16.06.2009

12. Sonntag B - 21.6.2009

(Fortsetzung)

Als Jesus konkret angesprochen und um Hilfe an-

gebettelt wird, lässt er sich keine Zeit. Er schreitet sofort zur Tat. Ohnehin ist es unwahrscheinlich, dass er bei solch einem Wetter und dem hektischen Treiben an Bord fest geschlafen hat. Es heißt im Text: „Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich, und es trat völlige Stille ein.“

Jesus hat nicht nur seine Ruhe sofort nach dem Hilferuf unterbrochen, sondern er handelt auch offen-

bar sehr schnell und effektiv. Dabei wirkt das Geschehen ganz bewusst so, als sei das ganz selbst-

verständlich eine der leichtesten Übungen, solch ein Unwetter in Sekunden wie auf Knopfdruck auszuschalten.


Die erschöpften Jünger, die gerade erst ihre Vorwürfe bei Jesus an den Mann gebracht hatten, müssen sich jetzt allerdings auch seine deutliche Belehrung anhören: „Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? Da ergriff sie große Furcht, und sie sagten zueinander: Was ist das für ein Mensch, daß ihm sogar der Wind und der See gehorchen?“

Jesus stellt hier also seine Anhänger zur Rede, und das hat gesessen. Man könnte es so übersetzen:

Ihr behauptet doch, ihr würdet mir vertrauen, ihr würdet meinen Worten glauben. Dann erklärt mir doch bitte mal, warum in aller Welt ihr solch eine Heiden-

angst habt, eine Angst, wie sie eigentlich nur Heiden haben!

Bemerkenswert ist auch, dass Jesus nicht fragt, warum sie so wenig Glauben haben. Er fragt, warum sie keinen Glauben haben. Hier wird klar: Wer sich so panisch verhält, obwohl Jesus in seiner Nähe ist, der glaubt überhaupt nicht an Jesus. Ein hartes Wort Jesu an die Männer, die ihn schon lange begleiten!


Da sind wir also am Knackpunkt des heutigen Textes an-

gekommen. Die Kernfrage ist die, wie sich wirklicher Glaube im Leben auswirkt. Es lässt sich nämlich ziemlich leicht dahersagen, dass man an Gott glaubt. Der Schritt, mit Worten seinen Glauben zu bekennen, ist natürlich beachtenswert. Wirklicher Glaube aber ist mehr. Da können wir von den Kindern lernen, wie sie Vertrauen schenken, wie sie sich auf ihre Eltern verlassen und ihren Anweisungen folgen. Wenn der Vater sie hoch in die Luft wirft, vertrauen Kinder ganz selbstverständlich darauf, dass er sie garantiert auch wieder heil auffängt. Darum sagte Jesus ja auch immer wieder, man solle werden wie die Kinder, um ins Himmelreich einzugehen. Beim Glauben gibt es keine halben Sachen, wie auch z.B. in der Liebe nicht. Auch nur ein bißchen schwanger sein dürfte nicht klappen. Hier und anderswo gilt: Entweder – oder! Du bist vor eine Entscheidung gestellt!


Das heutige Evangelium ist für uns alle wie eine lehrreiche Unterrichtsstunde. Auch das Schiffchen des Glaubens und das der Kirche kann in schweren Seegang geraten. Da kann es regelrecht drunter und drüber gehen, und man wird ordentlich durch-

geschüttelt und vielleicht auch seekrank. Auch wer sich zu Jesus bekennt, bleibt nicht von Krisen und Stürmen verschont, die einen meistens sogar völlig unvorbereitet treffen. Solch eine Seenot ist also keineswegs nur eine Angelegenheit von Ungläubigen, und eine Schutzimpfung dagegen gibt es auch nicht.


Den Jüngern hat Jesus eine anschauliche Lektion erteilt, und uns vielleicht auch. Es gibt durchaus den handfesten, hartnäckigen Unglauben in der Ver-

packung des Glaubens. Nach außen sieht alles prima aus, denn Jesus ist ja mit von der Partie.

Man fühlt sich in seiner Nähe, fühlt sich ihm ver-

bunden. Na klar ist man Christ und glaubt an Gott – was soll bloß die Frage?

Dann aber, wenn es im Leben und damit im Glauben wirklich hart auf hart kommt, wenn einem das Wasser womöglich bis zum Hals steht, dann wird ganz offensichtlich, ob man sich den Glauben wirklich zu Herzen genommen hat oder ob er irgendwo im Kopf steckengeblieben ist. Dann wird offenbar, dass bei vielen der angebliche Glaube nur eine Mogelpackung ist.


Die Jünger haben gerudert, was das Zeug hält. Sie haben sich in der Not nur auf sich selbst verlassen, auf ihre Erfahrung, auf ihre eigene Kraft. Selbst ist der Mann, heißt es so schön.

Hilf dir selbst, so hilft dir Gott.

So ganz scheint das aber nicht zu stimmen, zeigt uns das Evangelium. Selbst ist der Mann, der schließlich untergehen wird.

Wer Jesus wirklich vertraut, der beleidigt ihn nicht dadurch, dass er ihn von seinen Problemen und Nöten ausschließt. Jesus ist da, und er wartet nur darauf, per Notruf angerufen zu werden. Wenn ich Jesus längst zu meinem Chef gemacht habe, dann will er nicht nur mein Schönwetter-Chef sein, nicht mein Frühstücksdirektor, der nur dekorativ herumsitzt, aber im Alltag nichts zu sagen hat.


Irgendwie ist die heutige Begebenheit auch ein Stück weit tröstlich. Man sollte eigentlich doch annehmen, dass die Jünger, die Jesus tagtäglich zum Anfassen nahe vor sich haben, nicht so unwissend sind.

Zum Schluß setzen sie aber sogar noch eins drauf.

Es heißt: „Da ergriff sie große Furcht, und sie sagten zueinander: Was ist das für ein Mensch, daß ihm sogar der Wind und der See gehorchen?“

Wir sind wohl auch ein Stück weit erschüttert, wie wenig sie trotz des persönlichen Erlebens und trotz vieler Unterweisungen von Jesus verstanden haben. Wenn sie jetzt auch noch große Furcht vor Jesus ergreift, heißt das doch, dass sie die Bändigung des Sturmes durch Jesus in erster Linie als unheimlich empfinden, wie bei einem Gespenst.

Ganz sicher will Jesus nicht, dass seine Anhänger Furcht vor ihm haben; im Gegenteil: immer wieder hat er von der großen Freude und vom großen Fest im Himmel gepredigt.


Auch für die frühen christlichen Gemeinden, die oft durch ihre feindselig eingestellte Umgebung in Bedrängnis gerieten, dürfte das heutige Evangelium ein Wort des Trostes gewesen sein. Ihnen ging es oft so wie den Jüngern, die trotz größter Anstrengungen letztlich keine Chance gegen die Gewalten des Sturmes hatten. Ebenso wie bei den Jüngern war die Resignation, die Mutlosigkeit besonders in den kleinen Gemeinden gewiss ein ständiges Thema. Hat es überhaupt Sinn, uns weiter zu engagieren, wenn doch alles angegriffen und zum Teil auch kaputtgeschlagen wird?

Hat unser Glaube noch Sinn, wenn doch immer wieder ein Orkan des Unglaubens alles hinwegfegt, was uns so am Herzen liegt?

Hat es Sinn, sich weiter so abzustrampeln, wenn man immer wieder eins auf den Deckel kriegt? -

Es ging ihnen wie den Jüngern: Irgendwann wird man es leid. Man wird müde, und am liebsten würde man die Brocken hinwerfen. Ist ja doch alles vergebliche Liebesmüh…!


Spätestens da merken wir, wie brandaktuell das heutige Evangelium auch für uns ist. Stürme erleben wir wahrlich mehr, als uns lieb ist! Manchmal, wenn man sieht, dass es anderen besser geht, kann man sogar denken, die große Sturmwelle, die über einen hereinbricht, hat es nur ganz speziell auf uns abgesehen. Während vielleicht sogar der Ungläubige lustig und vergnügt sein Leben genießen kann, wird der Fromme von Krankheit und Not regelrecht verfolgt.


Da mögen einige von Ihnen am liebsten heftig mit dem Kopf nicken: Ja, genau so ist es! – Doch Vorsicht: Jesus hat nirgendwo behauptet, für seine Jünger werde der Sturm von vornherein per himmlischem Beschluss abgeschafft.

Nein, die Lebensstürme bleiben auch ihnen nicht erspart. Die Frage ist aber, ob sie, seine Jünger damals und heute, aus dem Evangelium gelernt haben. - Jesus sagt: Vergiss es, wenn du glaubst,

du könntest mit deinen Kräften und mit deinen Mitteln den Sturm auch nur ein Stückchen weit besiegen.

Da kannst du nur verlieren – weder noch mehr Kraftaufwand noch ein größeres Schiff werden dich retten!


Ich allein bin es, der dich retten kann, der dich retten will.

Lerne also aus dem, was du heute erfahren hast. Lerne, wirklich an mich zu glauben. Vertraue mir, dass ich die Macht und den Willen habe, für meine Jünger und für euch alle zu sorgen.

Sagt euch also los von eurer eines Christen unwürdigen Heidenangst, von eurem Unglauben. Selbst in den schlimmsten Stürmen seid ihr in Gottes Hand.

Allerdings: Gott wird sich euch aber nicht markt-

schreierisch aufdrängen wie sauer Bier, das eigentlich keiner haben will. Wenn ihr wirklich seine Jünger sein wollt und ihm vertraut, dann geht zu ihm, dann bittet ihn eindringlich und immer wieder um seine Hilfe. Jesus hat es uns vorgemacht, dass wir immer und immer wieder zum Vater im Himmel beten sollen. Sogar das Vaterunser hat er uns als Gebetsanregung geschenkt.

Seid sicher, er wird euch nicht im Stich lassen, auch wenn seine Lösung vielleicht anders aussieht, als ihr euch das geträumt habt. Glaubt an ihn, klammert euch regelrecht an ihn, macht euch an ihm fest. Dafür gibt es sogar ein Wort. Es heißt AMEN.




Predigt Prof. Dr. Dr. Klaus Müller: „Was Gott mit dem Schlafen zu tun hat“ >> HIER KLICKEN !


Predigt: „Angst – wie werde ich damit fertig?“ (pdf)

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Hier können Sie meine Predigten als pdf herunterladen

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Bischöfl. Generalvikariat Aachen: „Kirchenaustritt –

Anlass zum Gespräch“ (16 Seiten, pdf)

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Bewegung „Kleine Christliche

Gemeinschaften“

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Info dazu auch hier (pdf)
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Jede Menge Infos über Spinnen und Spinnenhaltung >> HIER KLICKEN !


Wikipedia-Artikel: Spinnenangst - erlerntes Verhalten?

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Ein Mann, der zu Lebzeiten allerhand angestellt hatte, klopfte an die Himmelstür und bat um Einlass. Petrus überprüfte die Personalien, sah das lange Sünden-register und schickte den Burschen eine Tür weiter. Aber auch an der Tür zum Fegefeuer hatte der Übeltäter kein Glück. Er sei auch durch dieses Feuer nicht mehr zu reinigen, wurde ihm mitgeteilt.

So blieb ihm nur noch die Hölle. Der Teufel öffnete ihm freundlich die Tür und winkte ihn herein. Ängstlich schaute der Mann sich um und sah einen nett hergerichteten Raum mit einem Tisch, auf dem sogar kleine Deckchen an jedem Platz lagen. Auch eine Vase mit frischen Blumen und eine brennende Kerze sorgten für eine angenehme Raum-Atmosphäre.

„Das hatte ich mir ehrlich gesagt viel schlimmer vorgestellt", staunte der Bursche und schaute den Teufel verblüfft an.

„Naja, das ist auch noch nicht lange so wie jetzt", erklärte der Teufel etwas verlegen, „aber seit wir hier auch Ordensfrauen haben, hat sich hier einiges verändert."


Bitte beachten: Zum 13. Sonntag im Jahreskreis erscheinen wegen Urlaub keine Predigtgedanken!




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