Schweine gelten als unrein,und um sie macht man einen großen Bogen. - Was für eine Schweinerei: Jetzt muss er Tag für Tag mit diesen Tieren leben und sich damit auch Tag für Tag eingestehen, dass er mit der Missachtung der religiösen Vorschrift nicht mehr wirklich zum Volk der Juden gehört. Er ist
so weit in der Fremde, fremder geht es nicht mehr.
Ihm geht es sogar so dreckig, dass er kurz vor dem Verhungern steht. In seiner Not ist er schließlich bereit, das Schweinefutter zu essen. Dabei handelt es sich um die harten Schoten des Johannis-
brotbaumes, für den menschlichen Verzehr eher nicht gedacht. Selbst dieses Viehfutter gibt ihm niemand; er muss es sich unerlaubt nehmen.
Der jüngere Sohn ist einfach am Ende.Seine ganze Aktion ist ein einziger Reinfall geworden. Doch jetzt, wo er kurz vor dem Verhungern ist, jetzt, wo ihm das sprich-
wörtliche Wasser bis zur Oberkante Unterlippe steht, da kommt er endlich zur Besinnung. Selbst die Tagelöhner seines Vaters „haben mehr als genug zu essen“, wird ihm schmerzlich bewusst. - In der größten Not legt er sich deshalb einen Plan zurecht. Er will heim zum Vater gehen und ihm ohne Wenn und Aber seine große Schuld eingestehen.
Damit er aber in der Aufregung nicht hängenbleibt, hat er sich seinen Text schon genau eingeprägt: „Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner.“
Das ist wirklich bemerkenswert: Bei ihm gibt es keinen Versuch einer Ausrede, kein Schimpfen auf andere, die ihn verführt haben, kein Leugnen der eigenen Schuld. Nein, der jüngere Sohn steht dazu, dass er selbst die Verantwortung trägt. Er hat große Schuld auf sich geladen, daran will er gar nicht erst herumdeuteln, wie das gerade heutzutage fast schon üblich ist. Wenigstens in dieser traurigen Selbsterkenntnis zeigt er jetzt menschliche Größe.
So macht er sich auf den schweren Weg zurück,halb verhungert, verdreckt, stinkend und zerlumpt, einfach nur ein Häufchen Elend. Unterwegs hat er Zeit genug, sich die Reaktionen nach seiner Rückkehr auszumalen. Im ganzen Dorf wird sich sein jämmerlicher Zustand wie ein Lauffeuer verbreiten, und man wird mit Spott über den Ausreißer nicht gerade sparsam sein. In der Dorfgemeinschaft ist er jetzt ganz bestimmt unten durch. Was aber viel schlimmer ist, das ist die Ungewissheit über die Reaktion des Vaters, dem er diesen großen Schmerz angetan hat.
Der jüngere Sohn weiß es: Er kann nur noch hoffen und sein Schicksal in dessen Hände legen. Von Rechts wegen steht ihm keinerlei Unterstützung mehr zu, und er hätte es wirklich verdient, wenn man ihm die Türe vor der Nase zuknallen würde. „Für mich bist du gestorben“, das könnte der Vater ihm voller Zorn und Ent-
täuschung an den Kopf werfen.
Nun kommt sie, die erschütterndste Szene in diesem Evangelium. Im Text heißt es erst nur: „Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm.“ - Der Vater also ist es, der diese Elendsgestalt schon von weitem kommen sieht. Kein Diener hat ihn entdeckt, sondern der Vater selbst. Ganz offensichtlich hat dieser Vater den verlorenen Sohn immer im Herzen behalten und darauf gehofft, dass der endlich zur Vernunft kommt.
Wenn er ihn schon von weitem kommen sieht, dann hat er regel-
recht nach ihm Ausschau gehalten – wer weiß, wie viele Monate oder gar Jahre schon. Und er erkennt in diesem verdreckten Etwas auch sofort seinen Sohn und hat einfach nur noch Mitleid. - Was für ein Vater!
Doch es kommt noch heftiger. Jesus erzählt im Gleichnis, was nun geschieht: „Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küßte ihn.“ -Als die Zuhörer Jesu das hören, bleibt ihnen der Mund offen stehen, so unerhört ist das. Das haben sie noch nie gesehen: ein alter Vater, ein würdiger Mann, fast schon ein Patriarch, der Herrscher über seine Sippe, der rennt doch nicht! Üblicherweise geht so ein orientalischer Großgrundbesitzer noch nicht einmal selbst an die Tür. Wozu hat man denn seine Leute? Was für einen Eindruck würde das denn machen?
Was für ein Vater ist das bloß?! – Der kommt allen Entschuldi-
gungen einfach zuvor, der riskiert es, sich lächerlich zu machen, der vergisst alles um sich herum, der verliert keine Sekunde, der rennt einfach los und fällt ihm auch noch um den Hals. Ja, er küsst ihn sogar, den da, der zehn Meter gegen den Wind stinkt!
Die Zuhörer Jesu sind sprachlos, und wir sind es hoffentlich auch. Was für ein unbegreiflicher Vater – wer da nicht erschüttert ist, der hat ein Herz aus Stein!
Damit könnte das Gleichnis Jesu zu Ende sein. Der Vater könnte dem Sohn eine Stelle als Tagelöhner geben und damit die Chance, Buße zu tun und jetzt mal zu zeigen, dass er sich wirklich gebessert hat. Nach einer angemessenen Bewährungszeit könnte er ihm dann vielleicht einen besseren Posten besorgen. Das wäre in dieser Situation schon sehr großzügig.
Doch dieser Vater ist nicht nur aus dem Haus gerannt, der ist auch ganz aus dem Häuschen vor Freude. Kaum hat der Sohn ihm seine Schuld bekannt, hat der Vater es ganz eilig: „Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand und zieht ihm Schuhe an.“ - So treibt er jetzt sein Personal zur Eile an. Das beste Gewand – das lag damals in guten Häusern für besondere Ehrengäste bereit als Zeichen der größten Hochachtung. Der Ring, das ist der Siegel-ring, also das äußere Zeichen dafür, dass man damit Verfügungs-
gewalt über das Vermögen hat. Mit diesem Siegelring werden wichtige Geschäfte besiegelt. Die Schuhe, das ist der Luxus der reichen Leute, denn Arme und Sklaven gingen barfuß.
Der Vater legt bei all dem ein ungeahntes Tempo vor, das Ganze duldet keinerlei Aufschub. Endlich ist der Sohn wieder da, endlich!
Sogar eine spontane Riesenparty wird vom Vater befohlen, mit allem Drum und Dran, sogar mit einer Tanzkapelle, mit Musik und Tanz
für alle. An nichts wird gespart, das Beste ist gerade gut genug. Sogar das Mastkalb wird geschlachtet, das nur für ganz besondere Anlässe bereitsteht. Gleich zweimal im Text betont der Vater, dass er jetzt „fröhlich“ mit allen feiern will. Damit man ihn besser versteht, fügt er als Erklärung hinzu: „Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.“
Doch wie wir wissen, ist die Geschichte damit immer noch nicht zu Ende. Da ist schließlich noch der ältere Sohn, der zur Zeit etwas weiter weg vom Haus fleißig auf dem Feld arbeitet.Von der Aufregung daheim kriegt er so überhaupt nichts mit.
Als er abends müde von der An-
strengung heimkommt, ist er völlig überrascht, was da gerade abgeht. Er muss sich erst bei einem der Knechte informieren. Seine Reaktion wird von Jesus nur ganz knapp geschildert: „Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen.“
Das können wir uns lebhaft vorstellen, was da in diesem älteren Sohn vorgeht. Im Gegensatz zu seinem leichtsinnigen Bruder hat er immer daheim ausgehalten, hat tagein tagaus geschuftet und immer darauf geachtet, dass alles korrekt und nach dem Willen des Vaters erledigt wird. Und jetzt kommt dieser Luftikus und Schmarotzer daher, und schon steigt hier die größte Party. Nein danke, da spiele ich nicht mit!
Die Weigerung des älteren Sohnes wird natürlich sofort dem Vater zugetragen. Der lässt alles stehen und liegen, kommt schnell aus dem Haus heraus und spricht ausführlich mit ihm, will ihm alles erklären. Jesus sagt es so: „Der Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu.“
Der ältere Sohn aber ist stinkesauer. Er lässt nicht mit sich reden,
im Gegenteil. Jetzt packt er endlich einmal so richtig aus und macht dem Vater bittere Vorwürfe: „So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet.“
Was für eine Verbitterung, was für ein Hass spricht aus seinen Worten! Das Wort „Bruder“ nimmt er erst gar nicht in den Mund,
für ihn ist es nur „der hier, dein Sohn“. Und von Dirnen war vorher bei Jesus gar keine Rede, sondern nur von einem “zügellosen Leben“, was auch immer das sein mag.
Doch der ältere Bruder zieht so richtig über den da her, der soeben so überaus herzlich vom Vater aufgenommen wurde. In seiner Seele brodelt es ganz heftig, und das wohl seit langem, und jetzt kocht es über beim älteren Sohn. Was hat er nicht alles getan? Immer hat er getan, was nötig war, nie hat er sich etwas gegönnt. Nie hat er den Vater um einen Gefallen gebeten. Und jetzt kommt dieser Mistkerl von Bruder einfach mir nichts dir nichts zurück, als wenn nichts gewesen wäre. - Nein, mit mir nicht!Es ist einfach nur erschreckend, welche Aggressionen da in ihm zum Vorschein kommen, die er jahrelang gut versteckt hat. Hinter seiner Fassade des wohlerzogenen Sohnes ist kein Verständnis, keine Liebe, nur Enttäuschung. Er kann sich überhaupt nicht mitfreuen, sondern er sieht nur den Konkurrenten, der wieder da ist und der alles wieder durcheinander wirbeln wird. Nicht den Hauch von Mitgefühl hat er übrig für den Bruder, und sehen will er den schon gar nicht. Für ihn wäre es besser, der Bruder wäre wirklich tot.
Jesus schildert nun zum Schluss, wie sehr der Vater sich bei seinem älteren Sohn alle Mühe gibt, ihn zum Umdenken zu bewegen. Schon bei der Anrede fällt das auf. Er spricht den erwachsenen Sohn ausdrücklich mit „Mein Kind“ an.
Schon damit ist es klar: Du bist doch mein Sohn, mein Leben,
mein Liebstes!
Und um jeden Zweifel auszuräumen, fügt der Vater hinzu: „Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern…“
Der Vater zieht alle Register, um seinen Sohn zu überzeugen. Dahinter steht unausgesprochen die Frage: Warum bloß hast du nie etwas gesagt? Da leben wir die ganze Zeit miteinander, und du hast doch nur so wenig von meinem Herz verstanden und von meiner Sehnsucht nach dem Kind, das sich so weit von mir entfernt hat. Liebst du mich gar nicht wirklich, sondern tust du nur einfach deine alltägliche Pflicht? Das wäre einfach nur traurig und schade!
Der Ausgang bleibt offen: Jesus verrät uns nicht, ob der ältere Sohn die Kurve noch kriegt, die der jüngere schon hinter sich hat.
Haben die Pharisäer und Schriftgelehrten Jesus verstanden?
Haben wir ihn verstanden?
Mit dem Vater im Gleichnis will Jesus uns den Vater im Himmel näher bringen, will uns einen ganz kleinen Blick in dessen Herz tun lassen. Dieser Gott ist so unbegreiflich herzlich, dass einem fast die Luft wegbleibt. Dieser Gott ist so unbegreiflich großzügig, dass wir darüber nur beschämt sein können. Dieser Gott ist so viel größer als alles, was wir uns nur vorstellen können, und vor allem ist er un-
endlich viel barmherziger, als wir Sünder es verdient haben.
Mit offenen Augen und Armen steht er da. Voller Sehnsucht wartet er auf jeden seiner Söhne, der sich auf den Weg zu ihm macht, egal, wie schmutzig er auch ist.
Da sind wir nun in der Fastenzeit auf dem Wege der Buße und Umkehr. Buße - das klingt erst einmal so bedrohlich, so furchtbar unangenehm. Buße - das bedeutet zuerst einmal, ehrlich bei sich selbst wirklich ohne Ausreden Bilanz zu ziehen. Also aufhören,
sich etwas vorzumachen und sich selber in die Tasche zu lügen. Nein, es ist einfach die schreckliche Wahrheit: Wir haben gesündigt, wir haben diesen liebenden Vater eigentlich bitter im Stich gelassen.
Doch Jesus zeigt uns auch die Schönheit der Buße. Was gibt es denn Schöneres, als sich mit allem, was uns belastet und beschmutzt, in den ausgebreiteten Armen des Vaters wiederfinden zu dürfen? Und wie wunderbar kann es sein, wenn wir an der unbeschreiblichen Freude des Vaters teilhaben dürfen über jeden anderen Sünder, der alle Scham überwunden und sich auf den Weg zu ihm gemacht hat.
Das ganz große Fest soll gerade beginnen – treten wir ein?
Sind wir dabei?
Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)>> BITTE KLICKEN !
Dialogpredigt: „Die beiden Brüder“ (pdf)
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Predigt Pfr. Bodo Windolf
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Predigt P. Dr. Bernhard Sirch
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Predigt Pfr. Ralph Thormählen (pdf)
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Predigt Pfr. Ferdinand Kerstiens (pdf)
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Interessante Bibelsoftware
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Audio-CD und MusicalInzwischen gibt es zum Thema des verlorenen Sohnes auch einige interessante CD’s und Musicals. Dieses hier ist mir besonders aufgefallen: „DER VERLORENE SOHN“ von „Adonia“, einer christlichen Initiative, die nicht nur verschiedene biblische Musicals und anderes in ihrem Shop anbietet, sondern diese auch selbst produziert und als Live-Konzert oder für eigene Aufführungen anbietet.
Dazu werden unter anderem Musical-Workshops angeboten,in denen mit Kindern und Jugendlichen in wenigen Tagen ein Programm einstudiert wird. Für eigene Aufführungen gibt es umfangreiche Materialien im Angebot. Das mir vorliegende Musical finde ich jedenfalls absolut empfehlenswert. Die Texte sind ansprechend, die Musik melodisch sehr eingängig. Die Aufnahme-
qualität ist hervorragend, alle Sprecher und Sänger sind gut zu verstehen, was andernorts nicht immer selbstverständlich ist.
Hier der direkte Link zu diesem Angebot:
Der Chef ganz süß zu seiner neuen Sekretärin: "Haben Sie heute Abend vielleicht etwas Zeit?"Sie errötet: "Aber Herr Huber - ja!"
"Gut, dann werfen Sie zu Hause doch mal einen Blick in dieses Buch. Es heißt DUDEN!"
Wie heißt der berühmteste Kellner Bayerns?
Der Ober Ammergau.
Der Patient hat heftiges Händezittern.
Der Arzt fragt ihn daraufhin: "Sie trinken wohl ziemlich viel, wie?"
"Nein, gar nicht, Herr Doktor. Das meiste verschütte ich."
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