13.10.2008

Lustobjekt Priesterkommunion

(Fortsetzung)

Bereits 2003 hat Papst Johannes Paul II.

in seiner Enzyklika „Ecclesia de Eucharistia“ einen eindringlichen Appell ausgesprochen, die verbindlichen liturgischen Normen treu zu befolgen.

Das eucharistische Opfer ist „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“, erinnert bereits das Zweite Vatikanische Konzil.

Es geht also nicht um Randprobleme oder gestalterischen Kleinkram, wenn an der Feier der Eucharistie herumgebastelt wird. Die Art der Feier des Altarsakramentes ist wie ein Seismograph: ganz empfindlich wird hier angezeigt, wie weit der Kern unseres Glaubens schon von Erschütterungen erfasst wird, aus denen später ein Erdbeben entstehen kann.


In der Instruktion „Das Sakrament der Erlösung“ bzw. „Redemptionis sacramentum“ ( siehe Linktipp unten) zur erwähnten Enzyklika wird in acht Kapiteln detailliert erläutert, wie eine Heilige Messe gefeiert wird. Dabei werden keine neuen Vorschriften erlassen, sondern nur

die bereits geltenden Richtlinien an einem einzigen Ort zusammen-

gefasst. Manche dieser weltweit geltenden Klarstellungen zielen eher auf Missbräuche in anderen Teilen der Erde, viele aber auch auf die Kirche hier. Immer wieder kommt dabei das Anliegen zum Ausdruck, die Eucharistie vor Übergriffen und Gedankenlosigkeiten zu schützen.


In diesem Zusammenhang wird über die Kommunion der Priester im 4.Kapitel unter Punkt 3 wörtlich ausgeführt: „97. Sooft der Priester die heilige Messe zelebriert, muß er am Altar zu dem vom Meßbuch festgesetzten Zeitpunkt kommunizieren, die Kon-

zelebranten aber, bevor sie zur Kommunion-

austeilung gehen. Niemals darf der zelebrierende

oder konzelebrierende Priester bis zum Ende der Kommunion des Volkes warten, bevor er selbst kommuniziert.“

(Vgl. II. Vat. Ökum. Konzil, Konst. über die hl. Liturgie Sacrosanctum Concilium, Nr. 55; Missale Romanum, Institutio Generalis, Nrn. 158-160; 243-244; 246.)


Wenn die heimischen Liturgie-Bastler dies bewusst ignorieren, liefern sie den Gläubigen nicht nur ein schlechtes Beispiel, was das Einhalten von kirchlichen Regeln betrifft. Sie demonstrieren damit nicht nur, dass ihnen eigentlich schnurz-egal ist, was allgemein gültig und beschlossen ist. Sie liefern nicht nur all denen Argumente, die ebenfalls machen, was sie wollen, z.B. unwürdig zur Kommunion gehen.

Nein, sie stoßen damit auch ihre Priesterkollegen und ihren Bischof vor den Kopf, denn in dessen Verantwortung liegt die Einhaltung der liturgischen Normen in seinem Bistum.


Wie soll er darauf reagieren? Die meisten Bischöfe halten sich bedeckt. Ob bei ihnen überhaupt der Wille besteht, auf die Einhaltung von gültigen Regeln zu drängen, weiß ich nicht. Im außerkirchlichen Bereich hätte es mit Sicherheit jede Menge Abmahnungen für die Bastler gegeben. Im Internet findet sich m.W. lediglich 2005 eine klare Anweisung des Bischofs von Speyer im Amtsblatt: „…Es geht nicht um Gängelung oder Rubrizismus, sondern um das rechte Verständnis dessen, was die Kirche tut und feiert. Wir feiern die Liturgie der Kirche, nicht die der Gemeinde oder des jeweiligen Pfarrers…Alle Bemühungen und Ermahnungen bleiben jedoch folgenlos, wenn eine Mentalität vorhanden ist, die alles aus Rom Kommende sofort als Störung von außen abwehrt oder es überhaupt nicht zur Kenntnis nimmt; wenn sich der Einzelne über die liturgische Tradition und den Vollzug der Kirche verfügungsberechtigt fühlt und seine jeweiligen liturgischen Veränderungen, Streichungen oder Ergänzungen als gleichwertig betrachtet…“


Hier kommen wir zum eigentlichen Problem!

Der Priester hat möglicherweise gar nicht gründlich nachgedacht. Vielleicht will er mit der späten Priesterkommunion nur besondere Demut demonstrieren, indem er den anderen den Vortritt lässt?

Vielleicht hat er gar nicht verstanden, dass nicht er selbst im Mittelpunkt steht, sondern Christus!

Wie will er in der Kommunion weiterschenken, was er nicht selbst zuvor empfangen hat? Die Kirchenväter haben sich schon etwas dabei gedacht, wenn der Priester, der die feiernde Gemeinde vor Christus repräsentiert, selbst zuerst die Kommunion als Stärkung empfängt! Die Priesterkommunion gehört ihrem Wesen nach zum

absoluten Muss der Heiligen Messe, die der Gläubigen nicht – sie können im Gegensatz zum Priester den Leib Christi empfangen oder auch nicht.

So bleibt es bei Lichte betrachtet eigentlich nur Ahnungslosigkeit oder aber Selbstdarstellung und Wichtigtuerei, wenn ein Priester sich seine Messe selbst zurechtzimmert. Das ist in jedem Falle nicht nur bedauerlich, sondern eines Priesters unwürdig, der bei seiner Weihe hoch und heilig gelobt hat, ein gehorsamer Diener Christi und der Kirche zu sein. Die Heilige Messe ist keine Theater-Aufführung!


Die Instruktion im Wortlaut:

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