29.12.2010

2. Sonntag nach Weihnachten - 02.01.2011

(Fortsetzung)

Manche führen überall das große Wort, doch eigentlich könnten sie sich ihre Worte sparen. - Mit anderen Worten: Wer die jeweiligen Wortführer genauer kennt, der weiß, dass oft genug viele ihrer großen Worte nur Schall und Rauch sind.
Sogar das feierliche JA-Wort vor dem Traualtar gilt bei immer mehr Paaren nur noch für die guten Zeiten, denn die schlechten Tage will oder kann man häufig nicht mehr gemeinsam durchleiden.
Ja, wir sind halt keine Kinder mehr. Wir wissen, wie der Hase läuft. Wir wissen, dass viele schöne Worte nur geheuchelt sind oder nur abwimmeln sollen, damit Ruhe ist. Das z.B. ist schnell von Eltern gesagt: Ja, mein Kind, vielleicht machen wir das morgen – im Mo-
ment habe ich leider keine Zeit!
Worte können froh machen, aber Worte können auch jemanden fertig machen, können jemanden ins Abseits stellen, jemanden zum Schweigen bringen. Also sind wir aus langer Erfahrung skeptisch geworden gegenüber Worten.

Im Evangelium geht es auch um das Wort. Es ist nur ein Wort, das Wort, das Wort Gottes. Alles das, was wir so über Worte von Menschen wissen, hat mit dem Wort Gottes ungefähr so viel zu tun wie eine kleine Nuss-Schale, auf dem offenen Meer treibend, mit einem Ozean-
riesen. Vergessen wir jetzt alles, was wir über Menschenworte im Kopf haben. Vergessen wir alles, was sich an Bedenken und Erfahrung in uns meldet. Ein einziges Wort, ein einziger Gedanke genügt – und alles, was Gott will, das geschieht so wie er es will. Sofort zu Beginn der Heiligen Schrift zeigen uns die Aussagen über die Schöpfungsgeschichte, was ein Wort Gottes bewirkt: „Und Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.“ - Gottes Machtwort schenkt Licht, Gottes Wort schenkt Leben in ganz großem Stil. Ohne sein Wort läuft gar nichts, würde man heute wohl sagen. Bei jedem weiteren Schritt der Schöpfungsgeschichte heißt es im biblischen Text immer genau gleich: „Gott sah, dass es gut war.“
Gottes Wort ist Ausdruck seiner unbegreiflich großen Liebe. Was Gott damit in Bewegung setzt, ist einfach nur gut. Kein Haken, keine Hintertür, keine Doppeldeutigkeit – es ist einfach nur gut.
Gut – das heißt: genau so, wie von Gott gewollt, genau so gut wie Gott. Ja, das Wort ist sogar identisch mit dem, der es ausspricht.
So heißt es im heutigen Evangelium: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“ - Wenn Gott uns sein Wort gibt, dann schenkt er uns sich selbst.

Heute geht es im weihnachtlichen Evangelium des Johannes, der selbst Jünger Jesu und Augenzeuge seiner Taten war, ganz genau darum. Weihnachten heißt: Gottes Leben und Gottes Licht kommt leibhaftig zu den Menschen. Gott liebt seine Menschen so sehr, dass wir ihn selbst empfangen dürfen. An Weihnachten kommt er selbst in seinem Sohn zu uns, und er leuchtet in unserer Finsternis.
Für den Begriff „das Wort“ steht im griechischen Original übrigens das Wort „Logos“. Darin erkennen wir unseren Begriff „logisch“ wieder, der auch in Begriffen wie Biologie oder Theologie enthalten ist. Er bedeutet so viel wie Sinn, Wort, Kraft oder Tat. Und das bedeutet: An Weihnachten geht es um eine ganz tiefe Wahrheit, um die Offenlegung von etwas, was uns bisher verborgen geblieben war. Es geht wirklich um die ganz große Sinn-Frage, um die Frage, was die ganze Schöpfung für einen Sinn hat und was die Welt im Innersten zusammenhält.
Da ist kein sinnloser Zufall, kein Urknall, weil halt gerade mal so eben einen Moment lang eine gigantische Menge Energie da war, die sich dann netterweise in der Evolution auch irgendwann in Menschen verwandelte. Nein, sagt die Bibel: Gottes Liebe ist es, die all das veranlasst hat und lenkt.
Wirklich alles ist in Gottes Hand. Und an Weihnachten ist dieser Gott uns in seinem Sohn ganz, ganz nahe gekommen. Kein Gott wie ein eingefleischter, alter Junggeselle, fern und realitätsfremd, sondern als Mensch hat er sich eingefleischt, ist in Jesus in Fleisch und Blut übergegangen, hat für uns Hand und Fuß bekommen.
Doch Johannes und die ersten christlichen Gemeinden mussten in den Jahrzehnten nach Jesu Tod und Auferstehung auch enttäuscht erleben, dass die Finsternis in den Herzen vieler Menschen das hell leuchtende Licht für sich ablehnte. Wörtlich heißt es: „Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.“ – Diese Ernüchterung merkt man dem heutigen Text auch an. Nur eine Minderheit bekehrte sich damals, nahm Gottes Geschenk an und wurde selbst zu Christen.
„Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ - So heißt es weiter bei Johannes. Gott kommt in sein Eigentum, und man schlägt ihm schnell die Tür vor der Nase zu. Eintritt für den Herrn und Gott unerwünscht. - Ist das nicht furchtbar? Es sind die Seinen, heißt es ausdrücklich.
Die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wir alle gehören Gott, wir sind sein Eigentum, wir gehören zu ihm. Aber wir tun so, als ginge uns das nichts an, frei nach dem Motto: Nein danke, wir brauchen nichts, wir haben schon alles!
Mehr noch: Dieser Gottessohn Jesus wurde ausgesprochen lästig. Für so jemand war auf Dauer kein Platz in den Macht-
gefügen dieser Welt.
Im griechischen Urtext heißt es „ou topos“. Das heißt nicht nur: kein Platz, sondern wir erkennen sofort das Wort „Utopie“ darin wieder. Das bedeutet: In den üblichen Denk-Kategorien dieser Welt werden die Gedanken, das Handeln und die Aufforderungen Jesu an uns damals wie heute von unseren öffentlichen Wortführern gerne einfach für utopisch erklärt, für Schaumschlägereien eines realitätsfremden Träumers.
Lieber Gott, du hast im Grunde ja keine Ahnung, wie das hier bei uns läuft, soll das eigentlich heißen. Wir echten Menschen brauchen nun mal unsere strengen Religions-Vorschriften, unsere Mauern, unsere Grenzen, unsere Panzer und Atom-Raketen. Wenn du wüsstest, wie die anderen Menschen neben uns wirklich sind! Wenn die so wären, wie wir eigentlich sein sollten, dann, ja dann…

Genau da liegt der große Denkfehler, sagt nicht nur das heutige Evangelium. Gott hat nicht mal so nebenbei Mensch gespielt, weil ihm vielleicht langweilig war und er mal was erleben wollte. - Nein, sagt auch Johannes, das Wort Gottes ist wirklich und wahrhaftig Fleisch geworden. Nicht geboren so ähnlich wie ein Mensch, sondern geboren wie wir Menschen alle. Gott wird mit uns leibhaftig solidarisch gegen Ungerechtigkeit, Leid und Not. Alles, was Menschen erleiden und erleben, ist ihm nämlich wohlbekannt, die Hochzeiten ebenso wie die Trauerfeiern, die Egoisten (auch die in religiöser Verkleidung) ebenso wie die Umkehrwilligen, den Zöllner und Obergauner Zachäus eingeschlossen.
Jüngere Kinder fragen dann schon mal nach, wenn sie das im Unter- richt hören: „ War Jesus wirklich ein Mensch in echt?“ – Ja, in echt! Die Menschwerdung Gottes war und ist kein Spiel, sondern blutiger Ernst. Man lese es selbst in der Leidensgeschichte nach.
Johannes formuliert dann weiter: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns ge-
wohnt.“
- Genauer heißt es im Urtext allerdings nicht einfach nur wohnen, sondern „zelten“. Gott schlägt mitten unter uns sein Zelt auf – was für ein schönes Bild! - Gott ist dadurch mittendrin im wirklichen Leben. So wie die Israeliten früher jahrelang weiterzogen bis ins Gelobte Land und die Bundeslade immer dabei hatten, so ist Gott in Jesus zu uns gekommen, mitten hinein in unser Getümmel, mitten hinein in unser Glück und Leid, in all unsere Hoffnung und Enttäuschung, in unsere Freude, unseren Schmerz. Er hat uns nicht im Dunkeln sitzen lassen. Er ist da, wo wir sind. Er zieht mit uns in unserer Unstetigkeit, wenn wir mal wieder irgendwo die Zelte abbrechen müssen auf dem Weg zu unserem Ziel. Seine ganz persönlichen Weihnachtsgrüße stehen eben nicht nur auf dem Papier.

Dieses Motiv des Zeltes hat auch die Kirche aufge-
griffen. Sie spricht vom wandernden Gottesvolk, und daher sind auch zahlreiche Kirchengebäude in zeltähnlicher Form konstruiert. Wir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh, heißt es auch sehr treffend in einem Kirchenlied („Gotteslob“ Nr. 656). Wir als Christen wissen, dass das so flexible Zelt ein gutes Symbol für uns ist: Unser Leben hier auf Erden währt nicht ewig. Es ist nur kurzfristig, es hat ein ganz bestimmtes Verfallsdatum, dass wir selbst nicht lesen können. Wir können hier auf Erden nichts wirklich dauerhaft ein-
zementieren; von einem Moment zum anderen kann alles dahin und futsch sein, was man so gerne für immer konservieren möchte: Gesundheit, Wohlstand, Arbeit, Glück.

Kommen wir zum Schluss des heutigen Evangeliums. Dort heißt es: „…und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.“ Johannes schreibt ausdrücklich: Wir haben…“ – Das soll heißen: Wer dem Mensch gewordenen Jesus nicht die Türe vor der Nase zuschlägt, sondern wer ihn zu sich ins eigene Leben hereinbittet, der wird ihn auch immer tiefer kennenlernen können. Das hat Johannes nicht alleine so erlebt, sondern mit ihm viele Christen in den Gemeinden, damals und heute.
Wer Jesus in sein Herz hereinlässt, der wird auch aus tiefstem Herzen Weihnachten feiern, und das sogar, genau genommen, ein ganzes Erdenleben lang. Da haben wir, wie wir wissen, sein Wort drauf.

Predigt Pfr. Karl Sendker
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„Die ganz andere Weihnachtsgeschichte“ (pdf)
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Predigt Eberhard Gottsmann
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„missio“-Predigthilfe (Afrikatag): „Gott gibt uns sein Wort“ (pdf)
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Bischofssynode über das Wort Gottes
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Ihre Lebensuhr – so viel Zeit hat Ihnen Gott schon geschenkt
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Ein Kirchengegner-Ehepaar geht ins Museum. Sie sehen sich die Bilder an - und bleiben schließlich vor einem herrlichen Gemälde
von Rubens mit dem Titel "Die Heilige Familie auf der Flucht" stehen. Sie betrachten lange das kostbare Bild. Schließlich wendet der Mann sich zu seiner Frau um: „Siehst du, so sind die Christen! Seit Jahrhunderten erzählen sie den Leuten, Maria und Josef seien so arm gewesen, dass Maria ihr Kind in einem Stall zur Welt bringen musste. Aber um sich von Rubens malen zu lassen - dafür hatten sie immerhin Geld genug…!"


Ein Rasenmäher und ein Schaf stehen nebeneinander auf der Wiese. Auf einmal sagt das Schaf: „Mäh! Mäh!“ - Da antwortet der Rasenmäher: „Von dir lass ich mir gar nix befehlen!“

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