19.11.2008

Christkönig (34.So A) - 23.11.2008

(Fortsetzung)

Jesus erklärt im Evangelium, dass sofort nach dem Trennen etwas geschehen wird.

Er als Richter wird zuerst zu denen sprechen, die vor ihm auf der guten Seite stehen dürfen: „Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Erde für euch bestimmt ist.“ -

Man überhört das leicht: Jesus stellt hier nicht nur die Einheit mit seinem Vater fest, sondern er betont auch: Vom Anfang der Erde an ist es in der Schöpfungs-

ordnung Gottes so vorgesehen, dass die Menschen als Gotteskinder das Reich in Besitz nehmen dürfen.

Es ist gewissermaßen von Anfang an für sie reserviert. So hat es Gott vorgesehen. So ist das endgültige Ziel der Menschen vom ihm gedacht. Im Vaterunser beten wir es ja auch immer wieder: „Dein Reich komme…!“ – Jetzt, da sie vor ihm stehen, ist für sie dieser glückliche Moment endlich da: sie sind am Ziel, sie sind angekommen, Gottes Reich steht ihnen in seiner ganzen Fülle offen.


Doch Jesus erklärt uns im heutigen Evangelium natürlich auch, warum jemand in sein Reich eintreten darf: Nicht, weil man den Tauf-

schein gerade dabei hat oder weil man immer in der Kirche war oder weil man doch so gut katholisch oder so gut evangelisch ist. Nein, man ist dabei, weil man Jesus aus einer existentiellen Notlage geholfen hat:

„Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.“


Die Reaktion der Betreffenden kann man sich gut vorstellen, wie Jesus sie auch schildert: Man ist schlicht und einfach verblüfft. Ich soll Jesus geholfen haben? Ich soll ihm zu essen und zu trinken gegeben haben? Ich soll ihn sogar im Krankenhaus oder Gefängnis besucht haben? –

Verwundert reiben sie sich die Augen: Da kann ich mich beim besten Willen nicht dran erinnern, wirklich nicht! Wo und wann soll das denn gewesen sein?

Das hätte ich doch bestimmt gemerkt! – So stellen sie dem Weltenrichter diese Frage, die sie brennend interessiert.


Die Antwort Jesu ist eine große Überraschung: Er ist ihnen gewissermaßen anonym begegnet, inkognito, unerkannt: „Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

Das ist schon schwere Kost! Das ist schon eine Zumutung! Nicht den richtigen oder falschen Glauben macht der Richter zum Kriterium seiner unwiderruflichen Entscheidung, sondern das richtige oder falsche Handeln! Der Maßstab ist also, was man für den Nächsten in Not getan oder unterlassen hat. Genau in diesem Nächsten, der auf Hilfe angewiesen ist, tritt Jesus uns entgegen.


Schade, lieber Jesus, wird da manch einer denken,

das ist ziemlich unbequem. Anders wäre mir schon lieber gewesen. Freier Eintritt im Himmel für alle regelmäßigen Kirchenbesucher zum Beispiel. Das mit dem Nächsten ist so kompliziert, so unplanbar, einfach schlecht zu handhaben.

Auf dem Papier ist das ja alles prima, Essen und Trinken geben, Kranke besuchen, Obdachlose aufnehmen usw. – Aber in der Praxis, da wird’s schwierig: Der Nächste ist auch nicht immer ein angenehmer Zeitgenosse, und mit einem ver-

schenkten Butterbrot ist es ja auch nicht getan. Da geht es um Zeit, die man opfern muss. Da geht es um Zuwendung, und da geht es sicher auch oft genug um Überwindung, denn das alles macht nicht immer nur Spaß.

Ein Krankenbesuch zum Beispiel bei einem Kranken, der nur meckert und verdreht ist, kann einen selber schon fast krank machen. - Jesus, das ist eine ganz schön harte Nuss!


Wenn wir Jesus dies so sagen würden, wäre er sicher erstaunt: Da hast du mich nicht richtig verstanden, mein Freund! – Denn eigentlich müsste die Freude über das heutige Evangelium bei Lichte betrachtet riesengroß sein. Es geht uns durch die heutige Erklärung Jesu so wie manchmal Schülern vor einer wichtigen Prüfung: Wir haben vom Prüfer selbst einen ganz heißen Tipp bekommen. Er meint es gut mit uns und hat heute durchblicken lassen, welches Thema in der Prüfung dran ist. Der Theologe Prof. Dr. Klaus Berger formulierte dazu einmal, Jesus habe uns mit dieser Bibelstelle „den Geheimcode des Weltgerichts verraten“.


Es soll uns eben nicht so ergehen wie denen auf der linken Seite, die in das ewige Feuer sollen, „das für den Teufel und seine Engel be-

stimmt ist!“ – Gott möchte uns also nicht aussortieren. Der Teufel und seine mit ihm gegen Gottes Pläne revoltierenden Engel haben sich selbst ins ewige Abseits manövriert. Für sie ist dieser Platz der traurigen Gottesferne bestimmt, nicht für die Menschen.

So gesehen ist das heutige Evangelium vom Welt-

gericht für den aufmerksamen Zuhörer letztlich zwar eine harte Warnung, aber eine Warnung, wie sie liebevolle Eltern ihren Kindern manchmal geben müssen: Achtung, mach das nicht – das ist nicht gut für dich! Das ist gefährlich!


Daran müssen wir uns in der Bibel immer wieder gewöhnen: Bei Gott gibt es nichts Kleingedrucktes, was irgendwo versteckt ist wie bei manch einem Vertrag. Da hat man vielleicht was unterschrieben und merkt erst zu spät, dass man in eine Falle getappt ist, die jetzt schmerzlich teuer wird.

Gott dagegen redet Klartext. Da gibt es nichts, was man übersehen könnte. Und so redet Jesus heute ganz eindringlich nicht etwa von dem Bösen, was man tut, sondern von dem Guten, was man nicht tut.


Und da gibt es viel, viel zu viel, das

nicht getan wird. Viel zu viele hungern, aber nicht nur nach Brot, sondern vielleicht nach Zeit, nach einem guten Wort. Nichts ist für einen Menschen schlimmer als das Gefühl, eigentlich unerwünscht und überflüssig zu sein. Viel zu viele Menschen leben in allerlei Gefängnissen ihres Lebens, und viel zu viele sind seelisch längst obdachlos und nackt geworden. Das Leben hat ihnen übel mitgespielt, und nun haben sie einen Klotz am Bein, der sie am Fortkommen hindert. Sie sind in großer Not, wie diese auch immer konkret aussehen mag.


Schnell mag man jetzt denken: Das ist aber nicht ganz fair, Jesus! Ich tue doch wirklich viel, und du weißt es, Herr! Auch ich habe meine engen Grenzen. Ich bin nicht Einstein oder Moses, nicht Mutter Teresa und nicht der heilige Nikolaus. Auch ich komme manchmal nicht weiter, auch ich sitze manchmal in meinem Gefängnis und käme so gerne da raus!


Dieses Gefühl dem heutigen Evangelium gegenüber kann entstehen, wenn wir es als Einzelne lesen, wenn wir es als nur für unsere Person geschrieben verstehen. Dann kann das Gefühl schon schnell aufkommen: Ach, schon wieder will Jesus was von mir…! –


Wer auf den Bibeltext schaut, wird aber schnell feststellen müssen, dass da immer von der Mehrzahl die Rede ist, immer von vielen.

Da spricht Jesus zu denen auf der rechten Seite, und die Gerechten antworten ihm. Immer sind es viele, die hier gemeint sind.

Damit wird uns klar: Jesus erwartet nicht von einem Einzelnen, dass er oder sie die Welt umkrempelt. Niemand von uns kann ganz Afrika satt machen und niemand kann 24 Stunden lang Tag und Nacht Kranke besuchen und Traurige trösten.


Wir alle sind gemeint. Alle können und sollen mit anpacken. Das ist wie bei einem Möbeltransport:

So ganz alleine kannst du den schweren Wohn-

zimmerschrank nicht in die vierte Etage bringen.

Aber wenn alle mit anpacken, wenn alle demjenigen helfen, der gerade ihre Hilfe braucht? Und wenn dir auch jemand hilft, dessen Nächster du selbst bist, wenn du in irgendwelchen Nöten bist?


Ja dann! Ja, dann kann das natürlich gelingen!

Wenn viele an ihrem Platz zupacken, auf den sie gestellt sind. Wenn viele die Augen nicht verschließen…

Ja, es sind offenbar viele, die nicht nur das Herz auf dem rechten Fleck haben, sondern die beim Gericht dereinst in der Stunde der Wahrheit auf der rechten Seite stehen werden. Und wenn Jesus Christus sein größter Wunsch erfüllt würde, dann wären es alle.


Verkünden wir also das Evangelium, ob gelegen oder ungelegen! Warnen wir unseresgleichen und alle,

die es hören wollen oder auch nicht: Achtung – Lebensgefahr! Hör auf Jesus! Setz dein ewiges Leben nicht auf’s Spiel!




Pater Löwenstein mit Predigt zu Besuch

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Kardinal Lehmann: Predigt zu Mt 25,31-46

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Gerichtsversammlung: (Evangel.) Predigt (pdf-Datei)

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Meine Gedanken zu Christkönig Lesejahr C

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Peter Hinske: Exegese zu Mt 25,31-46 (pdf-Datei)

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Das Doppelgebot der Liebe : 30.Sonntag A – 26.10.2008

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Geh jetzt, du störst…!

Eine berühmte chassidische Geschichte erzählt von einem frommen Rabbi, der sich so sehr wünschte, seinem Gott einmal leibhaftig zu begegnen. Also trug er ihm seine Bitte vor: „Jeden Tag komme ich in den Tempel, um dich zu besuchen. Jetzt wäre es mir eine große Freude, wenn du einmal in mein Haus kommen würdest und mich besuchtest.“

„Ich komme morgen“, sagte Gott, „mach alles für mich bereit“.

Der fromme Rabbi lief nach Hause und traf die notwendigen Vorbereitungen. Mitten in die Vor-

bereitungen platzte ein Kind, angelockt vom Duft der Süßspeisen, und bat um einen kleinen Kuchen. „Morgen bekommst du deinen Kuchen“, vertröstete der fromme Rabbi. „Heute kommt Gott. Geh jetzt, du störst.“

Doch Gott ließ auf sich warten. Stattdessen klopfte auch noch ein Fremder bei ihm an. „Nein, heute nicht“, sprach der Rabbi. „Morgen kann ich dir etwas geben. Geh heute zu meinem Nachbarn. Heute kommt Gott. Geh jetzt, du störst.“

Der Tag verging, aber Gott ließ sich nicht blicken. - Als die Spannung fast nicht mehr auszuhalten war, da klopfte ein dreckiger, kranker Bettler an die Tür.

„Nein!“, scheuchte ihn der Rabbi ärgerlich fort ,

„heute geht`s nicht, morgen ist soviel da, wie du willst. Heute kommt Gott. Geh jetzt, du störst."

Aber es wurde dunkel, und Gott kam nicht. -

Am nächsten Morgen ging der Rabbi voller Zorn in den Tempel und überhäufte Gott mit Anklagen und wütenden Vorwürfen: „So oft bin ich zu dir in den Tempel gekommen. Ist es da wirklich zu viel verlangt, wenn du ein einziges Mal zu mir kommen sollst?

Du hast es mir doch sogar versprochen!“

„Was willst du?“ erwiderte ihm Gott, „dreimal war ich da, aber du hast mich nicht erkannt.“ (Quelle: mir nicht bekannt)


Die Bettlerin und die Rose

Von Rainer Maria Rilke gibt es eine Geschichte aus der Zeit seines ersten Pariser Aufenthaltes:

Gemeinsam mit einer jungen Französin kam er um die Mittagszeit an einem Platz vorbei, an dem eine Bettlerin saß, die um Geld anhielt. Ohne zu irgend-

einem Geber je aufzusehen, ohne ein anderes Zeichen des Bittens oder Dankens zu äußern als nur immer die Hand auszustrecken, saß die Frau stets am gleichen Ort. Rilke gab nie etwas, seine Begleiterin gab häufig ein Geldstück.

Eines Tages fragte die Französin verwundert nach dem Grund, warum er nichts gebe, und Rilke gab ihr zur Antwort: "Wir müssen ihrem Herzen schenken, nicht ihrer Hand." - Wenige Tage später brachte Rilke eine eben aufgeblühte weiße Rose mit, legte sie in die offene, abgezehrte Hand der Bettlerin und wollte weitergehen.

Da geschah das Un-

erwartete: Die Bettlerin blickte auf, sah den Geber, erhob sich mühsam von der Erde, tastete nach der Hand des fremden Mannes, küsste sie und ging mit der Rose davon.

Eine Woche lang war die Alte verschwunden, der Platz, an dem sie vorher gebettelt hatte, blieb leer. Vergeblich suchte die Begleiterin Rilkes eine Antwort darauf, wer wohl jetzt der Alten ein Almosen gebe.

Nach acht Tagen saß plötzlich die Bettlerin wieder wie früher am gewohnten Platz. Sie war stumm wie damals, wiederum nur ihre Bedürftigkeit zeigend durch die ausgestreckte Hand.

„Aber wovon hat sie denn all die Tage, da sie nichts erhielt, nur gelebt?", fragte die Französin.

Rilke antwortete: "Von der Rose . . ."

(Quelle mir unbekannt)



„Sebastian, hast du dem Papagei diese schrecklichen Schimpfwörter beigebracht?“ – „Nein, Mami, ganz im Gegenteil: Ich habe ihm ganz genau erklärt, welche Wörter er auf keinen Fall sagen darf!“


Eines Tages besucht der Pfarrer den kranken Bauern Wilhelm. Der klagt ihm sein Leid: „Das Schlimmste ist die Langeweile, wenn man den ganzen Tag im Bett liegen muss.“

Der Pfarrer zeigt sich hilfsbereit: „Dagegen habe ich was. Meine Haushälterin bringt es dir morgen vorbei. Lies in dem Buch, dann geht es dir bald besser!“

Am nächsten Tag bringt die Haushälterin auftragsgemäß ein Buch mit Geschichten und Gedichten von Wilhelm Busch zum Patienten.

Nach einer Woche erkundigt sich der Pfarrer beim Bauern, wie ihm das Buch gefallen habe.

„Gut war’s. Manchmal hätte ich fast laut lachen müssen, wenn ich nicht gewusst hätte, dass es doch Gottes heiliges Wort ist!“


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