Sicher war man dabei durch im-mer neue Anläufe wesentlich erfolg-
reicher als das Reichsgericht 1879 mit der Definition der Eisenbahn. Doch wie Menschen so sind, beließen sie es nicht nur beim Nachdenken. Die Kirche war in der Zeit des berühmten Konzils von Nicäa (325 n.Chr) so heftig über die Frage der Dreifaltigkeit zerstritten, dass es sogar zu Prüge-
leien, Verbannungen und Kirchenausschlüssen kam.
Es tobte unter Gelehrten und Bischöfen ein regelrechter Meinungskampf insbesondere um die Stellung Jesu innerhalb der göttlichen Dreifaltigkeit.
Sogar der damalige römische Kaiser Konstantin war wegen der Gefahr einer größer werdenden Krise darü-
ber so sehr beunruhigt, dass er mit seiner ganzen politischen Autorität schließlich für eine klare Glaubens-aussage des Konzils sorgte, um endlich wieder Ruhe in die Kirche hineinzubekommen. Als Folge davon kennen wir alle seit jenem Konzil das „Große Glaubensbe-
kenntnis“ („GOTTESLOB“ Nr. 356), das insbesondere an Hochfesten wie heute statt des kürzeren aposto-
lischen Glaubensbekenntnisses gesprochen wird.
Doch manchmal ist es eben mit solchen komplizierten Denkgebäu-den im Glau-
ben doch ein wenig wie mit der gericht-
lichen Definition der Eisenbahn. Alles ist vom Gedan-
kengang her hundertprozentig richtig, und doch entsteht bei Nicht-Theologen leicht das Gefühl, der Aussage fehle gewissermaßen die Seele.
Es ist, als habe man eine schöne Scheibe Brot ver-
sprochen bekommen, aber man erhält dann doch stattdessen leider nur ringsherum den harten Rand, die zähe Kruste der dogmatischen Formulierungen, an der man ganz schwer zu kauen hat. Das leckere und be-
kömmliche Innere der Scheibe Brot, das schon ein Baby problemlos und genüsslich kauen kann, ist dabei irgendwie abhanden gekommen.
Da ist es nur gut, sich am heutigen Festtag auf den Text des Evangeliums zu besinnen. Es handelt sich um die allerletzten Sätze des Matthäus-Evangeliums, also nach der Auferstehung Jesu.
Das wissen wir alle: Die letzten Worte eines Menschen haben ein ganz besonderes Gewicht. Wenn jemand z.B. bei einem Verkaufsgespräch sagt: „Das ist mein letztes Wort!“, dann ist da kein Millimeter mehr Platz für weitere Verhandlungen. Das Evangelium schildert heute, wie die Jünger Jesu zurück nach Galiläa ziehen. Sie gehen gemeinsam auf einen Berg, den sie schon von Jesus kennen. In der Stille und Einsamkeit des Berggipfels fühlen sie sich so wie viele andere Menschen auch Gott besonders nahe. Tatsächlich dürfen sie dort dem Auf-
erstandenen noch einmal begegnen. Doch ganz genau steht im Text, dass sie Jesus sehen. Das ist schon ein Unterschied zum Begriff „sehen“, wie wir in im Alltag gebrauchen: Sehen im biblischen Sinne ist nämlich mehr, sehen ist erkennen, sehen hat zu tun mit dem tieferen Wahrnehmen der Person.
Kein Wunder also, dass die Jünger vor Jesus niederfallen. Sie sind in diesem Moment dabei, Jesus wirklich zu sehen. Sie sind gerade dabei, ihn in seiner ganzen machtvollen göttlichen Größe plötzlich vor Augen und Herz zu haben.
Dieses Sehen, diese neue Sicht haut die Jünger einfach um. Nur zu verständlich also, dass sie vor Jesus niederfallen, wie das Evangelium erklärt.
Auch da lohnt es, auf die Feinheiten zu achten: Niederfallen ist nicht der eingeübte und ruhige Wechsel vom Stehen zum Knien, wie wir das aus dem Gottes-
dienst kennen. Niederfallen – das ist etwas Spontanes, etwas ganz und gar Unvermeidliches, es ist die einzig mögliche Reaktion auf einen gewaltigen Sinnesein-
druck. Sie stürzen zu Boden. Sie knien nicht, sondern sie liegen der Länge nach bäuchlings auf der Erde. Kleiner kann man sich nicht mehr machen, um seine Ehrfurcht auszudrücken. Wir kennen das auch von der Diakonen- und Priesterweihe, von Ordensgelübden und anderen Gelegenheiten, wo die Kandidaten sich flach auf den Boden legen.
Die letzten, entscheidenden Worte Jesu an seine Jünger werden jetzt gesprochen. Jesus lenkt ihren Blick auf gezielt das, was kommen wird. Er sagt: „Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“
Das ist eine geballte Ladung an klärender Information und präzisem Auftrag. Zuerst bestätigt Jesus seine Gott-
heit. Ihm ist alle Macht gegeben. Alle Macht im Himmel und auf der Erde. Das Wort „gegeben“ signalisiert aber auch die innige Verbindung mit seinem Vater. Nicht aus eigener Initiative heraus, sondern in allerengstem Miteinander innerhalb der göttlichen Dreifaltigkeit wirkt Jesus. „Ich und der Vater sind eins“, sagt demgemäß Jesus an anderer Stelle (Joh 10,30). Was immer der Vater will, das will der Sohn, das will der Heilige Geist.
Da ist absolute Harmonie, für uns unfassbar innige liebende Gemeinsamkeit, aber auch die vollkommene Macht, die alles im Himmel und auf Erden umschließt und in Händen hält. Gott ist Liebe und Glück in ewiger Vollendung.
Interessant ist auch, dass Jesus zu den Jüngern sagt: „Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern…“
Dreieinigkeit ist nichts Abstraktes. Gott hat ein Ziel, sonst hätte er die Welt nicht erschaffen. Gott ist kein Gott, der öfter mal Langeweile hat und deshalb die Erde von ferne lenkt wie ein Kind sein Fernlenkauto. Er sitzt auch nicht einsam auf seinem himmlischen Vorstands-Sessel und schüttelt dabei immer häufiger sein Haupt, wenn er die Menschheit von oben herab betrachtet.
Die ganze Schöpfung ist von ihm aus überströmender Liebe geschaffen, und die Menschen sind es erst recht. Jesus sagt ja im heutigen Evangelium, darum sollten alle Menschen zu seinen Jüngern gemacht werden, weil Gott über alle wirkliche Macht im Himmel und auf Erden verfügt.
Alle Menschen sollen zu gläubigen Jüngern Jesu werden. Das heißt doch: Gott hat etwas vor mit uns allen. Jeder Mensch liegt ihm wirklich so sehr am Herzen, als gäbe es nur ihn oder sie allein auf der ganzen Welt. Wirklich niemand soll außen vor bleiben, wenn es um den Himmel geht. Alle Menschen sollen das große Los ziehen dürfen, alle sollen das Glück haben, sich in Gottes Angesicht auf ewig wie im siebten Himmel fühlen zu dürfen, in seligem Glück ihn und sein Erbarmen lobpreisend.
Um genau das geht es: der dreieinige Gott ist die Liebe in Vollendung. Er liebt uns so sehr, dass er sein Glück im Himmel mit uns Menschen teilen möchte. Gott möchte, dass jeder Mensch schließlich und endlich den Weg zu ihm nach Hause findet und an Gottes Glück teilhat. Früher haben mehr Menschen um diese Wahrheit gewusst als heute. Da hieß es denn auch nach dem Tod eines Menschen: Er oder sie ist heim-
gegangen, also in sein wirkliches Zuhause. Heute wird im Text der Todesanzeigen oft genug einfach nur noch gestorben.
Alle Jünger Jesu be-kommen im heutigen Evangelium einen ganz konkreten Auftrag: „…macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes…“
Bei Gott ist die Erdenzeit also immer auch Erntezeit. Menschen sollen gefischt werden für das Himmelreich. Alle Menschen sollen von Gott erfahren und sich dann als Jünger zu ihm bekennen. Durch die Taufe im Namen des dreieinigen Gottes werden sie dann endgültig seiner Obhut anvertraut.
Manche Christen hören das heute mit sehr gemischten Gefühlen, wenn zur Bekehrung anderer Menschen aufgerufen wird. Man tut heute so, als sei das ein schwerer Eingriff in die Intimsphäre fremder Menschen. Doch es gibt hier keinen Spielraum für Verharmlosung und Abschwächung. Jesus meint es wirklich so: Auf-
gabe der Jünger, also auch heute Aufgabe der Kirche und damit unsere Aufgabe ist es, so vielen Menschen wie möglich den Weg zu Gott aufzuzeigen.
Natürlich gilt das Sprichwort: Gebranntes Kind scheut das Feuer. Es ist traurig und leider wahr, dass im Na-
men der Mission im Laufe der Jahrhunderte auch viel Unrecht geschehen ist. Dazu gehört z.B., dass Men-
schen mit Gewalt zu Christen gemacht wurden, wie wir das auch von anderen Religionen kennen.
Wir neigen heute dazu, es jedem selbst zu überlassen, was er glaubt oder nicht glaubt. Das klingt ganz men-
schenfreundlich und tolerant. Man kommt niemanden in die Quere und erwartet auch von anderen, gefälligst in Ruhe gelassen zu werden. Schließlich sind wir doch keine Zeugen Jehovas, die zu zweit von Haus zu Haus gehen.
Was da so wohlwollend und tolerant klingt, ist es in Wirklichkeit aber nicht. Überlegen wir doch mal:
Wie sind wir selbst denn zum Glauben gekommen?
Na sicher – in aller Regel durch andere Menschen, die uns diesen Weg gezeigt haben. Was wäre wohl aus uns geworden, wenn die Generationen vor uns genauso gedacht hätten wie so viele heute? Was wäre wohl aus uns geworden, wenn nicht im Laufe der Jahrhunderte
so viele ihren Glauben an den liebenden Gott sogar mit ihrem Leben bezeugt hätten?
Jesus hat es uns heute noch einmal ganz bewusst gemacht: Es ist weniger die Frage, wie wir den drei-
faltigen Gott mit vielen klugen Worten zu beschreiben versuchen. Wichtiger ist es, ob wir ihn überhaupt ernst nehmen. Was ist dieser liebende Gott, der auf uns und alle wartet, für mich persönlich? Halte ich ihn mir nur für alle Fälle vorsorglich mal warm - oder versuche ich, ihm die gebührende Liebe und Ehre zu erweisen?
Wir wissen ja: Gottes sehnlichster Wunsch ist es, möglichst vielen seiner so geliebten Menschen Anteil an seiner Freude zu schenken. Unsere Aufgabe ist es, mit Gottes Hilfe das Evangelium zu verbreiten und Wegweiser für andere zu sein. Es darf uns eben nicht wurstegal sein, ob unsere Mitmenschen zum wahren Gott finden oder nicht, ob sie auf ewig glücklich werden oder nicht.Den schönsten Schluss für diese Predigt hat übrigens Jesus heute selbst gesprochen. Sicher hat er dabei auch daran gedacht, wie leicht wir Christen mutlos werden können, statt Flagge zu zeigen.
Seine Zusage sollten wir darum nie vergessen. Jesus verspricht allen seinen Jüngern: „Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“
Predigt Eberhard Gottsmann: „Sind Sie ein Ketzer?“
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Lesehilfe des Katholischen Bibelwerkes (pdf)
Artikel über den Dreifaltigkeitssonntag>> BITTE KLICKEN !
Meine Predigtgedanken Dreifaltigkeitssonntag A
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Karl-Leisner-Jugend: Katechese über Dreifaltigkeit>> BITTE KLICKEN !
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Pfarrer Karl Edelmann zum Dreifaltigkeitsfest
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Kardinal Schönborn: Mission ist ein zentrales Thema…>> BITTE KLICKEN !
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Gut gesagt… Wenn Gott den Menschen misst, dann legt er das Maßband nicht um den Kopf, sondern um das Herz. (Irisches Sprichwort)
Der Wert von Statistiken: „Wenn Sie mit den Füßen im kalten Eiswasser stehen und mit dem nackten Hintern auf der heißen Herdplatte sitzen, dann haben Sie im statistischen Durchschnitt eine angenehme Körper-
temperatur.“ (Peter Paterna)
temperatur.“ (Peter Paterna)
Von Mutter Angelika – der amerikanischen Ordensfrau, die eine Fernseh-Station aufgebaut hat – wird folgende Anekdote erzählt: Ein Mann erzählte ihr von seiner Bekehrung, meinte aber, er könne nicht katholisch werden, weil es in der Kirche so viele Heuchler gebe. Mutter Angelika zerstreute seine Bedenken: „Tun Sie
es ruhig, auf einen Heuchler mehr oder weniger in der Kirche kommt es auch nicht mehr an . . ."
es ruhig, auf einen Heuchler mehr oder weniger in der Kirche kommt es auch nicht mehr an . . ."
Auch die heutigen Predigtgedanken können Sie
wieder selbst herunterladen (der Link funktioniert bis mindestens 1.8.2012)
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