11.12.2012

Predigt 3. Adventssonntag C -- 16.12.2012


(Fortsetzung)
„Gesagt“ ist dabei allerdings eine vornehme Umschreibung. Derjenige, der da etwas ver-
kündet, der sagt es nicht einfach, sondern der ist ein eifernder, flammender Prediger. Es ist Johannes der Täufer, ein Prophet, ein regelrechter Laut-
sprecher Gottes. Mitten in der Einöde lebt er, ganz auf Gott und dessen Wort konzentriert. Dieser Mann ist sich absolut sicher: Sehr bald schon wird der so sehnsüchtig erwartete Messias kommen.
Doch das Erstaunlichste ist nicht sein karges Leben in der lebensfeindlichen Wüste, sondern dass sich dies überall im Lande herumspricht: Weit weg von aller Zivilisation lebt da ein gewaltiger Bußprediger!
Der ist zwar äußerlich für viele Zeitgenossen ab-
schreckend in seiner dürren Gestalt, mit seinen langen Haaren und dem alten Mantel aus grobem Ziegenhaar. Es zeigt sich aber, dass viele Menschen dennoch die-
sen Mann selbst erleben wollen, weil sie tief in ihrem Herzen eine innere Unruhe spüren. Ihnen wird bewusst, dass sie für ihr Leben eigentlich eine neue Orientierung auf Gott hin brauchen.
Das, was ihnen die Schriftgelehrten und Priester in Jerusalem an frommen Belehrungen verkünden, ist vielen doch zu eintönige und wenig begeisternde Kost. Ihr Herz, das voller Sehnsucht ist, wird von diesen Profis kaum erreicht. Ihnen trauen viele offenbar nicht zu, mit ihrem eigenen Leben und Lebensstil wirklich auch per-
sönlich für die Wahrheit einzutreten, die sie da so dienstbeflissen von sich geben.
Hier dagegen, bei Johannes in der Wüste, da kommen täglich ganze Scharen von Menschen an. Sie haben den mühsamen Weg in die Einsamkeit auf sich ge-
nommen, um zu diesem eigenartigen, faszinierenden Prediger zu pilgern. Dieser Mann, der ganz demütig und extrem bescheiden lebt, der nimmt kein Blatt vor den Mund. Auf nichts und niemanden nimmt er Rücksicht, wenn es um die Verkündung des Willens Gottes geht. Wie wir wissen, kostet ihn das schließlich den Kopf, denn die Mächtigen im Lande schätzen ein solches Benehmen ganz und gar nicht.
Nun aber stehen viele Menschen direkt vor Johannes, hören ihm ganz aufmerksam zu und wollen sich zum Zeichen der Reue und Umkehr von ihm taufen lassen. Doch so einfach geht das nicht, jedenfalls nicht mit Johannes.
Es steht in der Bibel unmittelbar vor dem heutigen Evangelium, daher haben wir es jetzt nicht so präsent: Johannes ist knallhart und beschimpft sein Publikum schon fast: Ihr seid nichts anderes als eine „Schlangenbrut“, wenn ihr euren Willen zur Umkehr nicht durch dementsprechende konkrete Schritte beweist. – Das müssen sie sich von ihm sagen lassen, ob es ihnen gefällt oder nicht.
Die meisten Zuhörer des Johannes sind geschockt,
aber auch dankbar für die klaren Worte. Sie reagieren prompt, indem sie ihn fragen: „Was sollen wir also tun?“
Viele Menschen sind offenbar bereit, ein neues Leben mit Gott zu beginnen. Sie sind wirklich dafür offen, neue Wege einzuschlagen. Aber sie sind verunsichert. Was ist dabei wirklich wichtig? Wie soll ich mich verhalten?
Von Johannes erbitten sie eine Orientierungshilfe, einen Wegweiser. Ihre Frage „Was sollen wir also tun?“ ist ehrlich gemeint.
Auf ihre konkrete Fragestellung hat Johannes auch eine ganz konkrete Antwort: „Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso.“
Jetzt ist manch einer der Zuhörer des Johannes doch platt. Man hat doch zuerst einmal damit gerechnet, dass man zum strengeren Einhalten der vielen jüdischen Vorschriften angehalten wird. Auch mehr Frömmigkeit durch noch mehr Gebete wäre sicher sehr angebracht. Wenn Gott das so haben will, dann strengen wir uns eben noch kräftiger an mit noch mehr Gebeten als bisher…
Die Antwort des Johannes fällt jedoch ganz anders aus. Sie ist ganz hand-
fest, ganz praktisch, aber deshalb keineswegs angenehmer. Johannes ruft ihnen und uns nämlich zu: Teilt das, was ihr habt! -
Gebt großzügig ab von dem, was ihr besitzt. Gebt damit euren Mitmenschen eine Chance, die in Not geraten sind, die nicht genug zum Essen oder zum Anziehen haben oder nicht genug zu einem menschenwürdigen Leben.
Johannes macht wirklich keine frommen Sprüche. Er nimmt seinen Zuhörern die Illusion, sie könnten sich mit Frömmigkeitsleistungen bei Gott etwas erkaufen. Nein, sagt Johannes, eure Buße muß ganz konkret und praktisch sein. So wie Gott im Himmel barmherzig mit uns verfährt, so sollt auch ihr mit euren Mitmenschen in Not verfahren. Ihr müsst nicht wie ich in der Wüste Gott dienen, sondern in eurem ganz normalen Alltag. Teilt eurer Geld, euren Überfluss, eure Zeit, euer Leben mit denen, die auf eure Nächstenliebe angewiesen sind. 



Wie ernst es Johannes ist, das sieht man an den beiden Gruppen, die nun als Beispiel für andere seinen Rat erbitten. Da staunen wir nicht schlecht: es sind Zöllner, die da vor ihn hintreten, und es sind Soldaten. Zöllner waren damals bei ihren jüdischen Landsleuten verhasst, weil sie mit den römischen Besatzern zusammenarbei-
teten und oft genug höheren Zoll verlangten, um den Extra-Gewinn in die eigene Tasche zu stecken.
Soldaten aber waren erst recht unten durch, wie man so sagt. Da es Juden verboten war, Soldat zu werden, muss es sich im heutigen Beispiel um heidnische Römer handeln. Auch einige von ihnen haben offensichtlich den Weg zu Johannes gefunden, da sie ihr Gewissen nicht in Ruhe lässt wegen ihres Lebenswandels.
Beide Gruppen sind jedoch von Johannes keineswegs abgelehnt. Sie üben zwar einen Beruf aus, der alles andere als wohlgelitten ist, aber Johannes wendet sich auch diesen Mitmenschen ohne Vorwürfe zu. Johannes weiß genau: Die Zöllner und Soldaten können nicht einfach so die Brocken hinschmeissen nach dem Motto: Sollen doch andere sich die Finger schmutzig machen! Sie sind eingebunden in ein gesellschaftliches Gesamt-
system, und wenn sie diese Arbeit nicht tun, dann machen es eben andere.
Worauf es aber ankommt, das ist die Frage, wie sie ihren Beruf ausüben. Betrügen sie ihre Mitmenschen, indem sie ihnen zuviel Zoll abverlangen? Fügen sie als Soldaten und Besatzer den Unterlegenen Leid zu, indem sie diese ausrauben, misshandeln oder sonstwie nötigen?
Johannes sieht es bemerkenswert klar: Jeder kann an dem Platz Nächstenliebe und Barmherzigkeit zeigen, an den er oder sie hingestellt worden ist. In jedem Beruf und bei jeder Tätigkeit kann man seinen Mitmenschen gegenüber liebevoll oder lieblos handeln. -
Vielleicht haben Sie selbst schon einmal solch einen Menschen erlebt, der eine eher unbeliebte Arbeit macht, aber seine Mitmenschen durch seine Herz-
lichkeit und Fröhlichkeit aufmuntert. Oder Sie erinnern sich an einen Lehrer, der seine Schüler aufgebaut und motiviert hat? Und sicher gibt es auch genug Geschäfts-
leute und Unternehmer, die aus christlicher Über-
zeugung nicht mitmachen bei der Gewinnsteigerung um jeden Preis.
Ganz gleich, auf welchem Posten du stehst, sagt uns Johannes, immer kommt es darauf an, dass du deine Mitmenschen dabei im Blick behältst. Sie sind ebenso Geschöpfe Gottes wie du. Und dieser Gott will, dass
alle seine Kinder ein Leben ohne Angst, ein Leben ohne Hunger und ohne weltweite Ungerechtigkeit ermöglicht bekommen.
Kein Wunder also, dass uns dieses Evangelium kurz vor Weihnachten erreicht, kurz vor dem großen Fest der Liebe. Kein Wunder auch, dass wir wie in jedem Jahr vom Hilfswerk „ADVENIAT“ gerade vor Weihnachten um eine wirklich großherzige Spende für Menschen gebeten werden, die das Pech haben, am falschen Ort geboren worden zu sein. Solche Menschen schauen auf uns: Bitte, lasst mich nicht im Stich! - Jesus wird die Aufforderung des Johannes zur ganz handfesten Buße einige Zeit später eindringlich bestätigen, wenn er z.B. betont: „Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40)                                              

Vom Autofahren kennen wir das: Wenn man z.B. die rote Ampel übersehen hat oder zu schnell gefahren ist, dann gibt es ein Bußgeld. In einem langen Bußgeld-Katalog sind alle möglichen Verstöße ordentlich erfasst. Was dabei Buße bedeutet, spürt der Fahrer dann schmerzlich an seinem Geldbeutel. Johannes allerdings hat keinen Bußgeldkatalog ent-
wickelt etwa für unangepasstes Verhalten als Mitmensch oder für unterlassene Hilfeleistung am Nächsten. Aber was er den Zuhörern so scharf und eindringlich sagt, die zu ihm kommen, egal ob als Jude oder als Heide oder als Christ, das sollten sich alle hinter die Ohren schreiben: Der Messias, der nach ihm kommt, ist nicht nur das liebe Jesulein, das wir so gerne besingen. Im heutigen Evangelium heißt es vielmehr: „Schon hält er die Schaufel in der Hand, um die Spreu vom Weizen zu trennen und den Weizen in seine Scheune zu bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.“
Johannes mahnt uns, sich durch wirkliche Buße auf den kommenden Herrn und auf Weihnachten vorzubereiten. Man kann nämlich nicht nur die Weihnachtseinkäufe, die Besuche und das festliche Menü planen, sondern man kann durchaus auch die persönliche innere Vorbereitung auf Weihnachten planen.
Dazu gehört auch, großherzig zu teilen, ein freiwilliges deutliches Bußgeld gewissermaßen. Das könnte man sich z.B. ganz konkret für diese Weihnachten vor-
nehmen. Dazu gehört aber vor allem, ehrlich bei sich selbst Bilanz zu ziehen: Bin ich überhaupt auf den kommenden Messias vorbereitet? Habe ich überhaupt die Augen und das Herz offen für Situationen und Nöte, wo meine Hilfe möglich ist?
„Was sollen wir also tun?“ - Wenn wir bei uns selbst gründlich aufgeräumt haben, dann werden wirklich frohe, gesegnete Weihnachten kommen, denn dann kann der Herr auch bei uns Quartier nehmen. 



Predigten Karl-Leisner-Jugend
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Text aus „Die Feier des Sonntags“ zum 3. Advent C
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Predigt P. Prof. Dr. Karl Wallner (pdf)
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Predigt P. Martin Löwenstein SJ
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Predigt Pfr. Dr. Jörg Sieger
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em. Bischof R. Lettmann: Volk der Erwartung…
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VIRC Wien: Lesungstexte und Kurzkommentar (pdf)
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Widerruf: Abraham a Sancta Clara, der berühmte Prediger im Wien des 18.Jahrhunderts, erklärte eines Sonntags auf der Kanzel: "Es gibt in den feinen Kreisen am Hofe einige Damen, die sind es nicht wert, dass man sie anspuckt!“
Aufgrund einiger Proteste von prominenter Stelle musste der Pater am nächsten Sonntag öffentlich widerrufen. Er tat das mit folgenden Worten: „Letzten Sonntag sagte ich: Es gibt in den feinen Kreisen am Hofe einige Damen, die sind es nicht wert, dass man sie anspuckt. – Das widerrufe ich hiermit und behaupte das Gegenteil: Sie sind es doch wert!“           


Wissenschaftlich korrekt: Drei Mathematiker sitzen in einem Zugabteil auf der Fahrt zu einem Kongress in Irland. Unterwegs sehen sie auf einer Wiese ein einsames Schaf, und das ist schwarz. Meint der erste Forscher: „Aha, in Irland sind die Schafe schwarz!“ – Der zweite widerspricht: „Nein, nein, es ist vielmehr so: In Irland gibt es auch schwarze Schafe!“

„Unsinn!“, formuliert der dritte wissenschaftlich korrekt:
„Es gibt in Irland dem ersten Augenschein nach min-
destens ein Schaf, das für drei Reisende aus Deutsch-
land mindestens auf einer Längsseite als schwarz erscheint…!“

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Die heutige Predigt können Sie per E-Mail bei mir anfordern oder aber selbst herunterladen (der Link funktioniert bis mindestens 1.2.2013):
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