08.05.2012

Predigt 6. Sonntag der Osterzeit B -- 13.05.2012

(Fortsetzung) 

So kritisierte z.B. der Philosoph Friedrich Nietzsche: „Erlöster müssten die Erlösten ausschauen, damit ich an ihren Erlöser glauben kann!“
Offenbar ist es vielen Christen gar nicht bewusst, was für ein Glück sie eigentlich haben, ein Christ sein zu dürfen, zu Jesus Christus zu gehören. Auch im heutigen Evangelium bestätigt Jesus aus-
drücklich, dass die Jünger nicht ihn erwählt haben, sondern dass er seine Jünger erwählt hat. Wenn das kein Grund zur Freude ist…! 

Aber auch heute können das viele nicht so recht glauben: Ich soll von Jesus erwählt sein? Ich bin doch kein Apostel und kein Heiliger!
So war es schon immer so, dass viel zu viele Christen genau wie alle anderen Mitmenschen ihren großen Sack mit Sorgen ständig mit sich herumschleppen. In der Zeit, in der das heutige Evangelium entstanden ist, sorgte sich so manch einer ganz konkret um sein Leben, seine Existenz. Das junge Christentum wurde weithin mit Misstrauen beobachtet und dementsprechend verfolgt. Mitglieder mancher Gemeinden mussten nicht nur mit Nachteilen für ihre Familie rechnen, sondern in dieser Zeit erlitten schon einige tapfere Christen den Tod als Märtyrer.
Eine schwierige Situation also, in der einige sich fragten, ob sie dieses Risiko wirklich für ihren Glauben auf sich nehmen wollten. In diese Verunsicherung hinein strahlt das Wort Jesu: „Dies habe ich euch gesagt, damit mei-
ne Freude in euch ist und damit eure Freude vollkom-
men wird“
und „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, daß ihr euch aufmacht und Frucht bringt und daß eure Frucht bleibt.“

Das heißt aber doch: Wie ein Fußballtrainer entscheidet, wer beim nächsten Spiel antreten darf, so hat Jesus auch entschieden. Nicht der Spieler bestimmt, wer wann was macht, sondern der Trainer.
Jesu Worte wirken, sie sind ein Trostwort in der Not. Er will sagen: Ich habe euch, jeden von euch doch selber ausge-
wählt. Was macht ihr
euch also Tag für Tag so viele Sorgen, anstatt mir zu vertrauen?
Ich habe euch persönlich aus-
gesucht, und dann kümmere ich mich auch um euch. Für jeden von euch habe ich einen Plan, eine Lebensaufgabe.
Die einzelne Aufgabe ist zwar verschieden, aber jeder soll an seinem Platz Frucht bringen.
Da ist man vielleicht schon mal in Versuchung, wenn die Wolken im Glaubensalltag besonders tief hängen. Am liebsten möchte man dann sagen: Lieber Jesus, oder in diesem Falle genauer: Lieber Platzanweiser! Gut, dass du mir einen Platz in deinem Orchester zugeteilt hast. Wer weiß, was ich mir sonst ausgesucht hätte… Aber mal eine ganz private Frage, lieber Jesus: Bist du dir wirklich sicher, dass ich das zugeteilte Instrument beherrsche? - Manchmal habe ich eher den Eindruck, ich bin am falschen Platz, an einem zu schwierigen Instrument. Da fällt es mir schon ab und zu ganz schön schwer, das auszuhalten und weiterzumachen. Falls du also doch noch etwas Geeigneteres, Einfacheres für mich in Aussicht hast, dann lass es mich bitte wissen. Mit freundlichen Grüssen. Dein….

Auch ohne die Gefahr, als Märtyrer sterben zu können, ist das Leben als Christ eben nicht immer nur Zucker-
schlecken. Es gibt auch so etwas wie Märtyrer der christlichen Geduld. Unzählige sind es, die im Vertrauen auf die Botschaft Jesu in schwierigen Situationen, ja, fast schon auf verlorenem Posten, weiter ausgeharrt haben. Auch heute pflegen viele Christen geduldig Schwerkranke, kümmern sich jahrelang um Pflege-
bedürftige, bewältigen anstrengendste Erziehungsarbeit, dienen in einer Ordensgemeinschaft, harren aus in Krankheit und Hilflosigkeit usw., und das alles auf dem Platz, auf den sie von Jesus, ihrem persönlichen Platzanweiser, irgendwann hingestellt worden sind. Dort, an ihrem Platz, bringen sie so gut sie können die Frucht, von der Jesus sprach.

Wenn man liebt, fällt alles leichter. Ich bezweifle, dass die Wolken alle durch-
nummeriert sind, aber es heißt sogar, Verliebte schwebten auf Wolke Nummer 7.
Auch Jesus spricht heute ausdrücklich von der Liebe.
Er sagt: „Wie mich der Vater geliebt hat,
so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.“
Wir spüren sofort die Eindringlichkeit, die Dramatik die-
ser Worte.
Es ist, als wollte Jesus jedem seiner Jünger diese Ermahnung fest einschärfen. Das wird uns leichter verständlich, wenn wir wissen, dass der heutige Evan-
gelientext wie der des vorigen Sonntags aus Jesu Abschiedsreden stammt, kurz vor seinem Leiden und Sterben.


Nach der christlichen Freude ist die christliche Liebe Jesu großes Thema. „Bleibt in meiner Liebe!“ – so mahnt er. Bleiben, das ist ihm ein wichtiges Anliegen. Bleiben heißt: nicht wegrennen, nicht aufgeben, Geduld haben, Vertrauen schenken.
Man kann aber nur in Jesu Liebe bleiben, wenn sie schon da ist, wenn Jesu Liebe schon in einem drinnen ist. Und das ist sie: Durch die Taufe sind wir ausdrück-
lich aufgenommen in die Gemeinschaft mit Jesus.
Wir alle sind gemeint, wenn er sagt: „Bleibt in meiner Liebe!“ -Damit die Jünger damals und wir heute diese Liebe Jesu aber nicht aus unserem Blick verlieren, spricht er davon, dass seine Gebote gehalten werden sollen.

Das klingt für unsere Ohren unge-
wohnt. Was haben denn Gebote mit Liebe zu tun?
Haben wir nicht sowieso schon genug Paragraphen, Richtlinien und Verbote, auch in der Kirche?

Wie meint Jesus das also: „Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben“ ?
Mit Geboten meint Jesus natürlich keine Gesetze und Paragraphen. Es geht ihm allgemein um das, was Gott von uns erwartet, um die Erfüllung seines Willens. Im Vaterunser beten wir es sogar alle: Dein Wille geschehe!“
Wenn wir auch wirklich meinen, was wir da sagen, dann leben wir bereits nach den Geboten Gottes. Nicht, was unser Wille und manchmal auch unser Dickkopf ist, sondern der Wille Gottes soll gelten, so beten wir.
Wenn wir aber so leben, dass Gottes Wille von uns wirklich akzeptiert wird, dann hat die Liebe Jesu natür-
lich Platz in uns. Wenn wir dagegen
Gottes Willen für uns innerlich ablehnen, wenn wir Gott in Wirklichkeit nicht so recht über den Weg trauen, hat Jesu Liebe es in uns schwer.
Das ist wie bei der Liebe unter Menschen: wenn einer das Liebeswerben des anderen ablehnt, wenn die Zuneigung nur einseitig ist, dann hat diese Verbindung keine Chance. Dann steht da zwischen den beiden irgendwo unsichtbar ein großes Schild: „Zutritt streng verboten!“
Wer aber als Christ bewusst und immer wieder neu versucht, den Willen Gottes im eigenen Leben zu suchen und darin einzuwilligen, der gewährt der Liebe Jesu bei sich freien Zugang. Dann kann die Liebe Jesu wirken wie ein heilsames Medikament. Wer dagegen die vom Arzt verordnete Arznei daheim einfach ungeöffnet liegen lässt, der kann leider nicht gesund werden. Jesus ermahnt darum alle, die ihm nachfolgen wollen: Lasst den Willen Gottes doch in euer Herz hinein, dann werdet ihr auch ganz handfest erfahren, wie meine Liebe in euch ist und bleibt.

Sogar von Freundschaft spricht Jesus, denn er sagt: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.“
Das Leben für die Freunde hingeben – hier klingt das unmittelbar bevorstehende Leiden Jesu deutlich an. Jesus gibt sein Leben hin, er verschenkt es gewisser-
maßen an die, welche er in sein Herz geschlossen hat, an seine Freunde.

Wenn Jesus seine Jünger und uns ausdrücklich als seine Freunde bezeichnet, dann ist dies eine große Ehre für uns. Wir sind nicht Knechte, die nur Befehle und Dienstanweisungen ausführen. Nein, wir sind für
ihn Freunde. Jesus sagt ganz betont: „Ihr seid meine Freunde…“
das ist also kein Privileg, dass wir uns
erst noch mühsam mit größten Frömmigkeitsübungen erarbeiten müssten. Nein, Jesus macht uns seine Freundschaft ausdrücklich ohne Vorbedingungen zum Geschenk!

Was ein Freund oder eine Freundin ist, das wissen wir. Freunde gehen ganz vertraulich miteinander um, und sie können sich alles sagen. Es ist selbstverständlich, dass Freunde zuhören, aber auch schweigen können. Freunde gehen miteinander durch dick und dünn.
Sie kennen sich ganz genau und sie haben keine Geheimnisse voreinander. Da ist es gar nicht
immer nötig, sich alles haarklein mit Worten zu erklären. Gute Freunde fühlen auch so, wie es dem anderen geht.
Freunde sind natürlich ganz verschiedene Personen mit unterschiedlichem Aussehen, Charakter und Temperament.
Es kann also z.B. durchaus sein, dass der eine sein Frühstücks-Ei noch halb flüssig bevorzugt, während der andere sich schon beim bloßen Gedanken daran heftig schüttelt und das Ei nur essen kann, wenn es schon fast steinhart gekocht ist. Dennoch sind unsere beiden Ei-Esser Freunde, denn in den wirklich wichtigen Fragen denken sie ähnlich. Und vor allem: sie wissen, wie sehr sie sich aufeinander verlassen können; zu jeder Tages- und Nachtzeit sind sie füreinander einsatzbereit, wenn es wirklich mal „brennt“…

Wen Jesus zum Freund erwählt hat, der kann sich wirklich glücklich schätzen. Er weiß, dass er von Jesus ausdrücklich geschätzt und geliebt ist. Jesus hat seine Treue und Verlässlichkeit schon dramatisch unter Be-
weis gestellt, bis hin zum Tod am Kreuz. Mehr Freund-
schaft geht nun wirklich nicht. Was Jesus seinerseits von seinen Freunden erwartet, das hat er ja im heutigen Evangelium gesagt: „Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.“

Daran hat es bei Jesus nie gemangelt: beim wirklichen Tun dessen, worauf es ihm ankommt. Denken wir beispielsweise an die Fußwaschung. Jesus macht sich dabei zum geringsten Diener aller Jünger. Trotz des Protestes der Apostel, denen das furchtbar peinlich ist, besteht Jesus auf diesem Anschauungsunterricht. Natürlich hätte er auch bloß mit vielen Worten erklären können, wie Liebe sich selbst klein macht und das Wohl des anderen im Blick hat. Jesus aber macht es lieber ganz handfest und ganz fußfest. Er lässt da keinen Millimeter Platz für falsche Interpretationen und Ausreden.
Nein, Jesus bringt es immer wieder auf den Punkt. Wir haben seine ganz klare Ansage: Von seinen Freunden erwartet er, dass sie auch tun, was er ihnen aufgetragen hat. Jesus nennt wohl ganz bewusst hier nur ein ein-
ziges Beispiel. Zu verschieden ist das, was er seinen Freunden
als Aufgabe anvertraut hat; zu verschieden sind die Plätze, die er jedem persönlich angewiesen hat.
Für alle aber gilt, was er gleich zweimal im heutigen Evangelium sagt: „Dies trage ich euch auf: Liebt einander!“ – Unser Freund und Platzanweiser stellt also klar, dass es in einer christlichen Gemeinde nur ein Miteinander in Achtung und freundlicher Zuwendung geben darf. Dieser Auftrag gilt, und er ist sogar zum Markenzeichen der Christen geworden, von denen selbst heidnische Beobachter respektvoll sagten:
„Seht, wie sie einander lieben!“
Zum Schluss nochmal zur Erinnerung und zum Ein-
prägen der heutige Appell Jesu: „Bleibt in meiner Liebe!“ - und zwar jeder an seinem Platz.
Sie und ich. Alle hier und überall. Wie man in seiner konkreten Lebenslage auf diese Liebes-Erklärung Jesu antwortet, das liegt an jedem selbst. Jeder hat die freie Wahl, wie er oder sie sich zu Jesu Angebot stellt: Entweder Zutritt bei mir verboten - oder aber: Ja, Jesus, bitte in mein Herz eintreten!




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Klarer Fall:  Auf dem Schulhof steht plötzlich eine große Menge Zuschauer um zwei Kampfhähne herum. Sofort eilt der Aufsichtslehrer herbei und zieht die beiden Kontrahenten auseinander. Seine erste Frage: „Also, wer von euch beiden hat die Schlägerei an-
gefangen?“ – Meint der eine: „Der da! Der hat zuerst zurückgeschlagen!“


Wie lautet das heimliche Motto der Organisten?
- Siehe Phil 1,21!

(„Christus ist mein Leben und Sterben mein Gewinn…“)

Was ist der Unterschied zwischen der Mission und dem Generalvikariat?
- Die Mission macht die Wilden fromm.


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