Die Reaktion Jesu ist für uns sehr bemerkenswert, denn sie bestätigt, was wir z.B. bei der Kindertaufe praktizieren: Ja, es gibt ihn, den stellvertretenden Glauben. Jemand, der mit Jesus in Verbindung steht, wird zum Glaubensführer für einen, der im Glauben noch unmündig oder noch nicht reif genug ist. Oder auch für jemand, der den Zugang zum Glauben noch überhaupt nicht gefunden hat.
Denken wir auch an Maria und die vielen Heiligen, um deren Fürsprache wir nicht nur in der Heiligen Messe bitten: Ja, Jesus bestätigt es ausdrücklich: dieser stellvertretende Glaube, diese Fürsprache für andere ist sehr wohl möglich und wirksam!
Wer für andere bittet, darf darauf vertrauen, dass Gott ihn hört. Das ist sicher auch ein Trost für manche, die im bittenden Gebet an Menschen z.B. aus ihrer Familie denken, die ihren Weg zu Jesus leider noch nicht gefunden haben.
Der stellvertretende Glaube der vier Freunde ist es, der Jesu Herz auf der Stelle für diesen armen Menschen öffnet.
Doch noch etwas anderes verblüfft: Obwohl der Gelähmte sich absolut stumm zeigt, spricht Jesus ihn an. Und wie er ihn anspricht! Er sagt zu ihm:
„Mein Sohn“. Im Orginal steht da „téknon“, und das heißt noch viel schöner: mein geliebtes Kind! Und das ist eine zärtliche Form der Anrede, wie sie bei Eltern für ihr kleines Kind üblich war. Der hilflose, stumme und gelähmte Mann ist Gottes geliebtes Kind – was für ein ergreifendes Bild!
Jesus sieht mehr als ein normaler Arzt. Er sieht nicht nur die äußere Lähmung, sondern er sieht tiefer. Und tief im Inneren dieses Kranken erkennt er dessen lähmende Schuld, dessen Selbstvorwürfe, dessen Gewissensqual. Jesus sieht: Dieser Mann hat sich selbst in eine Sackgasse manövriert. Er sitzt nun fest und kommt aus der verfahrenen Situation nicht mehr heraus. An seiner Lähmung hat auch seine hilfe-
schreiende Seele einen großen Anteil.
Jesus hält dem Mann keine Straf-
predigt. Er ist ein ganz fein-
fühliger Seelsorger, der weiß: Gestraft ist dieser Mann wahrlich genug. Jesus sagt: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!“ – Wohlgemerkt: Jesus sagt nicht: Ich vergebe dir! Jesus verweist auf den Vater im Himmel: der Vater vergibt die Sünden, wie wir auch im Vaterunser beten. Jesus als Sohn Gottes hat aber von ihm die Vollmacht, die Sünden in seinem Namen zu vergeben, als Gottes barmherziges Geschenk an uns Sünder.
Die vier Freunde und der Kranke dürften erst einmal völlig verblüfft gewesen sein. Was sie erwartet hatten, war eine Heilung. Was der Kranke bekommen hat, war Sündenvergebung! So haben sie vielleicht gedacht: Hallo Jesus, du hast uns das falsche Menü geliefert, wir hatten etwas anderes bestellt!
Verblüfft waren allerdings noch ganz andere.
In Jerusalem war man offensichtlich jetzt schon auf Jesus aufmerksam geworden. Die theologischen Experten hielten sich durch Beobachter auf dem laufenden,
was Jesus so sagte und tat. Daher heißt es im heutigen Evangelium auch: „Einige Schriftgelehrte aber, die dort saßen, dachten im stillen: Wie kann dieser Mensch so reden? Er lästert Gott. Wer kann Sünden vergeben außer dem einen Gott?“
Die Schriftgelehrten saßen, heißt es. Dies drückt bereits ihre Autorität aus, denn das Sitzen war die Position der Lehrenden. Indem sie sitzen, signalisieren sie: Wir sind es, die die Heiligen Schriften verbindlich auslegen dürfen!
- Jetzt denken sie sich erst einmal ihren Teil. Noch schweigen sie. Noch sammeln sie nur Material über diesen Jesus.
Der jedoch hat ihnen ihre bösen Gedanken längst angesehen. Er weiß, dass sie hinter ihm her sind.
So haben wir es eben gehört: „Jesus erkannte sofort, was sie dachten, und sagte zu ihnen: Was für Gedanken habt ihr im Herzen? Ist es leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh umher? Ihr sollt aber erkennen, daß der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben.“
Jesus greift ihren Gedankengang geschickt auf. Ja, das lässt sich leicht dahersagen: Deine Sünden sind dir vergeben! In der Tat, das könnte jeder behaupten. Recht haben sie, wenn die Experten erklären, nur Gott allein könne Sünden vergeben!
Die Frage ist nur, welche Schlüsse die schlauen Theologen aus Jesu Vergebungsworten ziehen.
Sie schließen daraus, dass Jesus ein Mensch ist, der Gott lästert. Jesus dagegen will die Sündenvergebung gerade als klares Zeichen verstanden wissen, an dem man auch seine Gottessohnschaft erkennen kann.
Doch mit dem Erkennen ist das so eine Sache. Oft genug hindern Vorurteile Menschen daran, wirklich durchzublicken. Man hat seine Theorie, man hat sein Feindbild, und danach deutet man, was man hört und sieht. Vor wenigen Generationen waren es bei uns die bösen Franzosen, gegen die man in den Krieg ziehen musste. Oder es gab die bösen Evangelischen. Oder die bösen Leute aus dem Nachbarort, oder oder oder. Heute sind es für manche die bösen Asylbewerber oder die bösen Moslems.
Für die Schriftgelehrten war das der böse Jesus, weil er in ihren Augen Gott lästerte. Nun erfahren wir im Evangelium, dass Jesus ihnen sogar besondere Nachhilfe im Erkennen erteilt. Es heißt im Text: „Ihr sollt aber erkennen, daß der Menschensohn die Vollmacht hat...“ Jesus liefert ihnen also den Beweis seiner Vollmacht frei Haus, denn er befiehlt dem Gelähmten, aufzustehen und nach Hause zu gehen.
Vor aller Augen steht der Mann auf, und zwar sofort, wie es ausdrücklich heißt. Er packt sich seine Tragbahre und geht einfach so aus dem Haus.
Mit einem einzigen Wort setzt Jesus alle Macht der Krankheit schlagartig außer Kraft. Die Lähmung ist wie weggeblasen. - Diese Demonstration Jesu hat ge-
sessen: Alle gerieten außer sich und priesen Gott. Alle, das heißt, auch die Schriftgelehrten.
Ende gut, alles gut? - Nicht ganz. Nur zu gut wissen wir heute, wie das ist mit den Hochgefühlen und mit dem Glauben. Da ist man begeistert, vielleicht von einer das Herz anrührenden Heiligen Messe, oder von einem Katholikentag oder einem religiösen Erlebnis. Das Herz möchte einem überlaufen vor Glück.
Und dann? Den Schriftgelehrten geht es so, und uns heute auch: Das strahlende Licht der Sternstunde verblasst, und die Routine des Alltags saugt alle guten Vorsätze auf.
So ist das heutige Evangelium auch ein Appell an uns alle: Schau her, Jesus hat so deutlich gezeigt, wer er ist – deutlicher geht es kaum! Mach es nicht wie diese Schriftgelehrten. Stell dich nicht mit diesen blinden Blindenführern auf eine Stufe. Du weißt es doch: Jesus ist der Messias, dein Heiland! Nutze die kommende Fastenzeit, deine eigenen Lähmungserscheinungen genau zu beobachten. Und dann mach dich damit auf den Weg zum Herrn. Wie praktisch, dass du dafür noch nicht einmal ein Dach kaputthauen musst! Amen.
Predigt Pfr. Jürgen Grote (ev.) >>>
Predigt Pfr. Karl Sendker: Menschen zu Jesus führen >>> RECHTSKLICK !
Predigt Pfr. Poschenrieder: Gläubige Gemeinschaft >>> RECHTSKLICK !
Papst Benedikt XVI. zum Thema „Vergebung“ >>>
MISEREOR: Fastenaktion 2009 >>>
„Die Tagespost“ zum Beinahe-Weihbischof Dr. Wagner >>> RECHTSKLICK !
Stellungnahme der Heimatpfarrei von Pfr. Wagner, Linz >>> RECHTSKLICK !
Salzburger Weihbischof Dr. A. Laun zu den Vorwürfen >>> RECHTSKLICK !
Christus hat keine Hände
Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit heute zu tun. Er hat keine Füße, nur unsere Füße, um Menschen auf seinen Weg zu führen.
Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen, um Menschen von ihm zu erzählen. Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe, um Menschen an seine Seite zu bringen.
Gebet aus dem 14. Jh.
Gefährlicher Ort: Die kleine Sabine ist zum ersten Mal beim Aschermittwochs-Gottesdienst dabei und natürlich sehr beeindruckt. Daheim angekommen, fragt sie sofort ihre Mutter: „Du, Mami, stimmt es wirklich, dass alle Menschen zu Staub werden, wenn sie gestorben sind?“
Mutter ist gut informiert und antwortet: „Ja, Sabine, das stimmt!“
Kleine Denkpause. Dann meint die Kleine: „Wenn das so ist, dann müssen unter Omas Bett aber schon viele Leute gestorben sein!“
Der Predigt Thema…
Wie schön, dass es den Menschen gibt,
in lustig, quirlig, in verliebt,
es gibt ihn auch in groß und klein,
auch dick und dünn, so muss es sein.
Es gibt ihn auch in leicht und schwer,
als Mann und Frau auch, bitte sehr!
Auch traurig gibt es ihn und sauer,
als Mieter und als Häuslebauer,
als Geizhals, aber auch spendabel,
nach Art des Kain, nach Art des Abel,
kurzum: ihn gibt es fast von jeder Sorte,
und das weltweit an jedem Orte.
Und manchmal hab ich mir gedacht:
Wie oft hat Gott dabei gelacht,
als er uns Menschen hat gemacht?
In Mutter Kirche ist’s gewiss auch so:
Der liebe Gott hat einen Zoo!
Über’n Papst wird jetzt recht gern gemeckert,
da wird geklotzt, und nicht gekleckert:
Wie kann der Mann so dumm nur sein
und lässt gewisse Leute rein,
die waren doch exkommuniziert.
Und deren Bischof ungeniert
zeigt der Welt aus freien Stücken:
Ich hab’ in Geschichte große Lücken!
Mit Recht gibt’s da Empörung überall,
der Williamson, der hat `nen Knall!
Und zwar `nen großen, klarer Fall!
Der Papst jedoch, sind wir mal ehrlich,
der lebt in jedem Fall gefährlich:
Macht er es wie Jesus Christ,
der auch mit Judas abends isst,
dann heißt es schnell: wie kann er nur,
die Pius-Brüder sind doch stur,
aus dem Gespräch wird nie was werden,
im Himmel ja, doch nicht auf Erden!
Hätt’ der Papst jedoch auf deren Bitte:
„Wir woll`n zurück in eure Mitte!“
die Tür den Pius-Brüdern fest verschlossen,
was würden Tränen dann vergossen:
Es hieße: Seht, wie dieser Mann
so stur und lieblos handeln kann!
Wie du’s machst, so ist’s verkehrt!
Dies Schicksal wird dir schnell beschert.
Der Pfarrer kann von solchen Dingen
ganz gewiss ein Liedlein singen.
Braucht die Messe eine Stunde,
so hört man schnell in mancher Runde:
Der Pfarrer nimmt sich sehr viel Zeit,
der ist ja wohl nicht recht gescheit!
Doch spart er zehn Minuten ein,
dann wird es auch nicht richtig sein.
Warum hetzt der Mann nur so,
da wird keiner mehr des Glaubens froh!
Der Sonntag ist Geschenk an Zeit,
ist Vorgeschmack auf Ewigkeit!
Wenn wir an Minuten sparen,
wie soll dann Gott mit uns verfahren?
Der Predigt Thema ist zu schwierig,
so meckern manche gerne gierig.
Die Messer sind gar schnell gewetzt,
doch wer daheim sich hingesetzt
und hat die Bibel schon studiert,
der hätt’ sich selbst nicht so blamiert.
Also nicht nur konsumieren,
sondern selber informieren!
Auch hört man deutlich dann und wann,
des Pfarrers Predigt sei zu lang.
Was habt ihr’s bloß so eilig, Leute?
Schlägt euer letztes Stündlein heute?
Also bitte nicht empören,
Gottes Wort noch etwas hören;
es macht der Suppe gar nichts aus,
kommt ihr was später heut nach Haus.
Doch wenn der heut’gen Predigt Würze
liegt ganz besonders in der Kürze,
so ist der Pfarrer schlichtweg faul
und red’ den Leuten nach dem Maul.
Er sollte uns gut unterrichten.
Doch tut er das? Oh nein, mitnichten!
Für die paar Worte, die paar Fetzen
lohnt es ja kaum, sich hinzusetzen.
Hat er es selber nicht kapiert,
die Bibel nicht genug studiert?
Ihr lieben Leut’, das ist wohl klar,
egal, wie seine Predigt war,
es ist dem Pfarrer kein Genuss,
was er sich dazu anhör’n muss.
Auch diese Predigt, ach, ihr Frommen,
wird nun an ihr Ende kommen.
Was ich auch noch sagen will…
Ach was, ich bin jetzt auch ganz einfach still!
(Text: Erhard Eutebach)
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