17.03.2009

4. Fastensonntag B - 22.03.2009

(Fortsetzung)

(Jesus öffnet mitten in der Nacht die Tür.)

Auch zu dieser ungewöhnlichen Zeit ist er bereit für Ratsuchende. Nikodemus fällt ein Stein vom Herzen, dass er es unerkannt bis hierher geschafft hat und von Jesus freundlich hereingebeten wird. Ein wahr-

scheinlich stundenlanges Gespräch entwickelt sich, von dem wir im heutigen Evangelium nur einen kleinen Ausschnitt mitbekommen.

Von Mose und einer Schlange spricht Jesus: „Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muß der Menschen-

sohn erhöht werden, damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat.“

Jesus erinnert damit seinen fachkundigen Zuhörer daran, dass das Volk Israel bei seinem Auszug aus der ägyptischen Gefangenschaft lange Jahre durch die gefährliche Wüste wanderte.

Als giftige Schlangen viele aus dem Volk töteten, erlebten sie wieder einmal, wie der Herr sie aus ihrer tiefen Not rettete. Ihr Führer Mose bekam von Gott die Anordnung, eine kupferne Schlange anzufertigen und an einer Stange hochzuhalten, eben zu erhöhen. Wer gebissen wurde und die erhöhte Schlange gläubig ansah, der war gerettet und musste nicht sterben.


Nun zieht Jesus eine Parallele zu seinem Tod am Kreuz und erklärt Nikodemus: Auch der Menschen-

sohn wird bald erhöht an einer Stange hängen, am Kreuz. Das ist die Antwort Gottes auf die Todesnot der sündigen Menschen. Doch auch hier gilt: Wer diesen Jesus, der für uns am Kreuz hängt, gläubig ansieht, der ist gerettet und hat das ewige Leben.

Ein sehr anschauliches Bild, das Jesus da wählt: Wer ihn am Kreuz leidend gläubig ansieht, der ist gerettet! Das Kreuz ist also nicht nur ein Bild des Elends, des Schmerzes. Es ist das große Zeichen Gottes gegen alle Giftschlangen dieser Welt, und davon gibt es wahrlich genug!


Der Satz, den Jesus danach zu Nikodemus spricht, ist einer der schönsten und anrührendsten im ganzen Neuen Testament. Martin Luther formulierte für seine Zuhörer ganz treffend, diese Worte wären „es wert, daß man sie mit goldenen Buchstaben ins Herz schriebe“.

Dieser Satz, den wir eben gehört haben, heißt: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, daß er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“

Was für ein Satz! Was für ein Geschenk! Wir vergessen das im Alltagsgewühl allzu schnell: Gott hat die Welt so sehr geliebt…!

So kann Liebe sein, unbegreifliche, göttliche Liebe!

Eine Liebe, die einfach alles daransetzt, dass die

Welt nicht zugrunde geht!


Diese Welt liegt Gott wirklich am Herzen! Er hat sie nicht zu seinem Freizeitvergnügen geschaffen. Nein, sein Herzblut hängt daran!

Diese Welt, diese Erde ist nicht einfach so da. Diese Welt wird getragen und zusammengehalten von unfassbarer Liebe göttlichen Ausmaßes.

Und das von Gott vorgesehene Ziel für die Menschen ist das ewige himmlische Leben bei Gott.

Da passt es wirklich genau, dass der heutige

4. Fastensonntag „Laetare“ genannt wird, das heißt „Freue dich“. Gott hat uns das größtmögliche Zeichen der Liebe geschenkt, er hat seinen einzigen Sohn für uns am Kreuz hingegeben. Was für eine Liebe, was für ein Gott!


Wir können uns gut vorstellen, wie interessiert Nikodemus den Worten Jesu gelauscht hat. Als Pharisäer ist er groß geworden mit dem Gedanken, dass man immer etwas für Gott tun muss, dass man immer durch alle möglichen Opfer und Entbehrungen um Gottes Gunst werben muss. Viele zum Teil recht kleinlichen Regeln bestimmten damals den religiösen Alltag und machten vielen das Leben als gläubige Juden sehr schwer. Ein Hirte z.B. hatte überhaupt keine Chance, die vielen Reinheitsvorschriften zu befolgen.


Um seine Aussage noch zu unterstreichen, ergänzt Jesus seinen Satz noch: „Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.“

Gott ist also nicht der Superspion, der alle unsere Missetaten buchhalterisch korrekt mit zwei Durchschlägen in unsere himmlische Akte abheftet.

Gott ist nicht der Gott, der uns wie ein grimmiger alter Mann misstrauisch auf die Finger schaut. Solch ein Gott wäre die Menschen lieber heute als morgen los. Solch ein Gott würde für dieses Gesindel da unten auf der Erde wohl kaum auch nur einen Finger krumm machen.

Nein, sagt Jesus, Gott hat seinen geliebten Sohn ausdrücklich gesandt, damit die Welt gerettet wird und nicht, damit sie gerichtet wird. Gott will retten, und keiner soll verloren gehen, wie Jesus an anderer

Stelle z.B. mit dem Gleichnis vom verlorenen Schaf oder vom verlorenen Sohn betont.


Doch man darf es sich andererseits nicht zu einfach machen. Der Satz Jesu sagt, dass derjenige nicht gerichtet wird, der an ihn glaubt.

Er sagt aber ebenso deutlich, dass derjenige schon gerichtet ist, der nicht an ihn glaubt. Wer Jesus also ganz bewusst und in klarer Entscheidung ablehnt, der hat sich selbst sein Urteil gesprochen, der hat sich selbst gerichtet.

Wer das Licht, das in die Welt kam, einfach ablehnt und lieber weiter im Dunkeln dahinleben will, der hat seine Gründe. Er lehnt das Licht ab, weil er im Finsteren leben will, weil er nicht will, das seine Taten ans Licht kommen. Solch ein Mensch will einfach nicht umkehren. Er lehnt das Rettungsangebot Gottes dankend ab: Nein danke, ich habe schon alles. Mir geht es doch gut. Warum sollte ich mich ändern?

Nee, lieber Gott, störe mich bitte nicht! Ich zappe dich einfach mit meiner Fernbedienung fort aus meinem Leben und wähle lieber ein Unterhaltungsprogramm.


Von dieser Sorte Menschen gibt es leider ganz viele. Im Evangelium sagt Jesus darum auch verall-

gemeinernd „die Menschen“: „Denn mit dem Gericht verhält es sich so: Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse.“

Wir merken: Jesus macht sich nichts vor. Er ist ein Realist. Niemand kennt die Menschen so gut wie er. Er weiß, dass der Mensch schon seit Adam und Eva dazu neigt, immer mehr haben zu wollen. Und zwar meistens zum eigenen Vorteil und zum Nachteil anderer. Darum fällt es den Menschen auch so schwer, sich so vertrauensvoll wie ein Kind ohne Zögern der Liebe Gottes anzu-

vertrauen. Zu sehr haben wir gelernt, alles als ein Geschäft auf Gegenseitigkeit zu betrachten.

Die Frage ist schon fast in uns eingebaut: Was bekomme ich denn dafür? Und passend dazu die Rechnung: Wieviel muss ich denn investieren, damit ich was von Gott kriege? 100 Gebete, oder 200, oder vielleicht gar 300? - Mit solchen Überlegungen machen wir Gott wirklich zum Oberbuchhalter!


Wie reagiert nun der Ratsherr Nikodemus auf die Erklärungen Jesu? Hat er sich überzeugen lassen? Kann er den Mut aufbringen, sich offen zu Jesus als Messias, als Gottes Sohn, zu bekennen?

Leider verrät uns das heutige Evangelium gar nichts darüber. Über das Ende des Gespräches zwischen Jesus und Nikodemus wird nichts verraten. Wir wissen es aber trotzdem, und zwar aus anderen Bibelstellen. Nikodemus ist für die Öffentlichkeit kein Jünger Jesu geworden. Diesen gewaltigen und für ihn riskanten Schritt hat er nicht gewagt. Er hätte dann alles aufgeben müssen, wäre von seinen Kollegen und Glaubensbrüdern verachtet, hätte wahrscheinlich alle Brücken hinter sich abbrechen müssen.


Das hat er nicht geschafft. Diesen radikalen Richtungs-

wechsel hat er sich nicht zugetraut.

Wir kennen das aus anderen Bereichen, z.B. aus der Fliegerei. Da gibt es den sogenannten „point of no return“. Das bedeutet: Ab einem bestimmten Zeitpunkt, ab einer bestimmten Entfernung vom Startflughafen ist bei einem Flug die Rückkehr nicht mehr möglich. Zu viel Treibstoff ist schon verbraucht. Man käme nicht mehr bis dorthin zurück.

Ab diesem Punkt gibt es nur noch eine mögliche Richtung, die Richtung auf den Zielflughafen. Die Entscheidung ist gefallen, wir können sie nicht mehr ändern, die geschaffenen Fakten verhindern das.


Für Nikodemus ist die Entscheidung auch gefallen. Er will zurück, zurück zu dem, wo er sicheren religiösen Boden unter seinen Füßen vermutet. Die öffentliche Entscheidung für Jesus ist ihm einfach zu heikel, zumindest vorerst. Auch damals gab es schon „Mobbing“-Opfer, nur nannte man das nicht so.

Das Gespräch hat bei Nikodemus jedoch Spuren hinterlassen, Spuren in seinem Herzen. Das ist wie bei einer großen Liebe. Der Gedanke an den geliebten Menschen lässt einen nicht mehr los. Nikodemus ringt mit sich. Sein Kopf sagt ihm: Tu es nicht, halte dich bloß da raus! Sein Herz sagt ihm: Das ist er, der Messias, und du spürst das auch! - Nikodemus ist hin- und hergerissen.


Das kommt uns modernen Menschen sehr bekannt vor. Auch wir wollen gerne alles im Griff behalten, wollen im Leben immer auf der richtigen Seite stehen. Wir wollen nicht wie Verlierer aussehen. Wir wollen zu Jesus gehören, aber der Preis soll doch bitte nicht zu hoch sein! Oder in der Sprache des Konsums: Das Preis-Leistungs-Verhältnis muss schon stimmen!


Doch das ist das Tragische bei allen, ob sie nun Nikodemus heißen oder so wie wir selbst: So richtig glücklich kann man auch nicht werden mit solch einem lauen, heimlichen Christentum. Das ist wie bei einer heimlichen Liebschaft, das ist auf Dauer nichts Halbes und nichts Ganzes. Das ist wie 20 Jahre verlobt und immer noch nicht verheiratet. Die Sehnsucht der Seele, die nach Erfüllung sucht, sagt etwas anderes: Hör auf mit dem Hickhack, du musst dich bald mal entscheiden.


Jetzt in der Fastenzeit ist es gut, wenn wir uns alle noch einmal daran erinnern, dass wir uns schon entschieden haben.

Wir haben uns taufen lassen. Gott hat einen Bund mit uns geschlossen, den Taufbund.

Das ist fast schon sowas wie verheiratet. Wir haben JA gesagt, und Gott hat JA gesagt. Wir bekennen immer wieder, z.B. im Glaubensbekenntnis, das wir zu Jesus gehören. Es ist gut, wenn wir uns immer wieder daran erinnern. Nicht im Sinne einer Nötigung: So, nun benimm dich mal, wie das ein Christ tut! – Nein, wir dürfen uns daran erinnern: Wir sind im Wasser der Taufe und durch den Geist Gottes wie neugeboren, und wie neugeboren dürfen wir uns auch fühlen, ganz befreit, ganz beschützt in Gottes Hand. Niemals können wir tiefer fallen als in seine Hand. Was für ein Glück, was für ein Gott!


Und Nikodemus? Ach ja, da bleibt auch noch etwas sehr Erfreuliches zu erwähnen, was erst in späteren Bibelstellen steht: Beim Prozess Jesu setzt er sich doch tatsächlich mutig für ihn ein (Joh 7,50-51), und er packt sogar ganz handfest mit an bei der Bestattung des Leichnams Jesu. Er lässt sich das außerdem ordentlich was kosten, denn er spendiert die große Menge von „etwa hundert Pfund“ einer sehr teuren Mischung aus Myrrhe und Aloe (Joh 19,39) zum Einbalsamieren. So sorgt er gemeinsam mit Josef aus Arimathäa dafür, dass Jesus würdig bestattet wird.


Er hat wohl doch etwas begriffen. Wie hatte Jesus ihm doch gesagt? „Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, daß seine Taten in Gott vollbracht sind.“

Nikodemus hat dazugelernt. Er hat sich entschieden. Klar, das wird nicht ohne Ärger für ihn abgehen. Doch Nikodemus hat verstanden: Jesus ist durch schreckliches Leid und durch den Tod gegangen. Nikodemus ist jetzt mehr nicht wie diejenigen, die Gott zwar dienen wollen, aber bitte nur als Berater…!


Alle Achtung, Nikodemus! Was aus einem Pharisäer und Schriftgelehrten doch alles werden kann! Und danke, Johannes, dass du uns dieses Geschehen aufgeschrieben hast – ich denke, wir haben alle auch etwas dazugelernt!



Eine Zeitlang möchte ich hier als ersten Linktipp Internetseiten von Pfarreien vorstellen, die mir positiv aufgefallen sind, z.B. durch Predigten, durch Pfarrbriefe, durch gelungene Gestaltung usw.

Gerne sind weitere Vorschläge Ihrerseits willkommen!


Kath. Pfarrgemeinde St. Peter und Paul, Eltville:

>> RECHTSKLICK !


Pfr. Karl Sendker: >> RECHTSKLICK !


Eberhard Gottsmann: >> RECHTSKLICK !


Prof. Dr.Dr. Klaus Müller, Uni Münster:

>> RECHTSKLICK !


Nikodemus: >> RECHTSKLICK !


Nikodemus, der Spätzünder (pdf):

>> RECHTSKLICK !



„Ein Mensch, der recht sich überlegt,

dass Gott ihn anschaut unentweg,

fühlt mit der Zeit an Herz und Magen

ein ausgesproch’nes Unbehagen

und bittet schließlich ihn voll Grauen,

nur fünf Minuten wegzuschauen.

Er wolle unbewacht, allein

inzwischen brav und artig sein.

Doch Gott, davon nicht überzeugt,

ihn ewig unbeirrt beäugt.“

(Eugen Roth)




Der Pfarrer hat in seinem Garten natürlich den schönsten Kirschbaum mit den leckersten Kirschen des ganzen Dorfes. Das finden zumindest die Lausbuben, die sich einen besonderen Spaß daraus machen, einen Teil der Ernte für sich zu beanspruchen. Der verzweifelte Pfarrer versucht es mit einer Drohung.

Er stellt ein Schild auf: „Warnung an die Kirschen-

diebe: Der liebe Gott sieht alles!“ - Am nächsten Tag schaut er nach, wie erfolgreich er damit war. Schon wieder fehlen eine Menge Kirschen!

Auf dem Plakat ist noch eine wichtige handschriftliche Ergänzung zu lesen: „Ja, aber er petzt nicht!!!“


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