20.08.2008

21.Sonntag im Jahreskreis A - 24.08.2008


(Fortsetzung)

Jesus will nicht wissen, was „man“ von ihm hält. Seine Jünger sollte das auch nicht wirklich interessieren. Deshalb formuliert Jesus so klar abgrenzend:
„Ihr aber…“
Das „aber“ signalisiert schon den Unterschied zur Meinung der anderen. Mit der Doppelfrage will Jesus gerade dies herausstellen. Nicht, was die Leute so daherreden, ist für einen Jünger Jesu von Bedeutung. Jünger Jesu kommen gar nicht drum herum, sich vom dummen Geschwätz anderer abzugrenzen. Das ist wie in der Musik: Wer ein anderes Lied spielen will, kann nicht die selben Noten benutzen.

Das Evangelium erzählt, dass nur einer von den Jüngern sofort und auf der Stelle Farbe bekennt, während die anderen mit ihrer Antwort noch abwarten. „Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ Da ist sie wieder, die spontane, schnelle, mutige Reaktion des Petrus, die wir schon kennen. Er fackelt nicht lange. Er windet sich nicht heraus. Petrus bezieht klar Stellung. Da gibt es keinen Interpretations-Spielraum. Jesus ist der Messias, auf den das Volk Israel schon so lange gewartet hat. Er ist es, der ersehnte Erlöser und Sohn des lebendigen Gottes, in dem Gott selbst zu uns spricht. Er, und kein anderer. Basta!

Die Reaktion folgt prompt: „Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjóna; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“
Diese Aussage Jesu ist von großer Bedeutung, denn sie stellt klar, dass der Fischer Petrus nicht wegen seiner Klugheit oder anderer Talente solch ein Bekenntnis ablegt, sondern durch eine Eingebung, durch eine Hilfeleistung Gottes.
Dementsprechend preist Jesus ihn nicht wegen der korrekten Antwort auf eine theologische Prüfungsfrage selig, sondern weil der Vater im Himmel ihn zu dieser Aussage geführt hat.

Dann folgt die Konsequenz Jesu daraus: „Ich aber sage dir: Du bist Petrus - der Fels -, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“
Jetzt erst spricht Jesus ihn mit seinem neuen Namen an. Jetzt erst ist er wirklich Petrus, der Fels. Da Petrus sich in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes befindet, kann Jesus auf ihm seine Kirche bauen. Die Mächte der Unterwelt kämpfen zwar stets gegen die Kirche an, aber Gott steht hilfreich hinter ihr und speziell hinter Petrus.

Petrus als Fels operiert also nicht im luftleeren Raum, sondern gewissermaßen unter den Augen Gottes. Nur so kann Petrus die Last dieser Aufgabe über-
haupt an-
nehmen. Nur so kann er diese Bürde tragen.
Mit dieser gewaltigen Aufgabe setzt er sich dem Widerspruch aus; er steht jetzt sozusagen offiziell in der Schusslinie der Unterwelt. Papst Johannes Paul II musste dies bei einem Attentat am 13.Mai 1981 sehr schmerzlich zu spüren bekommen. – Petrus starb in Rom den Tod am Kreuz, wie sein Herr, wie Jesus. Interessant ist am heutigen Evangelium auch, dass Petrus auf die Erklärung Jesu gar nicht antwortet.
Normalerweise ist er doch mit dem Mund sofort dabei. Hier aber schweigt er, denn er spürt, dass dies kein Diskussionsvorschlag Jesu ist, sondern ein Versprechen, eine feste Zusage.

„…auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen“ . Da ist nur einer, der handelt, und zwar Jesus. Es ist nicht die Kirche des Petrus, es ist nicht unsere Kirche, schon gar nicht „Wir sind Kirche“, sondern es ist die Kirche des Herrn. Sie ist sein Eigentum, aber Petrus und uns allen anvertraut. Es ist auch kein Zufall, dass die heutige Szene sich unmittelbar vor Jesu Ankündigung seines Leidens und Sterbens abspielt.
Es geht weiß Gott also nicht um Pomp, Würde und Macht, sondern beim Papstamt geht es um Opfer und schwere Last im Dienste des Herrn.

Das bedeutet freilich auch, dass Petrus und jeder seiner Nach-
folger auf dem Stuhl Petri nicht schalten und walten kann, wie er will. Er ist nur der Verwalter, nicht der Besitzer. Wenn ich eine Wohnung gemietet habe, kann ich nicht eigenmächtig Wände herausbrechen oder Untermieter bei mir aufnehmen. Alle größeren Entscheidungen habe ich als Mieter mit dem Besitzer meiner Wohnung abzusprechen. Das Papstamt in der katholischen Kirche ist nur in dieser engen Verbindung mit dem eigentlichen Herrn der Kirche denkbar.

Dabei bleibt Petrus und jeder Nachfolger stets ein Mensch mit Fehlern und Schwächen und auch ein Sünder.
Mit der dreimaligen Verleugnung seines Herrn dient Petrus da als trauriges Beispiel.
Die Mächte der Unterwelt geben eben nicht klein bei. Sie versuchen immer wieder, der Kirche die dicksten Stolpersteine in den Weg zu legen, am liebsten aber diejenigen, die man erst viel zu spät bemerkt. Die Kirchengeschichte ist leider auch ein Beispiel für solche Fallen, doch das ist ein abendfüllendes Extra-Thema.

Das heutige Evangelium schließt mit Jesu Sätzen: „Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein. Dann befahl er den Jüngern niemand zu sagen, daß er der Messias sei.“

Hier wird es geradezu feierlich. Petrus als Schlüssel-
dienst! Er bekommt die Schlüssel des Himmelreiches von Jesus. Das ist nun wirklich eine Schlüsselposition! Und was so ein richtiger Schlüsseldienst ist, der schließt natürlich hauptsächlich auf, nicht zu!
Der eigentliche Besitzer ist Jesus Christus selbst, und der möchte, dass möglichst vielen Menschen das Himmelreich aufgeschlossen wird!

Petrus, der Hitzkopf, wird in die größte Verantwortung genommen. Jesus ist also nicht wie ein Fußball-
Manager, der einen Stürmer nach einem Patzer auswechselt. Jesus steht zu Petrus, er baut auf ihn und baut ihn auf. Er schätzt dessen Qualitäten, besonders den Mut. Petrus zeigt Führungsqualitäten.
Dazu gehört auch, dass er Fehler eingestehen kann, ja sogar bitterlich darüber weinen kann. Das ist heute oft anders: Fehler z.B. in der Politik werden nur äußerst ungern zugegeben, und wenn doch, dann verkauft man sie am liebsten noch als Erfolg. Das Weinen überlässt man anderen.

Wenn Petrus diese gewaltige Aufgabe annimmt, dann nur im Vertrauen auf Gottes Hilfe. Er weiß, dass er nicht der Supermann der Kirche ist. Gerade das ist vielleicht ein Teil seines Erfolges in der jungen Kirche. Petrus spielt nicht den Helden, den Star. Und mal unter uns gesagt: Ein theologisches Hochschulstudium oder gar ein Abschluss-Examen soll er angeblich auch nicht nachweisen können. Das wären heute schlechte Chancen bei einer Bewerbung im Kirchendienst, oder?

Dieser Petrus bekommt die Himmelsschlüssel. Aber was bedeutet das konkret? Klar ist aus der Formulierung, dass seine Aufgabe auf die Erde begrenzt ist: „…was du auf Erden binden wirst…“ und „was du auf Erden lösen wirst…“

Was ist mit „binden“ und „lösen“ auf Erden gemeint, das auch im Himmel gelten soll?
Die Binde- und Lösegewalt war zur Zeit Jesu ein bekannter Begriff. Die Gesetzeslehrer und Schriftgelehrten hatten die Aufgabe, über die religiösen Vorschriften zu wachen, aber auch die Pflicht, diese Regeln für den Alltag der Menschen zu interpretieren und so Klarheit zu schaffen. So kamen die Menschen zu den Schriftgelehrten, um sich ein Gebot für ihren Fall auslegen zu lassen: Darf ich das, oder darf ich das nicht? Oder man kam, um sich über jemand in der Gemeinde zu beklagen. Diese Gesetzeslehrer hatten dann die Aufgabe, im Konfliktfalle Menschen notfalls aus der jüdischen Gemeinde zu verbannen, natürlich nach ausführlicher Prüfung. Das nannte man „binden“, das Aussprechen des Bannes über eine Person. Ebenso konnte nach reiflicher Prüfung ein Bann wieder aufgehoben werden. Durch dieses „Lösen“ wurde der Sünder wieder in die jüdische Gemeinde aufgenommen.

Die Aussage Jesu macht ja nur Sinn, wenn seine Zuhörer die Begriffe „binden“ und „lösen“ in ihrer Bedeutung für die Gemeinde bereits kannten. Jesus gibt keine Ausführungsbestimmungen dazu, sondern gibt nur diese Erklärung ab: „…was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein….“
Petrus fragt nicht nach: Wie meinst du denn das? Er wusste genau, um was es ging. Jesus vertraute ihm für die Zukunft die Entscheidung darüber an, wie der Wille Gottes für seine Kirche in der Praxis aussieht. Das ist eine Art Vollmacht, wie wir sie aus dem Geschäftsleben kennen. Petrus soll im Auftrage unterschreiben, er soll entscheiden, was gilt und was nicht. Dabei geht es nicht um Gezänk und Recht-
haberei.
Es geht auch nicht um Ent-
scheidungen nach eigenem Ermessen. Das wird im griechischen Urtext deutlich durch die grammatikalische Form in der Zeitform der vollendeten Zukunft: Durch sie wirkt der Satz schon fast steif. Dort steht genau:
„…was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden gewesen sein“ bzw. beim zweiten Teil: „…das wird im Himmel gelöst gewesen sein.“

Das ist kein Streit um Worte, sondern es gibt dem zukünftigen Tun des Petrus einen klaren Hintergrund: Wenn er bindet oder löst im Auftrage Jesu Christi, dann tut er gerade in diesem Moment real etwas, was im Himmel längst beschlossene Sache war. Im Himmel ist es schon gelöst gewesen, im Himmel ist es schon gebunden gewesen!

Petrus wäre völlig überfordert, wenn er aus sich heraus die Kirche auf Kurs halten sollte. Jesus verspricht im heutigen Evangelium ihm und seinen Nachfolgern: Ihr tragt die Verantwortung gar nicht alleine. Das könntet ihr gar nicht leisten. Das geht über alle menschliche Kraft und auch über alle menschliche Urteilskraft.
Ihr könnt aber felsenfest auf Gott vertrauen. Wenn ihr auf ihn baut, werdet ihr Entscheidungen treffen, wie der Himmel sie haben will.

Dabei seid ihr oft genug in heidnischer Umgebung. Man wird euch anfeinden, weil ihr die Götzen nicht verehrt, denen die Mehrheit der Menschen huldigt. Die Götzen-
stadt Cäsaréa Philíppi ist überall und zu jeder Zeit. Bleibt wie Petrus felsenfest! Keine Macht den Götzen!


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Ein Anwalt kam nach einer erfolgreichen und ehrlichen Karriere an die Himmelspforte, gleichzeitig mit dem Papst. Petrus grüsste zuerst den Papst und begleitete ihn zu seiner neuen Wohnung: Der Raum war klein und schäbig, ähnlich einem drittklassigen Autobahnmotel. Danach wurde der Anwalt zu seinem Quartier gebracht: Eine palastähnliche Anlage mit Swimming-pool, einem Park und Garten, und eine Terrasse mit malerischer Sicht auf die Himmelspforte. Der Anwalt war irgendwie ein bisschen überrascht und sagte zu Petrus: "Ich finde es sehr eigenartig, wenn ich diese meine Wohnstätte betrachte, nachdem ich gesehen habe, wie billig selbst der Papst untergebracht worden ist." Da antwortete Petrus: "Ach, weißt du, wir haben hier oben gut 200 dieser Päpste, und ehrlich gesagt langweilen sie uns langsam ziemlich - aber wir hatten noch nie einen Anwalt!"

Ein braver Mann stirbt und kommt in den Himmel.
Er bekommt auch bloß ein Wurstbrot und es ist alles furchtbar fromm.
Da sieht er in die Hölle runter und sieht, dass es da ganz lustig zu geht. Alle sind fröhlich und haben ein riesengroßes Festmahl. Da kann sich der Gute nicht halten und sagt zu Petrus: "Ich will auch runter in die Hölle!" - Meint Petrus: "Meinetwegen! Ist deine Entscheidung, geh nur!" Also kommt der Mann in die Hölle und wird gleich vom Teufel gepackt, in einen Kochtopf geworfen und erst mal kräftig untergetaucht.
Als er wieder auftaucht, fragt er den Teufel: "Ich habe doch vorhin vom Himmel aus ganz was anderes gesehen! Wo ist denn das Festmahl und die Feier?" - Darauf der Teufel: "Ach das! Das ist nur unsere Werbeabteilung!"


Ein Mann kommt zum Himmelstor...der Zugang wird ihm verweigert! Empört ruft er aus: "Ich habe jede Menge Kirchensteuer bezahlt und regelmäßig gespendet, ich hab jetzt wohl das Recht, hier reinzukommen!"
Petrus ruft nach hinten: "Gebt dem Mann sein Geld zurück, und dann kann er gehen!"


Die Blume Petri

Im christlichen Glauben gibt es Er-
zählungen rund um die Entstehung der Schlüsselblume, z.B. diese: Petrus erfuhr eines Tages, dass sich jemand den Schlüssel für die Himmelstüre nachgemacht hatte.

In seiner Aufregung ließ er den Hauptschlüssel auf die Erde fallen. Sofort wurden Engel los geschickt, um diesen zurückzubringen. Doch dort, wo der Schlüssel liegen sollte, war er nicht zu finden - stattdessen wuchsen Felder von Blumen, deren gelbe Blüten die Form des Himmelsschlüssels hatten.


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