Er bestellt sie alle zu sich zurück.
Es gibt eine große Versammlung, in der die Apostel ihm alles berichten, „was sie getan und gelehrt hatten“, wie es im Evangelium heißt. Das klingt nach Bilanz ziehen, nach Rechenschaft ablegen beim Chef, nach dem Motto: Was lief gut, und was müssen wir noch besser machen, oder wie man heute so sagt: Was müssen wir an unserem Angebot noch optimieren, um noch mehr Kunden zu bekommen? -
Das dies jedoch von Jesus nicht so gemeint ist, erfahren wir im nächsten Satz des Evangeliums: Da sagte er zu ihnen: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus. Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen.
Wir spüren ganz deutlich, wie sehr sich Jesus um seine Mitarbeiter sorgt. Ganz liebevoll und fürsorglich klingt das, was er da sagt. Er will ihnen jetzt unbedingt Ruhe verordnen und einen Platz, wo sie kein Hilfesuchender in ihrer nötigen Pause stört. Daraus können wir schließen, dass Jesus erkannt hat, wie erschöpft seine Helfer von ihrem Einsatz zurückkommen. Sie haben sich offenbar bis an ihre Grenzen eingesetzt, und deshalb hat er sie zurückgepfiffen, obwohl noch so viele Menschen auf sie warten. Sie sollen sich ja nicht endgültig zur Ruhe setzen, aber eine Pause, ein Atemholen haben sie dringend nötig. Jesus ist es eben nicht egal, wie es seinen Freunden geht.
Da es am Treffpunkt aber jede Menge Leute gibt, die Jesus und seine Jünger erkennen und jetzt eilig herbeiströmen, hilft nur der Rückzug. Noch nicht einmal zum gemeinsamen Essen kommen sie, so groß ist der Andrang der Hilfesuchenden.
Um seinen Jüngern die verdiente Erholung zu ermöglichen, müssen sie wie so mancher Prominente heutzutage möglichst geschickt von der Bildfläche verschwinden. Jesus formuliert es so: „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind und ruht ein wenig aus.“
Auch das ist bemerkenswert: Jesus schickt seine Leute nicht einfach für ein paar Tage nach Hause. Er könnte ja auch sagen, sie sollten sich erst mal gründlich ausschlafen und dann wiederkommen, wenn sie wieder fit sind. Er sagt auch nicht: Lasst uns ausruhen, sondern es geht ihm speziell um seine Jünger: Ruht ihr ein wenig aus. Sammelt euch wieder, findet wieder eure innere Mitte, kommt wieder ins Lot!
Deshalb soll das Ganze auch gemeinsam stattfinden. An der Ruhe Jesu sollen sie sich orientieren, wieder neu ausrichten. Diese innere Ruhe, wie wir sie bei Jesus z.B. auch vom Sturm auf dem See Genezareth her kennen, soll auf seine Freunde ausstrahlen und ihnen neue Kraft geben. Diese Ruhe Jesu kommt natürlich nicht von irgendwoher, sondern durch die ständige innige Beziehung zu seinem himmlischen Vater, durch das intensive Gebet Jesu, so oft wie dies nur möglich ist.
Jesus und seine Jünger machen sich startklar. Mit dem Boot geht es an eine einsame, menschenleere Stelle des Ufers, wo man ungestört in der Stille neue Kraft tanken kann. Doch es kommt in diesem Falle anders. Es wird ein Kurzurlaub mit Hindernissen. Bei der Abfahrt stehen am Ufer noch jede Menge Leute. Auch sie wollen Jesus sehen, mit ihm sprechen, sich heilen und helfen lassen. Doch nun sieht es fast so aus, als gelänge Jesus die Flucht.
Doch so schnell lässt man sich nicht abwimmeln, wenn man etwas auf dem Herzen hat. Wer den Weg bis hierher gelaufen ist, der kann auch noch ein paar Kilometer weiter marschieren. Irgendwo wird er schon an Land gehen, dieser Rabbi Jesus. Irgendwo wird er schon eine Zeitlang bleiben wollen. Das ist unsere letzte Chance – also nichts wie am Ufer entlang hinterher, und dann werden wir ihn bald haben…!
Kaum angekommen, ist Jesus schon wieder von vielen Menschen umringt. Da von den Jüngern hier keine Rede mehr ist, darf man annehmen, dass sie etwas abseits ausruhen und abwarten. Wie wird ihr Meister sich jetzt verhalten?
Kommt er zu ihnen, seinen Jüngern, und verbringt mit ihnen den Rest des Tages in Gespräch und Gebet? Oder wird er den nach Hilfe bettelnden und Orientierung suchenden Menschen nachgeben?
Keine einfache Entscheidung! In solchen Situationen sagt der Volksmund gerne: Egal wie man es macht, verkehrt ist es immer! Jesus sieht in die Gesichter der Menschenmenge, er sieht ihr Bangen, ihre Hoffnung, ihre fragenden Blicke. Hilfst du mir?
Im heutigen Evangelium heißt es: „Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange." - Jesus hat Mitleid mit ihnen. Er weiß nur zu gut, wie viel manche dieser Menschen schon von harten Gesetzeslehrern zu hören bekommen haben. Er weiß, wie oft sie abgewiesen und hin und her geschubst worden sind. Er weiß, wie sehr sie unter ihrer geistlichen oder körperlichen Hilflosigkeit leiden.
Das Wort „Mitleid“ drückt kaum aus, was nun in Jesus vorgeht. Zutiefst traurig ist er über den Zustand dieser Menschen. Er ist geradezu erschüttert, wie schlecht es ihnen geht. Und er weiß auch, wie wenig sie selbst schuld daran sind. Es hat ihnen an klarer Orientierung gefehlt. Kein Hirte war da, der sie geführt hat und der sie vor Gefahren bewahrt hat. Schutzlos und trostlos sind sie. Die geistlichen Hirten des Volkes Israel haben versagt. Sie sind hauptsächlich damit beschäftigt, wie es ihnen selbst geht.
Diese Menschen sind wie Schafe, die keinen Hirten haben! Jesus aber ist der gute Hirte, der wahre Hirte Israels und der ganzen Welt. Er lässt sie nicht im Stich, und deshalb lehrt er sie lange. Das soll heißen: Jesus fertigt sie jetzt nicht im Express-Tempo ab. Er lehrt sie lange. Er muss ihnen ausführlich von der Liebe Gottes erzählen, damit ihnen überhaupt bewusst wird, was auf dem Spiel steht. Er muss diesen von den geistlichen Führern so sträflich vernach-
lässigten Menschen erst einmal die Augen öffnen für die Güte Gottes und dafür, dass Gott eine ganz herzliche Einladung an jeden von ihnen ausgesprochen hat.
So manche Träne wird da geflossen sein, als Jesus erklärt, wie wichtig, liebenswert und einmalig jeder für Gott ist. Die Menschen hängen geradezu an seinen Lippen, und die Zeit vergeht dabei wie im Fluge.
Zum Schluss erinnern wir uns daran, dass die Jünger damals und die Kirche heute beauftragt sind, diese herzliche Einladung Gottes in dieser Welt zu verkünden. Im jetzt vom Papst ausgerufenen Priester-
jahr hat er den faszinierenden heiligen Pfarrer von Ars als Beispiel eines Hirten und Seelenführers vorgestellt. Wie die zurückgekehrten Apostel hat der Pfarrer von Ars – und natürlich viele andere – sein Leben immer wieder an Jesus orientiert. Er hat es geschafft, durch sein leuchtendes Vorbild als geistlicher Hirte zahlreiche Menschen wieder zu Gott zu führen. Immer wieder machte er in unzähligen Beicht-gesprächen und Vorträgen den Menschen klar, wie sehr der himmlische Vater auf die Umkehr aller Sünder hofft. Als er bei einer Beichte in Tränen ausbrach, wollte der Beichtende wissen, was das zu bedeuten habe. Der Pfarrer von Ars erklärte es ihm: „Ich weine, weil ihr nicht weint!“ -
Er war so heftig darüber erschüttert, wie sehr dieser barmherzige Gott doch immer wieder durch unser Verhalten enttäuscht wird.
Vielleicht ist da gerade die Urlaubszeit eine gute Gelegenheit, wie die Leute im heutigen Evangelium Ausschau nach Jesus zu halten. Wer ihn ausdauernd sucht, der wird ihn finden. Vielleicht auch nicht jetzt und hier, sondern an einem stillen, einsamen Ort.
Pfarrer Josef Mohr, Heidelberg:
Predigt Pfarrer Karl Sendker
Leseprobe zum 16. So B
Schreiben des Papstes zum Beginn des Priesterjahres
Heinrich Böll: Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral
(Der Fischer) >> BITTE KLICKEN !
Predigt Pastor Wolfgang Wegert: Die Ruhe Gottes (pdf)
Jens Mankel: Die Entdeckung der Langsamkeit (pdf)
In eigener Sache: „Könnten Sie Ihre Gedanken auch als Kurzpredigt anbieten? So ist es mir zu lang…“ - Auch solche Anfragen erreichen mich ab und zu. Wenn Sie meine Gedanken komplett oder teilweise für Ihre eigene Predigt verwenden, freut mich das. Kürzen Sie ruhig oder verwenden Sie nur einige meiner Impulse!
Ich möchte jedoch bei meiner ausführlichen Darstellung bleiben, um meinen Leserinnen und Lesern ein möglichst lebendiges, facettenreiches Bild zu vermitteln.
Abends sitzt die Familie zusammen, und Sohn Jürgen, gerade mal drei Monate lang Ministrant, erzählt den Eltern stolz von seiner spontanen Rettungstat: "Heute habe ich verhindert, dass in der Messdiener-Gruppenstunde unserem Pfarrer ein böser Streich gespielt wurde."
Das freut den Vater natürlich:„Wie hast du das denn fertig gebracht?“
So geht der hilfsbereite Sohn zu den Einzelheiten über: „Vor Beginn des Unterrichts haben einige Jungen dem Pfarrer ein paar Reißnägel auf den Stuhl gelegt,“ erklärt er. „Aber glücklicherweise habe ich das gesehen, und gerade als der Pfarrer sich setzen wollte, habe ich ihm deshalb
schnell den Stuhl weggezogen.“
Zurück zur Hauptseite? >> bitte klicken !



Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Zur Zeit keine Kommentare möglich.
Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.