05.10.2009

28. Sonntag im Jahreskreis B - 11.10.2009

(Fortsetzung)

Geh hin und verkaufe, was du besitzt. Verteile dein Geld unter den Armen, von denen es so viele gibt. Geh in deinem Leben wirklich auf’s Ganze, und nicht nur dem ersten Eindruck nach!

Haben Sie es auch bemerkt? - Der Mann selbst hatte Jesus gar nichts davon verraten, dass er so reich ist. Mit keinem Wort hat er sein großes Vermögen erwähnt. Jesus aber hat sofort einen Blick in die Seele dieses Mannes getan. Der wird sich ganz schön erschreckt haben, als Jesus so plötzlich diese verschwiegene Information selbst liefert, dass der Mann so stinkreich ist, wie man im Volksmund so sagt.

Ehe der Mann, dessen Name uns nicht verraten wird, also nichts zur Sache tut, es selbst so richtig mitgekriegt hat, wird Jesus zum Vermögensberater für ihn: Gib doch deine irdischen Schätze auf! Durch das großzügige Verteilen wirst du zu einem bleibenden Schatz im Himmel kommen. Für den frommen reichen Mann ist das ein richtiger Schock. Er verstand bisher seinen Reichtum wie viele andere Juden auch als so etwas wie ein Anerkennungs-Geschenk Gottes, als Zeichen des göttlichen Wohlwollens für seine Lebensführung nach den Geboten Gottes.

Der Mann ist jetzt wirklich ratlos und sprachlos. Kein Wort sagt er mehr. Jesus rät ihm allen Ernstes, das aufzugeben, woran er doch so hängt, worauf er doch so stolz ist, sein vieles Geld, das er sich so redlich und fleißig in langen Jahren erworben hat.
Im Evangelium heißt es weiter: „Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen.“ Der Mann war betrübt,
heißt es. Wenn wir genauer hinschauen, wenn wir den griechischen Urtext hinzuziehen, dann heißt es eigentlich noch mehr: „Er erschauderte wie beim Anblick des Styx.“ – Der Styx war in der Vorstellungswelt der Griechen der Fluss, der ins Reich der Unterwelt führt. Der Mann ist also nicht nur betrübt, sondern er ist zutiefst erschüttert, er ist zu Tode erschreckt wie jemand, der etwas so Grauenhaftes zu Gesicht bekommt, dass er noch nicht einmal schreien kann.

Das hat er nicht erwartet: Jesus empfiehlt ihm, das Liebste aufzugeben, was er hat, und das ist sein Geld. Sein Herz hängt daran und auch sein ganzer Stolz. Schreien könnte er, wenn er nur könnte! Man kann also zu Recht sagen, dass Jesus da in ein Wespennest gestochen hat.
Er hat den wunden Punkt des Mannes erwischt.
Der verschwiegene Reichtum ist für den Mann zu einem Nebengott geworden, ohne dass er sich das selbst eingestehen kann. Das Geld ist die Falle, in der er sitzt und aus der er nicht mehr herauskommt.
Natürlich ist er fromm, natürlich hat er in Religion die Note „sehr gut“ im Urteil der Mitmenschen, aber im tiefsten Herzen ist er trotzdem ein Heide, einer, der den wahren Gott nicht an die nur ihm zustehende erste Stelle setzt.

Jesus sagt auch nicht, dass er so und so viel abgeben soll. Darum geht es gar nicht. Bei Gott gibt es dafür wohl kaum spezielle Tabellen, ab welcher Summe von Ersparnissen wir im Himmel als gefährdet eingestuft werden. Diese Gefährdung kann sehr verschieden sein. Die Hindernisse, die uns den Weg zu Gott erschweren, sind nicht nur finanzieller Natur. Das Wesentliche ist, dass Gott dabei ganz unauffällig mindestens an die zweite Stelle verschoben wird.
Es kann also sein, dass Ihnen selbst da etwas ganz anderes einfällt, wenn Sie Ihre eigene Prioritäten-Lage etwas analysieren wollen.
Das Geld, der schnöde Mammon, ist jedenfalls so ein Götze, der in den meisten Fällen die volle Aufmerksamkeit des Menschen verlangt. Jesus hat das immer wieder erfahren, und darum erklärt er das auch so deutlich seinen Jüngern: „Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen!“

Von den Jüngern heißt es, dass sie über seine Worte bestürzt waren. Sicher waren sie noch tief be-
eindruckt von der Szene, die sie gerade miterlebt hatten: Da war ein Mensch, der sich wirklich für seinen Glauben abmühte, aber den letzten, den entscheidenden Schritt, den wagte er nicht. Und traurig war der Mann nicht über Jesus, sondern über sich selbst.
Jesus hat ihm nur den Spiegel vorgehalten, und was der Mann da sah, das hat ihm nicht gefallen. Ihm ging es plötzlich wie jemand, der am nebligen Meeresufer steht und nichts sieht als Wasser und Nebel. Im Moment hat er den Halt verloren, die Orientierung seines Lebens.
Er muss das erst einmal in Ruhe verdauen, denn das, was Jesus ihm da auf den Kopf zu gesagt hat, das war wirklich schwere Kost.

Jesus wendet sich noch einmal an die Jünger, weil er natürlich bemerkt, wie aufgewühlt sie innerlich sind. Es heißt im Evangelium: „Jesus aber sagte noch einmal zu ihnen: Meine Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen! Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als daß ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“
Dieses Bild ist so einprägsam, so anschaulich, dass diese Bibelstelle zu den bekanntesten überhaupt gehört. Ein Kamel passt nicht durch ein Nadelöhr – das ist jedem klar, selbst dann, wenn man keine Nähnadel vor sich sieht, sondern ein ganz niedriges, schmales Tor. Selbst heute verwenden wir z.B. bei den Verkehrsnachrichten den Begriff „Nadelöhr“ für einen Engpass, durch den sich alle Autofahrer nur mit Verzögerung und großer Geduld hindurchmanövrieren können.

Einen bewusst geschaffenen Engpass, ein Nadelöhr,
gab es früher in vielen Stadtmauern, auch in Jerusalem. Da Überfälle im Schutze der Dunkelheit wegen des Überraschungs-Effektes die größten Chancen hatten, versuchten Räuberbanden nachts gerne mal einen Angriff auf eine befestigte Stadt. Doch das hatte sich natürlich herumgesprochen, und so wurden die schweren Stadttore abends fest verriegelt und verrammelt. Da kam niemand mehr herein. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.
Wenn nun ein reisender Händler mit seinen Kamelen und mit viel Gepäck, also mit vielen Waren, dummerweise erst nach Tores-Schluss vor der Stadt eintraf, dann bekam er vielleicht Torschluss-Panik: Er musste sich nun entscheiden zwischen der Sicherheit für sein eigenes Leben oder dem Reichtum draußen vor dem Tore. Auch mit Bestechungsversuchen war da nichts drin: die großen Tore blieben geschlossen, weil den Wächtern ihr eigenes Leben auch lieb war. Aber da gab es ein ganz schmales, niedriges Tor, das natürlich sehr gut bewacht war. Wenn man keine Rüstung trug und kein Gepäck auf dem Buckel, konnte man sich bücken, sich ganz klein machen und so doch noch ins rettende Innere der Stadt gelangen. Heute kann man so etwas übrigens auch noch bei der Geburtskirche Jesu in Bethlehem bestaunen. Dort gibt es als Eingang die sogenannte
„Tür der Demut“, die gerade mal 1,20 m hoch ist. Nur wer sich wirklich und tatsächlich ganz klein macht, der kommt da hinein! Die Aussage Jesu ist also ganz klar: Durch solch ein enges Tor passt nie und nimmer ein bepacktes Kamel. So unmöglich wie das ist, so unmöglich ist es, mit schwerem Gepäck in den Himmel einzureisen. Da ist ganz offensichtlich nur Handgepäck erlaubt!

Jesus will den reichen Mann im Evangelium also wachrütteln: Mit deinen Millionen wirst du dir im Himmel gar nichts kaufen können. Der gehört nicht zur irdischen Währungsunion. Da gelten ganz andere Zahlungsmittel, falls dieser Vergleich ausnahmsweise erlaubt ist. Nimm den ganzen Kram also nicht so wichtig! Wenn du dein Geld schon arbeiten lassen willst, dann lass es für die Armen arbeiten. Du wirst staunen, was das für eine sensationelle Rendite abwirft!
Der reiche Mann bringt es jedoch nicht über’s Herz, sich von seinen Millionen zu verabschieden. Jesus liebt ihn trotzdem. Er macht ihm auch keinerlei Vorwürfe. Die macht sich der arme Reiche schon selbst!

Die Empfehlung Jesu gilt auch uns: Wirf doch deinen Ballast ab, so wie bei einem Heißluftballon, der Höhe gewinnen will, der aufsteigen soll! Dein falscher Gott ist ein Hochstapler, ein Schwindler! Lass ihn los! Jesus sagt gar nicht: Du musst! Aber er sagt: Schau dich doch selber mal an, wie schwer du es dir machst! Du kannst dir den Himmel sowieso nicht erkaufen – niemand kann das!
Der Himmel ist unerkäuflich. Und da kann man eigentlich nur hinzufügen: Gott seid Dank! - Das ist auch gar nicht erforderlich. Der Eintritt ist längst bezahlt, durch Gott selbst.

Zum Schluss hören wir, das die Jünger Jesu sich nun keineswegs be-
ruhigten, sondern noch mehr erschraken.
Ihre Frage ist oft genug auch unsere Frage: Wenn eher ein Kamel durch solch ein Nadelöhr passt, als dass ein Reicher ins Himmelreich gelangt, welche Chance haben wir selbst dann? Im Originalton des Evangeliums heißt es: „Wer kann dann noch gerettet werden?“

Die Antwort Jesu sollten sich die Jünger und wir uns hinter die Ohren schreiben, damit wir sie nie vergessen: „Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich.“ - Wie gut, wie beruhigend ist das doch! Aus eigener Kraft können wir uns gar nicht tief genug bücken, um in den Himmel zu kommen. Wir haben uns immer noch genug auf den Rücken gepackt, das es uns so verflixt schwer macht.
Wie gut, wie beruhigend, dass die Torwächter des Himmels Anweisung haben, uns nicht nach unserem Berechtigungs-Ausweis zu fragen. Wir selbst könnten ihn nie und nimmer erwerben. Wir können uns nicht am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen. Solche Münchhausen- Geschichten brauchen wir dafür auch nicht. Die Botschaft Jesu ist: Da ist einer, der uns zieht, da ist einer, der uns die rettende Hand entgegenhält.
Sind wir also noch zu retten? Ja sicher, wir sind sogar schon gerettet! Das ist noch sicherer als das Amen in der Kirche. Amen.

Das Glas ist voll !
Ein Philosophie-Professor stellte in der Vorlesung ein großes Gurkenglas auf das Pult. Die Studenten staunten nicht schlecht, als er wortlos einige große Steine randvoll hinein legte. Dann fragte er seine Zuhörer: „Was meinen Sie? Ist das Glas nun voll?“ Als die Studenten dies bejahten, nahm er wiederum wortlos eine ganze Anzahl kleiner Kieselsteine und schüttete sie in das Glas. Nachdem er es geschüttelt hatte, waren die kleinen Steine in den Zwischenräumen der großen Steine verschwunden. „Ist das Glas nun voll?“ – Wieder stimmten seine Studenten zu.
Nun nahm er jedoch trockenen, feinen Sand und schüttete ihn oben drauf. Nach vorsichtigem Schütteln war auch noch der Sand im Glas untergebracht. „Was zeigt uns das?“, fragte der Professor und gab selbst die Antwort: „Wenn Sie in Ihrem Leben mit den großen, wichtigen Dingen beginnen, werden Sie für die kleinen und noch kleineren, unwichtigeren Dinge immer noch Platz finden.
Sie können das Gurkenglas-Experiment mal umgekehrt machen: zuerst den Sand, dann die kleinen Steine, dann die großen. Was wird wohl passieren?“ - Die Studenten hatten es verstanden: „Sand und Kieselsteine verhindern in diesem Falle, dass die großen, wichtigen Steine noch hineinpassen!“
„Beachten Sie das in Ihrem Leben!“, rief der Professor unter dem Beifall seiner Zuhörer.


Predigt von P.Heribert Graab S.J.
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Meditation zum Evangelium von P. James Swanson LC
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Gebet für 232 Euro bei ebay versteigert
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Meine Gedanken, Linktipps, Material- und Buchvorstellungen (2008) zu einem neuen „Brauch“: Halloween, mehr als hohl… >> BITTE KLICKEN !

Bethlehem: Die Geburtskirche
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Pressebericht über Aktion „Eichhörnchen“ (ab 1961)
(Erinnerung: „Kuba-Krise“ im Oktober 1962!)
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Erzbistum Köln: „Grundkurs Liturgie“ (Broschüre)
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Bistum Hildesheim: „Gemeinde ganz frisch!“
(Evangelisation auf katholisch) Vortrag
Prof. Dr. Michael Herbst (46 S./pdf)
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Gottesbeweis
Appell auf dem Kasernenhof. Offizier zum katholischen Rekruten, den er auf dem Kieker hat: „Schlapp was? Wohl wieder in der Kirche gewesen?“ -- „Jawoll“, sagt der Soldat. Darauf der Offizier zur Truppe: „Sehen Sie die Kaserne?“ -- Rekruten: „Jawoll, Herr Hauptmann!“ -- „Sehen Sie mich?“ – „Jawoll, Herr Hauptmann!“ – „Sehen Sie Gott?“ – „Nein!“ - Der Offizier: „Dann gibt's auch keinen!“ Da tritt der katholische Rekrut vor und fragt die Kameraden: „Seht ihr unseren Chef?“ –- „Ja!“, brüllt die Truppe. – „Seht ihr seine Hände?“ – „Ja!“ – „Seht ihr sein Gehirn?“ - - „Nein!“ Der Rekrut: „Was folgern wir also daraus…?“

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