25.05.2010

Dreifaltigkeitssonntag C - 30.5.2010

(Fortsetzung)


Nicht nur, dass man sich angesichts der Größe der Aufgabe leicht wie ein Nicht-
schwimmer vorkommt, der anderen das Schwimmen beibringen soll. Nein, nicht genug damit. Außerdem bekommt man auch nur wenige Minuten Zeit dazu. Da muss man sich beschränken, ob man will oder nicht.
Schauen wir doch einfach auf das heutige Evangelium und dessen Kern- Aussagen. Zuerst einmal ist an dieser Stelle die Dreifaltigkeit Gottes klar angesprochen: Jesus spricht hier nicht nur über sich selbst, sondern ausdrücklich auch vom Heiligen Geist, dem Geist der Wahrheit, und auch vom Vater. Die Erkenntnis, dass Gott ein dreifaltiger Gott ist, baut also eindeutig auf der Bibel selbst auf und ist kein Produkt übereifriger Theologen, die Gott mal erklären wollen, wie er denn eigentlich ist.
Jesus weiß aber sehr wohl um die Begrenztheit unserer Erkenntnis. Im heutigen Evangelium formuliert er das an seine Jünger gerichtet so: „Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen.“
Ohne die tatkräftige Mithilfe des Heiligen Geistes sind wir häufig nicht geistesgegenwärtig genug, um in die Wahrheit Gottes einzutreten. Es ist also nicht etwa so, als hätte Jesus in seinen vielen Be-
lehrungen an die Jünger absichtlich
etwas Wichtiges weggelassen. Ohne das Zutun des Heiligen Geistes können wir das Wort Gottes oft einfach nicht in seiner ganzen Tiefe und Tragweite erfassen. Für uns heute kann man dies viel-
leicht noch mit einem angeschafften hoch-
modernen technischen Gerät vergleichen, bei dem uns die Bedienungsanleitung fehlt. Das Gerät funktioniert sicher prima, aber wir bekommen die Feinheiten in der Nutzung dann einfach nicht heraus. Bei einem Foto-Apparat etwa werden manche Bilder dann eben verschwommen oder unterbelichtet.
Jesus jedenfalls verspricht den Seinen, dass der Heilige Geist als jener kommen wird, der in die ganze Wahrheit einführen wird. Jesus sagt hier aber nicht nur, was der Heilige Geist tut, sondern auch, wie er das tut. Nicht auf eigene Faust wird er wirksam, sondern er ver-
kündet und vertieft, was dem Vater und dem Sohn für uns wichtig ist.
Jesus formuliert dies hier so: „Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch ver-
künden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.“

Aus diesem Jesus-Wort erfahren die Jünger damals und wir heute aber nicht nur die Zusage der Hilfe des Heiligen Geistes. Wir erfahren auch etwas über die Dreifaltigkeit selbst. Allein schon aus diesen wenigen Worten Jesu spüren wir die einzigartige Harmonie: Vater, Sohn und Heiliger Geist – sie alle sind so eng miteinander verbunden, dass da kein „mein“ und „dein“ ersichtlich ist. Die göttlichen drei Personen sind in solch einer unfassbaren Innigkeit einander zugewandt, dass einem zuerst einmal der dafür natürlich viel zu schwache Begriff „ein Herz und eine Seele“ einfällt.
Dieser Gott ist gewissermaßen die Liebe in Person. Nicht unsere menschliche Liebe mit ihren Unvollkommenheiten, sondern eine göttliche Liebe, die es eben nur dort so ganz perfekt gibt, ganz unverdünnt, pure Liebe.
Dieser Gott ist wirklich Beziehung in Person. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind so sehr aufeinander bezogen, dass keiner auch nur eine Sekunde ohne den anderen sein kann oder sein will.
Obwohl sie verschieden sind, sind sie doch so sehr eins, dass es fast vergleichbar ist wie mit Quelle, Bach und Fluss. Wo genau hört die Quelle auf und beginnt der Bach,
wo genau wird aus dem Bach ein Fluss? Wir versuchen dies zwar mit Wörtern zu unterscheiden, aber es bleibt letztlich in der Wirklichkeit sehr unvollkommen.
Dieser Gott, der so unvorstellbar groß ist, der alles in seiner Liebe erschaffen hat und in seiner Güte weiter erhält, dieser Gott wird am heutigen Festtag noch einmal von uns gefeiert. In vielen Zeichen werden wir zwar immer wieder an die Dreifaltigkeit erinnert, z.B. schon im Kreuzzeichen, das wir häufig machen, aber es ist gut, dass es dieses Fest gibt.
In unserer oft so unruhigen und verwirrten Alltagswelt kann das auch bei Christen leicht vergessen werden: Gott ist viel, viel größer, als uns Menschen bewusst ist. Er ist aber nicht nur so gewaltig groß und mächtig, sondern er ist auch so gewaltig liebende Beziehung. Und dieser Gott hat uns nicht erschaffen, um uns anschließend hilf- und ziellos uns selbst zu überlassen. Wir haben die Zusage gerade wieder im heutigen Evangelium gehört: die Nachfolger Jesu werden in die Wahrheit geführt!
Da mag vielleicht der eine oder andere von uns denken: Das wird ja schon so sein, aber ich selbst habe davon bisher so wenig gespürt! Wo wirkt er denn an mir, der Heilige Geist? Wie und wann kommt er denn und verkündet mir die versprochene Wahrheit?
In aller gebotenen Kürze dazu zum Schluss nur so viel: Es gibt da eine bekannte kleine Geschichte von zwei jüdischen Rabbinern, die sich darüber unterhalten, wo Gott denn auf Erden zu finden ist. Während der eine auf die Schön-
heiten der Schöpfung verweist und daran erkennt, dass die Welt voll von Gottes realer Anwesenheit ist, bringt der andere es auf den Punkt: „Gott ist da, wo man ihn einlässt!“
Wir wissen ja: Dadurch, dass wir uns in eine Garage stellen, werden wir noch lange kein Auto. Das heißt übersetzt: Geben wir Gottes Geist auch eine echte Chance, an uns und in uns wirken zu können. Vielleicht räumen wir dazu einiges an Gerümpel weg und machen die Herzenstür ganz weit auf. Und dann dürfen wir uns überraschen lassen!

Prof. Dr. Medard Kehl SJ: „Dreifaltigkeitssonntag“ (A /pdf)
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Katechese der Karl-Leisner-Jugend
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Anregung / Unterrichtsmodell „Dreifaltigkeit“ (pdf)
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Meine Predigtgedanken dazu aus 2009
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Meine Predigtgedanken dazu aus 2008
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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„Voices of God“ – KlangGesänge der Benediktiner Stift St. Paul
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Ein Beispiel von “geistesgegenwärtig”: Schulbusfahrer rettet…
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Gerichtsurteil: WLAN-Verschlüsselung ist Pflicht
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„Je näher wir Gott sind, um so karger werden unsere Worte. Wo wir viele Worte machen, statt anzubeten, statt zu verehren, statt voll Ehrfurcht auf die Knie zu sinken: Da sind wir von Gott noch weit.
Je näher wir Gott sind, um so stiller wird es. Und beginnt das Schweigen, dann hört auch das Fragen auf: Dann sind wir bei Gott.“

Dionysius Areopagita (um 550 n. Chr.)


Unbegabte Beter…
Auf einer kleinen Insel irgendwo im Meer lebten drei fromme alte Männer. Manchmal kamen Leute, um von ihnen Rat zu erbitten oder einfach aus Neugier. So kam eines Tages auch der zuständige Bischof mit einem Schiff angereist, um sich selbst ein Bild über diese seltsamen Gläubigen zu machen. Er staunte nicht schlecht, als beim Anlegen drei ärmlich aussehende Gestalten zum Strand kamen und ehrfürchtig vor dem hohen Besuch niederknieten. Gerne folgte der Bischof der Einladung in ihre Hütte. Dort boten sie ihm an, was sie hatten: ein selbstgebackenes Brot und frisches Wasser aus einer nahen Quelle.
Bald kam der Bischof zur Sache: „Man sagt von euch, dass ihr sehr fromm seid. Könnt ihr mir davon erzählen?" - Die drei sahen sich ziemlich ratlos an, doch schließ-
lich sagte der eine zögernd: „Das ist nichts Besonderes. Wir freuen uns an Gott, wenn die Sonne scheint und wenn der Regen fällt. Wir freuen uns an ihm am hell-
lichten Tag und wir freuen uns über ihn, wenn es rundherum stockdunkel ist."
Da ergänzte der zweite zustimmend: „Ja, und wir freuen uns an Gott, wenn das Korn wächst und wenn die Äpfel reifen, und wir sind dankbar über die Quelle, die nicht aufhört, uns Wasser zu spenden."
Der dritte Alte fügte schließlich hinzu: „Ja, viel Freude haben wir an ihm. Und wenn wir beisammen sitzen, singen und beten, und wenn wir nachher gemeinsam essen und trinken..."
Da fiel ihm der Bischof ins Wort: „Ja, genau das interessiert mich. Welches Gebet sprecht ihr denn?“ - "Wir beten gemeinsam," ant-
worteten sie, und nach einer kurzen Pause sprachen sie langsam und ganz ehrfürchtig ihr Gebet: „Wir sind drei - ihr seid drei - macht uns frei!" –
Mit fassungslosem Staunen fragte der Bischof zurück: "Wie? Ist das alles? Sonst nichts?" – Die drei Männer nickten nur schweigend und etwas verschämt.
Man kann sich gut vorstellen, wie bestürzt der Bischof über ein solches Maß an Unwissenheit, ja fast schon Einfältigkeit war. So kann man doch nicht zu Gott beten, zur Heiligsten Dreifaltigkeit! - Das konnte er als verantwortungsbewusster Bischof und Theologe natürlich nicht auf sich beruhen lassen. So versuchte er ihnen auf möglichst verständliche Weise das Geheimnis der göttlichen Dreifaltigkeit nahe zu bringen. Doch es schien ihm, als hörten sie ihm zwar aufmerksam zu, konnten aber doch mit seinen gelehrten Sätzen nichts anfangen.
Schon ganz verzweifelt fiel ihm schließlich ein, dass es schon ein gewisser Fortschritt wäre, wenn die drei wenigstens ein richtiges Gebet aufsagen könnten. Und so fing er an, ihnen das Vaterunser eine halbe Stunde lang Wort für Wort vorzusagen. Die drei Alten waren mit Feuereifer dabei und murmelten den Text immer wieder vor sich hin. Der Bischof war jedenfalls froh, diesen offenbar reichlich schlichten Gemütern endlich ein kleines Stück vom wahren Glauben beigebracht zu haben und verabschiedete sich, als er den Eindruck hatte, dass sie das Vaterunser wirklich aufsagen konnten.
Eine Stunde später war er mit seinem Schiff schon eine ganze Seemeile vom Ufer entfernt und erholte sich von dieser an-
strengenden Unterweisung.
Plötzlich traute er seinen Augen und Ohren nicht: Drei Gestalten kamen da tatsächlich heftig winkend und rufend hinter dem Schiff her, Hand in Hand über das Wasser laufend. Als sie nahe genug waren, riefen die Alten etwas atemlos: „Herr, Herr, entschuldige bitte, aber wir haben es vergessen! Wie geht es weiter nach 'Geheiligt werde Dein Name'? Bitte belehrt uns noch ein einziges Mal darüber!"
Dem Bischof standen die Tränen in den Augen, als er ihnen ant-
wortete: „Betet nur weiter so, wie ihr es immer getan habt! Wie ich sehen durfte, hat Gott große Freude an euch!“ - Die drei waren zwar etwas verwundert, verbeugten sich dann aber höflich und gingen beruhigt über die Wellen wieder zurück zu ihrer Insel.
- Quelle mir leider nicht bekannt -

„Ihre Heilung haben Sie dem Herrgott und Ihrer robusten Natur zu verdanken", klärt der Arzt den alten Bauern auf. „Gut, dass Sie das sagen, Herr Doktor. Ich hoffe, Sie berücksichtigen das auch bei Ihrer Rechnung", erwidert schmunzelnd der Patient.

Ein schwäbisches Ehepaar wandert durch die Alpen und fällt in eine Gletscherspalte. Am nächsten Tag hören sie eine Stimme von oben rufen: „Hallo, hier ist das Rote Kreuz!"
Darauf ruft der Schwabe zurück: „Mir gäbet nix!"

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