29.09.2011

Papstbesuch-Analyse: Reformtipp für die deutschen Bischöfe!

(Fortsetzung)

Der Papst jedenfalls hat klare Worte gefunden, z.B. mit seinem Appell an die Jugend, „glühende Heilige“ zu werden. Darum geht es ihm immer wieder in seinen Ansprachen – um einen Glauben, der nicht in fauler Bequemlichkeit und Mittelmäßigkeit erstarrt. Wie treffend dazu seine Bemerkung, dass der größte Schaden für die Kirche „nicht von ihren Gegnern“ kommt, sondern von den „lauen Christen“.
Wer es verstehen wollte,
der verstand es, als er dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken erklärte, dass es in Deutschland
„einen Überhang an Strukturen gegenüber dem Geist gibt“. In dieses Bild passt auch sein mahnender Hinweis an seine Mitbrüder in Deutsch-
land, dass die Kirche zwar in der Welt, aber nicht von dieser Welt sein darf. Gerade bei uns ist die Kirchenführung schnell dabei, sich so richtig nett mit Politik und Gesellschaft zu arrangieren, auf Kuschelkurs gewissermaßen.
Der Appell des Papstes, langfristig überflüssigen Ballast abzu-
werfen,könnte zur Überlebensfrage für die Kirche werden, denn eine Kirche, die mit der Zeit geht, die geht mit der Zeit…!
Besonders die wohlhabende Kirche in Deutschland sollte sich das so bemerkenswerte Papstwort hinter die Ohren schreiben: Passt euch nicht zu sehr dieser Welt an – ehe ihr es bemerkt,
hat sie euch vereinnahmt. Setzt stattdessen ganz energisch Jesus Christus in eurem Leben an die erste, wichtigste Stelle!

Ein kleiner Teil der deutschen Bischöfe hat sich inzwischen sogar öffentlich lobend bis begeistert über den Papstbesuch geäußert. Ein ganz ungewöhnliches, fast schon privates Papstlob kommt dabei von
Bischof Bode aus Osnabrück. Weil es so typisch ist für die Demut Benedikts XVI., will ich es hier erwähnen, nach-
zulesen im Blog (!) jenes Bistums. Bischof Bode erzählt eine Begebenheit beim gemeinsamen Essen von Papst und Bischöfen in Freiburg. Jeden einzelnen aus der Küchen- und Bedienungs-
mannschaft habe der Papst freundlich per Handschlag begrüßt (die Bischöfe hingegen nicht). Bischof Bode fügt hinzu, diese Geste der Zuwendung sei
„sicher nachhaltiger wirksam als viele große und erhabene Worte“. –
Kirchenreform in Deutschland, liebe Bischöfe, fängt eben immer bei jedem Einzelnen an, ganz ohne Dialog…!

Bistumsblog Osnabrück „Gänsehaut…“
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Guido Horst: „In der Welt, aber nicht von dieser Welt“ –
jetzt sind die deutschen Bischöfe dran
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Bischöfe wollen Papstreden demnächst analysieren, haben
aber schon fertige Antworten parat – Beispiel Kirchensteuer

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27.09.2011

27. Sonntag im Jahreskreis A - 2.10.2011

(Fortsetzung)

Doch erst einmal der Reihe nach! - Das heutige Evangelium steht innerhalb einer ganzen Reihe von Gleichnissen. Es ist im Grunde die Fortsetzung vom vergangenen Sonntag. Da ging es um die beiden Söhne des Weinbergbesitzers und ihre Probleme mit dem Wörtchen „JA“, wenn Mithilfe im väterlichen Weinberg vom ihrem Vater erbeten wird.
Wir erinnern uns: „JA“ sagen und „JA“ tun ist noch lange nicht dasselbe. Für die Arbeit im Weinberg des Herrn werden Menschen gebraucht, die nicht nur reden, sondern die wirklich mithelfen, die anpacken.
Die Leute im heutigen Evangelium packen kräftig an, allerdings anders
als erwartet. In seinem Gleichnis, das Jesus ausdrücklich an die religiösen Führer seiner Zeit und seines Volkes richtet, schildert Jesus einen ganz praktischen Fall: Ein Gutsbesitzer hat einen neuen Weinberg angelegt und dabei ganz offensichtlich alles gut und richtig gemacht. Ein Zaun rings um das Grundstück soll vor unerwünschten Erntehelfern schützen, also vor Tieren und vor allem vor Früchte-Dieben. Diese spezielle Art von Selbstbedienung war also damals schon bekannt. Sogar ein Turm wurde gebaut, der üblicherweise als zeitweilige Unterkunft für Erntehelfer diente, aber eben auch
zum rechtzeitigen Erkennen von Gefahr z.B. durch Überfälle.
Zur perfekten Grundausstattung, die den Pächtern dieses Weinbergs zur Verfügung gestellt wurde, gehörte auch eine große Kelter.
Offenbar war vom Besitzer an alles gedacht worden. Er hat es seinen Pächtern leicht gemacht, einen guten Ernte-Erfolg und damit einen ordentlichen Gewinn für sich selbst zu erzielen.
Was sie selbst einbringen müssen, ist ihrer Hände Arbeit, ihre Berufserfahrung, ihren Fleiß, also ihre tägliche Mühe zur Pflege des Weinbergs.
Damit stände eigentlich einer netten kleinen Geschichte mit einem harmonischen Ende nichts im Wege. Aber es gab natürlich ein Problem bei der Sache, und dieses Problem war in den Köpfen der Pächter. Wie das Wort „Pächter“ schon verrät, waren sie eben nicht die Besitzer des schönen Weinbergs. Der gehörte einem Gutsbesitzer, der offenbar viel im Ausland lebte, denn es heißt im Text ja ausdrücklich, dass er nach der erfolgten Ver-
pachtung in ein anderes Land reiste.
Dazu müssen wir wissen, dass es ausländische Investoren nicht erst heute gibt. Zur Zeit Jesu gab es auch schon Großgrund-
besitzer in Israel, und ein Teil von ihnen wohnte außer Landes. Sie ließen die Pächter das Jahr über ungestört wirtschaften und holten sich üblicherweise jährlich zur Erntezeit die fällige Pacht durch eigene Bedienstete ab.
Was Jesus da erzählt, ist also gar nicht so ungewöhnlich für seine Zuhörer. Sie kennen das, und sie wissen auch, dass es immer mal wieder Zwischenfälle gab, bei denen sich die Pächter mit mehr oder weniger gutem Erfolg um die Zahlung der fälligen Abgaben drückten. Blutige Handgreiflichkeiten mit den Boten der Eigentümer waren zwar selten, kamen aber vor. Wenn ein Herr keine Erben hatte, konnte man als langjähriger Pächter sogar versuchen, dessen Besitz nach seinem Tod vor Gericht für sich zu beanspruchen.
Im heutigen Evangelium nimmt Jesus eine solche Auseinan-
dersetzung über die fällige Pacht zum Anlass für sein Gleichnis. Die Winzer zeigen, zu was Menschen in ihrer Habgier und Verblendung fähig sind. Sie rotten sich zusammen, denn gemeinsam fühlen sie sich stark. Als der Besitzer die Pacht eintreiben will, spielen sie dessen Knechten übel mit: den einen verprügeln sie, den anderen bringen sie um, und den dritten steinigen sie.
Der Weinbergsbesitzer ist entsetzt. Er hat doch wirklich alles getan, damit es seinen Pächtern gut geht! - Mit solchem Undank hat er offenbar nicht gerechnet. So weit würden sie doch wohl nicht gehen, diese hartherzigen Winzer, die hier nicht näher beschrieben werden.
Der Herr schickt jetzt einen weiteren Trupp seiner Boten in den Weinberg, vorsichtshalber sogar mehr als drei. Die Winzer kennen aber auch diesmal kein Pardon. Sie wollen dem Herrn seinen gerechten Anteil an der Ernte absolut nicht geben, auf gar keinen Fall!
Wieder gehen sie mit aller Brutalität gegen die Boten vor. Es ist ganz eindeutig, dass sie dabei gegen alles geltende Recht verstoßen, und das wissen sie auch ganz genau. Sie haben es darauf angelegt, dem Herrn ganz brutal seinen Besitz zu ent-
reißen. Sie wollen ihm nicht länger als ehrliche Pächter dienen. Dazu warten sie nur auf die beste Gelegenheit.

Als der Herr sogar seinen einzigen Sohn und Erben losschickt, packen sie genau diese Gelegenheit beim Schopfe, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Mit Gewalt schleppen sie ihn aus dem Weinberg hinaus und bringen ihn draußen vor dem Zaun einfach um, ohne lange zu fackeln. Das haben sie sich vorher genau überlegt, als sie ihn kommen sahen.
Der Weinbergsbesitzer, offenbar ein sehr gütiger und geduldiger Herr, hatte bis zuletzt gehofft, dass sie wenigstens vor seinem eigenen Sohn den nötigen Respekt haben würden. Er wird aber schon wieder ganz bitter ausgerechnet von denen enttäuscht, mit denen er einen Pachtvertrag geschlossen hatte. Offenbar ist der für seine Pächter noch nicht mal das Papier wert, auf dem er steht. Unfassbar - sie fühlen sich als die eigentlichen Herren, obwohl sie nur ihm und seiner Unterstützung ihren gesicherten Lebensunterhalt verdanken.

An dieser Stelle des Gleichnisses stoppt Jesus seine Erzählung. Jetzt sind seine Zuhörer dran. Von ihnen fordert er eine Stellung-
nahme, indem er sie fragt: „Wenn nun der Besitzer des Wein-
bergs kommt: Was wird er mit solchen Winzern tun? Sie sagten zu ihm: Er wird diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist.“

Die klugen Schrift-
gelehrten müssen da nicht lange überlegen. Kein Herr lässt sich auf Dauer ungestraft so auf dem Kopf herumtanzen. Seine Geduld als wirk-
licher Eigentümer hat irgendwann ein Ende. Es gibt einen Punkt, da geht es einfach nicht mehr. Zu viel ist inzwischen vorgefallen. Das Vertrauen in die Vertragspartner ist dahin.
Die Beziehung ist nicht nur in einer Krise, sie ist zutiefst gestört.
Die Schuldigen werden schließlich zur Rechenschaft gezogen, und neue Vertragspartner kommen zum Zug. Es gibt genug andere Winzer, die auf eine solche gute Gelegenheit warten.
Das weiß jeder, und auch für die Schriftgelehrten ist das keine Frage. So wird es kommen. Das ist klar.

Jesus wird nun deutlicher. Es geht in diesem Gleichnis um ihn selbst, um den einzigen Sohn Gottes. Er erinnert seine Ge-
sprächspartner an die Ankündigung im Alten Testament (Psalm 118,22), die sie kennen: „Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder?“
Ihn selbst haben die Bauleute ver-
worfen.
Das heißt: Die Handwerker haben sich ihre behauenen Steine für den Hausbau sortiert. Der Eckstein ist der wichtigste von allen.
Er gibt nicht nur den Winkel für die Ausrichtung der Mauern an, sondern er trägt auch besonders viel Gewicht. Auf ihm ruht die ganze Statik des Hauses. Auf ihn kommt es an.
Die Bauleute – das sind die Führer des Volkes, die Schrift-
gelehrten. Sie lehnen Jesus ab, sie verwerfen ihn. Ihnen scheint er nicht geeignet zu sein. So einen Eckstein wollen sie nicht haben. Den Messias haben sie sich ganz anders vorgestellt.
Gott aber macht seine Ankündigung wahr. Jesus, der von den Winzern abgelehnte Sohn, der vor den Toren des Weinbergs ermordet wird – sprich: vor den Mauern Jerusalems auf dem Berg Golgotha gekreuzigt wird- , den bringt Gott in die richtige Position, den macht Gott in der Auferstehung zu seinem Eckstein, auf den er sein Reich baut. Dieser Stein Jesus Christus ist so gewaltig, dass jeder zermalmt wird, auf den dieser Stein herabstürzt.
Die Schriftgelehrten und wir alle mit ihnen haben dieses Gleichnis gehört. Aber nehmen wir es uns diese Warnung Jesu auch zu Herzen? - Gott hat immer wieder sein Volk eingeladen, in seinem Weinberg zu arbeiten. Immer wieder wird das Bild des Weinbergs in der Bibel verwendet, wenn es um die Mitarbeit der Menschen am Reich Gottes geht. Immer wieder hat Gott seine Boten geschickt, um die Menschen zu erinnern, sich bitte an die Vereinbarungen, an Gottes Gebote zu halten. Gott ist schließlich der Besitzer dieser Welt, und nicht die Menschen.
Propheten und Boten haben im Laufe der Geschichte daran erinnert, von denen, die in der Bibel aufgezählt sind bis hin zu Maximilian Kolbe, Mutter Theresa, Martin Luther King, Roger Schutz aus Taizé und vielen anderen mehr.

Wer da glaubt, das Volk Gottes sei der Herr der Welt, der irrt. Wer da glaubt, wir Pächter seien die Besitzer, der irrt.
Gott erwartet,
dass wir ihm geben, was ihm allein zusteht. In Güte und Geduld wartet auf unseren persönlichen, freudigen Erntedank.
Die Frage muss sich jeder für sich selbst ganz ehrlich stellen: Welche Früchte meines Lebens gebe ich Gott?
- Stehe ich zu ihm in Treue, wie ich das versprochen habe?
- Höre ich auf das, was er mir zu sagen hat?
- Lebe ich in einer Grundstimmung der Dankbarkeit ihm gegenüber, dem ich mein Leben und alles verdanke?
- Oder schlage ich mich auf die Seite der dreisten Winzer,
die selbst Gott spielen wollen?

Der Tag wird kommen, an dem der Bote auch vor jedem von uns stehen wird, ausgeschickt vom Herrn der Ernte. Halten wir uns bereit, ihn nicht wie die bösen Pächter, sondern mit Freude zu empfangen.

Predigt aus Bamberg: „Unrecht Gut gedeiht nicht gut…“ (pdf)
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Predigt des Dompfarrers von Würzburg (pdf)
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Lesehilfe des Katholischen Bibelwerkes (pdf)
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Predigt Pfr. Josef Mohr: „Erntedank“
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Einige kurze Anregungen zu Erntedank
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Gut gewählt: „Sie bekommen entweder 400 Euro, fünf Tage Strafdienst in einer Gemeinnützigen Einrichtung oder zehn Tage Gefängnis", stellt der Richter dem Angeklagten zur Auswahl. – „Wenn Sie mich schon so fragen, Herr Richter, dann nehme ich natürlich das Geld!"

Wie nennt man einen Mann, der 90 Prozent seines Denkvermögens verloren hat? -- Witwer.

Einige Tage nachdem er erschaffen worden war, begann Adam, sich im Garten Eden einsam zu fühlen. Er beschwerte sich bei Gott. Dieser bot ihm an: „Ich werde ein attraktives, intelligentes, einfühlsames Lebewesen erschaffen, das dich fortan begleiten soll.''
Adam, schon leicht mißtrauisch: „Und was kostet mich das?'' Gott: „Das Augenlicht, den linken Arm und den rechten Fuß.'' Adam: „Ach nein, das ist es mir nicht wert. Was bekomme ich denn – sagen wir mal - für eine Rippe?''


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20.09.2011

26. Sonntag im Jahreskreis A - 25.9.2011

(Fortsetzung)

Mit den Ver-
sprechungen hat auch die Mutter Kirche so ihre traurigen Erfahrungen machen müssen. Bei der Taufe wird von allen Eltern hoch und heilig vor Zeugen versprochen, das Kind im Glauben zu erziehen. Manche tun’s, manche sehen die Kirche auch erst wieder zur Erstkommunion ihres Kindes. Juristisch könnte man das als Vertragsbruch oder arglistige Täuschung bezeichnen. Manche wollten wohl nur eine feierliche Dienstleistung, also sagte man eben das als Bedingung er-
forderliche „Ja“. Das war’s dann aber auch. Auch das feierliche „Ja“ bei kirchlichen Hochzeiten und sogar bei Priesterweihen ist zuweilen ein solches „Ja“ bis auf Widerruf.

Es überrascht uns daher nicht, dass Jesus das Ja-Sagen auch immer wieder zum Thema macht. Er kennt die menschlichen Schwächen nur zu gut. Im heutigen Evangelium erleben wir ihn im Gespräch mit den Hohenpriestern und Ältesten seines Volkes.
Unmittelbar davor steht in der Bibel, dass Jesus im Tempel von Jerusalem lehrte. Da war er gewissermaßen in der Höhle des Löwen, nämlich direkt unter den Augen der religiösen Führer. Die ließen auch nicht lange auf sich warten, sondern sie inszenierten ganz bewusst ein Streitgespräch mit Jesus. Im Rahmen dieses Streitgespräches spielt das Gleichnis des heutigen Evangeliums. Jesus verlangt von ihnen dabei eine Stellungnahme zu einem konkreten Problem:
„Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg! Er ant-
wortete: Ja, Herr!, ging aber nicht. Da wandte er sich an den zweiten Sohn und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn, und er ging doch. Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? - Sie antworteten: Der zweite.“

Der erste Sohn ist höflich und geradezu ehrfürchtig seinem Vater gegenüber. „Ja, mein Herr!“ heißt es bei ihm. Das soll heißen: „Klar, mit mir kannst du fest rechnen. Als dein Kind erfülle ich selbstverständlich deine Bitte!“ - Er weiß eben, was sich gehört. Zur Zeit Jesu ist der Vater im Orient eine Autoritätsperson. Was er sagt, das gilt, und was er von einem erwartet, das tut man auch!
Jesus schildert nun jedoch nicht weiter, warum dieser Sohn trotz seiner festen Zusage nicht in den Weinberg des Vaters geht. Egal, welchen Grund der Sohn auch haben mag – für Jesus spielt das gar keine Rolle. Wichtig ist nur, dass der Sohn zwar
JA sagt, aber NEIN tut.
Der Vater ist offenbar sehr enttäuscht darüber. Als er sieht, dass der Sohn sich einfach nicht in seinem Weinberg zur Arbeit blicken lässt, muss er als Familienoberhaupt handeln.
Wird er ihn zur Rede stellen?
Wird er ihm bittere Vorwürfe machen wegen seines undankbaren Verhaltens?
Wird er ihn bestrafen?
Nichts von alledem geschieht. Der Vater im Beispiel Jesu lässt seinem Sohn die freie Entscheidung auch dann, wenn sie gegen ihn selbst ausfällt. Aber er bleibt nicht untätig:
Er macht etwas anderes: Jetzt ruft er seinen zweiten Sohn herbei und bittet diesen um Mithilfe.
Unfassbar für die damalige Zeit: Der junge Bursche lehnt es doch tatsächlich glatt ab, seinem Vater zu helfen. Der Sohn redet auch nicht drumherum. Er denkt sich keine klugen Sprüche aus, sondern er sagt einfach, wie es ist: „Ich will nicht!“ -
Ungeheuerlich ist das!
In den Zehn Geboten, die jeder Jude ganz genau kennt, steht schließlich auch, dass man die Eltern ehren soll! Ob der Herr Sohn nicht weiß, was er seinem Vater mit dieser Verweigerungs-
haltung antut?
Auch hier passiert zum Erstaunen der Zuhörer Jesu offenbar nichts. Der Vater müsste nach dem Empfinden der Zeitgenossen Jesu knallhart reagieren, etwa nach dem Motto: „So lange du deine Füße unter meinen Tisch stellst…“!
Er könnte ihm dafür glatt das Haus verbieten. Mancher Vater hätte vielleicht in seinem Zorn sogar damit gedroht, ihn zu enterben.
Dieser Vater jedoch ist unbegreiflich gütig, auch wenn ihm seine Söhne sehr weh tun. Geduld scheint eine seiner wichtigsten Eigenschaften zu sein, neben einer riesigen Portion Liebe.
Und siehe da: Die Geduld des Vaters zahlt sich tatsächlich aus. Der zweite Sohn denkt offenbar schon bald gründlich über sich und sein Verhältnis zum Vater nach. Keine einfache Situation
für ihn! Sein liebloses, bockiges Verhalten tut ihm jetzt sehr leid. Er bereut seine Ablehnung und nimmt allen Mut zusammen.
Er kehrt um und macht sich auf den Weg. Er geht schnurstracks in den Weinberg, genau an den Platz, wo ihn sein Vater braucht.
Die Schriftgelehrten stehen jetzt vor der Frage, wer von den beiden Söhnen den Willen des Vaters erfüllt hat. Das ist nun wirklich kein großes Problem, das Jesus ihnen da vorlegt, denken sie. Das ist doch sonnenklar: Der zweite Sohn natürlich! Er hat doch schließlich nach einigem Nachdenken die Richtung geändert, er hat bereut und schließlich noch früh genug getan, was der Vater von ihm erwartete.

Genau das wollte Jesus von ihnen hören. Sie haben selbst mit ihrer Antwort gleichzeitig das Urteil über den ersten Sohn und damit über sich selbst gesprochen. Der erste hat sich nicht wie ein wirklicher Sohn benommen und den Vater durch sein Verhalten beleidigt.
Jesus wird nun ernst und feierlich, denn er beginnt seine weiteren Erklärungen mit: „Amen, das sage ich euch“ - Das heißt: Jetzt kriegt ihr es von mir ganz offiziell und amtlich. Da kriegt ihr Brief und Siegel drauf. Das könnt ihr euch hinter die Ohren schreiben.
Was er dann sagt, ist hart: „Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Denn Johannes ist gekommen, um euch den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen, und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt.
Ihr habt es gesehen, und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.“

Das soll heißen: Ihr seid genau solche JA-Sager, die zwar tagtäglich voll-
mundig vom Willen des Vaters reden, seinen Willen aber nicht wirklich tun! Gott hat mit euch einen heiligen Bund geschlossen, mit euch, seinem Volk.
Ihr aber ehrt ihn nur mit dem Mund.
Ihr predigt Wasser, aber ihr selber trinkt Wein! Was ihr macht, das ist so etwas ähnliches wie Ehebruch, denn ihr habt Gott die Treue versprochen. Wenn ihr den Willen des Vaters tun wollt, dann macht es wie die Zöllner und Sünder, die auf Johannes den Täufer gehört haben:
Kehrt um!
Als sie das von Jesus hören mussten, ist seinen Diskussions-
partnern sicher die Zornesröte ins Gesicht gestiegen. Da kommt dieser Rabbi aus irgendeinem kleinen Provinznest und will uns hier belehren! - Und was er uns da auf den Kopf zu sagt, das schlägt doch jedem Fass den Boden aus – eine Frechheit
ist das!
Diese Religions-Funktionäre haben nichts kapiert. Sie sind
sich ihrer Sache einfach so sicher, als hätten sie alle mit Gott persönlich gerade noch am Frühstückstisch gesessen.
Die Umkehr-Aufforderung des Täufers haben sie in den Wind geschlagen, und mit Jesus machen sie es genau so. Dass Jesus der erwartete Messias ist, das kommt ihnen absolut nicht in den Sinn. Johannes der Täufer ist zu diesem Zeitpunkt schon er-
mordet, und für diesen unbequemen Jesus wird sich die Lage bald auch dramatisch zuspitzen!
Die frommen Experten im heutigen Gleichnis sind empört: Das ist ja wohl die Höhe, uns mit Zöllnern und Dirnen zu vergleichen. Nicht nur das: sie werden uns sogar vorgezogen.
Wenn Jesus sagt, dass diese eher in das Reich Gottes kommen als die super-frommen Schriftgelehrten, dann heißt das eigentlich im Originaltext wörtlich übersetzt: „Sie gehen euch voran!“ – Heute würde man vielleicht sagen: die haben euch ganz klar abgehängt, die haben euch glatt überrundet!
In den Augen seines Volkes ist ein jüdischer Zöllner zur Zeit Jesu jedoch ein Schmarotzer. Er arbeitet mit den verhassten Römern zusammen und kassiert seine Landsleute ab. Mit solch einem Halunken will niemand etwas zu tun haben. Für ihn gibt es nur allgemeine Verachtung, da ist man sich einig. Und wenn die römischen Soldaten nicht in Rufweite wären, würde man ihm gelegentlich gerne mal zeigen, was man wirklich von ihm hält. Zöllner sind einfach der Inbegriff eines Sünders. So lautet ja auch ein Vorwurf an Jesus, dass er sich „mit Zöllnern und Sündern“
(Lk 5,27-32) an einen Tisch setzt.
Besonders verabscheuungswürdig in den Augen der Frommen ist dabei, dass solch ein Zöllner gewissermaßen ein Wieder-
holungstäter ist, also ein notorischer Verbrecher. Er kann sich nicht damit herausreden, dass sein Fehltritt ein einmaliger Ausrutscher ist. Er tut es schließlich immer wieder. Man könnte sagen, er hat sich praktisch an die heidnischen Römer verkauft.
Das gilt natürlich auch für die moralische Beurteilung der Dirne. Sie verkauft sich sich selbst, ihren Körper und eigentlich damit auch die gültigen Regeln ihres jüdischen Glaubens. So wie der Zöllner sagt sie durch ihr anstößiges und öffentlich bekanntes Verhalten Nein zu Gott und seinen klaren Geboten. Gewissermaßen ver-
unreinigt sie den Bund mit Gott, weil sie mit ihrem Verhalten oft genug in die Ehe anderer regelrecht einbricht. Das Band der Ehe ist gebrochen! Sie sagt dadurch ganz konkret Nein zu Gottes Bitte, in seinem Weinberg zu arbeiten.
Warum aber sollen solche Menschen nach der Aussage Jesu eher in das Himmelreich gelangen als viele Hohenpriester und Schriftgelehrten? Ihr übler Lebenswandel kann es ja nicht sein!
Nein, viele von diesen Außenseitern der Gesellschaft haben etwas getan, was etliche der Berufsfrommen nicht gemacht haben. Zöllner und Dirnen sind sich vielfach bewusst, in welcher miesen Lage sie sind, auch Gott gegenüber. Sie wissen meistens durchaus, dass sie versagt haben. Versagt nicht nur gegenüber der Gemeinschaft. Sie haben ganz konkret zu einem Leben nach Gottes Willen Nein gesagt.
Dieses Nein hat viele von ihnen irgendwann nicht mehr in Ruhe gelassen. Etliche haben sich aufgerafft und sind mit in die Wüste gewandert, zu dem berühmten Propheten Johannes. Und Jo-
hannes der Täufer hat sie wachgerüttelt: Schaut doch, was ihr aus euch und eurem kostbaren und einmaligen Leben gemacht habt! Lebt so ein Gotteskind? - Lasst es nicht bei eurem Nein! - Bereut endlich euer Verhalten und kehrt um zum Vater, der euch unendlich liebt!

Das heutige Gleichnis ist hart für die Schwätzer, die nur so tun als ob. Sie sagen JA und handeln NEIN. Ihr Leben ist ein ent-
schiedenes JEIN!
Klar, sie achten streng auf die religiösen Vorschriften und beten Tag für Tag im Tempel, was das Zeug hält. Das ist ihr JA. Aber sie verweigern Gott im Alltag die Gefolgschaft. Das ist ihr NEIN.
In Johannes und in Jesus sehen sie nur Störenfriede, nur Kritiker, die ihnen gefährlich werden können. Sie sind blind gegenüber dem, was Gott will.
Das Gleichnis Jesu ist aber auch ein großer Trost und eine Freude. Es stellt Gott vor als den geduldigen, liebenden Vater.
Er lässt seinen Kindern die Freiheit, sich zu entscheiden. Seine Bitte ist zwar herzlich und dringend, aber er setzt sie nicht mit seiner Macht und Autorität durch.
Nur wer verstanden hat, wie sehr Gott liebt, der kann auch über seinen eigenen dunklen Schatten springen. Egal, ob Zöllner oder Dirne oder sonst ein Sünder: Wer sich Gott öffnet, der kann sein NEIN immer noch korrigieren. Jeden falschen Weg kann man auch wieder zurückgehen, um auf den richtigen Weg zu kommen. Jesus bestätigt es mit diesem Gleichnis ausdrücklich für alle: Der Vater im Himmel traut seinen trotzigen Kindern die Umkehr zu.
Er weiß, dass unter den NEIN-Sagern viele sind, die durch un-
günstige Umstände auf den falschen Weg geraten sind. Er weiß, dass da viele Menschen sind, die den Überblick verloren haben.
Jesus weiß: ein NEIN ist nicht immer wirklich ein NEIN. Es ist manchmal auch ein JA, das nur noch nicht fertig ist.
Ein JA, das erst regel-
recht aufgeweckt werden muss.
So manches NEIN war unüberlegt und voreilig, einfach nicht zu Ende gedacht. Ganz praktisch heißt das: Gott wartet, er wartet immer noch! Er möchte, dass alle umkehren zu einem ent-
schiedenen JA!
Dazu lädt Gott alle seine Kinder ein, auch Zöllner und Dirnen, einfach alle. Auch die Geschiedenen, auch die aus der Kirche Ausgetretenen, auch die, die sich nur alle Jubeljahre in der Kirche blicken lassen. Auch die, die es sich so schwer machen mit Gott, die um ihren Glauben ringen.
Für Gott gibt es offenbar keine aussichtslose Situation.
Das Wunder der Umkehr geschieht immer wieder. Da ist der Drogenabhängige, der mit nach Medjugorje fährt und von seinen Fesseln befreit wird, da ist der Schläger auf St.Pauli, der zum Sozialarbeiter wird. Da ist der Fabrikbesitzer und Millionär
Hubert Liebherr, der alles aufgibt, um ganz für Jesus zu leben.
Es gibt wahre Lebensgeschichten, die sind schon fast un-
glaublich - unglaublich toll!
Diese und viele, viele andere haben sich aufgerafft. Ihr Beispiel bestätigt das heutige Gleichnis Jesu: Nutze deine Chance -
mach dich auf die Socken und kehre um. Komm doch heim!
Gott wartet mit offenen Armen auf dich, heute noch!


Predigt Prof. Dr. Gerd Theisen: „Eine Testgeschichte für unsere Moral“ (pdf) >> BITTE KLICKEN !
Predigt Pfr. Werner Sirch: „So ist das Leben“ (pdf)
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Predigt Pfr. Matthias Krieser: „Wer Gottes Willen tut, wird selig“
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Predigt Pfr. Winfried Klotz: „Das Gleichnis von den beiden Söhnen“ >> BITTE KLICKEN !
Predigt Pastor Andreas W. Lüdtke: „Im Prinzip ja, aber…“
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Aus der Kirche ausgetreten? – Wie man wieder hineinkommt…
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Weitere Infos zum Wiedereintritt beispielsweise hier
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Kath. Landvolkbewegung: Materialien für Erntedank 2011
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Kindergottesdienst-Tipps für Erntedank (2.Okt. 2011)
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Gottesdienstvorschlag Erntedank (KLB Münster / 14. S. pdf)
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Materialien der Liturgiebörse zu Erntedank
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Mein Buchtipp zu Erntedank-Gottesdiensten
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Erntedank-Broschüre der KLB Bayern (24 S. pdf)
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„Ihre Heilung haben Sie dem Herrgott und auch Ihrer robusten Natur zu verdanken" , klärt der Arzt den alten Bauern nach schwerer Krankheit auf.
„Gut, dass Sie das so sagen, Herr Doktor. Ich hoffe, Sie be-
rücksichtigen diesen Tatbestand auch bei Ihrer Rechnung", erwidert schmunzelnd der sparsame Patient.


Warum steht ein Ostfriese am Hamburger Hafen und wirft Steine ins Wasser? - Weil da ein Schild steht: ,,Deutsche Werft"
Und warum laufen die Ostfriesen vor Weihnachten tagelang ohne Gebiss rum? - Weil die Frauen es zum Plätzchen ausstechen brauchen!

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