20.04.2010

4. Sonntag der Osterzeit C - 25.4.2010

(Fortsetzung)

Solch liebenswürdige Schafe sind wir nun mal nicht. Für uns gilt eher, dass wir ganz schön bockig sein können. Und viele gibt es, die entfernen sich aus der Herde, die melden sich einfach ab. Und von den dummen Schafen, die jüngere Schafe missbraucht haben und damit dem Ansehen der ganzen Herde schaden, wollen wir hier lieber schweigen – es ist einfach zu traurig für alle. Nein, lieber Jesus, so mögen wir empfinden, das läuft bei uns leider alles doch ein wenig anders als in deinem Evangelium!

Schauen wir deshalb lieber etwas genauer auf die Worte Jesu!
Da geht es gar nicht großartig um die Talente der Schafe, um ihre Fähigkeiten, um die Menge ihrer Wolle oder wer weiß was. Es geht zuerst einmal darum, dass sie nicht irgendwelche Privatschafe sind. Sie gehören alle jemand, und zwar Jesus selbst. Sie sind allein sein Eigentum. Nur ihm steht es zu, über ihr Schicksal zu entscheiden. Und da er es nur gut mit ihnen meint und er jedes von ihnen ganz genau kennt, schenken sie ihm ihr Vertrauen. Nicht nur er geht mit ihnen durch dick und dünn, sondern eben sie auch mit ihm.
Dieser Jesus ist fast so etwas wie ein Schafe-Flüsterer. Wenn die Seinen bloß seine Stimme hören, sind sie schon ganz aufgeregt und froh! Jesus sagt dazu: „Ich kenne sie…“ – kennen, das ist heute so ein Allerweltswort.
Kennen wir jemanden wirklich, oder kennen wir vielleicht nur sein Sonntagsgesicht? – Die Bibel jedenfalls meint mit „kennen“ weit mehr als nur eine abfragbare Information.
Wenn Jesus sagt, dass er die Seinen kennt, dann ist das ein ganz umfassendes Kennen, ein liebevolles Vertrautsein, also ein Kennen, wie eine Mutter ihren Säugling kennt. So wie sie ihm erst durch ihre unermüdliche und aufopfernde Fürsorge das Weiterleben ermöglicht, genau auf diese Weise kennt auch Jesus die ihm Anvertrauten.
So wie die Mutter sich viele Stunden für ihr Kleines aufreibt, so wie sie auf alle seine Regungen achtet, um zu trösten, zu sättigen, um Schmerz zu lindern usw., so meint es Jesus, wenn er vom Kennen seiner Schafe spricht. Rund um die Uhr ist er für die Seinen da, und jeden kennt er besser als derjenige sich selbst. Wie schön ist es also, wenn Jesus sagt: Ich kenne dich!

Die Frage ist nur, wer tatsächlich zur Herde Jesu gehört. Nicht jeder, der sich selbst gerne und wie selbstverständlich als Schaf in der Herde Jesu mitrechnet, ist auch wirklich dabei. Das heutige Evange-
lium ist da ebenso kurz wie einprägsam. Jesus sagt: „…ich kenne sie, und sie folgen mir…“
Es gibt also doch ein ganz einfaches Mittel, um festzustellen, wer zu Jesus gehört. „…sie folgen mir…“, heißt es. Damit ist alles gesagt. Das ist die hervorragendste Eigenschaft – dem Hirten Jesus nach-
folgen. Und damit sind wir bei jedem von uns persönlich angelangt.
Um Jesus wirklich folgen zu können, muss ich mich meinem Hirten erst einmal ohne Wenn und Aber an-
vertrauen. Erst, wenn ich
nur ihn als meinen Hirten anerkenne, gehöre ich in der Praxis zu seiner Herde.
Bloße Lippen-Bekenntnisse helfen da nicht weiter.
Wenn ich also meine, den Hirtenruf Jesu gar nicht hören zu können, dann kann es vielleicht sein, dass ich mich gerade im Funkloch befinde, dass ich selbst außer Rufweite geraten bin. Da ist es gut, sich zu fragen: Will ich wirklich, dass Jesus mein Hirte ist?
Will ich seinem Ruf folgen, auch wenn es mir gerade nicht so gut passt?
Wenn ich dies ehrlich mit „JA“ beantworte, dann gibt es nur eine vernünftige Lösung: Ich muss mich bewegen, so weit wie möglich
in seine Nähe bewegen. Nur dann kann ich ihn sehen und hören, dann kann ich mit ihm gehen und mein Leben nach ihm ausrichten.
So viele Rufe von allen möglichen Leuten gibt es, die sich selbst gerne zu meinem Hirten ernennen möchten, so viele Versprechun-
gen, so viele Lockrufe.
Da führt kein Weg dran vorbei: Ich muss mich immer wieder entscheiden. Wem schenke ich mein Vertrauen?

Jesus lässt auch keinen Zweifel daran, wie es denen ergehen
wird, die ihm wirklich nachfolgen. Im heutigen Evangelium heißt es: „Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie meiner Hand entreißen.“
Die Herde, die ihm vom himmlischen Vater anvertraut wurde, bekommt also eine Art Garantie-Zusage. Und diese Zusage ist einfach herrlich! Egal, was passiert: wer zur Herde Jesu gehört, bekommt ewiges Leben und wird nie zugrunde gehen.
Es gibt also offenbar immer wieder und auch in unseren Tagen ganz hartnäckige und dramatische Versuche, die Schafe anzugreifen und sie Jesus abzujagen, aber es ist gut zu wissen, dass dies letztlich zum Scheitern verurteilt ist: „…niemand wird sie meiner Hand entreißen.“
So garantiert es uns Jesus, der gute Hirte. Das Rezept dazu heißt einfach: Immer in der Nähe des Hirten bleiben, sich immer an ihm orientieren. Dann ist man wirklich sicher. Schauen wir also, dass wir uns nicht zu weit entfernen! Achten wir darauf, dass wir in Rufweite bleiben. In diesem Sinne: Uns allen einen guten Empfang!


Exegetisch-theologischer Kommentar (pdf)
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Predigt Pfr. Karl Sendker
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Predigt Pater Wendelin Reisch OFM
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Hörendes Gebet (pdf)
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Predigt Pfr. Josef Mohr, Heidelberg
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Katholisches Bibelwerk zum 4. Sonntag der Osterzeit
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Gottesdienstvorschlag Geistliche Berufe
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Meine Predigt zu Joh 10,1-10 (4. So d. Osterzeit A)
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Marienlob im Mai: Mein aktueller Artikel mit vielen Linktipps
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Von wegen Kirchenaustritte: z.B. SPD über ein Drittel geschrumpft
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DGB-Gewerkschaften: Seit 2001 über 1 Million Mitglieder ausgetreten
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Statistik der Kirchenaustritte in Deutschland 1950 – 2008 (pdf)
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Worauf wir hören
Ein Indianer, der in einem Reservat weit von der nächsten Stadt entfernt wohnte, besuchte das erste Mal seinen weißen Bruder in der großen Metropole. Er war sehr verwirrt vom vielen Lärm, von der Hektik und vom Gestank in den Straßenschluchten. Als sie nun durch die Einkaufsstraße mit den großen Schaufenstern spazier-
ten, blieb der Indianer plötzlich stehen und horchte auf. „Was hast du?", fragte ihn sein Freund. „Ich höre irgendwo eine Grille zirpen", antwortete der Indianer.
„Das ist unmöglich", lachte der Weiße, „erstens gibt es hier in der Stadt keine Grillen und zweitens würde ihr Geräusch in diesem Lärm untergehen."
Der Indianer ließ sich jedoch nicht beirren und folgte dem Zirpen.
Sie kamen zu einem älteren Haus, dessen Wand ganz mit Efeu überwachsen war. Der Indianer teilte die Blätter, und tatsächlich:
da saß eine große Grille. „Ihr Indianer habt eben einfach ein viel besseres Gehör", sagte der Weiße.
„Unsinn", erwiderte sein Freund. „Ich werde dir das Gegenteil beweisen".
Er nahm eine kleine Münze aus seiner Tasche und warf sie auf den Boden.
Ein leises „Pling" ließ sich vernehmen. Selbst einige Passanten, die mehr als zehn Meter entfernt standen, drehten sich augenblicklich um und schauten in die Richtung, aus der sie das Geräusch gehört hatten. „Siehst du, mein Freund, es liegt nicht am Gehör. Was wir wahrnehmen können oder nicht, liegt ausschließlich an der Zielrichtung unserer Aufmerksamkeit.“
(Quelle: mir leider nicht bekannt)


„Sprichst du auch jeden Abend schön dein Gebet?", fragt der Pfarrer den kleinen Tobias.
„Nein, das macht die Mutti für mich!"
„So? Und was sagt sie denn für dich?"
„Gott sei gedankt, dass du endlich im Bett bist!"


Im Eilzug erwischt der Schaffner einen Schotten ohne Fahrkarte. Nach einem erregten Wortwechsel verliert der Beamte seine Geduld, packt den Koffer des Reisenden und brüllt: „Wenn Sie nicht augen-
blicklich zahlen, werfe ich Ihren Koffer aus dem Zugfenster!"
Darauf schreit der Schotte auf und rauft sich die Haare: „Erst wollen Sie mich arm machen und jetzt auch noch meinen einzigen Sohn töten?!?"

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