01.06.2010

10. Sonntag im Jahreskreis C - 06.06.2010

(Fortsetzung)

Äußerlich ist sie zwar noch lebendig, aber innerlich ist sie auch ganz tot, so tief sitzt der Schmerz. Nur mühsam kann sie von Nachbarinnen gestützt dem Leichenzug folgen, ihre Beine scheinen ihren Dienst zu versagen. Immer wieder kommen Gedanken in ihr hoch von früheren Tagen. Üppig war es nie bei ihnen. Ihr Sohn sollte es aber einmal besser haben, und so hat sie sich für ihn aufgeopfert, sich immer wieder vom Munde abgespart, was nur eben möglich war.
Und nun ist alles aus. Der Tod hat ruckzuck und einfach so einen dicken Strich durch ihr Leben gemacht. Da spielt es jetzt für sie auch keine Rolle, dass es im Grunde nicht der Tod ist, der sie selbst zum lebenden Leichnam gemacht hat, sondern eigentlich die ungerechten und skandalösen Spielregeln dieser Gesellschaft, die einen einfach fallen lässt.
Im Evangelium heißt es nun:
„Als der Herr die Frau sah, hatte er Mitleid mit ihr…“ - das klingt ein wenig wie „herzliches Beileid“, wie ein kurzes achselzuckendes Bedauern, dass diese Frau nun den Rest ihres traurigen Lebens Tag für Tag um ein bisschen Wasser und Brot betteln muss.
Diese Sorte von Mitleid, die einen nichts kostet, ist jedoch nicht gemeint. Wenn wir diese Stelle etwas wörtlicher übersetzen, dann heißt es, dass Jesus vom Erbarmen „überwältigt“ wurde, oder anders ausgedrückt, bis in seine „Eingeweide“ tief getroffen war. Heute könnte man sagen: Das Drama dieser Frau ging Jesus so richtig unter die Haut und an die Nieren!

Dieses Mitleid bleibt nicht folgenlos. Kaum hat Jesus das Leid dieser Mutter wahrgenommen, unternimmt er etwas. Er geht auf sie zu, ohne dass sie seine Hilfe ausdrücklich erbeten hat. Nicht nur ein Hilferuf, der aus dem Mund kommt, zählt für Jesus, sondern auch der Hilferuf direkt aus der Seele. Seine Worte an sie sind kurz und eindringlich: „Weine nicht!“ - Mehr sagt er nicht. Er verliert keine Zeit, sondern geht sofort zur Bahre.
Dieses „Weine nicht!“ hat eine besondere Qualität. Es ist eine Kurzform, eine Abkürzung. Dieses „Weine nicht!“ könnte ein Untertitel des ganzen Evange-
liums sein.
Es wirkt wie ein ganz großes STOPP-Schild. Halte an! Lass dich und dein so sehr einge-
schliffenes Verhaltensmuster aufschrecken, aufwecken!
Der liebende Gott steht auf deiner Seite, auf der Seite der Leidenden und so schlimm Benachteiligten. Und jetzt ist für dich der Zeitpunkt gekommen, wo du das leibhaftig erfahren wirst. Deine heile Welt kann zwar von einem Tag zum anderen kaputt gemacht werden, das ist wahr. Doch das ist nicht das, was Gott will.
Diesem Pilgerzug des Todes setzt Gott in der Person Jesu den Pilgerzug des Lebens entgegen. Dieser Gott ist nämlich kein Gott, der lieber wegschaut vor den Todeszügen dieser Welt. Dieser Gott ist vielmehr ein Gott, der dein Glück will und der liebend gerne dafür handgreiflich wird. Und das zeigt er in dem Beispiel, das Lukas hier erzählt.
Nachdem Jesus die leidende Mutter angesprochen hat, schreitet er zur Tat. Er geht schnurstracks zur Bahre und fasst sie an. Die To-
tenträger müssen stehenbleiben. Alle Augen sind jetzt auf Jesus gerichtet. Der fasst sich auch hier kurz: „Ich befehle dir, junger Mann: Steh auf! Da richtete sich der Tote auf und begann zu sprechen und Jesus gab ihn seiner Mutter zurück.“ - Nicht genug damit, dass Jesus diesem jungen Menschen das Leben zurückgibt, das schon verloren war; nein, Jesus setzt ein zweites Zeichen, indem er ihn ausdrücklich seiner Mutter zurückbringt.
Das ist ein ganz starkes Signal: Nicht nur der Tod wird demonstrativ besiegt, sondern Jesus will ausdrücklich, dass diese Frau von ihrem Leid befreit glücklich und ohne materielle Not weiterleben kann.
Der junge Mann spielt da nur die Nebenrolle, denn hauptsächlich hat Jesus mit seinem Machtwort, mit seinem Befehlswort, das weitere Leben dieser armen Frau im Blick. Spielend leicht, einfach per Anordnung, verweist Jesus hier den Tod vom Platz und schenkt einem Menschen ein weiteres Leben in Würde.

Na gut, mag man da denken, diese Frau hat da durch einen glück-
lichen Zufall, durch das Zusammentreffen mit Jesus, endlich auch mal das längst verdiente Stück vom Glückskuchen abbekommen.
Es sei ihr von Herzen gegönnt! - Die Totengräber können die Grube wieder zuwerfen, und die Augenzeugen dieser Tat preisen Gott und sorgen für die Verbreitung dieses religiösen Erlebnisses. Doch letztlich muss man der Tatsache ins Auge sehen, dass nach wie vor überall gestorben wird, oft genug leider viel zu früh, und zwar auch im verschlafenen Städtchen Nain. Und selbstverständlich wird auch jener junge Mann eines Tages gestorben sein, hoffentlich erst nach seiner Mutter.
Doch das heutige Evangelium ist weit mehr als nur die freudige Kunde von einem wunderbaren Ereignis, von einem happy-end im Einzelfall. Ginge es nur darum, wäre das alles nicht aufgeschrieben worden, denn dann wäre es nur ein nettes Geschichtchen zum Staunen. Nein, diese Totenerweckung und die ganze Art, wie sie hier abläuft, betrifft uns alle unmittelbar, die wir uns Christen nennen.
Wir alle hören hier eine klare Ansage. Das Kommando Jesu heißt „Leben“, oder genauer: Lass leben, ermögliche Leben! - Es ist durchaus bekannt, dass wir als Christen nicht die Macht haben, schnell mal am Sarg zu rütteln, um mit einem klaren Befehlswort
für Totenerweckungen zu sorgen. Das hat sich herumgesprochen. Es wäre aber gut, wenn sich auch herumsprechen würde, dass wir unserem Herrn und Meister auf andere Art und Weise folgen können.
Nicht nur aus dem heutigen Evange-
lium wissen wir, dass Gott mit weitem Abstand der größte Freund des Lebens ist. Immer wieder wird es sie geben, diese schrecklichen persönlichen Katastrophen, grausame Schicksalsschläge, seelische Erdbeben.
Hier und heute hat Jesus es noch einmal ganz anschaulich klar-
gestellt: Gott will nicht, dass Menschen so verzweifelt sind, so in Trauer, Hilflosigkeit und Elend fast schon wie tot sind und doch irgendwie armselig weiterleben müssen. Diese Mutter dient uns da allen als eindeutiges Beispiel. „Weine nicht!“ – Das ruft Jesus nicht nur dieser verzweifelten Mutter zu. Alle sollen dieses Befehlswort Jesu hören. Überall gibt es sie, diese hoffnungslosen Menschen, für die alles Glück für immer verloren zu sein scheint. Überall gibt es sie, die annehmen: „Ich kann einfach nicht mehr. Ich bin am Ende meiner Kraft. Ich bin wie tot. Mein Leben hat keinen Sinn mehr.“
Jesus, unser Herr, ruft denen zu, die ihm folgen wollen: Macht alle die Augen auf! Schaut nicht weg! Steht den Trauernden bei, schenkt ihnen neue Hoffnung. - Manchmal genügt da schon das rechte Wort zur rechten Zeit, um dem Einfluss des Todes ein Schnippchen zu schlagen!

Predigt Pfr. Dr. Jörg Sieger
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Auslegung von Prof. Dr. Ludwig Volz
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Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Predigt Diakon Josef Lengauer
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Predigt Pfr. Dr. Robert Nandkisore (pdf)
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Predigt Pater Guido Kreppold, OFMCap.
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online-Kurs rund um den Pfarrbrief
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Aktuelle Materialien aus dem Deutschen Liturgischen Institut
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Abriss der Deutschen Grammatik – 20 S. (pdf)
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Warum steht ein Ostfriese am Hamburger Hafen und wirft Steine ins Wasser? - Weil da ein Schild steht: ,, Deutsche Werft" --- Und warum laufen die Ostfriesen vor Weihnachten ohne Gebiss rum? Weil die Frauen es zum Plätzchen ausstechen brauchen!

„Sie bekommen entweder fünf Tage Strafdienst in einer gemeinnützigen Einrichtung, 400 Euro oder zehn Tage Gefängnis", stellt der Richter dem Angeklagten zur Auswahl. "Wenn Sie mich schon so fragen, Herr Richter, dann nehme ich natürlich das Geld!"

Wie nennt man einen Mann, der 90 Prozent seines Denkvermögens verloren hat? - Witwer.


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