05.11.2008

Weihetag der Lateranbasilika - 09.11.2008

(Fortsetzung)

Wenn wir heute einen Blick auf diesen Tempelvorhof vor dem Paschafest werfen dürften, wären wir mit Sicherheit nicht nur deswegen entsetzt. Tausende lebender Rinder und noch mehr Schafe waren dort eingepfercht und festgebunden, mit entsprechend nervösem Geblöke und Gebrülle und auch mit einer beachtlichen Portion Gestank vom Unrat. Hinzu kamen Zehntausende von Opfertauben, die einfach an den Füßen zusammengebunden gebündelt zu zwei Stück mit dem Kopf nach unten an Stangen hingen

und ab und zu in diesem Lärm vergeblich flatterten.

Zusammen mit dem lauten Gefeilsche der Händler und den temperament-

vollen Diskussionen vor so manchem Stand ergab dies eine lärmende, schrille Geräuschkulisse.

Wie etwa bei einem unserer heutigen

Weihnachtsmärkte schob sich die gewaltige Schar der Pilger immer weiter durch die Reihen der Stände, oft lauthals feilschend und schimpfend. Es war einfach unvermeidlich, dass solch ein Lärm bis ins Innere des Tempels drang und dort ein längeres, andächtiges Gebet oft kaum noch möglich machte. Doch nach dem beliebten ungeschriebenen Gesetz: „Aber das war doch schon immer so…!“, das auch in manchen heutigen Pfarrgemeinden das schnelle Ende von Vorschlägen bedeuten kann, hielt man das alles einfach für „normal“. Es war so, und so sollte es natürlich bleiben, zumal es so profitabel war.


Aus religiöser Sicht steckte schließlich eine sehr anerkennenswerte Haltung dahinter: dem einzigen, dem wahren Gott wollte und sollte man als gläubiger Jude ein großherziges Signal der Opferbereitschaft senden. Dies konnte praktischerweise je nach den vorhandenen eigenen finanziellen Möglichkeiten auch schon durch die Opferung von zwei jungen Tauben geschehen, wie uns z.B. auch von der Darstellung des acht Tage alten Jesuskindes im Tempel überliefert ist (Lk 2,24), „wie das Gesetz des Herrn es vorschreibt.“


Jesus ist ganz und gar nicht gegen den Tempel. Wir erinnern uns daran, dass er schon als Zwölfjähriger beim Rückweg von seiner ersten Pascha-Wallfahrt nach Jerusalem zur großen Sorge von Maria und Josef spurlos verschwunden war. Als er endlich von ihnen im Tempel im Gespräch mit den Schriftgelehrten gefunden wurde, waren die Eltern von seiner Antwort verblüfft: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ (Lk 2,49)


Vom „Haus meines Vaters“ spricht Jesus auch im heutigen Evangelium. Genau heißt es in seiner Mahnung an die Taubenhändler: „…macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!“ - Jesus geht es mit seiner spektakulären Aktion gegen Händler und Geldwechsler also ausschließlich um die Ehre Gottes, seines himmlischen Vaters!

Jesus spricht nicht gegen den öffentlichen Kult, nicht gegen Opfergaben, aber er wendet sich mit seiner energischen Handlung gegen die gierige Geschäfte-macherei und die lärmende Betriebsamkeit. Beides ist einfach widerlich in den Augen Gottes! Man hat offenbar vergessen, dass Gott allein der Hausherr des Tempels ist, dessen Rechte auf diesem religiösen Basar aber mit Füßen getreten werden. Hier geht es Tag für Tag in Wirklichkeit nur um die Bedürfnisse und Geschäfte der Menschen, die Gott inzwischen nur noch als Geschäftspartner sehen, mit dem man einen Kuhhandel macht: Wir opfern, und Du hilfst!


Jesus aber hat in vielen Gleichnissen immer wieder betont, worauf es wirklich ankommt: auf die ehrliche Umkehr des Menschen zu Gott, nicht auf das JA-Sagen, sondern auf das JA-Tun, wenn Gott ruft. Dazu gehört auch das intensive Gebet. Das Beten der Menschen im Tempel ist Jesus ein ganz großes Herzensanliegen. Das dürfen die Menschen mit ihrem unerträglichen Lärm und ihrer Geldgier nicht gefährden!

So ist seine öffentlichkeits-

wirksame Aktion -heute hätte er vielleicht einen Reporter dorthin bestellt- ein klares Signal an die Verantwortlichen dieses Zustandes: Schaut, was ihr aus dem Heiligtum Gottes gemacht habt! Eine Markthalle ist daraus geworden (die ande-

ren Evangelien formulieren hier noch deftiger: nicht Markthalle, sondern „Räuberhöhle“) ! Ja, ihr beraubt nicht nur das gläubige Volk, ihr beraubt auch Gott seiner Ehre!


Nun sollten wir aber, um auf den Anfang zurück-

zukommen, nicht annehmen, Jesus habe in einem Wutausbruch alles kurz und klein geschlagen. Es ist vielmehr eine kleine, gezielte Zeichenhandlung.

Heute würde man sagen: es ist ein Warnstreik, eine Demonstration.

Jesus hat nicht den halben Tempelvorhof in die Flucht geschlagen. Das war gar nicht möglich, denn inner-

halb weniger Minuten hätte die Tempelpolizei die Lage auf ihre zupackende Art unter Kontrolle gebracht.

Man war auf Zwischenfälle gut vorbereitet. Es gab schließlich genügend Hitzköpfe mit orientalischem Temperament…


Da die Tempelpolizei aber offensichtlich hier nicht einschreitet und Jesus weiterhin auf freiem Fuß bleibt, bestätigt dies: Jesus ist kein Randalierer, der sich hier mal kräftig austobt. Offenbar dienen ihm ein paar Stricke, mit denen man üblicherweise die Rinder festband, um daraus eine Geißel zu machen. Da wird niemand verprügelt, sondern ein paar schockierte Händler flüchten, bringen sich vorsichtshalber in Sicherheit mit ihrem Vieh. Wer weiß, was der noch vorhat…!

Ein paar Tische werden umgestoßen, und die Zeit reicht auch noch für ein erklärendes Gespräch mit einigen Händlern: „Zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!“ - Von einer dramatischen Gewalt-Szene ist da wenig zu spüren. Im Gegenteil: Indem Jesus die Tauben nicht selbst anfasst, vermeidet er bei den aufgeregten Tieren Verletzungen und damit eventuelle Wertminderungen. Vielmehr bittet er die Händler, ihre empfindlichen Tiere selbst von diesem Ort zu entfernen.


In der Textstelle direkt vor dem heutigen Evangelium wird Jesus zum großzügigen Retter eines Festes, indem er der Hochzeitsgesellschaft von Kana leckersten Wein spendiert. Unmittelbar danach wird heute aus dem Partyretter mit einem großen Pauken-

schlag der Kämpfer für die Rechte Gottes. Bei der Ehre Gottes hört für Jesus wirklich der Spaß auf. Da wird es ernst.

Seine einmalige Aktion ist eine Kampfansage an jedes fromme Getue. Gott braucht von dir eigentlich gar kein käufliches Opfergeschenk. Man braucht keine Tiere zum Sündenbock zu machen. Als wirkliches Opferlamm für uns ist Jesus selbst hier schon auf dem Wege zum Kreuz.

Er wusste natürlich auch, dass er mit seiner kleinen Aktion den lärmenden Handel und damit die Ehr-

verletzung Gottes nicht unterbinden konnte. Er konnte auch nicht verhindern, dass die Armen sogar im Tempel finanziell geschädigt wurden. Er tat es trotzdem. Niemand sollte später sagen können, Jesus habe sich nicht klar genug ausgedrückt. Wir alle wissen Bescheid.


Die Verantwortlichen haben seine zeichenhafte Aktion vor dem Tempel natürlich mitbekommen. So heißt es im heutigen Evangelium weiter: „Da stellten ihn die Juden zur Rede: Welches Zeichen lässt du uns sehen als Beweis, dass du dies tun darfst?“

Die Tat Jesu ließ sie also aufhorchen. Sicher hat sich das Geschehen in Windeseile auf dem Gelände herumgesprochen. So etwas erlebt man schließlich nicht alle Tage! Was die Pilger dazu gesagt haben, erfahren wir leider nicht, doch die Tempelbehörde war offenbar aufgeschreckt.

Man verlangte von Jesus für dieses ungebührliche Verhalten einen triftigen Grund, eine begründete Berechtigung. Man erwartete ein göttliches Zeichen als Beweis seiner Autorität. Und ganz sicher war man erst recht nach dieser Tat Jesu der Meinung, dass bald gehandelt werden musste, um diesen Rabbi Jesus endgültig aus dem Verkehr zu ziehen. Schließlich war nun auch noch der eigene Geldbeutel in Gefahr…


Die Antwort Jesu haben sie erst einmal nicht verstanden. Wie konnten sie denn den Tempel abreißen, an dem 46 Jahre lang gebaut worden war? Und wieso wollte er den Tempel in nur drei Tagen wieder aufrichten? Dass Jesus seinen Tod und seine Auferstehung meinte, konnten sie natürlich nicht begreifen. Selbst seine Jünger, die im heutigen Text nur am Rande auftauchen, verstanden den Sinn seines Hinweises erst nach dem Ostergeschehen.


Der Tempel (lat. templum) ist der Wortbedeutung nach ein vom weltlichen Alltag abgegrenzter, gesonderter Bezirk. Um einen solchen abgegrenzten, nur auf die wirkliche Verehrung Gottes ausgerichteten Bezirk jenseits von menschlichen Geschäftsinteressen ging es Jesus in seiner Aktion, die als Tempelreinigung bekannt wurde.


Wir feiern heute, am 9.November, ein seltenes Kirchweih-

fest. In der Regel fällt dieses Fest im Kalender nicht auf einen Sonntag. In diesem Jahr feiern wir jedoch nicht den 32. Sonntag im Jahreskreis, sondern heute ist der Weihetag der Lateranbasilika in Rom.

Es geht nicht um den Petersdom, den jeder kennt. Vielmehr gilt die Lateranbasilika als „Haupt und Mutter“ aller katholischen Kirchen des Erdkreises,

Sitz des Bischofs von Rom.

Die römische Familie Laterani besaß ein großes Grundstück weit draußen vor dem Zentrum Roms, das im Jahre 312 von Kaiser Konstantin den Christen Roms geschenkt wurde. Wir erinnern uns an die „Konstantinische Wende“ für die Kirche, die nach einem Traum des Kaisers nicht mehr verfolgt, sondern von ihm gefördert wurde. Kaiser Konstantin übernahm alle Baukosten der prächtigen Basilika und half sogar einmal demonstrativ bei den Bauarbeiten mit.

Die Lateranbasilika ist, wenn man so will, zu Stein gewordene Kirchengeschichte. Fünf Konzilien fanden hier statt, 23 Päpste sind hier begraben.


Wenn wir heute weltweit in allen Kirchen eingeladen sind, das Kirchweihfest dieser Kirche in Rom mitzufeiern, wird uns wieder einmal ganz bewusst, wie sehr wir jetzt und weltweit, aber auch aus der Geschichte heraus alle miteinander im Glauben verbunden sind. Nicht im Petersdom, sondern in der Laterankirche durften die Christen nach 300 Jahren blutiger Verfolgung erstmals ihre Gottesdienste in aller Öffentlichkeit feiern.


Das heutige Evangelium von der Tempelreinigung betrifft nicht nur einen Tempel in Jerusalem, der im Jahre 70 n.Chr. von den Römern zerstört wurde. Es betrifft unsere Kirche und unsere Kirchen als Gebäude auch heute.

Wenn wir die heutige Mahnung Jesu ernst nehmen, achten wir noch sorgfältiger darauf, dass unsere Gottesdienste nicht in Betriebsamkeit an Gottes eigentlichem Anliegen vorbeizielen. Knapp daneben ist eben auch vorbei. Jede Kirche, jeder Gottesdienst soll zu Gott hinführen, die Begegnung mit dem Heiligen möglich machen, nicht aber von ihm ablenken, und sei es noch so gut gemeint.

Schau auf uns, Jesus, und wirf über den Haufen, was uns hindert, Gott wirklich zu ehren. Scheuche uns auf und reinige, wo es nötig ist.




Am kommenden Montag, 10.Nov:

„Mit mir nicht!“ - Linktipps, Material- und Buchtipps: Mitra oder Zipfelmütze? Nikolaus statt Weihnachtsmann!


Tempel-Info auch bei: Palmsonntag/Jesu Einzug in Jerusalem

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El Greco: Christus treibt die Händler aus dem Tempel

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Weihnachtsmannfreie Zone u.a. Materialien

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Info über Weihe der Lateranbasilika am 9. Nov. 324

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Drei Predigten der Redemptoristen (Anlass: scrollen/Weihe der Lateranbasilika > suchen)

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Gottesdienst-Texte, Predigt von Pfr. Bruno Layr

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wikipedia: Der Lateran >> RECHTSKLICK !


Reise-Info Lateran >> RECHTSKLICK !




Die Polizei hält den Pfarrer abends an, weil das Licht an seinem Fahrrad nicht brennt: „Das kostet 10 EURO!“

Beim Schreiben der Quittung fragt der Polizist: „Haben Sie denn keine Angst, dass Ihnen etwas passiert, wenn Sie so im Dunkeln fahren?“

Darauf der Pfarrer: „Nein, ich habe keine Angst, der Herr ist doch bei mir.“ - Darauf der Polizist: „Was? Zu zweit auf einem Fahrrad? Das macht allerdings 20 EURO!“


Zwei Priester wollen die stigmatisierte Sühneseele Marthe Robin besuchen. Ein Priester ist sehr skeptisch und sagt zu seinem Freund: „Wenn wir bei Marthe nicht lachen müssen, dann glaube ich nicht an die Übernatürlichkeit der Stigmata."
Sie kommen in das dunkle Zimmer von Marthe und beginnen ein Gespräch. Nach einiger Zeit sagt der skeptische Priester: „Wenn ich einmal sterbe, dann gehe ich zum Himmel und halte die Tür weit auf, damit alle hinein können".

Da lacht Marthe und sagt: „Das mache ich aber anders: Wenn ich sterbe, dann gehe ich zur Hölle und schließe die Tür von außen, damit dort niemand mehr hinein kann!"

Der skeptische Priester war von der schlagfertigen Antwort so verblüfft, dass er herzhaft zu lachen begann und sein Misstrauen Marthe gegenüber war wie weggeblasen.


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