So wie es jetzt ist, so soll es bleiben, so himmlisch!
Ja, das ist unsere große Sehnsucht und nur allzu gut verständlich: Wir möchten das Glück festbinden, wir möchten die schönen Augenblicke nie vergehen lassen!
Da sollte die Zeit einfach stehenbleiben! Das große Glücksgefühl eines außergewöhnlichen Moments oder die Ergriffenheit bei einem ans Herz gehenden Gottesdienst – das hätten wir gerne wie die Tages-
zeitung im frei Haus gelieferten Abonnement.
Dann wären wir auch unsere elenden Glaubenszweifel los, dann würden wir in diesem Lichte Gottes in allen Menschen nur das Gute sehen.
Und wenn ganz viele Menschen diesen Blick ins göttliche Licht tun dürften, dann gäbe es sicher keinen Streit, keinen Hunger auf der Welt und keinen Krieg. Gott sollte am besten für alle mal mit einer Angst einjagenden Macht-
demonstration klarstellen, dass er es ist, der auch in unserer Welt das Sagen hat. Das ist die Sprache, die alle verstehen! - Ach, wie wäre das schön!
Diesen tiefen Seufzer hätte man damals sicher auch bei Petrus hören können. Seine Seele ist hier im Lichte der göttlichen Liebe so leicht, alles ist einfach nur seliges Glück! Der Fischer Petrus muss nicht lange überlegen: Da sollte man praktisch denken und Jesus überreden, Jerusalem einfach zu vergessen. Er kann doch auch mit Predigten und Heilungen den Menschen genug Gutes tun, wozu dann noch Leid und Kreuz?
Klar, einmal hat er mich ja bereits zusammen-
gestaucht, als ich ihm das vorschlug. Aber jetzt ist der Moment sicher gut. Jesus im göttlichen Glanz, in überirdischer Herrlichkeit, und im Gespräch mit Mose und Elija. Das muss doch auch für Jesus ein erhebender Moment sein!
Petrus ist ein temperamentvoller Mann der schnellen Zunge. Also platzt es aus ihm heraus, ganz der praktisch denkende Handwerker. Er nutzt die ver-
meintliche Gunst der Stunde und stellt bei Jesus einen Bauantrag: „Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.“
So, denkt Petrus, endlich ist es raus! Ich musste das einfach loswerden, egal, was der Chef wieder dazu sagt. Meine Meinung ist eben: Lasst uns hierbleiben für immer – die Chance auf das große Glück kriegen wir nie wieder!
Doch, wie es scheint, hat er schon wieder kräftig daneben gegriffen. Sein Bauantrag wird noch nicht einmal beantwortet. Von Jesus gibt’s
keinerlei Kommentar. Er ignoriert den Wunsch einfach. Das sieht wohl nicht so gut aus für Petrus…!
Doch ehe er über diese klare Abfuhr ins Grübeln gerät, gibt es doch noch eine Antwort, wie das Evangelium berichtet: „Da kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören. Als sie dann um sich blickten, sahen sie auf einmal niemand mehr bei sich außer Jesus.“
Petrus und die anderen sind wie wachgerüttelt: Eine Wolke wirft ihren Schatten auf das ganze Geschehen, wodurch die grelle Helligkeit sofort verschwindet. Durch die Wolke vernehmen sie klar und deutlich Gottes Wort: „Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.“
Petrus fühlt sich wie aus einem Traum gerissen.
Hier hat er ihn, den göttlichen Klartext, den er wollte. Der fällt aber anders aus, als es zu erwarten war. Keine Machtdemonstration für die böse Menschheit, keine göttlichen Drohgebärden, sondern nur eine präzise Information, wie sie knapper nicht ausfallen könnte.
Der Vater im Himmel erklärt in einem einzigen Satz das Entscheidende der Nachfolge Christi: Erstens – dieser Jesus da ist mein geliebter Sohn, er ist der versprochene Messias! Zweitens: Für euch ergibt sich daraus als einzige Konsequenz, dass ihr auf ihn hören sollt!
Wir merken es mal wieder: Gott drückt sich gerne klar und eindeutig aus. Da gibt es nichts misszuverstehen und herumzudeuteln. Deshalb witzelte der Humorist Mark Twain ja auch einmal: „Mir machen nicht die Stellen in der Bibel Sorgen, die ich nicht verstehe, sondern vielmehr diejenigen, die ich verstehe!“
Das heutige Evangelium lässt für Petrus und für uns alle also keinen Zweifel daran, wer Jesus ist. Allerdings lässt es auch keinen Zweifel daran, was daraus für jeden Christen die Folgerung ist: Auf ihn sollt ihr hören!
Und dieser Jesus stellt gleich klar, dass er nichts davon hält, wenn wir Anstalten machen, uns auf dem Berg des himmlischen Erlebnisses wohnlich einzu-
richten. Sofort nach der göttlichen Klarstellung aus der Wolke heraus beginnt Jesus mit dem Abstieg vom Berg. Den drei Jüngern bleibt nichts anderes übrig, als ihm zu folgen. Außerdem gebietet er ihnen auch noch, über die ganze Angelegenheit zu schweigen, bis er von den Toten auferstanden ist.
Ja, so ist das mit unseren Bergen der Erkenntnis, mit unseren Sternstunden und mit unseren auch religiösen Höhenflügen! Jesus rüttelt uns auf und signalisiert unmissverständlich: Hallo, nun komm mal wieder runter! Deine Gefühle voller Seligkeit dürfen sein, um dich auf dem Weg durch den mühsamen Alltag zu stärken. Aber der Berg ist eben nicht dein Alltag.
Der Berg der Seligkeit macht dich glücklich und lässt dich ein Stück weit ahnen, wie schön der Himmel ist.
Doch jetzt bist du nicht im Himmel, und die Erde ist weiß Gott nicht der Himmel. Und auf dieser Erde wirst du jetzt noch gebraucht.
Ich freue mich, wenn dir deine Glückseligkeit im Glauben hilft, wenn sie dir möglichst viel Kraft gibt. Aber dort kannst du auf Dauer nicht bleiben!
Du musst wieder hinunter in den Alltag – schau, wie ich es dir vormache und höre auf mich!
Vergiss nicht, gerade in der persönlichen Vor-
bereitungszeit auf Ostern: Wir alle haben auf der Erde eine Aufgabe, aber die Erde ist nicht der Himmel. Und alle menschlichen Versuche, die Erde zum Himmel zu machen, sind gründlich schiefgegangen. Hier wirst du nicht deine letzte Erfüllung finden. Alle Versuche, das Glück für immer festzuhalten, werden auf Erden scheitern. Deshalb, und nur deshalb, muss ich solche Bauanträge auch weiterhin leider ablehnen, wegen langfristiger Einsturzgefahr!
Eine Zeitlang möchte ich hier auch Internetseiten von Pfarreien vorstellen, die mir positiv aufgefallen sind, z.B. durch Predigten, durch Pfarrbriefe, durch gelungene Gestaltung usw. Gerne sind weitere Vorschläge Ihrerseits willkommen!
PFARREI DER WOCHE: St. Hubertus Wohldenberg (bei Hildesheim), u.a. „Impulse zur Fastenzeit“ (newsletter abonnierbar) >> RECHTSKLICK !
Predigt Eberhard Gottsmann: „Lichte Momente“
pdf-Download Kath. Bibelwerk: Tipps und Kurze Auslegung >> RECHTSKLICK !
Pfr. Walter Wimmer: Predigt (pdf): -auf der Seite nach unten scrollen!- 16.März 2003 >> RECHTSKLICK !
Ausführlicher wissenschaftl. exeget.-theol. Kommentar (pdf) >> RECHTSKLICK !
St. Michael Stuttg.-Sillenbuch: Gottesdienstentwurf mit Predigt >> RECHTSKLICK !
Pater Thomas Heck SVD: Predigt (etwas nach unten scrollen) >> RECHTSKLICK !
Meine Predigt zum 2. Fastensonntag A 2008
(K)ein leerer Stuhl
Ein älterer Mann, der viele Jahre gelähmt und bettlägerig war, klagte dem Pfarrer beim Krankenbesuch, wie sehr er darunter leide, nicht richtig beten zu können. Immer werde er abgelenkt, weil er neidisch an die Gesunden denke.
Der erfahrene Priester gab ihm den Rat, sich Jesus ganz konkret in seiner Nähe vorzustellen. Um dies zu erleichtern, solle er einen leeren Stuhl ans Kopfende stellen und sich beim Beten vorstellen, Jesus säße darauf. Dieses Geheimnis solle er am besten für sich behalten.
Einige Wochen später brachte die Tochter des Kranken dem Pfarrer die traurige Nachricht, dass ihr Vater vergangene Nacht gestorben sei.
Weinend erzählte sie: „Er lag so friedlich da, ja, regelrecht glücklich. Man könnte meinen, er wollte mir damit noch etwas sagen. Und etwas war ganz eigentümlich, fällt mir gerade ein: Sein Kopf lag dabei überhaupt nicht im Bett, sondern auf dem Stuhl, der neuerdings daneben steht…“
Ganz nach Wunsch: Der Gast hat ausgewählt: „Herr Ober, bringen Sie mir bitte eine Forelle!“ – „Gerne, der Herr!“
Der Gast vom Nebentisch hat zugehört und ruft:
„Mir bitte auch. Aber eine frische!“ - Der Ober lautstark an die Küche: „Bitte zweimal Forelle,
eine davon frisch!“
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