05.04.2010

2. Sonntag der Osterzeit - 11.4.2010

(Fortsetzung)

Da können hundert Freunde sagen, dass die Erde eine Kugel ist – glauben muss ich das trotzdem nicht!
Thomas will
nicht einfach so tun als ob. Er kann es nicht glauben, und das sagt
er auch. Egal, wenn die anderen deswegen jetzt über ihn herfallen – es ist einfach so: das kann er nicht fassen, das kommt ihm doch sehr unwahrscheinlich vor. Klar, er würde es gerne glauben. Schön, wenn es so wäre! Aber Thomas bringt einfach kein Halleluja heraus; es bleibt ihm sofort im Halse stecken.
Vielleicht ergeht es Ihnen, liebe Mitchristen, manchmal auch so, dass Sie denken: Dieser Thomas da ist mir sympathisch. Der jubelt nicht einfach mal so los, bloß weil die anderen jubeln. Ihm ist nicht zum Jubeln, und er steht dazu. Der Thomas lässt sich nichts auf-
schwatzen, selbst dann nicht, wenn er sich damit unbeliebt macht. Thomas ist ein Mann mit Charakter.
Und Thomas passt damit ganz gut zu uns modernen Menschen. Was wird uns heutzutage nicht alles an Geschichten und Bildern aufgetischt! - Oft genug hat sich schon rausgestellt, dass Nach-
richten und Behauptungen absichtlich manipuliert worden sind.
Da wird etwas weggelassen, dort wird etwas hinzu erfunden, hier wird ein Bild geschickt retuschiert oder eine andere Meinung einfach unterschlagen. Wir heute haben unsere Lektion gelernt: Sei vor-
sichtig, trau keinem so schnell über den Weg! - Nein, wir sind gebrannte Kinder. Wir lassen uns so leicht kein X mehr für ein U vormachen. Mit uns nicht!
Und dann kommt Vieles auch noch auf den Blick-
winkel an. Auch unser Gehirn lässt sich aus-
tricksen. Wir kennen das von vielen optischen Täuschungen und Spielereien. Der eine sieht es so, der andere eben anders. Da ist dieser Apostel Thomas jemand, den wir nur allzu gut verstehen. Er kann einfach nicht aus zweiter Hand glauben. Das Bemerkenswerte an dieser Situation ist aber: Thomas darf seinen Zweifel frei heraus äußern, wie das Evangelium es uns verrät: „Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.“
Nein, sie fallen eben nicht über ihn her. Thomas wird nicht ausgebuht oder als Nörgler hingestellt, der die schöne Stimmung kaputt macht oder mit seiner Außenseiter-Meinung die Gemeinschaft gefährdet. Die anderen Jünger kritisieren ihn überhaupt nicht wegen seiner Glaubenszweifel. Vielmehr hören sie ihm zu und spielen nicht die beleidigte Leberwurst. Eigentlich hätten sie Grund genug dazu, denn sein ausdrücklicher Zweifel an ihren Schilderungen unterstellt doch indirekt, dass ihre Worte keinen Glauben verdienen. Doch alle damals Anwesenden spüren, wie ernst es ihm ist, welche Not hinter seinem Zweifel steckt. Thomas wird erst einmal so akzeptiert, wie
er ist.
Die Gemeinschaft der Jünger ist da ein gutes Beispiel für christliche Gemeinden heute. Nicht jeder hat Jesus so nah erfahren, dass er oder sie ganz selbstverständlich begeistert ist. Es gibt auch die Krise, es gibt auch den Zweifel, und in der Gemeinschaft der Nachfolger Jesu darf man das auch zugeben. Ein kluger Mann hat einmal gesagt: Im Glauben bleibt man sein Leben lang Anfänger!
Für unsere Pfarrgemeinden kann das heißen: Hier ist Platz und Verständnis auch für diejenigen, die sich sichtlich schwertun und mit manchem in der Kirche nicht oder noch nicht einverstanden sind. Das Signal des Thomas und anderer Zweifler heißt ja nicht: Ich will nicht glauben. Es heißt vielmehr: Ich möchte glauben, aber ich brauche dazu noch Jesu Hilfe. Thomas will sagen: Ich möchte den Herrn im wahrsten Sinne des Wortes begreifen. Ich muss handgreiflich werden, damit ich glauben kann. Tut mir leid, aber anders geht’s nicht!
Um das, was dann passiert, werden viele diesen Thomas sicher beneiden. Er bekommt tatsächlich eine besondere Hilfe von Jesus. Diese Extrawurst besteht darin, dass Jesus nach acht Tagen noch einmal bei den Jüngern erscheint, die gerade wieder versammelt sind. Diesmal ist im Bibeltext keine Rede mehr von Furcht der Jünger vor den Juden; sie haben also durch die vorige Erscheinung neuen Mut gefasst. Wir sehen auch bei diesem Er-
scheinen Jesu den gleichen Anfang mit dem herzlichen Friedens-
gruß wie vorher. Doch dann wendet er sich speziell dem Apostel Thomas zu. Er nimmt den Zweifler so an, wie er ist. Er holt ihn dort ab, wo er gerade in seinem Glauben steht und zeigt sich ganz verständnisvoll und geduldig: „Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott!“
Auf vielen alten Gemälden ist zu sehen, wie Thomas mit seinen Fingern regelrecht in der Seitenwunde Jesu herumbohrt. So drastisch hat man sich die Inspektion Jesu durch den „ungläubigen“ Thomas vorgestellt, nach dem Motto: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!
Und? Hat er denn nun seine Finger in die Wunde gelegt oder nicht? Ist Thomas wirklich bei Jesus handgreiflich geworden?
Wer den Bibeltext genau betrachtet, der stellt fest, dass der Clou an dieser Stelle gerade der ist, dass Thomas eben nicht auf der handfesten Prüfung besteht. Von dem, was er vorher ausdrücklich als Bedingung für seinen Glauben an die Auferstehung genannt hatte, ist nicht viel übrig geblieben. Thomas will auf einmal gar nicht mehr seine Finger in die Wunden legen. Er reagiert auf die aus-
drückliche Aufforderung Jesu, dies jetzt zu tun, nicht mit Taten, sondern nur mit Worten. Aber diese Worte des Thomas haben es
in sich!
Thomas antwortet Jesus nämlich mit einem großartigen Be-
kenntnis: „Mein Herr und mein Gott!“
Wer hätte das gedacht? Ausgerechnet Thomas, der vorher einen so heftigen Auftritt hatte, ist auf einmal wie vom Blitz getroffen. Er ist einfach überwältigt von der Erscheinung Jesu! Ausgerechnet Thomas,
der Zweifler, wird hier zum Vorbild. Nicht nur, dass er den auf-
erstandenen Jesus als seinen Herrn erkennt und anspricht. Nein, ausdrücklich sagt er: „Mein Herr und mein Gott!
Thomas sind bei der persönlichen Begegnung mit Jesus die Augen aufgegangen. Der Auferstandene ist wirklich Gottes Sohn, ist wirklich Gott! - Thomas ist jetzt mit seinem Glaubensbekenntnis ebenso schnell und ebenso eindeutig wie ehedem mit seinem Zweifel.
Er stellt nun keine Bedingungen mehr, sondern er glaubt, und zwar bedingungslos. Was für eine tiefe, herrliche Verwandlung!

Wenn wir an herzergreifende Filme im Kino oder im Fernsehen denken, wäre genau dies doch eigentlich die geeignete Stelle für das happy-end! Sicher sind in diesem Augenblick damals auch ein paar Freudentränen geflossen, und das käme für die Zuschauer heute auch gut rüber. Der Evangelist Johannes will jedoch keine gefühlvolle Story bieten, nach dem Motto „Jesus – hautnah“ .
Im Bibeltext kommt das eigentliche Aha-Erlebnis für uns als Leser und Hörer erst im Anschluss daran: Jesus antwortet Thomas schließlich noch, denn dort steht: „Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“
Jesus sorgt sich also um den Glauben des Thomas, aber eben nicht nur um dessen Glauben. Er hat auch uns alle im Blick. Thomas hat geglaubt, weil er Jesus unmittelbar mit eigenen Augen sehen durfte. Diese Gelegenheit, dieses Glück hat nicht jeder. „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“ - Diese Aussage ist dem Auferstandenen sehr wichtig. Wir haben also nicht Pech gehabt, wenn wir nicht damals gelebt haben und dabei waren.
Der Gedanke geistert schon seit den ersten christlichen Gemeinden in den Köpfen herum: „Ach, hätte auch ich Jesus leibhaftig gesehen, dann könnte ich viel leichter glauben!“
Das sieht Jesus offenbar anders. Handfeste Beweise – das ist schön und gut. Der Glaube ist jedoch etwas anderes als die Aktenberge für eine Gerichtsverhandlung. Wenn du nach Beweisen fragst, benimmst du dich wie einer, der von seinem Ehepartner verlangt, er solle gefälligst seine Liebe zu dir beweisen.
Ist das eine gute Basis für eine glückliche Ehe? Wird dir das wirklich weiterhelfen? Was kommt danach als Nächstes? - Die Kernfrage beim Glauben ist daher die Frage nach dem Vertrauen. Vertraue ich Jesus? Vertraue ich mich ihm grundsätzlich an? Oder lasse ich den Zweifel übermächtig werden, so wie das Unkraut in kurzer Zeit einen ganzen Garten ruinieren kann?
Jesus hat Recht. Diejenigen, die sich vertrauensvoll auf ihn einlassen, die sind im Grunde viel besser dran als diejenigen, die nach Beweisen verlangen. Wer Beweise will, der braucht morgen oder in der nächsten Krise wieder neue Beweise, und bald danach wieder neue Beweise und so weiter. So jemand wird abhängig von seiner jeweiligen religiösen Wetterlage. Wirklich froh, ja selig sind die, welche „JA“ gesagt haben und bei ihrem „JA“-Wort des Glaubens bleiben. In der Krise wissen diese Christen genau: Das ist wie mit der Sonne – sie scheint auch dann, wenn ich sie gerade nicht sehen kann! Jesus ist bei uns, auch wenn ich ihn nicht mit meinen Händen begreifen kann. Solche Menschen sind die wahren Glückspilze, sagt Jesus. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ganz viel Glück!

Predigt: „Gott schafft Neues, indem er den Zweifel überwindet“ (pdf)
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Predigt: „Der Auferstandene hat seine Wunden behalten“
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Papst Benedikt über den „ungläubigen“ Thomas
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WiBiLex – Bibel-Lexikon im Internet
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„ADSUM“ – der Film zum Priesterjahr 2010
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Monatsthemen Pfarrbriefservice: April 2010 = „Beichte…“
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Datenbank: Burgen und Schlösser in Deutschland
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Lecker: Aufregung bei Familie Schmitz: Die 17-jährige Tochter bringt ihren neuen Verehrer am Sonntag zum Abendessen mit. Der Freund ist vom üppigen Essen begeistert und macht der Hausfrau ein Kompliment: „Also, so gut wie bei Ihnen habe ich schon lange nicht mehr gegessen!“ - Alles strahlt, bis man die Ergänzung des kleinen Bruders deutlich hört: „…und wir auch nicht!“

Statistisch korrekt: Wenn ein Jäger bei der Jagd einmal am Hasen links vorbeischießt und einmal rechts vorbeischießt, dann ist der Hase durchschnittlich gesehen tot.

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