16.05.2012

Predigt 7. Sonntag der Osterzeit B -- 20.05.2012

(Fortsetzung) 

Es ist also schon was los auf Mutter Erde. Allerdings stecken auch wir Christen da mittendrin. Weder körperlich noch seelisch oder mora-
lisch sind wir dage-
gen immun. Wir tragen auch keinen undurchdringbaren Schutzanzug. Auch Christen leben  in und mit dieser Welt. Ein ge-
sonderter Kontinent für ein anständiges Leben nur nach Gottes Geboten ist hier leider bisher nirgendwo für uns reserviert. So wird auch jeder Christ oft genug in seinem Leben mit dem konfrontiert, was wir Sünde nennen. Ehe man sich’s versieht, ist man plötzlich in irgendwas ver-
wickelt, und die eigene weiße Weste hat dabei erheblich gelitten. Wenn das z.B. einem Priester passiert, wird dies sehr gerne genüsslich in der Öffentlichkeit ausge-
breitet. Da hilft dann auch kein Omo, kein Persil, kein Weißer Riese und wie sie alle heißen.
Und manch einer, der auf dieser Erde im materiellen Elend lebt, der hat sich nur zuschulden kommen lassen, dass er sich die falschen Eltern oder den falschen Erd-
teil für sein Leben ausgesucht hat.
Immer wieder in der langen Geschichte des Christen-
tums und in vielen lebendigen Pfarrgemeinden, in Or-
densgemeinschaften, in christlichen Gruppen, in den Familien usw. kommt das Thema irgendwann unaus-
weichlich und meist überraschend auf den Christen zu: Wie entscheide ich mich jetzt in dieser oder jener Frage? - Darf ich bei einer Sache mitmachen, oder muss ich den Mund auftun, so gut ich es kann?
Als Beispiele mögen genügen: Wie stehe ich zur Genforschung am Menschen, und wie zum konkreten Umweltschutz bei mir daheim?
Wo in meinem täglichen Leben stecke ich den Kopf in den Sand, wo eigentlich ein lautes NEIN das einzig Richtige gewesen wäre?
Das gilt übrigens auch für manche Pfarrgemeinde, wo es zum Beispiel bei der einen noch recht stattliche Be-
träge auf den Bankkonten gibt, während der Nachbar-
gemeinde und Christen in der Dritten Welt sowieso das sprichwörtliche Wasser schon längst bis zum Hals steht.
Ein weites Feld, ich weiß, und nicht frei von Emotionen. Bereits die
ersten Christen schlugen sich mit solchen Problemen herum, wie das heutige Evangelium zu erkennen gibt. Im Gebet spricht Jesus dort:  
„Ich bitte nicht, daß du sie aus der Welt nimmst, sondern daß du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit.“
Unmittelbar vor seiner Verhaftung wendet sich Jesus mit diesem eindringlichen Gebet an seinen Vater im Him-
mel. Er kennt die Seinen, und er weiß um die großen Versuchungen für uns schwache Menschen. Wer sein Jünger sein will, der ist eigentlich nur Gast auf Erden, wie es in einem Kirchenlied heißt. Doch wir Gäste sind immer in der Gefahr, es uns so gemütlich einzurichten, dass wir diese Wahrheit verdrängen. Das bleibt immer die kritische Frage unseres Herrn an uns Jünger: Ist uns das eigentlich überhaupt noch bewusst, dass wir als Christen unsere wirkliche Heimat im Himmel haben? Haben wir noch die Erinnerung im Herzen, dass wir hier auf Erden eigentlich nur so etwas wie Gastarbeiter sind?
Viele von uns kennen noch den grünen Katechismus von 1956, in dem unser Glaube in Frage und Antwort behandelt wurde. Die Frage Nr. 1 lautete: „Wozu sind wir auf Erden?“ – Die Antwort darauf war präzise und einprägsam: „Wir sind auf Erden, um Gott zu erkennen, ihn zu lieben, ihm zu dienen und einst ewig bei ihm zu leben.“
Dies ist wirklich die Frage Nr. 1 für uns Menschen, ge-
wissermaßen die Frage aller Fragen. Wozu sind wir überhaupt auf Erden?
Diese Welt aber will in der Regel nichts von Gott wissen. Das würde den Alltag nur stören. Dann müsste man sich ja ändern. Das geheime Motto heißt nun mal
bei vielen Menschen:
„Ich konsumiere, also lebe ich“. Mit anderen Worten: Hauptsache, mir selbst geht es wirtschaftlich gut. Alles andere ist nur Nebensache. - Und das würde in Frage gestellt, und die Ausplünderung unseres Planeten auch, wenn man ernsthaft die Frage stellt, wie man nach Gottes Geboten leben sollte.  Und genau das will diese Welt üblicherweise nicht. Sie will sich von Gott nicht dreinreden lassen. Die Welt wird dabei verstanden als die Masse derer, die mit Gott bewusst nichts mehr am Hut haben wollen, die lieber nach ihren eigenen ego-
istischen und kurzsichtigen Gesetzen leben wollen.
Wir Christen aber müssen uns diese Frage immer wieder stellen, wozu wir auf Erden sind, und welche Konsequenzen das für uns hat.
Wie es im Gebet Jesu schon heißt: Wir werden nicht von Gott aus dieser Welt genommen und in einen katholischen Luftschutzkeller gesteckt. Doch wie in der Vaterunser-Bitte  „und führe uns nicht in Versuchung“ sagt Jesus auch hier: Vater, bitte bewahre sie vor dem Bösen, das hier auf Erden leider überall so prächtig wuchert.
Jesus legt also in diesem Gebet die Verantwortung für die Seinen in die Hände seines himmlischen Vaters zurück. Er weiß, dass sein Abschied auf Erden bald bevorsteht. Nun bittet er den Vater, seine Jünger zu schützen und zu bewahren, damit sie nicht verloren gehen. Er kann diese Aufgabe bald nicht mehr selbst wahrnehmen.
Doch der Schutz der Seinen hat nicht das Ziel, ihnen das Erdenleben bloß zu erleichtern. Im heutigen Text heißt es dazu: „Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir.“  -  Jesus hat also stets die konkrete Gemein-
schaft der Christen im Blick. Der von Jesus hier so inständig erbetete Schutz bezieht sich darauf, dass sie eins sind, wie Jesus und sein Vater eins sind. Daran sehen wir, welch einen hohen Rang die Einheit der Christen in den Augen Jesu hat. Dabei geht es aber nicht an erster Stelle um die Einheit der Konfessionen, also um die Ökumene.
Jesus formuliert ja: „…damit sie eins sind wie wir.“ – Was für ein imposantes Bild:  die Christen sind dann so sehr eins wie Gott, also noch weit mehr als ein Herz und eine Seele. Zank und Streit, Zerwürfnisse und Unge-
rechtigkeiten sind der Christen weltweit und vor Ort nicht würdig. Wenn Christen also in ihren Gemeinden im Geiste Jesu aufeinander zugehen und miteinander reden, ist schon viel gewonnen.
Doch Jesus geht es um noch mehr.
In seinem heutigen Gebet heißt es: „Heilige sie in der Wahr-
heit; dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.“ 
-  Wir sind also Gesandte, wir alle sind tatsächlich so etwas wie Botschafter. Wir sind auf Erden nicht im Wellness-Urlaub, nicht in den großen Ferien oder Flitterwochen. Wir alle sind gesandt, wir sind mit einem Auftrag ausgerüstet, wir sind  so etwas ähnliches wie Paketzusteller im Dienst. Das Paket, das wir möglichst vielen Menschen bringen sollen, ist natürlich die Frohe Botschaft Jesu vom Reich Gottes, das uns versprochen ist.
Wir sind aber nicht nur von Gott gesandt, sondern wir sind und werden in der Wahrheit geheiligt, sagt uns der heutige Text. Jesus heiligt die Seinen in der Wahrheit, und genau darum bittet er hier auch seinen himmlischen Vater.
Bei dem Wort „heilig“ herrscht heute oft das Miss-
verständnis, es gehe dabei um völlig unnahbare, abge-
rückte Athleten des Glaubens, um Supermänner und Superfrauen, die am besten rund um die Uhr aus-
schließlich Halleluja singen und händeringend nach Leuten Ausschau halten, an denen sie das nächste Wunder wirken könnten. Und selbstverständlich trinken sie grundsätzlich nur Weihwasser, wenn überhaupt.
Wer so denkt, der hat natürlich den Vorteil, dass er oder sie das Thema „heilig“ für sich selbst sofort als völlig unerreichbar zum geistigen Abfall geben kann. Das hat sich dann wohl erledigt. Die ersten Christen dachten nicht so, und Jesus auch nicht. Das Wort „heilig“ hat wenig mit dem hochglanzpolierten Heiligenschein zu tun. Vielmehr bedeutet „heilig“ dem eigentlichen Wort-
sinn nach: ausgesondert sein, sich bewusst vom Gewöhnlichen abwenden.
Natürlich gibt es sie, die ganz Großen unter den Christen, die mit Recht als Heilige öffentlich verehrt werden. Denken wir nur an die vielen, die ihr Leben für ihren Glauben hingegeben haben. Doch nicht ohne Grund feiern wir auch Allerheiligen. Es gibt eben weit mehr Heilige, als uns auf Anhieb bewusst ist. Manche von denen haben so unauffällig gelebt, dass ohnehin nur Gott selbst um ihre Heiligkeit weiß.
Jesus möchte jedenfalls, wie wir heute wieder erfahren haben, dass seine Jünger „in der Wahrheit geheiligt sind“.  In seinem Gebet, das schon fast wie ein Testament, wie ein Vermächtnis klingt, liegt ihm das sehr am Herzen. Doch was heißt das, in der Wahrheit ge-
heiligt zu sein?
Wie wir wissen, sagt Christus von sich selbst: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“.  Jesus ist der eigentliche Heilige Gottes, der mit seinem Opfer-
tod am Kreuz der Wahrheit endgültig zum Sieg ver-
holfen hat.
Entgegen dem modernen Lebensmotto: „Ach, eigentlich haben doch alle irgendwie Recht“, das bloß die Be-
quemlichkeit als Toleranz ausgibt, sagt die Bibel ganz klar: Es gibt die Wahrheit, und diese Wahrheit spricht aus dem Wort Gottes, spricht aus Jesus. 
Jesus möchte, dass wir alle geheiligt werden, heilig werden durch die Wahrheit des Wortes Gottes. Dadurch, dass wir das Wort Gottes in uns aufnehmen und es für unser Leben annehmen, legen wir unser persönliches Bekenntnis ab. Es ist eben nicht alles Jacke wie Hose, und es genügt eben nicht, wenn alle irgendwie doch so ein bisschen auf ihre Art an Gott glauben.
Damit macht sich ein Christ natürlich unbeliebt. Die Folge spricht Jesus selbst im heutigen Evangelium aus: „Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehaßt, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin.“
Die Jünger Jesu sind nicht von dieser Welt. Dafür werden sie abgelehnt, belächelt, benachteiligt oder gar verfolgt. Wer Christus nachfolgt, der muss sich schon auf einige Unannehmlichkeiten gefasst machen, wie etwa diese: Wie, Sie sind katholisch? Oder: Was, Sie gehen immer noch zur Kirche? - Warum sehen Sie das nicht auch einfach locker, so wie ich, denn man lebt doch schließlich nur einmal…!
Vielleicht kennen Sie das auch, diesen oder ähnliche Sprüche. Inzwischen tut diese Welt schon so, als sei es z.B. das Natürlichste der Welt, schwul zu sein und das allen zu zeigen. Aber katholisch sein?  Nein, das ist doch schon fast eine Zumutung für die Allgemeinheit!
Mit dem Reden von der Wahrheit und dem Willen Gottes stören wir praktizierenden Christen doch nur
den faulen Frieden, wie diese Welt  ihn gerne hat.
Lassen wir uns nicht täuschen!  - Diese Welt hat nun wirklich noch ganz andere und schwerwiegendere Fieber-Krankheiten als Schweinegrippe, EHEC, Rinder-
wahn und wie sie alle heißen. Keine davon darf uns Christen wurstegal  sein. Zu gefährlich sind sie, zu ansteckend, und  manchmal kosten sie die christliche Existenz, das ewige Leben.
Ein Mundschutz und ein paar Tabletten rei-
chen zum Schutz vor dem eigentlichen Fieber dieser Welt nicht aus. Dass wir jetzt die Koffer packen und aus dieser Welt fliehen, das will Jesus aber auch nicht. Also braucht man einen anderen Schutz vor diesen Ansteckungskrankheiten, die den Glauben angreifen und vergiften.
Jesus spricht im heutigen Evangelium zum himmlischen Vater: „Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben.“  -  Das heißt doch: Jesus möchte, dass alle sei-
ne Jünger Anteil haben an seiner himmlischen Freude, und zwar „in Fülle“, also in einem geradezu verschwen-
derischen Übermaß.
Ganz voller Freude wünscht er sich die Seinen schon hier auf Erden. Es ist die Freude, ein geliebtes Kind Gottes zu sein, einen festen Platz in seinem Herzen zu haben und von ihm behütet zu sein.
Christen sind also nie alleingelassen auf der Welt. Wenn sie in der Wahrheit des Glaubens zu leben versuchen, stehen sie unter Gottes Schutz, auch wenn ihnen das manchmal nicht so vorkommt.   Na, wenn das keine Freude ist…!


Predigt Dr. Josef Spindelböck
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Predigt Pfr. Heinz Büsching
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Lesepredigt Pastoralref. Peter Michaeli
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Predigt Pfr. Lothar Klinges
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Fürbitten-Vorschläge Liturgisches Institut Trier
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Betrachtungen - Ökumenischer Christusdienst
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Renovabis-Pfingstaktion 2012: Materialien
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Leider geistlos:  An Pfingsten wollte ein Pfarrer eine Predigt halten, über die noch tagelang gesprochen werden sollte. Deshalb besorgte er sich als besonderen Gag eine Taube und gab dem Küster den Auftrag, die Taube zum abgesprochenen Stichwort "der Heilige Geist kam herab" schnell aus dem Käfig vor der Sakristeitür zu nehmen und in die Kirche fliegen zu lassen. In der Predigt fiel denn auch das Stichwort, aber der Küster schüttelte merkwürdigerweise nur den Kopf. Der Pfarrer war etwas ungehalten und wiederholte das Stichwort noch einmal lauter.
Da rief der verzweifelte Küster aus der Sakristei:
"Herr Pfarrer, der Heilige Geist kommt heute nicht, er ist gerade von Ihrer Katze gefressen worden!"

DUMMKÖPFE :   Zwei Lehrer unterhalten sich bei einem Ausflug mit ihren Klassen über die Schüler.
Jeder von ihnen meint, den dümmsten Schüler zu haben. Da ruft der erste Lehrer den Uli und sagt: „Uli, da hast du 100 Euro, kauf mir dafür einen neuen BMW!"

Uli nimmt das Geld und geht. Der zweite Lehrer ruft Jörg und sagt: „Du weißt ja, wo ich wohne. Lauf schnell zu meiner Wohnung und schau mal nach, ob ich zu Hause bin!" – „Ja, klar!", sagt Jörg und rennt los. 
Auf der Straße begegnen sich Uli und Jörg. Meint Uli: „Also, mein Lehrer ist ganz schön belämmert. Da soll ich ihm heute noch für 100 Euro einen BMW kaufen. Das geht doch gar nicht – die Geschäfte sind schon zu!" 
Meint Jörg: „Auch mein Pauker ist schön dumm. Ich soll doch bei ihm zu Hause nachschauen, ob er da ist. Dabei hätte er sich einfach selbst mit seinem Handy anrufen können…!"
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