schieht. Jesus hat die Kranke auf-
gerichtet. Genau heißt es dann im Text: „Da wich das Fieber von ihr, und sie sorgte für sie.“ - Das Fieber weicht von ihr, lässt sie los, verlässt sie wie ein Wesen, das einen festhalten und kaputt-
machen wollte. Sie ist jetzt frei.
Sie hat so unfassbar viel Kraft bekommen, so viel Zuversicht, dass sie sofort aufstehen und an die Arbeit gehen kann. Auch das wird nur mit einem halben Satz erwähnt: „sie sorgte für sie“.
Wir sehen sie geradezu vor uns, wie sie jetzt die
Ärmel hoch-
krempelt und sich mächtig ins Zeug legt, um Jesus und die ersten Jünger mit allem zu bewirten, was die Küche hergibt. Wie verwandelt ist sie. Ein neuer Mensch ist sie geworden. Ein Mensch, der ganz handfest an Jesus glaubt.
Klar, sie steht nicht in der Reihe der Jünger. Aber die Schwiegermutter des Simon Petrus steht jetzt hinter Jesus. Sie steht zu ihm, und von nun an steht auch ihr Haus Jesus und den Jüngern immer wieder weit offen.
Diese Frau gehört zu den Menschen, die mit ihrem rührigen und eher unauffälligen Dienst denen da ganz vorne in der ersten Reihe den Rücken freihalten und Jesus auf diese Weise nachfolgen. Berufungsgeschichten gibt es also nicht nur da vorne, wo es jeder sofort sieht, sondern auch weiter hinten beim Verpflegungstrupp!
Mit einem guten Schuss Humor könnte man sagen: Das war clever von Jesus, diese Hausfrau zu heilen. Für gute Küche und Service ist jetzt schon mal gesorgt…
Doch ernsthaft: Für Jesus ist dieser ereignisreiche Tag noch nicht zu Ende. Wie uns das Evangelium erzählt, heilt er noch viele Kranke, die an allen möglichen Krankheiten litten. Das dürfte ein langer Abend geworden sein!
Doch wir hören auch, dass er „in aller Frühe, als es noch dunkel war“, zum Gebet regelrecht an einen einsamen Ort flieht.
Das Gebet, der beständige und intensive Kontakt mit seinem himmlischen Vater, ist die Kraftquelle, aus der Jesus lebt. Dazu geht er aber meistens raus aus dem Trubel und zieht sich zurück.
Die Begeisterung für Jesus hier in Kafarnaum ist zwar riesengroß, aber machen wir uns nichts vor: es ist bei den meisten wohl eher die Begeisterung für den Heiler, nicht für den Messias. Geholfen haben will man, egal warum und egal von wem. So sehen viele in Jesus nur den hochwillkommenen Superheiler, so wie viele sich in ihm auch nur den Anführer gegen die verhassten Römer erhoffen.
Aber ist es heute anders? Viele beten nur, weil sie eine Gegenleistung erwarten, Hilfe in ihren Sorgen und Nöten. Wie Jesus auf solche Geschäftsideen reagiert, erfahren wir auch gleich.
Während Jesus jetzt in der Einsamkeit betet, stehen seine Begleiter etwas dumm da: Jesus ist ihnen am Morgen kurzfristig abhanden gekommen, man könnte sagen: er ist ihnen entwischt.
Bald werden sie wieder zu Dutzenden vor der Türe des Simon stehen, die Kranken und Hilfesuchenden. – Verflixt, wo steckt Jesus bloß?
Es klingt schon leicht nach Panik, wenn im Evangelium steht: „Simon und seine Begleiter eilten ihm nach, und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich.“
Im Originaltext steht übrigens noch schärfer statt „sie eilten ihm nach“ der Begriff „sie jagten ihm nach“. Sie jagen ihn also, sie wollen seiner habhaft werden. Er kann sie doch jetzt nicht im Stich lassen!
Und so klingt es wie ein Vorwurf, als sie ihn bei ihrer Suchaktion endlich entdecken. Während er eigentlich immer noch im Gebet versunken ist, machen sie sofort und ohne lange Vorrede ihrem Ärger deutlich Luft: „Alle suchen dich!“ - Das soll ja wohl heißen: Lieber Jesus, so geht das aber nicht! Du bist jetzt ein gefragter Mann, jemand, der sich den Leuten und ihren Sorgen nicht entziehen darf! Alle suchen dich – alle brauchen dich! Du kannst jetzt keinen Rückzieher mehr machen!
Nicht nur die Leute damals, sondern auch wir heute können aus der eindeutigen Antwort Jesu lernen: „Er ant-
wortete: Laßt uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen. Und er zog durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen und trieb die Dämonen aus.“
Es ist, als wenn Jesus ihnen zuruft: „So, und jetzt das Ganze auf Stopp!“ - Mit seiner heilenden Tätigkeit am ersten Tag seines öffentlichen Auftretens in Kafarnaum hat Jesus die Menschen tief beeindruckt. Doch Jesus weiß um seinen eigentlichen Auftrag. Er lässt sich nicht überreden, sich total zu verzetteln und sein Ziel aus den Augen zu verlieren.
Das Heilen ist ein wichtiger Teil seines Handelns, aber heilen können in vielen Fällen auch andere in seinem Namen. Jesus heilt weiter, aber er lässt sich nicht als Medizinmann vereinnahmen.
Seine Jünger und damit auch wir sollen begreifen, dass Jesus gekommen ist, zu predigen, wie wir eben gehört haben. Das heißt: Er ist gekommen, die Frohe Botschaft vom Reich Gottes zu verkünden. Das kann nur er mit dieser Kraft und Autorität. Möglichst viele Menschen sollen von der Liebe Gottes erfahren und
zum Glauben finden. Daher fordert er seine Jünger auch auf, sofort mit ihm weiterzuziehen, zuerst in die benachbarten Dörfer.
Wem es nicht nur um die äußerliche Gesundheit geht, der wird ihm folgen, mit den Füßen oder mit dem Herzen. Dazu lädt er uns alle immer wieder ein, der Menschheitsarzt Jesus. Kommen wir in seine Sprechstunde. Folgen wir ihm, folgen wir seinem Rat. Sprechstunde ist übrigens immer, rund um die Uhr. Und wenn Sie spüren, dass Ihnen etwas fehlt, machen Sie sich auf! Sie kommen sofort dran, versprochen!
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Der alte Schmitz ist ein fleißiger und sparsamer Inhaber eines kleinen Ladens, der als Familienbetrieb geführt wird. Doch nun hat sein letztes Stündlein geschlagen, und es geht ans Ende. Die Kraft seiner Augen hat schon so nachgelassen, dass er niemand mehr erkennt.
Seine Familie steht daheim um sein Bett und wartet auf ein letztes Wort von ihm, auch was das Ersparte und den Laden betrifft. Das kommt auch: „Edith, meine geliebte Frau, bist du da?“ – „Ja, Otto!“ – Zufriedenes Kopfnicken im Bett.
„Bernhard, mein lieber Sohn, bist du da?“ – „Ja, Vater!“
„Anni, meine liebe Tochter, bist du da?“ – „Natürlich, Papi!“
„Und du, Sabine, meine liebes Kind, bist du auch da?“ – Man hört ein Schluchzen, und dann endlich: „Ja, Papi, alle sind hier!“
Eine Sekunde herrscht Stille, dann richtet sich der alte Schmitz im Bett auf uns schreit zornig: „Und wer, zum Kuckuck, ist jetzt im Laden…?“
Hans wird im Kloster der Stille aufgenommen. Bedingung ist, dass er ein ganzes Jahr lang kein einziges Wort sprechen darf. So lebt er als Bruder Johannes und wird nach Ablauf der Frist zum Abt gerufen.
Der sagt: „So, nun darfst du zwei Worte sprechen!“
Nach reiflicher Überlegung teilt Bruder Johannes ihm mit: „Hartes Bett!“
- „Nun gut“, meint der Abt, „wir besorgen dir ein weicheres Bett. Aber du musst jetzt ein weiteres Jahr Stille halten!“
Das Jahr ist um, und Bruder Johannes steht wieder vor dem Abt.
„Zwei Worte sind dir erlaubt“, meint der nur kurz.
„Schlechtes Essen“, berichtet Bruder Johannes.
„Hmm!“ meint der Abt genervt. „Gut, ich kümmere mich darum.“
Nach einem weiteren Jahr hat sich Bruder Johannes schon auf seine zwei Worte vorbereitet. „Ich gehe“, erklärt er dem Abt.
„Das ist auch besser so!“ erwidert der mit strengem Blick. „Seit du hier bist, hast du ständig herum-
gemeckert!“
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