13.10.2009

29. Sonntag im Jahreskreis B - 18.10.2009

(Fortsetzung)


Dennoch:
Im Kreis der Apostel sind
die beiden energischen Brüder offenbar sehr geschätzt und in führender Position.
Unmittelbar unter dem Kreuz Jesu finden wir von den Aposteln nur Johannes, den Lieblingsjünger Jesu, dem er dort sogar ausdrücklich die Sorge für seine Mutter anvertraut. Die beiden, Jakobus und Johannes, sind also nicht einfach nur typisch egoistische Vordrängler, als sie sich bei Jesus um die besten Sitzplätze bewerben.
Sie sind auf ihre Art auch Vordrängler im Glauben, also Menschen, die - sicher auch dank ihres Temperamentes - nicht zögerlich sind, sondern wie Petrus sehr schnell alles auf eine Karte setzen.

Beide müssen unter dem Eindruck ihrer Erlebnisse mit Jesus erst mühsam lernen, ihren Elan auch schon mal etwas zu zügeln. Dass dies dem Johannes besser gelingt als seinem älteren Bruder, beweist er nicht zuletzt im Johannes-Evangelium, in dem seine absolute, vertrauensvolle und liebende Hingabe an Gott überall spürbar ist. So wird er auch wegen der häufigen Erwähnung der Liebe als „Apostel der Liebe“ bezeichnet.

Jakobus erleidet als erster aus den Reihen der Apostel das Schicksal eines Märtyrers; durch seinen Glaubenseifer hat er den Zorn des Herodes erregt und wird enthauptet. Sein Bruder Johannes dagegen stirbt in hohem Alter in der Verbannung auf der Insel Patmos.

Nun können wir die Situation und die Antwort Jesu etwas besser einordnen. Als sie ihren Wunsch ausgesprochen haben, erklärt Jesus den beiden prompt: „Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?“
Jesus wird bald schon den bitteren Weg des Leides gehen, doch die beiden Bittsteller sind der Meinung, dass sie dies in der Nachfolge Jesu auch auf sich nehmen können. Wie wir wissen, werden sie tatsächlich Gelegen-
heit bekommen, für ihren Glauben zu leiden, durch den Märtyrertod bzw. durch die Verbannung.

Im heutigen Evangelium folgt nun so etwas wie der zweite Akt.
Jetzt werden die übrigen zehn Apostel doch so langsam sauer. Sicher haben sie erst einmal die Reaktion Jesu auf das Vorpreschen der beiden Brüder abgewartet und wohl eher eine heftige Abfuhr für die beiden erwartet. Jesus, der unsere Herzen nur zu gut kennt, verurteilt die beiden jedoch nicht lauthals. Wir denken eben allzu oft in diesen Kategorien der Macht, in den Kategorien von oben und unten, von erstklassig und zweitklassig. Wir heute kennen das z.B. auch von Eisen-
bahn, Flugzeug und Schiff, wo es ganz selbstverständlich die 1. und die 2. Klasse gibt, die sich im Komfort, aber auch im Preis ganz deutlich unterscheiden.

Aus den Reaktionen der anderen Jünger klingen Eifersucht und Enttäuschung, vielleicht nicht nur über die Unver-
frorenheit der Bittsteller, sondern auch über sich selbst. Diese beiden haben frühzeitig reagiert, warum nicht
auch wir?
Diese beiden haben aber auch absolutes Vertrauen in die kommende Herrschaft Jesu, denn sonst macht ihre Bitte um die Platzreservierung ja keinen Sinn. Haben wir dieses Vertrauen auch?

Jesus erklärt sich für diesen Buchungswunsch zwar für nicht zuständig, aber er lässt die anderen Jünger auch nicht mit ihrem Ärger allein. Jesus nutzt die entstandende Gelegenheit, um wieder einmal ganz grundsätzlich zu werden. Als Überschrift über seine Jüngerbelehrung könnte sein Hinweis stehen: „Bei euch aber soll es nicht so sein…“ – Bei denen, die Christus nachfolgen, soll es eben nicht so sein, dass geherrscht wird, indem die eigene Macht missbraucht wird.
Jesus vertieft das so: „…sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.“ Jesus hat das auch immer wieder ganz praktisch demonstriert; denken wir nur an die Fußwaschung, die er selbst gebeugt wie ein Diener an seinen Jüngern vornimmt.
Jesus fügt für seine Jünger heute auch gleich eine Begründung an, wenn er darauf hinweist, dass auch er selbst nicht gekommen ist, „um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“

Jesus hat es uns vorgemacht. In seinem Reich gibt es kein Konkurrenz denken, keinen Beziehungs-Klüngel und kein Gemauschel hinter dem Rücken der anderen. Das ist einfach absurd, denn im Himmel ist es eben einfach himmlisch, da ist nur Liebe und Glück und der millionen-
stimmige Chor, der Gott aus vollem Herzen und mit aller Liebe lobpreist.

Seiner Kirche hat Jesus jedenfalls am heutigen Sonntag etwas mit ganz großen Buchstaben ins Stammbuch geschrieben: „Bei euch aber soll es nicht so sein…!“
Die Kirche darf eben nicht so sein und nicht so handeln wie die Welt drumherum, in der die Ellenbogen offenbar der wichtigste Teil des Körpers sind. Eine Kirche, die Christus nachfolgen will, hat sich ganz klar und unüber-
sehbar abzuheben von allem Klüngel, von Vetternwirtschaft und von protzigem Machtgetue.

Wie wir nicht nur aus der Kirchengeschichte wissen, ist die Kirche hier immer wieder schuldig geworden. Statt eine Kontrastgesellschaft zu sein, wurde leider häufig, viel zu häufig, das Statusdenken und Machtgeplänkel der Welt in die Kirche hineingetragen.
„Bei euch aber soll es nicht so sein…“ -
Diese Aufforderung Jesu darf auch die heutige Kirche nie vergessen! Bischof Jaques Gaillot hat das einmal so auf den Punkt gebracht: „Eine Kirche, die nicht dient, die dient zu nichts!“

Doch Vorsicht! Kirche – das sind nicht nur die in Rom und die an der Spitze des Bistums, die so schön weit weg sind. Kirche, das sind auch wir hier an diesem Ort und überall. Es geht nicht nur um ein mehr oder weniger zartes Fragezeichen hinter die Titel und schöne Kleidung der Eminenzen, Exzellenzen, Prälaten und Monsignori. -
Es geht ganz grundsätzlich darum, wie man in der Kirche miteinander umgeht und wie man mit denen umgeht, die in ihrem Leben auf der Suche sind.
Ist die Kirche, und sind wir in unserer Gemeinde, eher ein Straßenbauer, der sich mächtig ins Zeug legt, um anderen zu dienen und den Weg zu ebnen, oder eher ein Club derer, die wie der Rest der Welt in den Kategorien der Macht, der Selbstdarstellung und der Hackordnung denken?

Der Appell Jesu war damals unangenehm, und er ist es heute. So manchem sogenannten Würdenträger dürfte es da gelegentlich schon eine gute Portion Schweiß auf die Stirn treiben. Manche mögen jetzt insgeheim denken:
Na, das wollen wir aber auch stark hoffen!
Und was ist mit uns selbst, mit dir und mit mir?


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Der neue Bischof besichtigt eine Psychiatrische Klinik mit einer geschlossenen Abteilung. Neugierig fragt er den Direktor, nach welchen Kriterien entschieden wird, ob jemand in diese Abteilung eingewiesen wird oder nicht. Der Direktor sagt: "Nun, wir füllen eine Badewanne, geben dem Kandidaten einen Teelöffel, eine Tasse und einen Eimer und bitten ihn, die Badewanne auszuleeren." -
Der Bischof: "Ah, ich verstehe, und ein normaler Mensch würde den Eimer nehmen, damit es schneller geht, ja?" –
Der Direktor: "Nein, ein normaler Mensch würde den Stöpsel ziehen. Darf ich Ihnen einmal ein Luxus-Zimmer für besondere Gäste zeigen…?“

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