29.09.2010

27. Sonntag im Jahreskreis C - 03.10.2010

(Fortsetzung)

Und so wenden sie sich in ihrer Not an Jesus mit der Bitte um mehr Unterstützung: „Stärke unseren Glauben!“ – so heißt es im Text des Evangeliums. Sie fühlen sich gewissermaßen noch nicht kräftig genug, noch nicht durchtrainiert genug im Glauben, noch nicht ausreichend ausgerüstet für die vor ihnen liegende Aufgabe, anderen Menschen die Botschaft Jesu kraftvoll und packend zu verkünden. Da wäre es schon sehr praktisch und erfolgssteigernd, denken sie, wenn Jesus irgendwie durch so eine Art Wunder dafür sorgt, dass wir einfach bessere Verkünder des Glaubens werden. Er soll uns so etwas wie eine geistliche Aufbauspritze verpassen, ein wirksames Stärkungs- und Dopingmittel, das uns zu beeindruckenden Athleten des Glaubens macht.

Wie reagiert Jesus nun auf diese Bitte? Nein, er verabreicht den Seinen kein Spezialpräparat aus der göttlichen Apotheke. Stattdessen verblüfft er die Jünger mit seiner Antwort: „Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn, würdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden, und verpflanz dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.“

Das soll heißen: Im Glauben steckt eine ungeheure Kraft, so wie bei einer Pflanze, die sogar eine Teer- decke durchstoßen kann. Da reicht eigentlich bildlich gesprochen schon eine Menge an Glauben, die so winzig klein ist wie ein Senfkorn, das man mit bloßem Auge noch gerade so erkennen kann. - Ihr bekommt von mir also keinerlei Zusatz-mittelchen, um euren Glauben größer zu machen. Das ist gar nicht erforderlich. Der Glaube ist keine olympische Wettkampf-Disziplin, und Goldmedaillen verteilt auch niemand. Macht euch frei von Leistungsdruck und dem ständigen Schielen auf eure wechselhafte religiöse Gefühlslage. Fangt einfach an, und dann werdet ihr schon sehen, welche Kraft im Glauben steckt.

Und um das ganz anschaulich zu machen, erzählt Jesus ihnen, dass die kleine Kraft des senfkorngroßen Glaubens schon ausreicht, um einen Maulbeerbaum dazu zu bewegen, sich selbst aus dem Boden zu heben und ins Meer zu verpflanzen.

Nun muss man dazu wissen, dass gerade der Maulbeerbaum dafür bekannt ist, dass seine Wurzeln besonders tief und fest im Erdreich verankert sind. Der lässt so schnell nicht locker. Menschlich gesehen ist es also schlichtweg unmöglich, solch einen Baum auch nur einen einzigen Millimeter zu bewegen. - Und genau darauf kommt es Jesus bei seiner Belehrung an: Aus euch heraus, mit eurer eigenen Kraft, mit eurem Erfolgsdenken, mit eurem Stolz macht ihr da rein gar nichts. Das kapiert jedes Kind, dass man da null Chance hat. Klappen kann das nur, wenn man das eigene Unvermögen klar erkennt und sich mit hundertprozentigem Vertrauen in Gottes Hände gibt.

Schön und gut, mögen wir da denken. Aber bei mir verbiegt sich noch nicht mal ein Esslöffel, selbst wenn ich mir das mit aller Energie vornehme und ganz stark daran glaube. Und der Kugel- schreiber auf meinem Schreibtisch lässt sich auch mit vielen guten Worten einfach nicht überreden, wenigstens ein klitzekleines Stückchen zur Seite zu hüpfen.

Wie gut, dass Jesus zur Ergänzung und näheren Erläuterung noch einen zweiten Teil der Jünger-Belehrung angefügt hat. Da wird es klarer, wo das eigentliche Problem steckt. Was er da sagt, das schockt gerade uns moderne Menschen erst einmal: „Wenn einer von euch einen Sklaven hat, der pflügt oder das Vieh hütet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Nimm gleich Platz zum Essen? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, gürte dich, und bediene mich; wenn ich gegessen und getrunken habe, kannst auch du essen und trinken. Bedankt er sich etwa bei dem Sklaven, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde? So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.“

Das Stichwort „Sklaven“ ruft in unserem Gehirn sofort Bilder ab, wie wir sie sicher aus dem Geschichtsunterricht kennen. Sklaventransporte aus Afrika, Menschen in Ketten, rücksichtslos ausgebeutet und teilweise schlimmer behandelt als das Vieh.

Solche Sklavenbilder hatten die Jünger damals nicht im Kopf. Für Kriegsgefangene oder z.B. für Schuldner, die nicht bezahlen konnten, gab es zwar die Gefahr, als Sklave dienen zu müssen, aber ein Sklave war in Israel nicht rechtlos. So galt für ihn ebenfalls die Sabbatruhe, er hatte Anspruch auf ordentliche Versorgung und konnte nach einiger Zeit sogar wieder auf freien Fuß kommen.

Ein gutes Beispiel aus dem Alten Testament ist da die spannende Geschichte von Josef und seinen Brüdern. Wir erinnern uns, dass er von seinen eigenen Brüdern in ägyptische Sklaverei verkauft wurde, dort aber dank der Fähigkeit, Träume zu deuten, bis zum Minister des Pharao aufstieg und viel Macht und Einfluss hatte. Aber natürlich bleibt der Grundgedanke auch zur Zeit Jesu: ein Sklave ist eben nicht frei. Er hat das zu tun, was er von seinem Herrn gesagt bekommt. Der Sklave ist also ganz von seinem Herrn abhängig. Was der sagt, das ist für seinen Diener absolutes Gesetz, ohne jede Diskussion. Für ihn gibt es keine Gewerkschaft, kein Mitbestimmungsgesetz und keine Verhandlungen über Lohn oder Arbeitszeiten.

Und da ist es einfach selbst- verständlich, dass der Sklave das tut, was ihm aufge- tragen wurde, ohne dass er dafür einen besonderen Dank erwartet. Es ist einfach sein Job, könnte man sagen. Er hat einfach seine Schuldigkeit getan, nicht mehr. Wenn wir heute jemanden in seinem Beruf angestrengt arbeiten sehen, z.B. einen Kellner mitten im dicksten Trubel, dann werden wir ihn auch wohl eher nicht deswegen ansprechen und ihm vorschlagen, als Gast einen Teil seiner Arbeit zu übernehmen. Das ist einfach sein Job, der zeitweilige Trubel gehört einfach dazu, da muss er auch ohne unser Mithelfen durch.

Was Jesus den Jüngern beibringen will, wird hier also deutlich: Gebt euch mit eurem Glauben, mit eurem Herz, mit eurer Seele, ganz und gar in Gottes Hand. - Gott ist nicht euer Geschäftspartner, mit dem ihr trickreich verhandeln könntet, um noch mehr für euch heraus-zuschlagen. Tut einfach das, was ihr Gott als eurem Herrn schuldig seid. Tut einfach, was er euch in seinem Wort sagt. Eure Bedenken im Glauben sind genau so unnötig wie die Widerworte eines Sklaven, denn letztlich unterstellen solche Gedanken, dass Gott nicht weiß, was wirklich gut für euch ist.

So können auch wir zum Schluss unsere Lehren daraus ziehen. Wir sind keine Zirkus- tiere, die so dressiert sind, dass sie ihre Kunststücke machen, weil sie sofort danach eine leckere Belohnung erwarten.

Wir Christen brauchen auch keine Supermänner und Superfrauen im Glauben zu sein, was uns natürlich nicht daran hindert, die Heiligen als Vorbilder und Wegweiser zu verehren. Ob wir mit unserem Glauben Bäume ausreißen können oder nicht, oder ob es vielleicht bei uns nur die kleinen Bonsai-Bäumchen sind, das ist nicht entscheidend. Und schon gar nicht müssen wir uns Gottes Kopf zerbrechen, ob unser Glaube groß genug für was auch immer ist. Worauf es einzig und allein ankommt, belehrt uns Jesus, das ist die Bereitschaft, das zu tun, was Gott von uns getan haben will. Alles andere ist nicht unsere Sache.

Vielleicht hilft es uns, wenn wir immer mal wieder in einer stillen Stunde ein Gebet des Vertrauens an Gott richten, so etwa wie dieses hier: Guter Gott, ich bin dein Eigentum. Du bist mein Herr. Verfüge über mich, so wie es gut ist. Dein Wille geschehe, auch wenn ich ihn jetzt noch manchmal nicht verstehe.

Predigt Marieluise Gallinat-Schneider >> BITTE KLICKEN !
Predigt Pastor Friedhelm Peters, Costa del Sol (pdf)
>> BITTE KLICKEN !
Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
>> BITTE KLICKEN !
Gottesdienst zum Erntedank (pdf)
>> BITTE KLICKEN !
Anregungen für den Erntedank-Gottesdienst
>> BITTE KLICKEN !
Erntedank: Thema „Reis“ der Kindernothilfe (24 S. pdf)
>> BITTE KLICKEN !
Seite mit den akt. Lesungen, heute z.B. mit Foto von Senfkörnern
>> BITTE KLICKEN !
Büchlein und Linktipps zum Rosenkranz
>> BITTE KLICKEN !

Wer zuletzt lacht… : Hochbetrieb im Flughafen beim Last-Minute-Schalter. Endlich kommt Herr Müller an die Reihe, ein aufgeblasener Wichtigtuer und Stinkstiefel. Er mäkelt an allem herum: Preis zu hoch, Fluggesellschaft nicht seriös, schlechter Sitzplatz… So dauert die Beratung etwas länger. Die Dame am Schalter bleibt sogar ganz gelassen, als er sie mit „Lahme Ente“ beschimpft. Endlich ist die Buchung erledigt, und der nächste Fluggast ist dran. Der kann sich nicht beherrschen und meint zu ihr: „Ich bewundere Ihre Ruhe! Wohin fliegt denn dieser Flegel?“ - Die Dame grinst: „Der Flegel fliegt nach Thailand, und seine Koffer nach Miami…!“

Gefährlicher Ort: Die kleine Sabine ist zum ersten Mal beim Aschermittwochs-Gottesdienst dabei und natürlich sehr beeindruckt. Daheim angekommen, fragt sie sofort ihre Mutter: „Du, Mami, stimmt es wirklich, dass alle Menschen zu Staub werden, wenn sie ge- storben sind?“ Mutter ist natürlich gut informiert und antwortet: „Ja, Sabine, das stimmt!“ - Kleine Denkpause. Dann meint die Kleine: „Wenn das so ist, dann müssen unter Omas Bett aber schon viele Leute gestorben sein!“

zurück zur Hauptseite? >> BITTE KLICKEN !

22.09.2010

26. Sonntag im Jahreskreis C - 26.9.2010

(Fortsetzung)

Damals war das nicht anders als heute: Damit bei diesem üppigen Lebensstil neugierige oder neidische Mitbürger nicht stören konn-
ten, gab es hohe Mauern und Wachpersonal für die große Villa. So war sichergestellt, dass man wirklich unter sich war. - Und wie das damals auch üblich war, als Messer und Gabel bei Tisch noch nicht eingesetzt wurden, aß man meistens mit der Hand und benutzte Brotfladen, um sie in die Schüsseln zu tunken. Die dabei manchmal klebrigen Hände reinigte man einfach mit Stücken aus den Brotfladen, die man anschließend auf den Boden warf.

An dieser Stelle kommt nun Lazarus ins Spiel, der armselige Bettler. Wir erinnern uns ans Evangelium: „Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war. Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Statt dessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren.“
Achten wir auf die Feinheiten: Lazarus lag da, direkt vor der Tür zum herrlichen Anwesen des Reichen. Im Original heißt es sogar, dass er dort „hingeworfen, abgelegt“ worden ist. Offensichtlich ist dieser Lazarus ganz übel dran. Er liegt da, weil er nicht mehr gehen kann. So haben ihn einige Leute wohl dort abgelegt, so wie man eine Sache irgendwo deponiert.
Lazarus ist nicht nur gelähmt, sondern sein Körper ist mit vielen Geschwüren bedeckt. Aussatz ist das sicher nicht, denn sonst hätte jeder einen großen Bogen um ihn gemacht. Seine extrem schlechte Ernährung und miserable hygienische Bedingungen haben seinem Körper den Rest gegeben; er ist nur noch ein Wrack, ein Häufchen Elend.
Da liegt er nun Tag für Tag und leidet fürchterlichen Hunger, während er die Festgäste und den Hausherrn ein- und ausgehen sieht. Doch Lazarus verhält sich ruhig. Er schreit nicht herum, er fordert nichts, er pöbelt niemanden an. Er liegt nur da draußen vor der Tür und hält seine Hände zum Betteln hoch, wenn an der Tür Bewegung ist. Sicher schämt er sich seines Aussehens und will deshalb niemandem zu nahe treten. Er wartet einfach ab und hofft darauf, dass der Hausherr sich seiner erbarmt. Die weggeworfenen Brot-
stückchen zum Säubern der Hände würden ihm schon genügen. Mit dem Wohlstands-Abfall wäre stets für einen weiteren Tag sein Überleben gesichert.
Doch so oft er auch darauf hofft, Tag für Tag, Woche für Woche: Lazarus ist einfach Luft für den reichen Mann. Dessen Augen sehen ihn zwar, sein Herz aber nicht. Ob er sich etwas dabei denkt - wir wissen es nicht genau. Viele meinten damals, Leid und Krankheit sei eine Strafe Gottes, und die hätten die Betroffenen dann wohl auch verdient. Sie konnten von Glück sagen, wenn man sich barmherzig zeigte, wie es das Gebot der Nächstenliebe verlangte.

Was die Menschen nicht fertigbringen, das machen die herrenlosen Hunde, so gut es eben geht: Sie kommen zu dem schwerkranken Mann und helfen ihm. Dabei lecken sie seine Wunden, wie sie das auch bei sich selbst tun würden. Heute weiß man übrigens, dass der Speichel tatsächlich eine heilende Wirkung hat, aber das nur nebenbei. - Die Tiere tun, was sie können, aber für den immer mehr geschwächten Lazarus kommt inzwischen jede Hilfe zu spät: Lautlos und fast unbemerkt verhungert er vor der Haustür des Reichen.
Fast unbemerkt, denn die Engel Gottes haben ihn sehr wohl bemerkt und tragen ihn, der auf Erden so schrecklich gelitten hat, direkt in Abrahams Schoß, also ohne Umweg sofort in den Himmel. Nun wird uns auch klar, warum dieser Bettler Lazarus heißt. Die Übersetzung des Namens lautet nämlich „Gott hilft“. Jetzt erst wird so richtig sichtbar, was Gott von diesem Menschen hält. Und er schafft auf der Stelle Gerechtigkeit für ihn, woran uns Jesus an anderer Stelle erinnert hat, wenn er erklärte, dass bei Gott die Ersten die Letzten sein würden und umgekehrt.
Für den Reichen gibt es schon sehr bald eine Überraschung der unangenehmen Art: er stirbt nämlich auch. Jesus erzählt auch das seinen Zuhörern nur ganz knapp: „Auch der Reiche starb und wurde begraben. In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß.“
Bis jetzt ist doch alles gutgegangen, meinte also nicht nur der naive Fallschirmspringer. Auch dieser Reiche dachte offenbar, sterben würden immer nur die anderen. Und der Bettler direkt vor seiner Nase – was ging der ihn denn schon an?
Der Reiche war sicher kein Mensch, der ausgesprochen böse war. Vielleicht hat er sogar dann und wann großzügig gespendet, damit man das öffentlich auch mitbekam, was für ein Gönner er doch ist. Nein, er hat den Bettler nicht wegbringen lassen oder ihm gedroht.
Er ist nicht aktiv gegen ihn geworden, allerdings auch nicht aktiv
für
ihn. Dieser Bettler da – das war einfach nicht sein Problem, dachte er.

Aber nun hat er ein Problem, der arme Reiche! Klar, natürlich bekam er ein pompöses Begräbnis erster Klasse. Sicher war die ganze Stadt auf den Beinen, und von außerhalb kam selbstverständlich auch Prominenz angereist, wie das eben so ist. Von den Rednern wurde seine Wichtigkeit und seine Menschlichkeit sicher hoch gelobt, aber das war’s dann auch schon mit dem erfreulichen Teil.
Jetzt kommt für ihn selbst der unangenehme Teil. Er sitzt da in der Unterwelt, in der Hölle, und er leidet ganz furchtbar. Hier wird er mit voller Wucht mit sich selbst konfrontiert, mit seinem Leben und mit dem, was er getan und was er leider nicht getan hat. Und das schmerzt ihn ganz schrecklich, besonders, weil er gleichzeitig sehen muss, wie herrlich es Lazarus jetzt im Himmel geht.

Und siehe da: auf einmal fällt dem Reichen sogar der Name des Bettlers ein, der auf Erden nur Luft für ihn war. Der Reiche ruft Abraham um Unterstützung an, er möge doch dafür sorgen, dass Lazarus ihm bitte mit dem Finger Wasser auf die schmerzende Zunge träufele. Abraham spricht ihn darauf zwar freundlich mit
„mein Sohn“ an, stellt aber sofort klar, dass der Himmel prinzipiell keinerlei Geschäftsbeziehungen zur Hölle pflegt. Zwischen Himmel und Hölle ist da ein unüberwindlicher Abgrund, also keine Chance, reicher Mann! Die Chance, die hat der Reiche gehabt, vorher, als er noch in Saus und Braus lebte. Doch der Wohlstand hat ihn egoistisch und blind für seinen Nächsten gemacht. Wie es dem da vor seiner Tür geht, das hat er gar nicht an sein Herz herangelassen.

Das erinnert an ein Gespräch eines Rabbis mit seinem Schüler. Der will von seinem Lehrer wissen, wie es kommt, dass die Armen von dem Wenigen, das sie haben, gerne noch teilen, während die Reichen so geizig sind. Da sagt ihm der Rabbi:
„Tritt ans Fenster! Was siehst du?" - „Ich sehe eine Frau mit einem Kind. Und einen Wagen, der zum Markt fährt."
„Gut. Und jetzt tritt vor den Spiegel. Was siehst du?"
„Nun, Rabbi, was werd' ich wohl sehen? Mich selber natürlich!“
Da meint der Rabbi: „Nun siehst du es selbst: Das Fenster ist aus Glas gemacht, und der Spiegel ist auch aus Glas gemacht. Man braucht bloß ein bisschen Silber dahinter zu legen, und schon sieht man nur noch sich selbst."

Nachdem der Reiche in der Erzählung Jesu begriffen hat, dass es für ihn selbst keine Chance gibt, seinem höllischen Schmerz zu entrinnen, will er wenigstens für seine Familie noch etwas heraus-
holen. Geschäftstüchtig, wie er ist, versucht er mit Abraham darüber zu verhandeln, dass seine fünf Brüder gewarnt werden dürfen, damit es ihnen nicht auch so ergeht wie ihm selbst. Und ausgerechnet Lazarus, den die Brüder auch kennen, soll dabei den Himmelsboten spielen.
Nein, lässt Jesus durch Abraham erklären, auch daraus wird leider nichts. Diese Sorte Menschen kennen wir im Himmel nur zu gut.
Es ist von Gott durch Mose und die Propheten doch wirklich zur Genüge erklärt, wie ihr euch zu verhalten habt. Die Zehn Gebote zum Beispiel kennt jeder von deinen reichen Brüdern ganz genau.
Da hilft es auch nicht, wenn ihnen Lazarus erscheint. Was sie wissen müssen, das wissen sie längst durch Gottes Wort. Es ist alles gesagt, immer wieder gesagt. Aber sie hören einfach nicht hin, es interessiert sie einfach nicht. Sie tun so, als ginge sie das alles gar nichts an. Tut mir leid, aber sie werden schon sehen, wie weit sie damit kommen. Du selbst weißt es inzwischen ja schon.

Ist die Bibel also doch keine Frohbotschaft, sondern eine Drohbotschaft? Jesus als Spaßverderber, als Einschüchterer?
Nein, ganz gewiss nicht! Jesus droht nicht, sondern er warnt, und das ist ein Unterschied. Weil ihm die Menschen so am Herzen liegen, will er sie immer wieder wachrütteln, damit sie nicht blindlings in ihr eigenes Verderben rennen. Keine Mutter hält den Mund, wenn ihr kleines Kind nach der heißen Herdplatte greift.
Die Botschaft des heutigen Evangeliums ist klar: Das hier ist eine Geschichte, aus der du selbst lernen sollst!
Lebe nicht so kurzsichtig wie dieser Reiche, sondern denke an deine Zukunft, denke daran, dass alles, was du tust oder was du unter-
lässt, auch Auswirkungen für dich haben kann.

Wir reden heute so oft von Vorsorge. Wir sorgen für das Alter vor, indem wir Geld ansparen. Wir gehen zur Gesundheits-
vorsorge, damit die Ärzte frühzeitig helfen können, falls da etwas nicht stimmt. - Woran Jesus uns alle erinnert, das ist die Vorsorge für die Zeit nach dem Erdenleben, das oft genug so plötzlich und unerwartet zu Ende sein kann.
Lerne aus diesem Beispiel, ruft uns Jesus zu, damit es dir nicht auch so ergeht.
Deine Nächsten gehen dich sehr wohl etwas an. Sie sind Gottes Geschöpfe, genau wie du. Gott liebt sie, so wie er dich liebt.
Nun mag man denken: So reich bin ich doch gar nicht. Zu den oberen Zehntausend gehöre ich erst recht nicht. Um meine Aktien brauche ich mir keine Sorgen zu machen, weil ich gar keine besitze.
Mich kann Jesus damit also eigentlich nicht meinen.

Irrtum! Jesus erzählt das nicht auf irgendeiner Versammlung reicher Leute, sondern er erzählt das ganz normalen Leuten wie du und ich, die ihm zuhören, die ihr Leben nach ihm ausrichten wollen. Und er erzählt das im Anschluss an das Evangelium vom vorigen Sonntag, wo er eindringlich und anschaulich den betrügerischen und doch klugen Verwalter beschrieb. Der schaffte sich nach seiner Ent-
lassung viele Freunde, indem er die Schuldner seines Herrn neue, ermäßigte Schuldscheine ausstellen ließ.
Klug sollen wir sein, indem wir dem Willen und der Gerechtigkeit Gottes schon hier auf Erden ein Stück weit zum Durchbruch verhelfen.
Jetzt ist für uns die Zeit und die Gelegenheit, Nächstenliebe zu üben und Gutes zu tun.
Jetzt
haben wir die Chance, zu beweisen, dass wir Jesus nachfolgen wollen. Der Glaube hört übrigens nicht beim Geld-
beutel auf, sondern da, wo es mir auch mal etwas weh tut, wo es mich Überwindung kostet, da fängt er erst richtig an.
Überall auf der Welt können wir sie sehen, die himmelschreiende Armut. Damit sind nicht nur die vielen Millionen Menschen gemeint, die menschenunwürdig und in ständiger Gefahr zu verhungern ihr Leben fristen müssen. Damit sind nicht nur die Scharen von Bettlern gemeint, die sich Tag für Tag erniedrigen müssen, um vielleicht ein barmherziges Stückchen Brot vom Tisch der Wohlhabenden abzubekommen.
Elend und Armut begegnen uns auch in unserem Land auf Schritt und Tritt, wenn auch oft eher unauffällig und verschämt. Wer das nicht sehen will, der sieht das nicht. Ein einziges Beispiel mag genügen: In den großen Städten lebt in unserem reichen Land mehr als ein Viertel der Kinder in Armut, sagt die Statistik.
Was wird aus ihnen wohl werden, wenn sie keine Hilfe und keine Wertschätzung bekommen?
Diese Kinder und alle Notleidenden haben unsere Nächstenliebe wirklich verdient. Es gibt ein „zu spät“, ruft uns Jesus zu.
Ein „zu spät“ für Menschen in Not, aber auch ein „zu spät“ für jeden, der als Christ da nicht hilft, wo er oder sie helfen könnte.
Lernen wir also aus dem Evangelium und freuen wir uns jetzt schon auf das himmlische „happy end“ für die Kinder Gottes.

Predigt Pfr. Dr. Johannes Zimmermann (pdf)
>> BITTE KLICKEN !
Predigt Pfr. Michael Thein
>> BITTE KLICKEN !
Predigt Diakon Josef Lengauer
>> BITTE KLICKEN !
Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
>> BITTE KLICKEN !
Einführung und Lesehilfe des Kath. Bibelwerks (pdf)
>> BITTE KLICKEN !
Meditation zum heutigen Evangelium (pdf)
>> BITTE KLICKEN !
Anregungen nicht nur für den Kindergottesdienst (pdf)
>> BITTE KLICKEN !
Hinweise zum Evangelium nach Lukas
>> BITTE KLICKEN !
Das „Sozialwort“ der Ev. und Kath. Kirche Deutschlands (1997!)
>> BITTE KLICKEN !
Caritas-Sonntag 2010
>> BITTE KLICKEN !
Initiative „Deine Stimme gegen Armut“
>> BITTE KLICKEN !
Caritas: „Gemeinsam gegen Armut“
>> BITTE KLICKEN !
Heilen Wunden schneller durch Speichel?
>> BITTE KLICKEN !
3. Oktober – Deutsche Einheit: Gott sei Dank!
>> BITTE KLICKEN !

Himmel und Hölle

Ein Rabbi bat Gott einmal darum, den Himmel und die Hölle sehen zu dürfen. Gott erlaubte es ihm und gab ihm den Propheten Elia als Führer mit. Elia führte den Rabbi zuerst in einen großen Raum, in dessen Mitte auf einem Feuer ein Topf mit einem köstlichen Gericht stand. Rundum saßen Leute mit einem langen Löffel und schöpften alle aus dem Topf. Aber die Leute sahen blaß, mager und elend aus, denn die Stiele ihrer Löffel waren viel zu lang, sodass sie das herrliche Essen nicht in den Mund bringen konnten. Als die Besucher wieder draußen waren, fragte der Rabbi den Propheten, welch ein seltsamer Ort das gewesen sei. Es war die Hölle.
Daraufhin führte Elia den Rabbi in einen zweiten Raum, der genau aussah wie der erste. In der Mitte des Raumes brannte ein Feuer, und dort kochte ein köstliches Essen. Leute saßen ringsum mit langen Löffeln in der Hand. Aber sie waren alle gut genährt, gesund und glücklich. Sie versuchten nicht, sich selbst zu füttern, sondern benutzten die langen Löffel, um sich gegenseitig zu essen zu geben.
Dieser Raum war der Himmel!
(Ein russisches Märchen)

Bei einer Privat-Audienz im Vatikan gratuliert ein Teilnehmer der kleinen Gruppe dem Papst zum Namenstag. Papst Benedikt schaut etwas verdutzt drein: „Wieso, heute ist doch nicht Benno oder Benedikt?!“ Doch schon folgt seitens des Gratulanten der entscheidende Hinweis: „Das nicht, aber heute ist doch der Sechzehnte…!“

Der Papst besucht die Philippinen. Ein vorwitziger Reporter drängelt sich durch die Menge vor einer Kirche und fragt den Papst: „Werden Sie in Manila auch Nachtclubs besuchen?“ – Der Papst versucht den Ball zurückzuschießen, indem er fragt: „Gibt es hier denn überhaupt Nachtclubs?“
Entsetzen am nächsten Tag: Der Privatsekretär des Papstes hat die örtlichen Zeitungen gekauft. Titelschlagzeile auf Seite 1: „Papstbesuch: Seine erste Frage: Gibt es hier Nachtclubs?“

zurück zur Hauptseite? >> BITTE KLICKEN !