27.09.2008

Halloween - mehr als ein hohler Kürbis-Brauch


(Fortsetzung)

Gute Beispiele dafür gibt es schon. Eines davon:

In Bielefeld wurden die Leute durch Handzettel im Briefkasten eingeladen zu einem Gottesdienst bei Kerzenschein unter dem Motto „Halloween heißt: Hallo Kirche“.

Wie sich die Ideen von Einzelnen für ganze Gemeinden segensreich auswirken, zeigt dieses Beispiel: Eine Familie aus Kevelaer hatte die Idee zu einem alternativen Halloween-Abend. Die Pfarrgemeinde griff die Anregung auf, und herausgekommen sind jede Menge Ideen und Veranstaltungen (siehe unten Buchtipps und Linktipps) und sogar ein empfehlens-

wertes Praxis-Buch. Also, ihr Katholischen Jugend-

ämter, ihr Pastoralen Mitarbeiter, ihr Pfarrgemeinde-

räte, ihr Gruppenleiter, ihr… - packt es an!


Allerheiligen - Vollendung feiern

statt Heidenangst

Allerheiligen ist eigentlich ein fröhliches Fest, denn es steht in Verbindung zu Ostern. „Alle Heiligen“ werden gefeiert, also die Vollendung des Lebensweges im Himmel. Das Leben wird „heil“, weil es bei Gott angekommen ist. Das sollte auch als unser aller Ziel klar formuliert werden.

Die Heiligen zeigen uns mit ihrem Beispiel, wie christliches Leben sein kann. Dabei sind die Heiligen so verschieden wie Menschen eben sein können, was die Beschäftigung mit ihrem Leben spannend macht.

Der Fried-

hofsgang am Nachmittag des 1.Novem-

ber gehört eigentlich schon zum nächsten Tag, zum Fest Allerseelen. Da an Allerseelen nicht frei ist, begehen wir das Gedächtnis unserer Verstorbenen am Vortag.

Die Kirche spielt nicht wie Halloween mit der Angst vor dem Tod, sondern sie zeigt durch das Gebet für alle Verstorbenen, dass niemand vergessen wird. In der Hl. Messe sind wir eben nicht nur an diesem Tag verbunden mit allen, die uns vorausgegangen sind. Kerzen und Blumen auf den Gräbern drücken dies ebenfalls aus.


Buchtipp 1: „Halloween christlich feiern“

Ein handlicher, sehr informa-

tiver Ratgeber ist im Lahn-Verlag erschienen: Der Untertitel zeigt die Breite der dort aufgezählten Vorschläge: „Ideen für Familie, Kindergarten und Grundschule“. - „…und kirchliche Gruppen…“ würde ich nach der anregenden Lektüre gerne hinzufügen.

Das Buch mit nur 48 Seiten entstand aus der Zusammenarbeit einer Mutter, deren Kinder eine Alternative zu Halloween brauchten, und einem Kaplan, der die Bedeutung des Themas für die ganze Pfarrgemeinde erkannte und organisierte.

Das Buch ist nicht nur optisch sehr gut und lesefreundlich aufgemacht, sondern es enthält auch ganz konkret durchführbare Ideen. Es geht vor allem um Material zum Thema „Heilige“, von einer fertigen Quiz-Vorlage bis hin zum Basteln schöner Grab-

lichter. Organisatorische Tipps für eine „Holy-wins!“-Party gibt es ebenso wie Bibelstellen, Fürbitten und auch kurze Hintergrund-Informationen über den Unsinn der Halloween-Gruseleien.

Mein Eindruck: ein praktischer, gut umsetzbarer und preiswerter Ratgeber!


Verona Marliani-Eyll,

Markus Trautmann:

„Halloween christlich feiern“

Lahn-Verlag,

ISBN 978-3-7840-3402-7,

Preis: 6,90 Euro


Hier der direkte Link zum Verlag:

>> RECHTSKLICK !

Info über die Entstehung des Buches:

>> RECHTSKLICK !



Buchtipp 2: „Kürbis, Geister, Süßigkeiten“

Ein etwas spezielleres Buch, aber auch ein guter Ratgeber mit dem Untertitel „Alternativen zu Halloween“ wurde von einem Profi aus der evangelischen Jugend-

arbeit vorgelegt: Autor Thomas Kretzschmar ist

Referent für Jungschar-Arbeit und Schriftleiter von „JuMat“, einer Zeit-

schrift mit Materialien für die Gruppenarbeit mit Kindern im Alter von etwa

8 – 12 Jahren.

Mit 93 Seiten ist dieses druckfrisch erschienene Buch für ein so spezielles Thema schon ein umfassender Ratgeber. Zuerst geht es um Grundsätzliches rund um die Bräuche zu Halloween, dann folgen die Themen und Entwürfe für alternative Gruppenstunden, vom kleinen Theaterstück über den „untoten Jack“ als Symbol des Grusel-Halloweens bis zu Gruppen-Ideen zu Martin Luther (Halloween trifft die evangelische Kirche an ihrem Reformations-

tag 31.10. noch härter als die Katholiken).

Modelle alternativer Halloween-Partys und Ideen für öffentlich-

keitswirksame Aktionen runden das Themenangebot des Buches ab. Vieles ist also auch für Gruppenstunden im katholischen Bereich umsetzbar. - Mein Eindruck: ein detaillierter Ideengeber für Gruppen!


Thomas Kretzschmar:

„Kürbis, Geister, Süßigkeiten –

Alternativen zu Halloween“

buch+musik = ejw-service GmbH

ISBN 978-3-86687-022-2

Preis: 8,90 Euro

Das Buch ist unter anderer ISBN auch im Born-Verlag erhältlich.


Hier der direkte Link zum Verlag:

>> RECHTSKLICK !



Tipp 3: „Süßes oder Saures !? oder

wie Herr Caruso an Halloween die Kirche füllte“

Ein ganz anderes Konzept verfolgt der SCM ERF-Verlag mit einer originellen Idee: Nicht nur für Familien und Gruppenstunden, sondern auch zum gezielten Verteilen an Kinder ab etwa

7 Jahren dient ein Kinderhörspiel auf CD mit einer Laufzeit von 38 Minuten. Darin wird lebendig erzählt, wie der Papagei Herr Caruso sich so seine Gedanken über Halloween macht und schließlich mit einem tollkühnen Plan eine Kirche füllt. In jedem Exemplar dieses „missionarischen Verteilpackages“ ist noch eine kleine Tüte Gummibären beigepackt.


Christian Mörken:

„Süßes oder Saures !?

oder wie Herr Caruso an Halloween die Kirche füllte“

Hörspiel-CD mit einer Tüte Gummibärchen

ISBN 978-3-86666-098-4

Preis: 2,95 Euro


Hier der direkte Link zum Verlag:

>> RECHTSKLICK !



Einige Linktipps aus dem Internet: (stets Rechtsklick!)


Heiligenlexikon über Allerheiligen >> BITTE KLICKEN !


Halloween = harmlose Gruselgeister? >> BITTE KLICKEN !


Faltblatt über Halloween (pdf): >> BITTE KLICKEN !


(leider etwas lange Ladezeit der pdf-Datei)


„Night of Light“ – Messe, Anbetung: >> BITTE KLICKEN !



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24.09.2008

26.Sonntag im Jahreskreis A - 28.09.2008

(Fortsetzung)

Diese Religions-Funktionäre haben nichts kapiert. Sie sind sich ihrer Sache einfach so sicher, als hätten sie alle mit Gott gerade noch am Frühstückstisch gesessen. Die Umkehr-Aufforderung des Täufers haben sie in den Wind geschlagen, und mit Jesus machen sie es genau so. Dass Jesus der erwartete Messias ist, das kommt ihnen absolut nicht in den Sinn.

Johannes ist zu diesem Zeitpunkt schon ermordet, und für diesen unbequemen Jesus wird sich die Lage bald auch dramatisch zuspitzen!

Die frommen Experten im heutigen Gleichnis sind empört: Das ist ja wohl die Höhe, uns mit Zöllnern und Dirnen zu vergleichen. Nicht nur das: sie werden uns sogar vorgezogen.

Wenn Jesus sagt, dass diese eher in das Reich Gottes kommen als die Schriftgelehrten, dann heißt das eigentlich wörtlich übersetzt: „Sie gehen euch voran!“ – Heute würde man vielleicht sagen: die haben euch abgehängt, die haben euch glatt überrundet!


In den Augen seines Volkes ist ein jüdischer Zöllner zur Zeit Jesu ein Schmarotzer. Er arbeitet mit den verhassten Römern zusammen und kassiert seine Landsleute ab. Mit solch einem Halunken will niemand etwas zu tun haben. Für ihn gibt es nur allgemeine Verachtung.

Wenn die römischen Soldaten nicht in Rufweite wären, würde man ihm gerne mal zeigen, was man wirklich von ihm hält. Zöllner sind einfach der Inbegriff eines Sünders. So lautet ja auch ein Vorwurf an Jesus, dass er sich „mit Zöllnern und Sündern“ (Lk 5,27-32) an einen Tisch setzt.

Besonders verabscheuungswürdig in den Augen der Frommen ist, dass solch ein Zöllner gewissermaßen ein Wiederholungstäter ist, also ein notorischer Verbrecher. Er kann sich nicht damit herausreden, dass sein Fehltritt ein Ausrutscher ist. Er tut es immer wieder. Man könnte sagen, er hat sich an die heidnischen Römer verkauft.

Das gilt natürlich auch für die moralische Beurteilung der Dirne. Sie verkauft sich sich selbst, ihren Körper und auch die Regeln ihres jüdischen Glaubens.

So wie der Zöllner sagt sie durch ihr anstößiges und öffentlich bekanntes Verhalten Nein zu Gott und seinen klaren Geboten. Gewissermaßen verunreinigt sie den Bund mit Gott, weil sie mit ihrem Verhalten oft in die Ehe anderer regelrecht einbricht. Das Band der Ehe ist gebrochen! Sie sagt dadurch ganz konkret Nein zu seiner Bitte, in seinem Weinberg zu arbeiten.


Warum aber sollen solche Menschen nach der Aussage Jesu eher in das Himmelreich gelangen als viele Hohenpriester und Schriftgelehrten? Ihr übler Lebenswandel kann es ja nicht sein!

Nein, viele von diesen Außenseitern der Gesellschaft haben etwas getan, was etliche der Berufsfrommen nicht gemacht haben. Zöllner und Dirnen sind sich vielfach bewusst, in welcher miesen Lage sie sind, auch Gott gegenüber. Sie wissen, dass sie versagt haben. Versagt nicht nur gegenüber der Gemeinschaft. Sie haben ganz konkret zu einem Leben nach Gottes Willen Nein gesagt.

Dieses Nein hat sie nicht in Ruhe gelassen. Etliche haben sich aufgerafft und sind mit in die Wüste gewandert, zu dem berühmten Propheten Johannes. Und Johannes der Täufer hat viele von ihnen wachgerüttelt: Schaut doch, was ihr aus euch und eurem kostbaren Leben gemacht habt! Lebt so ein Gotteskind? - Lasst es nicht bei eurem Nein! Bereut euer Verhalten und kehrt um zum Vater, der euch unendlich liebt!


Das heutige Gleichnis ist hart für die Schwätzer, die nur so tun als ob. Sie sagen JA und handeln NEIN. Ihr Leben ist ein entschiedenes JEIN! Klar, sie achten streng auf die religiösen Vorschriften und beten, was das Zeug hält. Das ist ihr JA. Aber sie verweigern Gott im Alltag die Gefolgschaft. Das ist ihr NEIN.

In Johannes und in Jesus sehen sie nur Störenfriede, nur Kritiker, die ihnen gefährlich werden können. Sie sind blind gegenüber dem, was Gott will.


Das Gleichnis ist aber auch ein großer Trost und eine Freude.

Es stellt Gott vor als den geduldigen, liebenden Vater. Er lässt seinen Kindern die Freiheit, sich zu entscheiden. Seine Bitte ist zwar herzlich und dringend, aber er setzt sie nicht mit seiner Macht und Autorität durch.

Nur wer verstanden hat, wie sehr Gott liebt, der kann auch über seinen eigenen dunklen Schatten springen. Egal, ob Zöllner oder Dirne oder sonst

ein Sünder: Wer sich Gott öffnet, der kann sein NEIN noch korrigieren. Jeden falschen Weg kann man auch wieder zurückgehen, um auf den richtigen Weg zu kommen. Jesus bestätigt es mit diesem Gleichnis ausdrücklich für alle: Der Vater im Himmel traut seinen trotzigen Kindern die Umkehr zu.


Er weiß, dass unter den NEIN-Sagern viele sind, die durch ungünstige Umstände auf den falschen Weg geraten sind. Er weiß, dass da viele sind, die den Überblick verloren haben. Er weiß: ein NEIN ist nicht immer wirklich ein NEIN. Es ist manchmal auch ein JA, das nur noch nicht fertig ist. Ein JA, das erst aufgeweckt werden muss. So manches NEIN war unüberlegt und voreilig, einfach nicht zu Ende gedacht.

Ganz praktisch heißt das: Gott wartet! Er möchte, dass alle umkehren zu einem entschiedenen JA! Dazu lädt Gott alle seine Kinder ein, Zöllner, Dirnen, einfach alle. Auch die Geschiedenen, auch die aus der Kirche Ausgetretenen, auch die, die sich nur alle Jubeljahre in der Kirche blicken lassen. Auch die, die es sich so schwer machen mit Gott, die um ihren Glauben ringen. Für Gott gibt es keine aussichtslose Situation.


Das Wunder der Umkehr geschieht immer wieder. Da ist der Drogenabhängige, der mit nach Medjugorje fährt und von seinen Fesseln befreit wird, da ist der Schläger auf St.Pauli, der zum Sozialarbeiter wird. Da ist der Fabrikbesitzer und Millionär Hubert Liebherr, der alles aufgibt, um ganz für Jesus zu leben. Es gibt wahre Lebensgeschichten, die sind schon fast unglaublich - unglaublich toll!

Diese und viele, viele andere haben sich aufgerafft. Ihr Beispiel bestätigt das heutige Gleichnis Jesu: Nutze deine Chance -

mach dich auf die Socken und kehre um. Komm doch heim! Gott wartet mit offenen Armen auf dich, heute noch!



Der Vatikan zur Bischofssynode vom 5.-26.Oktober 2008

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Kardinal zur Bischofssynode über "Das Wort Gottes..." (pdf)

(leider lange Ladezeit der Seite!) >>> RECHTSKLICK!

Zurück in die Kirche? Infos für Ausgetretene (1)

>>> RECHTSKLICK!

Zurück in die Kirche? Infos für Ausgetretene (2)

>>> RECHTSKLICK!

Zwei Mönche am 4.10. bei "Wetten, dass...?" >>> RECHTSKLICK!

Predigtbesuch Pater Kreppold zum 26.So >>> RECHTSKLICK!

Liturgie im Fernkurs, Start am 1.Oktober >>> RECHTSKLICK!

Theologie im Fernkurs, verschiedene Kurse >>> RECHTSKLICK!



"Ihre Heilung haben Sie dem Herrgott und Ihrer robusten Natur zu verdanken" , klärt der Arzt den alten Bauern auf.

"Gut, dass Sie das sagen, Herr Doktor. Ich hoffe, Sie berücksichtigen das auch bei Ihrer Rechnung", erwidert schmunzelnd der Patient.


Ein schwäbisches Ehepaar wandert durch die Alpen und fällt in eine Gletscherspalte. Am nächsten Tag hören sie eine Stimme von oben rufen: "Hallo, hier ist das Rote Kreuz!"

Darauf ruft der Schwabe zurück: "Mir gäbet nix!"


Warum steht ein Ostfriese am Hamburger Hafen und wirft Steine ins Wasser? - Weil da ein Schild steht: ,, Deutsche Werft" --- Und warum laufen die Ostfriesen vor Weihnachten ohne Gebiss rum?

- Weil es die Frauen zum Plätzchen ausstechen brauchen!



Am nächsten Montag, 29.September

im PREDIGTGARTEN:

„Halloween – mehr als ein

hohler Kürbis-Brauch“


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17.09.2008

25.Sonntag im Jahreskreis A - 21.09.2008

(Fortsetzung)

Die Zuhörer Jesu kannten das Problem ebenfalls. Vielleicht waren einige selbst davon betroffen, oder Freunde von ihnen. Das Leben schenkte diesen Menschen nichts. Die Zeit der Traubenlese aber war eine gute Zeit, eine fast fröhliche Zeit, auch für die Tagelöhner. Es gab überall Arbeit.

Es war ähnlich unserer dankbaren Stimmung bei Erntedank. Weinberge gab es fast überall, denn Wein war in einfacher Qualität nicht nur haltbares Alltagsgetränk, sondern auch Medizin. So goß man damals Öl und Wein in Wunden, um sie zu desinfizieren, wie das Gleichnis vom barmherzigen Samariter belegt.

Die Weinberge gehörten oft Gutsherren, die die Routine-Aufgaben

an Verwalter abgegeben hatten. Auch ausländische Investoren gab es damals schon, die Weinberge besaßen oder mit Wein handelten. Üblich war ein 12-Stunden-Arbeitstag von morgens 6 Uhr bis abends 6 Uhr, wobei der Hinweg vom Marktplatz zum Weinberg als Arbeitszeit angerechnet wurde. Ebenso üblich war, dass der Tagelöhner nicht nach Stunden bezahlt wurde, sondern pro Tag, wie die Bezeichnung Tagelöhner es auch nahelegt. Von daher lag es sehr im Interesse der Arbeitgeber, ihre Arbeitskräfte bereits morgens um 6 Uhr - damals sagte man: zur ersten Stunde - einzustellen. So bekam man mehr Arbeitskraft für sein Geld. Das Anwerben weiterer Arbeiter später am Tag war so eher die Ausnahme.

Wer als Tagelöhner also nicht schon am frühen Morgen in Arbeit kam, der hatte schlechte Karten und konnte nur hoffen, dass Arbeitgeber sich bezüglich des Arbeitsaufwandes verkalkuliert hatten und doch noch weitere Helfer für die dringend nötigen Erntearbeiten brauchten. In der vagen Erwartung besserer Erfolgsaussichten gingen viele Tagelöhner dann zum nächsten Ort und warteten geduldig Stunde um Stunde.

Auch die Höhe des Tageslohnes war damals allgemein gleich.

Es gab einen Denar pro Tag. Damit konnte auch eine große Familie gut einen Tag auskommen. Für einfache Verpflegung der Helfer während der Arbeit war gesorgt; die Arbeiter durften sich auch an Trauben sattessen. Wer keine Arbeit hatte, musste allerdings sehen, wie er irgendwie während der Wartezeit an etwas Verpflegung kam, was zusätzliche Kosten verursachen konnte. Die Arbeitgeber suchten sich natürlich zuerst die ihrer Meinung nach stärksten Männer aus dem großen Angebot des Marktplatzes aus. Man wollte ja möglichst viel Leistung bekommen, nicht anders als heutzutage auch. Für die kränklichen und älteren Arbeiter war das zusätzlich demütigend.


Wenn nun Jesus sein heutiges Gleichnis damit beginnt, dass es mit dem Himmelreich ist wie mit dem Geschehen um die Ernte im Weinberg, dann spitzen seine Zuhörer die Ohren. Sie denken sich: Was kann Jesus uns da schon Neues erzählen? Wir wissen selbst genau, wie der Hase läuft. - Jesus aber verändert den üblichen Ablauf in seinem Beispiel sehr schnell.

Das fängt schon gleich am Anfang an: Der Gutsherr persönlich erscheint auf dem Marktplatz, nicht etwa sein Verwalter. Ein vornehmer Gutsbesitzer als Frühaufsteher – ein fast aben-

teuerlicher Gedanke damals! Wir können uns die überraschten Gesichter der Zuhörer Jesu gut vorstellen.

Und wer waren die Zuhörer? Jetzt sind wir es vielleicht, die überrascht sind. Es heißt ausdrücklich, dass Jesus dieses Gleichnis seinen Jüngern erzählte. Er richtet sich also an Menschen, die ihm schon nachfolgen, so wie Sie und ich.


Gläubige Christen brauchen aber offensichtlich immer wieder eine Nachhilfestunde Jesu in Sachen Glauben. Unmittelbar vor unserer heutigen Bibelstelle ist es ausgerechnet Petrus, der (in Mt 19,27) fragt: „Du weißt, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Was werden wir dafür bekommen?“

Das ist die Frage, die sehr viele Christen immer wieder beschäftigt: Was werde ich dafür bekommen? Ein Leben lang halte ich mich an die Gebote und verzichte auf manche Gelegenheit, mir das Leben bequemer zu machen. Ich spende – wie heute für die Caritas-, ich engagiere mich in der Pfarrei, ich gehe regelmäßig zum Gottesdienst, ich bete.

Also bin ich auch so etwas wie ein Arbeiter der ersten Stunde, der im Weinberg des Herrn arbeitet und sich dabei manchmal ganz schön abrackern muss. Da interessiert mich natürlich schon, was ich dafür bekomme. Was habe ich nach meinem Tod davon? Rechnet Gott mir meinen Fleiß, meinen Verzicht und meine Geduld auch wirklich an? - Mit anderen Worten: Rentiert sich mein Einsatz überhaupt?


Hier genau setzt Jesus mit dem heutigen Gleichnis an. Er belehrt uns über die besonderen Spielregeln im Himmel. Es heißt: „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer…“ -

Die Geschichte, die dann folgt, ist uns allen wohlbekannt. Aber einfacher wird sie dadurch nicht. Mit den ersten Arbeitern schließt der Gutbesitzer noch eine Art Arbeitsvertrag mit der Lohngarantie von einem Denar. Damit sind sie alle einverstanden, alle gehen mit ihm in den Weinberg. Mit den später hinzu kommenden Arbeitern um 9 Uhr, um 12 Uhr und um 15 Uhr vereinbart er keinen bestimmten Lohn. Er sagt nur: „Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist.“

Interessant ist, dass er sogar um 17 Uhr, nur eine Stunde vor Schluss, noch einige Arbeiter anwirbt. Ein solches Verhalten konnte sich in der Praxis damals kaum ein Arbeitgeber leisten. Es fällt aber auch auf, dass der Gutsbesitzer mit diesen Arbeitern der letzten Stunde sogar ein kurzes Gespräch führt: „Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!“

Da ist keine Rede mehr von der Höhe des Lohnes. Die mutlosen Arbeitslosen sind einfach nur froh, dass sie auch eine Chance bekommen und gehen mit.


Damit ist der erste Teil des Gleichnisses beendet. Im zweiten Teil wird es so richtig spannend. Der Gutsbesitzer gibt seinem Verwalter jetzt ganz detaillierte Anweisungen. Das ist ungewöhnlich genug, denn der macht schließlich schon jahrelang seinen Job. Aber was er ihm sagt, ist noch ungewöhnlicher: Er soll mit den zuletzt Gekommenen beginnen bei der Auszahlung des Lohnes. Jeder von ihnen bekommt den vollen Tageslohn von einem Denar. Die überglücklichen Gesichter sehen wir sicher vor uns! Eine Riesensorge ist von ihnen abgefallen. Manche wissen sicher im ersten Moment gar nicht, wie ihnen da geschieht. Sie sind gerettet – was für ein unglaubliches Glück!


Die Erwartungshaltung bei Hörern des Gleichnisses ist nun ebenso groß wie bei den Arbeitern der ersten Stunde: Wenn die da schon so viel kriegen, obwohl sie so wenig geleistet haben, was werde ich da wohl bekommen? - Doch dann kommt der Schock. Als die ersten Arbeiter an der Reihe sind, bekommen sie alle auch nur einen Denar. Das gibt lange Gesichter! Und nicht nur das, denn es heißt im heutigen Evangelium: „Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren…“

Das lassen sie sich nicht bieten! Sie beschweren sich: Das ist einfach ungerecht! Wir haben in der brütenden Hitze stundenlang geschuftet und bekommen trotzdem nicht mehr. So haben wir nicht gewettet, Herr Gutsbesitzer! Wir wollen mehr Geld!


Jetzt wird es im Gleichnis Jesu erst so richtig spannend, und die Jünger werden sicher mit offenem Mund den Worten Jesu gelauscht haben, so sprachlos waren sie. Jesus erzählt, dass der Gutsbesitzer nichts anbrennen lässt. Er kontert sofort, und zwar in aller Heftigkeit. Vor versammelter Mannschaft greift er sich einen der Wort-

führer heraus und hält ihm eine Standpauke, die sich gewaschen hat: „Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denár mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem letzten ebensoviel geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin?“

Unsere Übersetzung drückt das noch sehr vornehm aus. Eigentlich sagt der Gutsherr wörtlich übersetzt noch schärfer: Verschwinde mit deinem Anteil und geh! Komm mir nicht mehr unter die Augen! Kümmere dich um deine eigenen Ange-

legenheiten! Das ist Klartext, der an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt. Anstelle von „bist du neidisch“ sollte man auch genauer übersetzen. Wörtlich heißt es: Ist dein Blick böse?


Darum geht es Jesus. Es geht um den bösen Blick. Der ist für das Himmelreich völlig untauglich. Dieser Blick auf den anderen ist es, der die Menschen immer wieder in Katastrophen stürzt. Immer wieder schildert auch die Bibel, wie Menschen so vom Neid zerfressen werden, dass sie furchtbare Dinge tun, so wie Kain, der seinen Bruder Abel erschlug. So zählt man den Neid mit gutem Grund zu den klassischen sieben Todsünden. Er ist wie ein ekliges Eitergeschwür, dass sich immer weiter ausbreitet, meistens sogar unter dem Vorwand der Gerechtigkeit. Was für ein Etikettenschwindel!


Gerecht wollen es die ersten Arbeiter im Weinberg haben, und Gerechtigkeit erwarten wir auch im Leben. Unsere Gerichtsverfahren werden mehr und mehr, denn immer mehr Menschen ziehen vor Gericht, um ihr gutes Recht einzuklagen. Das ist auch in Ordnung so, damit niemand durch Machenschaften anderer einen großen Schaden erleiden muss. Doch wer Gerechtigkeit vom Herrn verlangt, der sollte sich erst einmal selbst prüfen. Will ich wirklich Gerechtigkeit? Gerechtigkeit weltweit?

Will ich gerechterweise mein Einkommen zu einem Drittel abgeben und selbst am Existenz-Minimum leben, wie andere das ihr Leben lang aushalten müssen? Will ich denen in der 3.Welt, die in Gefahr sind, wegen bei uns geradezu lächerlichen Krankheiten zu sterben, mit aller Kraft und meinem Geld helfen?

Will ich aus Gerechtigkeitsgründen darum beten, auch mit schwerer Krankheit belastet zu werden wie viele, die das Kreuz des Schmerzes tragen müssen?

Will ich wegen der Gerechtigkeit meinen Job aufgeben, weil wir als Paar Doppelverdiener sind, während junge Leute jahrelang in der Warteschleife sind, um vielleicht gerade meinen Job zu bekommen? Will ich dafür kämpfen, dass die Afrikaner, die unter Einsatz ihres Lebens in kleinen, überfüllten Booten nach Europa kommen, ihre Chance bekommen, dem Elend zu entfliehen?

Sie sind Kinder Gottes, wie Du und ich! - Das ließe sich beliebig und sehr unangenehm fortsetzen. - Gerechtigkeit? Wollen wir wirklich Gerechtigkeit? Seien wir vorsichtig und sehr, sehr leise mit dem Ruf nach Gerechtigkeit! Er könnte uns im Halse steckenbleiben!


In seinem Gleichnis vom Himmelreich erinnert uns Jesus daran. Es ist, als wollte er uns eindringlich warnen: Verlangt von Gott um Himmels willen keine Gerechtigkeit für euch! Seid ihr so sicher, dass ihr wirklich so gut abschneidet, wenn es nur knallhart nach Schema zugeht bei Gott?

Glaubt ihr wirklich, ihr hättet euch den Himmel verdient? Glaubt ihr wirklich, ihr könntet mit Gott schlaue Geschäfte machen? Vielleicht tausend Gebete für einen Platz im Himmel? Oder zweitausend? Oder…? Jesus ermahnt uns, dass wir unseren engstirnigen Tunnelblick aufgeben. Bei diesem Blick sieht man nicht wirklich klar, was um einen herum geschieht. Man sieht immer nur den Bildausschnitt direkt vor einem, alles andere ist verschwommen.


Mit diesem Gleichnis mahnt Jesus gerade diejenigen, die zu den fleißigen Arbeitern im Weinberg Gottes gehören: Hört auf mit euren Himmels-Berechnungen! Hört auf mit dem Schielen nach anderen! Es ist eine Beleidigung Gottes, was ihr da treibt. Ihr unterstellt ihm, so zu rechnen wie ihr auf der Erde. Seid froh und glücklich, dass dies im Himmel nicht so ist!

Gott ist eben nicht ungerecht! Seine Gerechtigkeit hat aber eine andere Grundlage als die irdische. Bei ihm kommt noch vor der Gerechtigkeit die göttliche Barmherzigkeit und die Überfülle seiner Liebe. Wenn ihr euren bösen Blick mal ablegt, dann seht ihr das auch. Der Blick Gottes ist voller Liebe und Zärtlichkeit, voller Güte und Sorge um seine geliebten Menschenkinder. Dann seht ihr auch, dass Gott in seiner unergründlichen Güte jedem das schenkt, was er braucht, den einen Denar des Lebens, den Denar des ewigen Lebens!

Jetzt weißt du, wie es sich rentiert, mit dem Herrn in seinen Weinberg mitzugehen. Denn das ist auch klar: Wer nicht mitgehen will, wer dankend abwinkt, der ist auch nicht bei der Lohnauszahlung dabei. Traurig ist nur, wenn da welche sind, die wie im Gleichnis bisher von niemandem zur Arbeit angeworben wurden. Trainieren wir unseren Blick und geben unseren Kollegen auf den Marktplätzen der Welt den Tipp: Kommt mit uns in den Weinberg des Herrn. Es lohnt sich!


Natürlich ist das nicht immer leicht für uns, den Blick zu trainieren. Aber wir trainieren ja auch unseren Körper. Wir halten uns fit. Trainieren wir doch einfach auch unser Auge! Lernen wir, auf Gott zu blicken! Wenn wir das einüben, dann sehen wir nicht mehr Menschen, die nach einem langen Leben ohne Gott in letzter Stunde kommen und nun auch in den Weinberg dürfen. Dann sehen wir nicht mehr Menschen, die irgendjemand etwas wegnehmen.

Mit dem Himmelsblick finden wir solche Gedanken bestenfalls kindisch. Mit dem Himmelsblick haben wir Besseres zu tun: wir stimmen jauchzend mit ein in den himmlischen Jubelchor!

Wir klatschen stürmischen Beifall bei der Ankunft von jedem verlorenen Sohn, der heimgefunden hat. Schließlich ist er unser Bruder, schließlich ist sie unsere Schwester, geliebtes Kind des barmherzigen Vaters, genau wie wir. Nun bleibt auch dieser Platz im Himmel nicht leer. Gott sei Dank! Amen.




Materialien zum Caritas-Sonntag am 21. oder 28.September 2008, auch Predigtvorschläge (Gottedienst-Bausteine pdf)

>>> Rechtsklick!

Prediger des Papstes zum 25.So A >>> Rechtsklick!

Predigt Prof.Dr. Stefan Kobloch >>> Rechtsklick!

Bibel-Hauskreis zum 25.Sonntag A >>> Rechtsklick!

Bibelstellen online (Lutherbibel) >>> Rechtsklick!

Bibelstellen online - verschiedene Bibelausgaben >>> Rechtsklick!

Hier können Sie selbst die Glocken läuten! >>> Rechtsklick!



Geht ein Mann in eine Metzgerei und sagt: „Ich hätte gerne

500 Gramm Leberwurst. Aber bitte von der groben, fetten!"

Darauf der Metzger: „Tut mir leid, die hat heute Berufsschule!"


Das kleine Fritzchen wird von der Mutter zum Pfarrer geschickt,

Gartenblumen für den Kirchenschmuck abgeben.

Sie ermahnt den Kleinen noch: „Sage auch schön ‚Gelobt sei

Jesus Christus’, wenn der Pfarrer die Türe öffnet!“

Wieder daheim angekommen, fragt die Mutter ihren Sohn:

„Na, hast du auch schön ‚Gelobt sei Jesus Christus’ gesagt?“

Die Antwort des kleinen Mannes war: „Es war nur die Köchin da,

und da hab ich natürlich gesagt: ‚Gegrüßet seist du, Maria’ .“


Aus Schulaufsätzen:

-Eine katholische Schwester kann nicht austreten, da sie zeitlebens im Kloster leben muss.

-Die Periode der Königin Elisabeth dauerte 30 Jahre.

-Alle Welt horchte auf, als Luther im Jahre 1517 seine 95 Prothesen an die Schloßkirche zu Wittenberg schlug.

In eigener Sache:

Meine beiden letzten Kommentare im „PREDIGTGARTEN“ haben einigen Wirbel ausgelöst, wie mir von einem Insider zugetragen wurde. Einige bischöfliche Bürokraten wurden aufgeschreckt, besonders im Ordinariat L....... Natürlich kann ich gut nach-

vollziehen, dass man möglichst wenig Unruhe will. Kritische Infos sind zuweilen lästig und stören den schnellen Graswuchs …

Die interne Statistik-Funktion meiner Seite zeigt jedoch das enorme Interesse meiner Leser an solchen Hintergrund-Informationen bzw. Kommentaren. Normalerweise werden meine Montags-Artikel von ca. 300 Besuchern angeklickt, bei den beiden letzten Kommentaren waren es jeweils mehr als 1.000 Leser. Die wöchentlichen Predigtanregungen finden übrigens durchschnittlich 830 Leser.

Allen dafür vielen Dank, auch denen, die mir deswegen geschrieben haben! Ihr Predigtgärtner


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