03.08.2008

Chinesisch süß-sauer

Chinas brutaler Umgang nicht nur mit Christen (Fortsetzung)

Mit der sogenannten „Administrativhaft“ können Leute bis zu drei Jahre ohne Anklageerhebung oder Prozess gefangen gehalten werden. Da gibt’s kein Gold für die Menschenrechte! (siehe Linktipps)
Die Führer in China haben ganz sicher sehr, sehr aufmerksam den Zerfall und den Sturz der kommunistischen Diktaturen in Europa analysiert. Auch der Beitrag der Kirche dazu blieb ihnen nicht verborgen…

Dies führte natürlich dazu, dass die Christen besonders skeptisch beäugt werden.
So ist der Vatikan in großer Sorge. Papst Benedikt XVI. hat darum 2007 – ein Jahr vor den olympischen Spielen - einen Brief an alle Katholiken Chinas und an die Regierung geschrieben. Das 48-seitige Schreiben in chinesischer Sprache sollte in China veröffentlicht werden; es war sehr behutsam formuliert (siehe meine Link-Hinweise unten) und war ausdrücklich als Angebot zum Dialog deklariert. Geradezu händeringend rief der Papst darin zur Versöhnung unter den verschiedenen Gruppierungen auf.

Unter anderem behandelte er aber auch das besonders heikle Thema Bischofsweihen. Es versteht sich von selbst, dass der Vatikan solche Bischofsweihen, die ohne die Zustimmung des Vatikans erfolgt sind, als „nicht rechtmäßig, aber gültig“ bezeichnet. Das wiederum empört China, zumal Benedikt auch die Christenverfolgung in China deutlich verurteilt hat.

Wie China mit diesem Papstbrief umgeht, ist ein Lehrbeispiel für seinen Kontrollzwang. Die online-Suche nach ihm wurde gesperrt, und die Bekanntgabe verhindert, wo es möglich war. Betreiber von Internetseiten, auf denen der Text schon vorhanden war, mussten ihn auf Anweisung löschen. Die Homepage des Vatikans ist natürlich auch von China aus nicht erreichbar. Barsche Reaktion der Regierung an den Vatikan: Der Vatikan habe kein Recht, sich in die inneren Angelegenheiten einzumischen. Vor einer Annäherung müsse der Vatikan unter anderem erst einmal seine diplo-
matischen Beziehungen zu Taiwan aufgeben.
Bischof Julius Zhi Guo ist wieder einmal inhaftiert worden, diesmal wegen der Verbreitung des Papstbriefes. Er ist ein Beispiel für die Zermür-
bungstaktik gegen die Kirche, denn der jetzt 73-jährige Geistliche hat bereits mehr als 20 Jahre seines Lebens in Haft verbracht. Jedes Mal wurde er in einer „Studiensitzung“ (…!) bearbeitet, doch auch der Patriotischen Vereinigung beizutreten.

Das Wachstum der romtreuen katholischen Kirche ist enorm, besonders unter der jungen Bevölkerung. Die Kirchen sind voll, und das weiß die Regierung. Dementsprechend nervös ist man. So mischt man sich massiv in die Verwaltung der Gemeinden und Bistümer ein, in die Besetzung von Ämtern besonders. Verantwortliche Leiter werden verpflichtet, ideologische Schulungen des Staates zu besuchen. Auslandskontakte werden streng überwacht. Einige, die solche staatliche Befehle missachten, werden als „illegal“ erklärt und setzen sich der Verfolgung aus.
Doch hier zeigt sich wieder einmal, wie verschieden dies vor Ort von den Behörden gehandhabt wird. Wenn man fragen würde, ob Christen in China unterdrückt werden, könnte man dies nicht generell mit ja oder nein beantworten. Es gibt grausame „Behandlungen“ ebenso wie stilles Gewährenlassen.
Die Bischöfe werden immer wieder zu „Schulungen“, Vorträgen usw. abgeholt. Gong Shengliang z.B. wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Gefängnis wurde er derart gefoltert, dass er ins Koma fiel.
Der Vatikan steckt auch in einem Dilemma. Offiziell darf man vieles nicht dulden, inoffiziell sucht man nach Lösungswegen und spricht auf geeigneten Kanälen auch immer wieder mit chinesischen Diplomaten. Eines der Ziele ist es, eine päpstliche Nuntiatur in Peking zu errichten. Davon verspricht man sich bessere Kontakte und Einflussmöglichkeiten.

Die Frage der Bischofsweihen gegen den Willen Roms ist eines der großen Hindernisse auf dem mühsamen Weg zu einer Entspannung und Normalisierung der Lage, die die Katholiken in China so dringend brauchen. Wer die Diplomatie des Vatikans ein wenig kennt, würde sich nicht wundern, wenn man dort zu erreichen versucht, dass man sich hinter den Kulissen jeweils mit China auf einen Kandidaten verständigen kann. So könnten beide Seiten ihr Gesicht wahren, was gerade für die Chinesen ein nicht zu unterschätzender Punkt sein dürfte.

Die Versöhnung mit den Mitgliedern der regierungs-
nahen Kirche ist ein wichtiges und die Zukunft entscheidendes Anliegen. Natürlich gibt es bei den Gläubigen noch viel Verbitterung und Misstrauen, sodass gegenseitige Kontakte äußerst vorsichtig geschehen.

Die Olympischen Spiele sind für die Herr-
schenden in China ein temporäres Ereignis, bei dem sie um fast jeden Preis glänzen wollen. Danach wird man wieder zur gewohnten Tages-
ordnung übergehen. In den „Umerziehungslagern“ wird weiter z.B. mit Elektroschocks „behandelt“.
Wie Amnesty International betont, wird für insgesamt 70 Delikte die Todesstrafe verhängt, z.B. auch für Steuerhinterziehung. Familien und Anwälte bekommen meist keinen Zugang zu den Angeklagten und keinerlei Information. Skeptiker meinen sogar, es stehe zu befürchten, dass die Olympischen Spiele nur als Vorwand genutzt würden, um sich bei dieser Gelegenheit des einen oder anderen „Problems“ zu entledigen.

Es wird einen langen Atem und noch lautere und anhaltende Proteste brauchen, um die Regierung Chinas zum Überdenken ihrer Haltung zu bewegen. Das Einknicken der Verantwortlichen beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) war da wenig hilfreich.
Über die Tapferkeit und das Leiden chinesischer Christen könnte man sicher ein dickes Buch schreiben. Wünschen wir dem Vatikan und allen Beteiligten, dass durch das Gebet und mit Gottes Hilfe bald auch in China eine spürbare und vor allem anhaltende Verbesserung der Lage eintritt!

Linktipps zum Thema: (Rechtsklick!)

- Christenverfolgung international >>> klicken!

- Amnesty International: Gold für
Menschenrechte? >>> klicken!

- Gefängnis: Christliche Lieder verboten >>> klicken!

- Kirche in Not: Länderbericht China >>> klicken!

- Kirche in Not: Chinas Christentum
in Gefahr >>> klicken!

- Broschüren, auch über China, als pdf >>> klicken!

- Papstbrief an Chinas Katholiken >>> klicken!

- China: Land mit zwei Gesichtern >>> klicken!

- Frankf. Rundschau: China, ein Alptraum >>> klicken!

- Die chinesische Sichtweise >>> klicken!

- "China-Observer" - deutschsprach. Infos >>> klicken!

- China-Zentrum der Steyler Missionare >>> klicken!

- Der Wortbruch des IOC >>> klicken!

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