14.09.2008

"Fehlentscheidung: Bischofskonferenz wählt einseitiges Paulus-Buch aus / Geschwister Jesu...und Paulus als Homo?"



(Fortsetzung:)

Hier einige konkrete Beispiele:

1) Jesus wurde in diesem Buch nur „der Legende nach“ (S.20) in Bethlehem geboren. -

Hierzu gibt es jede Menge gegenteiliger Meinungen. Noch Ende des 1.Jahrhunderts n.Chr. lässt sich Grundbesitz der Familie Jesu in Bethlehem nachweisen – so Kirchen-geschichtsschreiber Eusebius von Caesarea. Bei der römischen Volkszählung (Census) wurde man dort eingetragen, wo man herstammte: eine Erhebung über den Besitz, um die Steuern besser berechnen zu können.


2) Jesus wuchs angeblich „zusammen mit seinen Geschwistern“ (S.21) in Nazareth auf. -

Gerade gegen diese These ist die Materialfülle äußerst umfangreich. So berufe ich mich hier gerne auf die ausgezeichneten Erklärungen von Dr. Ludwig Neidhart :

>>> Rechtsklick!

Wer dies gelesen hat, erkennt sofort die Unhaltbarkeit der Geschwister-Theorie. Jugendbuch-Autor Prinz jedoch verschweigt dies vollständig.


3) Beim Damaskus-Erlebnis des Paulus: Er wurde vom „Glanz geblendet und stürzte vom Pferd…Es gibt Historiker, die überzeugt sind, dass hinter dem Vorfall ein Sommergewitter steckt…Andere glauben, dass Saulus einen epileptischen Anfall hatte…“ (S.25/26) -

Auch hier wieder starkes Geschütz! Wer sich den Text (Apg 9,3ff) ansieht, muss aber lesen, dass dort von Pferden nie die Rede ist. Es heißt dort auch, seine Begleiter „standen da“.

Ein Fußmarsch ist also wahrscheinlich. Mit der These von „Sommergewitter“ und „epileptischem Anfall“ stellt Autor Prinz die Szene so dar, als gäbe es nur diese beiden Meinungen in der Wissenschaft. Mit anderen Worten: Das Geschehen war alles nur Einbildung des Paulus! Wenn dies nur ein Sommergewitter gewesen sein soll, dann fragt sich jeder aufmerksame Leser aber sofort, warum in der Bibel ausdrücklich steht, die Begleiter des Paulus hätten nichts gesehen. Ein Spezial-Gewitter also, nur für Paulus?

Über die gesundheitlichen Probleme des Paulus ist in der Wissenschaft viel spekuliert worden. Wenn er, wie Prinz meint, einen Anfall bekommen hat, fragt man sich, warum dann seine Begleiter die göttliche Stimme ebenfalls gehört haben, wie man in der Apostelgeschichte nachlesen kann. Hatten sie etwa alle auch einen Anfall?


4) „Paulus war sicher rhetorisch geschult und hat gelernt, wie man sich elegant und flüssig ausdrückt. Doch auch diese Fähigkeit gehört zu seinem alten Leben. Jetzt hält er nichts mehr von schönen Worten und einer geschliffenen Rede.“ (S.70) -

Autor Prinz will den Lesern hier suggerieren, wie sehr sich die Persönlichkeit des Paulus verändert hat. Leider hat er aber nicht genau genug im Neuen Testament gelesen, denn sonst wüsste er: Paulus war alles andere als ein glänzender Redner! So heißt es in 2 Kor 10,10 ganz offen: „Sein persönliches Auftreten ist matt, und seine Worte sind armselig.“


5) „Paulus sah sich nämlich ebenfalls als Apostel…Petrus hat offenbar die Haltung des Paulus akzeptiert. Und hingenommen hat er es wohl auch, dass Paulus gar keinen Nachhilfe-

unterricht in Sachen Jesus von ihm wollte…Paulus interessierte das alles nicht so…“ (S.74) -

Autor Prinz vermengt hier einiges. Im Galaterbrief hätte er nachlesen können, dass Paulus extra nach Jerusalem gekommen war, „um Kephas kennenzulernen“ (also Petrus) und „fünfzehn Tage bei ihm“ (Gal 1,18) geblieben war. Ich gehe mal davon aus, dass die beiden sich die Zeit nicht mit Kartenspielen vertrieben haben. Nachhilfeunterricht braucht hier allenfalls Autor Prinz…


6) „Paulus betrachtete sich zwar auch als Apostel, aber dem Apostelkreis in Jerusalem wollte er sich nicht anschließen. Vielleicht war ihm dieser Kreis zu sehr nach außen abgeschlossen, zu festgefahren…Warum Paulus wieder in seine Heimat zurückkehrte, weiß man nicht…“ (S.75) -

Autor Prinz irrt wieder. Natürlich weiß man, warum Paulus Jerusalem verließ und wieder nach Tarsus ging. In der Apostelgeschichte 9,28-31 kann es jedermann nachlesen, auch Autor Prinz und die bischöfliche Empfehlungs-Kommission. – In seinem missionarischen Eifer und offenbar manchmal etwas zu hitzigem Diskussionsstil war der gerade mal 29 Jahre alte Paulus nämlich bei einigen Gruppen so sehr angeeckt, dass man ihn sogar töten wollte. So blieb nichts anderes übrig, als Paulus aus der „Schusslinie“ zu bringen. Die Apostelgeschichte erwähnt ausdrücklich, dass man nun endlich aufatmen konnte und die Kirche „nun Frieden“ hatte… - Außerdem: Niemand, auch Paulus nicht, kann sich von sich aus mal gerade so dem Apostelkreis anschließen! In Apostelgeschichte 1,15-26 ist das Auswahlverfahren dargestellt: insgesamt 120 Brüder waren versammelt, um Kandidaten aufzustellen und zu wählen.


7) „Generationen von Forschern haben sich den Kopf darüber zerbrochen, was Paulus mit diesem Stachel im Fleisch gemeint haben könnte. Die meisten haben angenommen, dass Paulus damit auf eine körperliche Krankheit anspielen will. Die Vermutungen gingen von Epilepsie, Hysterie oder Migräne bis zu Malaria, Depression und Homosexualität.“ (S.84) -

Eine beachtliche Auswahl bietet Autor Prinz hier an. Doch Naheliegendes hat er einfach übersehen. Zum einen gibt es in Gal 4,15 den Hinweis auf eine Augenkrankheit, zum anderen wurde Paulus mehrfach misshandelt, ausgepeitscht und gesteinigt, sodass sein Körper mehr als geschwächt war. Durch ständige Verfolgung war sein Körper ausgemergelt.

Ihn jedoch der Homosexualität zu verdächtigen, klingt zwar modern und mag bei Jugendlichen gut ankommen, ist aber geradezu absurd, wenn man die heftigen Bemerkungen des Paulus über sexuelle Verirrungen kennt.

Im Lasterkatalog von 1.Kor 6,9 und 1.Timotheus 1,10 werden Menschen, die Homosexualität praktizieren, aus dem Reich Gottes ausgeschlossen. Paulus stellt solche Menschen in eine Reihe mit Ehebrechern.


8) „Junia und ihr Mann Andronikus werden von Paulus im Römerbrief als angesehene Apostel genannt…Heute weiß man aber, dass es den männlichen Namen Junius überhaupt nicht gegeben hat und Junia eine Frau gewesen sein muss. Anscheinend konnte oder wollte man sich einfach nicht vorstellen, dass eine Frau Apostelin war.“ (S.184/185) -

Autor Prinz macht es sich wieder einmal sehr einfach – er entscheidet sich für eine denkbare Variante und unterschlägt alles andere, was ihm da nicht passt. Es könnte z.B. sein, dass mit der Stelle in Römer 16,7 gemeint ist, dass Andronikus und Junias sehr angesehen unter den Aposteln sind, aber selbst keine waren. Die Vorstellung, dass Paulus einen weiblichen Apostel grüßen lässt und andererseits den Frauen die Verkündigung im Gottesdienst untersagt (z.B. 1 Kor 14,33ff), ist psychologisch abenteuerlich! Die besagte Stelle heißt im Original „en tois apostolois“, also „bei den Aposteln“. Autor Prinz z.B. kann bei seinem Buchverleger sehr angesehen sein, ist aber trotzdem kein Verleger!


Dies mag an dieser Stelle genügen, um meine Bedenken gegen dieses Buch zu begründen. In der Auto-Produktion gibt es im Volksmund den Begriff „Montagsauto“. Liegt bei diesem Buch ein ähnliches Phänomen vor?

Die bischöfliche Kommission trifft sich im Oktober zu ihrer nächsten Sitzung. Ihr habe ich meine noch ausführlichere Stellungnahme zukommen lassen. Man darf gespannt sein…!


Linkhinweise: Besseres Paulus-Buch >> Rechtsklick!

Bischofskommission Jugendbuchpreis >> Rechtsklick!




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