Statt eines Lobes gibt es von Jesus jedoch eine Belehrung, ja, sogar ein Verbot.
Im Evangelium heißt es: „Doch er verbot ihnen, mit jemand über ihn zu sprechen. Dann begann er, sie darüber zu belehren, der Menschensohn müsse vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er werde getötet, aber nach drei Tagen werde er auferstehen. Und er redete ganz offen darüber.“
Das Verbot Jesu hat seinen guten Grund. Wenn die Jünger jetzt Jesus lauthals als den Messias verkünden würden, könnte das zu einer Gefahr für seinen eigentlichen Auftrag werden. Das Volk sehnt sich nach einem Messias, wie Jesus es eben nicht sein will. Die Menschen wollen einen Befreier aus der Knechtschaft der römischen Besatzer, einen Anführer zur Auflehnung gegen die verhassten Eindringlinge. Gesucht und erhofft wird ein Messias und König, der allen mehr Freiheit und mehr Wohlstand bringt.
Solch ein Messias will Jesus nun wirklich nicht sein.
Da wäre er ganz gründlich missverstanden. Er ist der Retter für das Reich Gottes und nicht für ein Reich der Juden oder sonstwem. Daher schildert er in seinem Verbot an die Jünger auch seinen bevorstehenden Leidensweg. Sicher ist vielen Jüngern jetzt das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Ihre Sache hatte so hoffnungsvoll begonnen. Eine richtige Erfolgsgeschichte war das. Immer mehr Menschen wollen Jesus hören. So setzen auch die Jünger all ihre Hoffnungen auf ihn. Sie haben alles auf eine Karte gesetzt und folgen ihm, wohin er auch geht.
Wirklich, wohin er auch geht? Auch nach Jerusalem, auch ins Leiden? Wieder ist es Petrus, der für alle spricht. Er will es besonders geschickt anstellen. Er nimmt Jesus beiseite. Nicht im großen Jünger-kreis, sondern von Mann zu Mann will er mit Jesus reden. In unserer Einheitsübersetzung steht: „und er machte ihm Vorwürfe.“ - Das ist wieder einmal sehr sanft ausgedrückt. Deutlicher ist folgende genauere Übersetzung: „er herrschte Jesus an.“ Hier wird sofort klar: das war keine höfliche Entgegnung von Petrus, sondern ganz heftige Kritik, ja fast schon so etwas wie Meuterei. Petrus will Jesus unbedingt von dieser Idee abbringen, nach Jerusalem zu ziehen, in das sichere Leiden, in den sicheren Tod.
Nun dreht sich Jesus um, allen Jüngern zu und beendet den Versuch des Petrus wie mit einem Paukenschlag: „Weg mir dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“ - Genauer heißt es eigentlich:
„Schweig, Satan! Geh hinter mich!“
Jesus stellt damit klar, dass Petrus an dieser Stelle auf den großen Durcheinanderwerfer, auf die Tricks des Teufels, hereingefallen ist. Jesus sagt Petrus aber auch sofort, was jetzt zu tun ist: Geh wieder hinter mich!
Das heißt: Reihe dich wieder ein, geh sofort an deinen zugewiesenen Platz, komm wieder zurück in meine Spur!
Jesus reagiert so knallhart, weil er den Versucher viel besser durchschaut als wir. Der Satan versteht es meisterhaft, die Sünde ganz appetitlich zu verpacken. Schon im Paradies präsentiert er sich als der schlaue Ratgeber, der angeblich nur das Beste für die Menschen will. Bis heute hat sich seine Masche bewährt, bei der er z.B. behauptet: Einmal ist doch keinmal! Ach, das merkt doch keiner! Alle anderen machen das doch auch!
Du kannst ja jederzeit damit aufhören! Lass dir das doch nicht durch die Lappen gehen!
So und so ähnlich können die Sprüche sein, die der Versucher uns einflüstert. Das ist fast wie beim Rauchen: Probiere doch einfach, wie dich das entspannt, wie gut dir das tut! - Am Ende jedoch bestimmt oft genug nicht der Mensch, wie es weitergeht, sondern die Sucht, von der er abhängig geworden ist.Der Humorist Mark Twain schildert das auf seine Art,
wenn er feststellt: „Mit dem Rauchen aufzuhören ist die einfachste Sache der Welt. Ich habe das schon 100 mal geschafft…“
Den Schluss des heutigen Evangeliums bildet eine Belehrung Jesu, die an alle Zuhörer gerichtet ist, an die Jünger und an alle anderen: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.“
So etwas hört man natürlich nicht gerade gerne.Sich selbst verleugnen - das klingt verdächtig nach Aufopferung, nach blindem Gehorsam, nach jeder Menge Unangenehmem, nach einem frommen Leistungs-
wettbewerb. So ist es jedoch nicht gemeint. Sich verleugnen – das steht hier im direkten Zusammenhang mit der Nachfolge. Wenn du mir nachfolgen willst, sagt Jesus, dann kannst du das unmöglich nach deiner eigenen Rezeptur, mit deinem eigenen Dickkopf.
Die Kreuze im Leben stehen nun mal nicht da zur beliebigen Auswahl. Jeder „nehme sein Kreuz auf sich“, sagt Jesus. Bei der Nachfolge Jesu geht es eben nicht zu wie bei einer Party mit großem Büffet, wo man sich nach Lust und Laune das Leckerste herauspicken kann. Nein, als Jünger Jesu gibt es keine Selbstbedienung. Auch das Leiden kannst du dir nicht aussuchen, und das ist sicher gut so.
Jeder hat eben sein Kreuz, sein spezielles Kreuz. Manche von uns haben sicher schon so ein Kreuz im Leben erfahren. Oft genug steht es ganz plötzlich vor einem, groß und angsteinflößend. Nie im Leben hätte man sich gerade dieses Kreuz ausgesucht. Und auf der Schulter tragen und lange mit sich herumschleppen mag man es schon gar nicht. Diese Last drückt, und sie drückt um so mehr, je länger man daran trägt. Jesus hat sich jedoch klar ausgedrückt: Wir sollen das Kreuz auf uns nehmen, wir sollen es hochwuchten und auf unsere Schulter packen. So trägt es
Das kann man natürlich nur ertragen, wenn man sich nicht bei jedem neuen Meter quälend fragt: Warum gerade ich? Warum muss das ausgerechnet mir passieren? Womit habe ich das bloß verdient? Ich habe mich doch um ein Leben im Glauben redlich bemüht…
Doch fast schon können wir hören, was Jesus vielleicht sagen würde: Es geht nicht um Leistungen, es geht nicht um gute Geschäfte mit Gott, und es geht schon gar nicht darum, es besser als Gott wissen zu wollen.
Sich selbst verleugnen – das heißt doch: nicht selber den Chef spielen wollen, nicht die eigenen Wünsche an die erste Stelle setzen. Dann wird das nämlich nichts mit der Nachfolge. Wer ständig Ausschau hält, wie man im Leben am angenehmsten davonkommt, der kann einfach nicht hinter Jesus hergehen. Nur wer seine Augen auf Jesus richtet, der kann beim mühsamen Gang durch das irdische Leben und dessen Dunkelheiten Jesu Spur nicht verlieren.
Spätestens hier merken wir, wie sehr es hier auch um jeden von uns persönlich geht. Jesus ist da wie ein sehr guter Arzt: Er sagt dem Kranken ganz klar, wie er sich in Zukunft verhalten soll, wie er mit seiner Lebensweise zur Gesundung beitragen kann. Es gibt ihn hier nicht, den bequemen
Fahrstuhl, der dich auf bloßen Knopfdruck schnell und mühelos in den Himmel bringt.Die Wahrheit ist: Wer Jesus nachfolgen will, der wird auch das Kreuz erfahren. In den Augen dieser Welt und in den Augen des Satans ist das Kreuz eine Torheit. Man sollte es so schnell und energisch wie möglich abwerfen, wenn es sich auf uns legt.
Leiden ist in dieser Welt, die auf den schönen Schein achtet, einfach nur ein Störfaktor. Am besten schiebt man es auf Seite, damit man es nicht sehen muss, vom Altersheim bis zum einsamen Sterben in irgendeinem abgetrennten Zimmer im Krankenhaus.
Jesusnachfolge sieht anders aus. Da werden nicht die Augen fest zugekniffen. Da wird die Wahrheit nicht verdrängt. Jesus ruft uns allen zu, wie er Petrus zugerufen hat: „Geh hinter mich!“ - Folge meiner Spur und nimm das Leid an. - Das heißt aber nicht, dass wir alles Leid einfach so geschehen lassen sollen. Da erinnert uns schon das Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ daran, wie Jesus das Leid zu mildern, wo dies möglich ist, und den leidenden Nächsten beizustehen.
Keine Sorge – Jesus überfordert niemanden!
Die Nachfolge, zu der er uns gerade am heutigen Sonntag so eindringlich aufruft, bedeutet nicht, sich als Christ rund um die Uhr und mit hängender Zunge von Leid zu Leid durcharbeiten zu müssen, bis wir selbst völlig erschöpft am Boden liegen.
Wenn wir nur aufmerksam genug sind, werden wir schon erkennen, wo Leid und Kreuz auf uns warten. Es kommt vor allem darauf an, in die Fußstapfen Jesu zu treten und ihm zu folgen. Alles Weitere fügt sich dann.
Johannes Tauler, ein Prediger und Mystiker des 13. Jahr-
hunderts, hat es so auf den Punkt gebracht: Der Christ soll „im Vertrauen auf Gottes Führung bereit sein, die Zügel aus der Hand zu geben, um sich ganz von Gott an der Hand nehmen zu lassen.“
Einige schöne Fotos: Banyas (Cäsarea Philippi)>> BITTE KLICKEN !
Predigt Pfr. Karl Sendker: „Halbzeitpause“
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Predigt P. Dominik Terstriep SJ: "Der gekreuzigte Gott"
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Meine Predigt zum Lesejahr A
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Bibellexikon: „Satan“
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Predigt: „Gelassenheit lernen“ (u.a. Bezug zu
Johannes Tauler) >> BITTE KLICKEN !
Korrigierter Link zu meinen Linktipps zum 22.SoB:
„Netzwerk katholischer Priester“ (links anklicken)
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Der neue Mensch
Seufzend sagt der Bischof zu einem Pfarrer, der leider zu viel trinkt: "Lieber Bruder, geh in dich, leg den alten Menschen ab und zieh den Neuen an, wie Paulus mahnt!" Einige Zeit später trifft er den armen Pfarrer wieder, aber der hat schon wieder eine beachtliche Fahne. Der Bischof runzelt die Stirne: "Hast du nicht getan, was ich dir gesagt habe?" Aber der Pfarrer erwidert: "Doch, doch, Herr Bischof, nur leider –
der neue Mensch trinkt auch!"
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