Doch dann geschieht vor den Augen Jesu das Unerwartete, das Unfassbare. Eine arme Witwe, an ihrer schwarzen Ziegenfellkleidung sofort erkennbar, tritt jetzt heran und wirft nach der üblichen Prozedur zwei kleine Münzen in den sogenannten Gottes-
kasten, das ist ein Opferkasten für Spenden, die nur dem Schmuck des Tempels dienen sollen. Das Gesicht des diensthabenden Priesters können wir uns sicher lebhaft vorstellen, als er die Spende dieser Frau begutachtet. Zwei der allerkleinsten Münzen gibt sie.
Erst 128 dieser sogenannten Lepta ergeben einen üblichen Tageslohn von einem Denar. Die Frau spendet also noch nicht einmal den Gegenwert von einer Viertelstunde Hilfsarbeiterlohn, aber für den Kauf einer kleinen Portion Mehl für eine bescheidene Mahlzeit würde es gerade reichen.
Jesus nimmt keinen Kontakt zu der Frau auf, sondern lässt sie gewähren. So wissen wir allerdings auch nicht, wie sie heißt. Wir wissen auch nicht, ob sie vielleicht sogar noch Kinder zu versorgen hat. Was wir aber wissen, ist die schlimme Lage, in der Witwen sich zur Zeit Jesu oft befinden. Sie stehen zwar nach dem Gesetz unter besonderem Schutz, aber wir haben ja schon am Beispiel der scheinheiligen Schriftgelehrten erfahren müssen, wie in etwa mit ihnen umgesprungen wird. Sie haben nicht nur ihren Mann und den Ernährer der Familie verloren, sondern auch ihre Stellung innerhalb der Gemeinschaft. Wenn sich ihr Schwager nicht ihrer annimmt, ist die Frau schutz- und hilflos.
Diese arme Frau geht mit einer Entschlusskraft zum Opferkasten, die andere nur beschämen kann. Es macht ihr nichts aus, falls wegen der mickrigen Summe dumme Bemerkungen fallen sollten. Sie ist ganz auf diesen Moment konzentriert. Mühsam hat sie die kleine Summe zusammengekratzt, und nun bringt sie diese Gabe sofort zu Gott. Es scheint ihr das Selbstverständlichste der Welt zu sein, so zu handeln.
Jesus ist von dieser Frau so tief beein-druckt, dass er seine Jünger sofort zusammenruft. Sie haben ihre Augen überall, aber diese Szene haben sie offenbar gar nicht so recht bemerkt. Jesus muss sie erst wachrütteln, indem er sie in feierlichem Ton belehrt: „Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluß hergegeben; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles gegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt.“
Wir merken, wie nahe dieses Erlebnis Jesus geht. Diese arme Frau hat ihn wirklich verstanden, ohne jemals mit ihm gesprochen zu haben. Diese arme Frau kalkuliert nicht und rechnet nicht, denn sonst hätte sie genauso gut auch nur eine der beiden Münzen opfern können. Selbst das wäre für sie ein riesiges, existenzielles Opfer gewesen. Für den Opferkasten macht es auch keinen großen Unterschied, ob nun eine oder zwei dieser winzigen Münzen in ihm landen.
Dann hätte sie aber wenigstens noch einen ganz klitze-
kleinen Notgroschen für ein paar Esslöffel Mehl, einfach so zur letzten Sicherheit, falls Gott sie ausnahmsweise doch mal vergessen sollte. Nein, diese Frau geht ganz selbstverständlich auf’s Ganze. Für sie gibt es, was Gott betrifft, keine halben Sachen. Gott hat ihr das Leben gegeben und hält sie nach ihrer Erfahrung auch am Leben, Tag für Tag neu. Es ist wahrlich kein üppiges Leben, aber diese Witwe fühlt sich ganz in Gottes guter Hand aufgehoben.
Diese arme Frau ist also keineswegs so allein, wie es den Anschein hat. Bis hierhin hat mich Gott geführt, mag sie denken, also wird er mich auch weiterhin führen. Auf ihn kann ich mich ganz und gar verlassen. Ihn will ich lieben mit meinem ganzen Herzen und mit ganzer Seele, mit all meinen Gedanken und mit all meiner Kraft (vgl. Mk 12,28-30). Da brauche ich mir nicht ständig den Kopf zu zerbrechen, was der morgige Tag mir bescheren wird. Alles auf dieser Erde und in meinem Leben gehört sowieso Gott; da kann ich getrost die ständigen Sorgen loslassen und mich ganz auf Gott verlassen, wie das die Vögel des Himmels auch tun.
Jesus sieht es sofort: Diese Frau hat das größte der Zehn Gebote wirklich ganz verstanden, mehr als jeder schrift-
gelehrte Experte dieser Welt. Sie gibt Gott nicht den kleinen Finger, diese arme Witwe gibt Gott die ganze Hand. Man könnte sogar sagen, dass diese Frau ihr ganzes Leben, ihr ganzes Schicksal in diesen Opferstock wirft. So wie sie sich verhält, macht sie das auch nicht zum ersten Mal, und sicher nicht zum letzten Mal.
Und nur um Gott geht es ihr, denn ihr Opfer ist ausdrücklich nicht für caritative Zwecke, sondern für den Schmuck des Hauses Gottes bestimmt. Dafür verausgabt sie sich voll und ganz.Dieser Tempel ist ihre eigentliche Heimat, und nicht ihre private Unterkunft.
So kann man wirklich sagen, dass es eine Art optische Täuschung ist, wenn man da vor dem Opferstock eine arme Witwe sieht. In Wirklichkeit ist sie eigentlich eine ganz reiche Witwe, reich an Gottesliebe, reich an absolutem Vertrauen, reich an Gottes Gnade, einfach unfassbar reich, unfassbar frei!
Kein Wunder, dass Jesus vom Gottvertrauen dieser Frau so fasziniert ist. Kein Wunder also, dass er seine Jünger zusammentrommelt und ihnen das Beispiel dieser Frau vor Augen hält: Schaut euch das mal an, schaut euch die mal an! Diese Frau glaubt wirklich und hundertprozentig!
Jesus geht es nicht darum, die anderen Spender zu kritisieren. Keinerlei Vorwurf kommt über seine Lippen. Jesus setzt da niemand unter Druck. Er stellt einfach das überwältigende Gottvertrauen dieser Frau in den Mittelpunkt.
Da kann sich jeder seine eigenen Gedanken machen.
Da kann sich jeder selbst fragen: Wo stehe ich denn eigentlich? Welchen Anteil an meinem Leben gestehe ich Gott zu? Welchen Stellenwert hat er bei mir wirklich?
An was hängt denn mein Herz? – Prüfen wir uns immer wieder selbst.
Animations-Video „Tempel von Jerusalem“ ( ca. 3 min.)>> BITTE KLICKEN !
Kurz-Info zum Bauwerk des Jerusalemer Tempels (pdf)
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Predigt Pater Schwind SJ (pdf)
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Predigt Dr. Harald Prinz (pdf)
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Evangel. Gemeinschaft Nidderau: „Viel Geld – aber kein Opfer“ (pdf) >> BITTE KLICKEN !
Predigt Bruckmühl : „Alles geben?“ (pdf)
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FEG Heiden: „Wieviel ist viel?“ (pdf)
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FEG Kandern: „Wieviel Erde braucht der Mensch?“ (7S./pdf) >> BITTE KLICKEN !
Meine Gedanken zum Weihetag der Laterankirche
(9. Nov.) mit Informationen zum Tempel in Jerusalem
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„Materialismus“-Fastenhirtenbrief 1956 (!) der deutschen Bischöfe >> BITTE KLICKEN !
Beten für Verstorbene – Totengedenken in der Gemeinde (89 S./pdf) >> BITTE KLICKEN !
(Seiten nicht in Reihenfolge, muss auseinandergeschnitten werden)
„Die kirchliche Begräbnisfeier“ – Pastorale Einführung (pdf) >> BITTE KLICKEN !
Materialien und Links zur Reichsprogromnacht (9. Nov.)
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Beispiel Spendengala im ZDF, dort z.B. Kurzvideo anklickbar: Dietmar Hopp spendet 1 Million Euro („Ein Herz für Kinder“) >> BITTE KLICKEN !

Gott sei gepriesen Tag um Tag
Es war einmal ein guter und gerechter König, der ging oft in Verkleidung und unerkannt durch die Straßen seines Landes, um zu erfahren, wie es um sein Volk stand.
So war er einmal abends an einer armen Hütte angekommen. Er schaute durchs Fenster und erblickte einen Juden, der sprach gerade den Segen über sein kärgliches Abendbrot. Der König klopfte und bat um Einlass. Der Mann antwortete: „Gerne, setz dich nur zu mir. Was für einen reicht, reicht auch für zwei.“
Beim Essen fragte der Gast: „Wovon lebst du eigentlich?“ – „Ich bin Flickschuster“, erwiderte der Jude, „jeden Morgen gehe ich mit meinem Werkzeugkasten durch die Stadt, und die Leute bringen mir ihre kaputten Schuhe.“ – „Und was ist, wenn du morgen keine Arbeit findest?“, fragte der König. - „Morgen?“, sagte der Flickschuster. „Morgen ist morgen. Gott sei gepriesen Tag um Tag.“
Doch als der Schuster am nächsten Tag in die Stadt kam, da standen überall große Schilder: „Anordnung des Königs: In dieser Woche ist jede Art von Flickschusterei verboten!“ -„Eigenartig“, dachte der Schuster, „was die Könige doch für merkwürdige Einfälle haben! - Aber gut, dann werde ich eben Wasser in die Häuser tragen. Frisches Wasser brauchen die Leute ganz sicher jeden Tag.“
Das tat er dann auch, und am Abend hatte er so viel verdient, dass es zu einer guten Mahlzeit reichte. Sogar zu einer Mahlzeit für zwei, denn auch diesmal kam der verkleidete König zu ihm. Der sprach sofort den Schuster an: „Ich habe mir schon Sorgen um dich gemacht, als ich die Schilder gelesen habe! Wie hast du denn heute bloß dein Brot verdienen können trotz des königlichen Verbotes?“ Der Schuster erzählte ihm, was er diesen Tag gearbeitet hatte. „Und was ist, wenn du morgen keine Arbeit findest?“ – „Morgen?“, sagte der Schuster. „Ach, morgen ist morgen. Gott sei gepriesen Tag um Tag.“
Doch am nächsten Morgen war er entsetzt. Soldaten standen auf den Plätzen und riefen: „Befehl des Königs! In dieser Woche ist es verboten, ohne königliche Sondererlaubnis Wasser zu tragen oder Schuhe zu flicken!“ - Der Schuster ließ sich dadurch nicht unterkriegen, sondern beschloss, stattdessen Brennholz zu hacken und auf dem Markt anzubieten. Rasch holte er seine Axt und ging in den Wald. Wieder reichten seine Einnahmen für ein gutes Abendessen für zwei Personen aus. Tatsächlich kam der unbekannte Gast wieder zum Essen und fragte: „Und was ist, wenn du morgen keine Arbeit findest?“ - „Morgen?“, sagte der Schuster. „Morgen ist morgen. Gott sei gepriesen Tag um Tag.“
Doch als der Schuster am nächsten Tag wieder zum Holzhacken in den Wald gehen wollte, wurde er von Soldaten angehalten: „Alle, die Holz hacken wollen, haben diese Woche die Pflicht, im Palast des Königs Dienst zu tun und Wache zu stehen.“ - Seine Axt wurde ihm abgenommen, und stattdessen bekam er ein blinkendes Schwert. Er musste sofort mitkommen und den ganzen Tag Wache stehen. Natürlich verdiente er dabei nicht einen einzigen Groschen.
Deshalb grübelte er abends auf dem Heimweg, wie er trotzdem seinen erwarteten Gast bewirten könnte. Er klagte dem Kaufmann seines Dorfes sein Leid und bat ihn eindringlich, ihm in dieser Notlage zu auszuhelfen. Das königliche Schwert musste er allerdings als Pfand zurücklassen. Sicherheitshalber ging er daheim gleich in seine Werkstatt, schnitzte sich ein Schwert aus Holz und steckte dieses in die Scheide.
Prompt kam der unbekannte Gast wieder zum Abendessen. Der wunderte sich natürlich über das Essen: „Ich habe gesehen, dass du heute im Königs-
palast ohne Bezahlung Dienst tun musstest. Woher kommt dann das reichliche Essen?“
Da erzählte der Schuster ihm alles und zeigte ihm schmunzelnd das hölzerne Schwert. Der Gast fragte: „Aber was ist, wenn sich der Hauptmann morgen dein Schwert zeigen läßt?“ - „Morgen?“, sagte der Schuster. „Morgen ist morgen. Gott sei gepriesen Tag um Tag.“
Kaum hatte der Schuster am nächsten Morgen den Palast erreicht, kam der Hauptmann auf ihn zu: „Du da, komm her! Da vorne steht vor der Gefängnismauer ein Mörder, der heute hingerichtet werden soll. Der König hat angeordnet, dass du es bist, der ihm jetzt gleich den Kopf abschlagen soll!“
Da war der Schrecken des Schusters riesengroß:
„Ich kann und darf keinen Menschen töten!“, versuchte er sich aus dieser Lage zu retten.
Doch der Hauptmann ließ nicht locker, und inzwischen hatte sich auch schon eine Menge Neugieriger vor dem Gefängnis versammelt. Der Schuster trat auf den Gefangenen zu und sah ihm ins Gesicht. Er war sich sicher, dass dies ganz bestimmt kein Mörder war.
Er betete leise zu Gott, er möge den Mörder und ihn selbst aus dieser verzweifelten Lage erretten.
Es dauerte nicht lange, da hatte er eine Eingebung. Bevor er sein Schwert aus der Scheide zog, rief er ganz laut: „Du Gott des Himmels und der Erde, Du Herr über Leben und Tod! Wenn dieser Mann wirklich ein Mörder ist, so soll ihm mein Schwert den Kopf abschlagen.
Doch wenn er unschuldig ist, dann rette ihn, dann verwandle Du den scharfen Stahl meiner Klinge in Holz!“
Schlagartig kehrte absolute Stille auf dem Platz ein.
Als der Schuster das Schwert aus der Scheide zog und zum Himmel reckte, konnten es alle sehen: Das Schwert war zu Holz geworden. Da brach ein gewaltiger Jubel aus. Die Menge lobte Gott, und im gleichen Augenblick kam der König die Treppe herab aus dem Palast in den Hof und ging auf den Schuster zu. Sofort gab er sich ihm zu erkennen, umarmte ihn herzlich und sprach: „Von heute an sollst du mein wichtigster Ratgeber sein!“
(nacherzähltes jüdisches Märchen, Quelle leider nicht bekannt)
Sparsamkeit Drei Freunde aus dem Schwabenland gehen mal wieder gemeinsam zum Bergsteigen. Doch das Unglück geschieht: sie stürzen alle in eine tiefe Felsspalte, sind aber gottlob unverletzt. Allerdings sitzen sie hier fest und können nur auf Hilfe hoffen. Die naht auch bald, denn ihr Absturz wurde beobachtet. Als die Männer der Bergwacht sich endlich an die Unglücksstelle vorgearbeitet haben, rufen sie besorgt nach unten: „Hallo – wir sind vom Roten Kreuz!“
Von unten hallt es im Chor nach oben: „Mir gäbet nix!“
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