14.06.2011

Dreifaltigkeitssonntag - 19.6.2011

(Fortsetzung)

Höllenpredigten muss
es deshalb wohl auch geben, aber vor allem dringend viel mehr Himmelspredigten!
Wenn wir als Gläubige auch nur erahnen, wie groß das Geschenk Gottes für uns ist, sind wir überwältigt von Freude darüber, und der Teufel wird eine Höllenangst bekommen, niemand würde mehr auf ihn und seine Tricks und falschen Verlockungen hereinfallen.
Beim heutigen Dreifaltigkeitssonntag geht es um dieses Erahnen, um unsere Versuche, den liebenden Gott, den wir im Alltag auch den lieben Gott nennen, näher kennenzulernen. Wir beten im-
mer „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ und erinnern uns bei jedem Kreuzzeichen daran. Getauft wurden wir alle auch ausdrücklich im Namen des drei-
faltigen Gottes, und in der Heiligen Messe sprechen wir gemeinsam das Glaubensbekenntnis zum dreifaltigen Gott.
Doch wir müssen es gestehen: dieser drei-
einige Gott bleibt für uns kleine Menschen trotz aller Anstrengun-
gen unbegreifbar. Gerade wir westlich denkenden Menschen sind es gewohnt, alles in passende Schubladen einzusortieren, alles in ein Ordnungssystem zu pressen.
Ein solches Denken ist der Bibel weitgehend fremd. Da geht es nicht um tolle Definitionen und manchmal geradezu akrobatische theologische Formulierungen. Die Bibel will kein Fachbuch über das innere Wesen Gottes sein.

Seien wir mal ehrlich: Wir haben ja schon unsere Probleme, unsere Mitmenschen zu verstehen. Oft genug passiert es,
dass z.B. Nachbarn entsetzt sind, wenn in ihrer Straße ein Familiendrama passiert ist: „Das waren doch so nette Leute!
Das hätten wir gerade von denen nie erwartet!“
Wie groß war das Erstaunen in meiner Heimat, als man erst durch das Fernsehen erfuhr, dass ein hiesiger Krankenhausarzt in seinem Urlaub ein ungewöhnliches und anstrengendes Hobby pflegt: er ist ganz normal als Trucker mit einem großen LKW auf Europas Straßen unterwegs…
Humorvoll formulierte es ein Philosoph mal so: „ Begreifen tu ich ja schon meine Frau nicht – wie kann ich da hoffen, dass ich Gott begreife?“
Die Bibel fragt also nicht, wie Gott eigent-
lich funktioniert. Sie schildert stattdessen, wie Gott in dieser Welt handelt und was er selbst über sich sagt. Und das ist faszi-
nierend genug. Überall in der Bibel finden wir wunderschöne Aussagen über diesen Gott, der immer da ist und der so sehr liebt, dass man sagen kann: er ist die Liebe!

Nicht Gott an sich, sondern seine herzergreifende fürsorgliche Liebesbeziehung zu uns Menschen kommt immer und immer wieder in der Bibel zur Sprache. Und natürlich, dass er als Vater, Sohn und Geist von uns wahrgenommen werden kann.
Viele kluge Leute haben sich darüber den Kopf zerbrochen, wie man dies erklären kann. Ein Kleeblatt, so sagt man, hat drei Blattteile, ist aber doch nur ein einziges Blatt. Drei einzelne brennende Kerzen kann man so aufeinander ausrichten, dass alle drei zusammen nur eine einzige Flamme bilden. Und bei einem kleinen Bach, der bald ein Fluss und schließlich ein großer Strom wird, kann man fragen: Wo endet eigentlich der Bach, und wo beginnt der Fluss? Oder ist das nicht alles doch eins?

Auch in der christlichen Kunst gab es viele Versuche, die Dreifaltigkeit (Fachleute sagen: die Trinität) zu veran-
schaulichen. So findet man etwa im Drei-Hasen-
Fenster im Kreuzgang des Paderborner Doms ein bekanntes Beispiel.
Jeder Hase in diesem Fenster hat zwei Ohren, und doch sind es zusammen nur drei.
Alle Ohren sind da, es kommt nur auf den Betrachter an, ob
er sie sehen kann. Das ist fast wie bei den vielen bekannten optischen Täuschungen: es ist nicht alles so, wie man auf den ersten Blick zu sehen meint. Man muss schon mehrmals und gründlicher hinschauen; und vielleicht ist auch eine Hilfe durch andere nötig, um wirklich richtig sehen zu können.

Die etwa 1422 entstandene Ikone der Heiligen Dreifaltigkeit des Mönchs und Malers Andrej Rublev ist wohl die berühmteste Ikone der Welt. Das licht-
durchflutete Bild in vorwiegend goldenen Farbtönen begeistert durch seine einmalige Harmonie. Drei Engel-
gestalten sind hier Symbol für das innergöttliche Gespräch zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist.
Alle diese Erklärungsversuche können eine Hilfe sein, doch Gott „einfangen“ kann man damit nicht. Gott ist größer als alle unsere Gedanken und Bilder über ihn. Wir können uns aber an die Bibel halten. Sie bringt uns den liebenden Gott vor Augen. Und der
ist kein Oberkontrolleur, dessen Hobby es ist, uns Menschen schweigend und vielleicht kopfschüttelnd zuzuschauen.
Nein, Gott ist ein lebendiger, engagierter Gott, der so sehr liebt, dass er sich selbst ganz klein macht und Leid und Tod für seine geliebten Menschen erfährt.
Wenn Gottes Wesen aber die Liebe ist, die alles umfasst, dann kann er nicht ein sich selbst genü-
gender Gott sein. Alle Liebe lebt von Beziehung; man geht ja schließlich auch nicht mit sich selber Hand in Hand oder küsst sich selbst auf den Mund. - Gott ist in Vater, Sohn und Geist kein einsamer Gott, sondern ein lebendiger, immerwährender harmonischer Austausch.
Schon bei einem menschlichen Liebespaar sagen wir dazu gerne: „Die sind ein Herz und eine Seele!“ - Jeder schaut den anderen an und hat vor allem dessen Glück im Sinn. Und wenn es ganz besonders gut mit den beiden klappt, dann fühlen sie sich vielleicht sogar zeitweise wie im siebten Himmel. Und was selbst wir eigentlich doch so schwachen Menschen aus Liebe zu tun bereit sind, das kann ganze Bände füllen, Liebesromane, Heiligengeschichten, und manchmal leider auch echte Krimis
mit Mord und Totschlag…
Wenn wir Christen ein Kreuzzeichen machen, dann erinnern wir uns damit schon an die große Liebe Gottes. Man könnte sogar sagen: das Kreuzzeichen ist das kürzeste Glaubensbekenntnis. Und eine Liebeserklärung von uns an den so wunderbaren Gott kann es auch werden, wenn wir dieses Zeichen mit der nötigen Ruhe und Ehrfurcht machen:
- Ja, du Gott voller Liebe, du Vater und Papi (Jesus sagte: Abba), auf den wir uns verlassen können,
- ja, du Sohn, der Mensch für uns geworden ist und uns Gott so nahe gebracht hat,
- ja, du Heiliger Geist, der uns stärkt, uns tröstet und uns führt. Voller Ehrfurcht und voller Dankbarkeit sage ich glaubend „JA“ zum unfassbaren Geschenk deiner Liebe. Amen.


Was ist ein Elefant?


„Es waren einmal fünf weise Gelehrte. Die waren alle blind.
Diese Gelehrten wurden von ihrem König auf die Reise ge-
schickt, um herauszufinden, was denn ein Elefant sei. So machten sich die Blinden auf die Reise nach Indien. Dort wurden sie zu einem Elefanten geführt. Die fünf Gelehrten standen im Kreis um das Tier und versuchten, sich durch Ertasten ein Bild von dem Elefanten zu machen.
Zurück bei ihrem König, berichteten sie nun, was ein Elefant ist. Der erste Weise hatte am Kopf des Tieres gestanden
und den Rüssel des Elefanten betastet. Er sprach: „Ein Elefant ähnelt gewiss einer Wasserpfeife.”
Der zweite Gelehrte hatte aber das Ohr des Elefanten ertastet und sprach: „Nein, ein Elefant ist vielmehr wie ein großer Fächer.”
Der dritte sprach: „Aber nein, ein Elefant ist wie eine dicke Säule.” Er hatte das Bein des Elefanten berührt.
Der vierte Weise sagte: „Es ist so: ein Elefant ist wie ein kurzes Seil mit Fransen am Ende”, denn er hatte nur den Schwanz des Elefanten ertastet.
Der fünfte Weise schließlich berichtete seinem König: „Ein Ele-
fant ist wie eine Art Königsthron.” Dieser Gelehrte hatte den Rücken des Tieres berührt. -
Nach diesen widersprüchlichen Äußerungen entstand eine große Verwirrung, und die Gelehrten fürchteten sich vor dem Zorn des Königs, denn jeder neue Bericht überführte die anderen der Unwahrheit. Jeder war sich dennoch sicher, dass er recht hätte, und so konnten sie sich nicht darauf einigen, was ein Elefant wirklich ist.
Doch der König lächelte weise: „Ich danke euch, denn nun weiß ich, was ein Elefant ist.” - Jetzt erkannten die Gelehrten, dass kein Grund für einen Streit bestand, hatten sie doch gemeinsam die wahre Gestalt des Elefanten erfahren.

Predigt P. Pius Kirchgessner über die Dreifaltigkeit
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Ökumenisches Heiligenlexikon über Nikodemus
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Meine Predigt zu Joh 3,14-21: „Nächtliche Liebeserklärung“
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Kurze Info über die Dreifaltigkeit
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Peter Knauer SJ: „Der vom Vater und vom Sohn ausgeht…“
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Karl-Leisner-Jugend: „Dreifaltigkeit“ (pdf)
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Das Paderborner Drei-Hasen-Fenster (dort weitere Links!)
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2-Minuten-Video: „Was bedeutet das Kreuzzeichen?“
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Elternbrief: Vor dem Schlafen ein Kreuzzeichen auf die Stirn
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Spott-Kino-Film über die Dreifaltigkeit
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„Solange ich Gott nicht sehen kann, leugne ich seine Existenz“, sagte ein aufdringlicher Atheist zu einem Pfarrer. – „Wenn das Ihr einziges Argument ist“, antwortete der, „dann leugne ich aus dem gleichen Grund Ihren Verstand.“

Der neue Kaplan hatte auswärts Dienst und fragt am Montag seinen Pfarrer: „Was sagten Sie eigentlich gestern in Ihrer Predigt über die Heilige Dreifaltigkeit?"
Der Pfarrer will das Thema nur ungern vertiefen und versucht ihn abzuwimmeln: „Ach, eigentlich ganz wenig."
Darauf der Kaplan grinsend: „Das hatte ich schon vermutet.
Ich wollte nur wissen, wie Sie es formuliert haben..."

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