Der himmlische Winzer weiß aber nur zu gut, was bei uns fruchtlos ist, was nur üppiges Grün und äußerer Schein ist, aber keine Lebensfrucht bringt. Er hat stets sein Ziel im Auge: die Ernte am Ende des Reifungsprozesses. Dafür müssen die guten Reben stets genug Nahrung und Licht bekommen.
Auch das kennen wir aus dem täglichen Leben: wer einem besonders wichtig ist, mit dem bleibt man gerne und regelmäßig in Verbindung. Wenn einem an einer Person etwas liegt, dann sorgt man schon dafür, dass der Kontakt nicht abreißt. Man bleibt im Gespräch. Liebende tun das selbst dann, wenn das manchmal nur per Telefon geht, eventuell sogar mit teuren Auslandsgesprächen. Die hohe Telefon-
rechnung nehmen sie dafür in Kauf. Liebende wollen zusammenbleiben, so gut das eben machbar ist.
„Bleiben“ ist auch das Stichwort Jesu im heutigen Evangelium. Ich habe es nachgezählt: insgesamt 9 mal kommt der Begriff in diesem Text vor. Nicht das Abschneiden schlechter Reben ist also das Haupt-
thema, sondern die feste, andauernde Verbindung, das Bleiben.
Jesus sagt es so: „Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben…“
Wenn wir die Stelle in der Bibel aufschlagen, sehen wir sofort: nur wenig später beginnt das Leiden und Sterben Jesu. So dürfen wir die heutige Aussage Jesu auch als eine eindringliche Aufforderung Jesu an alle ver
stehen, die seine Jünger und Nachfolger sein wollen: Bleibt mir treu! Bleibt mit mir in fester Verbindung!
Genau wie eine Rebe könnt ihr aus euch selbst nicht wirklich Frucht bringen. Das gelingt dauerhaft nur dann, wenn ihr von mir wie von eurem Weinstock dazu die nötigen Nährstoffe bekommt.
Jesus fordert von den Seinen also nicht irgendwelche olympiareifen Leistungen, die sie nur mit zusammen-
gebissenen Zähnen, leidendem Gesichtsausdruck und körperlich völlig erschöpft erreichen können.
Nein, Christsein und Nachfolge Jesu ist kein Kon-
kurrenzkampf und kein Leistungssport. Was Jesus erwartet, ist etwas anderes: es ist die Bereitschaft, in Verbindung zu bleiben, also etwas, das für Liebende das Selbstverständlichste der Welt ist.
Unsere moderne Welt hat dafür sogar einen englischen Ausdruck parat: die „Flatrate“. Bekannt wurde der Begriff besonders für Telefon und Internet. Als Käufer eines „Flatrate“-Tarifes hast du pauschal das Recht erworben, beliebig oft und beliebig lange zu telefonieren oder im Internet zu surfen. Früher nannte man das auf gut deutsch einfach einen Pauschal-Tarif. In einer Pauschale ist alles enthalten, wie bei einem Pauschal-Urlaub.
Solch eine Jesus-Flatrate sollte der Christ also haben, meint Jesus. Natürlich genügt nicht das Haben. Es wäre dumm, einen Pauschal-Tarif zu besitzen, ihn aber nicht zu nutzen. Nein, sagt Jesus, nur wenn ihr dauernd mit mir in Verbindung steht, werdet ihr gute Frucht bringen.
Das ist fast schon wie bei einem Kind im Mutterleib: Ohne die ständige Versorgung durch die Nabelschnur wird das Kind nicht wachsen und reifen können.
Für uns Christen ist es also die vordringlichste Aufgabe, mit Jesus in Verbindung zu bleiben. Das ist überhaupt nichts Anstrengendes. Vielmehr ist es unter Liebenden die natürlichste Sache der Welt.
Ja, das ist der springende Punkt:
die Liebe! Nur wer Jesus liebt und ihm vertraut, kann auf Dauer in dieser Abhängigkeit von ihm leben.
Dabei darf man nicht übersehen, dass man als Jünger Jesu schon längst in dieser festen Verbindung drin ist, man muss darum also nicht etwa bitten. Jesus sagte schließlich: „Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch.“ - Man kann ja logischerweise nur irgendwo bleiben, wenn man schon dort angekommen ist! Also ist jeder von uns schon in Jesus Christus, und der ist in jedem von uns. Das Stichwort „Taufe“ sollte hier genügen, um jeden von uns an den Beginn dieser Verbindung zu erinnern. In jedem Empfang der Heiligen Eucharistie stärkt der Herr diese Verbindung, indem er ganz konkret zu uns kommt.
Unsere Aufgabe ist es nicht, darüber zu grübeln, wie wir wohl am besten Frucht bringen für den Weinberg Gottes. Die Weinreben brauchen sich nicht um die Frucht zu kümmern, das macht schon der Winzer.
Die einzige Aufgabe der Weinreben ist es, mit dem Weinstock in dauernder Verbindung zu bleiben, deshalb ja auch die Jesus-„Flatrate“. Dann können die Jesus-Nährstoffe ungehindert fließen, und nach guten Pflegemaßnahmen durch den Winzer wird es eine reichliche Ernte geben.
Wir sollten also weder Erbsen noch Trauben zählen, nicht vergleichen und nicht rechnen. Nicht wir entscheiden, was abgeschnitten wird, sondern Gott, der Winzer. Überlassen wir das getrost dem Fachmann. Der weiß sehr genau, was verbrannt werden muss, damit es die anderen Reben nicht gefährdet.
Die französische Philosophin Simone Weil brachte es so auf den Punkt: „Warum sollte ich mir Sorgen machen? Meine Sache ist es, an Gott zu denken. Und Gottes Sache ist es, an mich zu denken.“
Und zum Schluss noch der Hinweis: Es fällt auf, dass Jesus sich an alle wendet, nicht an Einzelne: „Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch.“ - Einen Weinstock mit nur einer einzigen Rebe habe ich auch noch nicht gesehen. So geht es Jesus auch hier um die Gemeinschaft seiner Jünger.
Gemeinsam sollen wir in Verbindung bleiben, gemeinsam sollen wir die Heilige Messe feiern. Alleine Frucht bringen zu wollen, ist eine ziemlich langweilige und sogar sinnlose Angelegenheit. Auch bei den Christen gilt: Alle für einen, einer für alle! Und das auch noch zum kostenlosen Pauschal-Tarif! Also lasst uns stets Jesu Energie in uns aufnehmen, damit wir alle uns dereinst über die große Ernte mitfreuen können.
Eine Zeitlang möchte ich hier als ersten Linktipp Internetseiten von Pfarreien vorstellen, die mir positiv aufgefallen sind, z.B. durch Predigten, durch Pfarr-
briefe, durch gelungene Gestaltung usw. Gerne sind weitere Vorschläge Ihrerseits willkommen!
St. Johannes Gladbeck >> HIER KLICKEN !
Kath. Bibelwerk: Einführung und Lesehilfe
Gottesdienstbausteine / Bildmeditation
(ab S.5 / pdf) >> HIER KLICKEN !
Predigt Ev. Ref. Gemeinde Giessen
Klosterwein aus Israel
Paten für Kloster-Weinberg in Bethlehem gesucht
Klosterweingut St. Hildegard, Bingen
Wichtiger Nachtrag: Religionsunterricht ist besonders in den höheren Klassen ein hartes Brot.
Als der neue Kaplan seine erste Stunde halten soll, grinst die Klasse ihn an und zeigt auf die Tafel. Dort steht in übergroßer Schrift: „Der Kaplan ist ein Esel!“ – Das Grinsen hält allerdings nicht lange an, denn der pfiffige Kaplan nimmt die Kreide und ergänzt den Satz: „… treiber!“
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