß! So geht das nicht!
Und zur näheren Erläuterung fügt Jesus noch eine aufschlussreiche und ein-
dringliche Erklärung hinzu: „Amen, das sage ich euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt. Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam. Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon. Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman.“
Das waren harte und deutliche Worte. Das hat gesessen!
Jesus erinnert seine Zuhörer an schmerzliche Kapitel aus den Heiligen Schriften des Alten Testamentes. Propheten hatten es schon immer besonders schwer ausgerechnet bei ihren eigenen Leuten.
Ihre Appelle, ihre Warnungen wurden fast immer einfach überhört. Aus menschlicher Perspektive gedacht könnte man sagen: für Gott schlicht und einfach beleidigend!

Jesus nimmt jetzt jedenfalls Bezug
auf die damalige Reaktion Gottes. Der Prophet Elija wurde nun eben nicht nach Israel geschickt, sondern ausgerechnet ins Land der Heiden, zu einer Witwe in großer Not. Gott ließ damit gewissermaßen das Volk Israel, das in den Unglauben gefallen war, einfach links liegen. Der Prophet Elija half stattdessen einer wildfremen Witwe, deren Namen wir noch nicht einmal erfahren. Der Grund dafür war ihr vorbildlicher Glaube, denn selbst in größter Existenznot und dem Sterben nahe glaubte sie dem Propheten und gab ihm den letzten Rest ihrer Nahrung.
Dafür wurde sie schließlich reich belohnt.
Und auch Aussätzige gab es leider viel zu viele. Jesus erinnert seine Zuhörer ausdrücklich daran, dass keiner der Aussätzigen in Israel damals geheilt wurde. Gott ignorierte Israel und seinen Unglauben, und der Prophet Elischa half - man mag es kaum aussprechen! – einem Todfeind der Israeliten. Der erwähnte Naaman war der gefürchtete Heerführer der syrischen Armee, der die Israeliten einige Male grausam besiegt hatte.
Doch der große Mann hatte ein geheimes Problem: Auch er war aussätzig, und die Krankheit breitete sich immer mehr bei ihm aus. Naaman folgte erst nur widerstrebend dem Rat seiner jüdischen Sklavin und nahm mit dem Propheten Kontakt auf. Es gab einiges Hin und Her, bis der stolze Heerführer schließlich ganz demütig wurde und dem fremden Propheten mit seiner fast albernen Anweisung Glauben schenkte. Er solle nur sieben mal im Jordan untertauchen, hatte Elischa ihm ausrichten lassen, dann werde er wieder gesund.
Und tatsächlich, im wahrsten Sinne des Wortes stieg Naaman herunter von seinem hohen Ross, tauchte vor allen seinen Dienern unter und wurde auf der Stelle geheilt.

Und nun, nachdem wir diese Hintergrund-Information haben, stellen wir uns noch einmal die Situation in der Synagoge von Nazareth vor. Die Leute haben sehr gut verstanden, was Jesus ihnen da schonungslos beibringt. In heutiger Sprache würde er vielleicht sagen: Bildet euch nicht ein, ihr hättet irgendwelche Garantie-
Gutscheine bekommen!
Nicht eure Zugehörigkeit zu einem Dorf, zum Volk Israel oder zu was auch immer zählt vor Gott, sondern allein euer Glaube, euer Vertrauen in Gott!
Und wie die genannten Beispiele zeigen, können es durchaus sogenannte Heiden sein, von deren Gottvertrauen ihr euch manchmal eine Scheibe abschneiden könnt. Bei denen war es so, dass sie zuerst einmal glaubten, und dann erst kam das Wunder, nicht umgekehrt, wie ihr es verlangt.

Nun muss man fairerweise zugeben, dass die Juden im Gegensatz zu den Heiden ein handfestes Problem hatten, nämlich ihre eigene Vorstellung vom kommenden Messias. Während die anderen da überhaupt nicht vorbelastet waren, stellten sich die meisten Juden den Messias in großer Herrlichkeit vor, als triumphierenden König, der es all den Ungläubigen mal so richtig zeigen wird und die verhassten Römer aus dem Land jagt. Und wie es ihnen gerade in Nazareth so scheint, macht „ihr“ Jesus in dieser Richtung keinerlei Anstalten. Ein schönes Wunder würde ihnen da natürlich in ihrer Lage-Einschätzung sehr weiterhelfen.

Im Moment allerdings geht es in Nazareth schon nicht mehr um Wunder oder nicht. Die Leute in der Synagoge sind äußerst gereizt. Da hat Jesus ihnen quasi zu verstehen gegeben, dass sie Gott eigentlich nicht vertrauen, wenn sie ihren Glauben von einem Wunder abhängig machen. Die zwei Beispiele Jesu sagen ihnen:
Ihr seid mit eurem Anspruchsdenken die wirklich Ungläubigen!
Ihr habt Gott keineswegs für euch gepachtet, da gibt es keinen Exklusiv-Vertrag.

Was zuviel ist,
ist zuviel. Das ist man fromm, geht jede Woche brav in den Gottes-
dienst, bemüht sich um die Einhaltung der Gebote – und dann solch ein Verhalten Jesu!
Was nun in Nazareth geschieht, schildert Lukas so: „Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut. Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen.“
Die Wut im Bauch muss schon übermächtig gewesen sein, wenn man sogar im Gotteshaus vom Platz aufspringt. Sie gehen über Tische und Bänke, könnte man formulieren. Sie schäumen regel-
recht vor Enttäuschung über Jesus, und in dieser Mordstimmung heizen sie sich gegenseitig weiter an. Aus den gesitteten Gottes-
dienstbesuchern ist im Nu ein rasender, brandgefährlicher Pöbel geworden. Unglaublich, welche Aggression da zum Vorschein kommt! - Wir kennen solche Massenphänomene nur zu gut aus den Medien, etwa wenn sich eine Meute auf einen Wehrlosen stürzt. Wozu dem Einzelnen doch noch der Mut fehlt, das bringt die tobende Masse fertig, auch in Nazareth.

Offenbar flüchtet Jesus vor ihnen
aus der Synagoge, und alle laufen schreiend und schimpfend hinter ihm her. So treiben sie ihn hinaus bis zu einem Abhang des Berges vor ihrem Dorf.
Es ist für uns heute unfassbar, was Lukas da beschreibt: Sie wollen ihn doch tatsächlich ermorden, indem sie ihn den steilen Felsen hinabstürzen!
Doch als sie am Felsen angekommen sind, geschieht etwas, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Lukas beschreibt es nur ganz knapp in einem einzigen Satz: „Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg.“

Hier zeigt sich die Autorität Jesu zum ersten und letzten Mal so eindrucksvoll in seinem Heimatdorf. Er schaut sie an und schreitet einfach schnurstracks auf fast geheimnisvolle Weise durch die Menge hindurch, die ihn umringt. Der grölende Mob ist verstummt. Niemand wagt es, ihn anzufassen.
Jesus verlässt Nazareth, und er verlässt es für immer. Dieser Ort hat seine Chance verspielt. Von nun an wird Kapharnaum für Jesus zur zweiten Heimat. Für seine Mutter Maria, die das Geschehen sicher am Rande miterleben musste, war dieses Erlebnis ein furchtbarer Schock und ein Vorgeschmack auf das, was sie alles noch miterleben und durchstehen musste.

Ein Vorgeschmack für alle war es wirklich, was Lukas uns hier schildert. Bereits in Nazareth deutet sich an, wo das schließlich hinführen wird. Bereits am Anfang des öffentlichen Auftretens wird klar: Man wird Jesus nicht nur mit offenen Armen empfangen, sondern er wird auch heftigen Widerspruch hervorrufen. Man wird ihm wie in Nazareth nach dem Leben trachten und ihn ans Kreuz schlagen. So glaubt man diesen religiösen Ruhestörer aus dem Weg räumen zu können.

Doch Lukas will uns ganz sicher nicht nur einen Krimi aus dem religiösen Milieu erzählen, eine aufregende Geschichte mit einem Beinahe-Mord, der nur ganz knapp verhindert wurde. Lukas weiß es, und wir wissen es auch: Nazareth ist nicht nur in Nazareth. Der Name ist austauschbar.
Solche Orte wie Nazareth gibt es überall, und solche Menschen wie diese gibt es auch überall. Die Botschaft Jesu wird immer wieder und an vielen Orten auch Widerspruch hervorrufen. Gottes Heil für die Armen, Gerechtigkeit und ein gläubiges Vertrauen in Gott ohne Vorbedingung, ohne offene oder stille Forderung nach einem Wunder – das ist nicht so einfach.

Die Versuchung ist immer wieder da, nach einem Wunder zu rufen, damit man glauben kann. Das gilt manchmal auch für uns.
In solchen Momenten ist es heilsam, sich an die beiden Beispiele Jesu zu erinnern, an die beiden sogenannten Heiden, die alles auf eine Karte gesetzt haben, die demütig wurden und ohne Wenn und Aber das befolgten, was der Prophet ihnen sagte.
Lass dich einfach auf Gott ein, vertraue ihm voll und ganz und ohne Hintertürchen, sagt Lukas. Dann, als wirklich Gläubiger, wirst du das Wunder erleben.

Beachten Sie bitte online außerdem die Dauer-Linktipps rechts im Info-Feld des Predigtgartens (Hauptseite)! - Darunter finden Sie nun auch häufig:
Wenn Sie dort in die Abbildung klicken, können Sie die meditativen Gedanken selbst als pdf herunterladen.

Predigt Pfr. Dr. Jörg Sieger
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Predigt Pfr. Karl Sendker
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„Zwischen Annahme und Ablehnung“ – Biblische Impulse (pdf)
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Pfr. Herbert Schmidt: „Rausgeworfen“ (pdf)
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Leseprobe „Gottes Wort im Kirchenjahr“ (pdf) – ab S.8 bzw. 139
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Rolf Höneisen, „FACTUM“: „Ohne Ausweg?“ – Die Witwe von Sarepta >> BITTE KLICKEN !
Prof. Dr. Gertz: Elischa und Naaman
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Regensburger Sonntagshilfen: Liturgie, Liedvorschläge (pdf)
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Bertelsmann-Stiftung: Umfrage zur Religiosität
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Schon über 200.000 Besucher im „Predigtgarten“ – ein kleines bisschen Statistik und ein großes „Danke“!
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Beweisführung
Ein Priester begann seine Predigt, indem er einen echten 200-Euro-Schein hochhielt. Dann fragte er die Gottesdienstbesucher, ob jemand diesen Geldschein haben wolle. Natürlich gingen fast alle Hände hoch.
„In Ordnung. Aber vorher will ich damit noch etwas tun.“
Kaum hatte er das gesagt, zerknitterte er den Schein vor aller Augen. Wieder fragte er, und wieder meldeten sich etliche Leute. „Kleinen Moment noch“, meinte er, und dann legte er den Schein auf den Boden und trampelte mehrmals mit seinen Schuhen darüber. Wieder das gleiche Spiel: Er fragte, und die Leute meldeten sich.
Schließlich tunkte er den Schein sogar kurz in ein Glas mit Wasser und zog ihn triefend wieder heraus. „Will immer noch jemand den Schein haben?“, wollte er wissen. Immerhin waren es noch weit mehr als die Hälfte der Leute, die sich meldeten.
Da fragte der Priester: „Warum wollt ihr bloß solch einen zer- knitterten, dreckigen und vom Wasser aufgeweichten Geldschein haben?“ - Da sagte man ihm, dass der Geldschein auch dann noch seinen Wert behalte, unabhängig vom äußeren Zustand. Man könne sogar einen in zwei Teile zerrissenen Schein bei der Bank eintauschen.
„Alles richtig, was ihr da sagt“, meinte schließlich der Priester.
„Ihr habt es richtig erkannt. Das Geld hat nie seinen Wert verloren. Das weiß jedes Kind. - Aber warum merkt ihr euch das nicht für euch selbst? Egal, wie schmutzig, wie zerknittert und wie am Boden zerstört wir sind - für Gott bleiben wir immer unendlich wertvoll!“ (Quelle: mir leider nicht bekannt)

Theologisch gebildet: Der Pfarrer stattet dem Kindergarten einen Besuch ab. Er fragt ein kleines Mädchen: "Weisst Du überhaupt, wer ich bin?"
"Na klar, Du bist der Nachrichtensprecher aus der Kirche..."

Ach so! Kleiner Unfall auf einer Landstraße in Bayern.
Ein Österreicher hat eine Mauer gestreift und hat nun einige leichte Dellen im Auto. Da kommt ein Bayer vorbei und sagt ganz hilfsbereit zu ihm: „Du musst kräftig in den Auspuff blasen, da drückt`s die Dellen wieder raus.“

Der Bayer fährt weiter, und der Österreicher denkt sich, das kann ich ja wenigstens mal probieren. Er bläst und bläst. Da kommt die Polizei vorbei und fragt ihn, was er da macht. Er sagt, ein anderer Fahrer habe ihm geraten, um die Dellen herauszubekommen, solle er in den Auspuff blasen.
Da schauen sich die Polizisten das Auto mal gründlich an und fangen dann an zu lachen: „Guter Mann, das kann natürlich nicht funktionieren, wenn das Schiebedach noch auf ist!"

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19.01.2010

3. Sonntag im Jahreskreis C - 24.1.2010

(Fortsetzung)

Es herrscht eine angespannte Ruhe. Die Sekunden vergehen, ohne dass etwas geschieht. Lukas steigert die Spannung noch, indem er diese Situation erzählerisch einfängt und formuliert: „Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet“
das klingt geradezu wie in einem aufregenden Fernsehfilm mit Großaufnahme der Gesichter!
Jetzt will keiner die kleinste Kleinigkeit verpassen! Was wird er wohl zu dieser schwierigen Stelle sagen, zu diesem Wort des Propheten Jesaja über den Gesalbten des Herrn, der einst kommen wird? - Ganz schön mutig von unserem Jesus, sich an diesem Text zum Lehrer zu machen!
Die Leute sehen ihn noch vor sich, wie er mit den anderen Nach-
barskindern auf dem Marktplatz spielt, und nun ist er erwachsen und will ihnen Gottes Wort auslegen…

Wir heute wissen nicht genau, was da in den Köpfen vor sich geht. Aber gut vorstellen kann man es sich. Die Menschen können ihre
Erinnerungen nicht einfach ausknipsen. Sicher ist das auch ein Grund, warum es in unserer Mutter Kirche üblich ist, dass Priester nicht als Pfarrer in ihrem Heimatort eingesetzt werden. Manche Mitbürger wären einfach von der Verkündigung der Frohen Botschaft abgelenkt, weil ihnen immer wieder mehr oder weniger fromme Geschichten aus der Jugend dieses Priesters einfallen würden.
Jesus aber sitzt nun hier, in seiner Heimatgemeinde. Seine erste Predigt in Nazareth wird das. Und das ausgerechnet zu dieser Prophezeiung! Lukas fährt fort: „Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.“

Danach diese Stille in der Synagoge. - Wie? Das war’s schon?
Ungläubiges Staunen im Saal: Das ist ja wohl die kürzeste Predigt, die man sich denken kann, gerade mal elf Wörter lang: „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.“
Und damit ist eigentlich wirklich alles gesagt - einfach umwerfend, diese knappe Formulierung! Jesus sagt den Menschen seines Heimatortes und uns allen: Jetzt, hier und heute, ist es soweit!
Das, was der Prophet Jesaja und andere immer wieder verkündet haben, das hat in mir Fleisch und Blut angenommen. Das, worauf Generationen von Juden so sehnsüchtig gewartet haben, das ist in mir tatsächlich Wirklichkeit geworden. Das Schriftwort hat sich heute erfüllt; euer Traum ist in Erfüllung gegangen.

Um die ganze Wucht dieser Aussage zu verstehen, muss man sich noch einmal bewusst machen, was Jesus da sagt. Er ist es, den Gott als Retter versprochen hat, er und sonst keiner.
Da erinnern wir uns an den Anfang meiner Predigt und an die Bank-
automaten, die völlig neu programmiert werden mussten. Ein völliger Neustart also, alles nochmal auf Anfang!
Und nun sagt Jesus: Ja, genau so ist es. Mit mir macht Gott für euch gewissermaßen einen Neustart, wie er es versprochen hat. Und was er seinem Volk versprochen hat, das haben wir auch gehört. Er wird den Armen eine gute Nachricht bringen, den Gefangenen ihre Frei-
lassung verkünden, die Blinden wieder sehend machen und „ein Gnadenjahr des Herrn“ ausrufen.
Man kann all dies zu-
sammen-
fassen, indem man sagt, er wird wieder heil machen, was unheil ist, was nicht mehr ist, wie Gott es eigentlich gedacht hat. - Und wie sich Gott eine gute Welt nach seinem Bild eigentlich gedacht hat, das sieht man nicht nur an der Schöpfungsgeschichte und am Paradies, sondern z.B. auch an dem von Jesus zitierten „Gnadenjahr des Herrn“, wörtlicher übersetzt „ein dem Herrn angenehmes Jahr“,
ein Jahr ganz nach seinem Geschmack.

Dazu muss man wissen, dass solch ein „Jubeljahr“ (eigentlich ein Jobeljahr nach dem Jobelhorn, mit dem es akustisch eröffnet wurde) als ein großangelegtes Erlassjahr gedacht war. Nur alle 50 Jahre war es im alten Israel vorgesehen, eben alle Jubeljahre nur einmal, wie eine Redewendung lautet. Dann sollte, so war es gemeint, jedem seine reale Schuld erlassen werden. - In der Praxis bedeutete dies, dass Menschen, die z.B. aus Not ihren Grund und Boden oder gar ihre Kinder verkaufen mussten, alles zurückbekamen, soweit dies möglich war. Das große Auseinanderklaffen zwischen arm und reich wurde unterbrochen, und ein großzügiger Neuanfang war für jeden möglich.
So jedenfalls war es gedacht, wie man im Buch Levitikus (25,8-31) mit genauen organisatorischen Durchführungsbestimmungen nachlesen kann. Dort findet man auch die theologische Begründung dafür: Alles gehört sowieso Gott, dem Schöpfer. Kein Mensch kann das Land aus Gottes Sicht wirklich besitzen, er kann es nur aus-
leihen. Mit dem Jubeljahr wird noch deutlicher als beim Sabbatjahr, bei dem sich die Felder alle sieben Jahre erholen konnten, dass Gott allein der Herr und Eigentümer von allem ist.
Das ist ein Beispiel für eine soziale Ordnung im Sinne Gottes. Bekannt ist aber auch, wie die Menschen darauf reagiert haben:
die Idee mit den Jubeljahren ging den Besitzenden doch entschieden zu weit, und so ließ man dieses Thema lieber in der Versenkung verschwinden: es wurde einfach nicht mehr praktiziert.

Wenn nun Jesus in der Synagoge von Nazareth verkündet, jetzt sei es so weit, ein Gnadenjahr des Herrn auszurufen, ist das natürlich so ein richtiger Stich ins Wespennest. Wer weiß, was den Zuhörern da so alles durch den Kopf gegangen ist…!
Und ausgerechnet an dieser Stelle bricht das heutige Evangelium ab, wie im wirklichen Leben, wie im Fernsehen. Das ist nämlich ein Zweiteiler, und der zweite Teil wird uns am nächsten Sonntag präsentiert.
Da heißt es, sich etwas zu gedulden – und für die Neugierigen gilt: die Bibel ist auch zum Selberlesen zugelassen, z.B. das vierte Kapitel im Lukas-Evangelium!

Zum guten Schluss noch ein Hinweis zum Gnadenjahr des Herrn. Jesus nimmt sicher nicht an, die erwähnte Regelung des 50. Jahres landesweit wieder einführen zu können, so wie sie eine Zeitlang galt. Das wäre unter den gegebenen Umständen einfach nur naiv.
Das Gnadenjahr meint er anders. So wie damals die reale finanzielle Schuld erlassen wurde, so erlässt Gott durch das Gnadenjahr Jesu alle reale Sündenschuld. Gott will das Heil der Menschen, und mit Jesus gibt es dafür einen Neuanfang. Jesus schenkt jedem die Chance, noch einmal ganz von vorne anzufangen.
Alle Verstrickungen in Schuld zählen nicht mehr. Wer zu Jesus kommt, der beginnt ganz neu. Fast wie beim Computer. Also bitte jetzt neu starten!

Predigt Pater Gottfried Eigner, OSA
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Drei Predigtvorschläge der Karl-Leisner-Jugend
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Predigt Pater Hermann Schalück OFM (pdf)
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Sonja Angelika Strube: „Die gute Nachricht des Lukas“
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Prof. Dr. Ernst Leuninger: Kurs zur Einführung in die
Kath. Soziallehre
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Schüler-Infomaterial: Ein Synagogengottesdienst (pdf)
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Wie komme ich selbst an diese Predigt als pdf?
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„Die Erde bebt – und Gott auch?“ - Meine Rückfrage an Medienschaffende, veröffentlicht im „PREDIGTGARTEN“
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Fritzchen erkundet erstmals den Dachboden des Elternhauses.
Dort steht der Laufstall, in dem er seine Babyzeit zugebracht hat.
Als er ihn sieht, rennt er schnell runter und ruft aufgeregt nach seiner Mama: „Mami, Mami, wir kriegen bald ein neues Baby!“ – Die Mutter ist doch sehr erstaunt deswegen und fragt zurück: „Wie kommst du denn jetzt darauf?“ – Fritzchen berichtet über seine Entdeckung:
„Ich war auf dem Dachboden. Da ist schon die Falle dafür aufgestellt!“

Wussten Sie schon, dass man eine Tageszeitung auch bei Nacht lesen kann?
Auch andere machen Fehler – aber wir haben darin die meiste Erfahrung.
Es gibt Dinge, über die spreche ich nicht einmal mit mir selbst.

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11.01.2010

2. Sonntag im Jahreskreis C - 17.1.2010

(Fortsetzung)

Die Festfreude wird jämmerlich ersticken. Die Stimmung sinkt auf den Nullpunkt. Da kann man auch gleich nach Hause gehen. Von wegen Traumhochzeit - einfach nur suuuuuperpeinlich, das Ganze!

Maria fackelt nicht lange herum. Sie kann nicht mitansehen, wie diesen jungen Leuten der schönste Tag ihres Lebens ruiniert wird. Jetzt ist nicht die Zeit für Ursachenforschung oder für Schuld-
zuweisungen. Passiert ist eben passiert. Jetzt gilt es, den Schaden so klein wie möglich zu halten. Und mal eben zur Tankstelle fahren, das gibt’s leider auch noch nicht. Da kann nur einer helfen, weiß Maria. Aus dieser Not kann uns nur Jesus herausmanövrieren.
Maria geht auf Jesus zu. Offenbar überlegt sie sich gut, was sie zu ihm sagen will. Im Evangelium heißt es nämlich nur: „Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.“
Interessant - Maria sagt nicht etwa: „Nun tu doch mal ein Wunder und zeig mal, was du kannst.“ - Nein, ganz bescheiden macht sie Jesus auf die konkrete Notlage aufmerksam, ohne ihm Vorschriften machen zu wollen. Maria macht das, was sie immer und immer wieder macht, auch heute noch: Sie bittet für andere, sie leistet Fürbitte bei ihrem Sohn.
Maria lässt ihm vertrauensvoll völlig freie Hand, erwartet aber, dass er jetzt irgendwie helfend eingreift. Umso erstaunter sind wir über die doch sehr verärgert und geradezu bockig klingende Reaktion Jesu: „Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“

Das klingt für unsere Ohren wie eine patzige Bemerkung, so wie etwa: „Geh mir nicht auf die Nerven, Alte!“ - So ist es jedoch nicht gemeint. Die Übersetzung aus dem griechischen Original zeigt das schon. Es müsste eher heißen: „Was ist mein? Was ist dein?“ – Was Jesus damit sagen will, wird jetzt klar: Maria hat ihre Aufgabe, und er hat seine spezielle Aufgabe. Er hat sich ganz nach dem Willen des himmlischen Vaters zu richten und nicht nach allen möglichen menschlichen Wunschvorstellungen, so berechtigt sie auch scheinen mögen.
Um das zu unterstreichen, verweist er Maria darauf, dass seine Stunde „noch nicht gekommen“ ist. - Wir wissen heute natürlich, wann seine Stunde geschlagen hat. Kurz vor seinem Tod betet er (Joh 17,1-5): „Vater, die Stunde ist gekommen…!“

Man kann also sagen, dass Jesus hier bei dieser Hochzeit in Kana bereits an sein Leiden und Sterben denkt, aber damit auch an seine Hochzeit des Lammes Gottes (Offb 19,7-9), die der himmlische Vater für ihn ausrichten wird. Am Ende der Zeiten wird Jesus Christus dann die erlöste Menschheit als „glückliche Braut“ zum himmlischen Festsaal heimführen. Das wird dann die wirkliche und endgültige „Traumhochzeit“ werden.

Doch zurück zum Hochzeitsfest in Kana. Marias weitere Reaktion auf diese Belehrung durch Jesus ist auch sehr interessant. Sie begibt sich unverzüglich zu den Dienern, wahrscheinlich, um diese darauf einzustimmen, dass gleich etwas Überraschendes ge-
schehen wird. So sagt sie ihnen nur: „Was er euch sagt, das tut!“
Maria will den Dienern damit ans Herz legen, jetzt nicht zu Bedenkenträgern zu werden und nicht zu oberschlauen Klug-
schwätzern, sondern einfach nur das zu tun, was ihnen von Jesus aufgetragen wird.

Und das lässt nicht lange auf sich warten. Jesus kommt tatsächlich zu ihnen. Er schwingt keine große Rede, er gibt keine Erklärungen ab, sondern wie nebenbei sagt er nur: „Füllt die Krüge mit Wasser!“
Das war ein schönes Stück Arbeit, 600 Liter Wasser in der Dunkel-
heit vom Dorfbrunnen in kleineren Krügen herbeizuschaffen!
Die Wasserträger erledigen das aber ohne Murren, und zwar so gewissenhaft, dass sie die großen Krüge sogar „bis zum Rand“ auffüllen, wie das Evangelium ausdrücklich vermerkt.
Jesus hat abgewartet, bis das wirklich erledigt ist. Er geht Schritt für Schritt vor, denn erst jetzt gibt er ihnen weitere Anweisung: „Schöpft jetzt, und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist.“

Die gehorsamen Diener sind also die einzigen, die Jesu Wundertat, die der Evangelist Johannes „sein erstes Zeichen“ nennt, so richtig mitbekommen haben. Erst nachdem der Fest-Manager den Bräutigam mit Kopf-
schütteln darauf aufmerksam gemacht hat, dass der erst jetzt am späten Abend mit einem so hervorragenden Wein herausrückt, werden auch die Jünger Jesu aufmerksam und reagieren mit gläubigem Erstaunen.
Jesus hat also tatsächlich auf wundersame Weise tatkräftig eingegriffen und so das Fest nicht nur gerettet, sondern mit einer Riesenmenge besten Weines geradezu überschwemmt.

Die Frage ist natürlich, was uns dieses Weinwunder sagen soll.
Und da gab und gibt es auch genügend Theologen, denen diese Zeichenhandlung Jesu ganz schwer im Magen liegt. Da denken manche z.B. an die vielen Alkoholkranken, an deren Leidensweg und den ihrer Familien. Wie kann Jesus bloß so etwas machen, so ein geradezu überflüssiges Wunder? Das ist doch wirklich bedenklich!
Hätte er sich nicht besser um Blinde, um Hungrige, um Notleidende gekümmert, statt hier solch ein Festgelage auch noch zu fördern, bei dem sicher auch einige betrunken unter die Tische gesunken sind? Und Jesus mit seinen Jüngern mitten unter diesen … - na, das Wort will man lieber erst gar nicht aussprechen!
Und so etwas ausgerechnet auch noch als allererste Wundertat Jesu, als seine Premiere, wo bei uns Menschen doch der erste Eindruck voneinander so entscheidend ist… - Da wünscht man sich doch fast, das alles wäre bloß nicht geschehen!

So ist das mit Jesus! Er lässt sich nicht in unsere simplen Schub-
laden und Schablonen pressen. Als erstes Zeichen, gewisser-
maßen als Amtsantritt des Heilands, schenkt er verschwenderisch viel Wein, verschwenderisch viel Freude!
Jesus ist kein weltfremder Asket, keine Spaßbremse, keiner, der zum Lachen in den Keller geht. Das hat er später noch oft genug bewiesen. Er hat viel gefastet und gebetet, aber er hat auch viele Ein-
ladungen zum Feiern angenommen. Die verärgerten Schriftgelehrten haben ihn deshalb als „Fresser und Säufer“ (Mt 11,19) tituliert.

Doch warum greift Jesus auf dieser Hochzeit ein, und dazu noch so völlig übertrieben großzügig in Qualität und Menge? Das große Fest der Hochzeit ist immer auch ein Bild des kommenden himmlischen Hochzeitsmahles. Die unglaubliche Verschwendung, die schon fast himmlische Fülle des geschenkten Weines, erinnert an den Hochzeitsbund Gottes mit uns Menschen.
Und Gott ist nun mal kein Geizkragen! Wer wie dieses Brautpaar so klug ist, Jesus zu sich einzuladen, der darf auch an seiner göttlichen Fülle teilhaben, der darf jetzt schon mal einen kleinen Vorgeschmack bekommen auf das ganz große Glück, das noch kommen wird.

Das Leben im Himmel in der Nähe Gottes ist die Fülle an sich, ein einziges traumhaftes Fest! (Joh 10,10) Dagegen ist unser Jubel bei jetzigen Feiern, beim Sieg unserer Mannschaft oder beim Karneval schon fast ein Trauerfall…!

Zum guten Schluss kommen wir wieder zu den Wasserträgern von Kana. Von denen können wir nämlich lernen. Auf den Rat Mariens hin haben sie sich aller mehr oder weniger schlauen Bemerkungen enthalten. Sicher haben sie schon bei zahlreichen Festen als Diener mitgeholfen. Sie sind die Profis. Sie wissen, wie der Hase so läuft. Doch diesmal waren sie klug genug, auf ihren Sachverstand, auf ihr Wissen, auf ihre Pläne und Ideen zu verzichten.

Maria hat es so kurz und präzise wie möglich und doch so genau
ins Schwarze treffend formuliert: „Was er euch sagt, das tut!“ -
Das steht natürlich auch da, weil es der beste Rat ist, den Maria jedem von uns hier und heute geben kann: „Was er euch sagt,
das tut!“

Daran sollten wir uns alle halten. Sie und ich und alle Würdenträger und Kommissionen der Kirche. Das ist auf den Punkt gebracht die Aufgabe von uns Wasserträgern. Das ist unser kleiner Beitrag, den Jesus von uns haben will. Hören wir auf ihn – dann werden wir es garantiert selbst erleben. Dann gehören wir zu denen, die dereinst volle Kanne feiern!

Predigt Pfr. Sebastian Carp: “All you can drink…” (pdf)
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Predigt Dr. Bernd-Michael Haese, Uni Kiel (pdf)
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Erzabtei Beuron: „Wie Wasser zu Wein wird“ (Predigt zur Trauung)
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Predigt Pastor Thomas Arhelger, FEG Leipzig (pdf)
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Vorschriftsmäßig: In einem Kloster wurde eines Abends der neue Wein probiert. Der Wein war so unverschämt gut, dass es nicht beim Probieren blieb. Es wurde überreichlich konsumiert. Auf einmal fiel einem der fleißigen Zecher auf, dass es schon nach Mitternacht war. Es war aber Vorschrift, dass der Zelebrant der Morgenmesse ab Mitternacht keinen Alkohol mehr getrunken haben durfte. Die Not war groß, denn der Abt war streng. Auf einmal hatte Pater Albert die Lösung. "Pater Josef kann doch zelebrieren!" rief er in die erstaunte Runde, "der liegt schon seit 23 Uhr unter dem Tisch!"

Drei Winzerfreunde sitzen beisammen und tüfteln an Namen für ihren neuen Wein. Meint der von der Mosel: „Moselschwärmer soll der Neue heißen."
Darauf der vom Rhein: „Prima, meiner heißt dann Rheinschwärmer."
Entgegnet der von der Ahr: "Hmm. Ich überdenke das noch mal…"

Durstig: Der Religionslehrer schildert den Kindern den Weinmangel bei der Hochzeit zu Kana und fragt: „Was meint ihr, wie konnte es nur dazu kommen, dass alle Weinfässer leer sind?“
Fritzchen glaubt die Ursache zu kennen: „Die hatten ja auch Jesus und alle seine Jünger eingeladen…!“

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