(Fortsetzung)
„Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links von dir sitzen.“ - Im griechischen Original klingt es sogar noch etwas forscher: „Gib uns..!“
Also eines muss man den beiden lassen: Die trauen sich was! - Vor den Augen der anderen, und kurz nach den mehrfachen Leidensankündi-gungen ihres Herrn und schon auf dem Wege nach Jerusalem, ziehen sie Jesus offenbar zur Seite und äußern solch eine unerhört große Bitte!Es ist ja nicht so, als wenn es im Himmel Platzmangel gäbe und man deshalb vor allen anderen reservieren sollte. Den beiden geht es nicht um den Himmel als solchen, sondern um die ersten und besten Plätze. - Natürlich sind die ersten Plätze immer direkt beim Chef. Die wichtigsten Minister sitzen in den Regierungen unserer Welt immer in der Nähe des Regierungschefs. Solche Sitzordnungen werden zuweilen sogar für private Feste geplant, und in der Firma und auch in kirchlichen Versammlungen ist es eine Ehre, wenn man am Vorstandstisch sitzen darf.
Jakobus und Johannes wollen sich also die besten Posten im zukünftigen Hofstaat Jesu schon mal exklusiv sichern. Sie haben ja schließlich persönlich auch aller-
hand investiert; ihre frühere sichere Existenz haben sie für ihn aufgegeben und sind ihm gefolgt, wo auch immer er hin ging. Da die beiden davon ausgehen, dass es für den Himmel keine Selbstbedienung gibt, wenden sie sich schon mal vorsorglich an ihren Chef, frei nach der Devise: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst!
Bevor wir die Antwort Jesu betrachten, sollten wir einmal einen näheren Blick auf diese beiden Apostel werfen. Jakobus und Johannes werden im heutigen Evangelium und an anderen Bibelstellen ausdrücklich immer wieder als „die Söhne des Zebedäus“ vorgestellt.
Das ist sicher kein Zufall: Zebedäus war ein ange-sehener, wohl-
habender Mann mit einem größe-
ren Fischerei-Betrieb. Er hatte einige gute Be-
ziehungen, sogar zur Familie des Hohenpriesters, also zu Leuten, die sich ihren Platz an der Sonne der Macht längst gesichert hatten.
Man kann also sagen, dass die beiden Brüder aus einer recht erfolgreichen Familie kommen. Sie sind kein un-
beschriebenes Blatt und besitzen auch im Kreise der Apostel wegen ihres besonders energischen Auftretens großen Respekt. Bei der Verklärung Christi und beim Beten Jesu in seiner Todesangst im Garten Gethsema-
ne sind sie neben Petrus übrigens die einzigen, die Jesus begleiten dürfen.
Dies zeigt schon, dass auch Jesus ihre besondere Bedeutung sieht. Sie gehören gewissermaßen zum innersten Kern um Jesus. Johannes ist übrigens mit Petrus auch dabei, als Jesus nach seiner Verhaftung dem Hohenpriester vorgeführt wird; es heißt da aus-
drücklich, dass dieser den Johannes kennt. Erst mit Johannes’ Beziehungen gelangt Petrus in den Hof des Hohenpriesters, wo er Jesus dreimal verleugnet.
Dass Jakobus und Johannes dabei immer mal wieder in ihrem Eifer über das Ziel hinausschießen, ist aber auch bekannt. Nicht ohne Grund hat Jesus den beiden ihren Spitznamen verpasst: er nennt Jakobus und Johannes die beiden „Donnersöhne“ (Mk 3,17). Man könnte sie als Hitzköpfe bezeichnen, als Eiferer, bei denen das Tempe-
rament auch schon mal mit ihnen durchgeht. Vor kur-
zem erst haben wir am 26. Sonntag im Jahreskreis B miterlebt, wie Johannes sich Jesus gegenüber lautstark wegens eines Mannes ereifert, der in Jesu Namen Dämonen austreibt, obwohl er nicht als dessen Jünger bekannt ist.
Und als man Jesus und den Jüngern in Samaria die Unterkunft verwehrt, wollen Jakobus und Johannes am liebsten dafür Rache nehmen und gleich Feuer vom Himmel regnen lassen…

Dennoch: Im Kreis der Apostel sind die beiden energischen Brüder offenbar sehr geschätzt und in führender Position. Unmittelbar unter dem Kreuz Jesu finden wir von den Aposteln nur Johannes, den Lieblingsjünger Jesu, dem er dort sogar ausdrücklich die Sorge für seine Mutter anvertraut. Die beiden, Jakobus und Johannes, sind also nicht einfach nur typisch egoistische Vordrängler, als sie sich bei Jesus um die besten Sitzplätze bewerben. Sie sind auf ihre Art auch Vordrängler im Glauben, also Menschen, die - sicher auch dank ihres Temperamentes - nicht zögerlich sind, sondern wie Petrus sehr schnell alles auf eine Karte setzen.
Beide müssen unter dem Eindruck ihrer Erlebnisse mit Jesus erst mühsam lernen, ihren Elan auch schon mal etwas zu zügeln. Dass dies dem Johannes besser gelingt als seinem älteren Bruder, beweist er nicht zuletzt im Johannes-Evangelium, in dem seine absolute, vertrauensvolle und liebende Hingabe an Gott überall spürbar ist. So wird er auch wegen der häufigen Erwähnung der Liebe als „Apostel der Liebe“ bezeichnet.
Jakobus erleidet sogar als erster aus den Reihen der Apostel das Schicksal eines Märtyrers; durch seinen Glaubenseifer hat er den Zorn des Herodes erregt und wird enthauptet. Sein Bruder Johannes dagegen stirbt in hohem Alter in der Verbannung auf der Insel Patmos.
Nun können wir die Situation und die Antwort Jesu etwas besser einordnen. Als sie ihren Wunsch aus-
gesprochen haben, erklärt Jesus den beiden prompt: „Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?“
Jesus wird nämlich bald schon den bitteren Weg des Leides gehen, doch die beiden Bittsteller sind der Meinung, dass sie dies in der Nachfolge Jesu auch auf sich nehmen können. Wie wir aus der Bibel wissen, werden sie tatsächlich Gelegenheit bekommen, für ihren Glauben zu leiden, durch den Märtyrertod bzw. durch die Verbannung.
Im heutigen Evangelium folgt nun so etwas wie der zweite Akt.Jetzt werden die übrigen zehn Apostel doch so langsam sauer. Sicher haben sie erst einmal die Reaktion Jesu auf das Vorpreschen der beiden Brüder abgewartet und wohl eher eine heftige Abfuhr für die beiden erwartet. Jesus, der unsere Herzen nur zu gut kennt, verurteilt die beiden jedoch nicht lauthals. Wir Menschen denken eben allzu oft in diesen Kategorien der Macht, in den Kategorien von oben und unten, von erstklassig und zweitklassig. Wir heute kennen das z.B. auch von Eisenbahn, Flugzeug und Schiff, wo es ganz selbstverständlich die 1. und die 2. Klasse gibt, die sich im Komfort, aber auch im Preis ganz deutlich unterscheiden.
Aus den heftigen Reaktionen der anderen Jünger klingen Eifersucht und Enttäuschung, vielleicht nicht nur über die Unverfrorenheit der Bittsteller, sondern auch über sich selbst. Diese beiden waren so clever und haben frühzeitig reagiert, warum dann nicht auch wir?
Diese beiden haben aber auch absolutes Vertrauen in die kommende Herrschaft Jesu, denn sonst macht ihre Bitte um die Platzreservierung ja keinen Sinn. Haben wir dieses Vertrauen auch?
Jesus erklärt sich für diesen Buchungswunsch zwar für nicht zuständig, aber er lässt die anderen Jünger auch nicht mit ihrem Ärger allein. Jesus nutzt die so entstan-
dene Gelegenheit, um wieder einmal ganz grundsätzlich zu werden. Als Überschrift über seine Jüngerbelehrung könnte sein Hinweis stehen: „Bei euch aber soll es nicht so sein…“ – Bei denen, die Christus nachfolgen, soll es eben nicht so sein, dass geherrscht wird, indem die eigene Macht missbraucht wird.
Jesus vertieft das so: „…sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.“ Jesus hat das selbst auch immer wieder ganz praktisch demonstriert; denken wir etwa nur an die Fußwaschung, die er persönlich und tief gebeugt wie ein Diener an seinen Jüngern vornimmt.Jesus fügt für seine Jünger heute auch gleich eine Begründung an, wenn er darauf hinweist, dass auch er selbst nicht gekommen ist, „um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“
Jesus hat es uns vorgemacht. In seinem Reich gibt es absolut kein Konkurrenzdenken, keinen Beziehungs-Klüngel und kein Gemauschel hinter dem Rücken der anderen. Das ist einfach absurd, denn im Himmel ist es eben einfach himmlisch, da ist nur Liebe und Glück und der millionenstimmige Chor, der Gott aus vollem Herzen und mit aller Liebe lobpreist.
Seiner Kirche hat Jesus jedenfalls am heutigen Sonntag auch etwas mit ganz großen Buchstaben ins Stamm-
buch geschrieben: „Bei euch aber soll es nicht so sein…!“ - Die Kirche darf eben nicht so sein und nicht so handeln wie die Welt drumherum, in der die Ellenbogen offenbar der wichtigste Teil des ganzen Körpers sind. Eine Kirche, die Christus wirklich nachfolgen will, die hat sich ganz klar und unübersehbar abzuheben von allem Klüngel, von Vetternwirtschaft und von protzigem Machtgetue.
Wie wir nicht nur aus der Kirchengeschichte wissen, ist die Kirche hier leider immer wieder schuldig geworden. Statt eine Kontrastgesellschaft zu sein, wurde häufig, viel zu häufig, das Statusdenken und Machtgeplänkel der Welt sogar in die Kirche hineingetragen.
„Bei euch aber soll es nicht so sein…“ - Diese Aufforderung Jesu darf auch die heutige Kirche nie vergessen! Bischof Jaques Gaillot hat das einmal so auf den Punkt gebracht: „Eine Kirche, die nicht dient, die dient zu nichts!“
Doch Vorsicht! Kirche – das sind eben nicht nur die in Rom und die an der Spitze des Bistums, die so schön weit weg sind. Kirche, das sind auch wir hier an diesem Ort und überall. Es geht nicht nur um ein mehr oder weniger zartes Frage-zeichen hinter die Titel und schöne Kleidung der Eminenzen, Exzellenzen, Prälaten und Monsignori. Es geht ganz grundsätzlich darum, wie man in der Kirche miteinander umgeht und wie man mit denen umgeht, die in ihrem Leben immer noch auf der Suche sind.
Ist die Kirche, und sind wir in unserer Gemeinde, eher so etwas wie ein Straßenbauer, der sich mächtig ins Zeug legt, um anderen zu dienen und den Weg zu ebnen, oder doch eher ein Club derer, die wie der Rest der Welt in den Kategorien der Macht, der Selbst-darstellung und der Hackordnung denken?
Der Appell Jesu war damals unangenehm, und er ist es auch heute. So manchem sogenannten Würdenträger dürfte es da gelegentlich in einer stillen Minute schon eine gute Portion Schweiß auf die Stirn treiben. Manche Mitchristen mögen jetzt insgeheim denken: Na, das wollen wir aber auch stark hoffen!
In Ordnung, aber was ist mit uns selbst, mit dir und mit mir?

Predigt Pastor Jens Motschmann
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Predigt Pfarrer Helmut Liebs (pdf)
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Predigt Pfr. Dr. Friedrich Schwinn
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Kurzpredigt Pfr. Dr. Jörg Sieger
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Kindergottesdienstvorschlag (pdf)
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Predigten u. Fürbitten der Karl-Leisner-Jugend
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Gottesdienstvorschlag Pfr. Bruno Layr
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Predigt Pfr. Stefan Osberger
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Lesehilfe des Kath. Bibelwerkes (pdf)
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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VIRC Wien: Lesungstexte u. kurze Einführung (pdf)
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Auch Atheisten müssen irgendwann mal dran glauben.
Der Bischof meint zur Sekretärin: „Schreiben Sie bitte STRENG VERTRAULICH über den neuen Aushang. Ich möchte sicher sein, dass es wirklich jeder im Ordinariat liest."
Der Personalchef interessiert sich besonders für den Familienstand der Bewerber. „Ich bin Junggeselle," antwortet der erste, der hereinkommt. „Dann ist leider nichts zu machen," meint der Personalchef, „denn wir stellen nur Leute ein, die es gewohnt sind, sich unterzuordnen!"
Die heutigen Predigtgedanken können Sie auch per E-Mail von mir beziehen oder selbst herunterladen (der Link funktioniert bis mindestens 1.1.2013):
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