Das Gesetz Mose ist eindeutig, da haben die ehrenwerten Schriftgelehrten absolut recht. Doch ebenso aufschlussreich ist, was da genau steht: „Wenn ein Mann dabei ertappt wird, wie er bei einer verheirateten Frau liegt, dann sollen beide sterben, der Mann, der bei der Frau gelegen hat, und die Frau. Du sollst das Böse aus Israel wegschaffen.“ (Dtn 22,22) - Die Absicht dieses Gebotes für die Israeliten war klar: Da die Ehe immer im Angesicht Gottes geschlossen wird, ist eine eheliche Untreue nicht nur ein schrecklicher Betrug am Ehegatten, sondern auch eine grobe Untreue und Undankbarkeit gegen Gott selbst und sein Gebot. So wollte man das hohe Gut der Ehe und Gottes Ehre durch diese abschreckende, drastische Strafe wirksam schützen.
Warum aber ausgerechnet die Todesart der Steinigung? - Dies war eine Strafe, bei der nicht einer allein das Urteil vollstrecken musste, sondern alle, und zwar die Zeugen und die Ältesten des Dorfes zuerst. Alle waren beteiligt, niemand war allein dafür verantwortlich. Deutlicher konnte auch der Ausstoß aus der Gemeinschaft nicht demonstriert werden. - Um aber in der Praxis sicherzugehen, dass die Steinigung nicht aus irgendwelchen ausgedachten Rache-
gründen geschah, etwa um einen ungeliebten Ehepartner aus dem Weg zu räumen, waren etliche gerichtliche Sperren eingebaut, unter anderem die Aussagen von mindestens zwei Zeugen.
Nun stehen sie also da vor Jesus mit der er-tappten Frau. Ihre Frage steht im Raum: „Nun, was sagst du?“ – Und das Evangelium fügt noch sicherheits-
halber hinzu, damit es auch jeder kapiert: „Mit dieser Frage wollten sie ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn zu verklagen.“
So ist das also. Es geht den Anklägern eigentlich nur am Rande um diese Frau, die das Pech hatte, bei ihrer schändlichen Tat erwischt zu werden. Das wirkliche Ziel ihrer Aktion ist Jesus selbst.
Ihn, ihren Ruhestörer und Konkurrenten um die Sympathie des gläubigen Volkes, wollen sie endlich aus dem Wege räumen.
Das erklärt auch, warum sie Jesus im Tempel sitzend und lehrend aufsuchen. Hier, in seiner Funktion als Lehrer der Gebote Gottes und an heiliger Stätte, genau hier muss er Farbe bekennen. Wie oft haben sie gehört, wie wunderbar er von der Liebe und Barmherzig-
keit Gottes regelrecht geschwärmt hat. Das Gleichnis vom ver-
lorenen Sohn am vergangenen Sonntag erinnert uns ganz aktuell daran. Die Zuhörer Jesu fanden solche Beispiele natürlich immer ganz toll.
Nun aber wollen sie ihn endlich mal festnageln. Wie ist das denn ganz konkret mit deiner Lehre von der Barmherzigkeit? Wie ist das, wenn die große Schuld ganz eindeutig feststeht? Und vor allem: Wie ist das, wenn ein Gebot Gottes, wie es in den Heiligen Schriften steht, nun auch mal mit aller Konsequenz von dir selbst mit unterschrieben werden muss?Man kann sich gut vorstellen, wie schlau sie sich vorgekommen sind mit diesem Schachzug. Jesus kann sich jetzt nicht mehr mit irgend-
welchen Nettigkeiten über einen liebenden Gott herausreden. Das Gesetz sagt eindeutig: Diese Frau muss sterben.
Gibt Jesus dazu nicht seine Zustimmung, dann sitzt er in der Falle. Dann hat er gegen eine ausdrückliche Weisung Gottes verstoßen. Dann haben wir was Handfestes, um ihn beim Hohen Rat zu verklagen. Wenn Jesus aber tatsächlich der Tötung dieser Frau zustimmt, dann wird es im Volk leise um ihn werden. Dann werden sie endlich kapieren, dass auch er nur mit Wasser kocht. Dann ist Schluss mit seinen Sprüchen über Barmherzigkeit. Dann ist sein Ruf ruiniert. - Wirklich, eine geniale Falle, eine echte Zwickmühle, ein garantiertes Schachmatt!
Natürlich hat Jesus ihr böses Spiel sofort durchschaut. Sie präsen-
tieren ihm einen eindeutigen Fall. Wenn er jetzt fragen würde, wo sie denn wohl den Liebhaber versteckt haben, käme das gar nicht gut an. Ebenso dürfte es auf wenig Gegenliebe stoßen, wenn er nähere Einzelheiten über die genauen Umstände und die Beobachtungs-
gabe der Zeugen erfragen würde. Sollte er es gar wagen, die Frage zu stellen, wie es bei dieser Ehefrau eigentlich dazu kommen konnte und ob vielleicht ihre Ehe unglücklich war und ihren Ehemann etwa durch Lieblosigkeit auch eine Mitschuld träfe – das gäbe an Ort und Stelle einen Aufruhr gegen ihn!
Es ist jetzt still um Jesus, so still, dass man die sprich-wörtliche Steck-
nadel fallen hören könnte. Die Ankläger warten. Die Sekunden vergehen. - Da geschieht etwas völlig Unerwartetes. Der sitzende Jesus bückt sich und schreibt mit dem Finger auf die Erde. Sicher schauen die Umstehenden staunend hin. Was macht er denn da?
Was schreibt er nur? – Wir heute werden es leider nie erfahren, denn das Evangelium hüllt sich darüber in Schweigen. Bibelwissenschaftler spekulieren darüber, ob er vielleicht den so schriftkundigen Anklägern einen Vers des Propheten Jeremia (17,13) hingeschrieben hat, wo dieser den heuchlerischen Führern Israels verkündet, dass alle, die sich von Gott abwenden, in den Staub geschrieben werden.
Die Reaktion Jesu ist jedenfalls genial. Er hat den hinterhältigen Anklägern keine Munition für weitere Aggressionen geliefert. Indem er gar nichts sagt, bringt er sie erst einmal aus der Fassung, denn damit haben sie nicht gerechnet. Unsere ganz modernen Psychologen und Streitschlichter haben da ihr großes Vorbild, wie man den Lawineneffekt einer Aggression erst einmal bremsen kann.
Die Ankläger schlucken erst mal. Sie müssen eine Pause einlegen. Sie müssen sich neu sortieren.
Doch es hätte auch uns gewundert, wenn sie ihren großangelegten Angriff so schnell abblasen würden. Sie wollen ihn zu fassen kriegen, und zwar heute, das ist klar. Das Evangelium verrät uns, wie es weitergeht: „Als sie hartnäckig weiterfragten, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie. Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde.“
Sie verhalten sich wie ein Raubtier, das sich in sein Opfer verbissen hat. Sie lassen nicht locker. Er muss heute Farbe bekennen, so oder so. Heute ist unser großer Tag. - So denken sie, doch bald folgt die Ernüchterung: Jesus steht von seinem Platz auf. Aug in Auge steht er ihnen gegenüber. Und dann bestätigt er zu ihrer Überraschung die Richtigkeit der Regelung des Mose. Ja, das ist gerecht, wenn eine solche Sünde so hart wie möglich bestraft wird. Ja, das Gesetz gilt!
Einen faulen Apfel darf man auch nicht in der Kiste bei den anderen belassen, sonst werden im Nu die anderen mit ange-steckt. Die Sünde wird sich rasant ausbreiten, wenn man das Böse einfach gewähren lässt. Das Böse muss also durch geeignete Maßnahmen bekämpft werden. Gott lässt seiner auf Dauer nicht spotten.
Jesu Zuhörer kommen aber nicht dazu, sich jetzt die Hände zu reiben. Die Sünde wird zwar bestraft, sagt Jesus, aber die Frage ist doch, wer eigentlich das Recht dazu hat. Bestrafen kann doch wohl nur der, der selber keinen Dreck am Stecken hat. Ein Urteil kann sich doch wohl nur der erlauben, der selber absolut gut und ohne Sünde ist. „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster…“ – Jetzt sind die Saubermänner vollends irritiert. In der Masse sind sie stark.
Da kann sich jeder wunderbar in der Meute verstecken. Niemand ist persönlich so leicht zur Verantwortung zu ziehen. Jeder hat ja angeblich nur mitgemacht. So funktioniert das bis heute, z.B. bei Gewaltakten von hasserfüllten Gruppen.
Was Jesus jetzt macht, das lehren heute endlich auch die Psycho-
logen: Die anonyme Menge muss aufgeweicht werden, auch die anonyme Menge von schweigenen Zuschauern, die bei Gewalt nicht schützend eingreifen, sondern nur glotzen. Du musst die Einzelnen in die Verantwortung nehmen: Du da, hilf mir! Du da, du bist später Rechenschaft schuldig!
So, sagt Jesus, dann bitte jetzt mal zum Steinewerfen vortreten, wer selber ohne Sünde ist. – Und dann verschafft er allen die nötige Zeit, um die eigenen Gedanken neu zu ordnen. Wieder schreibt Jesus mit dem Finger auf die Erde, schweigt aber auch wieder dabei. - Das muss man schon zur Ehrenrettung der Angreifer Jesu sagen: Ganz offensichtlich haben sie alle jetzt gründlich nachge-dacht. Es ist, als habe Jesus sie aus einem Traum wachgerüttelt. Nein, unschuldig bin ich nun wirklich nicht, weiß Gott nicht. Wenn es danach ginge, wie oft hätte mich selbst die Strafe Gottes treffen müssen, hart wie ein geworfener Stein. Aber es hat mich nicht getroffen. Vielleicht habe ich nur Glück gehabt. Zumindest bis jetzt.
Nein, diese Verantwortung, diese Frau zu steinigen, kann ich mir nicht auf den Buckel laden. Das soll dann doch lieber ein anderer machen.
Sie sind wach geworden, wach der eigenen Schuld gegenüber. Manche schlucken sicher gerade. Puh, das war knapp! Was hätte ich da beinahe getan? Mit schamrotem Gesicht treten sie ab, und dabei machen die Ältesten, also die Hauptverantwortlichen, immerhin den erfreulichen Anfang. Im Evangelium steht: „Als sie seine Antwort gehört hatten…“ – Dabei heißt es im Original noch viel schöner:
„Die Hörenden gingen fort…“
In diesem Augenblick sind sie Hörende, sind sie wirkliche Hörer des Wortes Gottes, und nicht ungebetene und unbefugte Richter.
Zum Schluss sind tatsächlich alle von der Bildfläche verschwunden. Jesus ist noch da, und die namenlose Frau steht noch wie angewurzelt an ihrem Platz in der Mitte. Wahrscheinlich kann sie noch gar nicht fassen, was da jetzt gerade passiert ist. Sie steht da wie unter Schock. Jesus spricht sie vorsichtig und mit viel Feingefühl an, um ihr die Sprache wieder zurückzugeben: „Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt?“
Damit hilft er der verdatterten Frau, ihren Augen zu trauen. Nein, das ist kein Traum. Sie sind wirklich weg, und ich lebe immer noch! - Endlich ist sie in der Lage, diese Wirklichkeit für sich wahrzu-
nehmen. Langsam findet sie Worte, kann auf die Frage Jesu antworten: „Keiner, Herr.“ -
Und dann der Schluss-Akkord Jesu: „Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!“
Nein, Jesus redet ihre große Schuld nicht klein. Da wird von ihm nichts beschönigt oder unter den Teppich gekehrt. Doch Jesus will nicht Leben vernichten, sondern er will Leben retten, und das hat er auch hier gemacht. Er verurteilt sie nicht, er lässt Gnade vor Recht ergehen, er schenkt ihr einen neuen Anfang, ein ganz neues Leben, neue Hoffnung, neues Glück.Da gibt es bei ihm auch nichts Kleingedrucktes. Nein, das steht da ganz fett in Großbuchstaben: „Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!“ - Eigentlich hast du den Tod verdient, doch ich bin dein Retter, ich schenke dir das Leben. Nutze diese einmalige Chance, aber nutze sie gut!
Spätestens jetzt haben wir gemerkt: Da bin ja auch ich mitgemeint! Auch bei mir will Gott der Retter sein. Aber auch bei meinen Mitchristen, bei meinen Mitmenschen will er neues Leben schenken. Bei uns allen gibt es diese mehr oder weniger tiefschwarzen Stellen, die wir so gerne verbergen wollen. Wir alle können wie diese Ehe- brecherin sein, wenn wir die Treue zu Gott und seinen Geboten brechen.
Fragen wir uns auch kritisch, was wir selbst für den Umgang mit anderen gelernt haben. Spielen auch wir uns zu Zeugen und Richtern auf, wenn es gilt, andere zu erwischen, vorzuführen und zu verurteilen?
Wie sind wir Menschen gegenüber, die bekanntermaßen schuldig geworden sind – wollen wir sie steinigen oder schenken wir ihnen eine neue Chance?
Das sollten wir uns ganz dick hinter die Ohren und in die Herzen schreiben: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“ (Mt 5,45b)
Predigtgedanken Prof. Dr. Dr. Klaus Müller>> BITTE KLICKEN !
Predigt Pfr. Jörg Gindrowski (pdf)
>> BITTE KLICKEN !
Prof. Dr. Klaus Berger: „Ein Neuanfang…“ (aus „DIE TAGESPOST“)
>> BITTE KLICKEN !
Liturgische Bausteine zum MISEREOR-Sonntag (pdf)
>> BITTE KLICKEN !
Der Alltag: Kondomproben u.a. für deutsche Schüler (pdf)
>> BITTE KLICKEN !
„Chef, darf ich heute zwei Stunden früher Schluss machen?Meine Frau will mit mir einkaufen gehen."
Der Chef grimmig: „Das kommt gar nicht in Frage."
„Vielen Dank, Chef, ich wusste, Sie würden mich nicht im Stich lassen!“
Ein Ehepaar, welches mittlerweile 15 Jahre miteinander verheiratet ist, geht zu einem Eheberater, weil es schwerwiegende Probleme in ihrer Beziehung hat. Der Eheberater fragt beide nach ihren Problemen. Sofort beginnt die Frau mit einer Tragödie von Anklagen. Sie führt jedes einzelne Problem auf, welches diese 15-jährige Ehe belastet. Plötzlich steht der Eheberater auf, umarmt die Frau und küsst sie leidenschaftlich. Die Frau ist auf einmal still und total verdutzt. Der Eheberater schaut den Mann an und meint: „Das ist alles, was Ihre Frau benötigt, und zwar mindestens dreimal die Woche, können Sie dafür sorgen?“ Der Ehemann stutzt, denkt nach, strahlt und erwidert: „Ja, das lässt sich arrangieren! Ich könnte sie montags, mittwochs und donnerstags zu Ihnen bringen, aber freitags spiele ich Golf!"

Zurück zur Hauptseite? >> BITTE KLICKEN !

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Zur Zeit keine Kommentare möglich.
Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.