In unserem konkreten Beispiel geht der Herr, wie Jesus erzählt, für eine lange Zeit auf Reisen. Wie wir bereits wissen, darf er wie ein heutiger Konzern-Chef getrost davon ausgehen, dass er sich auf seine Mannschaft verlassen kann. Er kennt seine
Leute offenbar sehr genau, denn er gibt jedem eine andere, eigene Aufgabe: Während er dem ersten die Riesensumme von fünf Talenten anvertraut, sind es beim zweiten Diener noch zwei Talente und beim dritten nur noch eines. Keiner soll also überfordert werden, jeder bekommt die für ihn persönlich passende Menge zur Verfügung. Es hat keinen Sinn, jemand eine Riesenaufgabe zuzumuten, durch die er sich so quält, dass er nachts nicht mehr schlafen kann.
Auch im heutigen Wirtschaftsleben und sogar in der Kirchenverwaltung kommt es darauf an, dass man Aufgaben gut delegieren kann. Ein schlechter Chef, der alles selber machen will!
Der Chef im Gleichnis Jesu hat seine Leute ganz richtig einge-
schätzt: die beiden ersten stürzen sich auf die Arbeit und wirtschaften tüchtig mit dem anvertrauten Vermögen. Ausdrücklich heißt es bei den beiden „Sofort begann der Diener…“ - Alle beide empfinden das Vertrauen ihres Herrn als große Ehre und Verpflichtung und legen sich mächtig ins Zeug.
Nicht so jedoch der dritte Diener. Obwohl ihm wohl kaum verborgen geblieben sein dürfte, wie die anderen schaffen, verbuddelt er den ihm überlassenen Anteil lieber in einem Erdloch. Das scheint ihm die sicherste Geldanlage zu sein, die außerdem den Riesenvorteil hat, dass sie kein bisschen Arbeit macht. Während die anderen die Gewinne immer wieder neu investieren müssen, Risiken abwägen und ihre Aufgabe stets im Auge behalten müssen, legt der dritte Diener eine jahrelange Schaffenspause ein.
Eine ganze Reihe selbstgenehmigter Sabbatjahre gewissermaßen.
Ganz gewiss ist ein Stück weit auch die Angst mit im Spiel, er könnte etwas falsch machen. Er hält das aber wohl auch für eine prima Ausrede, um sich Mühe und Risiko zu ersparen.
Das jedoch findet der Herr in diesem Gleichnis Jesu gar nicht komisch.
Wie man eigent-
lich als Diener wissen sollte, taucht er nach langer Zeit völlig überraschend auf und verlangt von seinen Dienern Rechenschaft über ihren Umgang mit dem anvertrauten Vermögen. Man spürt richtig die Freude, mit der die ersten beiden Diener ihrem Herrn das Ergebnis ihrer jahrelangen Mühe präsentieren: Beide haben sich mit Erfolg angestrengt und die ursprüngliche Summe glatt verdoppelt. Dafür lobt der Herr sie, wobei auffällt, das gleich viermal das Wort „treu“ vom Herrn verwendet wird. Er sieht es also als Zeichen von Treue, dass sie sich so für ihn eingesetzt haben.
Beiden verspricht er, dass sie nach dieser in seinen Augen offenbar noch kleinen Aufgabe noch mehr Eigenverantwortung übertragen bekommen werden. Er ruft sie beide nacheinander an seine Seite mit dem Satz: „Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!“ - Auch hier spürt man, wie das alles nicht von Angst, sondern von großer Freude getragen ist. Der Herr will seine Freude mit seinen Getreuen teilen!
Als schließlich der dritte Diener vor den Herrn tritt, holt er sofort ungefragt zu einer groß angelegten Entschuldigungs-
rede aus. Er wisse ja, was für ein strenger Mann sein Herr sei, und nur deshalb habe er das Geld vergraben. Mit der Bemerkung „Hier hast du es wieder“ - oder wörtlich: „Hier hast du das deine!“ legt er ihm das Geld vor die Füße.
- Da hat er aber die Rechnung ohne seinen Herrn gemacht! Der lässt das Argument der Angst nicht gelten, und das mit gutem Grund: die beiden anderen (immerhin eine satte Zwei-Drittel-Mehrheit) haben doch denselben Herrn, aber offensichtlich keine Angst vor ihm. Ganz im Gegenteil: sie können sich von Herzen mit ihm freuen, weil sie ihm treu ergeben sind.
Da wundert es uns wirklich nicht, dass der Herr diesen Diener mit deutlichen Worten zurechtweist: „Du bist ein schlechter und fauler Diener!“ –
Er wirft ihn aber nicht einfach hinaus in die Finsternis, sondern belehrt ihn ausführlich. Wenn der Diener schon nicht selbst mit dem Talent arbeiten wollte, hätte er es doch wenigstens anderen anvertrauen können, damit es Gewinn bringt. Aber offenbar kam ihm das überhaupt nicht in den Sinn, dem „nichtsnutzigen Diener“ .
Der Herr redet Fraktur. Das ist wirklich Klartext pur: Du hast es vermasselt, aber nicht, weil du nicht konntest, sondern weil du einfach zu faul warst. Deine Ausrede akzeptiere ich nicht! –
Wir können dem Herrn sicher nachfühlen, dass er von diesem undankbaren Diener enttäuscht ist. Dabei hatte er nie Äpfel mit Birnen verglichen, hatte nie alle über einen Kamm geschoren. Die Aufgabe war speziell für diesen Helfer mit Bedacht ausgewählt, nur für ihn. Er hätte sie bewältigen können, aber er hat seine Chance leichtfertig vertan. Damit hat er sich selbst ins Abseits gestellt, ins Dunkle, für immer getrennt von seinem Herrn. Was für ihn gedacht war, das wird ihm jetzt weggenommen und einem anderen noch dazu gegeben.
Jesus wollte uns hier selbstverständlich keine unterhaltsamen Histörchen erzählen. Uns ist klar, dass er mit dem Herrn, der seinen Dienern Aufträge gibt, seinen Vater im Himmel meint. Und die Diener, das sind natürlich wir alle!
Wir alle sind hier auf Erden unter-
wegs im Auftrage des Herrn. Jesus belehrt mit dem Gleichnis die Gläubigen aller Zeiten: Es ist falsch, das uns anvertraute Talent, den anvertrauten Schatz, einfach nur zu vergraben, also ungenutzt liegen zu lassen.
Unser Schatz, das sind keine Millionen von Dollars, die in Gefahr sind, als Seifenblasen am Spekulanten-
himmel zu zerplatzen, wenn wir uns verkalkulieren. Unser Schatz, das ist unser konkreter Auftrag von unserem Chef, speziell für jeden persönlich.
So wie der Herr im Gleichnis Jesu selbst entschieden hat, wem er wieviel zutraut, so ist es auch bei uns heute. Gott sagt ja nicht: Hallo, such dir doch mal eine möglichst schwierige Aufgabe aus, die du kaum schaffen kannst, wo dir kaum noch die Luft zum Atmen bleibt. Pack dir mal ordentlich was auf den Buckel!
Nein, Gott kennt jeden von uns, und zwar offensichtlich sehr viel besser, als wir uns selber kennen. Gott weiß, was er jedem zumuten kann.
Es stimmt: Gott ist wirklich ein Groß-Investor. Er investiert in Menschen. Er will weder Angst-
hasen noch wild gewordene Spekulanten, sondern er will ausdauernde Diener, die in Treue zu ihm stehen.
Gott vergibt die Talente nach seiner wirklich klugen Einschätzung - und nicht, damit wir uns unseren kleinen Kopf darüber zerbrechen, warum gerade wir diese Aufgabe vor uns haben. Warum er so und nicht anders entscheidet, das wissen wir nicht.
Der eine oder andere wird vielleicht denken: Ach, was soll ich schon können… So ein Riesentalent habe und bin ich nicht. Keine Talentshow der Welt würde sich für mich interessieren!
Nehmen wir es doch einfach gläubig und mit Freude an: Gott vertraut uns offensichtlich. Er braucht keine Talentshow. Er traut uns was zu. Dem einen dies, dem anderen jenes. Dem einen viel, dem anderen weniger.
Woher nehmen wir eigentlich als Diener das Recht,
für uns und sogar für Gott zu behaupten: Ach, ich kann doch nichts, ich lasse das irgendwo ungenutzt verschwinden, was du mir anvertraut hast!
Von Jesus sind wir heute mit dem Gleichnis jedenfalls wieder eindringlich aufgerufen, für den uns zugeteilten Auftrag bereit zu sein. Der eine hat das Talent bekommen, alten oder kranken Menschen gut zuhören zu können. Die Geschichte, die ihm vielleicht zum zwanzigsten Mal erzählt wird, bleibt ihm wichtig, weil er den Menschen schätzt, der sie ihm immer wieder erzählt. Was für ein Talent, zuhören zu können!
Ein anderer hat vielleicht das Talent bekommen, von ganzem Herzen für andere Menschen beten zu können. Wie dumm es doch ist, wenn der dann meint: Ach, ich bin ja alt und kann nichts mehr tun! Was für ein Talent, Gott für andere bitten zu können, die es selbst nicht können!
Viele Beispiele gäbe es, auffallende Talente, die wir bei Menschen sofort bemerken - und auch solche, die ganz unauffällig in der Stille wirken und doch großen Gewinn für den Himmel bringen. Talente vielleicht, von deren Segen nur Gott allein weiß.
Ja, aber, wird dann gerne gesagt – da gibt es doch immer viel Frömmere, viel Begabtere, viel Schönere, viel Klügere als mich! Ich fühle mich doch eher wie eine ewige religiöse Großbaustelle, die nie fertig wird…
Ja, das mag sein. Keiner weiß das besser als unser Herr. Die an-
dauernden Baustellen gibt es, im eigenen Leben und in der ganzen Kirche. Bei der Taufe war ein eingebauter Heiligenschein noch nie inclusive.
Das heutige Gleichnis hilft uns auch da weiter:
Es warnt uns, damit wir es nicht so machen wie der dritte Diener. Am schlimmsten ist das Nichtstun.
Das ist für Gott nichtsnutzig. Jesus ermuntert uns heute ausdrücklich: Traut euch selber was zu – Gott tut es ja auch!
Du musst kein Genie sein, du musst das Rad nicht neu erfinden und nicht Wasser in Wein verwandeln können. Sei einfach du selbst und mach was aus dem Geschenk deiner Talente, aus dem Geschenk deines Lebens! Du wirst sehen – dein Herr wird sich freuen, wenn er plötzlich vor dir steht. Und du darfst dich mit ihm freuen. Ist das nicht herrlich?
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C Z W X N Q Y S T A C Z
"Können Sie das lesen?"
"Lesen?", ruft der Tscheche erstaunt aus,
"ich kenne den Kerl!"
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