Wenn er mit seinen Reden die Herrschen-
den gegen sich auf-
brachte, konnte das womöglich auch seinen Verwandten und dem ganzen Dorf Nachteile bringen. Wer weiß, was die Obrigkeit sich einfallen lassen würde!
Also wirklich: Jesus übertreibt es einfach!
Prediger sein ist ja in Ordnung, aber muss man gleich so radikal sein? Wie konnte man ihn nur wieder zur Vernunft bringen? -
Doch heute, als Jesus mit seinen Jüngern ins Dorf eingezogen ist, sind diese Gedanken erst einmal beiseite geschoben. Man will hören, was dieser große Sohn des Dorfes zur Schriftstelle dieses Tages zu sagen hat. Mal sehen, wie er sich so macht als Rabbi, unser Jesus…
Schade, dass wir dem Evangelium nicht entnehmen können, was Jesus nun genau gesagt hat. Doch sicher können wir davon ausgehen, dass er hier nichts anderes verkündete als anderswo auch.
Das war natürlich nicht nur angenehm. Da ist die Stimmung schnell im Eimer, wenn man so konkret mit der Nase darauf gestoßen wird,
dass es Gott nicht um bloße Lippen-
bekenntnisse geht. Glaube an Gott ist eine Herzens-
beziehung, eine Liebes-
beziehung. Gott schenkt sich uns und wirbt immer wieder um uns, um unsere tägliche bewusste Zustimmung, seinen und nicht unseren Willen zu tun. Das hat Jesus vorgelebt, bis zum Tod am Kreuz.
Verständlich, dass dieser liebende Gott nicht bloß den Lückenbüßer spielen will, wenn mal gerade kurzfristiger Bedarf an Trost und Hilfe angemeldet wird.
In Nazareth jedenfalls ist die Synagoge an diesem Tag rappelvoll. Nachdem Jesus gesprochen hat, fängt es in der Menge an zu brodeln. Wie das Evangelium uns verrät, stellen seine Zuhörer die Grundsatzfrage: „Woher hat er das alles?“
Leider übersetzt die Einheitsübersetzung auch hier etwas zu ungenau. Wörtlicher heißt es nämlich so: „Woher hat der da das?“
„Der da“ – so sagen sie. Da es unwahrscheinlich ist, dass die Bewohner seines Heimatdorfes allesamt plötzlich an Gedächtnisschwund leiden und seinen Namen vergessen haben, ist die Aussageabsicht klar: Die Stimmung ist endgültig gekippt. Jesus hat die, welche ihn zu kennen glauben, mit seiner klaren Ansage völlig vergrault. Sie schalten auf stur.
Ihr Signal ist klar: Wir kennen dich doch von Kindesbeinen an! Also spiele dich hier nicht so auf, uns Vorschriften machen zu wollen! Wenn du uns so kommst, dann bist du für uns wie einer, dessen Namen wir nicht kennen, ein Fremder. Woher nimmst du dir bloß so viel heraus?
Schnell wird klar, was sie mit ihrer Frage ausdrücken wollen, woher er seine Weisheit denn eigentlich hat und wodurch er Wunder wirken kann. Er ist doch nur der Zimmermann, nur der Sohn der Maria!
Wie wir hier sehen, sind die Bewohner von Nazareth ganz offenkundig ein Musterbeispiel einseitigen Denkens. Sie haben ihre Schablone, sie haben ihre Schublade, und da wird man ruckzuck einsortiert.
Unser Jesus soll der Sohn Gottes sein? Dieser ehemalige Bauarbeiter?
Im Leben nicht…!
So denken sie.
Da muss es also eine andere Kraftquelle geben, woher Jesus seine Weisheit und Macht hat. Da bleibt als Erklärung für sie eigentlich nur: Der da steckt mit dem Teufel unter einer Decke! Vielleicht ist er gar besessen, wie einige Verwandte vorher schon behauptet hatten…!? - Dieser Verdacht wird nicht offen ausgesprochen, liegt aber auf der Hand.
Das heutige Evangelium fasst seinen öffentlichen Auftritt im Heimatort so zusammen: „Und sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab.“
Unter einem Heimspiel stellt man sich jedenfalls etwas anderes vor. Das hier war wohl eher ein Schlag ins Wasser, ein klarer Misserfolg Jesu.
Um dies nochmals zu bestätigen, fügt das Evangelium sogar noch hinzu: „Und er konnte dort kein Wunder tun; nur einigen Kranken legte er die Hände auf und heilte sie.“
Warum wird in der Bibel aber von solch einem Fehlschlag Jesu berichtet? Warum unterschlägt man nicht einfach diese Pleite?
Zum einen mag es als ein Trost gedacht sein für die Jünger Jesu damals und alle Glaubensverkünder heute: Ihr müsst von vorneherein mit Ent-
täuschungen und Fehlschlägen rechnen. Gegen Betonköpfe kommt man nicht an. Schon das Schicksal vieler Propheten und auch vieler Heiliger demonstriert es: Wer die Leute empfindlich stört, der muss eben mit heftigen Reaktionen rechnen.
Für uns hier und heute kann eine Lehre daraus aber auch so heißen: Ihr habt das Glück, aus den Fehlern anderer
noch lernen zu können. Macht Gott also bitte keine Vorschriften, was er zu tun hat und wie er es zu tun hat. Gottes Möglichkeiten sind einfach unvorstellbar!
Die Menschen in Nazareth haben Gottes Sohn nicht akzeptiert, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Ausgeschlossen, dass Gott seinen Sohn aus solchen Verhältnissen völlig unköniglich auf den Weg schickte, meinte man.
Das heutige Evangelium mahnt also zur Vorsicht: Nazareth mit seiner Blindheit kann überall sein!
Denkt also bloß nicht, dass ihr schon auf der sicheren Seite seid, bloß weil ihr Jesus kennt!
Euch wird immer wieder auf eurem Lebensweg eine Entscheidung abgenötigt: Vertraue ich diesem Gott, auch wenn ich ihn nicht begreifen kann? Bin ich offen auch für ungewöhnliche Wege Gottes oder lasse ich das nicht an mich heran? Nehme auch ich wie die Leute in Nazareth an ihm Anstoß? Denke ich kleinkariert von Gott, statt für seine Überraschungen empfänglich zu sein?
Wenn ich mich querstelle, wenn ich Gott gegenüber bockig bin, dann wird mich bestimmt kein Wunder erreichen! Das ist ja schon in der Medizin so: Ärzte bestätigen immer wieder, wie wichtig es bei vielen Krankheiten ist, dass der Patient mithilft, dass er den Willen zur Heilung hat, dass er Vertrauen hat.
Da vertrauen die Leute ihrem Arzt, ihrem Steuer-
berater, dem Lebens-
mittelhändler, dem Flugkapitän und wer weiß wem noch alles.
Man denkt: Der hat’s schon drauf. Der wird schon wissen, was er tut. Ich blicke da ohnehin nicht durch. Und selber operieren kann ich mich ja auch nicht. Wozu hat man denn Fachleute? - Bei Gott aber, der gewissermaßen der uneingeschränkte Fachmann für unser ewiges Glück ist und der sich um uns sorgt , da spielt man jedoch gerne mal den Besserwisser.
Lernen wir also aus der Sturheit der Leute von Nazareth. Gott braucht nicht das Sensationelle, das Exotische. Er kann auch im Alltäglichen, im Kleinen, im Unscheinbaren kommen. Jemand hat mal gesagt, die Menschen könnten Gott heute nicht mehr so gut erkennen, weil sie sich nicht mehr so tief bücken wollten. Schauen wir also genau hin. Hören wir also genau zu. Halten wir Augen und Ohren offen.
Interessante Info-Seite über Nazareth damals und heute >> BITTE KLICKEN !
Predigt Dr. Jörg Sieger: „Dich kenne ich doch…“
Predigt Pfr. Karl Sendker >> BITTE KLICKEN !
Predigt Pfr. Dr. Walter Wimmer (doc-Dokument,
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Geschwister Jesu? Ausführliche Erläuterung von
Dr. Ludwig Neidhart >> BITTE KLICKEN !
Geschwister Jesu? Kurze Erläuterung von Opus Dei >> BITTE KLICKEN !
Muttenzer Monatspredigt (August 2006 / pdf)
Neue Website des Vatikans zum Priesterjahr 2009/2010 >> BITTE KLICKEN !
Am Montag, 6.Juli folgt eine SONDER-AUSGABE:
“Urlaub mit Jesus“-
mit Link-
tipps/Adressen von christlichen Reiseveranstaltern, Unterkünften usw.
Späte Rache: Einem Bischof, der sehr zum Ärger der Betroffenen in seinem Bistum viele bisher eigen-
ständige Pfarreien zu größeren Pfarrverbänden zusammengepackt hat, schlägt sein letztes Stündlein.
Bald steht er vor der Himmelstür. Natürlich ist er überglücklich, am Ziel zu sein. Energisch klopft er an und ist hell entsetzt, als ihm der Teufel höchst-
persönlich die Tür aufmacht. - Der Bischof versucht auf den ärgerlichen Irrtum hinzuweisen:
„Ich dachte, ich sei hier am Himmelstor", protestiert er. Der Teufel grinst ihn an und sagt: „Ja, ja, das sind Sie auch. Aber nach dem Beispiel eines hier frisch angekommenen Bischofs haben auch wir vor einigen Monaten fusioniert.“





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