Derjenige, der im Evangelium sündigt, ist nicht irgendwer. Es heißt ganz klar: „dein Bruder“ . Ein Bruder gehört zur Familien-
Gemeinschaft. Ein Bruder kann mir nicht egal sein. Für einen Bruder trägt jedes Familien-Mitglied auch Mitverantwortung. Die Gemeinde ist ein Stück weit wie eine große Familie. Niemand glaubt für sich allein. Gemeinsam wird der Glaube gelebt und im Gottesdienst gefeiert. Gemeinsam treten wir zum Tisch des Herrn. Wir schenken einander den Friedensgruß weiter. Niemand ist da egal. Jeder zählt. Auf jeden kommt es an.
Gerade unmittelbar vor der heutigen Bibelstelle erzählt Matthäus das Gleichnis vom verlorenen Schaf, dessen Schluss lautet: „So will auch euer himmlischer Vater nicht, dass einer von diesen Kleinen verlorengeht.“ - Die Kleinen, das sind hier die Schwachen, also diejenigen, die sich wie Kinder verhalten, die leicht in die Irre gehen können.
Auf jeden kommt es Gott an. Jeden hat er in sein Herz geschlossen. Jeder ist sein Kind, um das er sich sorgt. Wenn nun einer aus der Reihe tanzt, wenn nun einer der Gemeinde und mir das Leben schwer macht, wenn nun einer durch sein schlechtes Beispiel Schaden verursacht, dann ist er trotzdem nicht abgeschrieben. Im heutigen Text heißt es sogar, dass man zu ihm hingehen soll und ihn unter vier Augen zurechtweisen soll. Mit anderen Worten: Ich soll nicht abwarten, bis das Kind endgültig in den Brunnen gefallen ist. Ich soll nicht schweigend zusehen, wie die Pfarrgemeinde beschädigt wird.
Das gute Zusammenleben in der Gemeinde ist ein hoher Wert. Wenn es ständig Reibereien und Querelen gibt, schadet das allen. Manche werden einer solchen Gemeinde enttäuscht den Rücken kehren und sich in einer anderen Gemeinde eine neue Heimat suchen. Manche werden still und sagen lieber gar nichts mehr.
Jeder, der den Verursacher kennt, ist mitverantwortlich. Als Haus-
nachbar darf ich auch nicht ruhig zusehen, wenn ich weiß, dass Eltern ihr Kind verprügeln oder fast verhungern lassen. Ich soll die Initiative ergreifen, ich soll mich auf den richtigen Weg machen zu dem, der auf den falschen Weg geraten ist.
Dazu müssen wir wissen, dass die brüderliche Zurechtweisung im Judentum und später im Christentum („correctio fraterna“) eine lange Tradition hat. Zurechtweisung heißt, den rechten Weg weisen. Das darf nie im Zorn geschehen. Man zeigt nicht mit dem Finger auf andere, aber man zeigt in der christlichen Gemeinde mit dem Finger nach oben, auf Gott hin. Nicht der Typ „Besserwisser“ ist jetzt gefragt, sondern der Typ „Hirte“.
Damit fällt dem Priester in der Gemeinde natür-
lich eine besondere Verantwortung zu. Aber er ist nicht die Gemeinde, und sie gehört ihm auch nicht. Jeder ist ein Teil davon.
Im brüderlichen Gespräch unter vier Augen soll niemand den Kopf gewaschen bekommen. Jesus hat es vorgemacht: eher sind die schmutzigen Füße dran!
Das Ziel des Gespräches mit dem Bruder im Glauben wird von Jesus gleich mit angegeben: „Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen.“ Darum - und nur darum! – darf es bei dem heiklen Gespräch gehen: Das Wachrütteln des Mitbruders: Pass auf, da ist ein gefährlicher Abgrund! Du bist in Gefahr, abzustürzen, und vielleicht reißt du noch viele mit dir in die Tiefe! Halte an, lass dir helfen und kehre zurück!
Wir hätten es natürlich gerne genauer gewusst, worin denn beispielsweise die Sünde bestehen könnte, für die ein internes Gespräch angebracht ist. Das wird uns aber nicht verraten, und sicher mit gutem
Grund: wie wir uns Menschen kennen, gäbe es sicher schnell einen immer wieder strittigen Katalog von Verhaltensweisen, die darunter zu fallen haben – oder eben auch nicht.
Im Mittelpunkt steht vielmehr unser Bruder im Glauben, der musikalisch gesprochen gerade dabei ist, ein ganz anderes Musikstück zu spielen als der Rest des christlichen Orchesters. Und das klingt schrecklich und macht die Musik kaputt. Er braucht jetzt liebevolle Hilfe, damit er wieder in den richtigen Takt und in die richtige Melodie zurückfinden kann.
Jesus sagt auch nicht: Wenn du den Verdacht hast, dass dein Bruder sündigt, dann… - Die Sünde, das Vergehen des Mitchristen im heutigen Beispiel ist also ganz offensichtlich und ein Ärgernis.
Da gibt es nichts zu vermuten, sondern sein Verhalten ist eindeutig falsch.
Man sollte sich also sehr hüten, auf bloßen Verdacht hin etwas zu äußern. Der Pfarrer von Ars hatte hierfür in einer Predigt ein schönes Beispiel: Ein Bischof wurde offenbar nachts dabei beobachtet, wie er im Dunkeln um ein Haus schlich. Peinlich nur, dass es das Haus von drei jungen Mädchen war. Schnell könnte man nun zu der Überzeugung kommen: Da sieht man es mal wieder: Tagsüber fromm tun und nachts ein großer Sünder! Der Pfarrer von Ars hatte für seine Gemeinde zur Warnung vor dem üblen Getratsche aber gleich des Rätsels Lösung parat: Es handelte sich um den berühmten Bischof Nikolaus, der den armen Mädchen heimlich Geld brachte, damit sie nicht betteln gehen mussten…
Ja, sagt das heutige Evangelium, wir alle sind der Hüter unseres Bruders. So will es Gott. Nicht, um uns damit zu belasten, sondern, damit keiner verloren geht. Wer also jemanden auf den rechten Weg zurückbringen möchte, tut dies nicht zu seinem Privatvergnügen, sondern im Auftrag, im Auftrage Gottes.
Das schließt freilich aus der Erfahrung auch die Möglichkeit ein, dass ein solches Gespräch gründlich daneben geht. Das kann einfach daran liegen, dass der Angesprochene beleidigt oder aggressiv reagiert. Es kann aber auch daran liegen, dass der Mitbruder mit der Aufgabe überfordert ist. In der Praxis ist es (das muss man einschränkend gestehen!) nicht jedem gegeben, ein solches Gespräch zu führen. Es erfordert schließlich sehr viel Fingerspitzengefühl, Aufrichtigkeit, Geduld und das, was man Weisheit nennt. Wir wissen aus dem Alltag, dass so manches gut gemeinte Gespräch total aus dem Ruder gelaufen ist. Die Chemie hat einfach nicht gestimmt, sagen wir dann.
Die Möglichkeit dieses Scheiterns hat Jesus aber bereits im Blick, denn im Text heißt es: „Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muß durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden. Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.“
Das Gespräch unter vier Augen hat den Vorteil, dass nichts an die große Glocke gehängt wird. Oft ist dies sehr hilfreich. Wenn es aber doch schief läuft, können wir uns nicht zurücklehnen und sagen: Ich habe es versucht. Er will nicht, dann hat er eben Pech gehabt. Das ist jetzt nicht mehr mein Bier!
Wir merken hier, wie lästig und unangenehm das Evangelium für uns alle werden kann. Jesus lässt nicht locker. Unser Wohlbefinden und unsere verständlichen Ängste sind ihm nicht so wichtig wie das Zurückgewinnen des Bruders, der in der Gefahr steht, auf ewig ein verlorener Sohn zu bleiben.
Das ist eine bittere Pille, nicht nur für den sündigen Mitbruder, sondern auch für uns. Wie gerne würden wir uns aus dieser Nummer herauswinden!
Das Einzige, was Jesus da anbietet, ist die Einschaltung anderer. Wenn zwei oder drei andere dazugeholt werden, hat die Angelegenheit gleich mehr Gewicht. Dann kocht da aber auch nichts mehr auf kleiner Flamme. Die Anwesenheit von Zeugen spielte schon in der Praxis der jüdischen Gemeinden damals eine bedeutende Rolle. Das Ganze war jetzt offiziell. Es gab kein Zurück mehr. Die Sache musste geklärt werden. Nun ging es um die Ordnung in der Gemeinde, also ein Disziplinar-Verfahren. Am Ende stand oft ein Tadel oder ein Ausschluss. Der wiederum konnte zeitlich begrenzt sein (üblich war ein Monat) oder für immer gelten.
Inwieweit dieser zweite Schritt so in der Praxis heutiger Pfarrgemeinden mit mehreren Tausend Pfarrangehörigen möglich wäre, ist aus unserer Sicht eine kritische Frage an den heutigen Bibeltext.
Erst recht der dritte Schritt scheint uns heute nicht so einfach zu sein, wie das im Evangelium klingt.
Soll da etwa auf einer einberufenen Pfarrversammlung
ein Tagesordnungspunkt stehen: Gespräch und Beschluss über das grobe Fehlverhalten von Herrn X ?
So etwa denken wir, und schon haben wir das herbeigesehnte Schlupfloch gefunden, um der Provokation des heutigen Bibeltextes zu entkommen. Das heimliche Motto könnte dann lauten: Gottseidank, für uns heute kann das ja gar nicht gelten – das liegt doch offensichtlich auf der Hand!
Ganz so einfach ist die Sache aber doch nicht. Erinnern wir uns an die Kernaussage des Textes. Es geht um meine Mitverantwortung, und es geht um die Mitverantwortung der ganzen Pfarrgemeinde. Das Ärgernis von Fehlverhalten gibt es heute immer noch. Das nimmt keine Rücksicht auf die Größe von Pfarrgemeinden.
Der Schluss des Textes zeigt dies überdeutlich: „Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein. Weiter sage ich euch: Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“
Die Kirche vor Ort trägt Verantwortung. Auch für die Schäfchen, die dabei sind, in die Irre zu gehen. Bei der Kirchensteuer wird ja auch von allen genommen, nicht nur von den „Braven“, die keinen Kummer machen. Wie diese Verantwortung heute realisiert werden kann, gibt’s in der Bibel nicht als fertiges Rezept. Hier sind die vielen Versammlungen der kirchlichen Gremien gefragt, die Konferenzen, von denen es ja genug gibt, die Bischöfe und auch jede Gemeinde vor Ort. Kluge Modelle in Büchern gibt es dafür gewiss auch.
Eines aber verrät uns das heutige Evangelium zum Schluss sicherheits-
halber schon mal: Es gibt eine Methode, die sich bewährt hat, und die heißt Gebet.
Was wir gemeinsam erbitten, werden wir vom himmlischen Vater erhalten.
Das steht gerade dort nicht ohne Grund. Jeder Einzelne und jede Pfarrgemeinde muss sich da selbst kritisch fragen: Wie steht es bei mir und bei uns mit dem Gebet, besonders mit dem Gebet für unsere Nächsten in der Gemeinde? Wie sehr ist es für mich und uns ein wirkliches Herzensanliegen, dass die Kirche insgesamt und die Kirche vor Ort keinen Schaden nimmt? Wie sehr sind wir im Gebet ganz intensiv Fürsprecher für diejenigen, die vom Weg abgekommen sind oder in der Gefahr stehen, dies zu tun?
Der Theologe Hans Urs von Balthasar hat in diesem Zusammen-
hang vom wesentlichen Unterschied zwischen sitzender und kniender Theologie geschrieben. Wo das innige Gebet in den Mittelpunkt gerückt wird, wo es hingehört, da wird der Einzelne und die Gemeinde Frucht bringen. Auch da ist der Pfarrer von Ars ein leuchtendes Beispiel. Er war wirklich ansteckend. Eine ganze Pfarrgemeinde hat er angesteckt mit seiner glühenden Liebe zu Gott. Und Pater Pio hat so manchen Sünder, der bei ihm beichtete, zum reinigenden Weinen und Erschrecken über seine Taten gebracht. Lassen auch wir uns zurechtweisen!
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Bitte beachten: Nächsten Mittwoch, 10.Sept.:
ausnahmsweise keine Predigtgedanken (zu Kreuzerhöhung)!
Nächsten Montag, 8.Sept.: Zwei Buchbesprechungen
- „Keine Macht den Sorgen“ (Bild-Text-Band)
- „Erntedank“ (Gottesdienst-Anregungen)
Montag, 15.Sept.: „Problematische Empfehlung:
Jury der Bischofskonferenz wählt einseitiges Paulus-Buch“
(Kommentar zum Kath. Jugendbuchpreis 2008)
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Die Wahrsagerin zur Ehefrau: "Ich sehe: Morgen stirbt Ihr Mann!"
"Ich weiss", antwortet die Frau. "Mich interessiert nur, ob ich freigesprochen werde."
Ein Geistlicher in Süditalien fand eines Morgens einen toten Esel vor seiner Türe liegen. Er rief den Bürgermeister des Dorfes an und bat ihn, den Esel wegschaffen zu lassen.
„Das geht mich nichts an“, sagte der Bürgermeister, der den Geistlichen nicht leiden konnte, „schließlich ist es Ihre Aufgabe, die Toten zu beerdigen.“
„Eben deshalb telefoniere ich ja mit Ihnen,“ konterte der Priester, „das Gesetz schreibt vor, vorher die Familie des Verstorbenen zu befragen!“
Frage an einen Taschendieb: "Wie geht’s?" -
"Na ja, wie man’s nimmt."
Jemand kommt in die Hölle und steht vor dem Teufel. Er darf sich eine von drei Kammern aussuchen, in die er gesteckt werden soll. In der ersten Kammer werden alle mit glühenden Eisen verbrannt. Das sagt ihm nicht sehr zu. - In der zweiten Kammer wird bloß noch fürchterlich ausgepeitscht. Das ist ihm immer noch zu hart. - In der dritten Kammer schließlich stehen sämtliche Insassen bis zum Hals in der Schei.. und rauchen eine Zigarette. Da meint der Kandidat: „Das geht ja noch. Ich wähle die dritte Kammer!“ - Er stellt sich also zu den anderen bis zum Hals in die Schei.. und steckt sich eine an. Nach 5 Minuten kommt plötzlich ein kleines Teufelchen und sagt: "So, die Zigarettenpause ist zu Ende, alle wieder untertauchen!"
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