06.06.2011

Pfingstsonntag - 12.6.2011

(Fortsetzung)

Ihre Angst war nicht unbe-
gründet: die ersten Christen waren aus der jüdischen Synagogen-Gemeinschaft ausgegrenzt worden und wurden jetzt zum Teil von Mitbürgern regelrecht verfolgt. Wir erinnern uns da z.B. an den Apostel Paulus, der vor seiner dramatischen Begegnung mit Jesus als Christenhasser Saulus gegen die vermeintliche Sekte mit allen Mitteln ankämpfte.
Johannes erzählt nun im heutigen Evangelium, wie die Jünger-
schar vom auferstandenen Jesus vollkommen überrascht wird. Geschlossene Türen und dicke Mauern interessieren ihn offenbar gar nicht. Er steht einfach plötzlich vor ihnen und tritt in ihre Mitte, heißt es. Er selbst ist eigentlich die Mitte, er ist der Mittelpunkt des Geschehens. Um ihn herum drängt sich die Gemeinschaft der Jünger, von denen wir noch nicht einmal erfahren, wie viele es hier gerade sind und wer alles dabei ist.
Das spielt auch jetzt keine Rolle, denn hier geht es um Jesus und das, was er zu sagen hat. Und da fällt im Text sofort auf, dass er nicht nur zum Beweis seine Hände und seine Seite vorzeigt, sondern gleich zweimal betont: „Friede sei mit euch!“ -
Warum wiederholt er das bloß?
Johannes will uns damit sagen: Achtung, das hier dürft ihr keinesfalls übersehen – das ist Jesus nämlich ein besonderes Herzensanliegen!
Friede ist natürlich nicht gleich Friede,
das wissen wir nur zu gut. Es gibt Arten von Frieden, die eher an Friedhofsruhe erinnern. In Diktaturen hat einer das Kommando, und das Volk hat gefälligst das Maul zu halten.
Jesus dagegen sagt: „Shalom!“ - Damit meint er die ungetrübte Gemeinschaft mit Gott, der umfassende Friede Gottes, den er dem Menschen schenkt. Kein fauler Friede, der wegsperrt,
kein Friede, der ausgrenzt, der in Schubladen einordnet und die vermeintlich einzige Wahrheit als Keule gegen andere einsetzt.
Der Friede Gottes ist anders. Es ist ein himmlischer Friede im Heiligen Geist, und der ist schöpferisch, der ist Tröster, der ist Beistand und Helfer in jeder Lage. Zärtlich und gütig ist er.
Seine Wahrheit ist nicht wie unsere, die wie ein Schwert ge-
schwungen wird, nein, Gottes Wahrheit ist wie ein wärmender Mantel, der uns mit einer einladenden Handbewegung zum Hineinschlüpfen entgegengehalten wird.
Genau diesen Heiligen Geist ruft Jesus an Pfingsten auf die Jünger herab. Dies geschieht, indem er sie einzeln anhaucht
und spricht: „Empfangt den Heiligen Geist!“ - Natürlich denken wir erfahrenen Kirchenbesucher beim Stichwort „anhauchen“ sofort an die Schöpfungsgeschichte: Gott haucht dort dem Menschen den Lebensatem ein!
Diese Parallele ist kein Zufall: An Ostern beginnt schließlich
die neue Schöpfung Gottes, ein neuer, großartiger Anfang,
vom Heiligen Geist begleitet. So wie der Atem gefährliche Krankheitskeime übertragen kann - daher ja auch der Mund-
schutz der Ärzte im Operationssaal - , so kann der Atem des Heiligen Geistes ganz im Gegenteil wie eine Mund-zu-Mund-
Beatmung wiederbeleben, mit Gottes Gesundheitskeimen sozusagen!
Wer durch die Sünde zusammengebrochen und wie tot war,
kann durch die Atemspende des Heiligen Geistes neu leben und noch viel mehr: Der Heilige Geist kann wie Sauerstoff in die Blutbahn gelangen, kann Mut und Kraft geben, als Christi Jünger zu leben und davon Zeugnis zu geben.
Überhaupt nur mit der Hilfe des Heiligen Geistes konnten die Jünger damals den Auftrag Jesu erfüllen:
Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.“
Sie waren jetzt im wahrsten Sinne des Worte be – geistert.
Nun konnten sie das Wort Gottes verkünden, die „frohe Bot-
schaft“, wie das Wort „Evangelium“ übersetzt heißt. Ein Teil dieser frohen Botschaft ist, dass sie jetzt in der Kraft des Heiligen Geistes Sünden vergeben können. Dabei fällt schon auf: die Zu-
sage der Sündenvergebung steht im Text ganz unmittelbar im Zusammenhang mit dem Heiligen Geist!
Wer wirklich Jünger Jesu ist, der erledigt also göttliche Auftrags-
arbeiten und nicht eigene Ideen. Wer wirklich Jünger Jesu ist, der kann vergeben, wenn sich jemand an ihm versündigt hat. Im Vater-
unser hat uns Jesus gelehrt zu beten: „…wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“. In jeder Heiligen Messe verpflichten wir uns dazu, das sollte man nicht vergessen!
Über die Größe Gottes kann man nur immer wieder staunen –
er traut uns das also wirklich zu: wir können das, vergeben, im Sakrament der Buße, aber auch auf andere Weise. Was aber kann dann der Hinweis Jesu bedeuten: „Wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.“ - Wörtlich heißt es eigentlich: „Wem ihr die Sünden festhaltet…“ - Das gibt es tatsächlich auch, dass Menschen im Zustand der praktischen Gottlosigkeit bleiben, vielleicht zwar mit dem Mund „ja,ja“ zu Gott sagen, aber in Wirklichkeit doch tagein, tagaus ganz gegen den Heiligen Geist leben.
Gott ist die Liebe, aber seine Liebe zwingt niemand zu seinem Glück! Wer meint, ganz ohne Pfingsten in seinem Herzen leben zu wollen, wer keine Einsicht in seine Schuld hat, der bleibt im Zustand der Sünde, dem kann nicht vergeben werden!
Da sind wir wieder ganz am Anfang der heutigen Predigt-
gedanken: Es gibt diese Gefahr, nicht gestört werden zu wollen und auch die Gefahr, einfach nicht wissen zu wollen, was Gott von uns will. Das ist wie in unserem Alltag beim Handy: Wer es immer ausgeschaltet hat, der kann auch keine wichtigen Nachrichten bekommen! - Er oder sie hat sich selbst von Freunden und Bekannten ausgeschlossen.
So ist das auch mit Pfingsten: Wer sich wie mit einer Sonnen-
creme eingerieben hat, sozusagen mit „Gottesschutz-Faktor 24“, in dessen Herz dringt der Geist Gottes nicht ein. Dies betrifft prinzipiell natürlich nicht nur die sogenannten Fernstehenden, sondern uns alle, jeden einzelnen in der christlichen Gemeinde.
Wenn wir uns z.B. in der Heiligen Messe gegenseitig den Friedensgruß geben und Jesu Worte nachsprechen: „Der Friede sei mit dir!“, dann geht es nicht nur um den Frieden zwischen denen, die da gerade mehr oder weniger zufällig nebeneinander in einer Bank sitzen und sich mehr oder weniger gut verstehen.
Beim Friedensgruß handeln wir pfingstlich, im Geiste Gottes:
Ja, Gottes Friede soll über dich kommen, über alle hier, aus-
nahmslos und ohne unsere persönliche Abneigung oder Zuneigung.
Im Friedensgruß reiche ich dem die Hand, den Gott jetzt gerade neben mich gesetzt hat. Ich gebe den Gruß weiter, aber ich empfange ihn vorher auch.
Und wer schon mal darauf geachtet hat, wie froh viele Gesichter dabei sind, der ahnt vielleicht ein klein wenig von der liebenden Kraft und den Möglichkeiten, die der Heilige Geist noch für uns parat hat, wenn wir ihm das Steuer unseres Lebens überlassen, statt es krampfhaft selbst festzuhalten.
Komm bitte, heiliger Geist, komm und störe mich!

Predigt Pfr. Thomas Grossenbacher: „Happy Birthday!“ (pdf)
>> BITTE KLICKEN !
Pfingstpredigt Pfr. Heinz Büsching
>> BITTE KLICKEN !
Kindergottesdienst-Tipps für Pfingsten
>> BITTE KLICKEN !
Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
>> BITTE KLICKEN !
Lesehilfe des Katholischen Bibelwerkes (pdf)
>> BITTE KLICKEN !
Liturgie und Brauchtum zu Pfingsten
>> BITTE KLICKEN !
RENOVABIS-Pfingstaktion 2011
>> BITTE KLICKEN !
Marie-Luise Gubler: Pfingsten – Geburtstag der Kirche (pdf)
>> BITTE KLICKEN !
Nur jeder Zweite kennt die Bedeutung von Pfingsten
>> BITTE KLICKEN !
Brauchtum: Von Pfingstochsen, Pfingstkönig usw.
>> BITTE KLICKEN !

Weshalb trinken Schwaben die Milch immer in dem Geschäft,
in dem sie sie gekauft haben? - Weil auf der Packung steht:
„Hier öffnen!"


Missverständnis: Bei seinem Besuch in Berlin während des Deutschlandbesuches fährt der Papst mit dem Papamobil.
Ein etwa 8-jähriger Junge läuft eine ganze Zeitlang hinter dem Gefährt her, und alle sind darüber ganz gerührt. Endlich macht ein Sicherheitsmann den Heiligen Vater auf den Jungen auf-
merksam.

Der lässt den Wagen sofort anhalten und das Fenster öffnen. „Was möchtest Du denn, mein Junge?" ruft Benedikt XVI. dem Jungen freundlich zu. „Ein großes Hörnchen mit drei Kugeln, Erdbeer, Vanille und Stracciatella!" antwortet dieser ganz außer Atem.

Hier können Sie diese Predigt selbst als pdf-Datei herunterladen (Link funktioniert etwa bis 10.7.2011. Danach können Sie die Datei per E-Mail bei mir anfordern.) >> BITTE KLICKEN !

... und hier geht's zurück zur Predigtgarten-Hauptseite
>> BITTE KLICKEN !


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Zur Zeit keine Kommentare möglich.

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.