26.04.2011

2. Sonntag der Osterzeit A - 01.05.2011

(Fortsetzung)

Die Jünger, die sogar mutig ihre bürger-
liche Existenz aufgegeben hatten, um seinem Ruf zu folgen, waren vor wenigen Tagen angesichts des schrecklichen Leidens Jesu lieber untergetaucht. Zu tief saß ihnen die Angst im Nacken. Der Text des Evangeliums zeigt: Noch ist bei ihnen keine Begeisterung, kein Pfingsten zu spüren. Stattdessen werden sie von ihrer gemeinsamen Angst in Geiselhaft genommen.
Wir hier und heute, die wir unsere eigene Schwachheit kennen und wahrscheinlich oft genug bedauern, haben sicher viel Mitgefühl übrig für dieses Versagen. Manch einer von uns hat sich sicher auch schon in einer stillen Stunde gefragt, was er oder sie denn getan hätte, wenn der Glaube plötzlich lebens-
gefährlich wird.
Die Frage ist nur, wie Jesus auf die Feigheit seiner Freunde reagiert. Er müsste doch bitter enttäuscht sein über ihr Verhalten. Doch stattdessen stellt er sich vor sie hin und sagt: „Friede sei mit euch!“
Damit meint er natürlich nicht einen Frieden als Schweigen der Waffen. Friede – „schalom“, das ist der Friede, den allein Gott geben kann, ein umfassender Friede, wirkliches Glück, Heilsangebot und Befreiung von Schuld. Schalom kann man nicht machen – das gibt’s nur als Geschenk durch Gott!
Jesus zeigt dann den Jüngern seine Hände und seine Seite, also seine Wundmale. Da erst reagieren die Jünger und freuen sich über ihn – es ist, als erwachten sie mit einem Schlag aus einem bösen Traum! Jetzt sind sie nicht mehr wie gelähmt, sondern putzmunter und einfach nur glücklich, ihren Herrn bei sich zu haben. Erstaunlicherweise wiederholt Jesus nun seinen Gruß: „Friede sei mit euch!“ – Offenbar ist ihm das ganz besonders wichtig, und deshalb sagt er es lieber doppelt. Wir sagen dazu gerne: doppelt genäht hält besser!
Für Jesus ist es ein Herzensanliegen, dass die Jünger nicht von ihren Schuld-
gefühlen gefesselt werden. Ihr Versagen will er gar nicht wegdiskutieren, aber er reitet auch nicht darauf herum.
Er ist nicht als Ankläger auf die Erde gekommen, sondern als Retter. Sein wiederholter Friedenswunsch soll signalisieren: Nun kapiert es doch endlich – Gott hat nur euer Heil im Sinn! Ihr seid nach dem Kreuz keine Geiseln des Todes mehr – für euch alle ist das Lösegeld bezahlt. Freut euch also – denn ihr seid in Gottes Hand!
Einer der Jünger Jesu fehlt jedoch. Es ist Thomas, der oft etwas voreilig „der ungläubige Thomas“ genannt wird. Warum er fehlt, wird im Bibeltext nicht verraten. Es heißt dort einfach nur: „Thomas, genannt Didymus (Zwilling), einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.“
Wir können also nur Vermutungen anstellen. Es gibt außer-
biblische Quellen, die als Grund angeben, ein Sohn des Thomas sei gestorben; wegen der Beerdigung sei Thomas daheim gewesen. Andere spekulieren, Thomas habe es einfach nicht mehr ausgehalten, hoffnungslos einfach nur im Kreise der Jünger dazusitzen.
Der Bibel jedenfalls ist der Grund seines Fehlens nicht wichtig, und das darf uns dann auch genügen. Thomas bleibt der Ge-
meinschaft der Jünger jedenfalls nicht dauerhaft fern. Er taucht bald wieder bei ihnen auf. Wir können uns lebhaft vorstellen, wie irritiert er jetzt ist. Seine Kollegen sind nicht wiederzuerkennen, voller Freude.
Strahlend berichten sie ihm, was sie mit Jesus erlebt haben. Jeder will erzählen, alle reden auf ihn ein. Ihr Herz ist randvoll vom Erlebten, das muss man einfach sofort erzählen, sonst platzt man vor Anspannung. - Thomas hört sich das alles an. Was mag jetzt in seinem Kopf vorgehen? Er kennt schließlich die anderen Jünger gut. Das sind keine Träumer und keine Spinner. Das sind ganz bodenständige Leute, so wie er. Angelogen hat ihn von denen noch keiner. Und außerdem sind sie alle so sehr aus dem Häuschen – das kann man nicht einfach so abtun.
Thomas könnte nun klein beigeben und sagen: Ja, ja, ihr habt sicher Recht. Natürlich nehme ich euch das ab, was ihr mir hier erzählt!
So einer ist Thomas aber nicht. Da können hundert Freunde sagen, dass die Erde eine Kugel ist – glauben muss ich das trotzdem nicht! Thomas will nicht einfach so tun als ob. Er kann es nicht glauben, was sie da so aufgeregt erzählen,und das sagt er ihnen auch. Egal, wenn die anderen deswegen jetzt über ihn herfallen – es ist einfach so: das kann er nicht fassen, das kommt ihm doch sehr unwahrscheinlich vor.
Klar, er würde es gerne glauben. Schön, wenn es so wäre!
Aber Thomas bringt einfach kein Halleluja heraus; es bleibt ihm im Halse stecken.
Vielleicht ergeht es Ihnen, liebe Mitchristen, manchmal auch so, dass Sie denken: Dieser Thomas ist mir sympathisch. Der jubelt nicht einfach mal so los, bloß weil die anderen jubeln. Ihm ist nicht zum Jubeln, und er steht dazu. Der Thomas lässt sich nichts aufschwatzen, selbst dann nicht, wenn er sich damit unbeliebt macht. Thomas ist also im Grunde ein Mann mit Charakter.
Und Thomas passt ganz gut zu uns modernen Menschen.
Was wird uns heutzutage nicht alles an Geschichten und Bildern aufgetischt! Oft genug hat sich hinterher schon rausgestellt, dass Nachrichten und Behauptungen absichtlich manipuliert worden sind. Da wird etwas weggelassen, dort wird etwas hinzu erfunden, hier wird ein Bild geschickt retuschiert oder eine andere Meinung einfach unterschlagen.
Wir modernen Menschen haben unsere Lektion gelernt:
Sei vorsichtig, trau keinem so schnell über den Weg! - Nein, wir sind gebrannte Kinder. Wir lassen uns so leicht kein X mehr für ein U vormachen. Mit uns nicht!
Und dann kommt Vieles auch noch auf den Blick-
winkel an. Auch unser Gehirn lässt sich aus-
tricksen. Wir kennen das von vielen optischen Täuschungen und Spielereien. Der eine sieht es so, der andere eben anders.
Da ist dieser Apostel Thomas jemand, den wir nur allzu gut verstehen. Er kann einfach nicht aus zweiter Hand glauben. Das Bemer-
kenswerte an dieser Situation ist aber: Thomas darf seinen Zweifel bei seinen Jüngerkollegen frei heraus äußern, wie das Evangelium es uns verrät: „Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.“
Nein, sie fallen eben nicht über ihn her. Thomas wird nicht aus-
gebuht oder als Nörgler hingestellt, der die schöne Stimmung kaputt macht oder mit seiner Außenseiter-Meinung die Gemein-
schaft gefährdet.
Die anderen Jünger kritisieren ihn überhaupt nicht wegen seiner Glaubenszweifel. Vielmehr hören sie ihm zu und spielen nicht die beleidigte Leberwurst. Eigentlich hätten sie Grund genug dazu, denn sein ausdrücklicher Zweifel an ihren Schilderungen unterstellt schließlich indirekt, dass ihre Worte keinen Glauben verdienen. Alle damals Anwesenden spüren, wie ernst es ihm ist, welche Not hinter seinem Zweifel steckt. Thomas wird erst einmal so akzeptiert, wie er ist.
Die Gemeinschaft der Jünger ist da ein gutes Beispiel für christliche Gemeinden heute. Nicht jeder hat Jesus so nah erfahren, dass er oder sie ganz selbstverständlich begeistert ist. Es gibt auch die Krise, es gibt auch den Zweifel, und in der Gemeinschaft der Nachfolger Jesu darf man das auch zugeben. Ein kluger Mann hat einmal gesagt: Im Glauben bleibt man sein Leben lang ein Anfänger!
Für unsere Pfarrgemeinden kann das heißen: Hier bei uns ist Platz und Verständnis auch für diejenigen, die sich sichtlich schwertun und mit manchem in der Kirche nicht oder noch nicht einverstanden sind.
Das Signal des Thomas und anderer Zweifler heißt ja nicht:
Ich will nicht glauben. Es heißt bei Lichte betrachtet vielmehr:
Ich möchte glauben, aber ich brauche dazu noch Jesu Hilfe und euer Verständnis.
Thomas will sagen: Ich möchte den Herrn im wahrsten Sinne des Wortes begreifen. Ich muss einfach handgreiflich werden, damit ich glauben kann. Tut mir leid, aber anders geht’s nicht!
Um das, was dann passiert, werden viele diesen Thomas sicher beneiden. Er be-
kommt tatsächlich eine besondere Hilfe von Jesus. Diese Extrawurst besteht darin, dass Jesus nach acht Tagen noch einmal bei den Jüngern erscheint, die gerade wieder versammelt sind. Diesmal ist keine Rede mehr von Furcht der Jünger vor den Juden; sie haben also durch die vorige Erscheinung neuen Mut gefasst.
Wir sehen auch bei diesem Erscheinen Jesu den gleichen Anfang mit dem herzlichen Friedensgruß wie vorher. Doch dann wendet er sich speziell dem Apostel Thomas zu. Jesus nimmt den Zweifler so an, wie er ist. Er holt ihn dort ab, wo er gerade in seinem Glauben steht und zeigt sich ganz verständnisvoll und geduldig: „Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus
- hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott!“

Auf vielen alten Gemälden ist zu sehen, wie Thomas mit sei-
nen Fingern regelrecht in der Seitenwunde Jesu herumbohrt.
So drastisch hat man sich diese Inspektion Jesu durch den „ungläubigen“ Thomas vorgestellt, nach dem Motto: Vertrauen
ist gut, Kontrolle ist besser!
Und? Hat er denn nun seine Finger in die Wunde gelegt oder nicht? Ist Thomas wirklich bei Jesus handgreiflich geworden?
Wer den Bibeltext genau betrachtet, der stellt fest, dass der Clou an dieser Stelle gerade der ist, dass Thomas plötzlich eben nicht auf der handfesten Prüfung besteht. Von dem, was er vorher ausdrücklich als Bedingung für seinen Glauben an die Auf-
erstehung genannt hatte, ist nicht viel übrig geblieben. Thomas will auf einmal gar nicht mehr seine Finger in die Wunden legen. Er reagiert auf die ausdrückliche Aufforderung Jesu, dies jetzt zu tun, nicht mit handgreiflichenTaten, sondern nur mit Worten. Aber diese Worte des Thomas haben es in sich!
Thomas antwortet Jesus nämlich mit einem großartigen Bekenntnis: „Mein Herr und mein Gott!“
Wer hätte das gedacht? Ausgerechnet Thomas, der vorher
einen so heftigen Auftritt hatte, ist auf einmal wie vom Blitz getroffen. Er ist einfach überwältigt von der Erscheinung Jesu!
Ausgerechnet Thomas, der Zweifler, wird hier auf einmal zum Vorbild. Nicht nur, dass er den auferstandenen Jesus als seinen Herrn erkennt und anspricht. Nein, ausdrücklich sagt er: „Mein Herr und mein Gott!“
Thomas sind bei der persönlichen Begegnung mit Jesus die Augen aufgegangen. Der Auferstandene ist wirklich Gottes Sohn, ist wirklich Gott! Thomas ist jetzt mit seinem Glaubensbekenntnis ebenso schnell und ebenso eindeutig wie ehedem mit seinem Zweifel. Er stellt nun keine Bedingungen mehr, sondern er glaubt, und zwar völlig bedingungslos.
Was für eine tiefe, herrliche Verwandlung! Wenn wir an herz-
ergreifende Filme im Kino oder im Fernsehen denken, wäre genau dies doch eigentlich die geeignete Stelle für das happy-end!
Sicher sind in diesem Augenblick damals auch ein paar Freudentränen geflossen, und das käme für die Zuschauer auch gut rüber.
Der Evangelist Johannes will jedoch keine gefühlvolle Story bieten, nach dem Motto „Jesus – hautnah“. Im Bibeltext kommt das eigentliche aha-Erlebnis für uns als Leser und Hörer nämlich erst im Anschluss daran: Jesus antwortet Thomas schließlich noch, denn dort steht: „Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“
Jesus sorgt sich also um den Glauben des Thomas, aber eben nicht nur um dessen Glauben. Er hat auch uns alle im Blick. Thomas hat nur geglaubt, weil er Jesus unmittelbar mit eigenen Augen sehen durfte. Diese Gelegenheit, dieses Glück hat nicht jeder.
„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“. - Diese Aussage ist dem Auferstandenen sehr wichtig. Wir haben also nicht einfach Pech gehabt, wenn wir nicht damals schon gelebt haben und mit dabei waren. Der Gedanke geistert schon seit den ersten christlichen Gemeinden in den Köpfen herum: „Ach, hätte auch ich Jesus leibhaftig gesehen, dann könnte ich viel leichter glauben!“
Das sieht Jesus offenbar anders. Handfeste Beweise – das ist schön und gut. Der Glaube ist jedoch etwas anderes als die Aktenberge mit Beweismaterial für eine Gerichtsverhandlung. Wenn du für deinen Glauben nach handfesten Beweisen fragst, benimmst du dich wie einer, der von seinem Ehepartner verlangt, er solle gefälligst seine Liebe zu dir beweisen.
Ist das eine gute Basis für eine glückliche Ehe? Wird dir das wirklich weiterhelfen? Was kommt danach als Nächstes?
Die Kernfrage beim Glauben ist daher die Frage nach dem Vertrauen.
Vertraue ich Jesus?
Vertraue ich mich ihm grundsätzlich an?
Oder lasse ich den Zweifel übermächtig werden, so wie das Unkraut in kurzer Zeit einen ganzen Garten ruinieren kann?
Jesus hat Recht. Diejenigen, die sich vertrauensvoll auf ihn einlassen, die sind im Grunde viel besser dran als diejenigen,
die nach Beweisen verlangen. Wer Beweise will, der braucht morgen oder in der nächsten Krise wieder neue Beweise, und bald danach wieder neue Beweise und so weiter. So jemand wird abhängig von seiner jeweiligen religiösen Wetterlage.
Wirklich froh, ja selig sind die, welche „JA“ gesagt haben und bei ihrem „JA“-Wort des Glaubens bleiben. In der Krise wissen diese Christen genau: Es ist wie mit der Sonne – sie scheint auch dann, wenn ich selbst sie gerade nicht sehen kann!
Jesus ist bei uns, auch wenn ich ihn nicht mit meinen Händen begreifen kann. Solche Menschen sind die wahren Glückspilze, sagt Jesus.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ganz viel Glück!

Predigt E. Gottsmann: „Der Auferstandene hat seine Wunden behalten“ >> BITTE KLICKEN !
Papst Benedikt über den „ungläubigen“ Thomas
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Predigt Sr. Karin Müller: „Vertrauen“
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Dekan Ludwig Gschwind: Predigt zum Weißen Sonntag: „Komm!“
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Leseprobe Wort-Gottes-Feiern: Sonntag der göttl. Barmherzigkeit
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Predigt Pastor Bernd Niemeier: "Mein Herr und mein Gott!"
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Seligsprechung Johannes Paul II. am 1. Mai im ZDF

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Statistisch korrekt: Wenn ein Jäger bei der Jagd einmal am Hasen links vorbeischießt und einmal rechts vorbeischießt, dann ist der Hase durchschnittlich gesehen tot.

Unser täglich Brot: Der Religionslehrer fragt: „Warum bitten wir Gott im Vaterunser um das tägliche Brot? Wir könnten ja auch nur einmal die Woche oder einmal im Monat darum bitten.“ Marco weiß Rat: „Weil wir natürlich immer frisches Brot haben wollen!“


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20.04.2011

Ostern 2011

Das ist Gottes Radikalkur: der Zeit der Finsternis, der Zeit des Todes wurde von Gott ein definitives, spektakuläres Ende gesetzt. Jesus ist auferstanden! Gottes unfassbar große Liebe hat den Tod besiegt – halleluja!
Zwei Frauen waren es, die die ersten Zeugen der Auf-
erstehung sein durften. Das ist mal wieder ein schönes Beispiel für Gottes Humor, denn damals war es so, dass die Aussagen von Frauen z.B. vor Gericht nicht so viel galten wie die Aussagen von Männern. Doch offenbar ist Gott nicht bereit, auf unseren menschlichen Firlefanz (Albernheit, Kinderei) Rücksicht zu nehmen, wenn er etwas beschlossen hat. Was für ein Glück…!
Die Obrigkeit hatte beim Verhör Jesu vor seiner Kreuzigung durchaus sehr genau hingehört und wusste so, dass Jesus
dabei seine Auferstehung nach drei Tagen angekündigt hatte.
Die römischen Soldaten als Wächter vor dem Grab waren harte Jungs, durchtrainierte Berufssoldaten und jetzt mit dem klarem Auftrag am Grab, einen eventuellen Diebstahl des Leichnams Jesu zu verhindern. Man meinte also bei den religiösen und politischen Führern in Jerusalem: Von wegen angeblicher Auferstehung – diesen Trick seiner Jünger werden wir zu verhindern wissen!
Bei der Zeitumstellung Gottes kommen sie nicht sonderlich gut weg, die be-
waffneten Profis. Als Gott einen leib-
haftigen Engel schickte, kippten die Soldaten der Reihe nach vor Angst bewusstlos um, so geschockt waren sie. Dadurch können wir uns heute leicht ausrechnen, wie erschütternd im wahrsten Sinne des Wortes eine Engel-Erscheinung selbst für kräftige Kämpfer ist.
Der Engel als Bote Gottes wendete sich sofort an die beiden Frauen: Sehr gesprächig war er allerdings nicht. Wie Engel das offenbar so an sich haben, sagte er, was zu sagen war, klar, kurz, präzise. Die Menschen bekommen von den Engeln offenbar immer nur das gesagt, was sie jetzt gerade wissen müssen,
mehr nicht. Keine näheren Erläuterungen, schon gar keine Details, wie die Auferstehung konkret abgelaufen ist.
Das bedauern nicht nur unsere gelehrten Theologen heute.
Es ist wohl so, dass die Engel genau wissen: wir würden es ohnehin nicht verstehen.
Wir können immer nur wie durch ein Schlüsselloch gucken und einen ganz kleinen Teil der faszinierenden Welt Gottes bestaunen dürfen. Und dieser Bruchteil ist schon einfach unfassbar!
Die beiden Frauen sollten sich auf Geheiß des Engels im Grab umsehen und dann die Jünger über die Auferstehung infor-
mieren, und zwar schnell. Deshalb heißt es anschließend auch: „Sogleich verließen sie das Grab und eilten voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.“
Ebenso plötzlich und unerwartet
wie die kurze Begegnung mit dem Engel bekamen die beiden Frauen noch ein größeres Geschenk Gottes: die Begegnung mit dem Auferstandenen selbst! - Wir sehen auch hier, dass das Geschehen nicht von uns Menschen ausgeht. Gott selbst wird tätig, wenn der richtige Zeit-
punkt gekommen ist.
Was wir wie die beiden Frauen tun können: Genau hinhören,
und genau tun, was Gott uns mitteilt. Wir haben heute ja sein lebendiges Wort, die Frohe Botschaft des Evangeliums. Wer an die Zeitumstellung denkt und sich auf Gottes Osterzeit umstellt, der tappt nicht mehr im Dunkeln, sondern dem geht ein gewalti-
ges Licht auf: Jesus lebt, Jesus ist wirklich auferstanden!
Gott hat auf seine ganz spezielle Art JA und AMEN gesagt zu allem, was Jesus uns gelehrt hat. Wir Christen haben wirklich allen Grund zum Jubel – halleluja und Ihnen allen eine frohe Osterzeit!

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Ostersonntag

Apg 10,34a.37-43 - Kol 3,1-4 - Joh 20,1-18

Evangelium Joh 20,1-18: Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, daß der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab wegge-
nommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat. Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.
Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie wußten noch nicht aus der Schrift, daß er von den Toten auferstehen mußte. Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück. Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten.
Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wußte aber nicht, daß es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen.
Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.

Osterfrauen, Ostermänner

Wissen Sie eigentlich, warum Jesus nach sei-
ner Auferstehung zuerst einer Frau erschienen ist? - Ganz einfach: Damit die Nachricht möglichst schnell unter die Leute kam…

Was in diesem Scherz etwas frauenfeindlich daherkommt, ist bei näherer Betrachtung eher das Gegenteil: Jesus hat in seinem Erdenleben vielfach gezeigt, dass für ihn im Gegensatz zu vielen Zeitgenossen Frauen eben keine Menschen zweiter Klasse sind, die damals z.B. noch nicht einmal vor Gericht als Zeugen zuge-
lassen waren. Viele Bibelstellen zeugen davon, wie Jesus ohne Vorbehalte mit Frauen im Gespräch war. Ganz selbstverständlich gehörten auch Frauen zum Kreis derer, die ihn nach Kräften unterstützten oder sogar mit ihm und den Jüngern von Ort zu Ort zogen.
Am heutigen Ostermorgen bringt uns der Evangelist Johannes unter anderem eine Frau in Erinnerung, die Jesu Hilfe und Güte erfahren hatte und ihm seitdem wie die anderen Jünger folgte: Maria Magdalena, eine unverheiratete Frau aus dem Fischerdorf Magdala, wie ihr Nachname uns verrät. Es lohnt sich, einen näheren Blick auf sie zu werfen. Wie wir sehen werden, ist sie eine sehr mutige, engagierte Frau, die sich auch von größeren Problemen nicht so leicht unterkriegen lässt.
Dabei fing alles wenig erfreulich an. Maria Magdalena wurde , wie wir aus dem Lukas-Evangelium (Lk 8,2) wissen, von dämo-
nischen Mächten gequält, die ihr tägliches Leben bestimmten. Ihre Krankheit muss sehr heftig gewesen sein, denn die Bibel erzählt von insgesamt sieben Dämonen, die Jesus bei ihr austrieb.
Aus einer Frau, die bis dahin ganz entsetzlich zu leiden hatte und sich sicher kaum noch aus dem Haus traute, wurde nach der Berührung durch Jesus eine begeisterte und treue Jüngerin. Maria Magdalena hatte die Heilkraft Jesu am eigenen Leib erfahren. Das war wie eine Befreiung aus der Sklaverei für sie!
Nun wollte sie ihm und seiner Sache dienen. Zusammen mit anderen Frauen unterstützte sie ihn nach Kräften und kümmerte sich z.B. um die Versorgung aller. Ausdrücklich wird in der Bibel erwähnt, dass sie dabei für Jesus ihr Hab und Gut einsetzte, d.h. sie war offenbar wohlhabend und finanzierte vieles aus eigener Tasche.
Wie mutig Maria Magdalena war, wird uns aber erst so richtig bewusst, wenn wir an die Kreuzigung Jesu denken. Während sich die meisten der männlichen Jünger aus Angst um ihr eigenes Leben vom Kreuz lieber fernhielten, gehörte sie zu den starken Frauen, die tapfer bei Jesus am Kreuz ausharrten.
Da die Römer wollten, dass Gekreuzigte ohne jeden Beistand starben und niemand um sie trauern sollte, war dieses Verhalten sehr riskant. Wachsoldaten vor dem Kreuz und vor dem Grab konnten Sympathisanten einfach festnehmen. Und die Römer waren mit ihren Strafen wenig zimperlich, wie wir wissen. Dennoch: Maria Magdalena und einige wenige Getreue, fast nur Frauen, harrten in der Nähe des Kreuzes aus und ließen Jesus in seiner Todesstunde nicht allein.
Im heutigen Evange-
lium erfahren wir, dass sich diese Maria Magdalena in großer Trauer um ihren Herrn noch in der Morgen-
dämmerung des Ostertages auf den Weg zu Jesu Grab macht. Die Herren der Schöpfung unter den Jüngern Jesu haben sich voller Angst und sicher auch aus Enttäuschung irgendwo verkrochen oder sind sogar zum Teil in den Alltag ihrer Heimatorte zurückgekehrt.
Für alle steht leider fest: nun ist alles aus. Alles war vergebens. Jesus ist tot. Mit ihm sind alle unsere Hoffnungen begraben.
Maria Magdalena ist voller Trauer um den Herrn, und sie tut, was auch wir bei unseren lieben Verstorbenen tun: Sie besucht das Grab, um zu trauern und zu beten. Sie verdrängt ihre Trauer nicht, sondern diese Frau steht dazu und will wenigstens jetzt bei ihrem Herrn sein, der in den letzten Monaten zum Sinn, zur Mitte ihres Lebens geworden ist. Ihre Treue macht auch vor dem Tod nicht halt. So ist das heutige Evangelium ein deutliches Lob auf Maria Magdalena und auf all die starken Frauen, die ausharren, wo die meisten Männer längst aufgegeben haben, sei es in der Familie, in der Arbeit für die Kirche oder sonstwo.
Als Maria Magdalena in der Dämmerung am Grab angekommen ist, wartet jedoch der nächste Schicksalsschlag auf sie: Die Grab-
höhle ist nicht mehr verschlossen, und der schwere Stein zum Verschluss des Eingangs ist wegge-
schoben worden. Ohne ins Grab hineinzuschauen, ist ihr klar:
Da waren Grabräuber am Werke. Der Leichnam Jesu ist verschwunden. Ihre Trauer wird immer größer: Nun kann sie ihren Herrn noch nicht einmal mehr an seinem Grab besuchen!
Im Evangelium heißt es weiter: „Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat.“ - Für Maria Magdalena gilt jetzt Alarmstufe Rot: Entsetzt rennt sie zu Simon Petrus, so schnell sie kann. Wörtlich übersetzt heißt es sogar: „Sie stürzte vom Grab weg…“ – da können wir heute noch ihre helle Auf-
regung verspüren. Offenbar weiß sie auch ganz genau, wo die meisten Jünger sich aufhalten, denn sie eilt zielstrebig zu Simon Petrus. Sie informiert ihn rasch und benutzt dabei den Ausdruck „…und wir wissen nicht…“, was uns anzeigt, dass sie wohl zusammen mit anderen Frauen am Grab war, die der Evangelist aber nicht ausdrücklich mit Namen benennt.

Wie unfassbar ihre Nachricht ist, zeigt die Reaktion: Die beiden Männer gehen nicht zum Grab, sondern im Evangelium heißt es: „… sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als erster ans Grab.
Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein.“

Simon Petrus war ja nicht mehr der Jüngste, da war es sicher nicht nur merkwürdig, ihn so rennen zu sehen, sondern es war auch klar, dass er mit dem hohen Tempo des Jüngeren nicht mithalten konnte. Dieses Wettrennen musste er also zwangs-
läufig verlieren…
Die kleine Szene ist dennoch sehr aufschlussreich für uns: Mit dem Warten des Schnelleren - er geht ja nicht ins Grab hinein, sondern beugt sich nur mal vor, um einen vorsichtigen Blick hineinzuwerfen - kommt die Autorität und Vorrangigkeit des Petrus unter den Jüngern zum Ausdruck. Das Rennen, also die höchste Eile der erwachsenen Männer, verrät aber auch, wie sehr die Jünger im Herzen doch an Jesus hängen, trotz ihrer Feigheit und Trägheit. Nun sind sie wie elektrisiert. Ihnen ist klar: Da ist etwas im Gange! Jetzt gilt es herauszubekommen, was da los ist!
Petrus geht als Erster in die Grabhöhle hinein. „Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle“, schildert das Evangelium seine merkwürdige Beobachtung.
Auch hier ist jedes Wort wichtig. Die Leinenbinden und das Schweißtuch sind also nicht nur im Grab vor-
handen, sondern auch noch an verschiedenen Stellen ordentlich zusammengefaltet abgelegt. Was hat das zu bedeuten?
Grabräuber als Täter dürften somit ausscheiden. Wer einen Toten stehlen will, wickelt ihn nicht im Halbdunkel der Grabeshöhle aus den Tüchern aus, um ihn dann nackt abzutransportieren. Und jemand, der es eilig hat, wird auch auf keinen Fall die Tücher nach bester Hausfrauenmanier fein säuberlich zusammengefaltet ablegen. Wer Angst vor Ent-
deckung hat, wird sich stattdessen selbstverständlich so schnell wie möglich mit seiner Beute aus dem Staube machen. Denn damals wusste jeder, dass dieses besondere Grab im Blickfeld römischer Wachsoldaten war.
Der Begleiter des Petrus ist nicht nur der Schnellere beim Laufen, sondern offenbar auch beim Nachdenken. Das Evange-
lium schreibt über ihn: „…er sah und glaubte.“ - Von Petrus hören wir zu diesem Zeitpunkt jedoch noch kein Wort. Er ist noch nicht so weit. Das ist genau wie im wirklichen Leben: Manche Auto-
ritäten und Amtspersonen brauchen halt zuweilen etwas länger…!
Jedenfalls sind die beiden Männer unschlüssig, welche Konsequenzen sie für sich aus dem Gesehenen zu ziehen haben. Sie entscheiden sich schließlich für die auch heute vielfach eingesetzte Methode: Jetzt am besten einfach erst mal abwarten! - So gehen sie erst einmal wieder nach Hause, denn hier am Tatort tut sich offenbar momentan ohnehin nichts.
Maria Magdalena jedoch geht nicht einfach wieder zur Tagesordnung über. Sie bleibt draußen vor dem Grab und weint. Unmöglich für sie, jetzt einfach nach Hause zu gehen! Zu groß ist ihr Schmerz über den Verlust! Ihre Welt ist hier zusammen-
gebrochen, alle ihre Hoffnungen sind dahin. Da kann man doch nicht einfach weiter-
machen, als wenn nichts gewesen wäre!
Sicher ist sie über das Verhalten der Männer enttäuscht, für die das ganz praktische Denken offenbar wichtiger ist als das Gefühl.
Maria Magdalena betritt das Grab nicht, die Stätte des Todes.
Zu aufgewühlt sind ihre Gefühle. Sie bleibt draußen, aber nach einiger Zeit wirft sie doch einen vorsichtigen Blick hinein. Da sieht sie, was die beiden Männer entweder übersehen haben oder aber nicht sehen konnten, weil ihre Blicke und ihre Gedanken auf die Tücher konzentriert waren. Diese Frau jedoch hat einen anderen Blick; das erinnert an das Kinderspiel „Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist…“ - Diese Frau sieht das Wesentliche, sie sieht mit den Augen und mit dem Herzen.
Zwei Engel kann sie im Halbdunkel erkennen, und die beiden in ihrem strahlenden Weiß sprechen Maria Magdalena sogar an: „Frau, warum weinst du?“ - Offenbar wollen die himmlischen Boten erreichen, dass die Frau ihre Trauer, ihren Schmerz noch einmal ganz klar ausdrückt, dass sie also Farbe bekennt, wie es um sie steht.
Maria Magdalena scheut sich nicht, ihre Hilflosigkeit zuzugeben. „Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat.“
Inzwischen hält sie es also auch für denkbar, dass der Leichnam aus welchen Gründen auch immer in eine andere Grabstätte verlegt worden ist. Unvermittelt, als wenn die Engel dafür gesorgt hätten, dreht sie sich jetzt um, macht eine entscheidende Wende und sieht in der Nähe jetzt eine Gestalt stehen, die sie aber nicht erkennt. Diese Gestalt stellt ihr die gleiche Frage wie die beiden Himmelsboten, was ihr offenbar gar nicht bewusst ist: „Frau, warum weinst du?“ - Ergänzend fragt der unerkannte Jesus noch: „Wen suchst du?“
Wenn Jesus eine Frage stellt, deren Antwort er längst weiß,
dann geht es ihm wie den Engeln darum, beim angesprochenen Menschen eine klare Aussage, ein klares Bekenntnis zu erreichen.
Dass Maria Magdalena ihren Herrn jetzt nicht erkennt, mag uns erst einmal verblüffen. Sie hält ihn sogar für einen der Gärtner, die diese gepflegte Friedhofs-
anlage in Ordnung halten. Das gab es also damals auch schon!
Für uns ist dieser Hinweis auf das Nichterkennen des aufer-
standenen Herrn sehr interessant. Er zeigt uns, dass Jesus in diesem Stadium zwischen Auferstehung und Himmelfahrt in seiner für uns Menschen wahrnehmbaren Gestalt nicht einfach
1 : 1 und Zentimeter für Zentimeter so aussieht wie vor seinem Leiden und Sterben. Der Auferweckte ist als der verklärte Herr also schon ein Stück weit auf dem Wege zu seinem himmlischen Vater.
Maria Magdalena nimmt all ihren Mut zusammen. Sie verrät dem Fremden zwar nicht, warum sie weint, aber aus ihrer Gegenfrage wird dies sofort klar. Sie spricht den vermeintlichen Gärtner an, er möge ihr doch bitte verraten, wohin man den Leichnam gebracht habe. Sie will ihn holen und dann sicher einbalsamieren und in allen Ehren beisetzen. Der vermutete Gärtner jedoch beantwortet ihre Frage nur mit einem einzigen Wort. Und dieses eine Wort lässt die Trauernde zusammenzucken. Jesus spricht sie ganz ruhig mit ihrem eigenen Namen an: „Maria!“
Sie erkennt sofort den Klang der Stimme, die herzliche Art, wie sie angesprochen wird. Das ist jetzt wie ein Blitzeinschlag, wie etwas, was ihr die Beine wegzieht! - Wir sagen auch manchmal, einer steht da wie vom Donner gerührt. So ähnlich ist das hier: Kein Zweifel ist möglich – das ist er, das ist eindeutig Jesus,
ihr Herr!
Maria ist aber auch in dieser aufregenden Situation nicht auf den Mund gefallen. Schnell hat sie sich wieder gefangen, dreht sich ganz zu ihm um und spricht ihn ehrerbietig an: „Rabbuni!, das heißt: Meister.“ - In diesem knappen Wort ist alles enthalten:
ihr Glaube an den auferstandenen Herrn, ihr übergroßes Glück, ihn wieder vor sich zu haben und auch ihre Hoffnung, dass die Sache Jesu nun so weitergeht wie vor seinem Tod. Ihr größtes Glück wäre, wieder bei ihrem Herrn sein zu dürfen, ihm zu dienen, damit er den Kopf frei hat für seine Aufgaben.
Ihre himmelhoch jauch-
zende Freude erhält aber einen schmerzlichen Dämpfer. Jesus erklärt: „Halte mich nicht fest…“
Man kann das auch so ausdrücken: Niemand darf mich jetzt für sich verein-
nahmen, so lieb das auch gemeint sein mag. Ich bin auf dem Wege zum Vater im Himmel. Auch du musst also loslassen lernen! - Deine tiefe Trauer ehrt dich, aber nun musst du nach vorne blicken. Lass los, trenne dich von deinen ein Stück weit auch egoistischen Wünschen nach mir, nach meiner Anwesenheit. Meine Mission hier ist erfüllt, ich kann dir und euch jetzt nicht so wie bisher zur Verfügung stehen. Mein Vater hat mich auferweckt, zu ihm kehre ich zurück.
Maria Magdalena hat verstanden. Ihr Herz ist sicher schwer,
aber sie hat verstanden, dass sie nun nach vorne schauen muss. So schön es wäre, Jesus um sich zu haben – sie muss diesen Gedanken loslassen!
Sie muss nun in ihrem Innersten ein großes Wendemanöver durchführen, das genau so schwierig ist wie etwa das Wenden beim Segeln. Jetzt gilt ein neuer Kurs - alle Kraft und Auf-
merksamkeit voraus!
Dem entspricht auch der Auftrag Jesu an sie: Sie soll zu seinen Brüdern gehen – so liebevoll bezeichnet er hier seine Jünger - und ihnen berichten: „… sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.“
Maria Magdalena, eine mutige Frau und erste Zeugin der Auf-
erstehung, wird auch zum ersten Bekenner des Glaubens. Sie verkündet: „Ich habe den Herrn gesehen.“ - Damit ist alles gesagt: Ja, Gott hat diesen Jesus Christus, seinen Sohn, von den Toten auferweckt. Ja, ich bin Zeuge und verbürge mich dafür.
Ja, ich glaube diesem Jesus und ich folge ihm, denn seine Sache geht weiter. Ja, ich weiß, dass ich diesen Jesus als meinen Herrn nicht für mich vereinnahmen kann, so sehr ich mich auch über seine persönliche Zuwendung freue. Ja, der Tod ist von Gott endgültig besiegt worden. Darauf darf ich auch für mich vertrauen. Halleluja!
Was wäre wohl geworden, wenn Maria Magdalena nicht so ausdauernd und mutig gewesen wäre?
Wir wissen nicht, welchen Weg Gott dann gegangen wäre, damit die Begegnung mit dem Auferstandenen bezeugt werden konnte. Aber eines wissen wir: Diese Frauen und Männer wurden verwandelt zu Osterfrauen und Ostermännern, zu österlichen Menschen. Ihr Bekenntnis, das bei vielen Gläubigen später sogar bis hin zum Tod als Märtyrer ging, hat mitgeholfen, dem Christen-
tum und seinen Wertvorstellungen den Weg zu bahnen.
Diesen und vielen anderen österlichen Menschen haben wir viel zu verdanken. Auch unser Glaube ist schließlich nicht aus dem Nichts erwachsen. Viele haben ihren Glauben bezeugt, auf die eine oder die andere Weise, manche mit Worten, manche mit Taten, einige aber auch mit ihrem Leben.
Auch in unserem persönlichen Umfeld gab es sicher solche österlichen Menschen, durch deren Bekenntnis der Glaube in uns selbst wachsen konnte. So dürfen wir heute mit vollem Herzen in den Osterjubel einstimmen: Halleluja, der Herr ist wirklich auferstanden!
Damit auch kommende Generationen in dieser Osterfreude der Christen leben können, sollten wir an Menschen wie Maria Magdalena denken und in unserer Familie, in unserem Umfeld mutig bezeugen: Ja, der Herr lebt! Halleluja! - Dann ist bei uns und in uns wirklich Ostern geworden. Amen.


Predigt zur Osternacht: „Berufsunfähigkeit“ (pdf)
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Predigt zur Osternacht: „Ostern – ein gefährliches Fest“
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Predigt zur Osternacht: „Gott lacht“ (pdf)
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Exegetisch-theologischer Kommentar zur Osternacht A (pdf)
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Predigt zu Joh 20,1-18 von Prof. Dr. Dr. Klaus Müller
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Predigt Pfr. Dr. Johannes Holdt: „Osterlachen“
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Osterpredigt Pfr. Blaschke (etwas verändern, falsches Evang.)
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Exegetisch-theologischer Kommentar zu Joh 20,1-18 (pdf)
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Dr. Meinrad Limbeck: „Ist Jesus wahrhaft auferstanden?“ (pdf)
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Kindergottesdienst-Tipps für Ostern
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Allerlei Oster-Linktipps nicht nur für Kinder
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Längerer Artikel über die Auferstehung
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Jede Menge infos und Links zu Ostern bei „katholisch.de“
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Umfangreiche Seite von „theology.de“ über Ostern
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Zentralrat der Juden: Das Pessach-Fest
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Oster-Seite des Bistums Münster
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rp-online-Artikel: „Maria Magdalena, die Furchtlose“
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Warum leben Frauen länger als Männer? Weil der liebe Gott ihnen die Zeit gutschreibt, die sie für's Einparken benötigen.

"Woher hast Du das blaue Auge ?", fragt Georg seinen Kollegen. "Ach, als wir gestern bei Tisch gebetet haben '... und erlöse uns von dem Übel!' , hab ich zufällig meine Schwiegermutter angeguckt ...

Allgemeine Verkehrskontrolle. Der Polizist untersucht gründlich, und so bleibt der Erfolg auch nicht aus: „An Ihrem Wagen ist das linke Abblendlicht nicht in Ordnung. Das kostet Sie 10 Euro. Sind Sie mit Sofortzahlung einverstanden?“ – Der Autofahrer: „Na klar, in der Werkstatt hätte mich das mindestens 15 Euro gekostet!“

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19.04.2011

Staatsleistungen für die Kirchen und die Abschaffung der Humanistischen Union

(Fortsetzung)
Als Kaiser Napoleon zu Beginn des
19. Jahrhunderts die Ostgrenze seines Reiches bis an den Rhein ausdehnte, wurden deutsche Reichsfürsten für ihre Gebietsverluste entschädigt.
Fast 100.000 Quadratkilometer,
die bisher in Kirchenbesitz waren, wechselten zwangsweise ihren Besitzer. Die Fürsten verpflichteten sich aber, durch jährliche Zahlungen, sogenannte „Dotationen“ für einen gewissen Ausgleich zu sorgen.
Man stelle sich nur einmal vor, die Kirchen hätten mit diesen Ländereien seit damals wirtschaften können – gigantische Summen einschließlich Zins und Zinseszins für Löhne, mildtätige Zwecke usw. wären inzwischen so zusammengekommen.
Dessen wurden die Kirchen jedoch beraubt, und da ist es eine Frage der Fairness, die Folgen dieser Säkularisierung zumindest etwas abzumildern. Natürlich ist es denkbar, dass einmal ein Schlussstrich in dieser Angelegenheit gezogen wird, indem im Einvernehmen zwischen Staat und Kirchen eine abschließende Ablösesumme vereinbart wird.
Dagegen sträuben sich die Kirchen auch keinesfalls, wie sie mehrfach erklärt haben. Im Grundgesetz ist dies sogar schon
als Möglichkeit angedacht (Artikel 138). Die Verhandlungen zwischen etlichen Bundesländern und etlichen Bistümern und den evangelischen Landeskirchen würden zwar äußerst kompliziert, aber vom Grundsatz her ist das mittelfristig machbar.
Unredlich wird es allerdings, wenn man wie die „Humanistische Union“ so tut, als sei durch die bisjährigen jahr-
zehntelangen Zahlungen alles schon komplett abgegolten, und eine Fort-
führung sei sogar „verfassungswidrig“.
Wie Professor Ansgar Hense vom Bonner Institut für Staatskirchenrecht anschaulich erklärt, wäre das etwa so, wie wenn ein Mieter behauptete, durch jahrelange Mietzahlungen gehöre ihm natürlich das Haus nach dieser Zeit.
Die Summe, um die es für die Kirche geht, beträgt beispielsweise für das Erzbistum Köln 2,8 Millionen Euro jährlich (bei einem Gesamtetat von 800 Millonen jährlich). – Würde dieses Geld ersatzlos fehlen, müsste noch viel strenger gespart werden als bisher.
Ein bißchen amüsant ist es allerdings schon, wenn ausgerechnet die „Humanistische Union“ (HU) gebetsmühlenartig ihre For-
derungen erhebt. Man sollte dann doch annehmen, dass sie selbst z.B. mit besonders gutem Vorbild vorangeht und etwa auf ihrer Internetseite ihre Finanzen und ihre Spenden detailliert auflistet. Doch da hält man sich lieber bedeckt.
Bekannt ist, dass das eigene Bildungswerk staatliche Zuschüsse erhält, und auch humanistische Verbände z.B. in Berlin „in nicht unerheblicher Höhe“ Gelder vom Staat bekommen, wie Prof. Hense erklärt.
So hätte ich statt der ersatzlosen Abschaffung staatlicher Leistungen an die Kirchen einen Alternativvorschlag: Ersatzlose Abschaffung der HU. Entschädigungslos. Das wäre doch auch mal was…

- Artikel in der "FAZ" >> BITTE KLICKEN !
- Zahlungsstopp wäre Rechtsbruch >> BITTE KLICKEN !
- Professor Hense im Kölner Domradio >> BITTE KLICKEN !
- Kirche bereit zu Gesprächen >> BITTE KLICKEN !
- "carechild": Die HU und die Pädophilie >> BITTE KLICKEN !
- "Die Lust am Kind - wofür steht die HU?" >> BITTE KLICKEN !
- "FAZ": "Missbrauchsdebatte - unter Humanisten"
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- Mein früherer Artikel über Kirchensteuer/Kirchenaustritt
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17.04.2011

Blogger bloggen - aber warum eigentlich?

(Fortsetzung)

Warum nehmen die Blogger die Mühe auf sich, immer wieder neu Material zusammen-zustellen, Tipps auszugraben und Themen aufzuarbeiten? Warum tun sie sich das an? -- Und warum geben sie auch aus ihrem eigenen Leben, von ihren Einstellungen und Gefühlen freiwillig so viel preis?-- Ich weiß es nicht, und deshalb kann ich nur Vermutungen anstellen. Bei den meisten wird wohl, wenn man sie fragen würde, die Antwort lauten: „Weil es mir Spaß macht!“ – Im Grunde ist es schließlich bei den meisten katholischen Bloggern so etwas wie ein Hobby. Es macht Freude, zu schreiben, sich anderen mitzuteilen und dabei auch noch zu erfahren, dass dies auf beachtliches Interesse der Leser stößt. Das Tolle am Bloggen ist sicher auch, dass hier eine ganz große Freiheit herrscht. Niemand kann einem vorschreiben, welche Themen man aufgreift und wie man sie im Text umsetzt, solange man die Gesetze beachtet und nicht unter die Gürtellinie schlägt.

Die katholischen Blogger lieben ihre Kirche, davon gehe ich mal aus. Bei der Diskussion um das Theologen-Memorandum „Kirche 2011“ konnte man erleben, mit wieviel Engagement da ge- schrieben und organisiert wurde, bis hin zur Gegeninitiative „Pro Ecclesia" .Ganz sicher wollen viele Blogger durch ihre Artikel einen Beitrag leisten zur Unterstützung und Verbesserung „ihrer“ Kirche. Die schöne Erfahrung einer Art Gemeinschaft unter den Bloggern spielt sicher auch eine Rolle, schließlich bekommt man immer wieder Reaktionen von Lesern und kann erfreut feststellen, dass es doch eine ganze Reihe von „Geistesverwandten“ im Internet gibt. Zugleich ist der Blogger natürlich auch ein eifriger Blogleser, denn die Macher interessiert natürlich, was die „Banknachbarn“ so von sich geben. Was beschäftigt die anderen? Wie drücken sie das aus? Sind die ähnlicher Meinung wie ich oder eher nicht?

Das Schöne beim Bloggen ist auch, dass Reaktionen nicht lange auf sich warten lassen. Kommentare und auch persönliche E-Mails sind bereits nach wenigen Stunden beim Autor ange- kommen. Man darf freilich auch nicht verschweigen, dass es oft gute Gründe hat, wenn Blogger und Kommentarschreiber manchmal ihre wahre Identität nicht preisgeben. Bei Mutter Kirche geht es halt zuweilen zu wie anderswo auch: Es gibt Neider, es gibt Anschwärzer und Nervtöter, und es gibt solche, die einem gerne für diesen oder jenen Beitrag einen Strick drehen würden. Wenn man dann von der Kirche beruflich ab- hängig ist, kann als hilfreich sein, wenn man schon mal seinen eigenen Namen vergisst…

Bei mir selbst war es so, dass ich auch eher zufällig zum Blogger geworden bin. Angefangen hat es damit, dass ich mich zu oft über meiner Meinung nach zu schlecht verständliche Predigten geärgert hatte. So entstand bald in 50 dicken Ordnern eine umfang-reiche Sammlung von Predigten zu den einzelnen Lesejahren. Nachdem ich viel gelesen und mir manche Idee notiert hatte, begann ich damit, für mich selbst eine besser verständliche „frische“ Predigt zu schreiben. Von da an war es nur noch ein kleiner Schritt zum eigenen Blog, um diese damit auch anderen zur Verfügung zu stellen. Nie hätte ich gedacht, dass dies so viele Leser findet…

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