16.11.2009

34. Sonntag B - Christkönig - 22.11.2009

(Fortsetzung)

Ein König, das ist für ihn doch einer, der ohne mit der Wimper zu zucken alles durchsetzt, was ihm nützlich erscheint.
Ein König, das ist ein Machthaber, also einer, der die Macht hat und sie fest umklammert hält, damit sie ihm niemand mehr entreißen kann. Und vor allem ist ein König einer, der auch über genügend folgsame Untergebene und Soldaten verfügt, um seinen Ansichten den nötigen Nachdruck zu verleihen.

Natürlich weiß Pontius Pilatus, dass der Mann, der da vor ihm steht, alles das nicht ist und nicht sein will. Aber er ist nun mal angeklagt, König sein zu wollen. Das wäre dann natürlich nicht nur Majestätsbeleidigung, sondern Aufruhr und Volksverhetzung.
Als Jesus zurückfragt, woher Pilatus das denn wisse, nennt Pilatus sofort Ross und Reiter: Deine eigenen Leute waren es, die das behaupten. Und er signalisiert sofort, dass er das Ganze ohnehin nicht versteht: „Bin ich denn ein Jude?“ - Das soll heißen: Frage mich bitte nicht, ich verstehe sowieso nicht, was denn jetzt schon wieder bei euch Juden los ist.

Jesus versucht dennoch, Pilatus auf die richtige Spur zu führen, indem er antwortet: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier.“

Jesus bestätigt es hier ausdrücklich: Ja, ich bin ein König!
Doch seine gleich doppelt angefügte Erklärung lässt keinen Zweifel aufkommen: Das ist nicht ein Königtum, wie Pontius Pilatus es sich vorstellt.

Manchmal sagt man das heute schon mal über jemand: „Der ist wohl nicht von dieser Welt!“ – Damit will man ausdrücken, dass ein solch edles und fast naives Verhalten nicht in unsere harte Wirklichkeit passt.
Nicht von dieser Welt, das heißt: Jesu Königtum ist kein Königtum, wie viele es in dieser Welt erleiden mussten: ein Königtum der Gewalt, der Intrigen, der bösen Macht-
spielchen, der Ausbeutung und Ungerechtigkeit.
„Mein Königtum ist nicht von dieser Welt“, sagt dagegen Jesus. - Ob Pilatus so etwas versteht? Ganz verdutzt fragt er noch einmal nach: „Also bist du doch ein König?“
Jesus bestätigt es ihm ausdrücklich und fügt an: „Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, daß ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“

Jetzt wird es für den Machtmenschen Pontius Pilatus endgültig zu kompliziert. Ein König, der gekommen ist, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen. Was soll man dazu sagen?
Seine Reaktion ist auch dementsprechend, steht aber leider nicht mehr im heutigen Evangelium, sondern direkt anschließend. Pilatus entgegnet Jesus nämlich: „Was ist Wahrheit?“ – Und dann verlässt Pilatus einfach den Raum. Das Gespräch ist damit beendet.

Was ist schon die Wahrheit? – So wie Pontius Pilatus denken auch heute die meisten Menschen. Das ist doch alles relativ.
Da hat doch jeder so seine Sicht der Dinge. Soll doch jeder so leben, wie er will, so lange er die anderen in Ruhe lässt. Das ist doch wie beim Essen, da hat eben jeder so seinen eigenen Geschmack… -
Also heißt die Devise: leben und leben lassen. Es muss doch jeder selber wissen, was er tut. Da mischen wir uns nicht ein. Das geht uns nichts an.

Das ist allerdings nicht die Haltung Christi und der Christen. Jesus sagt an anderer Stelle von sich: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ (Joh 14,6) Diese Wahrheit heißt eben auch, dass es nicht nur die vielen Könige, Mächtigen und Herrscher dieser Welt gibt. Diese Wahrheit heißt auch, dass eben aus christlicher Sicht nicht jeder drauflos leben kann, wie er will.
Da gibt es nämlich so etwas, dass sich Gebote Gottes nennt. Unsere menschliche Ungerechtigkeit und all das Böse haben eben nicht das letzte Wort. Gott wird eben nicht zu allem Ja und Amen sagen oder wie beim Computer flott mal die „ENTER“-Taste drücken.

Jesus ist gekommen, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen. Die Wahrheit – das ist die Wahrheit Gottes, die im ganzen Universum gilt.
In der aramäischen Sprache, die auch Jesus sprach, steht für „Wahrheit“ übrigens das Wort „emuna“, und das heißt wörtlich übersetzt nicht nur „Wahrheit“, sondern auch „Treue“.
Gott ist die Treue, er steht zu seinem Wort. Die Bibel ist voll von Beispielen, wie Gott seine Zusagen einhält. Als Stichworte sollen hier nur Abraham oder David genügen.

Die größere Wahrheit Gottes ist, dass es nicht nur die Könige und Mächtigen dieser Welt gibt. Der eigentliche König und Herr ist Gott selbst. Das ist eine wirklich frohe Botschaft, denn der wirkliche Herrscher ist kein Herrscher, der seine goldene Krone polieren lässt.
Der wahre König hat die Erniedrigung und den Schmerz der Dornenkrone für uns auf sich genommen. Der wirkliche König ist so groß, dass er sich ganz klein machen kann, so klein, dass er in einem zugigen Stall als Menschensohn geboren wird. So klein, dass er sich vor seine Jünger hinhockt und ihnen ihre staubigen Füsse wäscht. So klein, dass er uns alle an seiner Königswürde teilhaben und in der Taufe Kinder Gottes werden lassen will.


Ja, das ist wirklich ein König! – Dieser König sieht es als seine wichtigste Aufgabe an, Recht zu sprechen in seinem Reich. Den Armen, den Benachteiligten, den Unterdrückten wird er zu ihrem Recht verhelfen. Wenn das kein krönender Abschluss des Kirchen-
jahres ist! –
Doch auch den letzten Satz des heutigen Evangeliums sollte man nicht übersehen. Er heißt: „Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“

Die Wahrheit Gottes ist nicht einfach nur da. Die Wahrheit Gottes will auf Erden angewendet und verbreitet werden. Sie will nicht nur geglaubt, sondern vor allem auch getan werden. So sagt es Jesus auch dem Ratsherrn Nikodemus: „Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht.“ (Joh 3,21)
Die Wahrheit tun, also nach der Wahrheit des wahren Königs leben, dazu sind wir aufgerufen. Christus ist der eigentliche König. Ihn sollen wir hören. Ihm sollen wir ge - hören.
Ob jemand in seinem Leben auf der Seite des wahren Königs steht oder nicht, das zeigt sich. Ob jemand aus der Wahrheit lebt, das zeigt sich. Solche Menschen hören auf seine Stimme, sagt Jesus. Sie hören, was er sagt, und sie folgen ihm, ihrem König.
Prüfen wir auch uns immer wieder: Lebe ich wirklich so, dass ich meinem König treu folge?

Predigt P. Martin Löwenstein SJ >> BITTE KLICKEN !

Predigt Dr. Nikolaus Wandinger >> BITTE KLICKEN !

Predigt Pfarre Machstraße: „Von Zaungästen… zu Teilhabern“ (pdf) >> BITTE KLICKEN !

Kath. Bibelwerk: Hinführung u. Textauslegung (pdf)
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Evangelientexte für die Messe (mit Kurzkommentar im pdf-Format)
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Jesus und Ratsherr Nikodemus: Die Wahrheit tun…
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Der Prozess Jesu – die historischen Umstände (pdf)
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Dr. Jörg Sieger: Pontius Pilatus und andere Statthalter
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Meine Predigtgedanken zu Christkönig A 2008
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Linksammlung der Familie Hauenstein zum Thema Weihnachten – sehr umfangreich! >> BITTE KLICKEN !

Ein augenzwinkernder Test: Welcher Adventstyp sind Sie ? (pdf)
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Animation: Nacheinander auf die Pferdeköpfe klicken und lächeln
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Das Teekesselchen-Spiel >> BITTE KLICKEN !


Richter zum Angeklagten: „Wissen sie, was Sie hierher geführt hat?“ Angeklagter ernst: „Mein starker Glaube, Herr Richter!“ –
„Ihr Glaube??“ – „Aber ja, ich habe ganz fest geglaubt, dass die Bank keine Alarmanlage hat...!“

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