Aber auch solche Laien, die durch ihre Worte und ihr Verhalten dafür sorgen, dass man die Kirche vor Ort nicht als sonderlich sympathisch oder gar als unglaubwürdig empfindet, tragen dazu bei. Wie schnell werden leider für manche aus solchen Verunsicherungen der Gläubigen Enttäuschung, Wegbleiben vom Gottesdienst oder der komplette Rückzug aus der Kirche! - Es ist daher schon viel gewonnen, wenn wir uns dessen bewusst sind, dass wir als Christen vor Ort so etwas wie der Schaukasten oder das Aushängeschild Jesu sind.Aber gleich Mühlsteine um den Hals hängen und ins Meer werfen – das sollen wir aber bei Verführern zum Bösen natürlich nicht wirklich tun. Schon im Bibeltext steht ja:
„Es wäre besser, wenn…“
Jesus fordert da also wirklich nicht zum Mord aus reli-
giösen Motiven auf, wie er leider auch heute noch bei zahlreichen Anschlägen von Fanatikern geschieht.
Jesus macht uns mit seinen dramatischen Formulierungen vielmehr klar, dass wir für unsere Mitmenschen, für unsere Nächsten auch Mitverantwortung tragen. Hüten wir also unsere Zunge, damit niemand durch uns zu Fall kommt!
Im heutigen Evangelium kommt es noch drastischer, wenn Jesus gleich dreimal hintereinander dazu auffordert, sich für das Erreichen des Himmelreiches notfalls am Körper zu verstümmeln. Alles, was dem großen Ziel im Wege steht, was uns „zum Bösen verführt“, soll abgehauen bzw. ausgerissen werden.
Dabei nennt Jesus ausdrücklich die Hand, den Fuß und das Auge. In allen drei Fällen betont er, es sei besser, verstümmelt ins himmlische Leben zu kommen, als vollständig und komplett in die ewige Hölle zu gelangen.Da zuckt man natürlich zusammen! Mancher mag gar denken, hier befinde sich Jesus auf einer Wellenlänge mit islamistischen oder anderen Hitzköpfen, für die ein Menschenleben wenig zählt.
Wenn wir also verstört reagieren und „unseren“ Jesus kaum wiederzuerkennen glauben, dann hat Jesus sein erstes Ziel erreicht, nämlich das Ziel, uns geistlich gesehen mal kräftig durchzuschütteln, damit wir auch wirklich hellwach sind und nicht als Christen vor uns hin träumen.
Natürlich wusste damals jeder, der Christus nachfolgte, dass man dies nicht einfach so Wort für Wort verstehen darf. Schließlich heißt es an vielen Stellen der Bibel, wie heilig der Körper ist, dass er ein Tempel Gottes ist. So wie er von Gott geschaffen ist, so ist der Mensch erst einmal gut, einschließlich seines Körpers.
Das von Jesus vorgeschlagene Abhacken von Körper-
teilen ist für die damaligen Hörer auch deshalb eine völlig befremdliche Aktion, weil im Judentum die Selbst-
verstümmelung strikt verboten ist. Der Körper ist Gottes Geschenk und als solcher zu behandeln.
Spätestens hier wird uns heute auch klar, dass es Jesus nicht um wirkliches körperliches Abhacken von Glied-
maßen geht. Damit wäre auch wenig gewonnen, weil man nach einer solch rabiaten Maßnahme nicht nur völlig hilflos dastehen würde, sondern wahrscheinlich an den Folgen dieses völlig unhygienischen Eingriffs sterben würde. Das müssen wir hier wirklich nicht im Detail ausmalen, was da alles passieren könnte.
Was bleibt, ist die Aufforderung Jesu zu einem wirklich radikalen Eingriff. So wie heute die Ärzte im Notfall amputieren müssen, um das Leben des Patienten überhaupt retten zu können, so fordert Jesus uns auch zu lebensrettenden Maßnahmen bei uns selbst auf.Überprüfen wir jeder selbst, welche wertvollen Schätze des Glaubens wir schon in unsere Abstellkammer verbannt haben!
Was zu lästig ist, das wird allzu gerne zum Sperrmüll gemacht und landet bestenfalls beim Trödler oder Flohmarkt-Händler.
Der Appell Jesu an uns alle könnte also anders ausgedrückt so lauten: Als Christ musst du an manchen Stellen, bei manchen Gelegenheiten, wirklich radikal und konsequent sein. Entferne also das von dir, was dich ständig von Gott wegführt; du weißt selbst, was das ist. Dieser Vorgang mag sehr schmerzhaft sein, weil man danach auf Angenehmes oder Gewohntes verzichten muss, doch schon eine einfache Rechnung von Gewinn und Verlust macht es dir klar: Du wirst etwas verlieren, aber ganz viel gewinnen!
Alles das, was dir den Weg zum Himmel versperrt –
wirf es einfach weg, trenne dich davon – das ist eine Scheidung, die Gott erfreut!
Was das ist, kann sehr verschieden sein: Was bei dem einen beispielsweise Stolz und Wichtigtuerei ist, das kann bei dem anderen eines der anderen gefährlichen Suchtprobleme sein, von der Abhängigkeit von einigen dummen, menschenverachtenden Fernsehsendungen bis hin zur krankmachenden Arbeitssucht.
Entscheidend ist jeweils der Blickwinkel: Was ich hier denke, sage oder mache – hilft das mir und anderen zu Gott hin oder trennt es mich immer weiter von ihm? -
Es gibt da leider ganz viele Arten von Gefängnissen, in denen man lebenslänglich sitzt und seine Freiheit ewig und endgültig verspielt, wenn man sich nicht eines Besseren besinnt. - Was Jesus uns hier so drastisch schildet, ist also keine grausame Drohung, sondern eine ganz lieb gemeinte Warnung, die unser ewiges Glück will. So ist das doch hoffentlich bei allen Liebenden, dass sie immer nur das Beste für ihren Partner, für ihre Partnerin im Sinn haben und sie vor schlimmen Fehlern bewahren wollen.Werfen wir jetzt noch einen Blick auf den ersten Teil des heutigen Evangeliums, der so gar nicht dazu zu passen scheint. Da ist in der Umgebung ein fremder Prediger und Heiler aufgetaucht. Er behauptet, im Namen Jesu zu heilen und Wunder zu tun, doch er ist den Jüngern und auch Jesus noch nicht begegnet, gehört also nicht zu denen, die mit Jesus gehen. Heute würde man vielleicht von ihm sagen: Der hat gar keinen
Ausweis, der hat gar keine Lizenz!Die Jünger Jesu sind in heller Aufregung und voller Empörung über so jemanden, und sie haben sogar vergeblich versucht, ihn daran zu hindern, ihn davon abzubringen. Wer weiß, was der noch alles vorhat! Aber nicht mit uns, denken die Jünger Jesu. Von so einem lassen wir uns nicht die Wurst vom Brot nehmen! Wir sind es schließlich, die alle Mühen der Nachfolge auf sich genommen haben, die alles aufgegeben haben für diesen Jesus!
Sie schicken den Apostel Johannes vor, den Lieblings-
jünger Jesu. Er soll für alle sprechen, er soll Jesus dazu bringen, sofort einzuschreiten und dem Störenfried mal zeigen, wo hier die Glocken hängen!
Wütend sind sie: Da könnte ja jeder kommen! Der hat sich uns doch sicher ganz bewusst nicht angeschlossen, weil er sein eigenes Süppchen kochen will! Wenn das Schule macht, dann sind wir unseren sicheren Job bald los…
Wir können uns sicher vorstellen, wie groß die Bestürzung der Jünger gewesen sein muss, als Jesus nicht das tut, was sie so sicher von ihm erwartet haben: Er eilt eben nicht wütend hinüber zu diesem seltsamen Dämonen-Austreiber. Jesus scheint das überhaupt nicht zu erschüttern. Ganz ruhig belehrt er seine Jünger:
„Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden. Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns. Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört - amen, ich sage euch: er wird nicht um seinen Lohn kommen.“
Die Jünger verstehen die Welt nicht mehr – da muss man doch etwas unternehmen, das ist doch so etwas wie Marken-Piraterie, was der Unbekannte da treibt! Wie kann er nur ausdrücklich im Namen Jesu handeln, ohne dessen Genehmigung?
Ja, so denken wir Menschen, so denken wir auch oft genug in der Kirche. Da hätte man sich auch heute sicher mancherorts insgeheim gewünscht, Jesus hätte in diesem Falle auch von einem Mühlstein gesprochen, um den Mann von der Bildfläche verschwinden zu lassen…
Diese Engstirnigkeit und dieses eifrige Abgrenzungs-
denken ist jedoch nicht Jesu Sache. Wer ganz ausdrücklich in seinem Namen handelt und dabei offenbar nur Gutes tut, der ist erst einmal ganz klar auf Jesu Seite. Dem will Jesus nicht das Handwerk legen, dem will Jesus nicht den Weg versperren, Menschen zu Gott zu führen.
So verständlich das ist, dass wir Menschen immer wissen wollen, wer denn nun zu uns gehört und wer nicht: Jesus, der in die Herzen sehen kann, weiß sehr wohl, dass es verschiedene Wege der Nachfolge gibt und nicht immer nur den klassischen Weg in der Gemeinschaft der Jünger oder der Pfarrgemeinde.
Jesu Verhalten ist irritierend und ermunternd zugleich:
Wer Christ ist, das bestimmen nicht wir. Wir haben da zwar unsere Schubladen, aber da lässt sich leider nicht alles so schön einordnen. Da ist aus unserer Sicht noch viel zu viel, wo wir vorsichtig erst einmal dranschreiben müssen: „Diverses“.
Gerade nach dem heutigen Evangelium wird es uns wieder ganz deutlich, dass wir uns hüten sollen, uns zum Richter über andere zu machen. Das ist nun wirklich nicht unser Job!Jesus macht denen, die nun um ihren gerechten Lohn fürchten, aber sofort klar: Keine Angst, ich vergesse nichts von dem, was man für mich getan hat. Schon derjenige, der euch und damit mir nur einen Becher Wasser gegeben hat, der wird dafür reich belohnt!
Fassen wir zusammen: Es sind also nicht zwei Evangelien in einem, nicht eines vom ruhigen, fürsorglichen Jesus und eines vom wütenden, rabiaten Jesus. Wenn man beides zusammen betrachtet wie die zwei Seiten einer Münze, dann wird ein klareres Bild daraus: In beiden Abschnitten geht es einzig und allein darum, sich selbst und den Mitmenschen den Weg freizumachen, den Weg zum ewigen Glück.
Wer dabei als Außenseiter mithilft und sich auf Jesus beruft, der ist Jesus willkommen und uns hoffentlich auch. Kümmern sollten wir uns vielmehr um uns selbst und unsere Nächsten.. Wir sollen da nicht wirklich zur Axt greifen, um uns zu verstümmeln. Wir sollten aber, wie man mit einem sauberen Axthieb auf einen Schlag ein Stück Holz abtrennen kann, uns ganz klar und wie mit einem Schlag von all dem fernhalten, was uns von Gott wegführt.
Aus den Worten Jesu spricht ganz viel Lebensweisheit: Man kann eben nicht ein bisschen umkehren, man kann eben nicht ein bisschen verheiratet sein, man kann eben nicht ein bisschen schwanger sein. Ganz oder gar nicht. Darum geht es. Ganz oder gar nicht. Wir haben die Wahl!
Herzlichen Dank allen Lesern, die mir interessante Tipps übermitteln!
Predigt Diakon Josef Lengauer
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Predigt Pfr. Wilhelm Weber: „Denkt positiv!“ (pdf)
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Predigt Pater Felix Kraus:
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Kirchenvater Origines entmannte sich selbst (?)
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Predigt über Simeon, der auf einer Steinsäule ausharrte
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Mein Lesetipp: „Perlen für Maria – die Kraft des Rosenkranzes“
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Der „Mönch der Woche“
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Prof. Dr. rer. pol., Lic. theol. Joachim Wiemeyer: „Das politische Engagement von Christen in Parteien…“ (pdf)
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Prof. Dr. Bodo Volkmann: „Die Verantwortung der Christen in der heutigen gesellschaftlichen Lage“ (Word-Datei)
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Wie man einen Affen fängt
Wollen afrikanische Ureinwohner einen Affen fangen, machen sie das einfach so: Hinter einem kleinen Astloch schnitzen sie in einem geeigneten Baumstamm seines Reviers eine kleine Höhle. Dort hinein legen sie etwas besonderes Leckeres, z.B. eine süße und saftige Frucht.
Natürlich beobachtet der Affe diese Aktion aus sicherer Distanz. Sobald die Menschen sich vom Tatort entfernt haben, eilt er zu diesem Baum, wo er sofort die kleine Köstlichkeit riechen kann. Seine Hand passt nur knapp durch das kleine Astloch. Gerade spürt er voller Freude die Frucht in seiner Hand, da nähern sich die Jäger erneut.Mit aller Anstrengung versucht der Affe seine Hand mit der Frucht herauszuziehen, aber da sie mit der Beute deutlich größer ist, kann er sich abmühen, so viel er will: die Hand mit der Frucht ist und bleibt gefangen!
Klar, denken wir: Er müsste doch bloß auf seine Beute verzichten – dann könnte er seine Hand mit Leichtigkeit wieder herausziehen! Doch in seiner Gier kommt der kleine Kerl überhaupt nicht auf diese simple Idee. Was er einmal ergattert hat, das gibt er nicht wieder her! Könnte der Affe doch besser denken! Dann wäre ihm schnell klar: Besser mein Leben vor den Jägern retten als an der Frucht festhalten!
Aber wir sollten nicht allzu laut tönen: Wenn der Eindruck nicht sehr täuscht, sind auch wir Menschen dabei, uns zum Affen zu machen, wenn wir krampfhaft an so vielem festhalten wollen und dafür unsere Freiheit oder sogar unser Leben für immer auf’s Spiel setzen…
Zwei Mönche konnten es nicht lassen, während der langen Gebetszeiten zu rauchen. Sie hatten dabei aber ein schlechtes Gewissen. Um ihr Gewissen zu erleichtern, schrieben sie unabhängig voneinander an den Papst. Nach sechs Wochen hatten sie ihre Antwortschreiben: dem ersten wurde das Rauchen verboten, dem zweiten wurde es erlaubt. Also verglichen sie ihre Briefe.
Der erste hatte gefragt: „Darf ich während des Gebetes rauchen?“ -
Der zweite hingegen wollte wissen: „Darf ich während des Rauchens beten?“

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