06.04.2009

Ostern (Ostersonntag) B - 12.04.2009

(Fortsetzung)

Petrus geht als Erster in die Grabhöhle hinein.

Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte;

es lag aber nicht bei den Leinen-

binden, sondern zusammenge-

bunden daneben an einer besonderen Stelle“, schildert das Evangelium seine Beobachtung. Auch hier ist jedes Wort wichtig. Die Leinenbinden und das Schweiß-

tuch sind nicht nur im Grab vorhanden, sondern auch noch an verschiedenen Stellen ordentlich zusammen-

gefaltet abgelegt. Was hat das zu bedeuten?

Grabräuber als Täter dürften somit ausscheiden. Wer einen Toten stehlen will, wickelt ihn nicht im Halb-

dunkel der Grabeshöhle aus den Tüchern aus, um ihn dann nackt abzutransportieren. Und jemand, der es eilig hat, wird auch auf keinen Fall die Tücher nach bester Hausfrauenmanier säuberlich zusammen-

gefaltet ablegen. Wer Angst vor Entdeckung hat, wird sich so schnell wie möglich mit seiner Beute aus dem Staube machen. Und damals wusste jeder, dass das Grab im Blickfeld römischer Soldaten war.

Der Begleiter des Petrus ist nicht nur der Schnellere beim Laufen, sondern auch beim Nachdenken. Das Evangelium schreibt über ihn: „…er sah und glaubte.“ - Von Petrus zu diesem Zeitpunkt jedoch noch kein Wort. Er ist noch nicht so weit. Das ist wie im wirklichen Leben: Die Autoritäten und Amtspersonen brauchen halt manchmal etwas länger…!


Jedenfalls sind die beiden Männer unschlüssig, welche Konsequenzen sie für sich aus dem Gesehenen zu ziehen haben. Sie ent-

scheiden sich für die auch heute vielfach bewährte Methode: einfach erst mal abwarten! So gehen sie erst einmal nach Hause, denn hier am Tatort tut sich offenbar momentan ohnehin nichts.

Maria Magdalena jedoch geht nicht einfach wieder zur Tagesordnung über. Sie bleibt draußen vor dem Grab und weint. Unmöglich, jetzt einfach nach Hause zu gehen! Zu groß ist ihr Schmerz über den Verlust! Ihre Welt ist hier zusammengebrochen, alle Hoffnungen sind dahin. - Da kann man doch nicht einfach weitermachen, als wenn nichts gewesen wäre! Sicher ist sie über das Verhalten der Männer enttäuscht, für die das Denken offenbar wichtiger ist als das Gefühl.


Maria Magdalena betritt das Grab nicht, die Stätte des Todes. Zu aufgewühlt sind ihre Gefühle. Sie bleibt draußen, aber nach einiger Zeit wirft sie doch einen vorsichtigen Blick hinein. Da sieht sie, was die beiden Männer entweder übersehen haben oder aber nicht sehen konnten, weil ihre Blicke und ihre Gedanken auf die Tücher konzentriert waren. Die Frau hat einen anderen Blick; das erinnert an das Kinderspiel

„Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist…“ - Diese Frau sieht das Wesentliche, sie sieht mit Augen und mit dem Herzen.

Zwei Engel kann sie erkennen, und die beiden sprechen Maria Magdalena sogar an: „Frau, warum weinst du?“ - Offenbar wollen die himmlischen Boten erreichen, dass die Frau ihre Trauer, ihren Schmerz noch einmal ganz klar ausdrückt, dass sie also Farbe bekennt, wie es um sie steht.


Maria Magdalena scheut sich nicht, ihre Hilflosigkeit zuzugeben. „Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat.“ - Inzwischen hält sie es also auch für denkbar, dass der Leichnam aus welchen Gründen auch immer in eine andere Grabstätte verlegt worden ist. Unvermittelt, als wenn die Engel dafür gesorgt hätten, dreht sie sich jetzt um, macht eine entscheidende Wende und sieht in der Nähe eine Gestalt stehen, die sie aber nicht erkennt.

Diese Gestalt stellt ihr die gleiche Frage wie die beiden Himmelsboten, was ihr offenbar nicht bewusst ist: „Frau, warum weinst du?“ Ergänzend fragt der unerkannte Jesus noch: „Wen suchst du?“

Wenn Jesus eine Frage stellt, deren Antwort er längst weiß, dann geht es ihm wie den Engeln darum, beim Menschen eine klare Aussage, ein klares Bekenntnis zu erreichen.

Dass Maria Magdalena ihren Herrn jetzt nicht erkennt, mag uns erst einmal verblüffen. Sie hält ihn sogar für einen der Gärtner, die die gepflegte Friedhofsanlage in Ordnung halten. Das gab es also damals schon!


Für uns ist dieser Hinweis auf das Nichterkennen des auferstandenen Herrn sehr interessant. Er zeigt uns, dass Jesus in diesem Stadium zwischen Auferstehung und Himmelfahrt in seiner wahrnehmbaren Gestalt nicht einfach 1 : 1 und Zentimeter für Zentimeter für die Menschen so aussieht wie vor seinem Leiden und Sterben. Der Auferweckte ist als der verklärte Herr schon ein Stück weit auf dem Wege zu seinem himmlischen Vater.


Maria Magdalena nimmt all ihren Mut zusammen.

Sie verrät dem Fremden zwar nicht, warum sie weint, aber aus ihrer Gegenfrage wird dies sofort klar. Sie spricht den vermeintlichen Gärtner an, er möge ihr doch bitte verraten, wohin man den Leichnam gebracht habe. Sie will ihn holen und dann sicher einbalsamieren und in allen Ehren beisetzen.

Der vermutete Gärtner jedoch beantwortet ihre Frage nur mit einem einzigen Wort. Und dieses eine Wort lässt die Trauernde zusammenzucken. Jesus spricht sie ganz ruhig mit ihrem eigenen Namen an: „Maria!“

Sie erkennt sofort den Klang der Stimme, die herzliche Art, wie sie angesprochen wird. Das ist jetzt wie ein Blitzeinschlag, wie etwas, was ihr die Beine wegzieht! Wir sagen manchmal, einer steht da wie vom Donner gerührt. So ähnlich ist das hier: Kein Zweifel ist möglich – das ist er, das ist eindeutig Jesus, ihr Herr!


Maria ist aber auch in dieser Situation nicht auf den Mund gefallen. Schnell hat sie sich wieder gefangen, dreht sich ganz zu ihm um und spricht ihn ehrerbietig an: „Rabbuni!, das heißt: Meister.“ - In diesem knappen Wort ist alles enthalten: ihr Glaube an den auferstandenen Herrn, ihr übergroßes Glück, ihn wieder vor sich zu haben und auch ihre Hoffnung, dass die Sache Jesu nun so weitergeht wie vor seinem Tod. Ihr größtes Glück wäre, wieder bei ihrem Herrn sein zu dürfen, ihm zu dienen, damit er den Kopf frei hat für seine Aufgaben.


Ihre himmelhoch jauchzende Freude erhält aber einen schmerzlichen Dämpfer. Jesus erklärt: „Halte mich nicht fest…“

Man kann das auch so ausdrücken: Niemand darf mich jetzt für sich vereinnahmen, so lieb das auch gemeint sein mag. Ich bin auf dem Wege zum Vater im Himmel. - Auch du musst loslassen lernen!

Deine tiefe Trauer ehrt dich, aber nun musst du nach vorne blicken. Lass los, trenne dich von deinen ein Stück weit auch egoistischen Wünschen nach mir. Meine Mission ist erfüllt, ich kann dir und euch jetzt nicht so wie bisher zur Verfügung stehen. Mein Vater hat mich auferweckt, zu ihm kehre ich zurück.


Maria Magdalena hat verstanden. Ihr Herz ist sicher schwer, aber sie hat verstanden, dass sie nun nach vorne schauen muss. So schön es wäre, Jesus um sich zu haben – sie muss diesen Gedanken loslassen!

Sie muss nun in ihrem Innersten ein großes Wendemanöver durchführen, das genau so schwierig ist wie etwa das Wenden beim Segeln. Jetzt gilt ein neuer Kurs - alle Kraft und Aufmerksamkeit voraus!


Dem entspricht auch der Auftrag Jesu an sie: Sie soll zu seinen Brüdern gehen – so liebevoll bezeichnet er hier seine Jünger - und ihnen berichten: „… sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.“

Maria Magdalena, eine mutige Frau und erste Zeugin der Auferstehung, wird auch zum ersten Bekenner des Glaubens. Sie verkündet: „Ich habe den Herrn gesehen.“ - Damit ist alles gesagt: Ja, Gott hat diesen Jesus Christus, seinen Sohn, von den Toten auferweckt. Ja, ich bin Zeuge und verbürge mich dafür. Ja, ich glaube diesem Jesus und ich folge ihm, denn seine Sache geht weiter. Ja, ich weiß, dass ich diesen Jesus als meinen Herrn nicht für mich vereinnahmen kann, so sehr ich mich auch über seine persönliche Zuwendung freue. Ja, der Tod ist von Gott endgültig besiegt worden. Darauf darf ich auch für mich vertrauen. Halleluja!


Was wäre wohl geworden, wenn Maria Magdalena nicht so ausdauernd und mutig gewesen wäre? Wir wissen nicht, welchen Weg Gott dann gegangen wäre, damit die Begegnung mit dem Auferstandenen bezeugt werden konnte. Aber eines wissen wir: Diese Frauen und Männer wurden verwandelt zu Osterfrauen und Ostermännern, zu österlichen Menschen.

Ihr Bekenntnis, das bei vielen später sogar bis hin zum Tod als Märtyrer ging, hat mitgeholfen, dem Christentum und seinen Wertvorstellungen den Weg zu bahnen.


Diesen und vielen anderen österlichen Menschen haben wir viel zu verdanken. Auch unser Glaube ist nicht aus dem Nichts erwachsen. Viele haben ihren Glauben bezeugt, auf die eine oder die andere Weise, manche mit Worten, manche mit Taten, einige mit ihrem Leben.

Auch in unserem persönlichen Umfeld gab es österliche Menschen, durch deren Bekenntnis der Glaube in uns wachsen konnte. So dürfen wir heute mit vollem Herzen in den Osterjubel einstimmen: Halleluja, der Herr ist wirklich auferstanden!

Damit auch kommende Generationen in dieser Osterfreude der Christen leben können, sollten wir an Menschen wie Maria Magdalena denken und in unserer Familie, in unserem Umfeld mutig bezeugen:

Ja, der Herr lebt! Halleluja!

Dann ist bei uns und in uns wirklich Ostern geworden. Amen.


Eine Zeitlang möchte ich hier als ersten Linktipp Internetseiten von Pfarreien vorstellen, die mir positiv aufgefallen sind, z.B. durch Predigten, durch Pfarr-briefe, durch gelungene Gestaltung usw. Gerne sind weitere Vorschläge Ihrerseits willkommen!


St. Pantaleon Köln: mit aktuellen Stellungnahmen, z.B. zur Papst-Kritik >> RECHTSKLICK !


Gut aufgebaute und informative Seite St. Elisabeth, Stuttgart >> RECHTSKLICK !



Meine Gedanken zur Osternacht A – 2008 >> RECHTSKLICK !


Bistum Münster: Ostern >> RECHTSKLICK !


Aus Ostern leben – Osterpredigt Bischof Wanke (pdf) >> RECHTSKLICK !


katholisch.de: Ostern und Glaube

>> RECHTSKLICK !


Glaubenskurs „Auf dem Weg nach Emmaus“

>> RECHTSKLICK !


Wikipedia: Ostern >> RECHTSKLICK !


Werkblätter der kath. Landvolkbewegung

>> RECHTSKLICK !


Schöne Osterseite ev.-luth. Dreikönigsgemeinde Frankfurt >> RECHTSKLICK !


Meinrad Limbeck: Ist Jesus wahrhaft auferstanden? (pdf) >> RECHTSKLICK !


Video-Interview (14 min.): Wie historisch ist das leere Grab? >> RECHTSKLICK !


Ausführlicher Artikel: Die Tatsache der Auferstehung >> RECHTSKLICK !


Ostergärten (unten bei „Links“ sowie „Sinnenpark-Angebote“) >> RECHTSKLICK !


Pfarrbriefservice rund um Ostern

>> RECHTSKLICK !


Meine Kinderbuchtipps, auch Ostern

>> RECHTSKLICK !


Kindergottesdienst-Tipps für Ostern

>> RECHTSKLICK !


rp-online: Maria von Magdala, die Furchtlose

>> RECHTSKLICK !



Im Sommer erscheint eine DVD „Die Messe verstehen, um zu glauben“.

Das Besondere: 1) Die Herstellung erfolgt sehr preisgünstig (Verkaufspreis ab 1,90 Euro) durch die Privatinitiative eines Kaplans, der sich bereits durch das „Sonntags-Sticker-Album“ für Kinder einen Namen gemacht hat.

2) Die Erklärungen werden ebenso humorvoll wie informativ sein. Daher könnte man die DVD auch z.B. als Mitbringsel bei Besuchen, als Geschenk für Firmlinge usw. weitergeben. Um die voraussichtliche Anzahl der zu produzierenden DVDs in etwa abschätzen zu können, bittet der Non-profit-Hersteller um eine ganz unverbindliche Vorbestellung.

Die endgültige Bestellung erfolgt erst nach Rückfrage im Juni, nachdem man in einer E-Mail auf weitere Details und Ansichts-Ausschnitte hingewiesen worden ist. Also kein Risiko! Nähere Infos gibt’s auf dieser Homepage: >>> Bitte Rechtsklick !



Zur Zeit ist die Ahnenforschung groß im Kommen. Beim Frauenkaffee in der Pfarrei triumphiert Frau Schmitz: „Es ist uns gelungen, unseren Stammbaum bis zur Zeit Karls des Großen zurückzuverfolgen!“

Ehrfürchtiges Staunen in der Runde. Nur Frau Meier schlägt zurück: „Sie haben es wirklich gut! Wir haben das auch versucht, aber leider sind uns wichtige Unterlagen durch die Sintflut verloren gegangen…!“


Allgemeine Verkehrskontrolle. Der Polizist untersucht gründlich, und so bleibt der Erfolg auch nicht aus:

„An Ihrem Wagen ist das linke Abblendlicht nicht in Ordnung. Das kostet Sie 10 Euro. Sind Sie mit Sofort-

zahlung einverstanden?“ – Der Autofahrer: „Na klar,

in der Werkstatt hätte mich das mindestens 15 Euro gekostet!“


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