07.06.2009

Fronleichnam (B) - 11.6.2009

(Fortsetzung)

Das Wort „Leib“ bedeutet dabei nicht bloß den Körper aus Haut und Knochen usw., sondern „Leib“ bedeutet: das bin ich, so wie ich bin, der ganze Mensch!

Die Jünger Jesu wissen auch aus ihrer jüdischen Tradition heraus: Blut ist ein ganz besonderer Saft.

Blut gilt als der eigentliche Sitz des Lebens. Sogar bei uns heißt es zuweilen, dass ein kluger Mensch in einem gewalttätigen Konflikt weiteres Blutvergießen vermieden hat. Blutvergießen steht hier natürlich für das Sterben weiterer Menschen.

Blut Jesu bedeutet also: mein Sterben, mein Blutvergießen, mein Tod für euch. – Nicht um den Alten Bund, um die feierliche Erinnerung an die geschichtliche Befreiung aus Ägypten geht es Jesus jetzt, sondern hier ist durch sein Opfer ein ganz neuer Bund entstanden, durch den wir gewissermaßen zu Blutsbrüdern Jesu geworden sind.

In diesem Neuen Bund sind wir Verbündete, und zwar Verbündete gegen die Macht des Bösen und des Todes. Daher will Jesus nicht nur leibhaftig zu seinen jetzigen Jüngern kommen, sondern Jesus Christus hat die ganze erlösungsbedürftige Welt im Blick.


Als Jesus den Zwölfen an diesem Abend bei Tisch erklärt, dass ausgerechnet einer von ihnen ihn verraten und ausliefern werde, sind alle traurig und geschockt. Alle fragen bei ihm nach, wie das Evangelium berichtet: „Doch nicht etwa ich?“

Das kann uns gewiss ein Stück weit trösten. Da sitzt also nicht die Jahreshauptversammlung der Super-

männer am Tisch. Offenbar hat jeder so seine Schwächen, und jeder hält es zumindest für denkbar, selbst zum Verräter zu werden. Und das also ist die Elite der jungen Kirche!


Diese Männer haben vielen von uns heute jedoch etwas voraus:

sie machen sich nichts vor, und das muss man ihnen hoch an-

rechnen: sie wissen um die Macht des Bösen, und zwar erst recht bei sich selbst.

Ihnen ist klar, wie schnell das gehen kann, dass man auf die schiefe Bahn gerät, dass man vom rechten Weg abkommt – wie ein Autofahrer, der jahr-

zehntelang unfallfrei fährt und jetzt gerade mal eine halbe Sekunde am Steuer eingenickt ist und dadurch vielleicht einen schrecklichen Unfall baut.


Jesus scheut sich nicht vor denen, die viele Fragen ans Leben haben, mehr Fragen als Antworten.

Bei den Jüngern hieß es: „Doch nicht etwa ich?“ -

Das kann man auch heute immer wieder fragen.

Viele fragen es, und zwar in den verschiedensten Zusammenhängen.

Um nur wenige Beispiele zu nennen: Warum bin gerade ich so schwer krank? Warum habe aus-

gerechnet ich solche heftigen Glaubenszweifel? Warum wurde gerade ich als Berufsfahrer zu schnell erwischt und bin nun meinen Führerschein und meinen Job los? Warum habe ich bloß immer so viel Pech mit meinen Beziehungen?


Die Menschen haben Fragen, viele Fragen. Da gibt es so vieles auf dieser Welt, das man so eigentlich nicht hinnehmen darf. Vieles, wo man Protest anmelden muss: Nein, so darf man mit Menschen nicht verfahren! - Es ist gut und richtig, dass auch Christen hier gemeinsam mit vielen anderen immer wieder ihre Stimme gegen das Unrecht erheben, gefragt oder ungefragt.


Die Fronleichnamsprozession ist aber etwas anderes; sie ist noch lange keine Demo. Wenn Katholiken das Allerheiligste feierlich aus der Kirche heraus und durch die Straßen tragen, dann tun sie das, ohne Spruch-

bänder mit markigen Sprüchen zu schwenken. Stattdessen schmücken sie, wo dies möglich ist, Straßen und Häuser und errichten Altäre außerhalb der Kirche.

Wir Katholiken sind keine Heimlichtuer. Wir haben nichts zu verbergen. Und schon gar nicht unseren Herrn Jesus Christus. Der Tragehimmel über der Monstranz zeigt es schon: Hier kommt jemand ganz Besonderes, hier kommt unser Herr und König!

Er möchte zu allen Menschen kommen, auch und vielleicht erst recht zu denen, die sich für unwürdig halten, ihm zu begegnen. Zu denen, die auf irgendeine Art leiden oder Ungerechtigkeit erfahren. Er möchte von sich aus zu denen kommen, die den Weg zu ihm in die Kirche nicht oder noch nicht gefunden haben. Und er möchte all denen beistehen,

die auf seine Hilfe vertrauen.


Was liegt da näher, als unseren Herrn in der Gestalt der heiligen Hostie zu den Menschen zu tragen? Eigentlich erstaunlich, dass die Kirche erst im 13. Jahrhundert und dann erst nur sehr zögerlich diese Idee umsetzte, angeregt durch eine Vision der Nonne Juliana von Lüttich.

Was für ein sinnenhaftes Fest Fronleichnam doch ist! Die Kirche trägt den Leib Christi aus der schützenden Kirche hinaus dorthin, wo sich das tägliche Leben mit all seinen Problemen abspielt. Manche Gemeinde baut darum auch einen Altar z.B. beim Krankenhaus auf oder bei einer Fabrik.

Der Leib Christi kommt zu den Menschen, und wir schmücken ihm dafür den Weg, legen ihm einen Blütenteppich und errichten Altäre, beten und singen, um unsere Freude und Verehrung auszudrücken. Dass dabei vielleicht gelegentlich mal in südlichen Ländern begeisterte Volksfrömmigkeit und Folklore über’s Ziel hinausschießen können, steht auf einem anderen Blatt.


In unseren Breitengraden herrscht dagegen

bei den außenstehenden Prozessionsbeobachtern und – ignoranten eine Mischung aus Befremden und Respekt. Donnerwetter, die Katholiken, die trauen sich was! Die gehen noch auf die Straße für ihre Überzeugung, für ihren Herrn!

Und so kann es durchaus sein, dass da auch mal jemand von den Zuschauern einen neuen Anstoß bekommt, es noch einmal mit dem eigenen Glauben zu versuchen.


Wenn doch nur alle wüssten, dass sie ihrem Herrn

und Erlöser in der Gestalt des Brotes begegnen! Vor Scham im Erdboden versinken wollten sie, wenn sie an ihre bisher gleichgültige oder ablehnende Haltung denken müssten.

Es ist schon höchst merk-

würdig:

Da glauben diese Schlau-

berger z.B. daran, dass ein von der Bundesbank schön bunt bedrucktes Stückchen Papier auch tatsächlich den Wert hat, der auf ihm vermerkt ist, z.B. 20 Euro. Wenn man ihnen sagen würde: Du, schau doch mal, das ist doch nur ein Stück bedrucktes Papier, wären sie erstaunt und erklärten einen für verrückt. Tatsache ist aber, dass der Staat nicht einmal mehr eine Goldreserve im Gesamtumfang des Geldes hat.

Nein, das Ganze ist im wesentlichen eine Sache des Vertrauens, dass man für dieses spezielle Stück Papier überall im Geltungsbereich Dinge im Wert der aufgedruckten Zahl erwerben kann. Der Geldschein ist Papier und bleibt Papier, aber er hat zu Recht eine andere Wirkung als ein gleich großes Stück Schokoladenpapier. Dem Staat traut man zu, dass er trotz aller Krisen dafür sorgen kann, dass solche Papierstückchen weiterhin zum Tausch gegen Waren und Dienstleistungen eingesetzt werden können.


Doch viele der gleichen Leute, die klugerweise einem Stück Papier mit Aufdruck vertrauen, dass es mehr bewirkt als seine wenigen Cent Papierpreis vermuten lassen, die trauen es Jesus Christus nicht zu, in der äußeren Gestalt einer von ihm gewandelten Hostie zu uns kommen zu können. Da sagen sie merk-

würdigerweise: ach, das ist doch nur eine Backoblate. Wie soll das denn der Leib Christi sein?


Mit der Fronleich-

nams-

prozession

durch unseren Ort, wo wir die

meiste Zeit zubringen, drücken wir auch unsere Ehrfurcht und Liebe zu Jesus aus: Wenigstens einmal im Jahr wollen wir unsere Welt anschaulich daran erinnern, das alles auf Erden dem Herrn gehört. So wie früher ein König auf einer Sänfte durch sein Herrschaftsgebiet getragen wurde, so tragen wir den lebendigen Jesus und zeigen ihn mit der Monstranz. Jeder soll es wissen: Jesus hat sich uns in der Eucharistie geschenkt. Darum schaut her und freut euch mit uns! Stellt auch ihr euch unter seine Führung, denn ihm könnt ihr wirklich vertrauen.


Zum Schluss ein Hinweis für die schlauen Bankleute unter uns: Ja, bei Gott gibt es mehr als genug „Goldreserven“. Es gibt einen Riesenschatz im Himmel, an dem jeder Anteil hat, der glaubt.

…und dabei ist der Himmel noch nicht einmal ein ganz neuer Geheimtipp, sondern schon lange bekannt.

Und jetzt noch das Allerbeste: Jeder von uns ist schon herzlich eingeladen. Nur sich auf den Weg machen, das muss man schon selbst…


Artikel „Abendmahl“ bei Wikipedia

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Artikel über Fronleichnam

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Enzyklika zur Eucharistie (2003) -pdf-

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Juliana von Lüttich, Nonne mit Visionen

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Internetplattform für Fronleichnamsteppiche

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Fronleichnam in den 1930er Jahren. Ein Bericht

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Der versteckte Zwerg am Fronleichnamsaltar

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Banknoten, Zahlungsmittel ohne Einlösungspflicht

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Seelsorgerlicher Rat: Bei der Erstbeichte ist der kleine Sebastian besonders schnell fertig.

"Ist das schon alles?" fragt deshalb der Beichtvater. "Ja, das ist alles!" antwortet Sebastian mit ganz unschuldiger Miene.

"Hast du denn z.B. noch nie mit einem Messer das Sparschwein geplündert?" hilft der Pfarrer dem Jungen auf die Sprünge.

"Nein, aber vielen Dank für die Anregung" erwidert dieser.


Simple Frage: Der Geschichtslehrer prüft mündlich die Hausaufgaben und will von Florian wissen:

„Wer hat denn früher regiert, Otto I. oder Heinrich I.?“

Das weiß Florian natürlich: „Die haben alle beide früher regiert!“


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