29.06.2011

14. Sonntag im Jahreskreis A - 3.7.2011

(Fortsetzung)

Sie klebten an den Paragraphen, an den vielen Worten wie die Stubenfliegen an einem Leimring. Aus ihrer Selbst-
gerechtigkeit kamen diese Klugen einfach nicht mehr heraus. Sie waren Gefangene im Käfig ihres Denkens.
Klar, sie bewunderten Jesus. Aber sie waren schlau genug,
sich bloß nicht mit Haut und Haaren auf ihn einzulassen.
Das rechnete sich nämlich nicht für den eigenen Nutzen, wie man zum Beispiel gerade jetzt an Johannes dem Täufer sehen konnte. Ins Gefängnis haben sie ihn geworfen, den Bußprediger. Da wartet er jetzt auf seine Hinrichtung. - Nein, die ganze Geschichte mit diesem Jesus war ihnen nicht geheuer. Der Preis, das Risiko der Nachfolge war einfach zu hoch. Nein, danke, lieber Jesus, wir haben keinen Bedarf…!
Wenn Jesus im heutigen Evangelium seinen Vater im Himmel preist, lobt er ihn gewiss nicht wegen seines eigenen geringen Erfolges in den vorigen Städten. Er lobt ihn, weil er ihm ganz und gar vertraut. Trotz aller Enttäuschung will er in dieser Lobrede seinem Vater sagen, dass er dessen Art und Weise, wie dieser handelt, uneingeschränkt und gehorsam unterstützt.
Klar, es wäre ihm wohl lieber gewesen, wenn die Pharisäer, Lehrer, Priester und alle anderen Klugen ihm gefolgt wären. Misserfolg tut weh, das ging Jesus nicht anders als uns hier und heute. Aber Jesus weiß: So wie es der Vater lenkt, so ist es gut.
Nicht den Klugen, sondern den Unmün-
digen offenbart sich
also der Wille Gottes. Die Klugen sind einfach zu beschäftigt mit ihrer eigenen kleinen Welt, da stört Gott im Grunde oft doch nur. - Und selbst wenn diese frommen Kraftprotze jeden Tag in die Kirche rennen – so lange es ihnen eigentlich nur um sich selber geht, bleiben sie doch nur fromme Heiden. Es war wohl Albert Einstein, der das handfest und anschaulich so ausdrückte: „Sie können jeden Tag in die Garage rennen. Sie werden trotzdem kein Auto!“ - Diesen Schlaumeiern ist immer noch kein Stein vom Herzen gefallen. Im Gegenteil: er liegt noch fest darauf!
Aber wer sind hier die „Unmündigen“? - Kinder sind unmündig; sie sind vor dem Gesetz noch nicht geschäftsfähig. Wir wissen, wie sehr Jesus die Kinder in sein Herz geschlossen hatte. Sie sind klein, und sie sind schwach. Sie können noch nicht selbst entscheiden. Kinder sind eben unmündig. Eigentlich sind sie allein noch gar nicht lebensfähig. Aber merkwürdigerweise ist gerade das auch ihr größter Vorteil. Jesus sagt ja an anderer Stelle: „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen.“ (Mt 18,3)
Was zeichnet die Kinder eigentlich aus in den Augen Jesu? Was haben sie, was Erwachense oft genug nicht (mehr) haben? Jeder von uns, der eigene Kinder hat, weiß das natürlich sofort: Kinder leben noch nicht nach dem geheimen Motto der Erwachsenen:
Ich bin das, was ich leiste!
Ich bin nur gut, wenn ich möglichst viel Geld und Erfolg habe! Erwachsene definieren sich schnell über das, was sie können und über das, was andere von ihnen denken.
Deshalb sind Erwachsene auch berechnend. Bei fast allem, was wir tun, haben wir so einen kleinen Mann im Ohr, der uns ständig zuflüstert: „Bringt dir das denn was?“ – Oder er sagt: „Was werden denn die Nachbarn oder Freunde oder Arbeitskollegen darüber denken?“
Dieser kleine Mann im Ohr bremst uns Erwachsene ganz schön aus. Kinder sind da anders. Sie sind spontan. Wenn ihnen etwas gefällt, dann wollen sie das auch haben oder tun. Sie fragen erst einmal nicht danach, ob es auch einen Haken an einer Sache geben könnte. Kinder sind auch offen und ehrlich, manchmal bis hin zur Peinlichkeit, wenn sie etwas aufgeschnappt haben und bei der nächsten wirklich unpassenden Gelegenheit ihren Spruch vom Stapel lassen. Eltern möchten da manchmal im Erdboden versinken…
Wenn Jesus die Kinder so liebt, meint er aber keine Peinlich-
keiten. Die Grundhaltung der unmündigen Kinder ist einfach sehr hilfreich, um in den Himmel zu kommen. Kinder sind einfach offen für Neues. Sie haben noch nicht alles in Schubladen einsortiert. Sie lassen sich noch etwas sagen. Das liegt auch daran, dass sie enorm viel Vertrauen haben, und das ist ihre größte Stärke. Sie wissen aus Erfahrung: Ja, meine Eltern meinen es gut mit mir. Sie lieben mich. Wenn sie mir etwas sagen oder mich mit etwas beauftragen, dann kann ich mich auf meine Eltern verlassen. Ich weiß als Kind zwar oft nicht, wozu dieses oder jenes gut sein soll, aber ich mache es dann doch im Vertrauen auf meine Eltern oder Lehrer …
Ja, so ist das auch mit den Unmündigen, denen Gott sich offenbart.
Sie sind offen für alles. Sie können nicht mit ihrer Leistung protzen. Sie sind schwach und wissen das auch.
Aber gerade diese Schwäche ist ihre Stärke! Es gibt keine Berge von Geld oder Erfolg oder Ansehen, die ihnen die Sicht auf Jesus versperren; sie wissen, dass ihr Glück nicht von ihnen selbst und ihrer Leistung abhängt. Fast alles ist ihnen Geschenk! Das Leben hat sie demütig werden lassen und bescheiden.
Sie brauchen sich nicht ständig vor anderen ins rechte Licht zu rücken. Kinder müssen nicht sich selbst reden hören, sondern sie sind ganz Ohr, weil sie dazulernen wollen. Sie und die wirklichen Nachfolger Jesu wissen, dass sie jeden Tag noch eine Menge lernen können.
Gelegenheit, etwas zu lernen, bekommen wir im heutigen Evangelium auch prompt. Im zweiten Teil heißt es: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.“
Da sind wir wieder am Anfang: Jesus ruft fast wie ein Markt-
schreier: „Kommt alle zu mir!“ Gibt es jetzt etwas bei Jesus im Sommerschlussverkauf? Macht er allen Schnäppchenjägern ein Angebot, bei dem man einfach zugreifen muss? Vielleicht gar den Himmel im Sonderangebot zu herabgesetzten Preisen?
Nein, so einfach ist es nicht. Er ruft besonders diejenigen, die in ihrem Leben schwere Lasten zu tragen haben.
Aber dann sind wir erst einmal irritiert, denn Jesus spricht von einem Joch, das man sich auferlegen soll. Und zwar sein Joch.
Das klingt aber erst einmal als Angebot gar nicht so sonderlich günstig! Menschen, die schwer zu tragen haben in ihrem Leben, sollen nun das Joch Jesu schleppen? – Um zu verstehen, wie Jesus das meint, sollten wir wissen:
Ein Joch kann bei Zugtieren verwendet werden, aber auch bei Menschen. Wenn ein Mensch sich ein Joch über die Schulter legt, kann er die Lasten, die er sowieso tragen muss, z.B. zwei Eimer mit Wasser, viel besser tragen als mit bloßen Händen.
Wer mit einem Joch geht, dem wird die Arbeit erleichtert.
Auf der Schulter trägt es sich einfach besser, und das Joch sorgt für die nötige Balance beim Tragen, immer vorausgesetzt, das Joch ist dem jeweiligen Träger gut angepasst. Ein schlecht sitzendes Joch drückt und sorgt für Verkrampfungen und Schmerzen.
Wenn Jesus nun sagt, dass die Leute, die ohnehin im Leben schwere Lasten zu tragen haben – und davon gibt es wahrlich genug! - sein Joch auf sich nehmen sollen und von ihm lernen sollen, dann verbindet er das mit einem Versprechen, mit einer Garantie-Erklärung: „…so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.“
Das Joch Jesu ist also ein garantiert gut zu tragendes Joch, und die Last, die es trägt, ist laut Jesus leicht. So leicht, dass man für seine Seele Ruhe finden kann, wenn man es auf sich nimmt.
Wir mögen jetzt schnell denken: Wie kann das denn sein? Wie kann das denn leicht sein, Jesus nachzufolgen und Jesu Lasten zu tragen?
Mit unseren eigenen Lasten haben wir doch wirklich gerade genug zu tun, oft deutlich mehr als uns lieb ist, bis zur Belastungsgrenze.
Es gibt Tage, da glauben wir, die Belastungen nicht mehr tragen zu können. Eine schwere Krankheit vielleicht, ein Sterbefall in der Familie, finanzielle Sorgen und Zukunftsängste. Und dann auch noch zusätzlich Jesus nachfolgen…?
Und da sind wir genau am Punkt angelangt, am Punkt unseres großen Missverständnisses, wie es unmündigen Kindern nicht passieren könnte: Seit wann kann jemand denn zwei Joche gleichzeitig tragen?
Wer das Joch Jesu aufnimmt, der muss vorher dafür das Joch seines Alltags ablegen. Beides zusammen geht nicht. Und Jesus sagt klar: Mach das so – nimm doch mein Joch, nimm meine Last! Du wirst staunen, wie leicht sich das trägt!
Ja, jetzt ahnen wir es, das Rezept von Jesus als unserem Arzt: Wir sollen nicht aus alter Gewohnheit unsere Lasten mit uns schleppen und womöglich damit immer weiter schön brav im Kreis herumgehen. Das führt zu nichts und macht nur entsetzlich müde.
Jesus hat ein ärztliches Rezept, das er uns verschreibt:
Mach es nicht wie diese neunmalklugen Besserwisser und frommen Leistungssportler, die doch nur an sich selbst denken. Nimm dir stattdessen ein Beispiel an den Kindern, habe einfach Vertrauen in mich!
Natürlich kannst du den ganzen Tag grübeln und jammern und dabei todmüde werden. Wenn du aber Ruhe haben willst, musst du deine Alt-Lasten beiseite legen! Nimm das, was ich dir als Last zugedacht habe. Ich habe mir das schon für dich persönlich überlegt. Das passt schon. Mein Joch ist genau auf dich an-
gepasst. Probiere es doch! Du wirst staunen, so sehr hast du noch nie in deinem Leben gestaunt. So ist es: Versprochen! Und? Hast du es dir überlegt – hilfst du mir nun tragen?

Predigt Diakon Josef Lengauer
>> BITTE KLICKEN !
und >> BITTE KLICKEN !
Predigt Pfr. Dr. Johannes Holdt
>> BITTE KLICKEN !
Predigt Pfr. Dr. Martin Werth (pdf)
>> BITTE KLICKEN !
Predigt Pfr. Christoph Fleischer
>> BITTE KLICKEN !
Predigt Pfr. Joseph Mohr
>> BITTE KLICKEN !
Predigt Pastor Birkner (pdf)
>> BITTE KLICKEN !
Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
>> BITTE KLICKEN !
„Joch“ (Foto + Predigt) im Gottesdienst
>> BITTE KLICKEN !

Michaela und Dirk sind beide Patienten in einer Nervenheil-
anstalt. Eines Tages, als sie beim Spazierengehen an einem Weiher vorbeikamen, fiel Dirk plötzlich ins Wasser. Da er nicht schwimmen konnte, sank er wie ein Stein und blieb auf dem Grund des Weihers liegen. Michaela hatte die Lage offenbar sofort erfasst und sprang hinterher, um ihn zu retten. Sie tauchte blitzschnell hinab und zog ihn heraus.
Als der Anstaltsleiter von dieser heldenhaften Tat erfuhr, beantragte er sofort die Ent-
lassung von Michaela, da er nun annahm, dass sie geistig völlig stabil und zurechnungsfähig sei. Als er zu ihr auf’s Zimmer ging, um ihr die große Neuigkeit zu erzählen, sagte er zu ihr: „Michaela, ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht.
Die gute Nachricht ist, du wirst aus unserer Anstalt entlassen.
Du bist offensichtlich wieder gesund. - Die schlechte Nachricht ist leider die, dass Dirk, den Du so mutig gerettet hast, sich kurz danach im Badezimmer erhängt hat, mit dem Gürtel seiner Hose. Es tut mir schrecklich leid, aber er ist tot."
Michaela antwortete: „Ich habe da eine kleine Anmerkung.
Dirk hat sich nicht aufgehängt, sondern ich hab ihn dorthin gehängt, zum Trocknen."


Der stolze Vater prahlt beim Kaffee, wie toll sein einjähriger Sohn schon sprechen kann: "Bubi, sag' mal Rhinozeros!"
Der Kleine kommt zum Tisch gekrabbelt, zieht sich an der Tischkante hoch, schaut skeptisch in die Runde und fragt:
"Zu wem?"


Hier können Sie diese Predigtgedanken selbst als pdf-Datei herunterladen (Link funktioniert bis ca. 1.8.2011, danach per E-Mail bei mir anfordern) >> BITTE KLICKEN !

Von dieser Predigt ist keine Kurzfassung erhältlich!

zurück zur Predigtgarten-Hauptseite >> BITTE KLICKEN !

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Zur Zeit keine Kommentare möglich.

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.