27.10.2009

Allerheiligen - 01.11.2009

(Fortsetzung)

Wenn man sich die Lebensgeschichten von Heiligen anschaut, dann sieht man bei den meisten nicht nur eitel Sonnenschein. Manch einer von ihnen wurde wegen seines Einsatzes, wegen seines Eifers für Gott sogar in den eigenen Reihen misstrauisch beäugt und belächelt. Einige mussten großes Unrecht erdulden, das ihnen vom Bodenpersonal Gottes auf die Schultern gepackt wurde. Als ein Beispiel von vielen will ich da Mutter Rosa Flesch nennen, die Gründerin der Wald-
breitbacher Franziskanerinnen. Unter schwierigsten Bedingungen baute sie die Ordensgemeinschaft auf und musste dann erleben, wie sie durch Manipulation und hässliche Intrigen ins Abseits geschoben wurde. Doch sie tat weiter als einfache Schwester schweigend ihren Dienst bis an ihr Lebensende.

Heilige und Selige – das sind Menschen, bei denen zum Teil auch Fehler und Schwächen erkennbar sind. Oft haben sie selbst darunter am meisten gelitten. Heilige sind Menschen wie du und ich, die Vorurteile und Ängste hatten, denen manchmal Informationen fehlten und die Kinder ihrer Zeit waren. Das wird von der Kirche nicht ausgeblendet oder unterschlagen.

Manche von ihnen waren im Umgang auch recht unbequem und sperrig, besonders, wenn sie sahen, wie Menschen gegen Gottes Gebote lebten.
Auch die Versuchung kannten sie, und von vielen Heiligen weiß man, dass sie sogar häufig furchtbar unter dem Gefühl der Gottesferne litten. Nach dem Tod fand man zum Beispiel ein Tagebuch von Mutter Teresa in Indien und war bestürzt, wie oft sie dort niedergeschrieben hatte, sich von Gott ganz und gar verlassen zu fühlen.
Aber sie hat eben nicht alles hingeschmissen, sondern sie ist wieder und wieder durch solche dunklen Tunnel gegangen, bis sie das Licht sah.

Heilige – das müssen nicht immer Super-
männer und Superfrauen sein. Aber es
sind Menschen, denen die große Sehnsucht nach Gott nicht abhanden gekommen ist. Menschen, die mit ihrem Leben dafür einstehen, was sie glauben.
Heilige sind wie weithin sichtbare Wegweiser. Sie wissen, wo es lang geht. Den anderen zeigen sie die Richtung an. Nimm diesen Weg, geh daher, ich kann dir das nur empfehlen, denn das ist ein Weg, der zu Gott führt!

So sind die Heiligen, alle Heiligen, auf ihre Art für uns heute auch immer wieder Mutmacher. Wenn wir ihr Leben studieren, sehen wir, wie sie auf ihre Art und in ihrer Situation das angenommen haben, was als Aufgabe vor ihnen lag. Dabei sind sie in der Spur geblieben, wie mit Winterreifen, die sich mit genügend Profil ihren Weg durch den Schnee bahnen.

Wenn wir beim Friedhofsgang unserer lieben Verstorbenen gedenken, dann sind wir voller Trauer über alle, die uns schon verlassen haben. Doch der Besuch der Gräber und die Segnung zeigen auch: Wir wissen, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Wer an Christus glaubt, der stirbt nicht einfach, sondern er zieht um – man könnte sagen, er hat in der Heimat eine neue Adresse.
Er kommt nach Hause, dorthin, wo er schon mit Liebe erwartet wird. Unser Gedenken, unsere Fürbitte an den Gräbern möge unseren Verstorbenen helfen, dass sie gut in Gottes Händen ankommen.



Allerheiligen-Predigt Kardinal Lehmann
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Predigt Allerheiligen – Halloween (pdf)
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Predigt Pfr. Robert Krieger
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Allerheiligen – ein beständiger Strom der Erinnerung
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Predigt Erzabtei St. Ottilien OSB
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Predigt Prof. Dr.Dr. Klaus Müller
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Predigt Pfr. Dr. Robert Nandkisore (pdf)
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Exegetisch-theologischer Kommentar zu
Mt 5,1-12a (pdf/9 S.) >> BITTE KLICKEN !

Meine Predigtgedanken zu Allerseelen (Allerheiligen) 2008 >> BITTE KLICKEN !

Meine Predigtgedanken zu Mt 5,1-12a am 4. Sonntag A 2008 >> BITTE KLICKEN !

Liturgisches Institut der Schweiz über Allerheiligen
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Hinweise des Kath. Bibelwerkes für den Gottesdienst (pdf)
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JOHANNA, DIE MÄRCHEN-PÄPSTIN:
Meine Anmerkungen und Linktipps zum Kino-Film
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Überblick über das Selig- und Heiligsprechungsverfahren
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Heiligenlexikon: Heiligsprechung in der katholischen Kirche >> BITTE KLICKEN !

Beispiel Rosa Flesch: Manipulation u. Intrigen in den eigenen Reihen >> BITTE KLICKEN !

Winterreifen-Pflicht: Die Rechtslage
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Kein Streit mehr…
Nicht jeder hat ohne Hilfsmittel das Talent zur Heiligkeit. Der heilige Vincenz von Paul erzählte gerne, eines Tages sei eine einfache Frau zu ihm gekommen, die sich bitter beklagte, sie lebe in ständigem Streit mit ihrem Mann. Vincenz von Paul nickte und bat sie, am nächsten Tag wiederzukommen. Inzwischen werde er ihr Anliegen Gott vortragen.
Als die Frau gegangen war, suchte er im Fluss einen runden Stein, nicht zu groß, nicht zu klein. Den steckte er sich in die Tasche. Als die Frau am nächsten Tag kam, erklärte er ihr, er habe einen Stein, der besondere Kräfte besitze. „Wenn dein Mann mit dir zu streiten anfängt, nimm einfach den Stein in den Mund. Du darfst ihn erst wieder herausnehmen, wenn dein Mann sich beruhigt hat.“
Die Frau bedankte sich herzlich und ging. Nach einiger Zeit traf Vincenz von Paul die Frau wieder und erkundigte sich, wie es denn in der Ehe jetzt klappte. Die Frau strahlte: „Sehr gut, dein Stein ist wirklich ein besonderer Stein. Wir streiten überhaupt nicht mehr…“
Wenn Vincenz von Paul dies erzählte, fügte er gerne hinzu: „Sie konnte ja auch nicht reden mit dem Stein im Mund. Auch mir hat diese Methode geholfen, die Sanftmut zu erlernen.“


PHONETIK

Der Lehrer bittet die Kinder, einen Satz mit Norwegen zu bilden. Meldet sich Josef zu Wort: "Ich weiß einen Satz, Herr Lehrer. Gestern hat meine Mama zu meiner Tante gesagt: 'Du hast deinen Mann doch nor wegen des Geldes geheiratet.'"

BAUERNSCHLAUHEIT
Der am 16. Juni 2002 heilig gesprochene P.Pio war kein mißmutiger Heiliger. Er liebte Scherze und erzählte gerne folgenden Witz: Ein Bauer sitzt im selben Abteil zusammen mit einem Priester. Als der Zug besonders schnell fährt, macht der Bauer ein etwas furchtsames Gesicht. Das nützt der Pfarrer aus und sagt: "Ja, mein Lieber, ist schon recht, dass Sie sich fürchten, denn jetzt geht es vielleicht direkt in die Hölle".
Die Angst des Bauern aber verwandelt sich zum Erstaunen des Pfarrers in Freude, und er erwidert:
"Wie gut, dass ich eine Rückfahrkarte habe!"

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20.10.2009

30. Sonntag im Jahreskreis B - 25.10.2009

(Fortsetzung)

Bartimäus ist im wahrsten Sinne des Wortes am Boden. Er war nicht immer blind. Voller Verzweiflung denkt er an die Zeit zurück, als er sehen konnte, als er kein Ausgestoßener war. Mit der Erblindung hat er nicht nur sein Augenlicht verloren, sondern auch seine Freunde, seine Familie, seine Arbeit und vor allem seine Menschenwürde.
Die Rollen sind somit klar verteilt. Er muss den Ver-
achteten spielen, sein Leben lang. Andere bestimmen einfach so im Vorübergehen, was ihm zusteht oder nicht. So manches Mal wird er schon vor sich hin geseufzt haben: Ach, könnte ich doch bloß wieder sehen!

Auch heute hat er wieder solche Gedanken. Wieder einmal wälzt sich eine große Menschenmenge aus der Stadt heraus. Wieder einmal wird sich innerhalb einer Stunde entscheiden, ob er heute Abend genug zu Essen bekommt oder nicht.
Bartimäus ist seit seiner Erblindung viel hellhöriger ge-
worden. Er spürt, dass heute doch etwas anders ist.
Es sind noch mehr Menschen als gewöhnlich. Er hört, wie aufgeregt die Menschenmenge heute ist. Da liegt etwas in der Luft, da ist etwas im Gange!

Bartimäus spitzt die Ohren. Aus dem Stimmengewirr hört er heraus, dass dieser Rabbi Jesus in der Stadt war und jeden Moment mit seinen Jüngern hier vorbeikommen muss.
Bartimäus ist blind, aber nicht blöd. Natürlich interessiert er sich für alles, und natürlich hat er schon viel von diesem Rabbi gehört. Viele haben schon von seinen Wundertaten erzählt. Viele hoffen inständig, dass er in Jerusalem einmarschieren und König der Juden werden wird.
Bartimäus erkennt blitzschnell: Das ist für mich wie ein Sechser im Lotto! Solch eine Riesen-Chance bekomme ich nie wieder! Das darf ich jetzt auf keinen Fall vermasseln!

Nur noch wenige Meter ist dieser Jesus von ihm entfernt, um ihn herum eine große Menschentraube. Viele sind es, viel zu viele, die da mit ihm ziehen, vielleicht in der Hoffnung auf etwas Spektakuläres. Jesus ist regelrecht eingekesselt von der Menge. Nur langsam kommt er vorwärts. Nur noch wenige Meter, nur noch Sekunden! Bartimäus stockt fast der Atem. Niemand ist da, der sich für ihn interessiert. Niemand wird ihm helfen, zu Jesus zu kommen.

In Sekunden-
bruchteilen hat er es begriffen. Jetzt! Jetzt! Bartimäus ruft. Er schreit es hinaus, alle seine Not und Hilflosigkeit: „Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir!“
Er schreit sich die Seele aus dem Leib. Es ist ein Schrei der Verzweiflung. Es schreit aus ihm heraus - ja, der ganze Mann ist jetzt ein einziger Schrei. Fast schon ein Fall für den Lärmschutz!

Das ärgert die frommen Pilger natürlich ganz gewaltig. Das Subjekt da stört sie. Die Ohren tun ihnen weh. - Ein heftiger Störfall ist das! Womöglich wird dieser Rabbi Jesus ihn noch hören und mit ihm sprechen. Das fehlte gerade noch, denn das würde ihren Marsch nur verzögern, würde sie aus dem Tritt bringen.
So geht man nicht gerade zimperlich mit dem Schreihals um. Im Bibeltext heißt es: „Viele wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen.“ Wir können da heraushören, wie barsch man mit ihm umgesprungen ist. „Halt die Klappe, du störst!“ - So oder so ähnlich wird es geklungen haben. Von so einem lässt man sich doch nichts kaputtmachen!

Bartimäus ist geschockt. Aber er lässt sich jetzt den Mund nicht verbieten. Jetzt nicht, egal, was sie nachher mit ihm machen! Für Gefühle wie Scham, Angst oder Stolz ist jetzt kein Platz. Bartimäus brüllt es aus sich heraus: „Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“ - Es ist, als würde die Welt um ihn herum den Atem anhalten. Die ganze Karawane bleibt tatsächlich stehen. Und tatsächlich hat dieser Jesus ihn gehört. Bartimäus ist jetzt fast schon erschrocken über seinen Mut. In seiner Magengegend rumort es, als hätte er im Zug unberechtigt die Notbremse gezogen. Was wird jetzt wohl geschehen? Wird Jesus zu ihm kommen? Da hört Bartimäus schon, wie Jesus die umstehenden Pilger anweist: „Ruft ihn her!“

Das ist kurz und präzise. „Ruft ihn her!“ - Jesus hat sofort die Mitmenschen des Blinden mit einbezogen in das Geschehen. Sie sollen ihren Teil beitragen.
Was füreine Überraschung: die Leute sind wie ausge-
wechselt! Es ist, als wären sie von Jesus aus dem Schlaf wachgerüttelt: Schaut mal, da ist einer, der um alles in der Welt zu Jesus will! Schaut mal, da ist einer, der riskiert was!

Tatsächlich: Jetzt erst nehmen einige den Blinden so richtig wahr. Einige gehen sofort auf Bartimäus zu und ermuntern ihn sogar ausdrücklich: „Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich.“ - Das sind wirklich ganz neue Töne! Bartimäus ist wie elektrisiert.
Jetzt geschieht es: Er wirft seinen Mantel weg, springt auf und rennt auf Jesus zu! Was für ein Wagnis! Bartimäus lässt seinen Mantel einfach liegen. Der ist jetzt nur unnützer Ballast, nur hinderlich! Dabei ist der Mantel für ihn vermutlich der einzige Besitz und seine Lebens-
versicherung: tagsüber braucht er ihn zum Betteln, und nachts braucht er ihn gegen die Kälte. Ein solcher Mantel ist das Existenzminimum. Er durfte deshalb damals keinem Armen weggepfändet werden.

Bartimäus ist das jetzt egal. Weg damit! Ohne Rück-
versicherung, ohne Wenn und Aber rennt er auf Jesus zu. Rennen? Ein Blinder? - Auch dies zeigt: Bartimäus ist voller Vertrauen und ist sich seiner Sache sicher.
Er verlässt sich wirklich blindlings auf diesen Mann. Dieser Jesus wird mir helfen! Hätte er mich sonst gerufen? –
Alle Hindernisse seiner Behinderung sind plötzlich keine Hindernisse mehr für ihn. Es gibt nur eins: So schnell wie möglich zu diesem Jesus! Und tatsächlich: er kommt unbeschadet bei Jesus an.

Doch dann folgt die nächste Überraschung. Jesus fragt ihn doch tatsächlich: „Was soll ich dir tun?“ – Was für eine Frage, das sieht man doch wirklich! Es muss also einen tieferen Grund haben, dass Jesus den Blinden mit einer Frage zu einer Aussage bewegen will. Heutige Psycho-
logen sagen das auch: Friss deinen Kummer nicht in dich hinein – du musst aussprechen, was dich bedrückt. Du musst aussprechen, was du wirklich willst!

Bartimäus weiß, was er wirklich will. Jesus will, das er diese Sehnsucht auch ausspricht. Jesus will, das man zu ihm kommt und sein Herz ausschüttet. Bartimäus hat eine Sehnsucht. Eine große Sehnsucht. Er will es nicht eine Nummer kleiner. Es geht um’s Ganze, und das spricht er auch aus: „Rabbuni, ich möchte wieder sehen können.“
Wir können uns gut vorstellen, wie ihm jetzt zumute ist. Mit all seinem Elend ist er zu Jesus geeilt. Nun wartet er ganz angespannt auf dessen Reaktion. Was wird nun wohl mit ihm geschehen?

Vielleicht sind wir ebenso verblüfft wie Bartimäus. Nicht Spektakuläres passiert. Keine Lehmpaste auf die Augen, noch nicht einmal eine Berührung. Jesus spricht einfach nur einen Satz, einen kurzen Satz, der es in sich hat:
„Geh! Dein Glaube hat dir geholfen.“
Das Evangelium fügt nur kurz hinzu: „Im gleichen Augen-
blick konnte er wieder sehen, und er folgte Jesus auf seinem Weg.“


Dein Glaube hat dir geholfen! – Diese Aussage ist bemerkenswert: Das Evangelium zeigt, dass dieser Blinde vielleicht gar nicht so blind war, wie wir denken. Klar, er war äußerlich blind, seine Augen konnten das Licht nicht sehen. Aber innerlich, da war er alles andere als blind.
Er hat mehr Durchblick als so mancher, der meint, ein Sehender zu sein. Dem Bartimäus sind die Augen schon aufgegangen, als er aus Leibeskräften nach Jesus rief.
Ihm ist es wie Schuppen von den Augen gefallen: Der ist es, das ist Jesus, der Sohn Davids, der angekündigte Messias! Mit allen meinen Schwächen will ich mich aufmachen zu ihm und will ihm meine Not bekennen.
Er wird mich aufrichten, er wird mir ein neues Leben schenken, ein Leben ohne Bettlermantel.

Bartimäus glaubt. Bartimäus vertraut Jesus voll und ganz. Für ihn würde er seine Hand ins Feuer legen. Interessant ist, dass er eigentlich nicht nur sagt, er wolle wieder sehen können. Im Orginal steht da noch eine Vorsilbe. Sie be-
deutet so viel wie: hinauf, empor, hindurch. Bartimäus will nicht nur wieder sehen können. Er will wieder auf-
blicken können, er will nach oben sehen können. Es geht ihm um mehr als das Erkennen können von Menschen, Tieren, Pflanzen usw. - Bartimäus will tiefer sehen können, will erkennen können, will nicht nur oberflächlich mal gucken.

Jesus ist vom Glauben und Vertrauen dieses Mannes tief beeindruckt. Der hat sich wirklich kein Hintertürchen offen gelassen. Mit diesem geradezu kindlichen Glauben hat sich Bartimäus selbst dafür bereit gemacht, mit Jesu Hilfe wirklich sehen zu können. Da können sich auch die Jünger eine Scheibe von abschneiden, die sich so gerne Gedanken darüber machen, wer im Himmel neben Jesus sitzen darf.

Der Schluss macht es ganz deutlich: Bartimäus sieht jetzt wirklich. Er sieht, wer Jesus ist. Und er folgt ihm nach. Genauer heißt es: „…und er folgte Jesus auf seinem Weg.“
Das steht da natürlich nicht grundlos. Wenn er Jesus auf dessen Weg folgte, dann heißt das, dass er tatsächlich mitging nach Jerusalem. Es heißt, dass er mitging bis zu den bittersten Stunden Jesu. Bartimäus konnte wirklich sehen. Man möchte fast hinzufügen: …und wie!

Bartimäus wird uns heute als Vorbild im Glauben vorgestellt. Er hat seine alten Sicherheiten verlassen und hat sich ohne Zögern auf den Weg gemacht, hin zu Jesus. Dabei hatte er es so eilig, dass er etwas für damalige Männer Entwürdigendes und für Blinde Gefährliches machte: er lief, er rannte!
Das Evangelium hält uns allen hier einen Spiegel vor: Schau du dich jetzt mal selbst an – wie ist es mit dir? Vertraust du Jesus auch so? Was antwortest du, wenn Jesus dich fragt: „Was soll ich dir tun?“ - Wirst du dann eher antworten: „Ach nee, lass mal gut sein. Ich weiß ja, wieviel du zu tun hast. Ich finde mich damit ab, dass du dich da nicht auch noch um mich kümmern kannst…“ –

Das ist keine Höflichkeit, sagt das Evangelium. Nein, das ist eigentlich Unglaube. Wer nicht zu Jesus kommt, wer ihm sein Herz nicht ausschüttet, der glaubt insgeheim gar nicht, dass Jesus ihm helfen kann und helfen wird.
Solche Leute sind wirklich blind, sagt das Evangelium. Solche Leute sind so schrecklich blind, dass man das kaum beschreiben kann. Sie gehen blind durch’s Leben, sie sind wirkliche Blindgänger.

Lassen wir uns also wachrütteln, lassen wir uns vom Evangelium die Augen öffnen: Klammere dich nicht an deine gewohnte Ordnung und vermeintliche Sicherheit! Hülle dich nicht in deinen dicken Blinden-Mantel!
Der Pfarrer von Ars formulierte es einmal so: „Gott liebt es, belästigt zu werden!“ – Das heutige Evangelium bestätigt dies. Belästigen wir Gott, wenden wir uns voll Vertrauen an ihn.
Dazu müssen wir freilich wie Bartimäus sein: genau hinhören! Dann werden auch wir mitkriegen, dass Jesus ganz in unserer Nähe ist. Werden wir ihn rufen, werden wir aufstehen? Oder riskieren wir, blind oder ganz kurzsichtig zu bleiben?

Predigt Dr. Thomas Philipp (pdf)
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Predigt Bischof Dr. Stephan Ackermann
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Religionspäd. Impulse zu Mk 10,46-52 (pdf)
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Den Mantel abwerfen – eine Befreiungsgeschichte
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Meditativer Text von Hermann Josef Coenen: „Ich bin nicht blind, aber kurzsichtig bin ich! Ich sehe nur, was direkt vor mir liegt…“ (auf der angeklickten Seite nach unten scrollen!) >> BITTE KLICKEN !

Sonntag der Weltmission 25.10.09: Nigeria
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Predigt Kardinal Meisner zum Sonntag der Weltmission (pdf) >> BITTE KLICKEN !

Predigt über den Einsturz der berühmten Mauern von Jericho >> BITTE KLICKEN !

Bibelwissenschaftliches über Jericho
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Nach der Wiedervereinigung Deutschlands. Das Ehepaar aus Sachsen steht vor der Kasse bei ALDI in einer Schlange. Er zu ihr: "Vierzch Johre hobn mer inne Schlonge gestonden; nu gehöre mer zum guldnen Westen un müssen wiedr inne Schlange stehn."
Da dreht sich der Türke weiter vorne in der Schlange um und sagt: "Wir Euch nix haben gerufen!"

Im Krankenhaus: ,,Herr Doktor, Herr Doktor! Der Simulant von Zimmer 802 ist eben verstorben !! –
Der Arzt ist sauer: "Na, jetzt übertreibt er es aber...!"


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13.10.2009

29. Sonntag im Jahreskreis B - 18.10.2009

(Fortsetzung)


Dennoch:
Im Kreis der Apostel sind
die beiden energischen Brüder offenbar sehr geschätzt und in führender Position.
Unmittelbar unter dem Kreuz Jesu finden wir von den Aposteln nur Johannes, den Lieblingsjünger Jesu, dem er dort sogar ausdrücklich die Sorge für seine Mutter anvertraut. Die beiden, Jakobus und Johannes, sind also nicht einfach nur typisch egoistische Vordrängler, als sie sich bei Jesus um die besten Sitzplätze bewerben.
Sie sind auf ihre Art auch Vordrängler im Glauben, also Menschen, die - sicher auch dank ihres Temperamentes - nicht zögerlich sind, sondern wie Petrus sehr schnell alles auf eine Karte setzen.

Beide müssen unter dem Eindruck ihrer Erlebnisse mit Jesus erst mühsam lernen, ihren Elan auch schon mal etwas zu zügeln. Dass dies dem Johannes besser gelingt als seinem älteren Bruder, beweist er nicht zuletzt im Johannes-Evangelium, in dem seine absolute, vertrauensvolle und liebende Hingabe an Gott überall spürbar ist. So wird er auch wegen der häufigen Erwähnung der Liebe als „Apostel der Liebe“ bezeichnet.

Jakobus erleidet als erster aus den Reihen der Apostel das Schicksal eines Märtyrers; durch seinen Glaubenseifer hat er den Zorn des Herodes erregt und wird enthauptet. Sein Bruder Johannes dagegen stirbt in hohem Alter in der Verbannung auf der Insel Patmos.

Nun können wir die Situation und die Antwort Jesu etwas besser einordnen. Als sie ihren Wunsch ausgesprochen haben, erklärt Jesus den beiden prompt: „Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?“
Jesus wird bald schon den bitteren Weg des Leides gehen, doch die beiden Bittsteller sind der Meinung, dass sie dies in der Nachfolge Jesu auch auf sich nehmen können. Wie wir wissen, werden sie tatsächlich Gelegen-
heit bekommen, für ihren Glauben zu leiden, durch den Märtyrertod bzw. durch die Verbannung.

Im heutigen Evangelium folgt nun so etwas wie der zweite Akt.
Jetzt werden die übrigen zehn Apostel doch so langsam sauer. Sicher haben sie erst einmal die Reaktion Jesu auf das Vorpreschen der beiden Brüder abgewartet und wohl eher eine heftige Abfuhr für die beiden erwartet. Jesus, der unsere Herzen nur zu gut kennt, verurteilt die beiden jedoch nicht lauthals. Wir denken eben allzu oft in diesen Kategorien der Macht, in den Kategorien von oben und unten, von erstklassig und zweitklassig. Wir heute kennen das z.B. auch von Eisen-
bahn, Flugzeug und Schiff, wo es ganz selbstverständlich die 1. und die 2. Klasse gibt, die sich im Komfort, aber auch im Preis ganz deutlich unterscheiden.

Aus den Reaktionen der anderen Jünger klingen Eifersucht und Enttäuschung, vielleicht nicht nur über die Unver-
frorenheit der Bittsteller, sondern auch über sich selbst. Diese beiden haben frühzeitig reagiert, warum nicht
auch wir?
Diese beiden haben aber auch absolutes Vertrauen in die kommende Herrschaft Jesu, denn sonst macht ihre Bitte um die Platzreservierung ja keinen Sinn. Haben wir dieses Vertrauen auch?

Jesus erklärt sich für diesen Buchungswunsch zwar für nicht zuständig, aber er lässt die anderen Jünger auch nicht mit ihrem Ärger allein. Jesus nutzt die entstandende Gelegenheit, um wieder einmal ganz grundsätzlich zu werden. Als Überschrift über seine Jüngerbelehrung könnte sein Hinweis stehen: „Bei euch aber soll es nicht so sein…“ – Bei denen, die Christus nachfolgen, soll es eben nicht so sein, dass geherrscht wird, indem die eigene Macht missbraucht wird.
Jesus vertieft das so: „…sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.“ Jesus hat das auch immer wieder ganz praktisch demonstriert; denken wir nur an die Fußwaschung, die er selbst gebeugt wie ein Diener an seinen Jüngern vornimmt.
Jesus fügt für seine Jünger heute auch gleich eine Begründung an, wenn er darauf hinweist, dass auch er selbst nicht gekommen ist, „um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“

Jesus hat es uns vorgemacht. In seinem Reich gibt es kein Konkurrenz denken, keinen Beziehungs-Klüngel und kein Gemauschel hinter dem Rücken der anderen. Das ist einfach absurd, denn im Himmel ist es eben einfach himmlisch, da ist nur Liebe und Glück und der millionen-
stimmige Chor, der Gott aus vollem Herzen und mit aller Liebe lobpreist.

Seiner Kirche hat Jesus jedenfalls am heutigen Sonntag etwas mit ganz großen Buchstaben ins Stammbuch geschrieben: „Bei euch aber soll es nicht so sein…!“
Die Kirche darf eben nicht so sein und nicht so handeln wie die Welt drumherum, in der die Ellenbogen offenbar der wichtigste Teil des Körpers sind. Eine Kirche, die Christus nachfolgen will, hat sich ganz klar und unüber-
sehbar abzuheben von allem Klüngel, von Vetternwirtschaft und von protzigem Machtgetue.

Wie wir nicht nur aus der Kirchengeschichte wissen, ist die Kirche hier immer wieder schuldig geworden. Statt eine Kontrastgesellschaft zu sein, wurde leider häufig, viel zu häufig, das Statusdenken und Machtgeplänkel der Welt in die Kirche hineingetragen.
„Bei euch aber soll es nicht so sein…“ -
Diese Aufforderung Jesu darf auch die heutige Kirche nie vergessen! Bischof Jaques Gaillot hat das einmal so auf den Punkt gebracht: „Eine Kirche, die nicht dient, die dient zu nichts!“

Doch Vorsicht! Kirche – das sind nicht nur die in Rom und die an der Spitze des Bistums, die so schön weit weg sind. Kirche, das sind auch wir hier an diesem Ort und überall. Es geht nicht nur um ein mehr oder weniger zartes Fragezeichen hinter die Titel und schöne Kleidung der Eminenzen, Exzellenzen, Prälaten und Monsignori. -
Es geht ganz grundsätzlich darum, wie man in der Kirche miteinander umgeht und wie man mit denen umgeht, die in ihrem Leben auf der Suche sind.
Ist die Kirche, und sind wir in unserer Gemeinde, eher ein Straßenbauer, der sich mächtig ins Zeug legt, um anderen zu dienen und den Weg zu ebnen, oder eher ein Club derer, die wie der Rest der Welt in den Kategorien der Macht, der Selbstdarstellung und der Hackordnung denken?

Der Appell Jesu war damals unangenehm, und er ist es heute. So manchem sogenannten Würdenträger dürfte es da gelegentlich schon eine gute Portion Schweiß auf die Stirn treiben. Manche mögen jetzt insgeheim denken:
Na, das wollen wir aber auch stark hoffen!
Und was ist mit uns selbst, mit dir und mit mir?


Predigt von Pfarrerin Christine Müller
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Predigt Pfarrer Helmut Liebs (pdf)
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„DER DURCHBLICK“ – erscheint vierteljährlich kostenlos per Post: Mutige Laien-Initiative zu aktuellen Themen aus katholischer Sicht >> BITTE KLICKEN !

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Was rechtlich bei einer Pfarrei-Homepage zu beachten ist
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Mediziner-Kritik an Schweinegrippe-Impfung (ZDF-Video-Interview) >> BITTE KLICKEN !

…und „Basler Zeitung“ >> BITTE KLICKEN !

…und Bundeswehr : (Christl. Pressespiegel „Ekklesia-Nachrichten“) >> BITTE KLICKEN !


Der neue Bischof besichtigt eine Psychiatrische Klinik mit einer geschlossenen Abteilung. Neugierig fragt er den Direktor, nach welchen Kriterien entschieden wird, ob jemand in diese Abteilung eingewiesen wird oder nicht. Der Direktor sagt: "Nun, wir füllen eine Badewanne, geben dem Kandidaten einen Teelöffel, eine Tasse und einen Eimer und bitten ihn, die Badewanne auszuleeren." -
Der Bischof: "Ah, ich verstehe, und ein normaler Mensch würde den Eimer nehmen, damit es schneller geht, ja?" –
Der Direktor: "Nein, ein normaler Mensch würde den Stöpsel ziehen. Darf ich Ihnen einmal ein Luxus-Zimmer für besondere Gäste zeigen…?“

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05.10.2009

28. Sonntag im Jahreskreis B - 11.10.2009

(Fortsetzung)

Geh hin und verkaufe, was du besitzt. Verteile dein Geld unter den Armen, von denen es so viele gibt. Geh in deinem Leben wirklich auf’s Ganze, und nicht nur dem ersten Eindruck nach!

Haben Sie es auch bemerkt? - Der Mann selbst hatte Jesus gar nichts davon verraten, dass er so reich ist. Mit keinem Wort hat er sein großes Vermögen erwähnt. Jesus aber hat sofort einen Blick in die Seele dieses Mannes getan. Der wird sich ganz schön erschreckt haben, als Jesus so plötzlich diese verschwiegene Information selbst liefert, dass der Mann so stinkreich ist, wie man im Volksmund so sagt.

Ehe der Mann, dessen Name uns nicht verraten wird, also nichts zur Sache tut, es selbst so richtig mitgekriegt hat, wird Jesus zum Vermögensberater für ihn: Gib doch deine irdischen Schätze auf! Durch das großzügige Verteilen wirst du zu einem bleibenden Schatz im Himmel kommen. Für den frommen reichen Mann ist das ein richtiger Schock. Er verstand bisher seinen Reichtum wie viele andere Juden auch als so etwas wie ein Anerkennungs-Geschenk Gottes, als Zeichen des göttlichen Wohlwollens für seine Lebensführung nach den Geboten Gottes.

Der Mann ist jetzt wirklich ratlos und sprachlos. Kein Wort sagt er mehr. Jesus rät ihm allen Ernstes, das aufzugeben, woran er doch so hängt, worauf er doch so stolz ist, sein vieles Geld, das er sich so redlich und fleißig in langen Jahren erworben hat.
Im Evangelium heißt es weiter: „Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen.“ Der Mann war betrübt,
heißt es. Wenn wir genauer hinschauen, wenn wir den griechischen Urtext hinzuziehen, dann heißt es eigentlich noch mehr: „Er erschauderte wie beim Anblick des Styx.“ – Der Styx war in der Vorstellungswelt der Griechen der Fluss, der ins Reich der Unterwelt führt. Der Mann ist also nicht nur betrübt, sondern er ist zutiefst erschüttert, er ist zu Tode erschreckt wie jemand, der etwas so Grauenhaftes zu Gesicht bekommt, dass er noch nicht einmal schreien kann.

Das hat er nicht erwartet: Jesus empfiehlt ihm, das Liebste aufzugeben, was er hat, und das ist sein Geld. Sein Herz hängt daran und auch sein ganzer Stolz. Schreien könnte er, wenn er nur könnte! Man kann also zu Recht sagen, dass Jesus da in ein Wespennest gestochen hat.
Er hat den wunden Punkt des Mannes erwischt.
Der verschwiegene Reichtum ist für den Mann zu einem Nebengott geworden, ohne dass er sich das selbst eingestehen kann. Das Geld ist die Falle, in der er sitzt und aus der er nicht mehr herauskommt.
Natürlich ist er fromm, natürlich hat er in Religion die Note „sehr gut“ im Urteil der Mitmenschen, aber im tiefsten Herzen ist er trotzdem ein Heide, einer, der den wahren Gott nicht an die nur ihm zustehende erste Stelle setzt.

Jesus sagt auch nicht, dass er so und so viel abgeben soll. Darum geht es gar nicht. Bei Gott gibt es dafür wohl kaum spezielle Tabellen, ab welcher Summe von Ersparnissen wir im Himmel als gefährdet eingestuft werden. Diese Gefährdung kann sehr verschieden sein. Die Hindernisse, die uns den Weg zu Gott erschweren, sind nicht nur finanzieller Natur. Das Wesentliche ist, dass Gott dabei ganz unauffällig mindestens an die zweite Stelle verschoben wird.
Es kann also sein, dass Ihnen selbst da etwas ganz anderes einfällt, wenn Sie Ihre eigene Prioritäten-Lage etwas analysieren wollen.
Das Geld, der schnöde Mammon, ist jedenfalls so ein Götze, der in den meisten Fällen die volle Aufmerksamkeit des Menschen verlangt. Jesus hat das immer wieder erfahren, und darum erklärt er das auch so deutlich seinen Jüngern: „Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen!“

Von den Jüngern heißt es, dass sie über seine Worte bestürzt waren. Sicher waren sie noch tief be-
eindruckt von der Szene, die sie gerade miterlebt hatten: Da war ein Mensch, der sich wirklich für seinen Glauben abmühte, aber den letzten, den entscheidenden Schritt, den wagte er nicht. Und traurig war der Mann nicht über Jesus, sondern über sich selbst.
Jesus hat ihm nur den Spiegel vorgehalten, und was der Mann da sah, das hat ihm nicht gefallen. Ihm ging es plötzlich wie jemand, der am nebligen Meeresufer steht und nichts sieht als Wasser und Nebel. Im Moment hat er den Halt verloren, die Orientierung seines Lebens.
Er muss das erst einmal in Ruhe verdauen, denn das, was Jesus ihm da auf den Kopf zu gesagt hat, das war wirklich schwere Kost.

Jesus wendet sich noch einmal an die Jünger, weil er natürlich bemerkt, wie aufgewühlt sie innerlich sind. Es heißt im Evangelium: „Jesus aber sagte noch einmal zu ihnen: Meine Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen! Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als daß ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“
Dieses Bild ist so einprägsam, so anschaulich, dass diese Bibelstelle zu den bekanntesten überhaupt gehört. Ein Kamel passt nicht durch ein Nadelöhr – das ist jedem klar, selbst dann, wenn man keine Nähnadel vor sich sieht, sondern ein ganz niedriges, schmales Tor. Selbst heute verwenden wir z.B. bei den Verkehrsnachrichten den Begriff „Nadelöhr“ für einen Engpass, durch den sich alle Autofahrer nur mit Verzögerung und großer Geduld hindurchmanövrieren können.

Einen bewusst geschaffenen Engpass, ein Nadelöhr,
gab es früher in vielen Stadtmauern, auch in Jerusalem. Da Überfälle im Schutze der Dunkelheit wegen des Überraschungs-Effektes die größten Chancen hatten, versuchten Räuberbanden nachts gerne mal einen Angriff auf eine befestigte Stadt. Doch das hatte sich natürlich herumgesprochen, und so wurden die schweren Stadttore abends fest verriegelt und verrammelt. Da kam niemand mehr herein. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.
Wenn nun ein reisender Händler mit seinen Kamelen und mit viel Gepäck, also mit vielen Waren, dummerweise erst nach Tores-Schluss vor der Stadt eintraf, dann bekam er vielleicht Torschluss-Panik: Er musste sich nun entscheiden zwischen der Sicherheit für sein eigenes Leben oder dem Reichtum draußen vor dem Tore. Auch mit Bestechungsversuchen war da nichts drin: die großen Tore blieben geschlossen, weil den Wächtern ihr eigenes Leben auch lieb war. Aber da gab es ein ganz schmales, niedriges Tor, das natürlich sehr gut bewacht war. Wenn man keine Rüstung trug und kein Gepäck auf dem Buckel, konnte man sich bücken, sich ganz klein machen und so doch noch ins rettende Innere der Stadt gelangen. Heute kann man so etwas übrigens auch noch bei der Geburtskirche Jesu in Bethlehem bestaunen. Dort gibt es als Eingang die sogenannte
„Tür der Demut“, die gerade mal 1,20 m hoch ist. Nur wer sich wirklich und tatsächlich ganz klein macht, der kommt da hinein! Die Aussage Jesu ist also ganz klar: Durch solch ein enges Tor passt nie und nimmer ein bepacktes Kamel. So unmöglich wie das ist, so unmöglich ist es, mit schwerem Gepäck in den Himmel einzureisen. Da ist ganz offensichtlich nur Handgepäck erlaubt!

Jesus will den reichen Mann im Evangelium also wachrütteln: Mit deinen Millionen wirst du dir im Himmel gar nichts kaufen können. Der gehört nicht zur irdischen Währungsunion. Da gelten ganz andere Zahlungsmittel, falls dieser Vergleich ausnahmsweise erlaubt ist. Nimm den ganzen Kram also nicht so wichtig! Wenn du dein Geld schon arbeiten lassen willst, dann lass es für die Armen arbeiten. Du wirst staunen, was das für eine sensationelle Rendite abwirft!
Der reiche Mann bringt es jedoch nicht über’s Herz, sich von seinen Millionen zu verabschieden. Jesus liebt ihn trotzdem. Er macht ihm auch keinerlei Vorwürfe. Die macht sich der arme Reiche schon selbst!

Die Empfehlung Jesu gilt auch uns: Wirf doch deinen Ballast ab, so wie bei einem Heißluftballon, der Höhe gewinnen will, der aufsteigen soll! Dein falscher Gott ist ein Hochstapler, ein Schwindler! Lass ihn los! Jesus sagt gar nicht: Du musst! Aber er sagt: Schau dich doch selber mal an, wie schwer du es dir machst! Du kannst dir den Himmel sowieso nicht erkaufen – niemand kann das!
Der Himmel ist unerkäuflich. Und da kann man eigentlich nur hinzufügen: Gott seid Dank! - Das ist auch gar nicht erforderlich. Der Eintritt ist längst bezahlt, durch Gott selbst.

Zum Schluss hören wir, das die Jünger Jesu sich nun keineswegs be-
ruhigten, sondern noch mehr erschraken.
Ihre Frage ist oft genug auch unsere Frage: Wenn eher ein Kamel durch solch ein Nadelöhr passt, als dass ein Reicher ins Himmelreich gelangt, welche Chance haben wir selbst dann? Im Originalton des Evangeliums heißt es: „Wer kann dann noch gerettet werden?“

Die Antwort Jesu sollten sich die Jünger und wir uns hinter die Ohren schreiben, damit wir sie nie vergessen: „Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich.“ - Wie gut, wie beruhigend ist das doch! Aus eigener Kraft können wir uns gar nicht tief genug bücken, um in den Himmel zu kommen. Wir haben uns immer noch genug auf den Rücken gepackt, das es uns so verflixt schwer macht.
Wie gut, wie beruhigend, dass die Torwächter des Himmels Anweisung haben, uns nicht nach unserem Berechtigungs-Ausweis zu fragen. Wir selbst könnten ihn nie und nimmer erwerben. Wir können uns nicht am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen. Solche Münchhausen- Geschichten brauchen wir dafür auch nicht. Die Botschaft Jesu ist: Da ist einer, der uns zieht, da ist einer, der uns die rettende Hand entgegenhält.
Sind wir also noch zu retten? Ja sicher, wir sind sogar schon gerettet! Das ist noch sicherer als das Amen in der Kirche. Amen.

Das Glas ist voll !
Ein Philosophie-Professor stellte in der Vorlesung ein großes Gurkenglas auf das Pult. Die Studenten staunten nicht schlecht, als er wortlos einige große Steine randvoll hinein legte. Dann fragte er seine Zuhörer: „Was meinen Sie? Ist das Glas nun voll?“ Als die Studenten dies bejahten, nahm er wiederum wortlos eine ganze Anzahl kleiner Kieselsteine und schüttete sie in das Glas. Nachdem er es geschüttelt hatte, waren die kleinen Steine in den Zwischenräumen der großen Steine verschwunden. „Ist das Glas nun voll?“ – Wieder stimmten seine Studenten zu.
Nun nahm er jedoch trockenen, feinen Sand und schüttete ihn oben drauf. Nach vorsichtigem Schütteln war auch noch der Sand im Glas untergebracht. „Was zeigt uns das?“, fragte der Professor und gab selbst die Antwort: „Wenn Sie in Ihrem Leben mit den großen, wichtigen Dingen beginnen, werden Sie für die kleinen und noch kleineren, unwichtigeren Dinge immer noch Platz finden.
Sie können das Gurkenglas-Experiment mal umgekehrt machen: zuerst den Sand, dann die kleinen Steine, dann die großen. Was wird wohl passieren?“ - Die Studenten hatten es verstanden: „Sand und Kieselsteine verhindern in diesem Falle, dass die großen, wichtigen Steine noch hineinpassen!“
„Beachten Sie das in Ihrem Leben!“, rief der Professor unter dem Beifall seiner Zuhörer.


Predigt von P.Heribert Graab S.J.
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Meditation zum Evangelium von P. James Swanson LC
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Neugeborenen-Aktion „Ein Engel für dich“
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Diaspora-Aktion 2009 (am 15.Nov.): Materialien usw.
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St. Martin, Nikolaus usw.: Materialien Bonifatiuswerk
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Gebet für 232 Euro bei ebay versteigert
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Meine Gedanken, Linktipps, Material- und Buchvorstellungen (2008) zu einem neuen „Brauch“: Halloween, mehr als hohl… >> BITTE KLICKEN !

Bethlehem: Die Geburtskirche
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Pressebericht über Aktion „Eichhörnchen“ (ab 1961)
(Erinnerung: „Kuba-Krise“ im Oktober 1962!)
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Erzbistum Köln: „Grundkurs Liturgie“ (Broschüre)
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Bistum Hildesheim: „Gemeinde ganz frisch!“
(Evangelisation auf katholisch) Vortrag
Prof. Dr. Michael Herbst (46 S./pdf)
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Gottesbeweis
Appell auf dem Kasernenhof. Offizier zum katholischen Rekruten, den er auf dem Kieker hat: „Schlapp was? Wohl wieder in der Kirche gewesen?“ -- „Jawoll“, sagt der Soldat. Darauf der Offizier zur Truppe: „Sehen Sie die Kaserne?“ -- Rekruten: „Jawoll, Herr Hauptmann!“ -- „Sehen Sie mich?“ – „Jawoll, Herr Hauptmann!“ – „Sehen Sie Gott?“ – „Nein!“ - Der Offizier: „Dann gibt's auch keinen!“ Da tritt der katholische Rekrut vor und fragt die Kameraden: „Seht ihr unseren Chef?“ –- „Ja!“, brüllt die Truppe. – „Seht ihr seine Hände?“ – „Ja!“ – „Seht ihr sein Gehirn?“ - - „Nein!“ Der Rekrut: „Was folgern wir also daraus…?“

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