29.09.2009

27. Sonntag im Jahreskreis B - 04.10.2009 / Erntedank

(Fortsetzung)

Da sind nicht mehr zwei, die sich nun zu einer Firma zusammengetan haben, um jeder für sich dadurch möglichst viel Nutzen und Steuer-Erstattung herausholen zu können. Nein, mit der Eheschließung ist etwas ganz Neues geschaffen wurden.
Es ist etwas Einzigartiges, dieser Ehebund. Der erinnert sogar an den Bund, den Gott mit seinem Volk Israel schloss. Ewige Treue hat er seinem Volk versprochen, doch das Volk brach immer wieder den Bund, so wie eine Ehe gebrochen wird, wenn man sich vom Partner abwendet und sich für andere Beziehungen interessiert.

Die beiden Ehepartner sind nach Gottes Willen also eins. Sie haben sich die Treue „in guten und in bösen Tagen“ versprochen und gehen gemeinsam durch dick und dünn. Das ist ganz gewiss nicht immer einfach. Da gibt es nicht nur Höhen, sondern auch viele Tiefen. Da gibt es Tränen, und da gibt es bei den meisten auch lange Durststrecken. Mit diesen Durststrecken ist es wie beim Marsch durch Wüste: wer da aufgibt, der hat gleich verloren. Wer aber kämpft wie ein Marathonläufer und bei den kritischen Kilometern den inneren Schweinehund überwindet, der erreicht das Ziel.

Nett gesagt, mag mancher denken, aber manche Wüste im Leben ist leider länger und lebensfeindlicher als ein Prediger auch nur ahnt. Dies läuft auf den Spruch hinaus, dass die Priester ja sowieso keine Ahnung haben und sich deshalb in Sachen Eheberatung lieber ganz zurückhalten sollten. Hier mische sich die Kirche sowieso in Dinge ein, die sie nichts angingen, argumentiert man gerne.
Das ist natürlich ein weites Feld, aber so viel kann man hier in der gebotenen Kürze doch klar-
stellen:
Jede Krise, auch die Ehe in der Krise, kann Helfer in der Not gut gebrauchen. Sie sind wie Blut-
spender, die einen Organismus mit ihrer Spende am Leben halten und neu anregen. Wenn das Argument wirklich stichhaltig sein soll, dass lebenserfahrene Priester da nichts mitzureden haben, dann dürfte es konse-
quenterweise z.B. auch keine männlichen Frauenärzte geben, denn wer von denen hat schon mal selbst ein Kind geboren?

Die Kirche verkündet ohnehin nicht die private Meinung des jeweiligen Seelsorgers, sondern die Worte Jesu. Wenn man diese Worte Jesu als Einmischung in sein Leben betrachtet statt als liebende Hilfestellung Gottes, dann ist man ohnehin auf dem falschen Dampfer.
Jesus sagt klipp und klar: „Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“

Hier also nähern wir uns dem Kernpunkt im katholischen Eheverständnis. Die beiden Ehepartner sind eben nicht einfach so zufällig durch Unachtsamkeit zusammen-
gestoßen wie bei einem ärgerlichen Autounfall. Wir Katholiken verstehen durch die klaren Aussagen Jesu, dass Gott selbst es ist, der diese beiden Menschen als wirkliche Partner verbunden hat. Sie versprechen sich die Ehe im Angesicht Gottes, weil Gott diese Verbindung so will.
Daran sollte man erst recht dann denken, wenn es mal wieder etwas kriselt. Wie wäre es mit einem Blick auf den Partner und mit einem Zeigefinger nach oben: „Schatz, denk daran, wir sind zu dritt…!“

Die Ehe ist eben nicht „ein weltlich Ding“, wie Martin Luther meinte. Wenn wir kirchlich heiraten, dann tun wir das ja gerade, um diese Beziehung ausdrücklich vor Gott einzugehen, und das ohne Kassenbon mit Umtausch-
garantie.
Wissen-
schaftliche Arbeiten in Amerika haben sich auch mit der Wahr-
scheinlichkeit von Schei-
dungen beschäftigt. Während das Risiko, geschieden zu werden, beim Durchschnitts-Amerikaner bei fast 50 % liegt, sind es bei regelmäßigen Besuchern der Heiligen Messe nur noch 10 % und bei Ehepaaren, die miteinander beten, nur noch 0,2 Prozent Scheidungs-Risiko.
Das bestätigt, was längst vermutet wurde: Paare, die den Glauben wirklich gemeinsam leben, die gewissermaßen Gott mit in ihr Boot holen und ihm die Führung anvertrauen, die haben bei einem Seesturm die besten Chancen, eben nicht zu kentern.

Die Ehe zweier liebender Partner ist für Gott der Normalfall, denn der Mensch ist als Mann oder Frau geschaffen und die gegenseitige Ergänzung und Unterstützung in der Ehe ist im Schöpfungsplan so vorgesehen. Doch wir sind schwache und sündige Menschen. Die Ehe, die eigentlich ein Hafen des Vertrauens und des Glücks sein sollte, kann auch zum Sturmtief werden und Zerstörung bringen. Da denken die Menschen schnell, man könne doch Unglück und Qual vermeiden, indem man eine Beziehung scheidet, der man nun wirklich nicht mehr anmerkt, dass dieser Bund Gottes Wille ist.

Sicher gibt es sie, diese tragischen Beziehungen, bei denen alle Wiederbelebungsversuche vergeblich sind – das Herz dieser Ehe hat einfach aufgehört zu schlagen. Die seelsorgerliche und menschliche Erfahrung zeigt jedoch, dass der Notausgang eher benutzt wird, wenn er einladend offensteht. Während man früher viel mehr aufeinander angewiesen war und daher die Scheidungs-
rate sehr gering war, ist das wirtschaftliche Risiko heute deutlich geringer.

Scheiden tut zwar immer weh, aber heute ist in der Regel kein finanzielles Fiasko zu befürchten. So fällt es naturgemäß leichter, die An-
strengungen zum Gespräch, zur Versöhnung, zur Reparatur der Beziehung schneller zu beenden.
Wir leben in einer Wegwerf-Kultur, bei der das Reparieren in vielen Fällen als nicht mehr lohnend angesehen wird. Eine neue Hose ist meist billiger als das Flicken bei bei einem Schneider. Und bei einem defekten Elektro-Gerät ist manchmal die Reparatur teurer als eine Neuanschaffung.

Gott denkt nicht in diesen Wegwerf-Kategorien. Jeder Mensch ist kostbar und einmalig, und jede Ehe ist das auch. Die Trennung ist bei Gott kein Thema, wohl aber die Treue.
Im heutigen Evangelium sagt Jesus ganz eindringlich: „Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ - Eigentlich heißt es im griechischen Urtext noch schärfer: „Was Gott zusammengefügt hat, (das) trenne der Mensch nicht!“
Das ist keine Empfehlung, sondern eine Anweisung mit Ausrufezeichen! Die Ehe steht aus der Sicht Gottes also nicht zur menschlichen Disposition. Sie ist unseren Ansichten, Launen und auch unseren Paragraphen entzogen.

Wer das weiß, kann die katholische Einstellung zum Thema Scheidung und Wiederheirat sicher besser nachvollziehen. Und wenn es wirklich trotz bestem Willen einfach nicht geht? Wenn die Ehe für die Partner und für die Kinder nur noch Qual ist?
Ja, das gibt es. Das hat sich auch in der Kirche schon herum-
gesprochen.
Es stellt sich dann erst einmal die Frage, woran es liegen kann, dass diese Ehe nicht besser ist.
Es stellen sich einige Fragen. So zum Beispiel die, ob das Paar im Laufe der Jahre auch wirklich daran gedacht hat, dass Liebe auch so etwas wie ein nachwachsender Rohstoff ist, und was für einer!
Es reicht eben nicht, ineinander verliebt zu sein und die Augen vor handfesten Problemen zu verschließen. Hat sich das Paar wirklich genug Zeit füreinander genommen, auch für das Gespräch?

Es gibt eine Menge Fragen, und schließlich kann es sein, dass die Voraussetzungen für diese Ehe einfach nicht gestimmt haben. Auch darum sagt die Kirche: Ihr Eheleute, wendet euch an einen Seelsorger eures Vertrauens, bis hin zur Möglichkeit, nach reiflicher Überlegung die Gültigkeit der katholischen Eheschließung vor einem kirchlichen Ehe-Gericht prüfen zu lassen. Niemand in der Kirche will Menschen als Sklaven in einem Käfig halten.
Es gibt leider auch Ehen, die sind keine und die waren nie welche.

Erstaunlich, dass das heutige Evangelium mit einem ganzen anderen Thema endet. Da werden Kinder zu Jesus gebracht, damit er sie segnet. Die Jünger aber fürchten um ihre Ruhe und weisen die Bittsteller sehr energisch ab. Dafür kassieren sie von Jesus sofort einen Rüffel:
„Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes. Amen, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“

Da mag man sich wundern:
Was hat das denn mit unserem heutigen Thema zu tun?
Ist da in der Bibel etwas durcheinander geraten? Nein, keineswegs. Die Kinder haben einige Eigenschaften, die für eine gute Ehe so lebens-
notwendig sind wie für unseren Körper das „automatische“ Ein- und Ausatmen oder das Pumpen und Pausieren des Herzmuskels, und das im richtigen, gleichmäßigen Rhythmus und sogar im Schlaf.
Die Kinder haben Vertrauen und sie sind dankbar. Schon allein diese beiden von vielen Eigenschaften machen eine kindliche Haltung für das Himmelreich geeignet, und auch geeignet für die Ehe.

Gerade heute, wo in den meisten Pfarreien Erntedank gefeiert wird, wo Dank gesagt wird für eine gute Ernte,
die uns ein Leben ohne Hunger sichert, gerade heute sind Vertrauen und Dank so ein wichtiges Thema.
Ohne Vertrauen ist eine Ehe nur ein Kampfplatz für Hobby-Spione. Ohne Dank ist eine Ehe nur eine Lebens-
abschnitts-Gemeinschaft, in der man gemeinsam einsam ist.

Heute ist nicht nur Erntedank! Die Eheleute werden auch an das Lebens-Elixir, an die Stärkung durch den Dank erinnert. Danke für diesen lieben Menschen, den Gott mir als Partner anvertraut hat! Danke für viel Geduld, für viel Verständnis, für das Ertragen des nicht immer einfachen Anders-Seins!
Danke, lieber Gott, für jeden Atemzug, für jeden Herz-
schlag, für jedes Lächeln, für jede Umarmung und für jedes liebe Wort!
Und wenn es wieder einmal im Getriebe der Ehe knirscht? Sie wissen ja: Wie wäre es mit einem Blick auf den Partner und mit einem Zeigefinger nach oben:
„Schatz, denk daran, wir sind zu dritt…!“


Herzlichen Dank allen Lesern, die mir interessante Tipps übermitteln!

Vier Predigten der Karl-Leisner-Jugend: „Was Gott verbunden hat…“ >> BITTE KLICKEN !

Dr. Nikolaus Wandinger: „Nur weil ihr so hartherzig seid“ (Predigt) >> BITTE KLICKEN !

P. Dr. Karl Wallner: „Ehe und Familie im Licht der Bibel“ (Vortrag) >> BITTE KLICKEN !

Infos zum kirchlichen Ehenichtigkeits-Verfahren, Buchtipp
>> BITTE KLICKEN !

Prof. Dr. A. Loretan: Vortrag (31 S./pdf) „Das Sakrament der Ehe: Theologische und kirchenrechtliche Fragen“ -
Am Schluss (S. 30/31): Fragen für das Traugespräch
>> BITTE KLICKEN !

Ideenbörse „Kinder und Kirche begegnen sich“ (pdf)
>> BITTE KLICKEN !

Checkliste zur Ausstattung einer kinderfreundlichen Kirche (pdf) >> BITTE KLICKEN !

Ideen und Modelle für Kindergottesdienste
>> BITTE KLICKEN !

Fernsehsender K-TV, Programmbeispiel Freitag, 2.Okt.: z.B. live mitbeten beim Rosenkranz >> BITTE KLICKEN !

ab 24. Sept. in den Kinos: „Vision – aus dem Leben der Hildegard von Bingen“ >> BITTE KLICKEN !

Interessantes Kirchenquiz bei „diomira.de“
>> BITTE KLICKEN !

Was der Papst jedem Priester sagen würde
(Video 3:29 min) >> BITTE KLICKEN !


ERNTEDANK:
St. Michael, Stuttg.-Sillenbuch: Predigt zu Erntedank
>> BITTE KLICKEN !

Erntedankpredigt Diakon Josef Lengauer
>> BITTE KLICKEN !

Kath.Landvolkbewegung: Gottesdienstvorschlag Erntedank – Klimaschutz (19 S./pdf)
>> BITTE KLICKEN !



Hinweis für die Männer
Ein Pfarrer hatte folgendes Plakat an seine Kirchentür gehängt, um laue Männer als Kirchgänger zu ermuntern: „Beim ersten Mal hat Ihre Mutter Sie hierher gebracht, später Ihre zukünftige Frau. Eines Tages werden Ihre Freunde Sie trauernd hierher geleiten. Versuchen Sie doch auch mal, von alleine zu kommen!“

Männerfeindlicher Witz
Warum wanderte das Volk Israel unter der Führung des Mose 40 Jahre lang durch die Wüste? - Ist doch klar: Weil Männer sich genieren, unterwegs nach dem richtigen Weg zu fragen!


zurück zur Hauptseite?
>> BITTE KLICKEN !

22.09.2009

26. Sonntag B - 27.09.2009

(Fortsetzung)

Aber auch solche Laien, die durch ihre Worte und ihr Verhalten dafür sorgen, dass man die Kirche vor Ort nicht als sonderlich sympathisch oder gar als unglaubwürdig empfindet, tragen dazu bei. Wie schnell werden leider für manche aus solchen Verunsicherungen der Gläubigen Enttäuschung, Wegbleiben vom Gottesdienst oder der komplette Rückzug aus der Kirche! - Es ist daher schon viel gewonnen, wenn wir uns dessen bewusst sind, dass wir als Christen vor Ort so etwas wie der Schaukasten oder das Aushängeschild Jesu sind.

Aber gleich Mühlsteine um den Hals hängen und ins Meer werfen – das sollen wir aber bei Verführern zum Bösen natürlich nicht wirklich tun. Schon im Bibeltext steht ja:
„Es wäre besser, wenn…“
Jesus fordert da also wirklich nicht zum Mord aus reli-
giösen Motiven auf, wie er leider auch heute noch bei zahlreichen Anschlägen von Fanatikern geschieht.
Jesus macht uns mit seinen dramatischen Formulierungen vielmehr klar, dass wir für unsere Mitmenschen, für unsere Nächsten auch Mitverantwortung tragen. Hüten wir also unsere Zunge, damit niemand durch uns zu Fall kommt!

Im heutigen Evangelium kommt es noch drastischer, wenn Jesus gleich dreimal hintereinander dazu auffordert, sich für das Erreichen des Himmelreiches notfalls am Körper zu verstümmeln. Alles, was dem großen Ziel im Wege steht, was uns „zum Bösen verführt“, soll abgehauen bzw. ausgerissen werden. Dabei nennt Jesus ausdrücklich die Hand, den Fuß und das Auge. In allen drei Fällen betont er, es sei besser, verstümmelt ins himmlische Leben zu kommen, als vollständig und komplett in die ewige Hölle zu gelangen.

Da zuckt man natürlich zusammen! Mancher mag gar denken, hier befinde sich Jesus auf einer Wellenlänge mit islamistischen oder anderen Hitzköpfen, für die ein Menschenleben wenig zählt.
Wenn wir also verstört reagieren und „unseren“ Jesus kaum wiederzuerkennen glauben, dann hat Jesus sein erstes Ziel erreicht, nämlich das Ziel, uns geistlich gesehen mal kräftig durchzuschütteln, damit wir auch wirklich hellwach sind und nicht als Christen vor uns hin träumen.

Natürlich wusste damals jeder, der Christus nachfolgte, dass man dies nicht einfach so Wort für Wort verstehen darf. Schließlich heißt es an vielen Stellen der Bibel, wie heilig der Körper ist, dass er ein Tempel Gottes ist. So wie er von Gott geschaffen ist, so ist der Mensch erst einmal gut, einschließlich seines Körpers.
Das von Jesus vorgeschlagene Abhacken von Körper-
teilen ist für die damaligen Hörer auch deshalb eine völlig befremdliche Aktion, weil im Judentum die Selbst-
verstümmelung strikt verboten ist. Der Körper ist Gottes Geschenk und als solcher zu behandeln.

Spätestens hier wird uns heute auch klar, dass es Jesus nicht um wirkliches körperliches Abhacken von Glied-
maßen geht. Damit wäre auch wenig gewonnen, weil man nach einer solch rabiaten Maßnahme nicht nur völlig hilflos dastehen würde, sondern wahrscheinlich an den Folgen dieses völlig unhygienischen Eingriffs sterben würde. Das müssen wir hier wirklich nicht im Detail ausmalen, was da alles passieren könnte.

Was bleibt, ist die Aufforderung Jesu zu einem wirklich radikalen Eingriff. So wie heute die Ärzte im Notfall amputieren müssen, um das Leben des Patienten überhaupt retten zu können, so fordert Jesus uns auch zu lebensrettenden Maßnahmen bei uns selbst auf.
Überprüfen wir jeder selbst, welche wertvollen Schätze des Glaubens wir schon in unsere Abstellkammer verbannt haben!
Was zu lästig ist, das wird allzu gerne zum Sperrmüll gemacht und landet bestenfalls beim Trödler oder Flohmarkt-Händler.

Der Appell Jesu an uns alle könnte also anders ausgedrückt so lauten: Als Christ musst du an manchen Stellen, bei manchen Gelegenheiten, wirklich radikal und konsequent sein. Entferne also das von dir, was dich ständig von Gott wegführt; du weißt selbst, was das ist. Dieser Vorgang mag sehr schmerzhaft sein, weil man danach auf Angenehmes oder Gewohntes verzichten muss, doch schon eine einfache Rechnung von Gewinn und Verlust macht es dir klar: Du wirst etwas verlieren, aber ganz viel gewinnen!
Alles das, was dir den Weg zum Himmel versperrt –
wirf es einfach weg, trenne dich davon – das ist eine Scheidung, die Gott erfreut!

Was das ist, kann sehr verschieden sein: Was bei dem einen beispielsweise Stolz und Wichtigtuerei ist, das kann bei dem anderen eines der anderen gefährlichen Suchtprobleme sein, von der Abhängigkeit von einigen dummen, menschenverachtenden Fernsehsendungen bis hin zur krankmachenden Arbeitssucht.
Entscheidend ist jeweils der Blickwinkel: Was ich hier denke, sage oder mache – hilft das mir und anderen zu Gott hin oder trennt es mich immer weiter von ihm? -

Es gibt da leider ganz viele Arten von Gefängnissen, in denen man lebenslänglich sitzt und seine Freiheit ewig und endgültig verspielt, wenn man sich nicht eines Besseren besinnt. - Was Jesus uns hier so drastisch schildet, ist also keine grausame Drohung, sondern eine ganz lieb gemeinte Warnung, die unser ewiges Glück will. So ist das doch hoffentlich bei allen Liebenden, dass sie immer nur das Beste für ihren Partner, für ihre Partnerin im Sinn haben und sie vor schlimmen Fehlern bewahren wollen.

Werfen wir jetzt noch einen Blick auf den ersten Teil des heutigen Evangeliums, der so gar nicht dazu zu passen scheint. Da ist in der Umgebung ein fremder Prediger und Heiler aufgetaucht. Er behauptet, im Namen Jesu zu heilen und Wunder zu tun, doch er ist den Jüngern und auch Jesus noch nicht begegnet, gehört also nicht zu denen, die mit Jesus gehen. Heute würde man vielleicht von ihm sagen: Der hat gar keinen Ausweis, der hat gar keine Lizenz!
Die Jünger Jesu sind in heller Aufregung und voller Empörung über so jemanden, und sie haben sogar vergeblich versucht, ihn daran zu hindern, ihn davon abzubringen. Wer weiß, was der noch alles vorhat! Aber nicht mit uns, denken die Jünger Jesu. Von so einem lassen wir uns nicht die Wurst vom Brot nehmen! Wir sind es schließlich, die alle Mühen der Nachfolge auf sich genommen haben, die alles aufgegeben haben für diesen Jesus!

Sie schicken den Apostel Johannes vor, den Lieblings-
jünger Jesu. Er soll für alle sprechen, er soll Jesus dazu bringen, sofort einzuschreiten und dem Störenfried mal zeigen, wo hier die Glocken hängen!
Wütend sind sie: Da könnte ja jeder kommen! Der hat sich uns doch sicher ganz bewusst nicht angeschlossen, weil er sein eigenes Süppchen kochen will! Wenn das Schule macht, dann sind wir unseren sicheren Job bald los…

Wir können uns sicher vorstellen, wie groß die Bestürzung der Jünger gewesen sein muss, als Jesus nicht das tut, was sie so sicher von ihm erwartet haben: Er eilt eben nicht wütend hinüber zu diesem seltsamen Dämonen-Austreiber. Jesus scheint das überhaupt nicht zu erschüttern. Ganz ruhig belehrt er seine Jünger:
„Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden. Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns. Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört - amen, ich sage euch: er wird nicht um seinen Lohn kommen.“

Die Jünger verstehen die Welt nicht mehr – da muss man doch etwas unternehmen, das ist doch so etwas wie Marken-Piraterie, was der Unbekannte da treibt! Wie kann er nur ausdrücklich im Namen Jesu handeln, ohne dessen Genehmigung?

Ja, so denken wir Menschen, so denken wir auch oft genug in der Kirche. Da hätte man sich auch heute sicher mancherorts insgeheim gewünscht, Jesus hätte in diesem Falle auch von einem Mühlstein gesprochen, um den Mann von der Bildfläche verschwinden zu lassen…

Diese Engstirnigkeit und dieses eifrige Abgrenzungs-
denken ist jedoch nicht Jesu Sache. Wer ganz ausdrücklich in seinem Namen handelt und dabei offenbar nur Gutes tut, der ist erst einmal ganz klar auf Jesu Seite. Dem will Jesus nicht das Handwerk legen, dem will Jesus nicht den Weg versperren, Menschen zu Gott zu führen.
So verständlich das ist, dass wir Menschen immer wissen wollen, wer denn nun zu uns gehört und wer nicht: Jesus, der in die Herzen sehen kann, weiß sehr wohl, dass es verschiedene Wege der Nachfolge gibt und nicht immer nur den klassischen Weg in der Gemeinschaft der Jünger oder der Pfarrgemeinde.

Jesu Verhalten ist irritierend und ermunternd zugleich:
Wer Christ ist, das bestimmen nicht wir. Wir haben da zwar unsere Schubladen, aber da lässt sich leider nicht alles so schön einordnen. Da ist aus unserer Sicht noch viel zu viel, wo wir vorsichtig erst einmal dranschreiben müssen: „Diverses“.
Gerade nach dem heutigen Evangelium wird es uns wieder ganz deutlich, dass wir uns hüten sollen, uns zum Richter über andere zu machen. Das ist nun wirklich nicht unser Job!
Jesus macht denen, die nun um ihren gerechten Lohn fürchten, aber sofort klar: Keine Angst, ich vergesse nichts von dem, was man für mich getan hat. Schon derjenige, der euch und damit mir nur einen Becher Wasser gegeben hat, der wird dafür reich belohnt!

Fassen wir zusammen: Es sind also nicht zwei Evangelien in einem, nicht eines vom ruhigen, fürsorglichen Jesus und eines vom wütenden, rabiaten Jesus. Wenn man beides zusammen betrachtet wie die zwei Seiten einer Münze, dann wird ein klareres Bild daraus: In beiden Abschnitten geht es einzig und allein darum, sich selbst und den Mitmenschen den Weg freizumachen, den Weg zum ewigen Glück.
Wer dabei als Außenseiter mithilft und sich auf Jesus beruft, der ist Jesus willkommen und uns hoffentlich auch. Kümmern sollten wir uns vielmehr um uns selbst und unsere Nächsten.. Wir sollen da nicht wirklich zur Axt greifen, um uns zu verstümmeln. Wir sollten aber, wie man mit einem sauberen Axthieb auf einen Schlag ein Stück Holz abtrennen kann, uns ganz klar und wie mit einem Schlag von all dem fernhalten, was uns von Gott wegführt.

Aus den Worten Jesu spricht ganz viel Lebensweisheit: Man kann eben nicht ein bisschen umkehren, man kann eben nicht ein bisschen verheiratet sein, man kann eben nicht ein bisschen schwanger sein. Ganz oder gar nicht. Darum geht es. Ganz oder gar nicht. Wir haben die Wahl!



Herzlichen Dank allen Lesern, die mir interessante Tipps übermitteln!

Predigt Diakon Josef Lengauer
>> BITTE KLICKEN !

Predigt Pfr. Wilhelm Weber: „Denkt positiv!“ (pdf)
>> BITTE KLICKEN !

Predigt Pater Felix Kraus:
>> BITTE KLICKEN !

Kirchenvater Origines entmannte sich selbst (?)
>> BITTE KLICKEN !

Predigt über Simeon, der auf einer Steinsäule ausharrte
>> BITTE KLICKEN !

Mein Lesetipp: „Perlen für Maria – die Kraft des Rosenkranzes“
>> BITTE KLICKEN !

Der „Mönch der Woche“
>> BITTE KLICKEN !

Prof. Dr. rer. pol., Lic. theol. Joachim Wiemeyer: „Das politische Engagement von Christen in Parteien…“ (pdf)
>> BITTE KLICKEN !

Prof. Dr. Bodo Volkmann: „Die Verantwortung der Christen in der heutigen gesellschaftlichen Lage“ (Word-Datei)
>> BITTE KLICKEN !



Wie man einen Affen fängt
Wollen afrikanische Ureinwohner einen Affen fangen, machen sie das einfach so: Hinter einem kleinen Astloch schnitzen sie in einem geeigneten Baumstamm seines Reviers eine kleine Höhle. Dort hinein legen sie etwas besonderes Leckeres, z.B. eine süße und saftige Frucht.

Natürlich beobachtet der Affe diese Aktion aus sicherer Distanz. Sobald die Menschen sich vom Tatort entfernt haben, eilt er zu diesem Baum, wo er sofort die kleine Köstlichkeit riechen kann. Seine Hand passt nur knapp durch das kleine Astloch. Gerade spürt er voller Freude die Frucht in seiner Hand, da nähern sich die Jäger erneut.

Mit aller Anstrengung versucht der Affe seine Hand mit der Frucht herauszuziehen, aber da sie mit der Beute deutlich größer ist, kann er sich abmühen, so viel er will: die Hand mit der Frucht ist und bleibt gefangen!

Klar, denken wir: Er müsste doch bloß auf seine Beute verzichten – dann könnte er seine Hand mit Leichtigkeit wieder herausziehen! Doch in seiner Gier kommt der kleine Kerl überhaupt nicht auf diese simple Idee. Was er einmal ergattert hat, das gibt er nicht wieder her! Könnte der Affe doch besser denken! Dann wäre ihm schnell klar: Besser mein Leben vor den Jägern retten als an der Frucht festhalten!

Aber wir sollten nicht allzu laut tönen: Wenn der Eindruck nicht sehr täuscht, sind auch wir Menschen dabei, uns zum Affen zu machen, wenn wir krampfhaft an so vielem festhalten wollen und dafür unsere Freiheit oder sogar unser Leben für immer auf’s Spiel setzen…


Zwei Mönche konnten es nicht lassen, während der langen Gebetszeiten zu rauchen. Sie hatten dabei aber ein schlechtes Gewissen. Um ihr Gewissen zu erleichtern, schrieben sie unabhängig voneinander an den Papst.
Nach sechs Wochen hatten sie ihre Antwortschreiben: dem ersten wurde das Rauchen verboten, dem zweiten wurde es erlaubt. Also verglichen sie ihre Briefe.
Der erste hatte gefragt: „Darf ich während des Gebetes rauchen?“ -
Der zweite hingegen wollte wissen: „Darf ich während des Rauchens beten?“




Zurück zur Hauptseite? >>> BITTE KLICKEN !

15.09.2009

25. Sonntag im Jahreskreis B - 20.09.2009

(Fortsetzung)


Im Evangelium heißt es dazu: „Sie kamen nach Kafárnaum. Als er dann im Haus war, fragte er sie: Worüber habt ihr unterwegs gesprochen? Sie schwiegen, denn sie hatten unterwegs miteinander darüber gesprochen, wer von ihnen der Größte sei.“
Darum also drehen sich ihre Gedanken und Gespräche! Nicht Mitleiden und Mitfühlen mit Jesus, sondern Gedanken um zukünftige Positionen und Pöstchen.

Der Fairness halber muss man hinzufügen, dass solche Gedankengänge um gute Positionen auf Erden wie auch im Himmel damals auch bei den Frommen an der Tages-
ordnung waren. Selbst von den strengen Essenern von Qumran ist bekannt, dass es eine feste Rangordnung der Mitglieder gab, von der man überzeugt war, dass sie sich ganz selbstverständlich im Himmel fortsetzen würde.

Gott sei Dank hat Jesus sie erwischt! Gott sei Dank für die Jünger selbst und Gott sei Dank für uns! - Jesus kann man eben nichts vormachen. Da hilft auch kein frommer Augenaufschlag. Jesus sieht direkt in das Herz des Menschen. Dass er die Jünger erwischt hat, war ihr Glück, denn so kamen sie wieder zurück auf den richtigen Kurs, zurück ins richtige Fahrwasser, zurück in die Spur, die Jesus vorgibt.

Und für uns heute ist es erst recht ein Glück, denn wir dürfen daraus für unseren Glauben, für unser Leben lernen. Auch bei uns in der Kirche und bei uns selbst ist nicht alles Gold, was glänzt. Wo „fromm“ draufsteht, da ist beileibe nicht immer „fromm“ drin.
Ein Pfarrer erzählte z.B., wie peinlich er davon berührt ist, dass oft genug bei Beerdigungen und bei der Fronleich-nams-Prozession geschwätzt wird, sogar bei den Trägern des „Himmels“, die als Bauern unüberhörbar über die Milchpreise sprachen. –
Die Jünger waren keineswegs immer Muster-Jünger, und wir heute sind keineswegs immer Muster-Christen. Da ist so manches alles andere als 1A-Qualität…

Wer aber nun erwartet hat, dass Jesus unverzüglich eine Strafpredigt gegen seine Jünger beginnt, der wird vom Evangelium enttäuscht. Immer wieder hat Jesus vorher schon betont, wie sehr Gott die Sünde verabscheut, den Sünder aber liebt und immer wieder zur Umkehr einlädt, wie etwa im Gleichnis vom verlorenen Sohn oder durch den Hausbesuch beim Zöllner Zachäus. Das Schweigen der Jünger auf seine Frage, worüber sie denn unterwegs gesprochen hätten, weiß Jesus recht zu deuten: Jetzt ist ihnen durchaus bewusst, dass sie ihren Meister mit ihren egoistischen Gedanken vor den Kopf gestoßen haben.
Da stehen sie nun wie ertappte Schuljungen, schauen sich verlegen um und schweigen. Ein vielsagendes Schweigen!

Jesus kritisiert nicht den Einzelnen in seiner Schwäche. Vielmehr nimmt er seine Zuhörer geistig an der Hand und bringt sie wieder auf den richtigen Weg. Indem er sich hinsetzt, unterstreicht er, dass er jetzt als ihr Lehrer zu ihnen spricht: „Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein. Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen: Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.“ -
Jesus versteht, dass Menschen in solchen Kategorien wie „Erster“ und „Letzter“ denken. Das ist nun mal diese Welt! Aber dieses Ellenbogen-Denken um Ehre und Pöstchen ist nicht das, was wirklich zählt. Die irdischen Spielregeln der Mächtigen sind eben nicht die Spielregeln Gottes.

Ganz anschaulich, ganz praktisch macht es Jesus wie ein geschickter Lehrer. Keine graue Theorie, sondern ein Anschauungs-Objekt spielt die Hauptrolle. Jesus stellt ein Kind in die Mitte der Jünger. Es ist ein namenloses Kind. Wir erfahren auch nicht, wie alt es ist, und ob es ein Junge oder ein Mädchen ist. Natürlich ist dies Absicht im Evangelium. Wir sollen uns nicht in Nebensächlichem verlieren, sondern das Kind als solches sehen, wie es jetzt dort steht.

Ein Kind – das bedeutete damals viel eher als heute:
Ich bin klein, schwach und machtlos. Ich habe nichts zu sagen, meine Meinung ist nicht ausschlaggebend. Oft genug muss ich mich einfach fügen, muss ich schweigen, muss ich hinnehmen, was mit mir geschieht. Ohne die Hilfe der Menschen, die mir nahe sind, kann ich im Grunde gar nicht leben.
Ich bin vom Gesetz her unmündig, und so entscheiden andere für mich, hoffentlich wirklich zu meinem Besten. So wie ein alter Mensch bin ich nicht so leistungsfähig, so unmittelbar „nützlich“ wie ihr. Ich bin einfach auf euch und euer Wohlwollen, auf eure Liebe angewiesen.

Kind sein – das bedeutet aber auch: Ich komme nicht mit einer vorgefertigten Meinung daher. Neugierig und lebensfroh lasse ich mich erst einmal auf all das ein, was das Leben so bringt. Ich nehme mich selbst nicht so wichtig, wie Erwachsene das tun. Ich weiß eben, dass ich vieles noch nicht kann und jeden Tag dazulernen werde. Wer mich beim Spielen beobachtet, der sieht, wie ich ganz im Spiel aufgehe. Alles um mich herum kann ich jetzt vergessen, so vertieft bin ich, so intensiv ist das Spiel jetzt meine Realität.
Zu meinem Leben gehören ständige Rückschläge. Unzählbar, wie oft ich schon hingefallen bin. Aber ebenso unzählbar ist, wie oft ich schon wieder aufgestanden bin. - Ich als Kind bin ein Meister im Aufstehen, im Weiter-
machen, im Neuanfang. Auch Böses durch andere Menschen trage ich nicht lange nach. Ich habe großes Vertrauen zu denen, die sich um mich kümmern. Lange die beleidigte Leberwurst zu spielen, das ist nicht mein Ding.
Tag für Tag gehört es zu meinem Leben, mir etwas sagen zu lassen, mir etwas vom Leben erklären zu lassen.
Ich weiß, dass ich ständig Fehler mache, aber die anderen wissen das eben auch. Wenn man aus Fehlern klug wird, dann habe ich wohl ganz gute Aussichten…!
Ich weiß aber auch, dass mir immer wieder geholfen wird, und ich habe auch kein Problem damit, immer wieder Hilfe gerne anzunehmen. Ich bin ganz spontan und lege mir nicht irgend-welche schiefen Argumentationen zurecht, um Recht zu behalten. Von mir bekommt jeder erst einmal einen riesengroßen Vorschuss an Vertrauen. Ich lebe immer gerade im Heute, und das ganz intensiv, und ich frage nicht ständig sorgenvoll nach dem nächsten Tag.

Solch ein Kind ist es, dass Jesus in die Mitte des Jüngerkreises stellt. Aber aufgepasst: Er stellt das Kind nicht einfach wie einen Gegenstand vor den Augen seiner Schüler ab. Was er mit dem Kind macht, ist ebenso beachtlich. Die Einheitsübersetzung sagt, dass Jesus das Kind in seine Arme nahm. Auf den ersten Blick ist das für uns kein ungewöhnlicher Vorgang. Die Tragweite dessen ist nicht unmittelbar erkennbar. Jesus nimmt ein kleines Kind, und das kleine Kind kommt offenbar gerne zu ihm, ohne Scheu und Bedenken.
Die Umarmung jedoch ist ein ganz intensives Signal. Solch ein Kind, solch ein unmündiges, hilfloses Kind, wird von Jesus ohne Worte in den Arm genommen. Es ist eine Verständigung der beiden ganz ohne Buchstaben, aber mit viel Herz.

Für Jesus ist diese Geste auch eine Anknüpfung an den Beginn seines eigenen irdischen Lebens. Außer Maria und Josef wollte ihn, das göttliche Kind, eigentlich erst einmal niemand haben. Ausgeschlossen war er – kein Zimmer mehr frei, alles schon besetzt!
Ganz klein und hilflos hat sich Gottes Sohn in die Arme dieser Menschen begeben, angewiesen auf ihre Liebe und Hilfe. So klein hat sich der große Gott gemacht!

Jesus hat auch im heutigen Evangelium keinerlei Berührungsängste. Was da in der Einheitsübersetzung mit „nahm es in die Arme“ relativ spröde klingt, haben andere enger am Urtext übersetzt; so heißt es etwa bei
Martin Luther, dass Jesus das Kind „herzte“.
Ein Kind „herzen“, es einfach lieb an sich drücken und ihm damit zeigen: Ich stehe dir bei, ich stehe dir zur Seite – das mag vielleicht manchem bei Jesus etwas ungewohnt erscheinen. Es drückt aber aus, wie intensiv die Liebe Jesu zu den Schwächeren und Hilfsbedürftigen im konkreten Einzelfall aussieht.

Und damit sind wir beim Schluss, beim eindringlichen Appell Jesu an all diejenigen, die seine Jünger sein wollen, damals wie heute: Vergesst eure irdischen Maßstäbe und Hackordnungen! Vergesst eure Orden und Ehrenzeichen! Vergesst eure Tabellenführung im Anwenden des trainierten Ellenbogens!
All das dürft ihr weit hinter euch lassen, all das muss euren Kopf nicht belasten, denn ihr seid nun dabei, einen radi-
kalen Kurswechsel einzuschlagen. Im Himmel lächelt man bestensfalls über solche Querelen. Da wird nicht gefragt, welche Titel und Orden man hatte. Im Himmel gelten andere Maßeinheiten, andere Spielregeln. Nicht der zählt was, der am lautesten „Ich!“ schreien kann. Dort interessiert man sich mehr dafür, wie man in den Augen Gottes dasteht.
„Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.“
Das Kind ist hier Symbol für Hilflose, für am Rande Stehende, für alle Leute, die man spontan eher als schwach und auch für unsere Kirche vor Ort als weniger attraktiv einstufen könnte. Das Kind ist Symbol für alle, die nach den Regeln der Menschen eher zu denen gehören, die man am liebsten abschiebt oder vergisst, weil sie keinen direkten Nutzen zu bringen scheinen.
Im Himmel gilt also eine andere Währung. Mit der unseren kann man da nichts anfangen. Nichts bekommt man für die Währung dieser Welt. Wie gut also, dass Jesus die Jünger erwischt hat!

Wie man es im Himmel macht, hat er ja gleich demonstriert: Diese Übung funktioniert so, dass man beide Arme ganz weit und einladend öffnet, und am besten das Herz und die Augen auch. Und was dann passiert – ach, was erzähle ich das! Am besten sehen Sie selbst…!




Herzlichen Dank allen Lesern, die mir interessante Tipps übermitteln!

Predigt Pfr. Mohr, Heidelberg
>> BITTE KLICKEN !

Predigt Pater Eigner, St. Michael, Stuttgart-Sillenbuch
>> BITTE KLICKEN !

Papst-Hirtenbrief zum Thema: „Ein Kind aufnehmen…“ (pdf) >> BITTE KLICKEN !

Kindergottesdiensthinweise „Erntedank“
>> BITTE KLICKEN !

„Wikipedia“ über Kinderarbeit heute
>> BITTE KLICKEN !

„EILIGE MESSE“ oder: „WER BIETET WENIGER?“
Meine Anmerkungen zu eiligen Gottesdiensten (in Reimform) >> BITTE KLICKEN !

Genaue Quelle zum Marienbild von Albin Egger-Lienz
>> BITTE KLICKEN !



Von Mutter Angelika, der amerikanischen Ordensfrau, die unter anderem den weltweit größten katholischen Fernsehsender EWTN aufgebaut hat, wird folgende Anekdote erzählt:
Ein Mann erzählte ihr von seiner Bekehrung zu Christus, meinte aber,
er könne nicht katholisch werden, weil es in der Kirche so viele Heuchler gebe, die nur fromm daherredeten.
Mutter Angelika zerstreute sein Bedenken mit nur einem Satz: „Tun Sie es ruhig, auf einen Heuchler mehr oder weniger in der Kirche kommt es auch nicht mehr an . . ." ---
Der zögernde Konvertit hat vielleicht nicht gelacht, die Zuhörer aber sicher! *)

*) Hier gelangen sie direkt zu EWTN in Deutsch:
>> BITTE KLICKEN !


Wie nennt man einen Lüneburger, der aus der Kirche ausgetreten ist? - Lüneburger Heide.

ZURÜCK ZUR HAUPTSEITE >> bitte klicken !



07.09.2009

24.Sonntag im Jahreskr. B - 13.09.2009

(Fortsetzung)

Statt eines Lobes gibt es von Jesus jedoch eine Belehrung, ja, sogar ein Verbot.
Im Evangelium heißt es: „Doch er verbot ihnen, mit jemand über ihn zu sprechen. Dann begann er, sie darüber zu belehren, der Menschensohn müsse vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er werde getötet, aber nach drei Tagen werde er auferstehen. Und er redete ganz offen darüber.“
Das Verbot Jesu hat seinen guten Grund. Wenn die Jünger jetzt Jesus lauthals als den Messias verkünden würden, könnte das zu einer Gefahr für seinen eigentlichen Auftrag werden. Das Volk sehnt sich nach einem Messias, wie Jesus es eben nicht sein will. Die Menschen wollen einen Befreier aus der Knechtschaft der römischen Besatzer, einen Anführer zur Auflehnung gegen die verhassten Eindringlinge. Gesucht und erhofft wird ein Messias und König, der allen mehr Freiheit und mehr Wohlstand bringt.

Solch ein Messias will Jesus nun wirklich nicht sein.
Da wäre er ganz gründlich missverstanden. Er ist der Retter für das Reich Gottes und nicht für ein Reich der Juden oder sonstwem. Daher schildert er in seinem Verbot an die Jünger auch seinen bevorstehenden Leidensweg. Sicher ist vielen Jüngern jetzt das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Ihre Sache hatte so hoffnungsvoll begonnen. Eine richtige Erfolgsgeschichte war das. Immer mehr Menschen wollen Jesus hören. So setzen auch die Jünger all ihre Hoffnungen auf ihn. Sie haben alles auf eine Karte gesetzt und folgen ihm, wohin er auch geht.

Wirklich, wohin er auch geht? Auch nach Jerusalem, auch ins Leiden? Wieder ist es Petrus, der für alle spricht. Er will es besonders geschickt anstellen. Er nimmt Jesus beiseite. Nicht im großen Jünger-
kreis, sondern von Mann zu Mann will er mit Jesus reden. In unserer Einheitsübersetzung steht: „und er machte ihm Vorwürfe.“ - Das ist wieder einmal sehr sanft ausgedrückt. Deutlicher ist folgende genauere Übersetzung: „er herrschte Jesus an.“ Hier wird sofort klar: das war keine höfliche Entgegnung von Petrus, sondern ganz heftige Kritik, ja fast schon so etwas wie Meuterei. Petrus will Jesus unbedingt von dieser Idee abbringen, nach Jerusalem zu ziehen, in das sichere Leiden, in den sicheren Tod.

Nun dreht sich Jesus um, allen Jüngern zu und beendet den Versuch des Petrus wie mit einem Paukenschlag: „Weg mir dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“ - Genauer heißt es eigentlich:
„Schweig, Satan! Geh hinter mich!“
Jesus stellt damit klar, dass Petrus an dieser Stelle auf den großen Durcheinanderwerfer, auf die Tricks des Teufels, hereingefallen ist. Jesus sagt Petrus aber auch sofort, was jetzt zu tun ist: Geh wieder hinter mich!
Das heißt: Reihe dich wieder ein, geh sofort an deinen zugewiesenen Platz, komm wieder zurück in meine Spur!

Jesus reagiert so knallhart, weil er den Versucher viel besser durchschaut als wir. Der Satan versteht es meisterhaft, die Sünde ganz appetitlich zu verpacken. Schon im Paradies präsentiert er sich als der schlaue Ratgeber, der angeblich nur das Beste für die Menschen will. Bis heute hat sich seine Masche bewährt, bei der er z.B. behauptet: Einmal ist doch keinmal! Ach, das merkt doch keiner! Alle anderen machen das doch auch!
Du kannst ja jederzeit damit aufhören! Lass dir das doch nicht durch die Lappen gehen!

So und so ähnlich können die Sprüche sein, die der Versucher uns einflüstert. Das ist fast wie beim Rauchen: Probiere doch einfach, wie dich das entspannt, wie gut dir das tut! - Am Ende jedoch bestimmt oft genug nicht der Mensch, wie es weitergeht, sondern die Sucht, von der er abhängig geworden ist.
Der Humorist Mark Twain schildert das auf seine Art,
wenn er feststellt: „Mit dem Rauchen aufzuhören ist die einfachste Sache der Welt. Ich habe das schon 100 mal geschafft…“

Den Schluss des heutigen Evangeliums bildet eine Belehrung Jesu, die an alle Zuhörer gerichtet ist, an die Jünger und an alle anderen: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.“

So etwas hört man natürlich nicht gerade gerne.
Sich selbst verleugnen - das klingt verdächtig nach Aufopferung, nach blindem Gehorsam, nach jeder Menge Unangenehmem, nach einem frommen Leistungs-
wettbewerb. So ist es jedoch nicht gemeint. Sich verleugnen – das steht hier im direkten Zusammenhang mit der Nachfolge. Wenn du mir nachfolgen willst, sagt Jesus, dann kannst du das unmöglich nach deiner eigenen Rezeptur, mit deinem eigenen Dickkopf.
Die Kreuze im Leben stehen nun mal nicht da zur beliebigen Auswahl. Jeder „nehme sein Kreuz auf sich“, sagt Jesus. Bei der Nachfolge Jesu geht es eben nicht zu wie bei einer Party mit großem Büffet, wo man sich nach Lust und Laune das Leckerste herauspicken kann. Nein, als Jünger Jesu gibt es keine Selbstbedienung. Auch das Leiden kannst du dir nicht aussuchen, und das ist sicher gut so.

Jeder hat eben sein Kreuz, sein spezielles Kreuz. Manche von uns haben sicher schon so ein Kreuz im Leben erfahren. Oft genug steht es ganz plötzlich vor einem, groß und angsteinflößend. Nie im Leben hätte man sich gerade dieses Kreuz ausgesucht. Und auf der Schulter tragen und lange mit sich herumschleppen mag man es schon gar nicht. Diese Last drückt, und sie drückt um so mehr, je länger man daran trägt. Jesus hat sich jedoch klar ausgedrückt: Wir sollen das Kreuz auf uns nehmen, wir sollen es hochwuchten und auf unsere Schulter packen. So trägt es sich noch am besten.
Das kann man natürlich nur ertragen, wenn man sich nicht bei jedem neuen Meter quälend fragt: Warum gerade ich? Warum muss das ausgerechnet mir passieren? Womit habe ich das bloß verdient? Ich habe mich doch um ein Leben im Glauben redlich bemüht…
Doch fast schon können wir hören, was Jesus vielleicht sagen würde: Es geht nicht um Leistungen, es geht nicht um gute Geschäfte mit Gott, und es geht schon gar nicht darum, es besser als Gott wissen zu wollen.
Sich selbst verleugnen – das heißt doch: nicht selber den Chef spielen wollen, nicht die eigenen Wünsche an die erste Stelle setzen. Dann wird das nämlich nichts mit der Nachfolge. Wer ständig Ausschau hält, wie man im Leben am angenehmsten davonkommt, der kann einfach nicht hinter Jesus hergehen. Nur wer seine Augen auf Jesus richtet, der kann beim mühsamen Gang durch das irdische Leben und dessen Dunkelheiten Jesu Spur nicht verlieren.

Spätestens hier merken wir, wie sehr es hier auch um jeden von uns persönlich geht. Jesus ist da wie ein sehr guter Arzt: Er sagt dem Kranken ganz klar, wie er sich in Zukunft verhalten soll, wie er mit seiner Lebensweise zur Gesundung beitragen kann. Es gibt ihn hier nicht, den bequemen Fahrstuhl, der dich auf bloßen Knopfdruck schnell und mühelos in den Himmel bringt.
Die Wahrheit ist: Wer Jesus nachfolgen will, der wird auch das Kreuz erfahren. In den Augen dieser Welt und in den Augen des Satans ist das Kreuz eine Torheit. Man sollte es so schnell und energisch wie möglich abwerfen, wenn es sich auf uns legt.
Leiden ist in dieser Welt, die auf den schönen Schein achtet, einfach nur ein Störfaktor. Am besten schiebt man es auf Seite, damit man es nicht sehen muss, vom Altersheim bis zum einsamen Sterben in irgendeinem abgetrennten Zimmer im Krankenhaus.

Jesusnachfolge sieht anders aus. Da werden nicht die Augen fest zugekniffen. Da wird die Wahrheit nicht verdrängt. Jesus ruft uns allen zu, wie er Petrus zugerufen hat: „Geh hinter mich!“ - Folge meiner Spur und nimm das Leid an. - Das heißt aber nicht, dass wir alles Leid einfach so geschehen lassen sollen. Da erinnert uns schon das Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ daran, wie Jesus das Leid zu mildern, wo dies möglich ist, und den leidenden Nächsten beizustehen.

Keine Sorge – Jesus überfordert niemanden!
Die Nachfolge, zu der er uns gerade am heutigen Sonntag so eindringlich aufruft, bedeutet nicht, sich als Christ rund um die Uhr und mit hängender Zunge von Leid zu Leid durcharbeiten zu müssen, bis wir selbst völlig erschöpft am Boden liegen.
Wenn wir nur aufmerksam genug sind, werden wir schon erkennen, wo Leid und Kreuz auf uns warten. Es kommt vor allem darauf an, in die Fußstapfen Jesu zu treten und ihm zu folgen. Alles Weitere fügt sich dann.
Johannes Tauler, ein Prediger und Mystiker des 13. Jahr-
hunderts, hat es so auf den Punkt gebracht: Der Christ soll „im Vertrauen auf Gottes Führung bereit sein, die Zügel aus der Hand zu geben, um sich ganz von Gott an der Hand nehmen zu lassen.“


Einige schöne Fotos: Banyas (Cäsarea Philippi)
>> BITTE KLICKEN !

Predigt Pfr. Karl Sendker: „Halbzeitpause“
>> BITTE KLICKEN !

Predigt P. Dominik Terstriep SJ: "Der gekreuzigte Gott"
>> BITTE KLICKEN !

Meine Predigt zum Lesejahr A
>> BITTE KLICKEN !

Bibellexikon: „Satan“
>> BITTE KLICKEN !

Predigt: „Gelassenheit lernen“ (u.a. Bezug zu
Johannes Tauler) >> BITTE KLICKEN !

Korrigierter Link zu meinen Linktipps zum 22.SoB:
„Netzwerk katholischer Priester“ (links anklicken)
>> BITTE KLICKEN !



Der neue Mensch
Seufzend sagt der Bischof zu einem Pfarrer, der leider zu viel trinkt: "Lieber Bruder, geh in dich, leg den alten Menschen ab und zieh den Neuen an, wie Paulus mahnt!" Einige Zeit später trifft er den armen Pfarrer wieder, aber der hat schon wieder eine beachtliche Fahne. Der Bischof runzelt die Stirne: "Hast du nicht getan, was ich dir gesagt habe?" Aber der Pfarrer erwidert: "Doch, doch, Herr Bischof, nur leider –
der neue Mensch trinkt auch!"


Zurück zur Hauptseite: >> bitte klicken !